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Juli Zeh – Unterleuten (Deutschland, 2016)

Intro: Als im vergangenen Jahr im ZDF die Miniserie Unterleuten – Das zerrisene Dorf lief, war ich sehr begeistert und zückte als Wertung die 9/10. In meinem persönlichen Jahresranking langte das für einen sehr guten dritten Platz. Dass ich den der Serie zu Grunde liegende Roman von Juli Zeh in diesem Jahr lesen würde, war für mich daher relativ früh gesetzt. Unterleuten wurde im Jahr 2016 veröffentlich, der Roman hielt sich 78 Wochen in der deutschen Bestsellerliste. Für mich war es Roman Nummer sechs in diesem Jahr und darunter der bisher dickste Wälzer.

Klappentext: Wer nur einen flüchtigen Blick auf das Dorf in Brandenburg wirft, ist bezaubert von den altertümlichen Namen der Nachbargemeinden, von den schrulligen Originalen, die den Ort nach der Wende prägen, von der unberührten Natur mit den seltenen Vogelarten. Doch hinter den Fassaden der kleinen Häuser brechen alte Streitigkeiten wieder auf. Und obwohl niemand etwas Böses will, geschieht Schreckliches.

Review: Die Wahrheit liegt im Auge des Betrachters. Juli Zehs Roman springt zwischen den verschiedenen Bewohnern des Dorfes hin und her und zeigt dabei jeweils deren gefühlte Wahrheit. Das macht einen Großteil des Reizes von Unterleuten aus. Alle Protagonisten verfolgen ihre eigenen Ziele und sehen sich selbst im Recht und trotzdem passieren schlimme Dinge im Dorf. Angestoßen von einem externen Impuls, dem Plan, einen Windpark in Unterleuten zu errichten, brechen alte Konflikte der Dorfbewohner wieder aus und neue entstehen zwischen den Alteingessenen und den frischen Großstadtflüchtlingen. Alle Protagonisten gleichberechtig zu behandeln und sie nicht in gut und böse zu trennen, das ist Zehs größter Verdienst und macht das Buch auch so interessant.

Neben dem cleveren Aufbau und den ausgewogenen Protagonisten darf man aber auch nicht vergessen, wie flüssig der Roman geschrieben ist. Trotz der Vielzahl an Personen (bei der mir die Seriensichtung im vergangenen Jahr allerdings sehr geholfen hat) findet man sich gut zu Recht und die Seiten fliegen nur so an einem vorbei. Trotz seiner beachtlichen Länge von über 600 Seiten hätte die Geschichte gerne noch weiter gehen dürfen.

Fazit: Unterhaltsamer Dorfroman aus einer Gegend, die man als Großstädter gerne übersieht, der zeigt, dass es in einer Gemeinschaft selten allgemeingültige Wahrheiten gibt. Ein moderner, deutscher Gesellschaftsroman.

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