Der Monatsrückblick Mai 2019

Schöne Grüße aus Kanada! Genauer gesagt aus Saskatoon. Die erste Hälfte des Urlaubs ist damit so gut wie rum, demnächst geht es per Flugzeug weiter nach Ottawa. Aber vorerst zurück zum Tagesgeschäft: Der Monatsrückblick Mai. Es war einiges los in diesem Monat. Europa-Wahl, Chaos in Österreich, Bundesliga-Finale. Auf der Arbeit bleibt es stürmisch, der Ausgleich waren viele Lost Evenings mit Freunden.

*** Foto des Monats ***

Da die Kanada-Bilder noch in eigenen Beiträgen kommen werden, noch ein paar Fotos aus dem letzten Monat in München. Zum einen ein Bild aus der guten Samurai-Ausstellung in der Kunsthalle, zum anderen ein Bild von einem Abend im gemütlichen Unter Deck.

*** Filme ***

Nur einmal im Kino gewesen, aber dafür bieten die Mediatheken der Airlines mittlerweile ja so einiges.

Der Fall Collini 7 von 10

Der angesehene Industrielle Hans Meyer (Manfred Zapatka) wird ermordet – scheinbar ohne jedes Motiv. Der 70-jährige Gastarbeiter Fabrizio Collini (Franco Nero) stellt sich als Täter. 30 Jahre lebt der Italiener mittlerweile in Deutschland und führte ein unauffälliges Leben und nun soll er ihn anscheinend grundlos umgebracht haben? Der junge Rechtsanwalt Caspar Leinen (Elyas M’Barek) wird als sein Pflichtverteidiger bestellt. Er überlegt erst abzulehnen, denn er kannte den Toten. Doch obwohl alles gegen Leinen als Verteidiger spricht und er es mit dem legendären Strafverteidiger Professor Richard Mattinger (Heiner Lauterbach) aufnehmen muss, nimmt er den Fall an. Als es zu einer mehrtägigen Unterbrechung kommt, macht Leinen aber plötzlich durch Zufall eine Entdeckung und stößt damit auf einen der größten Justizskandale der deutschen Geschichte…Spannender deutscher Thriller aus der Feder von Ferdinand von Schirach, der sich vor internationalen Produktionen nicht zu verstecken braucht. Vor allem M’Barek überzeugt in einer für ihn mal etwas anderen Rolle. Spannend aufgebaut, öffnet sich ein Drama um die Vergangenheitsbewältigung der deutschen Justiz. Stellenweise wirkt die Story allerdings etwas überfrachtet, ob Casper sich nun auch noch unbedingt mit seinem Vater aussöhnen und sich ein Konflikt mit Meyer’s Tochter (Alexandra Maria Lara) entspinnen muss, sei mal dahin gestellt. Auch Lauterbach mit langen Haaren irritiert anfangs etwas. Hätte man sich noch etwas mehr auf die Grundkonstellation verlassen, hätte es dem Film gut getan, aber auch so macht man mit ihm nichts falsch.

Sonstso – In der (heimischen) Flimmerkiste gab es, von alt nach jung sortiert:

Star Trek: Nemesis (2002, Syfy) war der letzte der Picard-Kinofilme und leider wohl auch der schwächste, trotz des jungen Tom Hardy als Gegenspieler

Verräter wie wir (2016, ZDF) war ein etwas altmodischer Spionagethriller mit einem guten Cast um Ewan McGregor. Ein kurzweiliger Film, ohne große Action, aus einem leider etwas aussterbenden Genre.

Aus Südkorea kam der Erotik-Rache-Thriller Die Taschendiebin (2016, Arte). Kunstvoll erzählt, kunstvoll gefilmt – den kann man sich anschauen.

Crazy Rich (2018, Lufthansa) entpuppte sich als harmlose Romantic Comedy mit Fresh Off The Boat Star Constance Wu. Das man beim deutschen Titel das “Asian” weggelassen hat, erscheint mir inhaltlich sogar richtig.

Auch beim zweiten Sehen blieb Der Vorname (2018, Lufthansa) für mich eine der besten Komödien der vergangenen Jahr, einer der besten deutschen sowieso.

*** Serien ***

Überschaubares Programm in diesem Monat, aber hey, neben dem Urlaub stand natürlich auch noch das Saisonfinale im Fußball auf der Speisekarte!

The Handmaid’s Tale (Staffel 2 / 13 Folgen – BluRay) – 7 von 10

Die zweite Staffel der düsteren Zukunftsvision entfernt sich etwas von der literarischen Vorlage, was nicht immer zu ihrem Vorteil ist. Besonders der Anfang der Staffel, als der schwangeren June/Desfred (Elisabeth Moss) die Flucht aus ihrem Hause gelingt, weidet sich daran, es für die Maids immer schlimmer werden zu lassen, wohin gegen der nötige Tiefgang fehlt. Auch habe ich zunehmend ein Problem mit den Rückblicken in die Vergangenheit, womit sich die Serie immer mehr ein Eigentor schießt. In wie vielen Jahren soll sich bitte dieses mittelalterliche Herschaftssystem wieder etabliert haben, dass sich so gut wie alle darin einfinden? Wie soll das System aufrecht erhalten bleiben, bei solch einem hohen Body Count-Index? Je mehr man versucht, dieses zu erklären, um so ungereimter wird es. Spannender wird dann die zweite Hälfte der Staffel, als Mrs. Waterford (Yvonne Strahovski) sich zunehmend unwohl fühlt in der Gesellschaftsordnung, an dessen Entstehung sie nicht ganz unschuldig war. Und so wird es spannend zu sehen sein, wie sich diese Hassliebe zwischen Desfred und Mrs. Waterford weiter entwickelt. Nicht unerwähnt lassen möchte ich auch den starken Einsatz des Soundtracks (wie Bruce Springsteen, der die hoffnungsvollsten Minuten der Staffel untermalen durfte), sowie die optische Umsetzung.

Der Tatortreiniger (Staffel 7 / 4 Folgen – Netflix) – 6 von 10

Die Putz-Saga um Heiko Schotty (Bjarne Mädel) kommt zu einem Ende und zeigt noch einmal Stärken und Schwächen des Formats. Stark war es immer dann, wenn Schotty auf alltägliche Leute auf Augenhöhe trifft (wie in der Folge, in der seine Freunde Olli Schulz und Jan Georg Schütte wieder vorbei schauen und man sich lange und ausführlich über Filzgleiter unterhält um dann beim Thema Midlife Crisis zu langen). Dünner wurde es dann wieder, wenn die Serie zu experimentell und surreal werden möchte, was dieses Mal leider bei den letzten beiden – und damit der Hälfte aller – Episoden der Fall ist. Immerhin ist die letzte Folge aber trotzdem ein schöner Abschluß, wenn noch einmal viele bekannte Gesichter aus den anderen Staffeln einen kleinen Auftritt haben.

Unser Planet (Staffel 1 / 8 Folgen – Netflix) – 9 von 10

Sozusagen die Test-Sendung für meinen neuen Fernseher, und das hat dieser voll bestanden. Die Dokumentations-Reihe liefert eindrucksvolle Bilder quasi in Endlos-Schleife. Es ist fast atemberaubend, was man hier zu sehen bekommt, so nah dran an den Tieren unseres Planeten war man vorher selten. Die Produktion kann locker mit den großen BBC-Dokumentationen mithalten. Jede Folge widmet sich dabei einem anderen Lebensraum, von Wüsten und Wäldern bis hin zum Meer und der Tiefsee ist alles dabei. Der rote Faden ist darüber hinaus allerdings recht dünn, alle paar Minuten wird das Thema gewechselt. So ist es zwar leicht, immer wieder neu einzusteigen oder zwischendurch mal kurz das Handy zu checken, ein etwas größerer Zusammenhalt der Schnipsel hätte dem Format aber nicht geschadet. Aber trotz allem: Die perfekte Naturdoku für die Generation Netflix.

Der Ausblick auf den Juni: ZDFNeo zeigt gleich ab dem 1. die spanische Serie La Zona. Black Mirror geht am 5. mit Staffel 5 auf Netflix weiter. Am gleichen Tag startet dort auch die zweite Staffeln von Happy, die dieses Mal an Ostern spielt. Am 7. geht es mit Staffel 3 von Designated Survivor auf Netflix weiter, die zweite Staffel steht immer noch auf meiner To Do Liste. Ab dem 9. ist die zweite Runde der Western-Serie The Son auf TNT Serie zu sehen. Ebenfalls Staffel 2 gibt es nach einigen Jahres des Wartens von der Polit-Comedy Eichwald, MdB – zu sehen ab dem 14. im ZDF. Sky 1 zeigt ab dem 20. die mittlerweile zehnte Runde von Modern Family. Und am 21. veröffentlicht Netflix die zweite Staffel von ihrer deutschen Produktion Dark.

*** Wie geht’s dem KSC? ***

Bilanz: 3 Spiele, 6 Punkte, Platz 2 – Aufstieg! Mehr muss man nicht sagen.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 3 (Mumford & Sons, Spanish Love Songs, Dave Hause). Gekaufte Konzerttickets: 2 (The Struts im Oktober und The Regrettes im November – das man auch jetzt schon an den Herbst denken muss). Das ist aber noch nichts gegen das gekaufte Festivalticket: Frank Turner‘s Lost Evenings macht nächsten Mai in Berlin halt. Und wer ist dabei? Ich.

Bruce Springsteen meldet sich zurück mit dem entspannten Hello Sunshine. Unspektakulär, aber richtig schön.

Nicht weit davon weg ist auch John Allen aus Hamburg (und KSC-Fan) zu finden, dessen neues Album Friends & Other Strangers nun erschienen ist und auf diesem dabei durchaus etwas rockiger unterwegs ist als zuletzt. Ein gutes Beispiel dafür ist 45 After Dark.

*** Ausgefallener Post des Monats ***

Der große Bundesliga-Rückblick! Den hatte ich mir wirklich vorgenommen, aber vor dem Urlaub war dann doch keine Zeit mehr. So fällt er aus – Sport-Themen laufen ja eh nie so gut hier – ich sage aber trotzdem: Die Saison in der Bundesliga war deutlich besser als in den letzten Jahren, dem wieder entdeckten Offensivspiel sei Dank. Dass letztes Jahr die Schalker mit ihrer Defensivtaktik Vizemeister wurden und in dieser Saison die jungen, spielfreudigen Dortmunder, das spricht schon Bände. Der FC Bayern wurde wieder Meister, das wird sich in den nächsten Jahren nicht groß ändern, und holte sich dann auch noch den DFB-Pokal ab. Der Abstiegskampf war dagegen so klar wie seit Ewigkeiten nicht mehr.

Und sonst so? Fortuna Düsseldorf als positive Überraschung der Saison, Schalke als negative. Leipzig etabliert sich in der Spitze mit ungeahnten Defensivqualitäten, Levekusen kann auch wichtige Spiele gewinnen und sich am letzten Spieltag auf Platz 4 schieben und Labaddia zeigt in Wolfsburg, dass er einer der besten Bundesliga-Trainer in den letzten 10 Jahren ist.

Sogar in Europa war es mal spannend! Die etablierten Vereine verabschiedeten sich frühzeitig aus der Champions League, dafür sorgten dort Liverpool, Tottenham und Ajax Amsterdam für Furore, dazu Eintracht Frankfurt in der Europa League. Ein bemerkenswertes Jahr im europäischen Vereinsfußball.

*** Linktipps ***

Ein paar Lesetipps aus den Weiten des Internets:

Erdüberlastunstag: Dieser war für Deutschland in diesem Jahr bereits am 2. Mai. Was das bedeutet erklärt Inka in ihrem Beitrag.

Lego Star Wars Blogger Event: Ich bin ein wenig neidisch (okay, nicht nur ein wenig) auf Ella Maria, die beim 20. Geburstag von Lego Star Wars bei einem Event in München (!) mitfeiern durfte.

Dieses Mal wollen sie mehr als Autogramme: SpOn über einen echten Exoten bei der diesjährigen Eishockey-WM: Großbritannien. Und für den Klassenerhalt hat es in diesem Jahr sogar gereicht.

Japan 2019: In diesem Jahr hat sich Rock Rendevous einen Kindheitstraum erfüllt und einen Urlaub in Japan verbracht. Die Planung dazu beschreibt sie hier.

5 stille Endzeit Romane ohne Zombies: Ein sehr schönes, langsames Genre, das auch schon einige gute Verfilmungen hervor gebracht hat. Fried Phoenix gibg einen Überblick.

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Und das war’s für diesen Monat. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

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Kanada 2019: I Vancouver

Mit knapp zweistündiger Verspätung hob die Lufthansa Maschine endlich in München ab, Kanada konnte kommen. Drei Wochen am Stück frei, da muss ich lange zurück denken, wann ich dass das letzte Mal hatte. Und dazu auch noch alleine unterwegs für die ganze Zeit – wird das alles so klappen, wie ich es mir vorgestellt habe? Transport und Unterkünfte waren schon organisiert, ein straffes Programm hatte ich mir auferlegt, mit gleich sechs Städten auf der Karte. Aber was ich dann vor Ort machen würde, stand noch ein Stück weit in den Sternen, dazu hatte die Vorbereitungszeit in den letzten Wochen etwas gefehlt. Aber erst einmal eins nach dem anderen. Und los gehen sollte es mit Vancouver.

Die Fahrt vom Flughafen zum Hotel erwies sich als unproblematischer als befürchtet. Mit dem SkyTrain musste ich vom Airport bis zur Endstation Waterfront fahren und dort mit dem SeaBus über die Bucht rüber nach North Vancouver zum Lonsdale Quay, wo direkt mein Hotel, das Lonsdale Quay Hotel, lag. Das Hotel war okay, etwas hellhörig, aber die Lage wirklich gut, wenn man denn nichts gegen die Fahrt mit dem SeaBus nach Vancouver Downtown hatte. Das Hotel-Frühstück konnte man sich allerdings sparen, da war es einfacher, sich im Markt im Erdgeschoss eine Kleinigkeit zu holen uns sich dann direkt ans Wasser zu setzen, mit Blick auf die Skyline Vancouvers.

In Vancouver selbst, vom Seabus aus ankommend – und ich bin die Strecke jeden Tag gefahren – führte der erste Weg immer zum Hafengelände zwischen Waterfront Station und Canada Place. Hier laufen die Kreuzfahrtschiffe ein, hier kommen alle Nahverkehrsverbindungen zusammen, zentraler geht es kaum. Rund um den Canada Place und bin hin zum Stanley Park wachsen die schicken Wolkenkratzer in den Himmel, hier kann man am Ufer entlang flanieren, an den vielen, vielen Segelbooten vorbei und den Wasserflugzeugen beim Starten zu sehen. Bei wem da keine Urlaubsstimmung aufkommt, dem ist nicht mehr zu helfen. Hier findet sich auch das eindrucksvolle FlyOver Canada, eine täuschend echte Leinwandsimulation über die veschiedenen Landschaften des Landes. Es war ein kurzes, aber faszinierendes Vergnügen.

Verlässt man Waterfront Station in die andere Richtung, erreicht man Gastown, das historische Zentrum der Stadt. Hier gibt es viele kleine Cafes und Restaurants und die etwas unsinnige Steam Clock, welche die Touristen anlockt. Vom Portside Park aus hat man einen schönen Blick auf Downtown. Chinatown schließt sich direkt an – aber Vorsicht, wenn man in den beiden Stadtteilen einmal falsch abbiegt, merkt man, dass hier doch nicht alles so sauber und wohlhabend ist wie es die Gegend am Wasser versprechen mag.

Überquert man die Halbinsel auf die gegenüberliegende Seite, kommt man zunächst am Lookout Vancouver vorbei, von dessen Spitze aus man einen tollen Blick über das Zentrum der Stadt hat. Geht man noch ein ganzes Stück weiter, werden die Häuser wieder höher und exklusiver und man steht am Sunset Beach Park an der English Bay, wo man das vielleicht beliebteste öffentliche Kunstwerk der Stadt besichtigen kann: Eine Reihe übergroßer, lachender Figuren.

Einen Ausflug für sich stellt der riesige Stanley Park – einer der größten städtischen Parkanlagen der Welt – dar. Alleine mit dem Ablaufen des knapp 9km langen Seawalls ist man schon etwas beschäftigt, Abstecher ins innere der Halbinsel lohnen sich aber auch, den Beaver Lake fand ich zum Beispiel ausgesprochen hübsch und farbenfroh.

Mein Hotel selbst war ja in North Vancouver, eine eigenständige Gemeinde, die – besonders zum Wasser hin – sich hübsch macht und wo exklusive Appartmenthäuser und schicke Restaurants den alten Hafenanlagen den Rang ablaufen. Der Quay Market hat einige nette Essensstände zu bieten und lockt mit der Aussicht auf Vancouver. Die Promenade lud zum Schlendern ein, die auffällige Polygon Gallery konnte mich von außen aber mehr begeistern als von innen. Sehr gut essen konnte man in der Lonsdale Avenue, in der sich kleinere Restaurants aneinanderreihen. Besonders das Burgoo und The District Brasserie (mit ihrem fantastischen Koblauchbrot) kann ich hier wärmstens empfehlen. In Vancouver selbst habe ich gar nicht so viel gegessen, hier ist mir nur TAPshack in Erinnerung geblieben, dank der guten Lage am Hafen und der überraschend guten Pizza.

Ein kleiner und unkomplizierter Ausflug war die Fahrt nach Grouse Mountain, dafür kann man entweder den öffentlichen Bus ab North Vancouver nehmen (der Fahrer nahm mich netterweise auch so mit, obwohl ich kein passendes Kleingeld hatte) oder den kostenlosen Shuttlebus ab Canada Place. Nach der Auffahrt mit der Gondel erwartet einem eine sommerliche Berglandschaft mit gutem Ausblick auf die Region Vancouver, in der dank Grizzly-Gehege, Vogel-Show und Slumberjack-Show auch einiges an Abwechslung geboten wird. Nur essen braucht man da oben nicht, ich habe es getestet.

Das war also Vancouver. Eine multi-kulturelle Stadt, welche die glitzernden Fassaden deutlich in den Vordergrund rückt. Es ist eine moderne Weltstadt, umgeben von einer fantastischen Natur zwischen Wasser und Bergen.

Damit war die erste Station der Reise erledigt, viele weitere sollten noch kommen. Der Weg dorthin war aber beschwerlich: Es ging zunächst mit dem Zug weiter, mit VIA Rail Canada den Great Western Way bestreiten, zunächst bis in den Nationalpark nach Jasper.

I Vancouver / II Jasper / III Saskatoon / IV Ottawa / V Montreal / VI Niagara Falls

 

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Joe R. Lansdale: Ein feiner, dunkler Riss (2002)

Für Roman Nummer Drei in diesem Jahr habe ich auf einen mir bekannten Autor zurück gegriffen: Den amerikanischen Schriftsteller Joe R. Lansdale, von dem ich vor einigen Jahren bereits Die Wälder am Fluss und die Kurzgeschichtensammlung Straße der Toten um einen schießwütigen Priester im Wilden Westen gelesen habe. Nun stand sein Roman Ein feiner dunkler Riss aus dem Jahr 2002 an.

Klappentext: East Texas, 1958. Bis vor kurzem glaubte der dreizehnjährige Stanley noch an den Weihnachtsmann. Im Laufe eines einzigen heißen Sommers erfährt er jedoch mehr über die Welt jenseits seiner Superheldencomics und des elterlichen Autokinos, als ihm lieb ist. Stans Welt ist von Gewalt geprägt: Sein bester Freund wird zu Hause verprügelt, die Küchenhilfe lebt bei einem gewalttätigen Mann, und selbst Stans Vater wird handgreiflich, wenn es um die Familienehre geht – zum Beispiel gegen übereifrige Verehrer von Stans siebzehnjähriger Schwester. Das einzige Gegenprogramm liefern das Autokino von Stans Vater und die faszinierenden alten Geschichten um ein Spukhaus auf dem Hügel, einen kopflosen Geist am Bahndamm und zwei in ein und derselben Nacht ermordete Mädchen. Begleitet von seinem treuen Hund Nub und unterstützt von dem mürrischen schwarzen Filmvorführer und Ex-Polizisten Buster, beginnt Stan, Detektiv zu spielen – ohne zu ahnen, worauf er sich da eingelassen hat.

Fazit: Das Buch wiederholt relativ offensichtlich das Schema von Die Wälder am Fluss bzw. greift ihm eigentlich voraus, ist Ein feiner dunkler Riss doch deutlich früher erschienen. Ein kleiner Junge rutscht in einen Kriminalfall hinein, der ihm die Augen vor der Welt der Erwachsenen öffnen lässt. Rassentrennung, Geschlechterdiskriminierung, körperliche Gewalt, all das wird ihm jetzt erst richtig bewußt.

Die Epoche, die Lansdale beleuchtet, ist dieses Mal jedoch eine andere, aber auch das Texas der 1950er Jahre erweckt er zum Leben und erschafft eine stimmige Atmosphäre. Das er dabei bei den Figuren auf bekannte Klischees zurück greift und der Kriminalfall nicht ganz so klar heraus gearbeitet ist – geschenkt. Der flüssige Schreibstil, die sympathischen Figuren und das interessante Setting sorgen für einen guten Lesegenuss fernab der Hochkultur. Für Fans des Schriftstellers lohnt sich auch dieses Werk, für Neueinsteiger würde ich dagegen eher das noch etwas bessere Die Wälder am Fluss empfehlen.

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