KW 29/2026: Finale WM 2026, Obsession, Tiger Island, Flucht aus L.A., Asterix & Obelix & Your Friends & Neighbors & Die Saat des heiligen Feigenbaums

Happy Monday!

Das war wieder so eine Woche, in der die Erstellung des medialen Wochenrückblicks etwas stressig wurde. Ein Kinofilm, zwei Couchfilme und zwei Serienstaffeln sind das eine, die Finalwoche der Fußball-Weltmeisterschaft der Männer das andere. Es war erst gegen 0:43 unserer Zeit als Spaniens Kapitän Rodri den WM-Pokal aus den Händen des dynamischen Duos Gianni Infantino und Donald Trump überreicht bekam und in den New Yorker Nachmittagshimmel streckte. Das ist dann auch der Grund, weshalb der Wochenrückblick dieses Mal erst in der Nacht auf Montag online ging. Trotzdem viel Spaß damit!

Zur Abwechslung war ich unter der Woche mal wieder auswärts Fußball gucken. Nach einigem hin und her, weil die Wettervorhersage nicht ganz klar war, sind wir am Sendlinger Tor beim Giesinger Stehausschank gelandet. Nicht meine erste Wahl, aber es gab dort auch Burger und letztlich saßen wir ganz gut zum Halbfinale Frankreich – Spanien. Das Gewitter ging erst kurz nach Abpfiff los.

Gesehene Spiele: 34 von 104 WM-Spielen = 33% (WM 2022: 50% / WM 2018: 70%).

  • Halbfinale: Im Laufe des Turniers hatte sich das offensivstarke Team aus Frankreich zum allgemein anerkannten Favoriten gespielt. Bis das Team aus Spanien im Halbfinale kam und mit seiner Ordnung und Unaufgeregtheit den Franzosen kaum eine Torchance gönnte. Das zweite Halbfinale bot das erwartete Drama zwischen den Teams aus England und Argentinien, das war bereits bei den Hymnen klar. War die erste Hälfte noch ein Abnutzungskampf, wurde die zweite Hälfte episch. Mit dem 1:0 von England kippte das Spiel, aber anders, als erwartet. Plötzlich igelten sie sich hinten ein, hatten ab diesem Zeitpunkt nur noch 11% Ballbesitz und Argentinien kam zu Chance über Chance. Kurz vor Ende der Ausgleich, in der Nachspielzeit sogar der Siegtreffer für Argentinien, beide Tore vorbereitet von Messi, und in Buenos Aires brachen alle Dämme.
  • Don’t Look Back In Anger: In der Stunde nach dem WM-Aus von England explodierten laut Google Search Console die Suchanfragen, auf die mein Beitrag zu diesem Oasis-Song als Ergebnis angezeigt wurde. Über 1.500 mal innerhalb einer Stunde – geklickt hatte aber letzlich niemand.
  • Weltmeister der Herzen: Der Spieplan wollte es so: Beide Finalisten haben auf ihrem Weg dorthin gegen Österreich und gegen Kap Verde gespielt. Der Inseltstaat dabei sogar mit einer beeindruckenden Bilanz: Unentschieden gegen Spanien, Unentschieden nach 90 Minuten gegen Argentinien, verloren haben sie das Spiel erst in der Verlängerung. Österreich hat dagegen beide Spiele gegen die Finalisten klar verloren. Aber trotzdem noch ein Fun Fact: Hätte die Alpenrepublik sein Vorrundenspiel gegen das Team aus Argentinien gewonnen, wären Spanien und Argentinien bereits im Sechzehntelfinale aufeinander getroffen.
  • Finale Spanien – Argentinien: Da macht sich diese WM gar nicht so schlecht, aber dann bekommt sie dieses Finale. Das Spiel hält keinen Vergleich mit dem grandiosen WM-Finale von Dezember 2022 Stand, sondern war eher in der Tradition des letzten WM-Finals in den USA von 1994: Langweile pur. Selbst die groß angekündigte Halftime-Show wollte nicht richtig zünden, trotz Ted Lasso und den Muppets. Das heute Journal hätte in der Halbzeit mehr Unterhaltung gebracht. So dauerte es bis zur 106. Minute, bis Ferran Torres das entscheidende Tor erzielte und das Team von Spanien zum Weltmeister krönte. Hochverdient, wie schon im Halbfinale ließen sie auch im Finale dem Gegner keine Torchance. Erst als alles schon vorbei schien, unternahm Argentinien endlich den ernsthaften Versuch, ein Tor zu erzielen. In einem Turnier, das sehr von seinen Superstars geprägt war (der neue WM-Rekordtorschütze Mbappé, Messi, Haaland, Bellingham, Kane) setzt sich am Ende ausgerechnet das Team durch, das eben keinen ausgewiesenen Megastar in seinen Reihen hatte, denn Rodri oder der famose Cucurella wollen in diese exponierte Rolle nicht passen. Aber sie spielten als Team sehr diszipliniert und machten quasi keine Fehler, nur ein Gegentor im ganzen Turnier spricht eine deutliche Sprache. Felicidades, España!
  • Mythos: Damit bleibt auch der Mythos bestehen, dass man diesen Titel quasi nicht verteidigen kann, seit Brasilien mit Pelé 1958 und 1962 ist das keinem Team mehr gelungen.
  • Meine WM-TV-Bilanz: Nur noch ein Drittel aller Spiele habe ich mir live angesehen, das ist noch einmal ein Rückgang zur letzten Weltmeisterschaft. Wenn ich dran denke, dass ich früher versucht habe, so gut wie alles von so einem Turnier zu sehen? Neben der geringeren Begeisterung lag es in diesem Jahr im speziellen auch noch an der Zeitverschiebung und damit den vielen Spielen in der Nacht, aber auch an der Exklusivität von Magenta TV, was ich mir nicht geholt hatte. Und so war es meist nur ein Spiel pro Tag, das hier auf dem Fernseher lief.
  • Abschlußworte: Diese WM hat mal wieder gezeigt, was für eine Faszination von Sport und von Fußball ausgehen kann mit seinen kleinen und großen Dramen. Die ganze Welt schaut vereint auf dieses Event. Das Spiel scheint letzlich unkaputtbar. Die Bilder der Fans in und um den Stadien, die begeisterte amerikanische Bevölkerung – sie zeigen, dass das Spiel eigentlich den Fans gehört. Aber leider gibt immer mehr Einflüsse von außen, die versuchen, sich das Spiel kommerziell und politisch einzuverleiben und es den Fans wegzunehmen. Traurig, dass selbst die FIFA dazu gehört.

Asterix & Oberlix: Kampf der Häuptlinge (Staffel 1, 5 Folgen, Frankreich, Netflix) – 7 von 10

Im Jahr 50 v. Chr. ist Gallien von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein, ein unbeugsame Dorf leistet weiter erbitterten Widerstand. Doch die junge Römerin Metadata hat eine Idee… Die kleine Animationsserie ist die Verfilmung des siebten Bandes der Asterix-Reihe: Der Kampf der Häuptlinge von 1966 und ist sehr launig umgesetzt und wurde bewusst an einigen Stellen modernisiert. Die Asterix Geschichten strotzten schon immer vor Anachronismen, das ist Teil des Humors, und das funktioniert auch hier wirklich perfekt. Der Einsatz von Musik (ich sage nur: Boombastic) ist da nur der offensichtlichste Teil davon. Die Story selbst ist dramatisch – immerhin geht es um die Zukunft des Dorfs – und betont den Wert der Freundschaft und der Individualität, was besonders im Kontrast zu den uniformierten Römern immer am deutlichsten wird. Der Fokus liegt natürlich klar auf Asterix und Obelix, die auch gekonnt ihre jeweiligen Stärken ausspielen können, aber auch ihre Schwächen zeigen. Aber auch der ganze Rest der Gallier, die wir über die letzten Jahrzehnte kennen gelernt haben, sind mit dabei. So ganz den Charme der frühen Jahre kann der Animationsstil dagegen nicht verströmen, der Eindruck könnte aber auch an meiner frühen Geburt liegen. Und dann gibt es da noch die erste Folge, die die Helden in kindlichen Jahren zeigt und illustrieren, wie Obelix damals in den Zaubertrank gefallen ist. Für mich war das mit Abstand die schwächste und uninteressanteste Folge, die auch in der Nachbetrachtung wie ein überlanger Prolog für die Serie wirkt. Die IMDb-Bewertungen zeigen, dass ich mit diesem Eindruck wohl alleine da stehe. Hilft aber nichts, sie kostet der Serie in meiner Bewertung den achten Punkt.

Your Friends & Neighbors (Staffel 1, 9 Folgen, USA, Apple TV) – 7 von 10

Coop (Jon Hamm) hat sich erst kürzlich scheiden lassen und verliert nun auch noch seinen Job. Um seinen luxoriösen Lebensstil aufrechtzuerhalten, bricht er bei Freunden und Nachbarn in deren Häuser ein und lässt teure Gegenstände mitgehen. Bei manchen Schauspielern ist mir deren Ruhm wirklich ein Rätsel. Jon Hamm gehört dazu. Für mich hat er kaum Präsenz und nur wenig Ausstrahlung, seine langweilige Nebenrolle bei Landman (7/10) ist dafür ein gutes Beispiel. Bei dieser Serie ist es nicht viel anders – alleine das Intro ist mir dafür schon Bestätigung genug. Nichtsdestotrotz steigerte sich meine Begeisterung von Folge zu Folge. Die Serie ist wie eine Mischung aus Breaking Bad und The White Lotus. Einerseits wird der Abstieg von Coop gezeigt, der immer tiefer ins kriminelle Millieu abgleitet. Anderseits bewegen wir uns in der Welt der Schönen und Reichen, mit deren ganzen Verlogenheiten und Möchtegern-Problemchen. Beides funktioniert gut und ist zusammen eine interessante Mischung. Dazu ist Hamm nur Teil eines größeren Casts, der aus seiner Familie und seinem Freundeskreis besteht und dessen Verbindungen zunehmend komplexer werden. Hervorzuheben sind hier die Rollen von Amanda Peel als seine Ex-Frau, Olivia Munn als seine Geliebte, Hoon Lee als sein Kumpel und Aimee Carrero als seine Verbündete. Es sind beste Voraussetzungen, dass die zweite Staffel noch mal eine Schippchen drauf legen kann.

Obsession – Du sollst mich lieben (Regie: Curry Barker, USA) – 9 von 10

Da war ich wohl etwas spät zur Party. Obsession war bereits der Eröffnungsfilm auf den Fantasy Filmfest Nights im April und läuft nun seit einigen Wochen im regulären Kino. Der Film erfährt einen ziemlichen Hype, der mich zuerst etwas skeptisch gemacht hat. Aber am Montag habe ich mir nun doch einen Ruck gegeben und bin ins Kino. Und was soll ich sagen? Ein wirklich starker Film, der mir die ein oder andere Gänsehaut bereitet hat. Bears (Michael Johnston) sehnlichster Wunsch ist es, das Herz seiner Jugendfreundin Nikki (Inde Navarrette) zu gewinnen. Als er in einem Laden ein Spielzeug entdeckt, dass ihm einen Wunsch erfüllen soll, ist seiner natürlich klar: Nikki soll ihm mit Haut und Haaren verfallen. Und nun ja: Man sollte vorsichtig sein mit dem, was man sich wünscht. Denn der Traum entwickelt sich immer mehr zu einem Alptraum. Regisseur und Autor Curry Baker zieht dezent immer weiter die Spannungsschraube an und lässt das ganze gepflegt eskalieren. Dabei kommt der Film mit wenigen Mitteln und wegen Locations aus. Er funktioniert durch das Schauspiel von Johnston und vor allem von Navarrette, die hier sämtliche Emotionen beim Publikum wecken kann. Spannend ist die Frage, wer hier von wem besessen ist. Klar, Nikki ist besessen und verhält sich so, sobald sie ihrer Sinne beraubt wird. Aber ist es nicht auch Bear, der wegen der unerwiderten Liebe zu seiner besten Freundin sich nichts mehr wünscht, als das zu ändern, und sie unter Zwang gefügig macht? Es scheint ihm lange Zeit nicht einmal etwas auszumachen, sondern erst, als er durch ihre Obsession seine Freiheit eingeschränkt sieht. Und selbst da würde er lieber seinen geäußerten Wunsch modifizieren, als ihn ganz aufzugeben. Etwas schade ist, dass von Anfang an klar ist, dass hier etwas nicht stimmt und auch Bear sofort davon ausgehen muss, dass sein Wunsch die Veränderung bei Nikki hervor gerufen hat. Ein etwas längerer Scheinfriede hätte dem Film hier gut getan. Dafür zieht sich die Eskalation am Ende etwas zu sehr – aber das ist jammern auf hohem Niveau. Denn insgesamt ist Obsession einer der stärksten und interessantesten Horrorfilme der letzten Jahre.

Flucht aus L.A. (Regie: John Carpenter, USA, 1996, Sky Cinema, Re-Watch) – 5 von 10

Los Angeles, 2013. Snake Plissken (Kurt Russel) wird gezwungen, einen gefährlichen Auftrag zu übernehmen. Er soll aus der zu einer Deportationszone umegwandelten Stadt die Tochter des Präsidenten (Cliff Robertson) finden. Es ist die Fortsetzung zu Die Klapperschlange von 1981 und machen wir uns nichts vor: Es ist im Prinzip die gleiche Story wieder, nur von einem apokalytischen New York in ein genau so zerstörtes Los Angeles verlegt. An die Klasse des Originals kommt er aber nicht heran. Der Film wirkt wie ein Videospiel mit einer Abfolge von Leveln, aber nicht wie ein zusammenhängender Film. Dem wortkargen und zynischen Snake werden in so gut wie jedem Level ein geschwätziger Sidekick bereit gestellt, der oder die ihm und damit uns die Situation und die Gefahr erklärt. Dadurch geht einiges des rohen Charmes von Snake verloren. Auch die Spezialeffekte sind nicht alle gut gealtert. Die Schlußpointe macht noch mal einiges gut, aber das reicht insgesamt nicht.

Die Saat des heiligen Feigenbaums (Regie: Mohammad Rasulof, Iran/Deutschland/Frankreich, 2024, Arte) – 8 von 10

Zur Zeit landesweiten Proteste im Iran 2022 wird Iman (Missagh Zareh) zum Ermittlungsrichter befördert. Als seine Dienstwaffe verschwindet, begegnet er seiner Frau (Soheila Golestani) und seinen beiden Töchtern (Mahsa Rostami und Setareh Maleki) mit zunehmenden Misstrauen und Paranoia. Es ist ein Wunder, dass nach der wilden Produktionsgeschichte (mehr dazu bei Wikipedia) überhaupt ein Film das Licht der Welt erblickte. Dem Ergebnis sieht man diese Einschränkungen aber kaum an. Es ist ein tragischer und spannender Film geworden, der die Zerrissenheit des Landes gekonnt auf eine eigentlich moderne Familie herunterbricht, deren Priviligiertheit auf dünnen Beinen steht. Entgegen der Beschreibung der Story stehen die Frauen der Familie im Mittelpunkt des Films, die zwischen Loyalität zu ihrem Ehemann und Vater und den Protesten im Land hin und her gerissen sind. Diese Proteste werden gekonnt durch reale Social Media Clips dieser Zeit visualisiert und ergänzen die eher kammerspielhaften Innenaufnahmen der Familie. Mir war die Einleitung etwas zu lange, die erste Stunde hätte aus meiner Sicht durchaus Potential zur Kürzung gehabt. Und auch das Finale, dass aus der Enge der Wohnung in die Weite der Landschaft flieht, fand ich etwas beliebig. Trotzdem aber ein wichtiger und dramatischer Film aus und über eine Ecke der Welt, die nicht häufig im medialen Fokus liegt.

Viele Fahrten gab es nicht in dieser Woche und die meisten liefen auch gut durch. Nur die Rückfahrt nach dem Public Viewing gestaltete sich  schwierig. Zunächst bin ich am Sendlinger Tor in der U-Bahn in die falsche Richtung eingestiegen. Zu meiner Entschuldigung: Ein Gleis war gesperrt, so dass die U-Bahn für beiden Richtungen am gleichen Gleis hielt. Als ich dann doch am Hauptbahnhof war, musste ich dort umsteigen, was wegen erneuten nächtlichen Einschränkungen auf der Stammstrecke mal wieder länger dauerte als nötig und den langen Weg von der U-Bahn zum Flügelbahnhof nötig machte.

Zum Abschluß scheppert es heute noch einmal ordentlich. Tiger Island kommen aus Leeds. Die fünfköpfige Garage-Punk Band hat mit Let’s Go Out ihr Debutalbum veröffentlicht, bei der für das Genre vielleicht nur der Gesang etwas zu glatt ist. Not Dead Yet war eine der Vorabsongs der Band.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und nun aber ab ins Bett, eine neue Arbeitswoche steht an!

5 Kommentare

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