Böhmen 2026: (II) Karlsbad: Zwischen klassischer Eleganz, böhmischer Küche und bunten Schmetterlingen

Nach einer entspannten Bahnfahrt aus Pilsen kam ich am frühen Nachmittag mit dem Regionalzug am Zugbahnhof in Karlsbad an. Der Bahnhof lag etwas höher gelegen, abseits der Altstadt. Von hier musste ich zunächst den kleinen Hügel hinab und an der breiten Straße entlang zu meinem Hotel laufen. Es war nicht die schönste Ecke der Stadt, es war schon recht warm und ich hatte jetzt schon Sorge davor, bei der Weiterreise den gleichen Weg mit meinem Koffer wieder hinauf gehen zu müssen. Man kann sagen, mein erster Eindruck von Karlsbad war nicht der Beste.

Nach einem kurzen Spaziergang fand ich schließlich meine Unterkunft. Das Hotel Kavalir lag recht unscheinbar am nördlichen Ende der Fußgängerzone und hatte mir vorab einige Mails zum Thema Self-Check-In zugeschickt. Als ich ankam hatte ich das Glück, doch auf einen echten Mitarbeiter zu treffen, der meine Daten aufnahm und mir die Zugangskarte überreichte. Mein kleines Zimmer lag oben im dritten Stock und es gab keinen Aufzug. In den Tagen vor Ort bekam ich auf dem Gang immer mal wieder mit, dass vor allem ältere Gäste darüber sehr schimpften. Mein Zimmer war okay und groß genug. Es bot zwar keinen Ausblick, aber die Dusche war gut und das war ja die Hauptsache. Nach einer kurzen Verschnaufpause machte ich mich das erste Mal daran, die alte Kurstadt zu besichtigen.

Immerhin, der erste Eindruck der Fußgängerzone war gut. Zwar mehr oder weniger mit der üblichen Mischung aus Geschäften, Restaurants und Schnellimbissen, aber immerhin sehr weitläufig und die Hausfassaden machten schon einiges her. Dazu war alles recht sauber und in der Nachmittagssonne nicht zu viel los. Die Fußgängerzone zog sich bis zum Glas Obelisk und traf dort auf die Teplá, die ab hier durch das Zentrum floss.

Und spätestens ab hier wurde es wirklich beeindruckend. An beiden Seiten der Teplá schmiegten sich wunderschöne Jugendstil-Häuser aneinander. Dazwischen immer wieder schöne, weiße Arkaden und kleine Brunnen mit frischem Heilwasser und im Hintergrund immer die grünen Berge und der wolkenlose blaue Himmel. Alles bunt und super gepflegt. Und nach jeder Biegung des Flusses dachte man sich, so könne es doch nicht weiter gehen, aber es ging so weiter. Und wurde immer besser! Man spürte den Geist der alten und klassischen Kurstadt an jeder Ecke. Alles war hier mehr oder weniger autofrei, so dass man wirklich schön spazieren und in Ruhe in den gut besuchten Restaurants am Fluß sitzen konnte. Ganz am Ende dieser ewig langen Passage, hinter dem Grand Hotel Pupp und dem alten Kaiserbad, gingen die Wege dann langsam in einen grünen Park über. Hier ein paar Bilder aus der Stadt:

Hinter dem Grand Hotel Pupp fährt eine Standseilbahn auf die 562 m hohe Freundschaftshöhe, auf der der Aussichtsturm Diana steht. Von dem 40m hohen Turm hat man eine gute Fernsicht, weit über die Stadtgrenzen hinaus. Außerdem gab es hier eine Ausflugs-Wirtschaft (ein kühles Bier war für mich bei diesem Wetter schon drin), sowie ein kleines Schmetterlingshaus, was eine von zwei Gelegenheiten im gesamten Urlaub war, bei der ich nur bar zahlen konnte. Zum Glück nahm man dort auch Euro, denn in der gesamten Zeit hatte ich nicht eine Tschechische Krone in der Tasche. Ebenfalls bemerkenswert: Es gab noch ein kleines Tiergehege, in dem ein weißer Pfau stolz posierte.

Gegessen habe ich in meiner Zeit in Karlsbad natürlich auch und zwar gut. Von links nach rechts gab es: Tolle Bagels zum Frühstück in der Bagel Lounge genau neben meinem Hotel, einen mit Schweinefleisch, Speck und Zwiebeln gefüllten Knödel in der tradionellen Wirtschaft Pilsnerka, direkt am Fluß, Böhmische Ente mit zweierlei Knödel im James Grill, ebefalls an der Teplá, und ein Stück Kuchen im klassischen und vornehmen Café Pupp. Wer genau hinschaut, entdeckt auf den Bildern zwei Bier, aber auch Wasser und einen Tee.

Für mich ging es nun weiter in die Haupstadt Prag. Eigentlich wollte ich die Strecke mit der Bahn überbücken, aber sowohl der Mitarbeiter im Hotel, als auch ChatGPT rieten mir zu einer Busverbindung. Der Busbahnhof Dolní Nádraží lag sowieso keine fünf Minuten von meinem Hotel entfernt und ich würde mir den eher langen Weg zum Zugbahnhof ersparen. Und so buchte ich mir die Fahrt bei RegioJet, bezahlte dafür 8€ und saß auf Ledersitzen, bequemer als in der 1. Klasse in einem deutschen ICE. Es war ruhig und entspannt und der Bus pünktlich – ich war ehrlich begeistert von der Fahrt. Es war ein würdiger Abschluß für meine Tage im schönen Karlsbad.

***

Böhmen 2026: (I) Pilsen // (II) Karlsbad // (III) Prag

Was sagst du dazu? Aber denke dran, deine Mail- und IP-Adresse wird gespeichert und auch Gravatar liest mit. Ist das ok? Dann kommentiere

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.