KW 31/2026: Stoner, Aliens, Free & Easy und Lost in Kyiv
Happy Sunday!
Da ich etwas spät dran bin, verzichte ich auf ein sinnvolles Intro und wir legen gleich mit dem Wochenrückblick los.

Am Freitag hatte ich mir kurzfristig frei genommen und fuhr zu Ambach am See, also am Starnberger See. Den Ort selbst habe ich nicht gesehen, wohl aber die lange Liegewiese am See, die am Vormittag auch noch reichlich Platz bot. Den nutzten auch die Gänse, die immer wieder in Gruppen an Land kamen und sich das Gras schmecken ließen. Ich hielt mich dagegen an ein schönes Wiener Backhendl, dass es beim Buschaner Seewirt gab. Halbtägige Naherholung, bis ich mich am Nachmittag wieder auf den Rückweg machte, als es am Seeufer begann, voller zu werden.


John Williams – Stoner (USA, 1965) – 7 von 10
Klappentext: Stoner ist einer der großen vergessenen Romane der amerikanischen Literatur. John Williams erzählt das Leben eines Mannes, der, als Sohn armer Farmer geboren, schließlich seine Leidenschaft für Literatur entdeckt und Professor wird – es ist die Geschichte eines genügsamen Lebens, das wenig Spuren hinterließ. Ein Roman über die Freundschaft, die Ehe, ein Campus-Roman, ein Gesellschaftsroman, schließlich ein Roman über die Arbeit. Über die harte, erbarmungslose Arbeit auf den Farmen; über die Arbeit, die einem eine zerstörerische Ehe aufbürdet, über die Mühe, in einem vergifteten Haushalt mit geduldiger Einfühlung eine Tochter großzuziehen und an der Universität oft teilnahmslosen Studenten die Literatur nahebringen zu wollen. Stoner ist kein Liebesroman, aber doch und vor allem ein Roman über die Liebe: über die Liebe zur Poesie, zur Literatur, und auch über die romantische Liebe. Es ist ein Roman darüber, was es heißt, ein Mensch zu sein.

Review: Als ich 2023 mit Butcher’s Crossing (9/10) meinen ersten Roman von John Williams las, war ich sehr begeistert und kürte ihn zu meinem Roman des Jahres. Über drei Jahre später habe ich es endlich geschafft, einen zweiten Roman aus seiner überschaubaren Bibliografie zu lesen. Die Begeisterung war dieses Mal nicht ganz so groß – Stoner rettete sich gerade noch so auf sieben Punkte. Das verdankt der Roman vor allem der angenehmen Sprache, die es sehr gut schafft, die Figuren und ihre Vertrautheiten zu veranschaulichen, ohne groß erklärend zu werden und die einen gewissen und angenehmen Lesefluß ermöglicht. Man wird durch das Leben von William Stoner geführt, der es von der elterlichen Farm zu Beginn des 20. Jahrhunderts aus schafft, sich im Universitätsumfeld zu etablieren und dort alt zu werden. Solche (erfundenen) Lebensgeschichten finde ich oft ganz spannend, Erinnerungen an Robert Seethalers Ein ganzes Leben werden dabei wach (Review), ohne allerdings dessen Klasse zu erreichen. Dafür fehlen die Brüche in Stoners Leben, die Schicksalsschläge. Stoners Werdegang ist einfach, selbst die beiden Weltkriege machen mit ihm recht wenig. So bleibt am meisten seine Ausseinandersetzung mit einem Studenten im Kopf und die seltsame Beziehung zu seiner Frau. Der Roman schafft es nicht, die Passion für sein Unterrichtsfach zu entfachen. Sie wird zwar immer wieder erwähnt, aber so richtig fühlt man sie nicht. Wenn ich da an die Begeisterung des Butlers für seinen Beruf in Was vom Tage übrig blieb (9/10) denke… Während Williams in Butcher’s Crossing das Western-Genre mal eben kurz auf links drehte, plätschert die Handlung hier einfach stetig dahin. Schade, ich hatte große Erwartungen an diesen Roman, sie wurden leider nicht erfüllt. Aber solide und gekonnt ist das alle Male.

Aliens – Die Rückkehr (Regie: James Cameron, USA, 1986, Sky SciFi) – 9 von 10
War der erste Teil von Alien (8/10) noch spürbar im Horror-Gerne verankert, ist die Fortsetzung Aliens nun eher eine Mischung zwischen Militär-Action und Science Fiction. Cameron inszeniert die Rückkehr Ripleys (Sigourney Weaver) auf den Exomond LV-426 und den erneuten Kontakt mit den Xenomorphen mit einer atemlosen Spannung, die auch 40 Jahre später noch sehr gut funktioniert, wenn man über die teilweise gummiartigen Aliens großzügig hinwegsieht. Mögen die Nebenfiguren noch so sehr aus dem Baukasten stammen (die tumben Militärs, der gewissenlose Wissenschaftler (Paul Reiser), das clevere Kind (Carrie Henn) in Nöten), die Mischung funktioniert und trägt auch über die kompletten gut zwei Stunden Laufzeit. Lange Gänge, schwache Beleuchtung und stetige Bedrohungskulisse – mehr braucht es gar nicht, um Spannung zu erzeugen. Langsam wird mir klar, woran sich Starship Troppers (9/10) und Star Trek: Der erste Kontakt (8/10) so großzügig bedient haben.

Free & Easy Festival – München, Backstage Gelände

Am Freitag waren wir auf dem Free & Easy Festival auf dem Backstage Gelände und ich war ehrlich überrascht, wie groß die Veranstaltung ist und wie viel dort Abend für Abend geboten wird. Besonders dafür, dass es für das Publikum keinen Eintritt kostet. Spötter und -innen würden sagen, dann bliebe ja mehr Geld für Bier übrig. In der Praxis eskalierte der Abend mehr als geplant.
Dabei haben wir nur zwei Bands in der Arena Süd gesehen. Das waren zunächst die Berliner von Pabst. Schon oft gesehen, wegen ihnen waren wir hier. Im Publikum war es sehr luftig, große Bekanntheit erfreuten sie sich hier offenbar nicht, was insgesamt etwas auf die Stimmung drückte. Crushed und Shake The Disease funktionierten aber auch so gut. Nach ihnen spielten Schmutzki aus Stuttgart und schon im Vorfeld war anhand der T-Shirts im Publikum klar, dass sie deutlich mehr Fans mitgebracht hatten. Die sorgten dann auch für tolle Stimmung, ihr deutschsprachiger Party-Pop-Punk wurde überall lauthals mitgesungen. Texte und Melodien waren so gestrikt, dass man recht schnell und problemlos miteinstimmen konnte. Das ist nichts für das Kulturprogramm von arte, machte aber trotzdem ordentlich Spaß.

Die Fahrt zur Arbeit, die Fahrt zum Feee & Easy Festival, eine Hin- und Rückfahrt nach Augsburg am Samstag, das klappte alles ohne Probleme (so weit sind wir gekommen, dass eine 15minütige Verspätung in diese Kategorie fällt). Lediglich die Fahrt nach Ambach gestaltete sich schwierig. Den Tipp für den Ort hatte ich von einer Freundin bekommen, diesen Platz zu erreichen war mit den Öffentlichen aber recht kompliziert. Mit dem Regionalzug nach Seeshaupt und von hier aus weiter mit einem Bus, der nur ungefähr alle zwei Stunden fährt. Willkommen auf dem bayerischen Dorf. Hin klappte es noch ganz gut, Zug und Bus waren aufeinander abgestimmt.
Auf der Rückfahrt fuhr der Bus allerdings zunächst an der Haltestelle, für die er von der Schnellstraße hätte runterfahren müssen, einfach vorbei. Ich, der Angst hatte, zwei Stunden auf den nächsten Bus warten oder die ewig lange Strecke zum Bahnhof bei dieser Hitze laufen zu müssen, versuchte, mit winken auf sich aufmerksam zu machen. Und es half, der Bus fuhr langsamer und hielt dann an der Schnellstraße an. Ich sprintete hoch, es war heiß, es ging bergauf, erreichte noch den Bus und ließ mich erschöpft in die Sitze fallen. Ich weiß nicht, was ältere oder unfittere Leute gemacht hätten, aber eigentlich war es eine Frechheit. Defintiv der falsche Platz für ein „Mut zur Lücke“, besonders in dieser Taktung. Ab- und Auffahrt von der Schnellstraße hätte den Fahrer maximal eine Minute gekostet – und wenn dort in acht von zehn Fällen niemand wartet, dann gehört es trotzdem zu seinem Job.

- Statistik Juli 2026: Schrieb ich im letzten Monat noch, der „seelenlose Traffic aus den USA“ wäre zurück gegangen, änderte sich das im Juli wieder. Er machte einen Anteil von 44% aus, deutlich mehr als noch im Juni. Dadurch wurde der Monat zwar zum zweitbesten aller Zeiten. Es bleibt aber ein Topwert, den ich leider nicht ernst nehmen kann, da zusätzlich der Traffic aus China, Singapur und Hongkong hoch blieb. Immerhin, die Anzahl der Seitenabrufe aus Deutschland blieb konstant zum Vormonat und war insgesamt auf einem ordentlichen Niveau. Auch die Anzahl der Likes und Kommentare sprechen dafür, dass der Monat auch abseits der Bot-Geschichte ein erfolgreicher war. Der Beitrag zum Song Crimson and Clover war das zweite Mal in Folge der Top-Beitrag des Monats, gefolgt vom Beitrag über die Musik bei Ina’s Nacht. Auf Platz 3 landete der mediale Wochenrückblick 29/2026. Für die Google-Analyse übergebe ich testweise an ChatGPT:
- Google Search Traffic Juli 2026: Im Juli konnte die Seite seine organische Sichtbarkeit weiter ausbauen: Die Klicks stiegen gegenüber Juni um 15 %, die Impressionen sogar um 22 %. Besonders erfreulich: Mehrere 2026 veröffentlichte Artikel wurden bereits von Google indexiert und sammeln erste Impressionen – ein starkes Signal für ihre weitere Entwicklung. Zu den Gewinnern zählt der Artikel über Inas Nacht, der vom Start der neuen Staffel profitierte. Auch der Star-Trek-Artikel legte einen vielversprechenden Start hin und dürfte durch die neuen Folgen im August weiter an Reichweite gewinnen. Unangefochtene Nummer eins bleibt jedoch Crimson and Clover, das sich als echter Evergreen etabliert hat. Fun Fact: Die erfolgreichsten Inhalte des Blogs entstehen oft an der Schnittstelle von Evergreen-Themen und aktuellen Ereignissen – neue Staffeln oder Jubiläen sorgen regelmäßig für frischen SEO-Schub.
- Tach, Post: Scherereien hatte ich in der vergangenen Woche mit der Deutschen Post, die mir meine neue Krankenkassen-Karte nicht zu stellen wollten und sie wieder zurück an den Empfänger schickten. Denen musste ich dann erst einmal erklären, dass ich nicht umgezogen war, sondern die Post die Zustellung versemmelt hatte. Erst im zweiten Versuch klappte in dieser Woche die Zustellung. Dass ich in der Zwischenzeit ein neues Rezept brauchte, versteht sich von selbst.
- Kurzurlaub am Gardasee: Christine teilt ihre Tipps und Highlights für die bei deutsche Touristen beliebte Gegegnd. Trotz meiner langen Jahre in Bayern war ich ja tatsächlich noch nie dort.
- Read around the World: Brasilien: Dieses Mal nimmt uns der Blog Bingereader mit in das südamerikanische Land und gibt uns einen Überblick über die Kultur des Landes.

Dieses Jahr scheine ich so ein wenig in meiner Post-Rock Era zu sein. Mit der französischen Band Lost in Kyiv hat mich ein weiterer Kandidat dieses nicht gerade populären Genres überzeugt. Deren neues Album We’re All Going To Be Fine ist diesen Sommer erschienen und bietet sogar einige Songs mit Gesang an, was in diesem Segment ja eher unüblich ist. Der Song Eclipse kommt jedoch ohne solchen Schnickschnack aus.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche!
2 Kommentare
LP
„Stoner“ erinnert mich daran, dass ich den irgendwann mal zu Ende lesen wollte, nachdem ich den Roman mittendrin abgebrochen hatte.
Bei dem „irgendwann“ ist es geblieben. Vielleicht konkretisiert mit „ganz sicher nicht in der nächsten Zeit“… also nie.
Ich glaube bei der nächsten Runde für den Bücherschrank darf er mit.
Nummer Neun
Kann ich nachvollziehen!