KW 45/2026: Digger, Kalte Asche, München Beats, Temples und Brothers

Happy Sunday!

Wenn dieser Beitrag erscheint, lasse ich gerade meinen Tiefkühlschrank abtauen. Als ich vor anderthalb Wochen feststellte, dass die Tür nicht mehr richtig schließen wollte, hatte ich zunächst etwas versucht, für was das Wort „verschlimmbessern“ einmal erfunden wurde. Denn es half nichts, eine der beiden Schubladen musste sofort raus, damit die Tür wieder richtig schließen konnte. Und seitdem war ich dabei, auch die zweite Schublade noch leer zu bekommen. Bis nun heute der große Schritt kam: Abtauen.

Zurück aus dem Haushalt, rein in den medialen Wochenrückblick – viel Spaß!

Vergangenen Sonntag war für mich ein Museumstag. Ich besuchte die Archäologische Staatssammlung in der Nähe des Englischen Garten Münchens. Für den sonntäglichen Eintritt von einem Euro machte man mit dem Besuch nicht viel falsch und ich konnte mich gut eine Stunde mit der Sammlung aus archäologischen Artefakten von Grabungen in Bayern beschäftigen.

Simon Beckett – Kalte Asche (UK, 2007) – 8 von 10

Klappentext: Asche zu Asche, Staub zu Staub, Leben zu Tod – ein packender Thriller von Bestsellerautor Simon Beckett. Asche ist alles, was von ihr übrig geblieben ist. Fast alles. Als der forensische Anthropologe Dr. David Hunter die Überreste einer Frau in einem verfallenen Cottage auf der abgelegenen schottischen Insel Runa untersucht, wird schnell klar: Dieser Tod war kein Unfall. Doch bevor er seine Erkenntnisse dem Superintendenten mitteilen kann, schneidet ein Sturm die Insel von der Außenwelt ab. Und dann geschieht ein weiterer Mord…

Review: Der erste Band der Thriller-Reihe um den forensischen Anthropologen Dr. David Hunter hatte mir im vergangenen Jahr außerordentlich gut gefallen (Die Chemie des Todes: 8/10). Es war deshalb nur eine Frage der Zeit, wann ich mit dem zweiten Band weitermachen würde. Nun war es soweit und ich folgte Dr. Hunter auf die abgelegene schottische (und fiktive) Insel Runa. Erneut trifft er dort auf eine abgeschottete Gemeinschaft, deren fragile Ordnung durch eine Reihe grausamer Verbrechen gefährlich ins Wanken gerät. Beckett schafft es ein zweites Mal, uns tief in die Gedankenwelt seines Ich-Erzählers Dr. Hunter zu versetzen. Dieser wirkt zwar gelegentlich etwas altklug, gibt dafür aber detaillierte Einblicke in seine bisweilen unappetliche Arbeit und seine Sicht auf die isolierte Gemeinschaft. Auch wenn der Aufbau sehr dem des ersten Bands ähnelt, schafft es Beckett erneut einen gnadenlos spannenden Thriller zu erzählen. Er erweckt sowohl die knorrigen Inselbewohner als auch das ungemütliche Wetter zum Leben. Allerdings, auch wenn die Auflösung sehr gut vorbereitet ist, schlägt das Finale für mich einen Twist zu viel. Der anschließende Epilog deutet zudem etwas zu plump den Weg zu einer weiteren Fortsetzung an. Das schmälert allerdings nicht die spannende Unterhaltung, die man vorher mit Kalte Asche hatte.

Mit der folgenden Serienstaffel endet nun mein Abo bei Apple TV. Seit April war ich dabei, am Ende dauerte diese Phase deutlich länger, als ich anfangs gedacht hatte. In ein bis zwei Jahren werde ich mit Sicherheit wieder für ein paar Monate hineinschauen!

Brothers (Staffel 1, 8 Folgen, USA, Apple TV) – 6 von 10

Bastian Pastewka in Pastewka, James Van Der Beek in Apartment 23, Lou Ferrigno in King of Queens, Bill Murray in Zombieland, Wil Wheaton in The Big Bang Theory, John Malkovich in Being John Malkovich – es gab immer wieder Schauspieler, die eine fiktive Variante von sich selbst gespielt haben. Matthew McConaughey und Woody Harrelson gehören nun auch dazu, denn in dieser Comedy greifen sie ein beliebtes Internet-Gerücht auf: Sind die beiden nicht nur Best Friends, sondern sogar waschechte Brüder? McConaughey und Harrelson hängen sich gut rein und geben alles für diese Serie, nur… sie funktioniert nicht. In ihren besten Momenten machen sie sich über sich selbst und ihre Berühmtheit lustig, aber davon gibt es zu wenige. Man denke nur daran, wie die Hauptfigur in Pastewka leiden musste, weil zwischen dessen Selbst- und Fremdwahrnehmung so eine hohe Fallhöhe bestand. Hier ist davon selten etwas zu sehen. Der Kontakt zum normalen Leben fehlt meist. McConaughey will als Gouverneur von Texas kandidieren, aber für so ein wichtige Vorhaben nimmt dieser Handlungsstrang viel zu wenig Platz ein. Gouverneur wird man nicht einfach so nebenbei. Ich nehme den beiden ihre Freundschaft voll ab und glaube, dass sie wirklich viel Spaß beim Dreh hatten, aber das überträgt sich zu selten auf den Bildschirm.

München Beats (Staffel 1, 4 Folgen, Deutschland, ZDF) – 6 von 10

Das klang doch nach einigen spannenden Themen für eine Serie. Der Aufstieg des Techno ins Münchener Stadtzentrum in den 1990ern und die Etablierung des legendären Kunstpark Osts! Der Niedergang des altehrwürdigen Pfanni-Geländes. Und dann hängt das historisch auch noch zusammen? Leider schafft es München Beats jedoch nicht, diese beiden Themen in einer einzigen Serie zu vereinen. Der Aufstieg des Dorfkindes Lindas (Jule Hermann) von der Tellerwäscherin in der Deutschen Eiche zur DJane im Kunstpark gerät allzu glatt, während der Abstieg Theo Meinhardts (Tobias Moretti) als Geschäftsführer der Pfanni-Werke alternativlos scheint. Dazu ein wenig Zeitcholorit – fertig. Der Rest ertrinkt in leichter Kost aus Liebschaften und sich-selbst-finden, als wäre es eine Daily Soap. So wird die Serie leider keinem ihrer Ansätze gerecht. Wer etwas mehr über den Aufstieg der elektronischen Musik aus dem Underground ins Scheinwerferlicht erhofft hatte, der wird hier leider nicht pfündig. Und wer nur diese Serie kennt, der oder die wird sich im Supermarkt wundern, dass ihm dort immer noch die Marke Pfanni begegnet. Wenigstens ist die Serie mit nur vier Folgen erfreulich knapp erzählt.

Digger (Regie:, Alejandro González Iñárritu) – 7 von 10

Dass die letzte Szene den Eindruck eines ganzen Films verändern kann, hat man nicht so oft, aber in Digger ist es mir passiert und zieht dadurch den Film noch einmal einen ganzen Bewertungspunkt nach oben. Was dort passiert ist, möchte ich natürlich nicht spoilern. Vorher sieht man Tom Cruise in seinem ersten Film seit Barry Seal (8/10) aus dem Jahr 2017, der keine Fortsetzung ist, und wie er sich dafür richtig reinhängt. Er spielt den schwerreichen Öltycoon Digger Rockwell, dessen Ölbohrungen auf Grönland eine gigantische Umweltkatastrophe auslösen. Digger habe ich im Originalton gesehen und muss zugeben, bei diesem dialoglastigen Film nicht immer mitgekommen zu sein. Dafür ist er aber visuell und inszenatorisch überragend. Viele Bilder sind wie ein Gemälde, ein Gesamtkunstwerk. Die Rede Rockwells vor der EU mitreißend und ein Höhepunkt des Films, ein dunkler Spiegel der auch dem Publikum vorgehalten wird. Die Botschaft und die Figuren sind dramaturgisch natürlich etwas überhöht und schlicht, es ist Satire, wie es auch im Film benannt wird. Mehr Kunst- als Mainstreamkino. Der eingangs erwähnte Twist deutet sich an und rückt einige surreale Aspekte während der Laufzeit wieder gerade. Digger ist ein Film, an den man noch lange denken wird, der das Potential für einen Kultfilm hat. Schade nur, dass er nicht noch etwas Raffinierteres zu sagen hat. Es ist eine Satire mit nur wenig Biss.

Gesehene Spiele in dieser Saison: 9 von 11 Liga-Spielen = 82%. (Saison 2025/26: 85%)

Trotz eines der besseren Auswärtsspiele in dieser Saison musste sich der KSC auswärts beim VfL Bochum mit 2:3 geschlagen geben. Am Ende waren die beiden Treffer von Wiethaup und Civeja (von der Mittellinie!) zu wenig. Erst glich Hofmann für die Bochumer aus, dann erzielte dieser in der Nachspielzeit sogar noch den nicht unverdienten 3:2 Siegtreffer. Der KSC geht damit auf dem Relegationsplatz in die Länderspielpause.

Der Bürotag fiel in dieser Woche aus – die S-Bahn fuhr während der Herbstferien diese Strecke einfach nicht durch und ich hätte gleich zweimal umsteigen muss, um mein Ziel zu erreichen. Unverhältnismäßig! Ins Zentrum musste ich in dieser Woche trotzdem einige Male, das hat alles wunderbar geklappt.

Nach dem Konzert der britischen Band Temples neulich hatte ich mir ja vorgenommen, in ihr diesjähriges Album Bliss noch einmal etwas genauer hinein zu hören. Das habe ich nun getan und festgestellt: Da sind einige tolle Songs drauf, die nur noch wenig nach ihren alten Sachen klingen. Der Eröffnungstrack Jet Stream Heart ist dafür ein gutes Beispiel und gleichzeitig ein ziemlicher Ohrwurm.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche!

PS: Die Menge an Eis, die sich im Tiefkühlschrank gebildet hatte, hatte ich brutal unterschätzt.

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