KW 30/2026: Die Odyssee, Star City, Brandon Flowers und Slow Horses

Happy Sunday!

Wem gehört eine fiktive Geschichte und wer darf sie erzählen, wer kann sie am Besten erzählen? In dieser Woche gibt es im medialen Wochenrückblick die amerikanisch/britische Verfilmung einer epischen Geschichte aus dem alten Griechenland und eine amerikanische Serie, die eine fiktive Geschichte in der Sowjetunion erzählt. Ist es wichtig, wo sie spielt und wer sich die Geschichte ausgedacht hat? Fänden wir es seltsam, wenn US-Amerikaner Der Ring der Nibelungen erzählen würden oder die Märchen der Gebrüder Grimm? Vor kurzem war der amerikanische Film Nürnberg über die Nürnberger Prozesse im Kino. Konnte der die Emotionalität dahinter richtig einsortieren?

Ich finde es schwierig, das zu beantworten, denn die Frage ist komplexer, als man zunächst denkt. Vielleicht ist am Ende aber auch einfach nur wichtig, wie gut das Endprodukt geworden ist. Bei den beiden eingangs angesprochenen Stoffen ist die Antwort auf zumindest diese Frage recht unterschiedlich. Außerdem gibt es noch eine britische Thriler-Serie, die in London spielt (also unkritisch) und etwas Country-Musik eines Indie-Rockers. Viel Spaß!

Den halben Samstag habe ich in Schleißheim verbracht, vor den Toren Münchens. Dort waren wir in der Flugwerft Schleißheim, eine Außenstelle des Deutschen Museums. Die Ausstellung zeigte einige alte Flugzeuge, Drohnen und Fluggeräte, viele davon aus der militärischen Nutzung. Das war ganz interessant, wenn auch nicht mega groß, jedoch kam man nicht ganz so nah an die Maschinen wie bei der eher archaischen Ausstellung in Polen, die wir vor einigen Jahren besucht hatten. Nach dem Besuch der Flugwerft ging es noch in den Schloßbiergarten, der sehr schön in Sichtweite zum Neuen Schloß in Schleißheim gelegen war.

Slow Horses (Staffel 4, 6 Folgen, UK, Apple TV) – 8 von 10

Nach der guten Vorgängerstaffel (8/10) konnte ich es kaum erwarten, mit der fünften Staffel der Thrillerserie weiterzumachen. Und was war das für ein Staffelauftakt! In London gibt es einen Anschlag auf ein Einkaufszentrum, währenddessen wird Lamb (Gary Oldman) zu einem anderen Tatort gerufen, denn er soll dort den Leichnam seines Agenten Cartwright (Jack Lowden) identifizieren, der offenbar von seinem Großvater (Jonathan Pryce) erschossen wurde. Daraus entwickelt sich eine spannende Geschichte, die vielleicht wieder etwas unrealistisch dramatisch ist, aber dass Realismus nicht unbedingt ein Kriterium für Agentenserien sein muss, das hat schon Homeland gezeigt. Immerhin gipfelt die Staffel wieder in einem dramatischen Finale mit viel Action, emotionaler Tiefe und etwas Soap. Und Kristin Scott Thomas bekommt als MI5-Chefin endlich mal etwas mehr zu tun, während der Rest von Lambs Team dieses Mal jedoch nicht ganz so präsent ist wie in der Vorgängerstaffel.

Star City (Staffel 1, 8 Folgen, USA, Apple TV) – 6 von 10

Nachdem mir die aktuelle Staffel von For All Manking (Staffel 5: 7/10) ja nicht ganz so gut gefallen hat wie die vorherigen Staffeln, war ich nun sehr gespannt darauf zu sehen, wie sich das erste Spin-Off der Serie so schlägt. Star City erzählt die altenative Geschichte der Eroberung des Weltalls aus Sicht der Sowjetunion. Sie setzt ein, als im Juni 1969 der erste Mensch den Mond betrat: Ein Russe. Davon angetrieben, verstärkt die Sowjetunion ihrer Anstrengungen im Weltall weiter. Der Chefkonstrukteur (Rhys Ifans) plant als nächstes eine Reise zur Venus. Wie auch schon die Mutterserie ist auch hier der Star Trek Veteran (und Schöpfer der Neuauflage von Battlestar Galactica) Ronald D. Moore der kreative Kopf hinter der Serie. Sein Ansatz, die Geschichte der Ursprungs-Serie noch einmal aus einem zweiten Blickwinkel zu erzählen, weckt zumindest schon einmal Interesse. Und vielleicht das wichtigste zuerst: Sie funktioniert prinzipiell auch ohne Kenntnisse von For All Mankind. „Gut“ macht sie das aber noch lange nicht. Zwar hat sie immer mal wieder einige wirklich hervorragende dramatische Spitzen (ohne spoilern zu wollen: das Ende von Episode 6 ist unglaublich!), aber auf Strecke will der Funke nicht überspringen. Im Kern ist es ein Spionage-Thriller, es ist eine Geschichte über einen Staat, der seinen Bürgern und Bürgerinnen nicht vertraut. Er zeigt sich schizophren, verängstigt von von seiner Umwelt, mit größerer Angst davor, etwas zu verlieren, als die Hoffnung zu haben, etwas zu gewinnen. Furchteinflößend ist in diesem Zusammenhang die KGB-Agentin Raskova (Anna Maxwell Martin). Wer da wen ausspioniert und belauscht – die Serie schafft es kaum, sich für die Opfer zu interessieren. Lediglich wenn es ins Weltall geht, dann wird es spannend, da hat die Serie ihre Stärken. Das kommt aber leider zu selten vor. Dazwischen sehen wir eine amerikanische Produktion mit britischen Schauspielern, die eine alternative Weltgeschiche in der Sowjetunion und deren Zivilgesellschaft erzählt. Irgendwo da ist die Serie zu distanziert geworden, das hatte z.B. Ponies (7/10) besser hinbekommen.

Die Odyssee (Regie: Christopher Nolan, UK/USA) – 8 von 10

Wahrscheinlich ist Christopher Nolan einer der kommerziell erfolgreichsten Autorenfilmer unserer Zeit. Für sein neustes Werk greift er jedoch auf eine fremde Geschichte zurück und versucht sich an einer Neuinterpretation von Homer’s Odyssee. Leider habe ich es in den letzten 3.000 Jahren nicht geschafft, die literarische Vorlage zu lesen, daher verweise ich für Unterschiede zum Buch auf ambitioniertere und professionellere Filmkritiker und – innen als mich. Mein Fazit: Boah, wie beeindruckend war das denn? König Odysseus (Matt Damon), war ausgezogen, um im Kampf gegen Troja zu bestehen, und will nach erfolgreicher Schlacht mit seinen Mannen zurück nach Ithaka segeln. Sie müssen dabei aber einige Gefahren überstehen. Wenn er wieder zu Hause ankommt, ist er ein anderer Mann als der, der damals losgezogen war.

Nolans Filme haben es an sich, dass man zunächst über die Inszenierung sprechen muss. Und die ist wahrlich beeindruckend. Dafür muss man nicht einmal die ganzen Backstage Berichte über IMAX-Kameras, Drehs an echten Location und den hauptsächlich handgemachte Effekte zitieren. Das Gesehene auf der Leinwand spricht für sich, genau dort gehört dieser Film hin. Genauso wie der monumentale Sound, der dem Publikum um die Ohren dröhnt. Die Schlacht um Troja ist blutig und chaotisch, die Prüfungen auf seiner Heimfahrt abwechslungsreich und skurill, in fantastischen Sets. Ein weiteres Merkmal von Nolans Filmen ist das Spiel mit verschiedenen Zeitebenen. Auch hier bleibt er sich treu, die Handlung springt zwischen der Jetzt-Zeit und Erzählungen der Abenteuer hin und her, man kann dem aber gut folgen und ist inhaltlich wohl auch in der Vorlage begründet. Kern der Geschichte, dramatischer Anker zwischen den ganzen Schauwerten, ist das, was innerlich mit Odysseus passiert. Der, der als König in den Krieg zieht und als Bettler zurück kommt. Er muss sich immer mehr mit den Folgen seiner Taten auseinandersetzen, mit den Männern, die aufgrund seiner Befehle gestorben sind, mit der Schlacht um Troja, die ein blutiges Gemetzel geworden ist. Nach Oppenheimer (8/10) widmet sich Nolan wieder einem Mann, der etwas entfesselt hat, was er nicht mehr aufhalten konnte. Der Cast ist riesig, die Fülle an bekannten Gesichtern hilft aber, die Figuren auseinander zu halten. Nicht alle davon verschwinden hinter dem Kostüm, aber hervorheben kann man Anna Hathaway, Robert Pattison, Jon Bernthal, Himesh Patel und Mia Goth. Puristen mögen sich über den bunten Cast beschwert und als wenig griechisch bezeichnet haben, es spielt letzlich – genau wie wohl einige historische Ungenauigkeiten – keine Rolle für diese fiktive Vorlage und reißt einem zu keinem Zeitpunkt aus der Illusion.

Warum bekommt dieses bildgewaltige Epos nicht noch mehr Punkte von mir? Nolan bleibt halt als Filmemacher ein Techniker, der die Emotionalität der Story zwar zeigt, aber nicht unbedingt fühlen lässt, zumindest nicht so stark wie in seinem Meisterwerk Interstellar (9/10). Die erste halbe Stunde mit dem Aufbruch seines Sohns Telemachos (Tom Holland) zieht sich schon ein wenig, das Gefühl für die Dauer der Handlung geht einem etwas ab und Damons Alterung, was ja ein zentraler Baustein ist, war in der Maske auch nicht immer überzeugend. Ein großes Fest für das Medium Kino ist Die Odyssee aber trotzdem!

Keine besonderen Vorkommnisse bei den Fahrten unter der Woche, mal 10 Minuten Verspätung ist ja kaum eine Meldung wert. Am Samstag war es jedoch recht herausfordernd, dank neuerlicher Einschränkungen auf der Stammstrecke, nach Oberschleißheim zu kommen. Das Umsteigen an der S-Bahn Station Laim brauchte jedenfalls deutlich mehr Zeit als an normalen Tagen.

Der Sänger von The Killers heißt bekanntlich Brandon Flowers. Und dieser veröffentlicht demnächst ein Soloalbum, in dem er die Glitzerwelt von Las Vegas verlässt und musikalisch nach Nashville zieht. Thrasher wird das Album heißen, ein klassisches Countryalbum, dass einige schöne Stücke haben müsste, wenn man sich zum Beispeil an Paradise orientiert. Vielleicht etwas kitschig, aber er ist halt immer noch der Sänger von The Killers.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche! Und in der gibt es vielleicht auch endlich den dritten und damit letzten Teil des Reiseberichts zu Böhmen. Dort war ich Ende Mai, das ist ja schon wieder ein paar Tage her. Also bleibt dran!

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