Böhmen 2026: (III) Prag: Zwischen berühmten Brücken, stillen Ufern und lebhaften Menschenmengen

Nach einer mehr als entspannten Busfahrt aus Karlsbad kam ich gegen Mittag in Prag am Busbahnhof Florenc an. Von dort konnte ich mit der Metro direkt bis zur Station Národní třída durchfahren. Einmal um die Ecke und schon stand ich vor meinem Hotel, dem Národní Stay. Es lag im ersten Stock eines etwas älteren Einkaufszentrums, der Zugang lag von der Haupthalle aus etwas versteckt in einer Ecke. Das Hotel war nichts besonderes. Ich hatte sogar ein Zimmer ohne Fenster gebucht, weil ich ja eh nur für eine Nacht bleiben würde, reichte mir das vollkommen. Immerhin, das Zimmer war sauber und Bett und Dusche okay.

Es war nicht mein erster Besuch in Prag, tatsächlich war ich 2008 schon einmal hier. Besonders viel wusste ich jedoch nicht mehr, glaube aber, dass die Stadt erst danach so richtig geboomt und immer mehr Party-Touristen angezogen hat. Wie auch immer, ich hatte den Rest diesen Tages und etwas mehr als einen halben am Folgetag zur Verfügung. Ich hatte ein paar Sachen im Kopf, die ich sehen – beziehungsweise: wieder – sehen wollte. Das Wetter war weiterhin super und so ließ ich mich durch die Stadt treiben und lief am Ende doch wieder deutlich mehr, als ich geplant hatte. Mit der Ruhe aus Karlsbad war es hier definitiv vorbei. Die Stadt war voller und lauter, Autoverkehr überall. Es ist ein Touristen-Hot-Spot und die Hauptstadt Tschechiens. Wer Ruhe möchte, muss hier schon sehr genau suchen.

Aber zurück zu meiner Tour durch die Stadt: Da es vom Hotel aus leicht zu erreichen war und ich es beim letzten Mal (damals) definitiv verpasst hatte, stieg ich direkt mit dem modernen Must-See der Stadt ein: Das Dancing House am Ufer der Moldau. Schon oft auf Bildern gesehen, nun auch endlich das erste Mal in echt. Netter Anblick – weiter geht’s.

Nun wurde es wirklich klassisch. Am Moldau-Ufer entlang bis zur bekannten Karlsbrücke und dann über das berühmteste Wahrzeichen der Stadt rüber auf die andere Flußseite. Die Brücke war hoch frequentiert, ein bunter Sprachgemisch lag in der warmen Luft. Und am Ende der Brücke erwartete mich ein abkühlendes Eis – hochpreisig, der Lage entsprechend.

Über der Kleinseite, auf der ich nun war, thront weithin sichtbar die Prager Burg. Und ich, der ja an diesem Tag gar nicht so viel laufen wollte, machte sich auf den Weg dorthin, über die Treppenstufen, die einen immer weiter in die Höhe trieben. Die Prager Burg ist, laut Wikipedia, die größte geschlossene Burganlage der Welt und die ehemalige Residenz der Könige von Böhmen. Sie beherbergt den hoch aufragenden St. Veitsdom und den alten Königspalast. Hier findet sich auch das schmale Goldene Gässchen mit seinen bunten, kleinen Häuschen, in der auch Franz Kafka eine zeitlang gelebt hat.

Nun war es langsam an der Zeit, über das Abendessen nachzudenken. Ich wollte mir ein kleines Burger-Restaurant auf dieser Seite der Moldau heraussuchen. Meine Wahl fiel auf Loki Burgers, die in ihrem Design und ihrer Karte sehr mit der nordischen Mythologie arbeiteten, nicht zu weit weg von meinem jetzigen Standort und nach großzügigen Maßstäben auch auf dem Weg in Richtung Hotel. Unterwegs kam ich an einer Stelle vorbei, an der man direkt bis an das Flußufer gelangen und in Ruhe und ohne Stress etwas sitzen konnte, mit bestem Blick auf die bekannte Karlsbrücke. Ich bin mir nicht sicher, ob es ein großer Geheimtipp war oder nicht, aber so ungeplant, wie ich darauf gestoßen bin, redete ich mir ein, da etwas ganz Unbekanntes entdeckt zu haben.

So ausgeruht ging ich weiter zum Burgerladen. Auch wenn ich kurz überlegte, stattdessen nicht doch eines der böhmischen Wirtshäuser hier zu besuchen, entschied ich mich letztlich für meinen ursprünglichen Plan. Der Burger war okay und außer mir war anfangs nur ein weiteres deutschen Pärchen zu Gast.

Nach dem Essen wechselte ich wieder die Flußseite und genoß von der Brücke der Legionen den Ausblick auf die Moldau in diesem warmen, abendlichen Licht.

Am nächsten Morgen frühstückte ich zunächst im historischen Café Louvre, das direkt gegenüber von meinem Hotel lag. Danach checkte ich aus, ließ aber meine Sachen im Hotel zurück, um mir in den nächsten Stunden noch ohne Ballast die Altstadt Prags anschauen zu können.

Das Hotel lag auch dafür ausgesprochen gut und so konnte ich schnell in die Gassen der Altstadt eintauchen und mir den Weg über den Kleinen Platz zum Prager Rathaus suchen. Vor dessen mittelalterlicher Rathausuhr hatten sich wahre Menschenmassen versammelt, so dass ich hier nur schnell ein Foto machte und zügigst vorbei ging. Der dahinter liegende große Platz bot auch wahrlich genug zu sehen mit dem großen Jan-Hus Denkmal und den historischen Häuserfassaden auf allen Seiten des Platzes. Dahinter schloß sich das sehenswerte Jüdische Viertel mit seinen breiten Straßen an. Hier findet sich auch das Franz Kafka Denkmal. Es gab also offensichtlich auch auf dieser Seite der Moldau genügend abzulaufen.

Ich hatte noch etwas Zeit übrig, bevor ich wieder zurück nach München fahren sollte, und entschied mich deshalb noch für eine kurze Schifffahrt über die Moldau. Die Tour ging von der Anlegestelle bis zur Karlsbrücke und unter ihr hindurch, dann wurde gedreht und zurück in die andere Richtung bis zur kleinen Flußinsel gefahren. Nette kleine Tour, da machte man nichts falsch.

Langsam musste ich mich nun aber wirklich auf den Rückweg machen – ganz langsam. Denn zunächst wollte ich noch etwas essen und entschied mich für ein Lokal mit einem schönen Innenhof und mit Aperol im Angebot, das mir bereits am Vormittag aufgefallen war und ich es für eine wahre Meisterleistung hielt, es wiedergefunden zu haben. Ich entschied mich für eine Gulaschsuppe, die ich mir aber mit dem günstigen Aperol etwas schön trinken musste. Zum Abschluß gönnte ich mir schließlich noch ein kühles und letztes Bier in einem klassischen Wirtshaus in der Nähe meines Hotels. Das war schnell getrunken und nun ging es wirklich los. Koffer im Hotel abgeholt, über die laaaange Rolltreppe runter zur U-Bahn und mit der zurück zum Busbahnhof Florenc gefahren, von wo aus mein Direktbus nach München losgehen sollte. Irgendwo unterwegs machte mein altgedienter Koffer schlapp, eines der Räder brach auf der ganzen Länge. So schleppte ich ihn und mich zurück in die Heimat.

Auf der mega entspannten Rückfahrt hatte ich schließlich Zeit, die Woche in Böhmen noch einmal Revue passieren zu lassen. Es war eine schöne Reise, die ich mir da recht kurzfristig zusammengestellt hatte. Pilsen war ganz am Anfang der Woche ein schöner Ausgangspunkt für diesen Urlaub gewesen. Karlsbad hatte mich danach äuerst sehr positiv überrascht und war defintiv das Highlight der Reise. Aber auch Prag war zum Abschluß sehr schön, schade, dass ich hier nicht mehr Zeit verbringen konnte.

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Böhmen 2026: (I) Pilsen // (II) Karlsbad // (III) Prag

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