Fantasy Filmfest 2026: Meine Serie hält

Nach den kleineren Ablegern im Laufe des Jahres wie den White Nights und den Nights, ist der September der klassische Monat für die große Ausgabe des Fantasy Filmfests. In diesem Jahr lässt sich ein runder Geburtstag feiern: Es ist die 40. Ausgabe dieser Veranstaltung – Herzlichen Glückwunsch! Vor dem Eröffnungsfilm lief ein längerer Trailer mit vielen Grußworten von FFF-Veteranen (auf Regie-Seite), die sehr viel Dankbarkeit für diese Plattform und die Verwertung ihrer Filme zeigten. Das war ein überraschend schöner Moment, der ein unerwartetes Community-Gefühl auslöste.

Denn auch für mich ist der jährliche Gang zum Filmfest zu einer schönen Tradition geworden, egal ob es in München nun im Cinema, im Cinemaxx, im Rio oder – wie seit einigen Jahren regelmäßig – im City-Kino stattfindet. Es war für mich das siebzehnte Jahr in Folge und in diesem Jahr eine kleine Herausforderung, die Serie nicht abreißen zu lassen. Wegen des Urlaubs und wegen der Vorführung von Don’t Look Back in Anger, der Oasis-Doku, standen bei mir lediglich zwei Abende zur Wahl, an denen ich das Fantasy Filmfest in diesem Jahr besuchen konnte. Am Ende waren es vier Filme, die ich sehen konnte, weniger waren es bisher nie. Dafür musste ich mir vorher keine Gedanken über die Filmauswahl machen. Ich sah mir einfach alles, was sich zeitlich einrichten ließ. Ob es sich gelohnt hat, erfahrt ihr nun:

Leviticus (Regie: Adrian Chiarella, Australien) – 6 von 10 Punkten

Pressetext: In der flirrenden Hitze einer australischen Kleinstadt werden zwei Teenager von einem übernatürlichen Grauen heimgesucht. Dabei nimmt das Monster die Gestalt des jeweils anderen an. Jede Begegnung kann zur tödlichen Falle werden. Nie wissen Ryan (Stacy Clausen) und der gerade in die streng religiöse Gemeinde zugezogene Naim (Joe Bird), wer vor ihnen steht. Ist es der Freund oder der Dämon? Kein Ort ist mehr sicher. – Die Angst vor der Person, die man am meisten begehrt, und die damit einhergehende Ausweglosigkeit: Regisseur Adrian Chiarella reizt die Prämisse und Spannung bis zur Vollendung aus. Die harte Tonspur und die melancholischen Bildern von Kameramann Tyson Perkins machen das Leid der Figuren greifbar nah.

Fazit: Leviticus war der Eröffnungsfilm des diesjährigen Festivals und aus Erfahrung weiß ich: Das ist nicht zwingend ein Qualitätsmerkmal (siehe Swiss Army Man 4/10). Ganz so schlimm war dieser hier nicht, jedoch auch weit davon entfernt, ein Highlight seines Genres zu sein. Nie können sich die Jugendlichen sicher sein, ob ihre Liebe vor ihnen steht – oder etwas, was sie verletzten möchte. Denn was kann einem schon am heftigtsten weh tun, wenn nicht die Person, die man am meisten liebt? Was das nun ist, was in der Kleinstadt sein Unwesen treibt, wird jedoch nie so ganz klar. Ein Fluch? Ein Dämon? Etwas religiöses? Und wo kommt das her? Das interessiert den Film alles nicht wirklich, die Konsquenz ist entscheidend und schlägt die Ursache. Betroffenheit statt Verständnis. Immerhin ist die zweite Hälfte des Film etwas spannender und konsequenter in seiner Gewalt. Dazu sieht das triste und biedere der Provinz tatsächlich recht schick aus. Ein durchwachsener Auftakt für das Festival.

Hex (Regie: Maja Holand, Norwegen) – 7 von 10 Punkten

Pressetext: Drei feministische Musikerinnen, zwar ohne Vorkenntnisse an den Instrumenten, aber mit einem radikalen Schwur: Innerhalb von drei Jahren wollen sie die kontroverseste Black-Metal-Band Norwegens sein! Witch Club Satan ist geboren, ein okkultes, kompromissloses Gesamtkunstwerk, das mit unbeugsamer Haltung, musikalischer Urgewalt, rebellischen Texten und Menschenblut-Schockwellen durch die Szene jagt.

Fazit: Mir war vorher nicht klar, dass es sich hier um eine echte Dokumentation und nicht um eine Fake-Doku handeln sollte. Diese wurde nur – unnötigerweise – mit einigen inszenierten Szenen über einen vermeintlichen Hexen-Prozess angereichert. Aber die Band Witch Club Satan gibt es tatsächlich. Die schon länger hier mitlesenden werden es wissen, dass Black Metal nicht mein bevorzugtes Genre, aber nun auch nicht meilenweit von meiner musikalischen Wohlfühl-Oase weg ist. So konnte ich mich ruhigen Gewissens auf den Blick hinter die Kulissen des Genres einlassen. Und der ist durchaus interessant, lebt er doch sehr vom Blick hinter die Masken der Band bzw. der jungen Künstlerinnen. Zu den interessantesten Szenen zählen jeweils die gemeinsamen Essen der drei Bandmitglieder mit ihren Familien. Sie ohne Maske und quasi in zivil und im Alltag zu sehen sorgt dafür, ihr gesamtes Projekt deutlich mehr als inszenierte Gesamt-Kunstform zu verstehen, als Einbruch in eine von männlichen Bands dominierte Subkultur, denn als nur ein reines Musikexperiment. Es gehört zum Paradoxen der Subkulturen, dass kommerzieller Erfolg ein Indiz für die Qualität ihrer Kritik an den kommerziellen Mechanismen der Branche sind, aber sie scheinen mit ihrer Band einen Nerv getroffen zu haben und so sieht man ihren Aufstieg von den ersten Konzerten bis auf die großen Festivalbühnen. Die Bühnenszenen sind eindrucksvoll gefilmt, man darf diese Dokumentation wohl getrost als ein Teil ihres gesamten Kunstprojektes verstehen. Ein interessanter Film auf jeden Fall.

Buddy (Regie: Casper Kelly, USA) – 8 von 10 Punkten

Pressetext: Alle lieben Buddy. Oder müssen es zumindest, denn wenn das orange Einhorn wütend wird, verwandelt sich seine quietschbunte Kindersendung schnell in blutiges Chaos. In der künstlich perfekten Studiowelt im Stil der 80er und 90er leben Kinder neben sprechenden Gegenständen, singen, tanzen und lernen Lektionen über Freundschaft und Zusammenhalt. Doch als Josh keine Lust auf Buddys Geburtstagsparty hat, bekommt die fröhliche Fassade schnell Risse und Josh einen tödlichen Axthieb verpasst. Folge für Folge eskaliert die Lage, denn gegen Buddys Zorn gibt es keine pädagogisch wertvolle Lösung.

Fazit: Klare Sache – das hier ist der kreativste Film, den ich in der diesjährigen Ausgabe gesehen habe. Was in der Beschreibung nicht ganz klar wird ist, dass der Film nicht in einem TV-Studio spielt, sondern dass die Welt von Buddy eine alptraumhafte und echte Realitätsebene ist. Gefangen in dieser grenzdebilen Kinderwelt. Und die folgt ihren eigenen Regeln. Wer dort Buddy nicht huldigt hat ein Problem. Aus dieser Grundkonstellation zieht der Film eine Menge absurdes heraus und eskaliert recht schnell. Neben dieser Welt gibt es auch noch einige andere Welten außerhalb des Gartenzauns, Zwischenwelten und „unsere“ Realität, in der Grace (Cristin Milioti) irgendwann auffällt, dass irgendetwas nicht stimmt. Buddy ist absurd und verstörend zugleich und gibt sich alle Mühe, diese Kinderwelt an die echte Realität anzudocken. Ein fantastischer Film, der weniger Trash bietet, als man es zunächst vermuten würde, und dessen verstecke Komplexität vielleicht einer Zweitsichtung noch ganz gut tun würde.

Tristes Tropiques (Regie: Park Hoon-jung, Südkorea) – 6 von 10 Punkten

Pressetext: Der Meister ist tot! Aber wer hat den legendären Elite-Auftragsmörder Sage of the Jungle beseitigt? Die gesamte Unterwelt beschuldigt sich gegenseitig und versucht, das entstandene Machtvakuum mit kompromissloser Härte zu füllen. Darüber hinaus metzelt sich eine Gruppierung junger Profikiller:innen durch die Reihen der Mafia: Sage hat diese von Kindesbeinen an als ihm hörige Privatarmee herangezüchtet. Nun kennt sie nur noch gnadenlose Rache für ihren „Vater und Gott“. [Noch kein Trailer verfügbar]

Fazit: Action- und Gewaltspektakel aus Südkorea. Was sollte da schon schief gehen? Immerhin sitzt die Action, sie ist schick abgefilmt und holt aus den Locations einiges raus – Stichwort: Aufzug. Leider will der Film mehr. Und so gibt es einen Ritt durch die facettenreiche Unterwelt Südkoreas und die Beziehungen zwischen den einzelnen Parteien, dem man kaum folgen kann. Wer gewisse Vorkenntnisse über die koreanischen Clan-Verhältnisse hat, der profitiert hier sehr. Für mich als unbedarften, westlichen Zuschauer war das aber schlicht zu viel, nichtssagend und austauschbar. Und am Thema Ehre und Loyalität unter Gangstern habe ich mich schon oft genug satt gesehen. Roo (Lee Sin-young), der zur zentralen Figur wird, hielt ich in dieser Rolle mit diesen Fähigkeiten für unglaubwürdig, da war Jojo (Park Yu-rim) als Killerin schon interessanter. Schade, etwas weniger Anspruch und ein stärkerer Fokus auf die gelungenen Kampf-Choreographien hätte zumindest mir besser gefallen.

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Kurz und schmerzlos: Das war es für dieses Jahr. Über Buddy hatte ich mich sehr gefreut und auch Hex bot einige überraschende Einblicke. Nächstes Jahr wird es dann wieder ausführlicher.

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Siehe auch:

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