Böhmen 2026: (I) Pilsen: Zwischen historischen Gassen, kühlen Kellergewölben und goldenem Bier
Bloß raus aus diesem Zug. Das waren meine erste Gedanken, als der Zug aus München am Bahnhof in Pilsen ankam. An diesem Pfingstsonntag hatte sich der Zug im Laufe der Reise immer weiter gefüllt, das letzte Stück konnte ich nur noch im Gang stehen, während sich der Waggon an dem sonnigen Tag langsam aufheizte. Aber kaum hatte ich den stickigen Zug mit meinem Koffer verlassen, konnte mein Urlaub beginnen. Willkommen in Tschechien oder genauer gesagt: Willkommen in Böhmen, denn nur hier würde ich mich in den nächsten Tagen aufhalten.

Pilsen, die Stadt des Bieres und praktisch gelegen auf der Bahnverbindung zwischen München und Prag, das sollte der Ausgangspunkt meiner Reise sein. Zunächst musste ich aber erst einmal zum Ausgangspunkt meiner Tage in Pilsen finden, nämlich zu meinem Hotel. Google Maps schickte mich zu Fuß etwas umständlich um den Bahnhof herum.
Dabei lag das Hotel Slovan Plzen gar nicht so verkehrt, denn es war ein guter Ausgangspunkt, um das historische Zentrum der Stadt zu erkunden. Optisches Highlight des Hotels war das eindrucksvolle Treppenhaus (durch das man den wackeligen Lift umgehen konnte). Mein Zimmer war angenehm groß, mit Blick auf die Dächer der Altstadt. Zwar simpel eingerichtet, aber mit verschwenderisch vielen Einbauschränken ausgestattet. Im Preis enthalten war ein Frühstücksbuffet im Hotel, das war jedoch bestenfalls als überschaubar zu bezeichnen.

Das historische Zentrum von Pilsen ist recht kompakt und lässt sich ganz einfach zu Fuß erkunden. Herzstück ist der Platz der Republik mit der St. Bartholomäus Kathedrale, die den höchsten Kirchturm Tschechiens zu bieten hat. In den Ecken des weitläufigen Platzes sind drei moderne, goldene Brunnen installiert, die abstrakt ein Kamel, einen Engel und einen Windhund repräsentieren sollen. Leider waren einige Teile des Platzes eine Baustelle, vor allem rund um die Mariensäule und vor dem historischen Rathaus. Die Straßen und Gassen in der Altstadt sind ingesamt gut erhalten und gepflegt, mit vielen schönen und bunten Fassaden. Viele Restaurants sind hier zu finden, viele mit schönen Terrassen, die bei dem sonnigen Wetter auch gut besucht waren. Der Verkehr in den Straßen hielt sich in Grenzen (es waren aber auch die Pfingstfeiertage), dafür fuhr die Tram mit ordentlicher Geschwindigkeit umher. Am südlichen Rand der Altstadt, zwischen der Großen Synagoge und dem Fluß Radbuza, zog sich ein grünes Band entlang. Hier, gleich bei meinem Hotel, gab es ebenfalls einige Restaurants, Brunnen und Bänke zum Verweilen.




Mein Versuch, mir in Pilsen etwas Street Art Kunst anzuschauen, war bestenfalls halb von Erfolg gekrönt. Das DEPO2015 wurde mir empfohlen, das war jedoch gerade in einer Umbauphase, so dass es dort nichts zu sehen gab. Als Alternative gab es in unmittelbarer Nähe am Flußufer der Radbuza einige großformatige Kunstwerke zu sehen. Immerhin. Schön war dann der Spaziergang am grünen Flußufer entlang zurück in Richtung Altstadt. Man kam an den Türmen der Pilsner Urquell Brauerei vorbei und auch am kleinen Fußballstadion vom FC Viktoria Plzeň, um das herum noch einige andere Sportanlagen zu finden waren, die am Pfingstmontag für ein Beach-Volleyball Turnier genutzt wurden. Ich lief weiter bis zum Zusammenfluß mit der Mies und machte mich von dort aus wieder zurück in die nahe gelegene Altstadt.



Obwohl ich in dieser Stadt war, hatte ich mich gegen eine Führung durch die Brauerei entschieden. Stattdessen war ich auf der Brewery Museum Tour, was sich jedoch nicht so richtig gelohnt hatte. Es gab ein paar alte Geräte zu sehen und einige Informationsschilder zur Entwicklung der Brauereien in der Stadt, aber das war es aber auch schon fast. Der Eintritt kostete umgerechnet 6,20€ und es gab noch einen Gutschein für ein Bier mit dazu, es war also trotzdem ein fairer Deal. Am Nachmittag war ich zusätzlich noch auf der geführten Pilsen Historical Underground Tour durch die weitläufigen Kellergewölbe der Stadt. Diese Tour war interessanter. Sie kostete umgerechnet 10,30€ – und beinhaltete ebenfalls einen Gutschein für ein Bier.

Man merkt, das Bier war in Pilsen allgegenwärtig. Ich sage es mal so: Die beiden Gutscheine sind bei mir nicht vefallen. Bei dem tollen Wetter schmeckte ein frische gezapftes Bier halt einfach auch. Dazu gab es auch mal ein schönes Gulasch mit Serviettenknödel (keine riesige Portion, aber zu einem fairen Preis) im Šenk Na Parkánu, direkt bei den beiden besuchten Museen. Kulinarisches Highlight war aber die neapolitanische Pizza in der Pizzeria Da Pietro am zweiten Abend. Vielleicht nicht die naheliegendste Wahl für die Stadt, aber das Restaurant lag direkt an der kleinen Grünanlage gegenüber von meinem Hotel und jedes Mal, wenn ich an den Tischen vorbei gelaufen bin, bekam ich Appetit auf genau diese Pizza.

Das war der Auftakt meiner kleinen Rundreise durch Böhmen. Pilsen war ein nettes und überschaubares Städtchen mit jungen Leuten und war damit ein guter Auftakt für meine Tour. Ich checkte nach einer letzten kurzen Spazierrunde durch die Altstadt am Vormittag aus und fand danach dieses Mal den direkten Weg zum Bahnhof. Dort musste ich zwar noch einen Moment auf meinen Regionalzug nach Karlsbad warten, aber ich war schon sehr gespannt und voller Vorfreude auf den zweiten Stopp meiner Reise.

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Böhmen 2026: (I) Pilsen // (II) Karlsbad // (III) Prag