Lollapalooza Berlin – 2017

Der große Festivalgänger war ich ja nie und eigentlich dachte ich, meine Festivalzeit wäre mittlerweile auch ganz vorbei. Aber dann kam im vergangenen Jahr der kurze Besuch auf dem Sziget, das mich wieder etwas auf den Geschmack gebracht hatte. Dieses Jahr stand das Programm beim Lollapalooza schon recht früh fest, es ist ein Festival in einer Stadt – man muss also nicht zelten – und plötzlich waren die Tickets gekauft. Mein dritter Besuch in der Hauptstadt in diesem Jahr.

Die Location

Es scheint eine kleine, aber ungewollte Tradition zu sein, dass das Lollapalooza innerhalb Berlins jedes Jahr die Location wechselt. In diesem Jahr machte der Zirkus auf der Rennbahn Hoppegarten halt, was schon eigentlich nicht mehr zu Berlin gehört. Das Areal war aber schön ausgewählt und bot reichlich Platz für die verschiedenen Bühnen und Aktionsflächen. Auch die Tribüne der Rennbahn wurde mit einbezogen. Die eine Seite war für VIPs und die Presse vorgesehen, die andere Hälfte stand aber jedem frei. Von hier hatte man einen guten Blick über das ganze Gelände. Hinter der Tribüne wurde auch die original Infrastruktur der Anlage genutzt: Ein sehr schöner Innenhof mit Ständen, Bierbänken und ein kleiner Gartenpavillon. Insgesamt fand man überall in der Anlage einige ruhige Flecken.

Der Samstag

Am Samstag waren wir recht früh auf dem Gelände, da wir nicht genau wussten, wie lange alles dauern würde – und dann lief es sehr glatt durch und wir waren bereits um kurz nach zwölf drin. Kurz einmal das Gelände inspizieren und dann ging es auch schon gleich los mit Roosevelt. Kannten wir nicht, aber die Jungs haben uns schnell überzeugt. Alle in weiß angezogen brachten sie die 80er Jahre wieder zurück. Als nächstes hörten wir uns Bear’s Den an – die gingen so, klangen halt sehr nach Mumford & Sons, ohne deren Klasse zu haben.

Dummerweise haben wir danach die Zeit für den Wechsel der Bühnen unterschätzt, so haben wir es nicht ganz rechtzeitig zur Main Stage und Wanda geschafft. Es blieb uns nur ein Platz etwas weiter hinten, wo die Stimmung leider nicht ganz so rüber kam. Schade. Im Anschluß waren wir schlauer, gingen ein paar Minuten früher, aber dafür zügig zur Alternative Stage. Hier traten nun The Vaccines auf und erinnerten mich daran, wie gut doch ihr Debutalbum damals war. Die neuen Sachen hielten da nicht ganz mit und der Sänger polarisierte etwas mit seiner gespielten Rockstar-Attitüde – aber stimmlich ist er halt wirklich top.

Zu den Beatsteaks holten wir uns dann etwas zum futtern und hörten ihnen von weit hinten zu. Und als danach dann viele zu Marteria gingen, sicherten wir uns tolle Plätze nah an der Bühne für Mumford & Sons, was dann auch das Highlight des Festivals werden sollte. Little Lion Man und I Will Wait gehen halt immer und White Blank Page ist ne sichere Bank. Der Südafrikaner Baaba Maal begleitete sie bei einigen Songs, das holte mich allerdings leider nicht ab. Es blieb aber trotzdem ein Wahnsinns-Konzert, überall sah man nur glückliche Menschen.

Der Two Door Cinema Club im Anschluß wollte danach als Rausschmeißer nicht mehr so richtig zünden.

Die Verpflegung und die Bezahlung

Entgegen vieler anderer Meinung in den Netzwerken hatten wir wenig Probleme mit der Verpflegung. Bezahlt wurde mit einer Chipkarte, die am Festivalbändchen hing. Wir hatten uns jeweils 50 € darauf geladen und kamen damit die beiden Tage gut hin. Das hat gereicht für: Einen Burger mit Pommes (natürlich), ein paar Empanadas und eine ehrliche Bratwurst. Dazu gab es Cola und einige Bier.

Das Wetter

Am Samstag hat es bis zum späten Nachmittag ein wenig genieselt, danach war es aber trocken, wenn auch etwas frisch. Der Sonntag brachte dann bestes Festivalwetter mit Sonnenschein und zwanzig Grad.

Der Sonntag

Den Sonntag gingen wir dann etwas entspannter an, hier lief nicht so viel, was wir unbedingt sehen wollten. Und so entdeckten wir am Anfang die Tribüne der Rennbahn für uns und genossen den Überblick über das wuselige Festival. Und staunten nicht schlecht, als wir von hier aus sahen, dass auch Perry’s Stage, die DJ Bühne, gut besucht war. Aber Westbam zieht wohl die Berliner. Wir hörten eher Django Django zu, auch wenn der Ton durch die Entfernung nicht besonders gut war. Deshalb lieber wieder runter und weiter zur Alternative Stage, wo Metronomy auftraten. Kannten wir auch wieder nicht, entpuppte sich aber als ganz nett, das was die Band mit ihrem verspielten Synthy-Indiesound boten. Mehrere Gesangsstimmen, die Keyboarder performten, am Ende war es mir aber etwas zu viel Schnörkel um die Songs. Da waren Annemaykantereit danach auf der Main Stage direkter auf den Punkt, auch wenn ich dank der schnodderigen Texte und Ansagen zwischen den Songs wohl in diesem Leben kein Fan der Band mehr werden werde. Aber die Stimme ist natürlich klasse und wenn man dazu entspannt auf der Wiese sitzt, macht man nichts falsch.Auf gut Glück machten wir uns im Anschluß auf den direkten Wege zurück zur Alternative Stage – immerhin ging es darum, Cro zu vermeiden – und hörten London Grammar. Gänsehautsound! Sängerin Hannah Reid hat das Publikum in ihrem Bann. Was bei der ruhigen, bedeutungsschweren Musik kein Selbstgänger ist, aber die Zuschauer waren artig und lauschten.

Noch ganz gefangen von der Band war es schwer, sich im direkten Anschluß dann auf die Foo Fighters einzustellen. Nach vorne kam man eh nicht mehr, also machten wir es wie bei den Beatsteaks am Vortag und hörten von hinten zu. Und wer sein Konzert mit All My Life, Learn To Fly und The Pretenders beginngen kann, ist zu Recht eine Band dieser Größe. Bis an die hinteren Ecken des Areals wurde zugehört, das hier war eindeutig der Headliner des Festivals. Nur – wir waren emotional durch, lauschten noch ein wenig und machten uns dann bereits vor Ende des Konzertes auf den Heimweg.

Das Chaos drumherum

Weswegen das Festival aber bei vielen im Kopf bleiben wird, sind die chaotischen Zustände bei der Abreise. Während wir auf den beiden Hinfahrten immer gut durch gekommen sind, war die Abreise am Samstag völlig indiskutabel. Sicher ist es nicht einfach, über 80.000 Menschen in kurzer Zeit weg zu bekommen – aber dann darf man es nicht in dieser Location veranstalten.

Es gab eine S-Bahn Station in der Nähe, die aber hoffnungslos überlastet war. Und die Shuttlebusse waren nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, damit bekommt man die Leute nicht schnell weg. Wir warteten ewig lange darauf, überhaupt das Gelände in Richtung Busse verlassen zu dürfen, ohne das wir wussten, wann es weiter ging. Immer mehr – wir auch – entschieden sich stattdessen dafür, das Gelände über den PKW-Parkplatz zu verlassen, um dann auf dem Weg dorthin die Pferderennbahn verbotenerweise zu überqueren und über die Straße zu den Bussen zu gelangen. Diese kamen wenigstens kontinuierlich und jeder war froh, wenn er erst einmal drin war. Wohin sie fuhren, das wusste keiner so genau, hauptsache erst einmal weg. Unserer brachte uns zu einer weiteren S-Bahn-Station von der aus es dann relativ entspannt zurück in die Stadt ging. Insgesamt brauchten wir über zwei Stunden für die Heimweg, manche wohl eher drei oder vier. Auch dank dieser Erfahrung gingen wir am Sonntag etwas früher, womit wir nicht die Einzigen waren.

Trotz allem war es ein gelungenes Festival in einer schönen, aber schlecht angebundene Location. Gute und reibungslose Konzerte, einen richtigen Ausfall hatten wir nicht erlebt. Wäre eine Überlegung wert, das im nächsten Jahr zu wiederholen – dann im Berliner Olympiapark.

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11 Responses to Lollapalooza Berlin – 2017

  1. Nicole says:

    Hört sich nach einem tollen Festival an. Ein großer Pluspunkt hat es bei mir schon deshalb, weil du geschrieben hast, dass man nicht zelten muss. Ich oute mich als jemand, der dafür keine Freude aufbringen kann. Ansonsten wäre sogar einiges dabei gewesen, dass ich gerne höre: London Grammer (die mir vor einigen Jahren mein Bester Freund näher brachte und deren Texte echt immer wow sind), Mumford & Sons, AnnenMayKantereit (auch wenn hier ebenfalls kein Riesen Fan bin ,aber ich mag die Texte und Stimme des Sängers), Foo Fighters, Materia und ja ich mag sogar einige Songs von Cro. Das mit der Abreise ist aber echt schlecht organisiert gewesen, das wären mir dann sogar schon zu viele Menschen auf einmal gewesen, die alle irgendwie versuchen nach Hause zu kommen. Bin ja kein Fan von so großen Massen, deshalb hätte ich mir ja generell alle Bands entspannt weiter hinten angehört.

    Ahh ich würde die fünfte Staffel von Nashville jetzt auch schon sooo gerne sehen, aber habe ja leider kein Sky, deshalb muss ich wohl wieder etwas länger warten, bis es die neue Staffel dann bei Amazon Prime gibt. Bin ja auch total happy, dass die Serie in den Usa für eine sechste Staffel verlängert wurde.

    • Nummer Neun says:

      Oh dann hätte es dir bestimmt auch gefallen! Du hättest dir dann allerdings auch stilecht etwas Glitter ins Gesicht schmieren müssen – das machen die jungen Frauen anscheinend so.

      Gut, dass es bei Nashville weiter geht – habe nur noch 2 Folgen zu sehen in der aktuellen Staffel.

  2. Jennifer says:

    Danke fuer diesen interessanten Bericht. Von den katastrophalen Zustaende bei der Abreise hatte ich gelesen, sowas schreckt mich immer sehr ab, denn dann kann auch schnell mal eine Massenpanik entstehen und mehr passieren (Ich war damals bei der Love Parade 2010 dabei). Da war die location Wahl wohl nicht die beste fuer soviele Menschen. Ansonsten klingt alles aber echt gut. Ich war dieses jahr beim Springinsfeld Festival in Koeln, hat mir sehr gut gefallen, nur leider hat das Wetter nicht so mitgespielt.

    • Nummer Neun says:

      Überraschend kam das Chaos nicht, der Veranstalter hat vorab schon in seiner Kommunikation versucht, die Situation zu entspannen. Naja – nächstes Jahr im Olympiapark sollte es besser laufen, da ist man die Abreise von so vielen Menschen gewöhnt.

  3. Ines says:

    Wir haben tatsächlich fast genau die gleichen Bands gesehen und auch eine ähnliche Art von Heimweg am Samstag angetreten :D (Hab bei mir nix gebloggt, sondern auf Stageload, falls es dich interessiert: http://www.stageload.org/berichte/lollapalooza-festival-2017)

    • Nummer Neun says:

      Ah du warst auch da? Laut den sozialen Medien waren einige Leute dort, die ich kannte, aber nicht entdeckt habe :D Verläuft sich anscheinend doch sehr bei der Menge.

      Hattest du denn auch Glitter im Gesicht?

  4. Stepnwolf says:

    London Grammar hätte ich mir auch gern angehört. Naja, und die Foo Fighters sowieso…

  5. laviedeboite says:

    Kurz mal das Gelände inspizieren find ich gut :-D Ich hätt das in 5 Tagen nicht geschafft! Angebot war sicher super, keine Frage, aber ich habe wenn überhaupt gerade mal 20% vom Festival gesehen und das finde ich irgendwie schade. Zu groß für gerade mal 2 Tage. Mumford & Sons muss ich zugeben, dass ich nur wenig von gesehen habe. Wir waren bei Marteria und sind danach erstmal zum Handbrotstand geschlendert. In meinem Fall waren Marteria und die Foo Fighters Highlight.
    London Grammar ist auf jeden Fall immer wieder einen Besuch wert!
    Was die Abreise angeht musste ich gerade herzlich lachen. Auch wir landeten in einem Shuttle ohne so recht zu wissen wo es hinfährt. Einfach nur mal irgendwo ankommen war am Ende das Wichtigste! Wir sind nämlich versehentlich zum PKW Parkplatz gelaufen. Am Ende war das aber scheinbar die bessere Wahl. Wobei dann nach der Shuttlefahrt auch stundenlang am Straßenrand zwischen den beiden S-Bahn Stationen saßen. Wirklich unzumutbare Zustände. Da lob ich mir doch die neue Location, die ist beim Bratwurstmadl nämlich quasi um die Ecke.

    • Nummer Neun says:

      Also alles haben wir bestimmt auch nicht gesehen, aber so weit, dass man sich orientieren konnte. Den hübschen Bereich hinter der Tribühne haben wir auch erst am Sonntag entdeckt. Und was ihr bei Mumford & Sons gemacht habt, haben wir bei den Beatsteaks gemacht :)

      Die neue Location verspricht einiges, immerhin haben die in der Bundesliga alle zwei Wochen die Aufgabe, so viele Leute recht schnell wegzubringen. Das sollten sie also können :) Und wie viel Platz hat das Bratwurstmädel so? ;)

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