KW 36/2026: Hundert Jahre Einsamkeit, Doppelhaushälfte, Alien 4 und Kopfgewitter
Happy Sunday!
Wir müssen über Sidequests reden. Wann ist dieser Begriff bitte in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen? Nur weil du neben deinem eigentlichen Job noch kurz Brezeln beim Bäcker kaufen musst, bist du noch lange nicht der Held in einem Videospiel, Jochen! Hoffentlich bleibt das kein dauerhafter Trend, den jeder Möchtegern-Influencer benutzt, um uns seinen Alltag zu verkaufen. Und damit sind wir bei mir: Da ich demnächst im Urlaub sein werde, bin ich parallel dabei, zwei weitere Einträge vorzubereiten. Der eine matcht hoffentlich mit einem bestimmten Stichtag, der andere wird mir die Arbeit nach meiner Rückkehr erleichtern. Vorbereitung ist alles. Beides frisst aber doch mehr Zeit als gedacht.
Pünktlich sind wir trotzdem beim medialen Wochenrückblick angelangt. Dieses Mal mit Fortsetzungen: Zwei Serienstaffeln von bekannten Serien, ein Film einer bekannten Filmreihe und, zwar keine Fortsetzung, aber der zweite von mir gelesene Roman einer bayerischen Autoren. Ob dieser so gut war wie der erste, den ich im vergangenen Jahr in der Hand hatte?

Simone Trojahn – Kopfgewitter (Deutschland, 2026) – 6 von 10
Klappentext: Lennart Sailer besitzt das perfekte Leben: eine hingebungsvolle Familie, atemberaubenden Erfolg im Job, ein traumhaftes Haus in der idyllischen österreichischen Bergwelt. Doch unter dieser glänzenden Oberfläche brodelt die Hölle – ein finsteres Geheimnis, das in seiner Seele lauert. Seit einem entsetzlichen Trauma in seiner Kindheit quälen ihn Stimmen, die flüstern, Visionen, die unmöglich real sein können. Er ringt verzweifelt gegen das tobende Kopfgewitter, das gnadenlose Monster in seinem Geist. Es tobt, es jagt, es giert nach totaler Herrschaft. Als Wahrheit und Wahnsinn zu einem tödlichen Wirbel verschmelzen, wird sein idyllisches Heim zum Schauplatz purer Panik, erdrückender Schuld – und blutiger Grausamkeiten. Was ist echt? Was nur der teuflische Trug seines zerbrechenden Verstands? Am Abgrund muss sich Lennart die ultimative herzzerreißende Frage stellen: Kann er das bevorstehende Blutbad noch stoppen – oder hat das Monster bereits triumphiert?

Review: Im vergangenen Jahr habe ich von der gleichen Autorin bereits den Roman Das Vermächtnis des Grauens (8/10) gelesen und war sehr begeistert. Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis ein zweiter Roman für mich folgen sollte. Nun war es soweit und meine Wahl fiel mit Kopfgewitter auf ihr aktuellstes Werk. Leider erreicht dieser aber aus meiner Sicht nicht die gleiche Qualität. Während ich beim letzten Mal noch schrieb: „Kompliment an die Autorin Simone Trojahn, die […] es schafft, dass das Ganze nicht zu einem reinen Gewalt-Porno eskaliert“, gelingt ihr das dieses Mal nicht. Die üblen und reichlichen Gewaltszenen sind zwar ähnlich drastisch und schonungslos erzählt, wirken hier aber nur wie ein Mittel zum Zweck. Der Drang zu seinen Gewaltexzessen überkommt Hauptfigur Lennart meist ansatzlos, aber im dramaturgisch besten Moment. „Die Grausamkeiten sind zu fühlen und nachzufühlen, Ekel und Mitleid halten sich die Waage“ urteilte ich damals. Dieses Mal halten sich Mitgefühl und Mitleid in Grenzen, denn die Distanz zu Haupt- und Nebenfiguren bleibt bis zum Schluß bestehen. Seine Familie bleibt blass und hatte letztlich auch nie die Chance, irgendwie an Profil zu gewinnen, erleben wir sie doch immer nur aus den gestörten Augen von Lennart und seinem sprunghaften Geist. So gut Trojahn das Grauen handwerklich auch beschreiben mag, emotional trifft mich das nicht. Dafür sitzt jedoch der finale Twist so richtig! Dieser kommt überraschend und dreht vieles vorherige noch einmal komplett auf links. Das rettet Kopfgewitter schließlich doch noch auf die sechs Punkte.

Doppelhaushälfte (Staffel 5, 10 Folgen, Deutschland, ZDF Mediathek) – 8 von 10
Eines ist spätestens nach dieser Staffel klar: Es geht nicht mehr um wahnwitzige Alltagssituationen und wie die Parteien der beiden Doppelhaushälften sie meistern, sondern darum, wie sie sich in außergewöhnlichen Situationen verhalten. Eine konsequente Weiterentwicklung der Staffel 4 (7/10). Und so geht es in der fünften Runde um nicht weniger als eine Western-Stadt, UFOs, Dreharbeiten, eine Zeitreisende, ein geerbtes Bordell, eine Geiselnahme und den Weltuntergang, alles teilweise mehr Parodie als Comedy. Jede Folge eine neue Welt. Nicht jede davon überzeugt (Stichwort: Fahrschule), aber insgesamt war das eine gute Mischung, die allen Hauptfiguren mal etwas mehr Platz im Scheinwerferlicht ließ. Wobei es sich im Laufe der letzte Jahre dann doch immer mehr auf Andi Knuppe (Milan Peschel) fokussiert.
Hundert Jahre Einsamkeit (Staffel 2, 8 Folgen, Kolumbien, Netflix) – 9 von 10
Vom ersten Teil der Verfilmung des Romans von Gabriel García Márquez war ich im vergangenen Jahr sehr begeisert (9/10) und zählte die Serie zu meinen Highlights 2025. Nun ist die zweite Hälfte der Serie erschienen, die die Jahrhundertgeschichte um das abgelegene kolumbianische Dorf Macondo zu einem Ende bringt. Sie steht der ersten Hälfte in nichts nach und setzt neue Maßstäbe, wenn es um die Verfilmung von Literatur geht. Die Geschichte des Dorfes, dass stellvertretend für den gesamten Kontinent stehen könnte, ist groß und episch, ein Mosaik aus Einzelgeschichten rund um die Familie Buendía, die in ihrem Schicksal vereint, aber durch die Jahrzehnte getrennt ist. Wir sehen den Aufstieg des Dorfes aus seiner Abgeschiedenheit, bis eine Eisenbahnlinie Macondo mit dem Rest der Welt verbindet und die kapitalistischen Heuschrecken einfallen. Es geht um gescheiterte Bürgerkriege, Arbeitnehmerrechte, verhängnisvolle Affären und unerfüllte Träume, bis am Ende alles in Staub zerfällt. Meiner Meinung nach kann man der Geschichte um den verworrenen Stammbaum in der Serienvariante sogar besser folgen als im Roman. Visuell ist die Serie ebenfalls ein absolutes Highlight. Wie sich der Familiensitz und Macondo im Laufe der Jahrzehnte wandeln und sich Aufstieg und Fall auch optisch in den aufwändigen Kulissen widerspiegeln ist wirklich fantastisch. Dazu kommen immer wieder einzelne Kamerafahrten und Collagen, die absolut kinoreif sind. Sicher, man muss etwas Gefallen am magischen Realismus Lateinamerikas haben, um jahrelange Regenfälle und das wortlose Verschwinden von tausenden zu akzeptieren, aber dann hat man wirklich Spaß mit dieser Serie und versinkt gedanklich und emotional voll in dieser Jahrhundertgeschichte. Eine dicke Sehempfehlung von meiner Seite!

Alien – Die Wiedergeburt (Regie: Jean-Pierre Jeunet, USA, 1997, Sender, Re-Watch) – 6 von 10
Mein persönliches Rätsel nach dem dritten Teil (7/10) ist gelöst: Aus dem Jahr 1997, FSK 16, Winona Ryder als Co-Star – ja, mir wird deutlich klarer, warum es dieser Film gewesen sein muss, den ihn ohne Vorkenntnisse damals im Kino gesehen hatte. Und warum ich inhatlich so gut wie nichts mehr wusste ist nun auch deutlich: Die Wiedergeburt ist kein Highlight der Alien– Filmreihe. Es ist Science-Fiction, der Tod von Ripley (Sigourney Weaver) am Ende des letzten Films ist kein Grund, sie für die Fortsetzung nicht wieder zurückzuholen, nur damit sie sich erneut mit den Aliens auseinander setzen muss. Die Story ist dünn, das Profil der Figuren noch dünner. Und während die Aliens im ersten Teil noch mehr eine Andeutung oder ein Schatten waren, hält die Kamera hier nun genüsslich auf das sabbernde und schleimende Wesen. Immerhin ist das Setting an Bord des Raumschiffs sehr gelungen und der Film ist angenehm knapp erzählt.

Gesehene Spiele in dieser Saison: 4 von 4 Liga-Spielen = 100%. (Saison 2025/26: 85%)
Auswärts gab es nach zweimaligem Rückstand bei Hannover 96 noch ein 2:2 Unentschieden. Insgesamt ein gerechtes Ergebnis für dieses Spiel, was auch ein Blick auf die xGoals Werte bestätigt: Die beurteilen die Torabschlüsse beider Teams mit 1,80 vs 1,85. Defensiv war das wieder etwas wackelig, besonders in der ersten Hälfte. Offensiv ist auch noch etwas Luft nach oben, aber kein Wunder, denn mit Ben Farhat, Fukuda, Egloff und Broschinski kommen gleich vier der stärksten Kandidaten erst langsam aus einer Verletzung. Und so entstanden die Tore nach einem Fehler des Heimteams, wo Fukuda schnell schaltete, und aus einer starken Einzelaktion des jungen Rechtsverteidigers Pinto Pedrosa. Nach vier Spieltagen stehen nun fünf Punkte in den Büchern. Für das durchaus anspruchsvolle Startprogramm geht das in Ordnung.

Keine besonderen Vorkommnisse. Es gab aber auch nur die Fahrt ins Büro am Dienstag und die Fahrt in die Altstadt am Samstag. Das war’s.

- Statistik Juli 2026: Tatütata – die neuen Statistiken sind da. Und ihr ahnt es bereits: Die sind weiterhin stark verfälscht oder zumindest verwässert. Die Zählung sagt, es war für die Anzahl der Seitenabrufe der vierstärkste Monat des Jahres, was reicht, um weit besser als das Vorjahr gewesen zu sein. Der Beitrag zum Song Crimson and Clover war das dritte Mal in Folge der Top-Beitrag, dieses Mal nur hauchzart vor dem Beitrag über die Musik bei Ina’s Nacht. Dahinter folgen gleich fünf Beiträge aus dem Juli. Das Traffic-Phänomen konzentriert sich also nicht auf einige, wenige Beiträge, sondern zieht sich weitläufig durch die im Archiv versauernden Artikel. Immerhin, der Anteil des US-Traffics betrug nur noch 37% (im Juli waren es noch 44%), dafür haben die Seitenaufrufe aus China zugenommen. Der Traffic aus Deutschland blieb konstant und gut, die Anzahl der Kommentare sogar der beste Wert seit Januar. Unter den Suchmaschinen als Traffic-Bringer hatte Google bei mir einen Anteil von 85%. ChatGPT schaut sich nun wieder an, was es über die Leistung dieser Seite bei Google zu sagen gibt.
- Google Search Console: Im August ging der organische Traffic gegenüber dem starken Juli zurück: -17% Klicks und -9% Impressionen. Das Niveau bleibt damit aber über dem Juni. Besonders erfreulich entwickelt sich der Star-Trek-Serien-Artikel: 730 Impressionen, 14 Klicks und eine Verbesserung auf Position 7,9. Auch Inas Nacht bleibt mit 51 Klicks stark. Die meisten 2026er Artikel stehen dagegen noch am Anfang ihrer SEO-Reise – die teilweise sehr niedrigen Impressionenzahlen sprechen dafür, dass Google sie noch nicht vollständig indexiert bzw. ausspielt. Die Wochenrückblicke sind davon ausgenommen: Sie funktionieren vor allem bei den Stammlesern. Fun Facts: Crimson and Clover bleibt mit 61 Klicks der SEO-König – und selbst der Tippfehler „climpson and clover“ brachte zwei Besucher.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche! Für mich könnte sie etwas stressig werden, da auf der Arbeit nun auch noch eine weitere Kollegin im Urlaub ist und ich quasi alles covern muss, und ich an den Abenden einige Sidequests zu absolvieren habe. Aber, wird schon!
Ein Kommentar
bullion
Ich wünsche dir schonmal einen schönen Urlaub! 🙂
Was die Statistiken angeht, habe ich einen ganz guten Weg gefunden, die verfälschten Zahlen rauszurechnen. Mal sehen, ob ich das dann Ende des Jahres wirklich mache bzw. zumindest Alternativzahl präsentieren. Es bleibt spannend!