KW 22/2026: Pluribus, Vardo, The Reytons und Maximilian Senft

Happy Sunday!

Eigentlich hätte an diesem Wochenende eine Urlaubsvertretung für den medialen Wochenrükblick erscheinen sollen. Aber da ich vor meinem Urlaub nicht mehr dazu gekommen bin, muss es nun der am Samstag eiligst zusammen geklöppelte Rückblick auf die letzte Woche richten. Viel Spaß!

Einen ersten Teaser aus dem Urlaub gibt es hier. Na, wo könnte das sein? Die Auflösung erfogt im nächsten Programmpunkt. An dieser Stelle sei nur schon einmal erwähnt: Das Wetter war die ganze Woche über fantastisch. Und woran lag es? An mir, denn ich habe mich die ganze Zeit mit eine Jacke und einem Regenschirm im Koffer abgeschleppt!

Durch den Urlaub habe ich in dieser Woche hunderte Kilometer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln absolviert. Die schlimmsten waren dabei die, auf der ersten Teilstrecke. Mit der Bahn von München nach (jetzt kommt’s) Pilsen. Da es Bayern nicht fertig bekommt, eine ICE Verbindung auf dieser Strecke einzurichten, bewältigt man die Fahrt nach Tschechien mit einem Regionalzug. Weswegen zumindest die Fahrt bis zur Grenze in den Geltungsbereich des Deutschland-Tickets fällt. Für den Rest zahlt man weitere 22€. Diese Verbindung ist normalerweise schon immer gut ausgelastet, am Pfingstsonntag war es noch mehr. Voll war gar kein Ausdruck, die Leute standen in den Gängen und je näher es zur Grenze wurde, um so voller wurde es. Immerhin konnte ich auch ohne Reservierung bis zur letzten Station vor Pilsen sitzen, erst danach wurde mein Platz beansprucht und ich musste mich im heißen Zug noch irgendwo dazwischen quetschen. Nach dieser Erfahrung war ich so clever und reservierte mir für die Rückfahrt ab Prag in ein paar Tagen einen Sitzplatz. Ich will jetzt nicht übertreiben und sagen, das sollte mir am Ende noch um die Ohren fliegen, aber zu zumindest zu diesem Zeitpunkt war es der richtige Gedanke.

Für die 2,5hrs Fahrt von Pilsen nach Karlsbad (von dort ist das Bild oben) kaufte ich mir ein Ticket für einem tschechischen Regionalzug für nur 12€. Im Gegensatz zur ersten Strecke wurde diese Fahrt komplett entspannt mit einem modernen und klimatisierten Zug, der nicht mal einmal halb voll war. Der Zug hielt zwar an jedem Milchhäuschen an, erreichte aber Karlsbad pünktlich. Von dort wollte ich nach zwei Tagen eigentlich mit dem Zug weiter nach Prag, aber sowohl ChatGPT als auch der Mitarbeiter im Karlsbader Hotel empfahlen mir, es besser mit einem Reisebus zu versuchen. Dieser Tipp war Gold wert. Für die gut zweistündige Fahrt zahlte ich 8€ bei RegioJet und saß auf Ledersitzen, bequemer als in der 1. Klasse in einem deutschen ICE. Es war ruhig und entspannt – ich war ehrlich begeistert. Und zwar so, dass ich, sobald ich im Hotel in Prag war, meine Rückfahrt bei der deutschen Bahn stornierte, was auch – abgesehen von der oben erwähnten Sitzplatzreservierung – kein Problem war, und auch diese Strecke bei RegioJet bucht. Günstiger (35€ für diese Strecke), schneller und bequemer als mit der Bahn (44€ plus Deutschland-Ticket), dazu ohne Zwischenhalte, in jeder Hinsicht die bessere Alternative. Und so war dann auch die Fahrt. Angesetzt auf 4:45 Stunden, erreichte der Bus vielleicht fünf Minuten zu spät den Münchener ZOB. Perfekt!

Natürlich war das letzte Stück bis zu mir nach Hause mit dem MVV dann wieder eine Katastrophe, der verlängerten Stammstreckensperrung der S-Bahn sei Dank.

Diesen Roman konnte ich gut während meiner Reise zu Ende lesen. Damit stehe ich nun bei 5 ausgelesenen Romanen in diesem Jahr, bin also erschreckend genau auf Kurs zu meinem 12-Romane-Ziel für 2026.

Kiran Millwood Hargrave – Vardø: Nach dem Sturm (UK, 2020) – 8 von 10

Klappentext: Vardø, Norwegen am Weihnachtsabend 1617. Maren sieht einen plötzlichen, heftigen Sturm über dem Meer aufziehen. Vierzig Fischer, darunter ihr Vater und Bruder, zerschellen an den Felsen. Alle Männer der Insel sind ausgelöscht – und die Frauen von Vardø bleiben allein zurück. Drei Jahre später setzt ein unheilvoller Mann seinen Fuß auf die abgelegene Insel. In Schottland hat Absalom Cornet Hexen verbrannt, jetzt soll er auf Vardø für Ordnung sorgen. Ihn begleitet seine junge norwegische Ehefrau. Ursa findet die Autorität ihres Mannes aufregend und hat zugleich Angst davor. Auf Vardø begegnet sie Maren und erkennt in ihr etwas, das sie noch nie zuvor erlebt hat: eine unabhängige Frau. Doch für Absalom ist Vardø nur eins – eine Insel, die von Gott verlassen wurde und die er von teuflischer Sünde befreien muss.

Review: Mit bestem Dank an die Binge Readerin für diesen Buchtipp. Anfangs hatte ich allerdings etwas Probleme, in diese Geschichte hineinzufinden. Der schicksalsträchtige Sturm kommt recht plötzlich, danach organisieren sich die Frauen in Vardø etwas zu simpel und ich hatte schon die Befürchtung, dass wäre eine der Geschichten, die Frauen zu Superhelden erklären, die alles einfach so alleine können. Dazu noch der etwas überraschend kommende Wechsel von Maren zu Ursa, der zweiten Hauptfigur des Romans, der zunächst irritierte. Doch im Laufe der Erzählung wurde der Sog immer größer. Die Gesellschaft der Frauen ist keine bessere, nur weil die Männer abwesend sind (wenn man mal vom schwachen Pfarrer absieht), sondern es kommen dunkle Abgründe in ihrem Zusammenleben zu Tage. Fehlgeleiter Glaube und Aberglaube befeuern die Zwistigkeiten und als Lesender verfolgt man ungläubig, wie sich die Spirale offenbar nicht stoppen lässt und kompromisslos auf ein düsteres Finale zuläuft. Macht, Ideologie und Angst vor dem Fremden scheint ein immer wieder kehrendes Element menschlicher Tragik zu sein. Bei Absalom, dem offenkundigen Antagonisten der Story, begeht Autorin Hargrave nicht den Fehler, ihn als simplen Bösen zu positionieren, sondern man versteht, dass er sich selbst als Held seiner eigenen Geschichte sieht. Und so ist der grundsätzlich auf historischen Tatsachen beruhende Roman am Ende differenzierter und packender, als es am Anfang zu vermuten war.

Pluribus (Staffel 1, 9 Folgen, USA, Apple TV) – 6 von 10

Die Autorin Carol Sturka (Rhea Seehorn) ist als eine von nur elf Menschen weltweit immun gegen ein unerklärliches Virus, der die Weltbevölkerung plötzlich in eine zufriedene und optimistische Gemeinschaft verwandelt. Es ist die neue Serie von Vince Gilligan, der mit Breaking Bad (meiner Serie des Jahres 2013) und Better Call Saul (meiner Serie des Jahres 2020) Fernsehgeschichte geschrieben hat. Die Erwartungen an seine neue Mystery-Serie waren dementsprechend hoch. Optisch kann die Serie seine Verwandtschaft nicht verleugnen, denn wie hier (erneut) Albuquerque in epischen und unaufgeregten Bildern eingefangen wird, das ist großes Kino. Und auch die Grundidee der Serie fasziniert und macht neugierig. Dazu mit Seehorn eine der gefeierten Stars aus Better Call Saul – was sollte also noch schief gehen? Bei allem Konzept und aller Bildsprache hat man leider die Story vergessen. Sie mit „langsam erzählt“ zu beschreiben ist noch beschönigt. Es passiert die meiste Zeit leider wenig. Carol stolziert durch und entdeckt dabei diese mysteriöse Welt, aber mehr als Erklärungen und noch mehr Fragen fallen den Machern dabei nicht ein. Und vergisst dabei die aus meiner Sicht entscheidende Frage: Warum sie? Es wirkt fast selbstverliebt, was hier gezeigt wird, wie toll doch dieses Mysterium sei. Leider findet Carol selbst kaum etwas heraus, das meiste wird ihr durch Zosia (Karolina Wydra), die Teil der großen Gemeinschaft ist, einfach erklärt. Das ist zu wenig. Und dass Carol eher missmutig und besserwisserisch gegenüber den anderen Immunen auftritt, ist nicht gerade hilfreich. So sind die besten Szenen gerade die, in der dieses Schema durchbrochen wird, Stichwort: Milch, oder wenn Carol auf einmal doch um Hilfe ruft. Ansonsten braucht es schon eine Handgranate, um die Serie aus ihrer Lethargie zu befreien.

Bereits in der Vorwoche stieg metaphorisch gesprochen weißer Rauch über dem Karlsruher Wildpark auf. Der Name des mit Spannung erwarteten neuen Trainers wurde verkündet und es ist: Maximilian Senft. Der Österreicher ist ein in Deutschland unbeschriebenes Blatt, der es als aktiver Spieler nie in die höherklassigen Ligen seines Heimatlandes geschafft hatte. Als Trainer hat er sich jedoch einen guten Ruf erarbeitet und gilt durch seine Arbeit beim SV Ried als heißes Eisen. Nun wird es ab dem Sommer die Profis des Karlsruher SC trainieren.

Es ist eine mutige Entscheidung des Vereins. Wie man jedoch in der vergangenen Saison bei Eintracht Frankfurt gesehen hat, muss nicht jede mutige Trainerwahl von Erfolg gekrönt sein. Immerhin entspricht Senft aber offensichtlich dem ausgeschriebenen Profil. Jetzt muss man ihm noch einen Spielerkader zur Verfügung stellen, der der Ansprüchen gerecht wird. Und die hat sich der Verein selbst auferlegt: In 2 bis 4 Jahren möchte man um den Aufstieg in die Bundesliga seriös mitspielen können.

  • Fotos sichten uns sortieren: Die nächsten Tage und Wochen werde ich die knapp 400 Bilder aus dem Urlaub sichten, aussieben und sortieren. Den Reisebericht peile ich deshalb so für Mitte Juni an, wobei ich mir allerdings noch nicht sicher bin, ob ich den in ein, zwei oder drei Teile aufsplitten sollte. Ich werde einfach mal anfangen und dann schauen, wie umfangreich das wird. Oder habt ihr Vorlieben zwischen einem langen oder drei kürzeren Texten?
  • Fotos von Format: Erinnert sich noch jemand an die Anfänge der Smartphone-Fotografie? Als man sich darüber lustig machte, dass man Fotos im Hochformat knipsen würde und nicht im Breitformat, obwohl die Augen ja nebeneinander liegen? Nun, diese Witze sind nicht gut gealtert. Mittlerweile mache ich geschätzt 80% meiner Fotos im Hochformat und für Instagram optimiert. Damit stehe ich aber für den Blog nun blöd da, denn hier wären die Fotos im Querformat deutlich besser. Mal schauen, wie ich das lösen kann.
  • Goodbye: Abschied nehmen heißt es wohl von meinem Koffer, der mir seit was-weiß-ich-wie-vielen Jahren treue Dienste erwiesen hatte. Er war ideal für kurze Urlaube für bis zu einer Woche, aber das Prager Kopfsteinpflaster scheint zu viel für ihn gewesen zu sein. Kurz vor der Abfahrt am Busbahnhof entdeckte ich den auf der ganzer Länge gesprungene Reifen. Das war es wohl, viele Dank für alles, es war schön mit dir!

Und zum Abschluß noch schnell ein neues Musikvideo eingekleben: Dazu bediene ich mich bei den Engländern von The Reytons, die ein neues Album angekündigt haben. Jukebox ist eines der Vorab-Songs und erinnert an die guten, alten Arctic Monkeys.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit. Morgen geht es Back to Work, gebt mir Motivation!

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