Was mit Medien

Die 9 besten Episoden von Black Mirror

Bei Black Mirror handelt es sich um eine britische Anthologie-Serie. Das bedeutet, dass die einzelnen Folgen zwar thematisch in eine ähnliche Richtung laufen, jede Episode für sich aber ein anderes Setting und andere Figuren verwendet. Jede Woche eine neue Welt, um mal eine Werbespruch von Tchibo zu bemühen. Die bekanntesten Beispiel sind vielleicht Outer Limits, Twilight Zone und eben Black Mirror. Bei dieser Serie ist das verbindende Element ihr Science-Fiction und Mystery Ansatz, in der in jeder Folge versucht wird, die Auswirkungen von Technik und Medien auf die Gesellschaft zu thematisieren. Der titelgebende Black Mirror ist ein ausgeschaltetes Display. Erdacht und konzipiert wurde die Serie von Charlie Brooker, der auch an jeder einzelnen Episode beteiligt ist.

Die ersten beiden Staffeln wurden vom britischen Channel 4 produziert und 2011 und 2013 ausgestrahlt. In Deutschland feierten die beiden Staffeln im Pay-TV auf RTL Crime ihre Premiere. Erst zu Staffel 3 übernahm Netflix das Zepter und verdoppelte die Staffellänge und erhöhte die Geschwindigkeit der Veröffentlichung, was nicht unbedingt zur Qualität der Serie beigetragen hat. Fairerweise muss man aber auch sagen, dass auch die Budgets erhöht und die Stars immer namhafter wurden.

Ich hatte 2016 meine erste Begegnung mit der Serie und schaute damals Staffel 1 und 2, was sie schließlich zu meiner Serie des Jahres machte (und damit Suits auf #2 verwies).

Das Konzept der Anthologie-Serien bedingt fast zwangsläufig eine stark wechselnde Qualität der einzelnen Folgen. Nicht jeder Schuss kann ein Treffer sein. Aber das hier, das sind meine neun Episodentipps für Black Mirror:

The National Anthem / Der Wille des Volkes (Staffel 1, Episode 1)

Cast: Rory Kinnear, Lindsay Duncan, Anna Wilson-Jones, Tom Goodman-Hill, Donald Sumpter & Lydia Wilson

In einer modernen Welt zwingt ein Hacker den britischen Premierminister dazu, ein Schwein live im Fernsehen zu begatten, um das Leben einer entführten Prinzessin zu retten.

Was für ein Auftakt! Die große Tabu-Verletzung zeigt sich deutlich nachhaltiger als teure Special-Effects-Feuerwerke. Und während man sich fragt, wie der Premierminister (Rory Kinnear) sich aus dieser Situation befreien kann, wird man zum Komplizen und zum Teil der sensationslüsternden Zuschauermasse, welche die Episode ja eigentlich kritisieren möchte.

15 Million Merits / Das Leben als Spiel (Staffel 1, Episode 2)

Cast: Daniel Kaluuya, Jessica Brown Findlay, Isabella Laughland, Rupert Everett, Julia Davis & Ashley Thomas

In einer dystopischen Zukunft müssen die Menschen durch endloses Fahrradfahren in einer digitalen Welt Guthaben verdienen und haben die Chance, aus dem System auszubrechen, indem sie an einer Reality-Show teilnehmen.

Die zweite Folge und schon ist so ziemlich alles anders, incl. dem Look & Feel der Serie. Das beide Folgen funktionieren gut – auch dieser klassische Science-Fiction-Ansatz –  und diese Gegensätze definiert schon früh den Erfolg der Serie. Leider gab es danach nicht mehr so viele Ausflüge in dieses futuristische Unter-Genre.

The Entire History of You / Das transparente Ich (Staffel 1, Episode 3)

Cast: Toby Kebbell, Jodie Whittaker, Tom Cullen & Jimi Mistry

Die Menschen können ihre Erinnerungen aufzeichnen und abspielen, was zu Misstrauen und Beziehungsproblemen führt, als ein Mann Verdacht schöpft, dass seine Frau ihm untreu war.

Warum es keine gute Idee ist, wenn alles, was man je gesehen und gefühlt hat, für immer abrufbar ist – das zeigt diese Episode. Vergessen können ist ein Privileg.

Be Right Back / Widergänger (Staffel 2, Episode 1)

Cast: Hayley Atwell, Domhnall Gleeson, Claire Keelan, Sinead Matthews, Flora Nicholson, Glenn Hanning, Tim Delap & Indira Ainger

Nach dem Tod ihres Freundes nutzt eine Frau eine fortschrittliche Technologie, um mit einer KI-Version seiner Persönlichkeit zu interagieren, was zu einer emotionalen Achterbahnfahrt führt.

Und noch einmal das Thema: Vergangenheit sollte Vergangenheit bleiben – aber noch einmal clever abgewandelt.

San Junipero / San Junipero (Staffel 3, Episode 4)

Cast: Gugu Mbatha-Raw & Mackenzie Davis

In einer futuristischen Stadt haben alte Menschen die Möglichkeit, in einer virtuellen Realität für immer zu leben, wo sie sich treffen und lieben können.

Nach all den düsteren Geschichten in den Folgen zuvor, überrascht San Juipero mit dem ungewohnt positiven und optimistischen Tonfall, was der Serie aber trotzdem auch einmal ganz gut zu Gesicht steht. Lange Zeit fragt man sich sogar, wie diese Folge überhaupt zu Black Mirror passt, bis sich irgendwann der Kniff offenbart.

USS Callister / USS Callister (Staffel 4, Episode 1)

Cast: Jesse Plemons, Cristin Milioti, Jimmi Simpson & Michaela Coel

Ein genialer Programmierer nutzt eine virtuelle Version seines Arbeitsplatzes, um Kollegen als Gefangene in einem Star-Trek-ähnlichen Spiel zu missbrauchen, bis sie gegen ihn aufbegehren.

Sicher, es ist die aufwändig inszenierte Star Trek Folge – angelehnt an die 1960er Serie. Es ist aber auch die Geschichte des gestörten Verhältnisses eines Programmierers (Jesse Plemons) zum weiblichen Geschlecht. Diese Dopppelbödigkeit macht die Episode zu etwas besonderem. Man darf gespannt sein, ob die aus dem Staff geplante Miniserie ebenfalls so überzeugen kann (Quelle).

Hang The DJ / Hang The DJ (Staffel 4, Episode 4)

Cast: Georgina Campbell, Joe Cole, Gwyneth Keyworth & George Blagden

In einer Dating-App-gesteuerten Gesellschaft finden zwei Menschen Liebe in einer von Algorithmen bestimmten Welt, während sie gegen das System rebellieren.

Wer hätte gedacht, dass man das Prinzip der Häufigkeitenverteilung so clever in eine fiktionalen Geschichte umsetzen kann?

Striking Vipers / Striking Vipers (Staffel 5, Episode 1)

Cast: Anthony Mackie, Yahya Abdul-Mateen II, Nicole Beharie, Pom Klementieff & Ludi Lin

Zwei alte Freunde experimentieren mit einer Virtual-Reality-Version ihres Lieblingsvideospiels, was zu einer emotionalen und sexuellen Verwirrung führt.

Die beiden Freunde (Anthony Mackie und Yahya Abdul-Matten II) leben im virtuellen Spiel ihre Emotionen aus, die sie im echten Leben nicht zeigen können. Sehr schön und nachvollziehbar umgesetzt.

Joan Is Awful / Joan Is Awful (Staffel 6, Episode 1)

Cast: Annie Murphy, Salma Hayek, Michael Cera, Avi Nash, Himesh Patel, Rob Delaney & Ben Barnes

Auf einer Streaming-Plattform entdeckt Joan eine neue Serie, die erschreckend nah an ihrem eigenen Leben ist.

Wenn man mal davon absieht, dass sich Netflix nicht selbst als diese Streaming-Plattform outen wollte, war das eine wahrlich fast perfekte Episode über die Ausmaße des Content-Wahns, in der jeder Mist zwei- bis dreimal verfilmt wird und die Macht der Medien, Personen so darzustellen, wie sie es gerne hätten. Dazu noch eine Prise KI-Hype – fertig war die mit Abstand beste Folge der aktuellsten Staffel.

(Die Inhaltsangaben der Folgen aus den Staffeln 1-5 sind mit Hilfe von ChatGPT entstanden.)

***

Welche sind für euch die eindrucksvollsten Episoden der Serie? Schreibt es gerne in die Kommentare. Die komplette Folgenliste findet ihr hier bei Wikipedia.

9 Kommentare

  • Nicole

    Ich hab von „Black Mirror“ ja bislang nur den interaktiven Film gesehen, den fand ich echt nicht so prickelnd, weshalb ich bisher davor zurückgeschreckt bin, mir die Serie anzuschauen. Aber einige der Folgenbeschreibungen klingen halt schon sehr spannend. Mal schauen, vielleicht gucke mich mal rein, wenn der Seriennachschub stockt – durch den Streik wird man ja wsl etwas Zeit haben, sich endlich mal den Serien zuzuwenden, die schon länger auf der Watchlist rumdümpeln.

    Bei San Junipero musste ich gleich an Upload denken, das hat ja das gleiche Konzept und die Amazon-Serie mag ich ja richtig gerne.

    Übrigens habe ich mittlerweile She Said schon gesehen und stimme dir zu: Sehr sehenswerter Film. Gab sogar noch einige Details, die über den Fall Weinstein noch nicht wusste.

    • Nummer Neun

      Ach daran, dass der Seriennachschub irgendwann mal stockt, glaube ich nicht mehr. Meine Liste wird länger und länger. Dabei schaue ich schon viel und habe bei weitem nicht Zugriff auf alle Anbieter.

  • S.Mirli

    Ich bin mir nicht sicher, ob ich jetzt laut zugeben soll, dass ich bisher keine einzige Episode gesehen habe. Ich habe einmal kurz reingeschaut, aber bin nicht richtig warm geworden damit, habe mich allerdings auch nicht weiter damit beschäftigt. Vielleicht sollte ich doch noch einmal einen Versuch wagen, immerhin ist auf deine Tipps Verlass. Danke für die Empfehlung von „Das Mädchen im Schnee“ an dieser Stelle – richtig genial! Wünsche dir einen fantastischen September, alles Liebe, x S.Mirli
    https://www.mirlime.at

    • Nummer Neun

      Kein Problem, die Serie scheint ja allgemein nicht so verbreitet unter den Lesern und Leserinnen meiner Seite zu sein 😉 Aber freut mich, dass dir „Das Mädchen im Schnee“ so gefallen hat! Von dir habe ich ja noch „Stumm“ und „Diplomatische Beziehungen“ auf der Liste. Hoffentlich schaffe ich da bald mal den Anfang.

  • Miss Booleana

    Oh schöne Idee 🙂 Anthologieserien eignen sich ja wirklich gut für eine Top-Liste. Wobei. Mit dem richtigen Titel eignet sich alles für eine Top-Liste … Wieso eigentlich gerade 9?

    Meine würde wohl so aussehen:

    Be Right Back
    San Junipero
    White Bear
    The Entire History of You
    Crocodile
    Shut Up and Dance
    The National Anthem
    Hang The DJ
    Metalhead

    Dafür musste ich aber auch nochmal gegenlesen … einige Episoden habe ich komplett vergessen, was wohl mal ein guter Anlass wäre, um nochmal alle Folgen zu schauen.

    • Nummer Neun

      An alle Folgen konnte ich mich auch nicht mehr erinnern bzw. bei der Kurzbeschreibung klingelte es nicht mehr. Ist auch etwas schwierig, da ich mittlerweile im Serienbereich fast gar nichts mehr doppelt schaue. Zufälligerweise war ich nach meiner ersten Selektion schon gleich bei den neun Folgen und dachte mir dann, ich bleibe dabei aufgrund meines Namens 😉

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