KW 23/2026: Bugonia, Panic Shack, Hostage und Fahrstuhl zum Schafott
Happy Sunday!
Ich weiß, es ist der vierte mediale Wochenrückblick in Folge. Aber da müssen wir jetzt alle durch. Diese Woche im Programm: Ein aktueller Farbfilm, ein alter schwarz-weiß Film und eine britische Thrillerserie. Dazu noch etwas Musik aus London und ein paar andere Kleinigkeiten, das war’s schon. Punk, Fußball und Entführungen sind die übergeordneten Themen. Viel Spaß dabei!

Punk ist tot? Von wegen! Naja – im Museum hängt er jedoch trotzdem schon. In der Ausstellung Copy + Paste im AMUSEUM of Contemporay Art sind einige Kunstdrucke aus dem Punk-Kosmos ausgestellt. Eine kleine, aber feine Übersicht. Die Ausstellung kann man noch bis zum 28. Juni hier in München kostenlos besichtigen.


Hostage (Staffel 1, 5 Folgen, UK, Netflix) – 6 von 10
Der Ehemann (Ashley Thomas) der britischen Premierministerin Abigail Dalton (Suranne Jones) wird entführt. Sie soll damit zum Rücktritt gezwungen werden. Die französische Präsidentin Toussaint (Julie Delpy), uneins mit ihr in vielen politischen Fragen, könnte ihr mit einer Militäraktion helfen, jedoch wird sie ebenfalls von Unbekannten erpresst. Aus dieser Ausgangssituation entwickelt sich eine nicht unspannende Thrillerserie, deren größtes Manko die offensichtlich konstruierten Wendungen sind, die jeden Realismus-Ansatz zunichte machen. Und auch wenn der erste Konflikt bald schon halbwegs aufgelöst ist, ist die Serie noch lange nicht zu Ende, sondern macht einfach weiter. Und liefert eine Auflösung, die dem epischen Plan nicht so ganz gerecht wird. Das ist alles etwas ärgerlich, weil gutes Personal hätte Hostage schon am Start, sie macht aber einfach zu wenig daraus. Wenigstens lassen sich die fünf Folgen halbwegs gut weggucken.

Bugonia (Regie: Yorgos Lanthimos, USA, 2025, Sky Cinema) – 8 von 10
Teddy (Jesse Plemons) entführt zusammen mit seinem Bruder (Aidan Delbi) die Firmenchefin Michelle Fuller (Emma Stone), in der festen Überzeugung, sie sei eine Außerirdische, die den Planeten zerstören will. Nach Poor Things (8/10), Kinds of Kindness (nicht gesehen) und The Favourite (8/10) ist das Duo Lanthimos & Stone wieder vereint. Der Film lebt vom tollen Schauspiel von Plemons und Stone und von der Frage, ob an Teddys wilden Weltverschwörungstheorien nicht doch etwas dran ist und wie weit er zu gehen bereit ist, um sie zu beweisen. Kammerspielartig verdichtet sich alles auf Teddys Haus und seinen Keller, in dem er Fuller mit seinen Theorien konfrontiert und diese einges dafür tut, um ihm das zu sagen, was er hören möchte. Teddy ist dabei nicht einfach nur weltfremd, sondern auch ein Produkt seiner tragischen Lebensumstände, die ihn immer mehr in die Isolation und sein eigenes Gendankenkonstrukt getrieben haben. Soziale Klassen treffen hier mit der eigentlich achtsamen Firmenchefin Fuller aufeinander. Und auch wenn die erste Stunde stellenweise vielleicht etwas zäh ist, treibt es die Eskalation am Ende auf die Spitze und macht aus Burgonia einen guten, zynischen und satirischen Weltverschwörungs-Film.
Fahrstuhl zum Schafott (Regie: Louis Malle, Frankreich, 1958, Arte) – 6 von 10
Mit den sogeannten Klassikern ist es ja oft so eine Sache. Das Werk an sich ist das eine, die Wirkung in ihrer Zeit das andere. Und da mag dieser Film vielleicht durch seine Story und durch seine Optik wirklich einen enormen Einschlag gehabt haben. Mit dem Abstand von knapp 70 Jahren bin ich mit dem Film aber lange nicht warm geworden. Ex-Offizier Tavernier (Maurice Ronet) versucht sich am perfekten Mord am Mann seiner Geliebten Florence (Jeanne Moreau), bleibt aber bei der Flucht im Aufzug stecken. Währenddessen entwenden Véronique (Yori Bertin) und Louis (Georges Poujouly) seinen Wagen und geben sich als er aus, was zu eingen Verstrickungen führt. So richtig rund fand ich die Story nicht, ist sie doch auf zu viele Zufälle angelegt. Das Schauspiel war übertrieben und theaterhaft. Erst gegen Ende, wenn alle Fäden wieder zusammen finden, erzeugt der Film doch noch einen gewissen Sog, zu spät aber, um richtig zu gefallen. Der Abstecher in das nächtliche Paris nur wenige Jahre nach dem Ende des Weltkrieges ist aber zumindest optisch ganz interessant.

Die Fahrt am Dienstagmorgen ins Büro gestaltete sich mal wieder schwierig. Ein Stellwerk am Leuchtenbergring gab seinen Geist auf, weswegen meine S-Bahn nicht mehr bis zu unserem Campus durchfahren konnte. Die empfohlene Ersatz-Verbindung wurde kompliziert: Mit der S-Bahn zur Tram, mit der Tram zum Bus, mit dem Bus ins Büro. Anderthalb Stunden hatte mich der Spaß gekostet und meine Fahrzeit damit verdoppelt. Hätte ich nur auf meinen ersten Impuls gehört und wäre direkt wieder ins Home Office gegangen! Wenigstens verlief die Heimfahrt dann ohne Probleme.
Von diesem Vorfall abgesehen musste ich noch zwei weitere Mal ins Zentrum, da lief aber alles wie am Schnürchen. Sagt man das heute überhaupt noch so?

- Statistik Mai 2026: Nach dem Rekordmonat im April sind die Klickzahlen ein wenig zurück gegangen, zum drittbesten Monat aller Zeiten hat es aber trotzdem noch gereicht. Inwieweit das noch zu meinem traditionellen Verständnis von Traffic passt, sei aber mal dahin gestellt, kamen doch immer noch 49% der Klicks und damit die meisten aus den USA, auf den Plätzen 3 und 4 lagen erneut Hongkong und Singapur. Immerhin: So viele Klicks aus Deutschland wie in diesem Mai hatte die Seite seit Januar 2026 nicht mehr und der Traffic über Google war sogar der meiste seit November 2025. Die CTR ist sachte auf 1,1% angestiegen. Im Ranking der meist geklickten Beiträge hat sich die Musik bei Ina’s Nacht die Spitzenposition zurück geholt und den Beitrag zum Song Crimson and Clover wieder auf den zweiten Platz verwiesen. Es geht hart zu an der Spitze! Auf Platz #3 lag der mediale Wochenrückblick KW 18/2026.
- WM-Appetizer: Bei dem Versuch, doch noch irgendwie in Fußball-WM Stimmung zu kommen, bin ich, neben dem Kauf des Sonderhefts der 11 Freunde, bei den verschiedenen aktuellen Dokumentation hängen geblieben. Themen: WM 1990 (Sky), WM 1994 (NDR) und WM 2006 (ZDF), alle mit dem deutschen Team als Schwerpunkt. Alles mindestens nett, aber die schwächste Doku war ganz klar die zur WM 1990. Nur ein interner Blick auf das Turnier, wenig Neues, starke „Mein schönstes Ferienerlebnis“-Vibes, Grüße aus dem Ferienlager. Besser dagegen die Dokus zur WM 1994 und zur WM 2006, weil sie es schaffen, die Bedeutung des Nationalteams auch gesellschaftlich und historisch einzuordnen und viel mit externen Stimmen arbeiten, die die Turniere damals begleitet hatten. Dazu mehr Kontext, weil man eben nicht nur die Turnierwochen betrachtet, sondern auch stark auf die Wurzeln eingeht. Die eine Doku hat den positiveren Grundton, die andere eher einen negativen Touch. Von Sommermärchen und Stinkefingern quasi.
- 7ème art: Filme von Wim Wenders: Da hatte Miss Booleana ein gutes Händchen für das Timing – sie stellt sieben Filme des deutschen Regisseurs vor.
- Zwei Jahrzehnte Bloggen: Auch an dieser Stelle noch einmal Glückwunsch an Bullion für stolze zwanzig Jahre Bloggerei!

Panic Shack aus London waren eine meine Abräumer bei den letztjährigen Listen Up! Awards: #5 bei den Live-Auftritten und auf der Short List bei den Alben des Jahres. Klarer Fall: Diese britische Punk-Rock Band würde ich im Auge behalten! Und dieses hat nun den ersten neuen Song erblickt: Grin & Bear It. Wieder ein flottes Stück Musik!
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. Nach dem vierten medialen Wochenrückblick in Folge wird es in den nächsten Tagen auch mal wieder einen Beitrag zu einem anderen Thema geben, versprochen. Also haltet die Augen offen und habt einen guten Start in die neue Woche!
2 Kommentare
bullion
Danke für die Glückwünsche! 🙂
Wie du bestimmt gelesen hast, dreht der Traffic auch bei mir vollkommen ab. Nach was soll man sich da bitte richten? All die schönen Erfolge der letzten Jahre dahin. Aber Hauptsache „KI“. Toll!
Nummer Neun
Ja man würde schon lieber für echte Menschen schreiben und nicht für irgendwelche Bots.