Der Monatsrückblick Januar 2017

Aus 2016 wurde 2017. Aus der Reihe FiSe Musi wurde einfach Der Monatsrückblick. Das bleibt jetzt erst einmal so.

*** Kino ***

Im Januar kommen immer so viele Filme auf den Markt, dass man kaum hinter her kommt. Dass das Fantasy Filmfest nun auch noch die White Nights in den Januar gelegt hat, macht es nicht besser. Neben eben jenem habe ich diesen Monat auch noch die folgenden Filme gesehen:

Assassin’s Creed 4 von 10

Der zum Tode verurteilte Callum Lynch (Michael Fassbender) wird kurz vor seiner Hinrichtung von der Firma Abstergo Industries, einer modernen Variante des Templerordens, gerettet. Diese zwingen ihn zur Teilnahme am Animus Projekt, welches ihn mittels einer Software in die Erinnerungen seines Vorfahren eintauchen lässt. Dieser war ein Auftragsmörder zu Zeiten der Spanischen Inquisition – ein sogenannter Assassine. Lynch lernt durch diese Erfahrungen in der Vergangenheit und nimmt es so in der Gegenwart mit dem Templerorden auf, von jeher die Feinde der Assassinen. Das Positive zuerst: Die Szenen im mittelalterlichen Spanien sind tatsächlich atemberaubend und erinnern sehr an ein Computerspiel, worauf der Film ja basiert. Leider nehmen diese Szenen nur einen geringen Teil des Films ein, der Großteil spielt in der Gegenwart und ist dort leider ziemlich uninteressant. Da kann auch Fassbender nichts mehr retten.

Hell Or High Water 7 von 10

Zwei Brüder (Chris Pine und Ben Foster) halten sich in West-Texas mit kleineren Banküberfällen auf. Zwei Ranger (der für diese Rolle Oscar-nominierte Jeff Bridges und Gil Birmingham) nehmen ihre Fährte auf. So simpel die Grundstory auch klingt, es steckt doch etwas mehr dahinter. Der Film fängt sehr langsam an, steigert sich dann aber immer mehr bis zu einem klassischen Western-Finale. Muss er aber auch, die erste Hälfte war dann doch teilweise etwas mau. Und so gut die anderen Schauspieler auch sind, Chris Pine kauft man seine Rolle nicht richtig ab. Davon abgesehen entfaltet der Film aber seinen eigenen Reiz und wird immer besser. Auch optisch macht er einiges her: Die Trostlosigkeit der Gegend wird gut eingefangen, ohne plakativ zu wirken. Und die Autos sind die schlimmsten Karren seit Breaking Bad.

Passengers (3D) 8 von 10

Die Avalon befindet sich auf ihrer Reise zur Kolonie Homestead II. Da die Reise 120 Jahre dauert, befinden sich Passagiere und Crew schlafend in Stasiskammern. Doch dann wachen Jim (Chris Pratt) und Aurora (Jennifer Lawrence) 90 Jahre zu früh auf und sind allein auf dem großen Raumschiff. Nach Arrival schon wieder ein eher ruhiger Sci-Fi Film und auch dieser hier lohnt sich. Aber was soll bei einem Film mit Pratt und Lawrence schon schief gehen? Sympathische Figuren treffen hier in dieser Mischung aus Gravity und Titanic in einem wunderbaren Raumschiff-Set (der Pool!) aufeinander. Das die Werbekampagne mehr Action und Mystery versprach, als es der letztlich Film halten kann: Geschenkt. Nur etwas schade ist, dass man die aufkommenden moralischen Fragen dem Mainstream und einer vorhersehbaren Liebesgeschichte geopfert hat.

*** Serien ***

Der erste Monat mit Netflix ist rum und ich habe schon drei Staffeln dort durch gebracht. Zwar noch keine sogenannten Netflix Originals, aber immerhin. Aber auch das Pay-TV hat in diesem Monat geliefert. Und so kam einiges zusammen: Couch-Wetter, freie Tage und ein breites Serien-Angebot.

Atlanta (Staffel 1 / 10 Folgen) – 8 von 10

Earn (Danny Glover) ist chronisch Pleite, wohnt bei seiner immer mal wieder Freundin Vanessa (die in Berlin geborene Zazie Beetz) und versucht sich, um seine Tochter zu kümmern. Da tut sich ein kleiner Silberstreif am Horizont auf: Sein Cousin Alfred (Brian Tyree Henry) landet als Rapper Paper Boi einen Überraschungshit und Earn sieht seine Chance gekommen, als Paper Bois Manager mit ein zu steigen. Da hat Ex-Community Mitglied Danny Glover als treibende Kraft hinter der Serie einen kleinen Hit gelandet. Sozialdrama und Comedy passen hier wunderbar zusammen. Es gibt sympathische Figuren, die unbeabsichtigt in die Rap-Klischees ab rutschen, Medien- und Branchen-Kritik, dazu ein paar Nerd-Witze. Es fehlt wenig, vielleicht ist nur der Einstieg etwas zu holprig und manche der Folgen nicht ganz so interessant, aber unterm Strich kann ich sagen: Gerne mehr davon.

Better Call Saul (Staffel 2 / 10 Folgen) – 8 von 10

Die zweite Etappe von Jimmy McGills (Bob Odenkirk) Transformation zu Saul Goodman. Er versucht weiter, sich von seinem Bruder Chuck (Michael McKean) zu emanzipieren. Er landet in einer anderen, großen Anwaltsagentur aber wieder zeigt sich, Jimmy ist nur gut, wenn er nach seinen Regeln spielen kann. Und die sind nicht immer astrein, was ihm immer wieder Ärger einbringt. Währenddessen gerät Mike (Jonathan Banks) immer wieder mit Héctor Salamanca und seiner Gang aneinander. Das Breaking Bad Prequel von AMC (und nicht von Netflix, wie dort gerne eingeblendet wird) wird immer eigenständiger. Toll geschriebene, langsame Stories, Charakterköpfe an allen Ecken und dazu Albuquerque, das einem immer vertrauter vorkommt. Der Witz der ersten Staffel kommt dieses Mal zwar etwas kurz, aber das macht nichts, solange die moralischen Dilemmas weiterhin so nachvollziehbar bleiben.

The Big Bang Theory (Staffel 1 / 17 Folgen) – 7 von 10

Ein Vorteil von Netflix ist, dass ich mir nun auch endlich diese Serie mal systematisch anschauen kann und nicht nur nach dem wirren Programmschema von Pro 7. Die Serie beginnt damit, dass gegenüber der Wissenschaftler-WG von Leonard (Johnny Galecki) und Sheldon (Jim Parsons) die hübsche Kellnerin Penny (Kaley Cuoco) einzieht. Die ungleiche Nachbarschaft sorgt für Irritationen auf beiden Seiten. Die erste Staffel findet schon erstaunlich früh den Ton der Serie, was bei Sitcoms nicht immer der Fall ist. So tragen die Hauptfiguren schon von Beginn an wie Comic-Fiuren immer die gleichen Klamotten. Ist es nicht seltsam, wenn Leonard immer mit Kapuzenjacke in der Wohnung sitzt, während Penny in luftiger Sommerkleidung rüber kommt? Man wird jedenfalls recht schnell warm mit den Geeks und schwärmt für Penny, die nach einigen Episoden auch endlich eine gute Frisur hat. Die Beziehungsstories der späteren Staffeln fehlen zum Glück noch.

Good Behaviour (Staffel 1 / 10 Folgen) – 6 von 10

Letty (Michelle Dockery) ist eine alkohokranke Kleptomanin, die sich immer wieder der Aufsicht ihres Bewährungshelfers entzieht. Das Sorgerecht für ihren Sohn hat sie an ihre Mutter verloren. Zufällig lernt sie in einem Hotel den Auftragskiller Javier (Juan Diego Botto) kennen, und versucht, seinen aktuellen Auftrag zu sabotieren. Wie es so kommt, das Schicksal schweißt sie zusammen. Bieten die ersten Folgen noch eine gute – wenn auch sehr konstruierte – Crimeshow und eine heiße Dockery, wandelt sich der Ton im Laufe der Staffel eher zu einem Familiendrama, was der Serie nicht unbedingt gut tut. Besonders die arme Dockery bekommt eine ganz Schubkarre an Makeln aufgebürdet, das man sich fragt, was schreibt man der armen Letty noch alles zu?

Navy CIS: New Orleans (Staffel 2 / 24 Folgen) – 6 von 10

Der Ableger aus New Orleans hat in der zweiten Staffel qualitativ die eher maue Staffel der Mutterserie überholt. Hier gab es die klareren Kriminalfälle, die nicht auf Biegen und Brechen irgendeinen emotionalen Bezug zu den Ermittlern haben mussten. Verhoben hat sich das Team um Scott Bakula dann eher immer dann, wenn man versucht hat, eine größere Geschichte zu erzählen. Keep it short and simple möchte man den Machern zu rufen, das klappt besser. Sympathische Figuren haben sie ja, da hat auch die neu zum Team gestoßene Percy (Shalita Grant) gut dazu gepasst. Und was Gibbs Boot ist, ist hier Prides neue Bar, die er nun neben seinem Ermittlerjob betreibt – nettes Gimmick, aber etwas unglaubwürdig. Aber wenn es dazu führt, dass das Team sich am Ende jeder Folge dort trifft und feiert, so wie bei Asterix alle am großen Feuer, soll mir das recht sein. Die Serie erfindet Krimi nicht neu, ist aber nett.

Suits (Staffel 4 / 16 Folgen) – 8 von 10

Nach dem Mike Ross (Patrick J. Adams) in seinem neuen Job als Investmentbanker angefangen hat, trifft er natürlich bei seinem ersten größeren Fall auf seinen Mentor Harvey Specter (Gabriel Macht). Nach einigem hin und her scheint sich das Blatt langsam der Kanzlei Pearson Specter zu zu wenden. Doch nun werden Fehler gemacht, die eine Reihe von dramatischen Ereignissen nach sich ziehen. Die vierte Staffel beginnt recht ruhig und fühlt sich am Anfang sehr konstruiert an, bis dann Louis Litt (Rick Hoffman) seinen großen Auftritt hat. Gegen Mitte der Staffel folgt dann einem Paukenschlag dem nächsten, vielleicht die beste Phase, die Suits bisher hervor gebracht hatte. Und wie immer, wenn die Serie besonders gut ist, geht es um Vertrauen und Loyalität und das ganze Finanzbrimborium tritt in den Hintergrund. Die Luft reicht dann nicht ganz bis zum Ende – zwei Rückblicks-Episoden sind auch genau zwei zu viel – aber der Ausstieg ist wieder sehr gelungen. Da muss die nächste Staffel zügig folgen.

Vice Principals (Staffel 1 / 9 Folgen) – 4 von 10

Nach dem Rückzug des Direktors gehen die beiden Vize-Direktoren Neal (Danny McBride) und Lee (Walton Goggins) eigentlich davon aus, dass einer von ihnen der neue Direktor der North Jackson Highschool wird. Doch es wird anders entschieden, sie bekommen die erfahrene Dr. Brown (Kimberly Hebert Gregory) vor die Nase gesetzt. Die beiden verschwören sich gegen sie und wollen sie um jeden Preis wieder los werden. Das diese jedoch netter ist als Neal und Lee macht es dem Zuschauer schwierig, mit den beiden mitzufiebern. Und da die Comedy auch nicht grade durch eine hohe Gagdichte punkten kann, bleibt am Ende nicht mehr viel übrig, außer ein paar skurille Charaktäre, die bei HBO etwas härter fluchen dürfen als bei den klassischen Sitcoms. Das ist dann doch zu wenig.

Da kommt einiges im Februar! Am 2. feiert Westworld seine deutschsprachige Premiere auf Sky Atlantic. Am 6. startet die Serienadaption von Lethal Weapon auf Sat1 und ab dem 8. zeigt RTL Crime Mr. Robot. An meinem Geburtstag, dem 13., schleichen sich die Zombies von The Walking Dead zurück in das Programm von FOX. Eine Woche später, am 20., kommen Billions und Zoo jeweils mit der zweiten Staffel zurück auf Sky Atlantic bzw. ProSieben Maxx. Und am 21. bringt ProSieben schließlich Jerks von Christian Ulmen ins Fernsehen.

*** Wie geht’s dem KSC? ***

Bilanz: 1 Spiel, 3 Punkte, Platz 15.

Wenige Tage nach seiner Vorstellung konnte der neue Coach Mirko Slomka bereits den ersten Erfolg vermelden: Sieg beim Harder13 Hallen-Cup. Jimmy Hoffer war on fire und wurde mit gleich 7 Treffern Torschützenkönig. Und machte beim Rückrundenauftakt gegen Arminia Bielefeld gleich da weiter und erzielte den 3:2 Siegtreffer.

Nach einer eher lahmen ersten Hälfte, folgten danach die wahrscheinlich emotionalsten 45 Minuten der Saison. 0:1 hinten, innerhalb von ein paar Minuten das Spiel gedreht und durch ein Traumtor von Dennis “Kempinho” Kempe in Führung gegangen. Postwendend der erneute Ausgleich. Bis dann Jimmy Hoffer nach einer Ecke von der Strafraumgrenze abzog und die drei Punkte eintütete.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 0. Gekaufte Konzerttickets: 2 (The Black Box Revelation im Februar und Dave Hause im März).

Da bisher in diesem Jahr noch nicht so viel erschienen ist, bin ich ein paar Vorschau Listen für 2017 durch gegangen. Eine der besseren wird regelmäßig bei Best Ditches erstellt, der zur Zeit zielsicher die aufstrebensten Acts aus Australien zieht. So wie die Singer-/Songwriterin Jack River, die mit Palo Alto schon einen kleinen Ohrwurm im Gepäck hat.

Die BBC setzt dagegen in der Gitarrenecke auf Cabbage aus Manchester, die mit Uber Capitalist Death Trade einen Song und ein Video zu bieten haben, dass direkt aus den 80ern stammen könnte. Ich würde sagen, Potential um einen Indie-Hit zu landen haben sie, ob es dieser hier ist, sei mal dahin gestellt.

*** Foodpic des Monats ***

Der Burger King an meinem Bahnhof hat geschlossen! Nicht, dass ich da zuletzt noch öfter gewesen wäre, aber in meinen ersten Jahren in München war das damas tatsächlich ein häufiger Anlaufpunkt. Auch auf dem Heimweg nach dem Feiern war das immer mal wieder ein Ort der Einkehr, schon vor dem großen Burger Boom. Besser als die Konkurrenz vom goldenen M war der König ja schon immer. Es steckten also wirklich einige Erinnerungen in diesem Laden. Grund genug, am letzten Tag noch einmal dort vorbei schauen.

Und das war’s für diesen Monat. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

This entry was posted in Der richtige Ton, Was mit Medien. Bookmark the permalink.

12 Responses to Der Monatsrückblick Januar 2017

  1. ide02 says:

    Kennst du den Burgerladen Holy in München?

  2. Stepnwolf says:

    Ich fand “Atlanta” auch ziemlich gelungen. Genau die richtige Balance zwischen Drama und Komik und außerordentlich sympathische Figuren noch dazu.

  3. Verena says:

    Oh, ich wollte unbedingt Passengers sehen, weil er in Ausschnitten und Trailern so wahnsinnig spannend wirkt und ich die beiden Hauptdarsteller auch gerne mag. Hab es bisher nicht geschafft, aber nach Deiner Review vielleicht gar nicht so schlimm… trotzdem 8/10 Punkten. Ich warte dann mal auf die BluRay/Online-Ausleihe…

  4. donpozuelo says:

    “Atlanta” will ich auch unbedingt noch sehen. Obwohl ich da ja noch Zeit habe, mit der zweiten Staffel wird es ja eh ein bisschen dauern.

    “Assassin’s Creed” war großer Müll. Was schade war, denn die Szenen im alten Spanien waren echt super.

  5. bknicole says:

    Das Assassins Creed nicht so gut ist, überrascht mich jetzt. Der Trailer wirkte echt gut, aber manchmal beinhalten die ja schon die besten Szenen. Irgendwie bin ich nun froh, dass ich nicht im Kino war. Passengers möchte ich aber unbedingt noch sehen, auch wenn der bei den Kritikern gar nicht ankam. Aber die normalen Zuschauer haben den ganz anders wahrgenommen und von der Besetzung her sagt der mir einfach viel zu sehr zu. Lawrence und Pratt zusammen, da kann ich nicht widerstehen. Übrigens weiß ich nun wer die The Exes sind und finde sie super. Bin mit Naschville nun mit den ersten drei Staffeln durch. Schade nur, dass Prime die vierte noch nicht im Angebot hat. Da wünsche ich mir dann doch manchmal Sky.

    • bknicole says:

      Danke auch für dein liebes Kommentar. Also für mich reicht sie nicht an das Original an. Es dauert halt echt sehr lange, bis wirklich mal was passiert und lange Zeit habe ich ehrlich gesagt auch die Zombies vermisst. Hinzu kommt noch, dass es halt so gar keine Symphathieträger gibt, wie das in The Walking Dead mit Glenn, Darryl oder auch Rick der Fall ist. Da fühlt man schon mehr mit den Figuren mit. Deshalb würde ich sie nicht empfehlen. Zoo habe ich ehrlich gesagt nie geschaut, hat mich nicht so gereizt gehabt.

    • Nummer Neun says:

      Ich gehe mal davon aus, dass die Autokorrektur aus Nashville nun Naschville gemacht hat – wie süß :)

      Passengers kann man sich gut im Kino anschauen, das Raumschiff und der Weltraum brauchen die große Leinwand :) Assassins Creed dagegen… die Mittelalterszenen sind halt auch gut. Nur viiiiieeeel zu selten.

      Und ich glaube, bei Zoo bin ich auch nicht weiter dabei.

Kommentar verfassen