KW 26/2026: The Furious, Achtsam Morden, Sportfreunde Stiller und Braunschlag 1986

Tachchen. Na?

Wenn dieser Beitrag online geht, schwitze ich gerade in Berlin. Deshalb war der Redaktionsschluß für diesen medialen Wochenrückblick bereits der Samstag morgen, was bedeutet, dass der WM-Block zeitlich etwas hinterher hinkt, dass ich mich mit der Vorbereitung etwas stressen musste und dass ich die ICE Fahrt in die Hauptstadt noch nicht beurteilen konnte. Aber wer weiß, vielleicht war die Fahrt ja gut und entspannt? Naja, Spaß bei Seite.

In dieser Woche haben es zwei deutschsprachige Serienfortsetzungen in den Wochenrückblick geschafft. Dazu war ich einmal im Kino, auf besonderer Empfehlung des Wortvogels. Ob ich den Film ähnlich euophorisch gesehen habe wie er, das lest ihr weiter unten. Viel Spaß!

Am Dienstag war ich am Abend im Biergarten zum Public Viewing und auf – nunja – Bier verabredet. Das Bier war gut, das Spiel torreich. Es war für mich überraschend voll (der Biergarten, nicht die Gäste), das hätte ich bei dem Spiel Portugal gegen Usbekistan nicht erwartet. Und beide Teams hatten ihre Fans vor Ort. Das Spiel fand einen eindeutigen Sieger, die Stimmung im Biergarten war aber von allen Seiten entspannt und friedlich.

Gesehene Spiele: 20 von 72 WM-Spielen = 28% (WM 2022: 50% / WM 2018: 70%).

  • German Half-Time Show: Wer braucht schon große Show-Acts, wenn man die Tagesschau und heute haben kann?
  • Die WM-Socken: Die Socken aus der Tiefkühl-Pizza Aktion sind am Freitag angekommen, das ging jetzt doch vertretbar schnell.
  • Folklore: Die Fans von Team Schottland saufen und singen sich durchs Gastgeberland, die Fans von den Niederlanden fluten die Straßen in orange und hüpfen von links nach rechts und die Fans von Deutschland fallen durch peinliche Kopfbedeckungen auf. Alles schön zu sehen und stimmungsfördernd, am Ende aber das gleiche Programm, wie wir es von der EM 2024 noch kennen. Neu waren lediglich die rudernden Norweger. In den Stadien sind die Südamerikaner tonangebend, vor allem Argentinien, Brasilien und Ecuador feiern ihr Team. Und auch die drei Gastgeberländer liefern einen überraschend stimmungsvollen Support bei ihren Heimspielen ab.
  • Die Messi Show: Am Montagabend fiel der Rekord von Miroslav Klose und Lionel Messi machte sich zum alleinigen Rekordtorschützen in der Geschichte der Männer-Weltmeisterschaften. Einen popligen Elfmeter wollte er dafür nicht haben, den verschoß er, sondern netzte wenige Minuten später nach einem tollen Angriff von Argentinien gegen das Team von Österreich ein. Nach fünf gespielten Weltmeisterschaften und Jahrzehnten auf absolutem Top-Niveau hat er sich diesen Rekord redlich verdient. Allerdings könnte auch der nur von überschaubarer Dauer sein, der wesentlich jüngere Kylian Mbappé (Frankreich) sitzt ihm bereits im Nacken. Gut, dass Messi jetzt noch gegen Jordanien nachlegen kann. Und in der K.O.-Phase wartet zunächst das Sensationsteam aus Kap Verde auf ihn und danach der Sieger aus Australien gegen Ägypten.
  • Die CR7-Ära: Über das aktuelle Leistungsvermögen von Cristiano Ronaldo (Portgual) wird schon länger diskutiert, genau so wie über die Frage, ob er seinem Team hilft oder bremst. Zumindest gegen Usbekistan war er da, erzielte zwei Treffer und ist damit der erste Mann überhaupt, der seit 2006 bei sechs verschiedenen Weltmeisterschaften getroffen hat. Das ist sportlich wirklich aller Ehren wert.
  • Ecuador – Deutschland: Nach dem hohen Sieg im ersten Spiel gegen Curaçao und dem Last-Minute Erfolg gegen die Spieler der Elfenbeinküste geht die Leistungskurve des deutschen Team weiter bergab. Ein Zug würde auf dieser Strecke Geschwindigkeit aufnehmen, bei Team Deutschland kommt dagegen immer mehr Sand ins Getriebe. Außer eines frühes, aber irreguläres Tor durch Sané war am Ende nichts auf der Habenseite. Ecuador, für die es um alles ging, warf deutlich mehr in die Waagschale und entschied das Spiel am Ende verdient mit 2:1 für sich. Trainer Nagelsmann zeigte sich während des Spiels unpassend aggresiv und nach dem Spiel erstaunlich motzig. Es lief seine beste Elf auf, die wilden Einwechslungen in der zweiten Hälfte waren dagegen eher ein Zeichen, dass es hier für Deutschland nicht mehr um alles ging. Um alles geht es nun am Montagabend im Sechzehntelfinalrunde vermutlich gegen Paraguay. Wenn alles gut geht, bringt mich die Bahn rechtzeitig dafür zurück nach München.
  • Die Gruppenphase: Die lange und ermüdende Gruppenphase, in der man 72 Spiele gebraucht hat, um aus den 48 Teams wieder 32 Teams zu machen (also so viele, wie bei den vergangenen Weltmeisterschaften), ist nun endlich vorbei. Weniger als in diesem Jahr habe ich vermutlich letztmals bei der WM 1990 gesehen. So war es meist ein Spiel pro Tag, was in der Zeitverschiebung und der Pay-TV-Exklusivität begründet war, aber auch meinem geringeren Interesse. Wobei es da mit Sicherheit auch Wechselwirkungen gab. Insgesamt war das Niveau dann doch höher, als es zunächst befürchtet war. Viele der kleineren Teilnehmer hatten ihre Momente und hielt gut mit, so richtig einsseitige Spiel gab es verhältnismäßig wenige.
  • Ausblick auf das Sechszehntelfinale: Alle drei Gastgeber sind noch dabei, was vor allem bei Kanada nicht selbstverständlich ist. Sie haben nun die große Ehre, das erste Sechzehntelfinale der WM-Geschichte zu bestreite. Ihr Gegner ist dann Südafrika. Mexiko dagegen ist ein natürlicher Kandidat für diese Runde (und Spoiler: Im Achtelfinale könnte das großes Drama gegen England warten). Die USA schließlich schraubt weiter am eigenen Sommermärchen. Niederlande gegen Marokko könnte DAS Spiel der K.O.-Runde werden. Überraschend nicht mehr mit dabei sind: Uruguay, Türkei und Tschechien. Und Italien, natürlich.

Achtsam Morden (Staffel 2, 8 Folgen, Deutschland, Netflix) – 8 von 10

Auch wenn die Kenner der Buchvorlage nicht ganz so begeistert waren, hatte zumindest mich die erste Staffel (8/10) doch ziemlich überzeugt. Die gute Nachricht: Die zweite Staffel steht dem in nichts nach. Der Anwalt Björn Diemel (Tom Schilling) bekommt nach einem Zwischenfall im Familienurlaub von seinem Achtsamkeits-Coach (Peter Jordan) den Rat, öfter auf sein inneres Kind (Franz Schmidt) zu hören. Vielleicht kann er dadurch sein Leben zwischen Kindergarten und Mafia-Clans wieder besser ordnen? Wobei ein Elternabend die Frage aufwirft, welche der beiden Gruppen eigentlich schwieriger ist. Die erste Folge sticht mit dem Urlaub in Österreich etwas raus, ist aber wichtig für den weiteren Verlauf der Staffel. Die ist dann auch recht schnell wieder im guten Fahrwasser wie Staffel 1. Die Mischung zwischen Crime, Thriller und Comedy funktioniert gut. Schilling als Seitenwechsler zwischen seinem Anwalts- und Kitajob auf der einen und seinen Verstrickungen in der Berliner Unterwelt auf der anderen Seite spielt das sympathisch und wenn er uns beim Elternabend einen genervten Seitenblick in die Kamera gib, dann fühlt man mit ihm. Auch wenn er dabei nicht so furchteinflößend ist wie Walter White in Breaking Bad oder wie Dexter. Diese Serie ist wesentlich leichter und bodenständiger. Auch die Nebenfiguren funktionieren gut, allen voran Murathan Muslu als sein Helfer Sascha, die tapfere Polizistin Britta Hammelstein und Friederike Kempter als engagierte Mutter. Inszeniert ist die Serie auch wieder hochwertig und abwechlungsreich.

Braunschlag 1986 (Staffel 2, 5 Folgen, Österreich, Blu-Ray) – 7 von 10

Nach der fast schon legendären ersten Staffel von Braunschlag (8/10), deren Ende eine direkte Fortsetzung eigentlich unmöglich machte, hat es nun eine zweite Staffel doch noch auf die Bildschirme geschafft. David Schalko, Autor und Regisseur der Serie, der sich mit der ersten Staffel einen festen Platz in der österreichischen und deutschen Serienwelt gesichert hatte, hat tatsächlich einen Großteil des Casts wieder zusammen bekommen. Bürgermeister Gerri Tschach (Robert Palfrader) und Richard Pfeisinger (Nicholas Ofczarek) sind die letzten verbliebenen Bewohner der Stadt. Als das Gebiet wieder freigegeben wird, hofft Tschach auf einen Neuanfang, doch niemand kommt. Also fasst er einen Plan: Innerhalb der Ortsgrenzen soll es ab sofort wieder das Jahr 1986 sein. Die Serie setzt damit auf doppelte Nostalgie: Zum einen das des wieder zusammenfindenen Casts von Braunschlag, zum anderen die der 1980er, die hier modisch und musikalisch wieder aufleben. Das alleine macht beim Zusehen schon viel Freude, auch wenn der starke Dialekt einem Ungeübten wie mir stellenweise einiges abverlangt. Die Figuren im kleinen Ort Braunschlag sind nach wie vor äußerst skurill und die Fülle an ihnen erfordert viele kleinere und größere Handlungsstränge, um dem allen gerecht zu werden. Stellenweise hatte das etwas von Twin Peaks, nur ohne dessen ganzer Mystik. In Braunschlag geht es um alles und nichts. Die Erinnerung an längst vergessene Zeiten, die in Augen mancher persönlich und gesellschaftlich besser waren. Gleichzeitig verlieren Tschach und Pfeisinger langsam die Kontrolle über das, was sie hier erschafft haben. Schalko scheint es ähnlich zu gehen, denn unter den vielen Handlungsträngen verliert sich alles und es wirkt beliebig. So verpasst die Serie es ein wenig auf ein großes Finale zuzusteuern und sein Ende zu finden.

The Furious (Regie: Kenji Tanigaki, Hong Kong) – 7 von 10

Die Tochter (Yang Enyou) eines chinesischer Hausmeister (Mo Tse) wird von Menschenhändlern entführt.Da ihm die Polizei nicht helfen will, muss er selbst auf die Suche nach ihr gehen. Dabei trifft er auf den Journalisten Navin (Joe Taslim), der den Kidnappern ebenfalls auf der Spur ist. Der Film lebt von seiner Action und den brutalen Fights, wenn sie sich alle gegenseitig eins überziehen. Und noch eins. Was der menschliche Körper alles aushalten kann! Der Film arbeitet dabei bewusst mit leichten Übertreibungen und einem Hauch von over-the-top Action, das macht ihn verdaulicher. Denn der Rest ist ziemlich humorbefreit. Dabei ist The Furious auch noch sehr fast, mit Drama Elementen wird nicht mehr Zeit als nötig verschwendet, gerade so viel, dass wir die Hauptfiguren kennen lernen und sie moralisch grob verorten können. Nicht nur beim Wortvogel hat der Film gepunktet, auch bei Going to the Movies hat er ordentlich abgeräumt. Aber jetzt gebe ich den Partcrasher: Mir war die Action nicht genug, etwas mehr Story hätte dem Film gut getan, um die rasanten Prügelsequenzen inhaltlich stärker zu verknüpfen. Auch findet der Film nicht ganz sein Ende, der letzte Abschnitt war zumindest für mich recht unnötig. Aber der größere Teil des Kinopublikums war wahrscheinlich eh nur wegen der Action hier und damit dementsprechend auch sehr zufrieden. Ich habe übrigens selten so ein homogenes Publikum gesehen wie in dieser Vorstellung.

Vom großen Bahn-Blackout am Dienstagabend blieb ich verschont, ich bin nach dem Biergarten offenbar gerade noch so gut nach Hause gekommen. Meine Begleitung jedoch nicht, da musste ein Taxi helfen. Bürotag am Mittwoch lief gut. Aber wie schon angedeutet: Die große Fahrt für mich in dieser Woche fand erst nach Redaktionsschluß statt.

  • Zahnarzt: Am Samstag bekam ich Zahnschmerzen und buchte online bei meinem Zahnarzt einen Termin für Dienstag. Dienstag stand ich in der Praxis und mir wurde schonend beigebracht, dass ich den Termin erst am nächsten Dienstag haben würde. Aber sie könnten mir als Alternative einen Termin am Donnerstagmittag anbieten. Das passte gut zu meinem Home Office und so nahm ich diesen. Dass die Schmerzen eigentlich schon am Dienstag, spätestens aber am Donnerstag schon wieder weg waren, das versteht sich von selbst.
  • Die globale KI-Wirtschaftskrise: Der Blog Indiskretion Ehrensache nimmt sich mal wieder kritisch dem wirtschaftlichen Part des Themas KI an und befürchtet platzende Blasen.

Da ich in dieser Woche die sehr zu empfehlende Doku Sportfreunde Stiller – Mit dem Herz in der Hand (BR: zum Abruf bis 28.05.2028) gesehen habe, passt dazu auch etwas neue Musik von der Band. Daher also heute: Sportfreunde Stiller mit Ti amo, Italiana! von ihrem aktuellen Album Happy Birthday!. Der klingt zwar stellenweise wie ein unbekannter Song von Wanda, aber kann man sich (vielleicht auch gerade deshalb) ganz gut geben.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche!

Ein Kommentar

  • bullion

    „The Furious“ will auch auch noch sehen. Haben ebenso wie du enthusiastische Meinungen gelesen. Werde aber auf das Heimkino warten.

    KI-Blase platzt? Einerseits: Ja, bitte, wann? Andererseits: Diejenigen, die sich jetzt die Taschen vollmachen mit dem Hype, werden nicht die sein, die für die gesamtwirtschaftlichen Schäden aufkommen. Ein Fehler im System. Scho wieder bzw. immer noch.

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