Der richtige Ton,  Was mit Medien

KW 50/2023: Shrinking, Karen Pirie, Godzilla, Soft Science, Morin, Napoleon und der Untergang des Hauses Usher

Das Ende des Jahres zeichnet sich bereits langsam am Horizont ab. Nur noch eine Woche bis zu Weihnachten, zwei Woche bis Silvester. Und nur noch drei Arbeitstage in diesem Jahr für mich. Rechtzeitig vor dem Fest hat eine größere Infektionswelle das Land erreicht. Überall wird gehustet, geschnupft und coronisiert, was das Zeug hält. Ich schlage mich bisher tapfer und ich hoffe, euch ergeht es ebenso. Einige geplante Verabredungen für die letzten Tage wurden allerdings wegen Krankheiten kurzfristig abgesagt oder verschoben und auch den Bürotag in dieser Woche haben wir deshalb ausfallen lassen.

Und so kommt es, dass der mediale Wochenrückblick kurz vor dem Fest dafür noch einmal Vollgas gibt. Drei Serienstaffeln, zwei Kinofilme, ein Couchfilm und ein Musiktipp sind schon ordentlich Holz. Viel Freude beim Lesen und einen schönen dritten Advent an alle!

Vergangenes Wochenende war eigentlich ein Ausflug nach Landshut eingeplant, der dann aber wegen Krankheit kurzfristig abgesagt wurde. Die frei gewordene Zeit und das kurzzeitig sonnige Wetter nutzte ich für einen kurzen Trip an den winterlichen Starnberger See.

Karen Pirie – Echo einer Mordnacht (Staffel 1, 3 Folgen, UK, ZDF) – 7 von 10

Solide Krimiserie aus Schottland mit Lauren Lyle als Ermittlerin DS Pirie, die einen 25 Jahre alten Mordfall in St. Andrews wieder aufrollen soll. Die drei 90-Minüter kommen ohne viel schmückendem Beiwerk aus, sondern drehen sich mehr oder weniger direkt um den alten Fall und was aus den Protagonisten und -innen von damals geworden ist. Sowohl Fall als auch Auflösung überzeugen, dazu gibt es den interessanten Seitenblick darauf, was nicht untermauerte Verdächtigungen auslösen können. Karen Pirie hätte durchaus etwas sympathischer oder interessanter sein können und ihr Helfer DC Jason Murray (Chris Jenks) etwas kompetenter. Und der Schlenker zur True Crime Podcasterin Bel Richmond (Rakhee Thakrar) wirkt etwas bemüht dabei, einem jungen Zeitgeist hinterherzulaufen. Aber davon abgesehen: Für Krimi-Fans ist die Serie keine schlechte Wahl.

Shrinking (Staffel 1, 10 Folgen, USA, Apple TV) – 8 von 10

Shrinking ist die neue Serie von Bill Lawrence, der Serienmacher von solch großen Namen wie Scrubs und Ted Lasso, und von Jason Segel, einem der Gesichter von How I Met Your Mother. Segel spielt dabei auch die Hauptrolle des Psychotherapeuten Jimmy, der seit dem Tod seiner Frau alleinerziehender Vater einer Tochter (Lukita Maxwell) ist. Jimmy betreibt zusammen mit Dr. Rhodes (Harrison Ford) und Gaby (Jessica Williams) eine gemeinsame Praxis. Viele Köche können auch den Brei verderben – das ist hier nicht passiert. Es ist eine witzige und leichte Comedy mit einem dicken, roten Dramafaden, der seinen Witz zum Glück nicht aus den Patienten und Patientinnen der Praxis zieht, von denen letztlich auch nur Patient Sean (Luke Tennie) eine größere Rolle einnimmt. Dafür stehen die drei Psychodocs im Vordergrund, die sich mit ihrer jeweiligen Lebenssituationen und ihren Umfeldern arrangieren müssen. Ford wirkt agiler als in seinen letzten Kinofilmen und Williams – die in der Kommunikation der Serie etwas zu kurz gekommen ist – spielt ebenfalls eine tragende und herzliche Rolle. Es ist eine nette, kleine Serie geworden, mit der die Zeit ganz gut verfliegt und die sich auch für einen gepflegten Kotz-Witz nicht zu schade ist. Und wäre der Dramaaspekt noch etwas emotionaler gewesen, immerhin sind die Themen Tod, Einsamkeit und Krankheit schon in der Ausgangssituation verankert, wäre da auch noch der neunte Punkte möglich gewesen. Aber auch so würde ich gerne mehr davon sehen, eine zweite Staffel ist zum Glück schon bestellt.

Der Untergang des Hauses Usher (Staffel 1, 8 Folgen, USA, Netflix) – 7 von 10

Der Untergang des Hauses Usher ist die neue Serie von Mike Flanagan, der Serienmacher von solch großen Namen wie Spuk in Hill House (#2 in meinem Jahresranking 2019) und Midnight Mass (#5 im Ranking 2022). Mit seiner neuen Horrorserie kann er nicht ganz an vergangene Höhen anknüpfen. Aber nicht, dass die Serie schlecht wäre. Im Gegensatz zu seinen früheren Projekten geht diese hier direkt dahin, wo es weh tut. Mord, Blut und Grausamkeiten sind hier das wenig zimperliche Tagesgeschäft. Wie die kleinen Jägermeister wird die Sippe von Roderick Usher (Bruce Greenwood mit ordentlichem Schnauzer) nach und nach dezimiert. Warum das alles und liegen die Wurzeln vielleicht sogar in der Vergangenheit? Mittels Flashbacks nähern wir uns den Ursachen immer näher an. Nur: So richtig überzeugen mag das nicht und die Figur des Roderick (Zach Gilford) in der Vergangenheit ist mir in der Hinsicht etwas zu schlicht. Dazu mögen seine Kinder zu wenig Interesse wecken. Wer von denen wie und warum beseitigt wird, ist zwar ganz pfiffig und abwechslungsreich inszeniert, aber nahe geht einem das nicht. Es sind alles einfach nur verwöhnte und selbstverliebte Mega-Reiche – was den Vergleich mit Succession hervorruft, aber zu keiner Zeit besteht. Dort waren die Kinder zwar auch alle arrogant und unsympathisch, gaben aber zumindest immer einen Anknüpfpunkt, um sie zu verstehen und mitzufühlen. Hier fehlt das. Deshalb funktioniert die Serie auf einer trashigen Ebene zwar ganz gut und hat auch hohe Schauwerte, emotional holt mich das aber nicht ab. Und von den endlosen, hochtrabenden Reden will ich gar nicht erst anfangen. Immerhin passt der Schluß einigermaßen, so dass es zumindest für die 7 Punkte noch gereicht hat.

Godzilla Minus One (Japan) – 8 von 10

Laut Wikipedia ist Takashi Yamazaki Film der insgesamt 42. Film mit Godzilla, davon der 37. aus Japan und kam rechtzeitig zum 69. Jahrestag des ersten Godzilla-Films in die japanischen Kinos. Von den ganzen Vorgängern habe ich nur einen Bruchteil gesehen, muss man aber auch nicht, um diesen hier zu verstehen. Denn der erste Auftritt der amphibischen Riesenechse lässt nicht lange auf sich warten und macht am Ende des Zweiten Weltkrieges einen Militärstützpunkt auf der Insel Odo platt. Es gibt nur wenige Überlebende, unter ihnen der desertierte Kamikaze-Pilot Shikishima (Ryūnosuke Kamiki), dem diese Trauma auch nach dem Ende des Krieges weiterverfolgt. Bis er irgendwann erneut auf Godzilla (Godzilla) trifft und er die Chance sieht, sich zu rehabilitieren. Die Action passt, zwar ist Godzilla mittlerweile vielleicht etwas übertrieben groß, aber die Inszenierung des Kampfes auf dem Wasser oder bei der klassischen Zerstörung von Tokio ist krachend und mitreißend inszeniert. Darüber hinaus funktioniert auch die Story um Shikishima, der sich nach dem Trauma der Ereignisse im Krieg mühsam ein Leben aufbaut, aber sich nie wirklich davon lösen kann. Es ist ein Monsterfilm mit einem plausiblen Drama, was Godzilla Minus One zu einem runden Kinoerlebnis macht.

Napoleon (USA) – 6 von 10

Napoloen ist der neue Film des mittlerweile 86jährigen Regisseurs Ridley Scott, der Macher von solch großen Namen wie Alien, Blade Runner, 1492, Gladiator oder Der Marsianer, um nur ein paar zu nennen. Napoleon wird sich wohl nicht in die Liste einfügen. Dabei bietet die amerikanische Produktion so einige Schauwerte auf, die wie gemacht für die große Leinwand sind. Neben den großen Schlachten im Leben Napoleons (von denen ausgerechnet die größte von allen, die Völkerschlacht bei Leipzig fehlt), werden auch dazwischen epochale Bilder geboten, die im besten Falle wie lebendige Gemälde wirken. Der Film fokussiert sich aber nicht nur auf die Schlachten, sondern stellt die Liebesbeziehung von Napoleon Bonaparte (Joaquin Phoenix) mit seiner Frau Joséphine (Vanessa Kirby) ebenso in den Mittelpunkt. Im Prinzip ein gelungener Schachzug, um das epische der Schlachten mit einer persönlichen Geschichte zu verknüpfen. Nur will Scott diese Verbindung nicht so richtig gelungen. Auf dem Schlachtfeld fehlte mir sowohl die historische Einordnung als auch einige Erklärungen mehr, was nun Napoleons Anteil daran und was die Vision seines Handels ist. Wie er zum großen Anführer werden konnte, erschließt sich auch nach diesem Film nicht. Und so wird auch der Gegensatz zur Privatperson nicht richtig deutlich – auch wenn man annehmen kann, dass genau dieser Gegensatz thematisiert werden sollte. Hier der große Staatsmann, dort der Ehemann, der sich im Privaten auch fallen lassen kann. Und wenn das selbst bei einem erwiesenermaßen großen Schauspieler wie Phoenix nicht rüberkommt, dann stimmt wohl etwas mit der Inszenierung bzw. dem Buch nicht. Aber vielleicht tut man Ridley Scott damit Unrecht. Es wird noch einen ungeschnittenen ca. 270 Minuten langen Directors Cut für Apple TV geben, der vielleicht genau diese Lücken zwischen den Schlachten zeigen wird und hilft, Napoleon etwas greifbarer zu machen. Vielleicht sind für die große Leinwand einfach nur die großen Szenen übrig geblieben. Nur ist meine Motivation, mir die Lang-Fassung auch noch anzuschauen, nach dem Kinofilm deutlich kleiner geworden.

Morin (Deutschland, 2023, Das Erste) – 6 von 10

Es ist ein weiterer Film aus der losen „Near Future“ Reihe der ARD-Sender. In diesem hier muss sich der junge Morin (Leo Alonso-Kallscheuer) in einer Eliteschule der nahen Zukunft behaupten um seinem großen Ziel einen Schritt näher zu kommen: Eine Reise zum Mars. Leistungsdruck herrscht dort an jeder Ecke, es ist ein Wettkampf um die besten Plätze, dem Morin da zugemutet wird. Denn die Eltern wollen ja nur das Beste für ihr Kind und die von der Wirtschaft geförderte Schule auch. Die Handlung hat man ca. 15 Jahre in die Zukunft verlegt. Die Grundprämisse klingt sehr stimmig, auch wenn sie manchmal etwas über das Ziel hinaus schießt (ein Wissensquiz als finale Prüfung? Da ist jede Schlag den Star Dramaturgie glaubhafter). Inszeniert ist Morin leider wie ein biederer TV-Film, das Budget wird dementsprechend gewesen sein, und mit leider nicht immer überzeugenden Dialogen, besonders bei den Kindern. So ist der Film vielleicht etwas zu klein, um wirklich groß zu glänzen.

Bei Plattentests.de gibt es im Forum einen Thread zum Thema Vergessene Perlen des Jahres. Dabei geht es um Alben, die in diesem Jahr keine Rezension auf der Seite abbekommen haben. Darunter finden sich immer mal wieder recht gute Tipps, Soft Science aus Kalifornien sind einer davon. Sie haben in diesem Jahr mit Lines ein neues Album veröffentlicht, dass im Forum als „Shoegaze-Pop mit starken 80er Referenzen“ beschrieben wurde und in Ermangelung besserer Worte teile ich diese Einschätzung mit euch. Hört euch Grip an!

Gesehene Spiele in dieser Saison: 13 von 17 Liga-Spielen = 76%.

Den Abschluß der Hinrunde habe ich heute leider verpasst, da ich zum Zeitpunkt des Spiels auf dem nachgeholten Tagesausflug nach Landshut weilte. Und vielleicht hatte ich deshalb heute Nachmittag auch meinen ersten Glühwein des Jahres.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die finale Woche vor Weihnachten!

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