Der Monatsrückblick August 2019

Das war der August. Wechselhaftes Wetter, emotional anstrengend auf der Arbeit, es gab einige Ausflüge innerhalb Bayerns und ein langes Wochenende in Finnland. Langweilig war es also defintiv nicht!

*** Foto des Monats ***

In diesem Monat war ich das erste Mal in der umgebauten Astor Film Lounge und ich muss sagen: Das ist wirklich hübsch geworden. Ein sogenanntes Luxus-Kino mit ordentlich viel Platz und recht elegant. Unser Kinosaal war als Bibliothek eingerichtet, habe ich so auch noch nie gesehen. Hier muss man nicht immer, aber kann man durchaus auch mal hin.

*** Filme ***

Filme mit Musik-Bezug bleiben im Trend. Da hat Bohemian Rhapsody im vergangenen Jahr ganz schön was losgetreten. Dreimal war ich in diesem Monat im Kino, bei zweien ging es um die Musik. Und der dritte war von Tarantino.

Blinded By The Light 6 von 10


Coming of Age Film trifft Culture Clash und Rassismus trifft Bruce Springsteen. Was kann da schief gehen? Wenn der Film zu viele Längen hat, zum Beispiel. Der Anfang ist ein wenig zäh, bis Javed (Viveik Kalra) endlich etwas arg direkt auf Springsteen gestoßen wird. Oder wenn man das Ende zu rührselig macht und dann alles in einem großen Monolog auflöst. Dafür ist der Soundtrack über alle Zweifel erhaben. Das fängt schon bei den klassischen 1980er Jahre Stücken an und findet seinen Höhepunkt in der an zwei/drei Stellen fast musicalhaften Inszenierung der Begeisterung von Javed und seinen Freunden zu Bruce Springsteen. Hier ist der Film tatsächlich das versprochene Feel Good movie, hier holt Kick it like Beckham Regiesseurin Gurinder Chadha wirklich alles raus, was geht.

Fisherman’s Friends 6 von 10


Ein Film, bei dem man von Anfang an weiß, wie er ausgeht. Überraschungsfrei, aber das ist auch kein Genre, wo man jedes Mal das Rad neu erfunden muss. Ein Feel-Good-Movie zeichnet sich vielleicht genau dadurch aus. Und so trifft relativ erwartbar der erfolgreiche Business-Mensch aus der Stadt (Daniel Mays) auf eine dörfliche Struktur, die er nicht versteht und auf eine Frau (Tuppence Middleton), die ihn anfangs nicht mag. Spaß macht es trotzdem, was vor allem an der schönen, realen Geschichte liegt. Dass gegen Ende dann allerdings sich alles am Schicksal eines Pubs entscheidet, wirkt etwas konstruiert und ist letztlich auch nicht das, warum man sich diesen Film anschaut.

Once Upon A Time In Hollywood 8 von 10


Um es gleich am Anfang zu sagen: Die Tarantino-Gewalt ist in diesem Film sehr zurück gefahren und beschränkt sich eigentlich auf zwei Szenen. Stattdessen ist sein neuster Streich sehr dialoglastig, ohne aber solche legendären Sequenzen zu liefern wie die Cheeseburger-Diskussion aus Pulp Fiction. Das erstaunlichste an diesem Film ist, dass er keine große Handlung hat, dafür das Setting mit Hollywood Ende der 1960er Jahre aber der eigentliche rote Faden des Films ist. Es ist eine Abfolge von einzelnen Szenen, wobei das Aufeinandertreffen mit Bruce Lee (Mike Moh) für mich das Highlight war. Und trotzdem passt alles zusammen und lässt die lange Laufzeit nicht negativ auffallen. Wir sehen absteigende Stars (Leonardo DiCaprio mit seinem Stuntdouble Brad Pitt, beide phantastisch in ihren Rollen), die den Sprung vom verpönten TV auf die große Leinwand nicht geschafft haben, zusammen mit neuen Kinosternchen wie Sharon Tate (Margot Robbie), und dazu die Kommune rund um Charles Manson. Das ist sehr unterhaltsam und es macht Spaß, auf die vielen Hinweise auf die damaligen Filme und Personen zu achten. Das ist Tarantinos Hommage an sein altes Hollywood.

Sonstso – In der heimischen Flimmerkiste gab es, von alt nach jung sortiert:

Vertigo (1958, Das Erste), ein Klassiker mit James Stewart von Alfred Hitchcock. Immer noch gut, aber schon mit einigen Längen. Und ich frage mich jedes Mal wieder: Warum macht Kim Novak das im letzten Drittel?

Der 1. Weltkriegs-Film Schlacht in den Wolken (1976, Arte) zeigte den jungen Malcom McDowell und einige immer noch eindrucksvolle Luftschlachten.

Star Trek VI – Das unentdeckte Land (1991, Syfy) war und ist mein liebster Star Trek Film. Er ist spannend, er ist polizisch, er ist dramatisch, er ist lustig, er hat alles, was ein guter Sciene-Fiction-Film braucht.

Hitchcock (2012, Das Erste) begleitet den Regie-Altmeister (hier gespielt von Anthony Hopkins) bei den Dreharbeiten zu Psycho und ist recht kurzweilig anzuschauen, ohne dass der Film zu sehr in die Biographie-Ecke abdriftet.

Happy Deathday 2 U (2019, Blu-Ray) war nicht ganz so gelungen wie der Vorgänger, konnte man aber ebenfalls ganz unterhaltend weggucken. Er hat wenigstens auch versucht, noch zusätzliche Wendungen im Vergleich zum ersten Teil zu erzählen.

In The Highwaymen (2019, Netflix) sind Kevin Costner und Woody Harrelson in den 1930ern auf der Spur von Bonnie und Clyde. Der Film zieht sich ein wenig, entschädigt aber mit einem sehr eindrucksvollem (und wohl authentischem) Ende.

*** Serien ***

Drei gewinnt! Insgesamt drei dritte Staffeln sind in diesem Monat dabei – und sie schlagen das andere Zeug deutlich.

Glow (Staffel 3 / 10 Folgen – Netflix) – 7 von 10

Las Vegas, Baby! Für die glorreichen Ladies des Wrestlings geht es aus dem TV-Studio in die bunte Showwelt. Fernab von zu Hause müssen sie die Show auf die Beine stellen und sich alle mit der Frage befassen, was sie eigentlich von ihrem Leben erwarten. Neben den beiden Hauptfiguren (Alison Brie und Betty Gilpin) erhalten die anderen Wrestlerinnen in dieser Staffel ein etwas stärkeres Profil, allen voran Sheila (Gayle Rankin). Regiesseur Sam (Marc Maron) darf endlich mal positiven Willen und ein paar Lebensgeister zeigen. Das tut ihm gut, auch wenn manches überraschend kommt. Insgesamt wird die Comedy noch weiter zurück gedreht – genau wie die Wrestling-Szenen – es überwiegt der Drama-Aspekt. Den meisten Spaß haben die Mädels schließlich, als sie im Ring mal die Rollen tauschen. Ironischweise ergeben sie sich ausgerechnet dort dann den Klischees hin, die die Serie ja eigentlich hinterfragen möchte.

Lethal Weapon (Staffel 3 / 15 Folgen – Sat1) – 7 von 10

Roger Murtaugh (Damon Wayans) erhält mit Wesley Cole (Seann William Scott) einen neuen Partner beim LAPD. Sonst ändert sich nicht viel, die beiden ziehen eine Spur des Chaos hinter sich her, wenn es um die Lösung ihrer Fälle geht, aber auch privat haben sie einiges um die Ohren. Das macht immer noch Spaß, auch wenn die beiden nicht ganz so harmonieren wie Murtaugh mit Riggs in den ersten Staffeln, dafür macht Cole zu viel alleine und scheint als Ex CIA-Agent deutlich mehr als sein Partner auf dem Kasten zu haben. Aber Scott hat sich damit für mehr empfohlen.

Modern Family (Staffel 10 / 22 Folgen – Sky 1) – 6 von 10

Was soll im zehnten Jahr in einer Comedy-Show noch groß passieren? Diese Staffel zeigt es deutlich: Nicht viel und so war es eine der schwächeren Jahrgänge bisher. Haley (Sarah Hyland) und Dylan (Reid Ewing) erwarten Nachwuchs, Lilly (Aubrey Anderson-Emmons) wird langsam langweilig und ist nicht mehr so oft dabei (wobei sie trotzdem noch eine legendäre Szene hat, als sie ihren Vätern (Jesse Tyler Ferguson und Eric Stonestreet) ihren neuen Musikgeschmack vorstellt) und ein Familienmitglied aus dem weiteren Kreis stirbt. Sonst ist alles beim alten, was bedeutet: Man hat vieles schon einmal gesehen.

Stranger Things (Staffel 3 / 8 Folgen – Netflix) – 8 von 10

Hawkins zieht wieder das Böse an, dieses Mal in Gestalt von ein paar Russen, die Kräfte frei setzen, von denen sie keine Ahnung haben. Die Staffel beginnt phänomenal, mit viel 80er Jahre Musik und mit unseren Jungs, die langsam zu Teenagern werden. Mädchen werden interessanter als Dungeons & Dragons. Und immer noch wissen die Kids am Besten, wo es langgeht, während aller Erwachsenen doof sind, außer Hopper (David Harbour). Die Autoren haben den armen Steve (Joe Keery) die ganze Staffel in ein Matrosenkostüm gesteckt, spendieren Billy (Dacre Montgomery) einen legendären Auftritt in der ersten Folge und Nancy (Natalia Dyer) eine seltsame Frisur. So unterhaltsam wie zu Beginn der Staffel war die Serie wohl noch nie, leider hält sie das Niveau nicht ganz und lässt statt dessen den mittlerweile riesigen Cast in verschiedenen Gruppen immer wieder vor irgendetwas flüchten. Wie ein Jump’n'Run. Gegen Ende renkt sich das wieder ein, so dass auch Staffel Drei das hohe Niveau der Serie insgesamt halten kann.

La Zona – Do Not Cross (Staffel 1 / 8 Folgen – ZDFneo) – 5 von 10

Bei einem Reaktorunfall sind etliche Menschen getötet oder verletzt und die umgebende Region radioaktiv verstrahlt worden. Drei Jahre danach gibt es rund um das im Rückbau befindliche, betroffene Kernkraftwerk eine Sperrzone, in der sich Zivilisten nicht aufhalten dürfen. Ausgenommen sind Wiederansiedlungsregionen, in denen ihre einstigen Bewohner zurückkehren können, sowie Liquidatoren, die an der Dekontamination der Sperrzone arbeiten und auch darin wohnen. So interessant das Setting ist, die Handlung hat es dagegen nicht geschafft, mein Interesse zu wecken. Es gibt einen Crime-Plot, welcher dem Setting nicht gericht wird. Und so ist noch das Interessanteste, wie man versucht, mit dem Reaktorunfall umzugehen und als dann letztlich einige Arbeiter in eine Selbstmord-Mission geschickt werden, geht das einem schon nahe. Wenn man so etwas nicht erst vor ein paar Monaten in Chernobyl gesehen hätte und zwar dort deutlich besser.

Für die Kunden der Telekom gibt es ab dem 5. die dritte Staffel von The Handmaid’s Tale zu sehen. Am 12. startet die fünfte und letzte Staffel von Killjoys auf Syfy. Auf kabel 1 geht es am 13. mit der fünften Staffel von NCIS: New Orleans weiter. Ab dem 16. schließt Pro 7 langsam die Nerd-WGs von The Big Bang Theory. Die fünfte Staffel von Brooklyn Nine-Nine kann man ab dem 26. auf Netflix sehen. Für meine Eltern: Ab dem 27. gibt es die achte Staffel von Death in Paradise auf ZDFneo zu sehen. Und am 30. startet schließlich Departure auf Universal TV.

*** Wie geht’s dem KSC? ***

Bilanz: 3 Spiele, 3 Punkte, Platz 8.

Nach nun insgesamt vier gespielten Partien ist die Bilanz so ausgeglichen, wie sie nur sein kann: Zwei Siege, zwei Niederlage, neun Tore, neun Gegentore. Für einen Aufsteiger ist das durchaus okay. Dazu kommt die Qualifikation für die zweite Runde im DFB-Pokal, das gab es seit Jahren nicht mehr. Der KSC-Fan steht dieser Saison also weiterhin äußerst wohlwollend gegenüber. Mitarbeiter des Monats: Stürmer Philip Hofmann.

*** Musik ***

Besuchte Festivals: 1 (In The Park). Gekaufte Konzerttickets: 0.

The Black Keys sind zurück und haben ein neues Album veröffentlicht, dass auf den programmatischen Namen Let’s Rock hört. Im Gegensatz zu früheren Werken fehlt dieses Mal der große Single-Hit, dafür lässt es sich gut durch hören und weckt Erinnerung an Portugal, The Man in ihren guten Zeiten. Ihr wollt Musik hören? Go!

Frank Turner hat wieder etwas neues veröffentlicht und nach dem letzten, eher schwachen Album ist No Mans Land nun wieder besser. Unspektakulär, sehr akkustisch, keine großen Experimente, aber sauberes Songwriting. Ein wenig zurück zu den Wurzeln ohne Begleitband, aber mit erwachseneren Themen. Silent Kay als Beispiel.

*** Ausgefallener Post des Monats ***

Evolution: Man merkt es in der Stadt immer wieder. Die Menschheit ist noch nicht so weit. Gleichzeitig laufen und das Smartphone bedienen, das geht nicht.

*** Krieg und Frieden ***

Ich habe mich nun mal wieder an einen der großen Klassiker der Weltliteratur gewagt: Krieg und Frieden von Lew Tolstoi. Mehr als 2.000 Seiten Text, aufgeteilt auf zwei Bände im Pappschuber. Ein riesiger Monolith, der mich die nächsten Monate wahrscheinlich beschäftigen wird. Die ersten 130 Seiten habe ich nun bereits geschafft, womit ich in die feine, russische Gesellschaft eingeführt wurde. Lässt sich bisher recht gut lesen, auch wenn mir die Vielzahl der Figuren noch einige Probleme bereitet.

*** Linktipps ***

Ein paar Lesetipps aus den Weiten des Internets:

Zeitreise mit der Brunftsirene: Der Wortvogel war auf einem Konzert von Tom Jones, der nach 50 Jahren immer noch im Geschäft ist (also Jones, nicht der Wortvogel).

Camera Obscura, Glasgow: Noch ein Konzertbericht, dieses Mal vom Konzerttagebuch, das auf dem ersten Konzert der schottischen Band seit vier Jahren war.

Die große Kicker-Bundesliga-Sonderheft-Cover-Analyse: Die Übermedien haben sich die klassische Cover-Gestaltung der Bibel der Fußball-Fans in Deutschland mal genauer angeschaut. Es gibt revolutionäres zu berichten!

Retro-Kiste: Jahr 2022… die überleben wollen: Bei Robots & Dragons hat man sich diesen Klassiker des Science-Fiction Kinos noch einmal genauer angeschaut.

Faszinationen Zeitreisen: Einen Überblick über das Phänomen der Zeitreisen in Buch und Film gibt Wörter auf Reisen.

Wochenendtrip nach Belgien: Für 72 Stunden nach Belgien? Kein Problem für Kathi, drei Städte hat sie in dieser Zeit geschafft und dabei reichlich Pommes und Bier verköstigt.

*** Foodpic des Monats ***

Einmal das Minuten-Steak bitte! Ein kleines Schmankerl im Saima in Savonlinna, irgendwo versteckt zwischen den 1000 Seen Finnlands.

Und das war’s für diesen Monat. Der Bericht über den Ausflug nach Finnland folgt demnächst – auf jeden Fall noch bevor das Fantasy Filmfest wieder startet. Und damit herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

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4 Responses to Der Monatsrückblick August 2019

  1. Nicole says:

    Das freut mich, dass dir Staffel 3 von “Stranger Things” dann auch noch gefallen hat. Für mich definitiv die bisher beste, auch wenn manche Wendungen nicht überraschend kamen. Aber Dacre Montgomery war phänomenal in dieser Staffel und ich hatte zu viel Spaß mit Steve, Robin und Dustin, dass mich die Staffel dann mitgerissen hat. Bei Lethal Weapon habe ich ja ehrlich gesagt nicht mehr weitergeschaut, als klar wurde, dass man Riggs rasugeschrieben hat. Er war für mich der Grund, wieso mich die Serie so begeistert hatte, weil man mit seiner Figur auch viele sensible, ernste Themen miteingebracht hat. Nun ist ja eh mit Staffel 3 Schluss, sodass ich nicht mal weiß ob ich die überhaupt auf Prime nachholen werde.

    • Nummer Neun says:

      Staffel 3 von Lethal Weapon kann man sich im Prinzip schenken, auch wenn es noch immer gute und leichte Unterhaltung ist. Seann William Scott macht seine Sache aber echt ganz gut.

      Besonders die erste Szene von Dacre Montgomery in dieser Staffel war großartig, als er auf die ganzen desperate Houesewives getroffen ist :D Robin war die Arbeitskollegin von Steve? Ja die war auch toll :)

  2. Stepnwolf says:

    Viel Spaß mit “Krieg und Frieden” und den gefühlt tausenden Namen, die darin auftauchen. ;)

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