KW 27/2026: Pulp, The Invite und das Leben fing im Sommer an

Happy Sunday!

Habt ihr die Hitze am vergangenen Wochenende alle gut überstanden? Ich hatte diese Tage im Glutofen Berlin verbracht. Das war sehr fordernd und dieses Gefühl hielt auch noch ein paar Tage an. Und zwar so, dass ich mich dann am Mittwoch, als es hier merklich abkühlte und der Regen einsetzte, krank melden musste, weil mich das alles so geschlaucht hatte. Für einen Tag, meinen ersten Kranheitstag seit August 2025. Man stelle sich vor, ich wäre beim Arzt gewesen und der hätte mich gleich für Rest der Woche krank geschrieben!

Und damit zum medialen Wochenrückblick. Außer meinen Worten zur aktuellen Fußball-WM der Männer gibt es noch eine Buchkritik, die Eindrücke eines epischen Konzertes und meinen einzigen Besuch beim Filmfest München in diesem Jahr. Viel Spaß!

Mehr zum verlängerten Wochenende in Berlin wird es in ein paar Tagen geben, zunächst aber erst einmal ein Bild aus dem Hotel. So sah der Flur vor dem Aufzug aus – das musste ich einfach fotografieren. Zugegeben, unsere Zimmer waren im 6. Stock und das Bild ist quasi von der falschen Seite aufgenommen, aber das sind ja Details, die nicht weiter interessieren.

Gesehene Spiele: 27 von 90 WM-Spielen = 30% (WM 2022: 50% / WM 2018: 70%).

  • Deutschland – Paraguay: Raus ohne Applaus. Verloren im Elfmeterschießen, der mythische Disziplin, in der Deutschland lange als unbesiegbar galt. Die Serie aus den Gruppenspielen setzte sich fort: Die Leistung wurde von Spiel zu Spiel schlechter. Das nun der Tiefpunkt. Gegen tiefstehende Spieler aus Paraguay fiel Team Deutschland nichts ein, Flanken aus dem Halbfeld als verzweifeltes Mittel, irgendwie fand zumindest eine davon ihren Weg in das gegnerische Tor, so dass es in der regulären Spielzeit wenigstens noch für ein 1:1 reichte. Das Elfmeterschießen dann mit dem bekannten Ausgang. Bei der dritten Männer-Weltmeisterschaft in Folge reichte es nicht für die Top 16, dieses Jahr machten sie in keinem der vier Spiele den Eindruck, als würden sie in diese Elite gehören. Ein Kommentator wurde im Nachgang dafür kritisiert, Paraguay vorher als einen nur drittklassigen Gegner bezeichnet zu haben. Dabei hatte er damit Recht. Was er nicht erwähnt hatte war jedoch zu sagen, dass Deutschland selbst maximal nur noch zweitklassig ist. Und mit dieser Leistung gewinnt man solche Spiele dann nicht.
  • Argentinien – Kap Verde: Das Highlight des Sechzehntelfinals war offenbar das Spiel des Titelverteidigers gegen everybodys darling Kap Verde. Diese lieferten erneut einen großen Kampf und konnten sich mit einem 1:1 in die Verlängerung retten. Damit haben sie in der regulären Spielzeit kein einziges ihrer vier Spiele verloren! Aber auch in der Verlängerung gaben sie sich nicht so einfach geschlagen. Schnell lagen sie zwar 2:1 zurück, aber kamen durch ein Traumtor von Lopes Cabral doch noch einmal zum Ausgleich. Und selbst nach der erneuten Führung von Argentinien hatten sie die Chancen auf das 3:3 und damit auf das Elfmeterschießen. Und wer weiß, was dann passiert wäre – immerhin haben sie mit Vozinha vielleicht einen der Torhüter des bisherigen Turniers in ihren Reihen. Soweit kam es dann aber doch nicht und so hieß es: Raus mit ganz viel Applaus. Und schade, dass das Spiel hier mitten in der Nacht lief.
  • Torhüter: Früher unterschieden sich bei so einem Turnier die guten und die schlechen Teams oft durch die Qualität ihrer Torhüter. Das ist bei der WM 2026 nicht mehr so. Richtige Fliegenfänger sucht man vergeblich und so verzweifelten schon einige favorisierte Teams am gegnerischen Torwart. Gut so, das machte vor allem die Vorrunde ausgeglichener, als es befürchtet war.
  • Top 16 Teams: So verteilen sich die Achtelfinalisten auf die Kontinente bzw. auf die Kontinentalverbände – in Klammern der Vergleich zur WM 2022. Europa: 7 (8), Südamerika: 4 (2), Nord- Mittelamerika: 3 (1), Afrika: 2 (2), Asien: 0 (3), Ozeanien: 0 (0). Europa und Afrika bleiben damit recht stabil, wobei der afrikanische Fußball-Verband im neuen Sechzehntelfinale einige Federn lassen musste und ihre beiden letzten Vertreter gerade noch so über das Elfmeterschießen weitergekommen sind.  Alle drei Gastgeber sind im Achtelfinale mit dabei, dazu gleich vier Südamerikaner! Der Verlierer in diesem Jahr ist der Kontinentalverband aus Asien (incl. Australien), die schon ganz raus sind.
  • Halbfinal-Tipp: Ich tippe auf FrankreichUSA und auf BrasilienArgentinien als Paarungen im Halbfinale.
  • Hydration Break: Nach neunzig Spielen bei dieser WM haben sich die Leute in den Stadion langsam auf den Hydration Break in einer überdachten Halle bei 20° eingegroovt und begleiten den Start dieser zusätzlichen Unterbrechungen mittlerweile durchgängig mit lauten Pfiffen. Um die zu überdecken versucht es die FIFA mit noch lauterer Musik und spielt die größten Rockpop-Songs der Musikgeschichte… und das unsägliche Live is Life. Wie auch immer – im Ranking führen Mr. Brightside, Freed from Desire, Summer of ’69 und dieser Hit hier, bei dem die Stadien jedes Mal durchdrehen:


Christoph Kramer – Das Leben fing im Sommer an (Deutschland, 2025) – 6 von 10

Klappentext: Es ist der Sommer 2006, ein Hitzerekord jagt den nächsten, die WM verändert das Land, Deutschland ist im Fußballfieber. Der 15-jährige Chris verbringt die Abende mit seinen Freunden auf dem Dach der alten Scheune und verschläft die heißen Tage im Freibad. Er will Fußballprofi werden, aber vor allem will er eins: endlich cool sein. Chris ist ein Teenager wie jeder andere auch, auf der Suche nach sich selbst. Dann passiert das Unfassbare. Debbie, das schönste Mädchen der Schule, interessiert sich ausgerechnet für ihn. Es beginnt eine emotionale Achterbahnfahrt, bei der Chris alles wagt und doch nie vergisst, was eigentlich wichtig ist: Freundschaft und die Gewissheit, wirklich zu leben.

Review: Was denn, jetzt schreibt er auch noch? Ex-Fußballnationalspieler und ZDF-WM-Experte Christoph Kramer hat im vergangenen Jahr seinen ersten Roman veröffentlicht und das – zumindest nach den Verkaufszahlen – wohl auch recht erfolgreich. Der Protagonist in seinem Roman heißt so wie er selbst und hat die gleiche Biografie und damit eröffnet Kramer das Ratespiel: Was ist echt, was ist Fiktion? Fakt ist: Für einen (ehemaligen) Fußball-Profi ist das Thema mutig. Immerhin schreibt er hier von den Unsicherheiten und den Selbstzweifeln eines angehenden Fußballers, der sich mental und körperlich eigentlich nicht gut genug für den Fußball und für das Leben hält, Schwächen zeigt in diesem Männer-Business. Davon abgesehen hat sein Roman aber erstaunlich wenig Fußball-Hintergrund: Ähnlich wie in der Serie Chabos (9/10) dient die WM 2006 nur als zeitliche Verankerung und nicht als Motor der Handlung. Chris, der sich sein Leben zwischen Schule, Freizeit und Training aufteilen muss, erzählt kaum von seiner jungen Fußballer-Karriere, wir erfahren nur, dass es bei seinem Verein Bayer 04 Leverkusen für ihn nicht mehr weiter geht, das war es aber auch schon.

Die erzählte Geschichte ist schlicht und spielt sich innerhalb von nur wenigen Tagen ab. Chris ist verliebt in Debbie, kommt ihr näher und dann ist es fast auch schon wieder vorbei. Er verliebt sich in Images von Mädchen, ohne sie zu kennen. Oft ist es einfach so, ohne dass er Sachen (sich) selbst erklären kann. Er lässt sich von seinen Jungs mitziehen, seine Stimmung schwankt von hoch zu tief und zurück und schnell sind Sachen einfach wieder vergessen. Leider bleibt der Roman oft sehr oberflächlich. Eine ältere Stimme, die auf seine Zeit als Jugendlicher zurück blickt, wäre hilfreicher gewesen, um jugendliche Unsicherheiten und Unerfahrenheiten besser einzuordnen. Gleichzeitig übertreibt es der Roman manchmal mit Genauigkeiten – dass er öfter von „Bayer 04 Leverkusen“ redet und nicht eine Kurzform wählt oder häufig die Marken von seinen Eistees oder von seinem Handy aufzählt, wirkt übertrieben genau und zielt zu sehr darauf ab, Nostalgiegefühle zu erzeugen. Dafür fehlt die Genauigkeit an anderer Stelle, wenn er zufällig eine Frau trifft, die ihn an seinen Schwarm aus einer Fernsehserie erinnert, wäre es hilfreich gewesen, diese Schwärmerei vorher schon anzudeuten. So verläuft die Geschichte an sich etwas unbefriedigend. Trotzdem lässt sich der Roman ganz gut lesen, hat einige schöne Episoden und ja: Ich hatte beim Lesen häufig die Stimme von Christoph Kramer im Ohr.

The Invite (Regie: Olivia Wilde, USA) – 8 von 10

Mittlerweile gibt es einige Filme darüber, wie ein Abendessen gepflegt eskalieren kann. Man denke nur an Der Vorname (8/10), Der Gott des Gemetzels oder The Turkish Coffee Table (9/10). Es sind Filme die gerne mal adaptiert oder neuverfilmt werden. Das trifft auch auf diesen Film zu, ist es doch ein Remake des spanischen Films Sentimental. Joe (Seth Rogen) und Angela (Olivia Wilde), bei denen es gerade kräftig kriselt, laden die Nachbarn Pina (Penélope Cruz) und Hawk (Edward Norton) erstmal zum Dinner zu sich ein. Wie sich der Abend dann entwickelt, konnten die beiden nicht vorhersehen. Es ist Olivia Wildes erste Regiearbeit seit Don’t Worry Darling (8/10) und auch diesen Job meistert sie wieder sehr gut. Die Dialoge sitzen, die Witze funktionieren, die Eskalation des Abends ist schmerzhaft fühlbar. Neben der Regie liegt das aber auch an den Schauspielenden, die total in ihren Rollen aufgehen. Comedy ist ein schwieriges Feld, aber hier sitzt das Timing. Drama hängt daran, ob man mit den Figuren mitfühlen kann, ob man sie nun mag oder nicht, und dass man deren Konflikte versteht. Und auch das liefert der Film in seinen lauten, aber auch in seinen leisen Momenten. Es geht um Kommunikation und Verständnis, sich Träume zu bewahren und Freiheiten zu lassen. Und was hier über die Figuren enthüllt wird, das berührt und ist nachvollziehbar. Der Film ist stellenweise vielleicht etwas zu lang, das Gezanke von Joe und Angela vor den Gästen vielleicht etwas zu viel und die Figur von Hawk teilweise etwas drüber, aber trotzdem ist es insgesamt ein toller, kleiner Film geworden.

Pulp (UK) – Berlin, Tempodrom

Pulp live. Pulp! Ich hätte nicht mehr damit gerechnet, die Band um Frontmann Jarvis Cocker einmal live sehen zu können. Aber am vergangenen Samstag war es soweit. Die ersten Konzerte der Band in Deutschland nach fünfzehn Jahren. Dafür kann man schon mal nach Berlin fahren.

Draußen war es heiß, die Stadt glühte auch noch am Abend, aber die Halle war klimatisiert. Zwar merkte man auch im Laufe des Konzerts hier die Hitze, die die etwas mehr als 4.000 Gäste ausstrahlten, aber das war durchaus okay. Es wurde ein langer Abend, aber keinesfalls ein langweiliger. Im Gegenteil: Es war ein Ereignis! Pulp hatten keinen Support dabei, sie gingen selbst gleich in die vollen. Pünktlich um 20 Uhr betraten Cocker und die Band, sowie die Begleitmusikanten die Bühne. Sorted for E’s & Wizz vom Different Class Album als erstes und dann schon: Disco 2000! Was für ein Gefühl, diese Hymne nach all den Jahren endlich einmal live zu hören! Schon jetzt hatte sich der Ausflug gelohnt. Aber der Abend lebte nicht nur von der Nostalgie, direkt im Anschluß gab es Spike Island vom aktuellen Comeback Album und war nicht minder gut. Und so ging es weiter, es gab alle Hits von früher und das Beste von heute. Dazwischen immer wieder launige Ansagen von Jarvis Cover, dem Erdkundelehrer des Britpop, der Gegenentwurf zu den Gallaghers und Albarns dieser Epoche. Leichtfüßig tanzte der mittlerweile 62-Jährige über die Bühne, animierte das Publikum und verteilte auch mal ein paar Weintrauben.

Ihr Set war äußerst umfangreich und in zwei Blöcke aufgeteilt, die durch eine 15 minütige Pause getrennt waren. Der zweite Teil wurde von einer sehr reduzierten, aber schönen Version von Something Changed eröffnet, insgesamt war ihr Hitalbum Different Class mit den meisten Stücken vertreten. Das neue Disco-Stück Got To Have Love machte sich live ebenfalls gut und leitete auf den absoluten Höhepunkt des Abends ein: Common People. Es war ein Wahnsinn! Das ruhige A Sunset danach ein würdiger Abschluß des Sets. Und dann ließen sie sich doch noch zu einer Zugabe hinreißen, obwohl sie das am Anfang noch ausgeschlossen hatten, denn die ganze Tour wäre ja bereits eine Zugabe, und so spielten sie noch das eher unbekannte Love Is Blind als Abschluß und entließen danach das begeisterte Publikum in die Nacht (komplette Setlist).

Als wir die Halle verließen, setzte ein leichter Nieselregen ein, eine erfrischende Abkühlung an diesem heißen Tag.

Es fehlt noch der Nachtrag zur Berlin-Reise: Die Hinfahrt verlief am Samstagvormittag ohne Probleme. Der ICE war pünktlich, klimatisiert und wir saßen die ganze nur zu Zweit in einem Abteil in der 1. Klasse. Die Rückfahrt am Montag Nachmittag war etwas stressiger. Es war nach der großen Hitze, es gab wohl stellenweise Probleme mit den Weichen, so dass der ICE einen Umweg fahren musste und sich schnell eine Verspätung von einer Stunde ansammelte, die er auch nicht mehr aufholen sollte. So wurde es eng, ich war 15 Minuten vor Anpfiff von Deutschland – Paraguay erst zu Hause. Der Antrag auf Entschädigung war noch am gleichen Abend ausgefüllt. Also bei der Deutschen Bahn, nicht beim DfB, logisch.

Die Fahrten innerhalb Münchens verliefen danach in dieser Woche ohne Probleme, es gab meines Wissens nicht einmal Einschränkungen im Fahrplan.

  • Statistik Juni: Auch im Juni war der Traffic auf dieser Seite weiterhin unverhältnismäßig hoch, auch wenn die Klickzahlen im Vergleich zu den Vormonaten etwas zurück gegangen sind. Immerhin, der seelenlose Traffic aus den USA machte nur noch 34% aller Abrufe aus, dafür war aus China relativ viel los. Die Abrufzahlen aus Deutschland waren so gut wie seit Januer nicht mehr, immerhin etwas! Das Wechselspiel an der Spitze der meistegeklickten Artikel des Monats geht munter weiter. Der Beitrag zum Song Crimson and Clover hat sich am letzten Tag im Juni noch die Pole Position zurück erkämpft und damit den neuen Beitrag mit meinen Erinnerungen an das Sommermärchen knapp auf Platz 2 verwiesen. Die Performance bei Google in der Suchmaschine ist schon das ganze Jahr über recht konstant mit nur leichten Abweichungen nach oben und unten. Und so pendelte sich die CTR erneut bei 1,0% ein.
  • Mirli in Venice: Nunja… Mirli war in Venedig… und berichtet ausführlich über ihren Kurzurlaub, sowie über den anschließenden Ausflug nach Lido di Jesolo.
  • Besuch der Eisriesenwelt Werfen: Und weiter geht es nach Österreich, wo Bullion eine spannende Höhlenwanderung hatte.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche!

Ein Kommentar

  • bullion

    Danke dir fürs Verlinken und die Spitze gegen die unsäglichen Reformpläne der Arbeitgeber-Lobby, die sich Regierung schimpft. Ich hoffe, dir geht es inzwischen wieder besser.

    Bei den Statistiken kann ich Ähnliches beobachten: US-Traffic ist runtergegangen, China hoch. Das hat sich seit ca. einer Woche aber wieder geändert und US führt an. Die KI-Blase kann einfach nicht schnell genug platzen.

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