KW 42/2026: Trophäe, Babylon Berlin, The Social Reckoning, Wanda, Prometheus and The Strokes
Happy Sunday! Es ist der 18. Oktober, es ist der Tag, an dem ich die Heizung wieder angestellt habe.
Und damit starten wir mit einem vollgepackten Wochenrückblick. Zeitlich ist er – wie man so sagt – mit der heißen Nadel gestrickt, denn ich war für ein paar Tage in Berlin (dazu mehr bei anderer Gelegenheit) und bin erst am Samstagabend wieder zurück gekommen. Dafür habe ich euch von dort einen Konzertbericht mitgebracht und meine Meinung zu einer Serienstaffel, die ebenfalls zwar dort, aber zu längst vergangenen Zeiten spielt. Oder ist das doch aktueller denn je? Außerdem gibt es noch einen Kinobesucht, etwas Musik aus Österreich und die Review zu einem ganz starken Roman. Viel Spaß!

Gaea Schoeters – Trophäe (Belgien, 2020) – 9 von 10
Klappentext: Hunter, steinreich, Amerikaner und begeisterter Jäger, hatte schon fast alles vor dem Lauf. Endlich bietet ihm sein Freund Van Heeren ein Nashorn zum Abschuss an. Hunter reist nach Afrika, doch sein Projekt, die Big Five vollzumachen, wird jäh von Wilderern durchkreuzt. Hunter sinnt auf Rache, als ihn Van Heeren fragt, ob er schon einmal von den Big Six gehört habe. Zunächst ist Hunter geschockt, aber als er die jungen Afrikaner beim flinken Jagen beobachtet … Ein Roman von radikaler Konsequenz.

Review: Dieses Buch ist von vorne bis hinten ein Erlebnis. Schoeters nimmt uns mit auf Hunter Whites (dieser Name!) Jagd nach einem Nashorn, um damit seine „Big 5“ komplett zu machen. Sie macht uns zu seinem Komplizen, wir tauchen dadurch tief in Hunters Gedankenwelt und seine moralischen Grundsätze ein. Der gelangweilte, erfolgsverwöhnte Alpha-Mann, auf der Suche nach dem letzten großen Abenteuer – die Zähmung der Wildnis. Afrika ist nur sein Spielplatz, an der Kultur hat er kein Interesse. Er ist es, der richtig handelt, er ist es, der das große Ganze im Blick hat, daran hat er selbst keine Zweifel. Und dann auf einmal bietet sich ihm eine unvorstellbare Gelegenheit… Und plötzlich findet er sich in einer Situation wieder, die er nicht mehr kontrollieren kann und muss sich auf Menschen verlassen, die er nicht versteht.
Das ist spannend und mitreißend zu lesen. Die Schilderung der Umstände, der Landschaften und der Gefahren ist packend. Ein großer Abenteuerroman mit einer bitteren Note, der mich einige Male an Butcher’s Crossing (9/10) denken ließ, ein anderer, großer Roman, der seine Gesellschaftskritik in eine intensive Abenteuergeschichte verpackt hat. Alte Gewissheiten werden in Frage gestellt, die Welt dreht sich weiter und doch nicht um einen selbst. Gleichzeitig bietet der Roman durch sein Thema Einblicke in fremde Welten, sowohl in die indigenen Gemeinschaften, als auch in die Welt der Großwildjäger. Denn das, was Hunter hier als seine Rechtfertigung für sein teures Hobby anführt, mag nicht jedem gefallen. Aber dass die Großwildjagd unter bestimmten Bedingungen auch dem Artenschutz dienen kann, war mir aus den National Geographic-Magazinen der vergangenen Jahre bereits bekannt. Dazu ist Trophäe auch noch angenehm kompakt gehalten, bleibt immer am Kern der Geschichte und gönnt sich kaum eine Atempause. Was kann man mehr von einem Roman erwarten?

Babylon Berlin (Staffel 5, 8 Folgen, Deutschland, ARD Mediathek) – 8 von 10
Babylon Berlin markierte 2017 den Startschuss für die große Serien-Offensive von Sky und brachte das sogenannte Goldene Zeitalter der Serien auch nach Deutschland. Eine prachtvolle und spannende Historien-Serien, leicht und unterhaltsam präsentiert. Der Clip von Zu Asche, Zu Staub ging viral. Auch hinter den Kulissen geschah bemerkenswertes: Die Serie war eine Kooperation mit dem Öfffentlich-Rechtlichen Fernsehen. Als sich Sky dann aus dem Seriengeschäft wieder zurückzog, stand ihr einstiges Vorzeigeprodukt ohne echtes Ende da. Nun sorgte Das Erste doch noch für einen richtigen Abschluss. Vier Jahre nach der vierten Staffel (8/10) veröffentlichten sie das große Finale.
Anfang 1933. Hitler (Clemens Schick) wird zum Reichskanzler ernannt und die Nationalsozialisten beginnen mit ihrer schrittweisen Unterwanderung des Rechtsstaates. Gleichzeitig startet eine Gegenbewegung, in die Komissar Rath (Volker Bruch) mit hinein gerät. Und da gibt es noch die Jagd von Kriminalassistentin Ritter (Liv Lisa Fries) nach einer alten Krankenakte Hitlers, welche dessen Rolle im Ersten Weltkrieg neu beleuchten könnte. Tempo und Ausstattung der Serie ist nach wie vor gut, auch der Gegensatz zwischen dem lebhaften Berlin und dem aufkommenden Bösen gelingt sehr gut. Dass die Serie kein tristes Geschichts-Fernsehen sein wollte und die Kriminalstories schon immer etwas groschenromanhaftes hatten, fand ich schon immer als ein Gewinn für diese Serie und das setzt sich auch im Finale fort. Exzentrische Künstler, plakative Bomben und Geheimgänge – trotz des schweren und düsteren Themas ist auch der Serienabschluss unterhaltsam.


The Social Reckoning (Regie: Aaron Sorkin, Deutschland) – 5 von 10
Eine quasi Fortsetzung, mit der niemand so wirklich gerechnet hatte. 16 Jahre nach The Social Network hat Aaron Sorkin nun The Social Reckoning geschrieben und dieses Mal auch selbst Regie geführt. Marc Zuckerberg wird dieses Mal von Jeremy Strong gespielt und nicht mehr von Jesse Eisenberg, der eine Rückkehr wohl abgelehnt hatte. Kann der Film trotzdem funktionieren?
Leider nein. Denn Sorkin hat sich ein richtig sperriges Thema heraus gesucht. Es geht um die Macht der Algorithmen, Programmierung, quantitative Studien und Berechnungen der Wirtschaftlichkeit anhand komplexer KPIs. Wie soll man das nur spannend auf der großen Leinwand erzählen? Der Film macht den Fehler, alles auf einmal erzählen zu wollen und wird damit nichts davon gerecht. Man stelle sich vor, der Film hätte sich auf den Sturm auf das Kapitol beschränkt und das in Ruhe gezeigt! Die Geschichte wird aus der Sicht des Investigativreporters Horowitz (Jeremy Allan White) erzählt. Leider reiht er sich damit aber nicht bei den großen Journalisten-Filmen der letzten Jahre ein wie z.B. She Said (8/10), denn letztlich treibt er nur Haugen (Mikey Madison) auf, die ihm die Interna von Facebook von A bis Z erklärt. Sie ist wohl die intersssanteste Figur des Filmes, die ihren Job und ihr Produkt eigentlich liebt, aber hin und her gerissen ist, weil sich alles für sie in die falsche Richtung entwickelt. Bei den ganzen Fakten bleibt die Emotionalität leider auf der Strecke. Trotz guter Schauspieler und einigen den Figuren zugeschriebenen Spleens will das einfach nicht zünden. Die Krone ist dann schließlich noch die Darstellung Zuckerbergs (Strong), der mehr wie eine Parodie seiner Person wirkt als eine dramatische Figur. Aber nein: Einen großen Auftritt hat er dann doch. Als es nämlich zum angesprochenen Kapitolsturm kommt und er sich gezwungen sieht, seine bisherige Position zumindest kurzfristig zu überdenken. Das ausführlicher zu sehen, das wäre ein guter Film gewesen.

Prometheus – Dunkle Zeichen (Regie: Ridley Scott, USA, 2012, Sky SciFi) – 8 von 10
Fünfzehn Jahre nach Alien – Die Wiedergeburt (6/10) erschien 2012 wieder ein neuer Film aus der Alien-Reihe. Gut, dass ich nur 40 Tage auf die Fortsetzung warten musste. Ridley Scott kehrte für diesen Film wieder auf den Regiestuhl der Reihe zurück und wagte einen Zeitsprung zurück in das ausgehende 21. Jahrhundert. Das Raumschiff Prometheus ist auf einer Expedition auf einen weit entfernten Planeten, auf den Forschende unter der Federführung von Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) wichtige Hinweise auf den Ursprung der Menschheit vermuten. Was sie dann aber dort finden werden… Die Alien-Filme springen weiter munter zwischen den Genres hin und her. Horror, Action, Thriller – das hier ist dieses Mal besonders in der ersten Hälfte richtig klassische Science-Fiction. Das Klaustrophobische der engen Raumschiffe und Stationen weicht der Weite eines unbekannten Planeten, der Überlebenskampf macht Platz für philosophische Fragen darüber, woher die Menschheit kommt und was sie von dieser Entdeckung erwarten kann. Man muss nicht einen einzigen anderen Alien-Filme gesehen haben, um in dieser Vorgeschichte Fuß zu fassen. Die Bilder sind weit und episch – kein Vergleich zum engen VHS-Look der vorherigen Filme. Natürlich artet auch das hier in einen Kampf um Leben und Tod aus und nicht jeder der Besatzung wird das Ende des Films erleben. Neben Rapace überzeugt auch Michael Fassbender als Android, Idris Elba als Captain des Raumschiffs und vor allem Charlize Theron als Leiterin der Expedition. Spannende Neuausrichtung der Reihe!

The Strokes (USA) – Berlin, Uber Arena

The Strokes live. The Strrrrokes! Ich hätte nicht mehr damit gerechnet, die Band um Frontmann Julian Casablanca einmal live sehen zu können. Aber am vergangenen Donnerstag war es soweit. Dafür kann man schon mal nach Berlin fahren. Wenigstens war es dieses Mal nicht so heiß wie noch bei dem Auftritt von Pulp im Juni.
Die Band spielte in der großen Uber Arena. Wir hatten Sitzplätze, von denen man zwar die Band und das Publikum gut sehen konnte. Für Fotos vom Smartphone waren wir dann aber doch etwas zu weit weg, so dass das Bild da oben das Beste ist, was ich von dem Auftritt zeigen kann. Aber meine Güte – was war das für ein Auftritt? Going Shopping vom aktuellen Album machte den Anfang. Und selbst wenn man die neuen Songs nicht so mag, das ging richtig gut los. Und wenn man dann mit Soma vom legendären Debut weiter machen kann, dann hat man den Saal geknackt. Spätestens ab hier standen auch im Sitzplatzbereich alle – abgesehen vom Vater vor uns, der offensichtlich seinen Sohn begleiten musste. Wie überhaupt viele junge Leute im Publikum waren, dafür dass es mittlerweile 25 Jahre her ist, dass sie mit Is This It die Indie-Rock-Welt anzündete. Insgesamt sechs Songs wurden davon gespielt und auch an diesem Abend konnte man Someday, Take It Or Leave It, New York City Cops und natürlich Last Nite getrost zu den Highlights zählen. Mein geliebtes Reptilia vom zweiten Album ging dagegen fast etwas unter. Die komplette Setlist findet ihr hier. Bemerkenswerterweise stellen sie die von Konzert zu Konzert immer großflächig um.
Die Bühne sah toll aus mit seinen neon-bunten Treppenstufen und den Lichtern, die den Raum durchschnitten. So stellte man sich in den 1980ern die Zukunft vor! Die Band selbst blieb dagegen eher in der Dunkelheit, vor allem Front-Man Casablanca umging großzügig alle Lichtkegel und war nur durch seinen weiten Mantel zu erkennen. Auch bei der Interaktion mit dem Publikum hielt man sich zurück, außer den üblichen Phrasen gab es hier nichts. Dafür schossen sie Hit nach Hit raus, gut 100 Minuten Volldampf und das ist ja das, weswegen wir alle da waren. Ein großer Konzertabend, für den sich die Fahrt nach Berlin mal wieder gelohnt hat.

Gesehene Spiele in dieser Saison: 6 von 8 Liga-Spielen = 75%. (Saison 2025/26: 85%)
Das nennt man dann wohl einen Befreiungsschlag! Nach drei Niederlagen in Folge ohne eigenes, zählbares Tor, gewinnt der KSC mit 4:0 gegen den SV Darmstadt 98. Und es zeigte sich mal wieder: Man muss in dieser Liga den Spielverlauf auf seine Seite ziehen. Durch die Treffer von Fukuda und Wanitzek führte der KSC bereits nach 15 Minuten mit 2:0, direkt nach der Pause fiel das 3:0 durch Kobald. So kam Darmstadt nie ins Spiel. Der KSC mal wieder mit der deutlich besseren Laufleistung und einer überraschend überzeugenden Chancenverwertung, zu der Wiethaup noch das 4:0 oben drauf legte. Der ungefährdete Sieg sorgte so für einen entspannten Nachmittag vor dem heimischen Fernseher.

Die Hin- und Rückfahrt nach Berlin verlief überraschen unspektakulär. Die Bahn war in beide Richtung pünktlich, wenn man 10 Minuten Verspätung großzügig darunter zählen mag, und verlief ohne Drama. Dass sich am Berliner Hauptbahnhof Gleise und Abfahrtszeiten immer wieder leicht und kurzfristig verschieben, das scheint mir nach den Erfahrungen in diesem Jahr zum Konzept zu gehören.
In Berlin selbst kamen wir auch gut vorwärts, wenn man mal davon absieht, dass wir auf einer Strecke konsequent bei jedem Ein- und Umsteigen zunächst jeweils die erste Verbindung um zwei Minuten knapp verpasst haben. Und davon auszugehen, dass die Berliner Ring-S-Bahn auch zum Hauptbahnhof fahren würde, war natürlich naiv. Aber sonst hat dort alles gut geklappt und auch in den Tagen zuvor in München kann ich mich an keine größeren Störungen erinnern.

Dieses Jahr wurde es recht ruhig rund um Wanda. Außer das kommende Weihnachtskonzert in Wien (wir sehen uns!) war für 2026 eigentlich nichts weiter geplant. Um so überraschender nun die Ankündigung für ein neues Album und die Veröffentlichung des Vorab-Songs Salbei. Musikalisch ist es der Sprung von den kleinen Hymnen zum großen Stadionrock, textlich bleibt es dagegen auf bekanntem Terrain. Wie gut das auf Albumlänge funktioniert wird sich zeigen.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche!