Was mit Medien

Marlen Haushofer – Die Wand (Österreich, 1963)

Intro: Es läuft weiter ganz gut durch in diesem Jahr. Ungefähr einen Roman schaffe ich im Moment pro Monat, damit liege ich auf Kurs, um die zehn Bücher in 2021 voll zu bekommen. Die nächsten drei Romane liegen hier schon bereit, dazu habe ich glaube ich auch noch ein oder zwei auf meinem Kindle gespeichert. Damit ist das Programm für den Rest des Jahres schon fast vorgegeben. Aber vorher gab es mit Die Wand der österreichischen Autorin Marlen Haushofer erst einmal eine Geschichte, die eigentlich ganz gut in dieses Jahr der Isolation und der sozialen Distanzierung zu passen scheint.

Klappentext: Eine Frau wacht eines Morgens in einer Jagdhütte in den Bergen auf und findet sich eingeschlossen von einer unsichtbaren Wand, hinter der kein Leben mehr existiert.

Review: Wer bei diesem Roman eine Endzeitgeschichte erwartet, liegt damit grundsätzlich falsch. Es geht zu keiner Zeit darum, wo diese Wand herkommt und was es damit auch sich hat. Wer so etwas sehen möchte, der sollte sich eher an Under The Dome oder Simpsons – The Movie halten. Stattdessen konzentriert sich Marlen Haushofer komplett auf ihre namenlose Hauptfigur, deren subjektiver Bericht die Geschichte dieses Buches ist. So wie Robinsons Crusoe oder Tom Hanks in Cast Away auf einer einsamen Insel gestrandet sind, oder wie Matt Damon als Der Marsianer auf einem fremden Planeten festsitzt, so findest sich diese Hauptfigur auf einmal alleine in den österreichischen Alpen wieder.

Je mehr sie sich in ihrem neuen Leben einrichtet, um wo weniger denkt sie an ihre alte Welt zurück. Sie führt ein archaisches Leben, bestellt die Hütte und die Alm und versorgt sich selbst. Geblieben sind ihr nur einige Tiere, um die sie sich kümmert und die sie wiederum ernähren. Sie ist komplett damit beschäftigt, sich selbst am Leben zu erhalten, was sich dann auch im Text wiederspiegelt. Und so dreht sich fast alles um die Versorgung der Tiere und der Anpflanzung von Kartoffeln und Bohnen, so dass wenig Zeit bleibt, um über ihr altes Leben nachzudenken.

Für den Leser könnte das sehr ermüdend werden und nach so circa 100 Seiten habe ich mich tatsächlich auch gefragt, was denn jetzt noch alles groß passieren solle. Aber trotzdem entwickelt der Roman eine gewisse Spannung und man leidet mit Haushofers Romanheldin und ihren Tieren mit. Gelegentliche Vorgriffe auf zukünftige Ereignisse sorgen immer wieder für frische Spannungsimpulse. Aus der persönlichen Erzähkung heraus ist das unspektakulär aber packend erzählt, beim Umblättern der Seiten bekommt man fast selbst Schwielen an den Händen, wenn man sich denn auf die karge Story etwas einlässt.

Fazit: Robinson Crusoe in den Alpen, dessen Handlung so reduziert ist wie das Leben der Hautpfigur.

4 Kommentare

  • S.Mirli

    Ich freue mich ja immer über Buchempfehlungen und gerade in der aktuellen Zeit bestimmt eine interessante Lektüre. Vielen Dank für die Review. Ich bin mir bis heute nicht sicher, was ich von Cast Away halten soll. Im Grunde spiegelt meine Meinung genau deine Worte wider, man fragt sich, was großartig passieren soll und kann doch nicht aufhören. Ich wünsche dir eine grandiose neue Woche, alles, alles Liebe, x S.Mirli
    https://www.mirlime.at

    • Nummer Neun

      Vielen Dank für das Feedback! Lesen ist halt doch noch mal etwas anderes als Serien zu bingen.

      Cast Away hat auf jeden Fall etwas, was einem im Kopf bleibt 🙂 Umgekehrt kann ich mir Die Wand schwer als Film vorstellen. Es gibt wohl sogar auch eine Verfilmung, die aber eher schwache Kritiken bekommen hat.

  • Christine

    Ich habe das Buch vor einigen Jahren gelesen und hatte ein etwas zwiespaltiges Gefühl ihm gegenüber. Irgendwie war es fesselnd, aber irgendwie hat mir dann doch noch etwas gefehlt. Auch wenn mir schnell klar war, dass es nicht um die Wand an sich oder gar einer Erklärung dafür gehen soll, war ich am Ende doch etwas unbefriedigt…

    • Nummer Neun

      Ehrlich gesagt, das kann ich gut verstehen. Die Geschichte hätte auch wirklich nicht länger sein dürfen. Bei mir haben die immer wieder eingestreuten Vorgriffe auf die Zukunft dafür gesorgt, dass ich auch mit Interesse dran geblieben bin. Aber ich könnte jetzt auch nicht im Anschluß gleich wieder ein ähnliches Buch lesen.

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