Was mit Medien

Das Fantasy Filmfest 2023 – ein tierischer Jahrgang

Der September in München ist voll gepackt mit Terminen. Erst die IAA, dann die Wiesn und dazwischen auch noch die fünfte Jahreszeit für Fans des abseitigen Kinos: Das Fantasy Filmfest war wieder in der Stadt. Es ist mittlerweile es die 37. Ausgabe des Festivals, ich bin zum 14. mal mit dabei. Veranstaltungsort war erneut das wunderbar zentral gelegene City Kino.

Nach so vielen Jahr ist einmal Zeit, um sich an „früher“ zu erinnern. Damals gehörte es zum festen Ritual des Filmfests, dass wir pünktlich zum Verkaufsstart der Tickets in einer langen Schlange vor dem Kino standen, um an der Kasse ein ganzes Paket an Kinokarten kaufen zu können. Zwei Karten für diesen Film, drei Karten für jenen und für diesen nehme ich auch noch eine mit. Und dann waren die Filme irgendwann teilweise ausverkauft. Heute ist das sehr viel einfacher geworden. Die Tickets werden irgendwann online frei geschaltet und man legt sich die Karten, die man haben möchte, in den Warenkorb. Es gibt keine festen Sitzplätze und ausverkauft sind die wenigsten der Filme. Natürlich ist das sehr viel entspannter, aber der Eventcharakter ist dadurch etwas abhanden gekommen.

Im Gegensatz zu den White Nights im Februar kam eine Dauerkarte für mich nicht in Frage, dafür ist mir das Programm zu umfangreich (und mir auch keine Urlaubstage wert). So habe ich von den 32 Filmen, die in diesem Jahr im Programm waren, insgesamt acht Filme gesehen, die sich auf drei Festivaltage verteilten. Der neunte Film hätte der chinesische Lost in the Stars sein können, den ich eigentlich unbedingt sehen wollte, bis ich mir unbeabsichtigt einen wichtigen Paralleltermin gelegt hatte. Schade, für manche war der nämlich eines der großen Highlights des Festivals. Aber zurück zu meiner Auswahl: Die klassischen Grusel- und Horrorfilme früherer Tage vermeide ich mittlerweile fast durchgehend, sie sind eh nicht mehr so prominent vertreten wie damals. Dafür war der diesjährige Jahrgang ausgesprochen Tierreich. Hunde, Katzen, Schweine, Vögel, Wölfe, Faultiere – es ging auf der Leinwand ziemlich animalisch zu.

Hier meine acht Filme in chronologischer Reihenfolge:

Dogman (Frankreich) – 8 von 10 Punkten

Pressetext: Bei einer Verkehrskontrolle wird Doug (Caleb Landry Jones) blutverschmiert und im Abendkleid am Steuer eines Lastwagens voller Hunde aufgegriffen. Beim Verhör auf der Polizeiwache berichtet er der ihm zur Seite gestellten Psychologin über Ereignisse, die so schockierend sind, dass sie jegliche Vorstellungskraft sprengen. Dabei führt seine Geschichte weit zurück in die Tage seiner Kindheit, als seine Mutter vor dem sadistischen Vater (Clemens Schick) floh und Doug – fortan eingesperrt im Hundezwinger – einen einzigartigen Pakt mit den Vierbeinern schloss. Dieses unzertrennliche Bündnis ist das Fundament eines unglaublichen Lebens: Von der Welt zwar als Außenseiter verstoßen, gibt der DogMan jedoch niemals auf und legt sich – gemeinsam mit seiner tierischen Armee – mit den Mächtigen und Bösen an.

Fazit: Der neue Film von Luc Besson eröffnete das Festival und ich hatte vorab keine Idee davon, was mich hier erwarten würde. DAS war es jedenfalls nicht. Es ist, als wäre der Joker unter Hunden aufgewachsen, das trifft es wohl am Besten. Nur das Doug (der großartige Caleb Landry Jones) nicht komplett auf die dunkle Seite abdriftet, sondern versucht, das Beste aus seinem (traurigen) Schicksal zu machen – und sei es nur als eine Art Robin Hood. Der Film wird zu einem großen Teil von Doug erzählt – aber nicht komplett, was gegen Ende eine meiner Theorien kaputt machte, aber auch so ist der Film sehr gelungen. Und es ist sein Film, seine Lebensgeschichte ist bewegend, wird aber nie so düster erzählt, wie sie es auch hergegeben hätte (wenn man mal vom wirklich harten Anfang absieht). Stattdessen ist da immer ein Licht am Ende des Tunnels, sein Leben findet immer einen Weg. Es ist auf jeden Fall ein Film für Hunde-Freunde, aber auch Hunde-Hasser werden mit dem Film gut umgehen können, denn die haarigen Viecher werden dankbarerweise niemals vermenschlicht oder übermäßiges personalisiert. Leider werden manche Motive nur angerissen und nicht konsequent erzählt, was Dogman stellenweise unnötig episodenhaft macht. Und für das ganz große Meisterwerk hätten es Katzen sein müssen und keine Hunde – logisch.

Slotherhouse (Serbien) – 4 von 10 Punkten

Pressetext: Emily (Lisa Ambalavanar) hat einen Traum: Präsidentin ihrer Studentinnenverbindung zu werden und die amtierende Zicke Brianna (Sydney Craven) endlich von ihrem hohen Ross zu holen. Als sie durch einen Zufall ein Faultier in ihre Obhut bekommt, meldet sie es als offizielles Wohnheim-Maskottchen an. Die studentischen Schwestern sind entzückt, der niedliche Pelzträger genannt „Alpha“ entpuppt sich als Star in den sozialen Medien und Emily kann sich den Stimmen ihrer Mitbewohnerinnen sicher wähnen. Doch plötzlich erschüttert eine Mordserie die Gemeinschaft und so abwegig es auch scheinen mag – alle Indizien weisen auf Alpha. Rette sich also schnellstens wer kann, der Kampf ums Überleben gegen ein Killer-Faultier ist entbrannt!

Fazit: Es hätte so schön sein können. Etwas trashiger Creature-Horror zum Lachen und als Gegengewicht zum davor gelaufenen Dogman – aber leider erfüllt der Film sein Versprechen nicht. Und das hat nicht einmal etwas mit dem offensichtlich niedrigen Budget zu tun. Das Design des Faultiers hätte man noch durchwinken und als sympathische Low Budget Lösung verbuchen können. Es ist der Rest, der nicht funktioniert und weswegen es an das große Vorbild Gremlins bei weitem nicht heranreicht. Dort wusste man die Regeln, wie aus den harmlosen Tierchen die gefürchteten Monster werden konnten. Hier ist zwar mal von Pillen die Rede, aber die spielen keine Rolle. Überhaupt wird Alpha kaum erklärt, irgendwann kann das Tier einfach ein Auto fahren oder sich einen Social Media Account anlegen. Besser eine logische Erklärung verlieren als eine halbgare Pointe! Nicht mal die sprichwörtliche Langsamkeit des Faultiers spielt eine Rolle – ein Dackel oder ein Eichhörnchen hätten die Rolle genauso übernehmen können. Die Taktung stimmt nicht, die Kills sind nicht eindrucksvoll und die Geschichte der Mädchen drumherum ist belanglos – da können sich Ambalavanar und Craven noch so die Seele aus dem Leib schreien. Von den überforderten Nebendarstellenden ganz zu schweigen. Schade, aus der eigentlich reizvollen Idee wurde viel zu wenig gemacht.

Restore Point (Tschechien) – 7 von 10 Punkten

Pressetext: Europa, Mitte des 21. Jahrhunderts: In einer Gesellschaft, in der der Tod seinen Schrecken verloren hat, müssen die Menschen nur noch daran denken, ihren Körper alle 48 Stunden zwischenzuspeichern, um im Fall eines tödlichen Unfalls oder Gewaltakts wieder ins Leben zurückkehren zu können. Nur die Rebellengruppe „River of Life“ kämpft unbeirrt gegen die in ihren Augen unethische Technologie. Als der leitende Forscher (Matěj Hádek) des „Restoration Institute“ einem Mordanschlag zum Opfer fällt und ausgerechnet von ihm kein Backup existiert, übernimmt die Polizistin Andrea (Andrea Mohylová) den Fall – und findet sich schnell im tödlichen Gewirr einer mächtigen Verschwörung wieder.

Fazit: Natürlich erst kurz vor Start des Films musste sich im Kino ein Großer noch genau vor mich setzen. Beim Lesen der Untertitel (das Tschechische ist dann doch nicht so meins) musste ich deshalb um ihn herum lesen, ich hoffe, ich habe dadurch nichts Wesentliches verpasst. Aber vielleicht waren deshalb für mich die Bilder der Zukunftvision das Highlight des Films. Die Großstädte sehen monumental aus, das Land dagegen kaum verändert (aber toll bebildert), und die moderne Technik fügt sich nahtlos in die Welt ein. Ein Display an der Waffe, welches die Anzahl der noch verfügbaren Schüsse anzeigt? Es sind kleine, optische Gimmicks, die uns glauben lassen, dass das wirklich unsere Zukunft ist. Dazu kommt das Verfahren, dass den interessanten Aufhänger für diesen Film bietet. Wie würde die Menschheit darauf reagieren, was würde es aus unserem Zusammenleben machen? Welche Auswirkungen hätte dieses Verfahren auf unser Leben, wenn man notfalls an einem früheren Punkt neustarten könnte? Ich schreibe notfalls, weil der Neustart dann doch nicht so ohne weiteres funktioniert, sonderen ein größere Prozedur ist. Auf dem zweiten Blick dann aber die leichte Enttäuschung: Der Film zeigt nur wenig Interesse an diesen Fragen. Stattdessen konzentriert er sich auf die Morduntersuchungen von Andrea (Andrea Mohylová), wobei sie auf ein Netz von Verschwörungen stößt. Dadurch wird der Film leider eher zu einer Art Tatort im Near Future Look, dabei hätte er auch das Zeug gehabt für einen neuen Minority Report. Die technisch gute Umsetzung des ambitionierten Werkes ist mir aber trotzdem sieben Punkte wert.

The Moon (Südkorea) – 8 von 10 Punkten

Pressetext: 30.000 Kilometer vom Mond entfernt. Ein Sonnenwind zerstört Teile des Raumschiffs, mit dem die koreanische Raumfahrtbehörde als weltweit zweite Nation Menschen auf den Erdtrabanten bringen wollte. Doch das ist nicht alles: Zweidrittel der Besatzung ist tot und der junge Astronaut Hwang Sun-woo (Kyung-soo Doh) auf sich allein gestellt. Die Atemluft wird knapp, die Temperatur sinkt ins Unerträgliche und immer wieder bricht das Signal zur Bodenstation ab. Dort setzt Flugleiter Dr. Kim Jae-gook (Sol Kyung-gu) alles daran, Hwang zu retten. Die einzige Institution, die wirklich helfen könnte, lässt ihn allerdings abblitzen: die NASA.

Fazit: Südkoreanische Filme und Serien sind auf dem Vormarsch (etwas namedropping: Squid Game, Parasite, Train to Busan), genau wie der K-Pop. Vielleicht ist das die Erklärung dafür, dass sich zu diesem Film im Festival-Vergleich ungewohnt viele junge Menschen im Saal einfanden, und den Hype damit unterstützen. Südkoreanische Filme sind oft ein Spur drüber, patriotischer und nehmen gerne noch eine zusätzliche Wendung, die man den amerikanischen Pendants nicht mehr so wohlwollend abnehmen würde. The Moon bildet da keine Ausnahme. Bei der Rettung des jungen Astronauten geht schief, was nur schief gehen kann und die Verpflechtungen rund um seinen Retter auf der Erde würde jeder Seifenoper gut zu Gesicht stehen. Aber hier werden Heldengeschichten geschrieben. In einem dafür sowieso schon anfälligen Sub-Genre (siehe Apollo 13 oder Gravity) setzt die koreanische Produktion noch einen drauf. Optisch sieht das natürlich meist sehr gut aus – und wenn es mal nicht zu visualieren ist, setzt man auf News-Schnippsel – und ist auch flott erzählt. Langeweile kommt so selten auf.

The Animal Kingdom (Frankreich) – 9 von 10 Punkten

Pressetext: Émile (Paul Kircher) und sein Vater (Romain Duris) sind auf dem Weg ins Krankenhaus, wo sie Émiles Mutter besuchen wollen. Im einen Moment unterhalten sie sich noch darüber, was schädlicher für die Gesundheit sei, Chips oder Zigaretten, im nächsten bietet sich ihnen ein beängstigendes wie faszinierendes Schauspiel: Sanitäter zerren einen Mann (Tom Mercier), der an der Stelle eines Armes einen riesigen Flügel hat, in eine Ambulanz. Verzweifelt schlägt dieser um sich und stößt vogelartige Laute aus, die durch Mark und Bein dringen, bevor er überwältigt wird. Auch Émiles Mutter ist von dieser neuen „Krankheit” befallen, die die Menschen schrittweise in Tiere verwandelt. Die Ursachen sind ungeklärt, der Umgang mit den Betroffenen heikel und die Stimmung in der Gesellschaft angespannt – denn es kann jeden jederzeit treffen. Während eines Krankentransports kommt es zu einem Unfall, bei dem einige der „Kreaturen” in den dichten Wald fliehen. François sucht mit der Hilfe einer örtlichen Polizistin (Adèle Exarchopoulos) nach seiner Frau, Émile dagegen dringt auf eigene Faust immer tiefer in das Königreich der Tiere, mit dem er doch mehr gemeinsam hat, als er glaubte.

Fazit: Man muss sich auf den Film einlassen können und die gezeigte Welt akzeptieren, um ihn mögen zu können. Regisseur und Autor Thomas Cailley hält sich nicht damit auf, warum sich unsere Welt so verändert hat, wie es auf der Leinwand zu sehen ist – es gibt keine Erklärung über einen Virus, keine Sporen, keinen Fluch und keine Zauberei – sondern es ist einfach so, wie es ist. Und wenn gleich zu Beginn ein Mann mit einem Flügel aus der Ambulanz flieht, kommt das für das Filmpublikum sehr überraschend, für die Filmfiguren jedoch nicht, weil sie leben bereits in dieser Welt. Folglich beschreibt der Film dann auch eher, welche gesellschaftlichen Veränderungen mit den Mutationen einhergehen, Stichwort: Ausgrenzung und Stigmatisierung. The Animal Kingdom ist jedoch nicht so düster und verkopft, wie es die Beschreibung vielleicht erwarten lassen könnte, sondern eigentlich eher ein schöner und positiver Film, bei der die Verbindung zwischen Vater (Duris) und Sohn (Kircher) im Vordergrund steht. Er spielt dazu an wirklich schönen Locations und die Masken funktionieren unheimlich gut (und besser als manche CGI-Lebewesen, die kurz im Film auftauchen). Die knapp über zwei Stunden Laufzeit vergehen eigentlich recht flott, nur sein Ende will er nicht so richtig finden. So fühlte es sich zumindest für mich an, wenn – ohne zu spoilern – nach dem Dorffest noch so einiges passiert, es sich aber fast schon nach einem Epilog angefühlt hat. Das ist aber nur mein persönlicher Kritikpunkt, insgesamt war der Film eine runde Geschichte und sogar etwas stimmiger als der Eröffnungsfilm.

Mad Cats (Japan) – 3 von 10 Punkten

Pressetext: Selbst die Vermieterin seines abgeranzten Wohntrailers weiß: Taka (Sho Mineo) ist ein totaler Versager. Wäre er doch mehr wie sein Bruder, der abenteuerlustige Archäologe Mune (So Yamanaka)! Im Gegensatz zu ihm lässt sich Taka immerhin nicht von blutdurstigen Katzenfrauen entführen. Als Taka davon erfährt, zögert er jedoch keine Sekunde. Er springt auf seinen Drahtesel und radelt zwei Wochen zum geheimen, abgelegenen Bau des Kults. Kein Grund zur Hoffnung: Bei seinen Rettungsversuchen ist Hanswurst Taka nämlich zu nicht viel mehr nutze als im übrigen Leben. Aber zum Glück ist an seiner Seite noch eine kampfbereite Amazone (Ayane), die den Pfoten leckenden Anhängerinnen der Sekte das Fell über die Ohren ziehen will! Die Krallen werden ausgefahren und es kommt zum (Super-)Kräfte messen.

Fazit: Es ist irgendwie unfair. Während aus Südkorea oder aus China die großen Blockbuster aufgefahren werden, sehen wir aus Japan meist nur die absoluten Low Budget Produktion. Das kann, wie im Fall von Beyond The Infinite Two Minutes mal gut gehen, meist tut es das aber nicht. So wie beim Debutfilm von Reiki Tsuno. Die Handlung ist selbst für die überschaubare Laufzeit von 88 Minuten zu dünn, die Story zu sehr auf Zufälle ausgelegt und die Darstellenden sind auch schwach und beliebig. Die Figuren werden teilweise in die Szenerie gebracht, wie damals in Peter Steiners Theaterstadl. Rasant ist hier nichts, alles hat seine Pausen – europäisches Autorenkino in einem japanischen Kampffilm. Die Handlung als skurill zu beschreiben wäre schon eine Untertreibung. Die Männer des Films sind durchgehend richtige Waschlappen, während die Frauen dagegen durch coole und selbstbewusste Kampfeskunst punkten. Und richtige Katzen gibt es auch kaum zu sehen. Immerhin: Die Locations sind schön gewählt und toll gefilmt (weswegen die trashigen Blue-Screen Autofahrten überhaupt nicht ins optische Gesamtbild passen) und auch manche der Witze funktionieren ganz passabel. Das war es aber auch schon.

Birth / Rebirth (USA) – 7 von 10 Punkten

Pressetext: Rose (Marin Ireland) ist Pathologin. Mit menschlichen Emotionen kann sie nichts anfangen, einzig die Wissenschaft weckt in ihr Interesse an körperlichen Prozessen. Celie (Judy Reyes) arbeitet als Hebamme im selben Krankenhaus. Als ihre kleine Tochter (A.J. Lister) unvermittelt stirbt, aber die Leiche, die von Rose obduziert wurde, plötzlich unauffindbar ist, entdeckt sie, dass die Ärztin insgeheim mit der Reanimation von Toten experimentiert. Ein Schwein konnte bereits erfolgreich wiederbelebt werden, mit dem Mädchen gelang ihr nun der erste Versuch am Menschen. Die beiden Frauen beschließen, einen Pakt einzugehen, aber der Preis dafür ist hoch.

Fazit: Es sind düstere Themen, mit dem sich der Film beschäftigt. Es geht um Leben und Tod und ethische Grenzen, eine Mutter verliert ihr Kind – und wie weit darf sie gehen, um das alles für sie erträglich zu machen? Der Ton des Films ist dafür überraschend mainstreaming geworden, was vor allem an der Person der Rose (Ireland) liegt, die wie eine Art weibliche Spock gespielt wird und durch ihre Eigenarten schnell als verrückte Wisssenschaftlerin akzeptiert wird. Celie (Reyes) dagegen geht mit den sie ereilenden Schicksalsschlägen und ihren Entdeckungen fast apathisch um, wodurch sie die Emotionalität aus der Story etwas rausnimmt. Denn diese Story ist wirklich düster und stellt wie Oppenheimer die Frage, ob die Forschung wirklich so weit gehen sollte, wie sie könnte. Hier wird diese Frage natürlich etwas kleiner und ohne den historischen Kontext gestellt, weswegen der Film auch kleiner wirkt als das Nolan-Machwerk. Aber seine Stärke leider auch nicht komplett ausspielt und besonders beim Erstellen der Grundkonstellation etwas zu sehr auf Zufälle setzt.

Girl Unknown (Spanien) – 6 von 10 Punkten

Pressetext: Leo (Manolo Solo) steht auf junge Mädchen. Online gibt er sich als gleichaltrig aus, verwickelt sie in peinliche Offenbarungen, um sie dann zu einem persönlichen Treffen zu zwingen. Auch bei Carolina (Laia Manzanares) glaubt er sich am Ziel und übt beim ersten Rendezvous weiter massiv Druck auf sie aus. Aber die Dinge liegen anders als gedacht. Aus dem makabren Spiel aus Macht und Dominanz wird ein düsterer Angsttraum, dessen Folgen nicht mehr abzusehen sind. Für beide Seiten nicht…

Fazit: Mein persönlicher Abschlußfilm des Festivals schrie mir vorab von allen Seiten eine Art spanisches Hard Candy entgegen (übrigens ein sehr eindrucksvoller Film). So war er am Ende jedoch nicht, sondern er fand schnell seinen eigenen Twist. Regisseur Pablo Maqueda bat das Publikum vorab in einer Einblendung, nach der Sichtung Spoiler in Besprechungen zu vermeiden, und das werde ich auch versuchen. Nur so viel: Es gibt einigen Wendungen und wie es der offizielle Pressetext schon sagt: Die Dinge liegen anders als gedacht. Die beiden Hauptdarstellenden Laia Manzanares und Manolo Solo machen eine tollen Job, letzterer besticht vor allem durch seinen eindrucksvollen Eröffnungsmonolog. Danach wendet sich der Film und nimmt immer mehr die Perspektive von Carolina (Manzanares) ein, das vermeintliche Opfer eines Cybergroomers. Aber wie gesagt: Die Dinge liegen anders als gedacht. Um das zu untermauern, gibt es immer wieder Rückblicke in die Vergangenheit der beiden Figuren, die erklären, warum sie sich in diesem Park treffen. Leider entfernen die sich thematisch immer mehr von der Jetzt-Zeit, so dass die Story vor allem im Mitteldrittel etwas ausfranst, bis dann schließlich das Ende des Films kommt, wo dann einige weitere Erklärungen gut gewesen wären. Jedenfall hinterließ es in dieser Form einige fragende Gesichter im Saal. Das ist schade, weil atmosphärisch und optisch ist Girl Unknown wirklich gelungen, hat sich einem relevanten Thema verschrieben und das mit interessanten Wendungen versehen, die man am Ende aber nun einmal leider nicht mehr alle mitgehen möchte und für manche vielleicht auch das eingentliche Theme bagatellisieren.

***

Et le gagnant est: la France. Die beiden besten Filme, die ich in diesem Jahrgang auf dem Festival gesehen habe, waren mit The Animal Kingdom und mit Dogman zwei französische Produktionen. The Moon, Birth/Rebirth, Restore Point und – mit wenigen Abstrichen auch – Girl Unknown waren ebenfalls auf ihre Art und Weise gelungene Filme. Dass es mit Slotherhouse und Mad Cats auch zwei Produktionen gab, die spürbar in die Hose gingen, ist ärgerlich, aber gehört auch irgendwie zu so einem Festival dazu. Sie ziehen am Ende die Durchschnittsbewertung auf nur noch 6,5 Punkte, was damit unter dem Vorjahr liegt. Und sollte es mir zu denken geben, dass ich in den Reviews öfter schrieb, dass die Filme nicht so düster sind, wie sie vielleicht klingen könnten? Hoffentlich bin ich mittlerweile nicht so abgestumpft, dass diese Einschätzung an mir liegt.

Insgesamt bin ich aber trotz der geringren Punktzahl zufrieden mit diesem Jahr, denn das Angebot empfand ich als recht abwechlungsreich. Es mag an meiner persönlichen Selektion liegen, aber das Festival hat in den letzten Jahren spürbar beim Anspruch zugelegt, die klassischen Grusel- und Horrorfilme früherer Zeiten finden man heute meist nur noch in der Trailerschleife vor den Filmen. Schmuddelig ist es hier nur noch selten. Darüber möchte ich mich gar nicht beschweren, ich suche mir mittlerweile schließlich auch andere Filme raus wie noch vor einigen Jahren – aber gefühlt war der Kinosaal früher jedoch etwas voller.

An mir soll es jedoch nicht liegen, ich werde auch im nächsten Jahr wieder dabei sein.

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