Südkorea 2017: I Seoul

Südkorea also! Nach einiger Überlegung, ob ich das nicht doch noch canceln sollte, landete ich nach einem ewig langen Flug in Incheon, dem internationalen Flughafen Seouls. Mein Hotel hatte mir vorab eine Beschreibung geschickt, wie ich zu ihnen kommen konnte und an die hielt ich mich auch genau. Mit dem Limousinen-Bus ab einem bestimmten Ausgang vom Flughafen – Zielstopp fast direkt vor meinem Hotel. Es klappte alles ohne Probleme. Die Fahrt dauerte etwas über eine Stadt, bis der Bus endlich im Zentrum Seouls angekommen war. Nach der langen Reise und wegen der Zeitverschiebung, Korea ist uns 7 Stunden voraus, musste ich mich erst einmal hinlegen.

Danach ging es mir etwas besser und ich machte mich auf meine erste Entdeckungsreise in diese riesige Stadt. Ich wollte das sehen, was ich bereits von Fotos her kannte und woran ich Suche nach einem Hotel ausgerichtet hatte: Die Promenade am Cheonggycheon. Diese wurde erst vor einigen Jahren zu ihrem jetzigen Stand umgebaut. Mitten im Zentrum, zwischen den glitzernden Glasfassaden der Bürotürme, hat die Stadt einen kleinen Wasserstreifen kultiviert, der auf beiden Seiten zum spazieren einläd. Viele Laternen und Kunstinstallationen verschönern die Promenade – besonders jetzt, in der Geburstagswoche von Buddha, als sich alles schon auf das große Lotuslaternenfest vorbereitete. Und so war dieser kleine Park zu jeder Tages- und Nachtzeit recht gut besucht und wurde zu meinem Lieblingsplatz in der Stadt.Am nächsten Morgen ging das Touristenprogramm los. Die Wahl war recht nahe liegend: Von meinem Hotelzimmer aus hatte ich bereits die Aussicht auf Deoksugung, einem der vielen Tempel in Seoul. Ich musste dafür nur den Seoul Plaza überqueren, schon stand ich davor. Und hatte Glück: An diesem Tag fand eine Probe zu den Feierlichkeiten zu Buddhas Geburtstag statt, daher gab es dort Musik und Tanz von vielen Menschen in alter, koreanischer Kleidung. Nicht schlecht erwischt für den ersten, richtigen Tag im Land!

Nach diesem ersten Highlight folgte ich der riesigen Sejong daero, die einen direkt zur größten Tempelanlage der Stadt führte: Gyeongbokgung. Sobald man das Haupttor passiert hatte, ließ man die stressige Großstadt hinter sich und fühlte sich um Jahrhunderte zurück versetzt. Diese Ruhe! Diese harmonische Einbettung der Anlage in den Park! Das hat mir richtig gut gefallen. Viele junge Koreaner nutzten die Location, um sich hier gegenseitig in ihren schönen Trachten zu fotografieren. Ja, spätestens jetzt hatte Seoul mich.Danach war es dann erst einmal gut mit den Tempeln. Über die Einkaufsstraße Insadong-gil und dem festlich geschmückten Jogyesa ging es wieder zurück in Richtung Cheonggycheon. Dort wurden dann später am Abend die Straßen für den großen Laternenumzug gesperrt.Wer statt den Tempeln eher auf Shopping steht, auch der wird in Downtown Seoul fündig. Myeong-dong heißt das Einkaufsmekka, hier stehen die modernen Shoppingcenter und die großen Geschäfte mit ihren glitzernden Fassaden. Nur ein paar Meter davon entfernt verlaufen die Straßen des Namdaemun-Marktes, in dem sich ein Stand neben den anderen reiht. Hier kann man nun wirklich alles finden – außer Postkarten, die es im ganzen Land eigentlich nicht gab.Ebenfalls einen Besuch wert ist der N Seoul Tower, eines der Wahrzeichen der Stadt. Der Turm ist fast von überall zu sehen,  dafür hat man von ihm aus einen tollen Blick über die ganze Stadt. Besonders wenn die Dämmerung einsetzt und es langsam dunkel wird, ist der Ausblick sehr eindrucksvoll. Man kann dort auch etwas essen, aber ein Tipp dazu: Nur weil da steht, The Best Burger in Seoul, muss es nicht stimmen. Hoffe ich jedenfalls für die Stadt.Seoul hat insgesamt fünf Paläste zu bieten. Der Palast der blühenden Tugend, Changdeokgung, ist dabei der einzige, der sich Weltkulturerbe nennen kann. Ihm angeschlossen ist der Geheime Garten, für den man allerdings eine Extra-Karte kaufen muss und man nur im Rahmen einer Führung besichtigen kann. Da ich auf diese zu lange hätte warten müssen, habe ich mich mit dem Tempel alleine begnügt.Danach bot sich ein Besuch des um die Ecke gelegenen Bukchon Hanok Village an, ein Geflecht mit vielen kleineren Gassen und traditonellen Häusern. Zum Essen findet man hier auch genug Möglichkeiten, ich griff bei einem schönen Bibimbap zu – allerdings aufgrund von Sprachschwierigkeiten bei einer vegetarischen Variante.

Wer sich eher für politische Geschichte interessiert, auch dafür hat Seoul einiges zu bieten. Dazu gehört zum einen ein Besuch der Demilitarisierten Zone DMZ zu Nordkorea, das ist der klassische Tagesausflug von Seoul aus, zu dem ich beim nächsten Mal etwas schreiben werde. Aber auch das kostenlose War Memorial Museum mit seinen monströsen Ausdehnungen lohnt einen Besuch. Das Museum besteht zum einen aus einer Ausstellung zur über 4000 Jahre langen Kriegsgeschichte des Landes, welche auch eines der Schildkrötenschiffe aus dem 16. Jahrhundert enthält. Zum anderen kann man danach im Außenbereich sehr viel modernes Kriegsgerät begutachten.Und so verbrachte ich dann eine Woche in der südkoreanischen Hauptstadt. Das Wetter war dafür ideal, wie im mitteleuropäischen Frühsommer. Das meiste hatte ich mir im Zentrum angesehen, dort ist vieles zu Fuß zu erreichen. Aber auch das U-Bahn System funktioniert gut. Da sollte man sich nicht von der Sprache abschrecken lassen, man hat es sehr schnell gelernt.

In Seoul habe ich in insgesamt zwei Hotels gewohnt. Die ersten Nächte habe ich im Hotel President verbracht – großes Zimmer, wirklich eine Top-Lage – die letzte Nacht im Gulden Tulip M Hotel, was etwas moderner war und die beste Dusche auf der ganze Reise bot, aber einen Tick weiter von den Tempeln entfernt war. Empfehlen kann ich letztlich beide.Schweren Herzens musste ich mich schließlich doch von Seoul verabschieden. Von Seoul Station aus nahm ich einen Zug Richtung Süden – Cheonan war das Ziel, eine Stadt mit immerhin auch knapp 600.000 Einwohnern. Was es da zu sehen gab, erfahrt ihr im nächsten Eintrag.

I: SeoulII: DMZ & CheonanIII: BusanOuttakes


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