Die Bahn macht es einem ziemlich schwer

An diesem Wochenende war ich mal wieder länger mit der Bahn unterwegs. Ich hatte mir extra einen halben Tag frei genommen, um nicht erst mitten in der Nacht bei meinen Eltern anzukommen. Also war ich um kurz nach 1 am Münchner Hauptbahnhof, holte mir noch schnell etwas zum essen und schlenderte zu meinem Gleis.

Der ICE war schon da, ich stieg ein und suchte mir bequem einen Platz. Ein paar Minuten vor Abfahrt kam dann die Durchsage: Aufgrund eines defekten Triebwagens wird der ICE getauscht. Bitte alle aussteigen und 10 Gleise weiter in einen neuen ICE einsteigen. Also machte sich eine größere Menschenmenge auf den Weg dorthin, um einen nur halb so großen ICE zu entern.

Ein paar Minuten später die nächste Durchsage: Der ICE ist überfüllt und darf so nicht fahren. Ach! Wer jetzt aussteigt und einen anderen Zug nimmt – vom alten Bahngleis übrigens – bekommt eine Gutschrift von 25 €. Ich schaute mich um, in meinem Wagon waren eigentlich noch genügend freie Plätze. Ich blieb also einfach sitzen.

Einige haben sich aber wohl doch über das schnelle Geld gefreut, denn schließlich fuhren wir endlich los. Mit einer halben Stunde Verspätung zwar, aber immerhin. War’s das? Noch nicht ganz. Nach weiteren 10 Minuten kam die nächste Durchsage. Wörtlich hieß es: Es hilft ja nichts, um den heißen Brei herum zu reden. Was konnte jetzt noch kommen? Die Klimaanlage in meinem Wagon war kaputt, wir mussten wieder alle raus. In einem Zug, der wenige Minuten vorher wegen Überfüllung nicht hätte fahren dürfen, fiel damit ein weiterer Wagen komplett weg.

Völlig überraschen bekam ich zwei Wagen weiter aber tatsächlich noch einen Sitzplatz. Einen Sitzplatz aus der Hölle. Im gleichen Wagen saß eine Jugendmannschaft des FC Bayern München. Basketball. Die Bahnfahrt war damit für mich endgültig gelaufen.

Die Bahn macht es einem aber auch wirklich ziemlich schwer, sie zu mögen.

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7 Responses to Die Bahn macht es einem ziemlich schwer

  1. ide02 says:

    Irgendwie kommt mir das bekannt vor. Und da fallen mir endlose Diskussionen mit Menschen ein, die pro Bahn und contra Auto sind. Sie verkaufen mir es immer so, dass Zug fahren so gut wie nie Probleme macht. Natürlich gebe es Ausnahmen, aber die würden wir dann so sehr im Kopf speichern, dass wir meinen, dass es immer so ist, dass der Zug unpünktlich ist, die Klimaanlage defekt, Anschlüsse verpassen und Toiletten überlaufen. Okay, ich gebe zu, dass der Mensch wirklich dazu neigt, eher das negative zu speichern. Aber ich finde es schon auffällig, dass fast jedes Mal, wenn ich dann doch mal Zug fahre, irgendwas ist und ich letztendlich total gestresst irgendwann (es ist selten die Uhrzeit, die es eigentlich sein sollte) am Zielort ankomme. Hauptargument ist doch auch immer, dass man total relaxt das Ziel erreicht. Mhm, sowas ist bisher eher Ausnahme gewesen. Stau stresst mich auch, klar. Aber nicht so sehr, wie die ganzen Storys rund um die Bahn, die ich bisher so erleben musste….

    • Nummer Neun says:

      Also ich muss ja zugeben, bei vier von fünf Bahnfahrten gibt es überhaupt nichts bemerkenswertes. Und das ist noch negativ geschätzt. Dagegen bin ich von fünf von fünf Auto(mit)fahrten im Stadtverkehr ziemlich genervt. Bei längeren Fahrten könnte das was anderes sein, aber in einer Großstadt macht ein eigenes Auto keinen Sinn.

  2. Christine says:

    Ich bin in diesem Jahr relativ regelmäßig mit der Bahn unterwegs gewesen und wirklich nie, nie, nie pünktlich angekommen. Vor allem habe ich festgestellt, dass es bei gewissen Strecken immer die gleichen Probleme gibt. Und entschuldige: ich bezweifle zum Beispiel stark, dass sich auf einer Strecke an einem Tag wirklich vier Leute vor den Zug werfen (vor allem, wenn das zufälligerweise alle paar Wochen genauso wieder passiert) und daher die Verspätungen zu Stande kommen… Selbst von hier nach München komme ich nie pünktlich an.

  3. ide02 says:

    Oder bei manchen steht auf der Stirn: Bahn, nimm mich und führe mich in zahlreiche Probleme. Ich werde wohl nie verstehen, warum Bahn fahren so toll sein soll… ;-) Bei der Bahn trifft wohl ganz gut das Prinzip: Entweder man mag sie oder man hasst sie. Ein Zwischending gibt es wohl nicht. ;-)

  4. bknicole says:

    Als regelmäßiger Pendler, habe ich auch so einige Geschichten über die Bahn auf Lager und kenne es, dass ich manchmal so richtig entnervt zuhause ankam, kann die da gut verstehen. Ein Graus war es auch immer, wenn die ganzen Fußball fans mit gefahren sind. Was mich da schon Typen genervt und belästigt haben. Einen Schaffner habe ich bei den Fahrten über die ganze Fahrt übrigens nie gesehen. Oder auch schön: Einmal standen wir auch mitten in der Pampa und die Lock war kaputt. Da hieß es dann warten auf eine Neue, das ganze dann mit ziemlich viel Verspätung und ich hatte bei dem heißen Wetter für die kurze Fahrt nicht mal was zu trinken dabei. War auch nicht schön, weil in der Bahn selbst gabs natürlich nichts in der Art zu kaufen. Jetzt wo es kalt wird, hat bei uns die Bahn übrigens auch wieder jeden Morgen Verspätung, damit man so richtig durchgefroren ist wenn sie ankommt.
    Danke auch für dein liebes Kommentar zu meiner Kritik.

    • Nummer Neun says:

      Gut, Schaffner kommen ja nie, wenn es Probleme gibt. Hat der Zug nur genug Verspätung oder ist zu voll, wird man eher nicht kontrolliert.

      Ich bin ja schon froh, dass ich nur im Stadtverkehr pendeln muss, hier gibt es immer irgendeine Alternative, falls was ausfällt. Das wird dann zwar sehr voll, aber man kommt wenigstens nach Hause.

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