Unterwegs

Nord-Italien 2022: Teil 2 – Florenz und Bozen

Nach den ruhigen Tagen im überschaubaren Lucca fuhr ich mit dem Regionalzug zurück nach Florenz. Wuselige Großstadt anstelle von verkehrsberuhigter Altstadt.

Florenz

Ich persönlich fand den Bahnhof in Florenz etwas unübersichtlich, aber irgendwann hatte ich den Ausgang und den Weg zu meinem Hotel gefunden. Dort war ich für drei Nächte einquartiert, es war aber leider das schlechteste auf der ganzen Tour. Verwirrungen beim Check-In, das Zimmer war laut am Tag und in der Nacht und hatte dauerhaft einen recht üblen Geruch.

Dafür lag es fast um die Ecke der Markthalle, dem Mercato Centrale, wo ich nach der Ankunft schnell etwas essen war und auch in den nächsten Tagen desöftern satt wurde. Im Erdgeschoss gab es verschieden Läden und Stände, wie man es in einer Markthalle erwartet, das Obergeschoss war dagegen ein Food Market, der auch bis spät in die Nacht geöffnet war.

Nach der kleinen Stärkung unternahm ich einen ausgedehnten Spaziergang durch das Zentrum. Hier springt einem vor allem die Piazza di San Giovanni mit seinen Kirchen, Kathedralen und Türmen sofort ins Auge.

Eines der Wahrzeichen der Stadt ist die Ponte Vecchio, die berühmte, bunte Brücke über die Arno, mit seinen vielen, alten Juwelierläden. Leider habe ich sie nie bei so richtig schönem Wetter erwischt.

Für den zweiten Tage hatte ich mir vorab ein Ticket für die Uffizien gekauft, dem großen Kunstmuseum der Stadt. Bis mein Zeitfenster für den Eintritt startete, wartete ich vorher noch etwas auf der Piazza della Signoria, wo es auch schon einige klassische Skulpturen und schöne Brunnen zu sehen gab.

Trotz des Tickets mit der festgelegten Eintrittszeit musste ich doch erst einmal noch in einer langen Schlange warten, bis es endlich in das Museum ging. Und auch dort war die Besucherführung zu Beginn etwas seltsam, brauchte man in dem Pulk doch bestimmt erst einmal zehn Minuten, bis man in der eigentlichen Ausstellung war. Hier war es zu Beginn äußerst voll und wuselig und ich rechnete damit, mich spätestens hier mit Corona anzustecken, aber das passierte offenbar nicht. Und nach einer Weile entzerrten sich die Menschenmassen auch spürbar.

Wenn man im Obergeschoss mit der Ausstellung startet, erwarten einen zunächst zwei länge Gängen, die von vielen klassischen Skulpturen gesäumt sind. Die Türen an den Seiten führen einen durch die Gemälde-Ausstellung des Museums. Und wenn man sie in der richtigen Reihenfolge abläuft, kann man so die Entwicklung der Kunst über die Jahrhunderte hinweg verfolgen. Ich schreibe das, weil es mir erst hinterher klar wurde und ich die Räume so besucht hatte, wie gerade Platz war. Nunja. Aber zur Ausstellung: Ich als Kunstbanause war überrascht, wie viele Gemälde und Motive ich dann doch kannte. Da hängen wirklich mit die bekanntesten Gemälde der Menscheitsgeschichte, modern geschützt durch eine Glasscheibe. Einige davon habe ich abfotografiert (durch die Glasscheibe schien das kein Problem für die Erhaltung der Kunst zu sein) und mit Sandro Botticells: Die Geburt der Venus machte ich sogar ein Selfie (ausdrücklich möchte ich sagen, dass ich damit aber nicht der einzige war). Insgesamt war ich wohl so zwei bis drei Stunden in den Uffizien, womit sich der Eintritt wirklich gelohnt hatte.Da das Wetter an diesem Tag nicht besonders gut war, machte ich ihn komplett zum Museumstag. Nach einer Mittagspause besuchte ich zunächst das Museo Galileo, was sich dann aber leider als doch nicht so spannend herausstellte. Dafür war der Palazzio Vecchio mit seinem Saal der Fünfhundert, den ich danach besichtige, sehr eindrucksvoll.

Einen schönen Blick über Florenz, die Türme und den Fluss hat man von der Piazzale Michelangelo aus, den man vom Zentrum aus auch zu Fuß mit etwas Einsatz ganz gut erreichen kann. Der Platz selbst hat zwar nur den Charme eines Parkplatzes, der Blick entschädigt aber dafür. Hier steht auch eine der vielen David-Figuren der Stadt. Den Original-David habe ich leider nicht gesehen, dafür war mir die Schlange etwas zu lang, aber die Kopien tun es auch. Wer übrigens von hier aus noch etwas Luft hat, sollte noch zur Chiesa di San Salvatore al Monte weitergehen. Hier hat man einen ähnlichen Blick, aber deutlich weniger Menschen.

Gegessen habe ich oft, aber nicht nur in der Mercato Centrale. Die Stadt bietet dazu auch genug Alternativen. Hier einige Empfehlungen von mir. Von links nach recht: Für etwas Abwechslung im Speiseplan war ich im Gangnam koreanisch essen. Gutes Fleisch gab es im Il Corbolino. Mittags gerne mal genommen: Ein Sandwich. Verschnaufpause am Museumstag mit hausgemachten Nudeln in der Trattoria Bordino.

Florenz hat mir wirklich gut gefallen, es gab viel zu sehen und zu tun. Nur etwas voll war es. Aber kommen würde ich auf jeden Fall noch einmal gerne.

Bozen

Um nicht noch einmal sieben Stunden am Stück im Zug zurück nach München zu sitzen, entschied ich mich dafür, die Rückfahrt zu splitten. Besonders abwegig war diese Idee nicht, so oder so hätte ich einmal umsteigen müssen. Das wäre prinzipiell auch in Bologna oder Verona (wo ich ja 2020 erst war) möglich gewesen, ich entschied mich aber für Bozen in Südtirol.

Dort übernachtete ich für eine Nacht im Hotel Stiegl Scala und es war das beste Hotel der ganzen Tour (vielleicht weil auch der Gegensatz zum Hotel in Florenz so groß war). Sauberes und helles Zimmer, gutes Bett und schönes Bad mit Dusche, sogar das umfangreiche Frühstücksbuffet gönnte ich mir hier. Und damit der Superlative noch nicht genug, ich hatte auch nie besseres Wetter als hier. Anderthalb Tage lang strahlendblauer Himmel und T-Shirt Temperaturen. Ich ärgerte mich schon fast, nicht noch eine zweite Nacht eingeplant zu haben.

So langte es nur dafür, mir am ersten Tag mal die Innenstadt mit seinen luxuriösen Arkaden und den schönen Plätzen anzuschauen, immer mit Blick auf die umgebenen Berge, und mir hier mal ein schönes Eis zu gönnen und dort abends essen zu gehen. Wobei letzteres etwas schwierig war, waren an diesem Sonntagabend doch einige Restaurants geschlossen und die, die offen hatten, dafür um so voller.

Außerdem sah ich mal beim Ötzi vorbei, dem man das Südtiroler Archäologiemuseum gewidmet hat. Hier erfährt man einiges über das Leben in dessen Zeiten und welche Hinweise Ötzi dazu liefern konnte. Die Mumie selbst kann man sich hinter einer dicken Glaswand anschauen, außerdem gibt es eine von einem Künstler erschaffene Figur zu sehen, die ihn zu Lebzeiten zeigen soll.

Am nächsten Tag schaffte ich es nach dem Frühstück nur noch für eine kurze Runde um das Hotel bzw. den nahegelegene Hügel soweit rauf, dass ich von dort über ganz Bozen schauen konnte. Allerdings reichte mir der kurze Anstieg schon, um ziemlich platt zu sein.

Und damit endete mein Urlaub. Ich ging zurück zum Bahnhof und schaute etwas wehmütig auf die Berge und den blauen Himmel, während ich auf den Zug nach München wartete.

So schnell gehen 10 Tage Urlaub vorbei. Es war eine abwechlungsreiche Tour mit großen und kleinen Städten in unterschiedlichen Regionen. Und vielen Dank an alle Mitlesenden, die die Bilderflut bis zum Schluß durchgehalten haben.

Wer von euch war schon in der Toskana oder sogar schon in Florenz? Wer nennt Südtirol sein zweites zu Hause? Feedback in den Kommentaren ist sehr erwünscht.

***

Teil 1: Bologna + Lucca + Pisa + Viareggio // Teil 2: Florenz + Bozen

5 Kommentare

  • sori1982

    Danke für die lesens- und sehenswerten Reiseberichte. Ich war sowohl in Bozen als auch in der Toskana. An erstere erinnere ich mich nicht mehr so gut, weil schon über 26 Jahre her. Dagegen bleiben meine Erinnerungen an die Toskana unvergesslich. Lucca ist mein Favorit. Ich möchte gern wieder hin. Und in Siena die leider beim letzten Mal ausgelassene Kirchturmbesteigung nachholen.

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