Der Monatsrückblick Juni 2017

Sommer! Und da man das Wetter ja schlecht kommentieren kann, ohne sich zu beschweren: Mir war es ja teilweise sogar schon etwas zu heiß. Zum Glück gab es im Büro eine funktionierende Klimaanlage, da war es echt eine Wohltat, nach der Mittagspause wieder an den Arbeitsplatz zu kommen.

*** Kino ***

Remakes und Reboots im Kino, auf welche Leinwand man auch schaut. Die Rechnung mag finanziell vielleicht aufgehen (aber auch das ist wohl teilweise eine knappe Geschichte), aber qualitativ ist das nicht immer ein Gewinn.

Baywatch 6 von 10

Matt Brody (Zac Efron) landet frisch bei den Rettungsschwimmern rund um Mitch Buchannon (Dwayne Johnson). Neben dem Daily Business der Lebensrettung muss sich das Team allerdings auch noch um eine neue Drogenschwemme in der Bucht kümmern, in der anscheinend die zweilichtige Clubbesitzerin Victoria Leeds (die umwerfende Priyanka Chopra) verwickelt ist. Das ungleiche Team Mitch und Matt muss sich dafür zusammen raufen. Die Rückkehr der legendären TV-Serie auf die Kinoleinwand ist zwiespältig. Die Crime-Story und das Team-Building ist vorhersehbar, die alten Rollen wurden nicht typgerecht neu besetzt – weshalb hat man dann an den alten Figuren fest gehalten? Und die beiden Cameos, die schon im Vorspann angekündigt wurden, wurden mehr schlecht als recht integriert. Trotzdem ist der Film unterhaltsam, was zum einen am gut aufgelegten Cast rund um Johnson liegt, zum anderen daran, dass er sich selbst und die alte TV-Serie nicht besonders ernst nimmt. Der Humor schwankt zwischen Slapstick, flotten Sprüchen und einer ironischen Distanz zum Original. Das kommt zwar nicht an das offensichtliche Vorbild 21 Jump Street ran, langt aber gradeso für die beiden Stunden im Kino.

Die Mumie (3D) 7 von 10

Im Irak wird zufällig ein Grab frei gelegt, dass die Mumie von Prinzessin Ahmanet (Sofia Boutella) enthällt, die als Strafe für ihr intrigantes Verhalten bei lebendigem Leibe mumifiziert wurde. Die Entdecker der Mumie, Nick Morton (Tom Cruise) und Chris (Jake Johnson) helfen bei der Überführung. Mit einem Flugzeug soll die Mumie nach London geschafft werden, welches allerdings auf der Reise äußerst spektakulär abstürzt. Alle Insassen werden für Tod gehalten, bis Nick in der Leichenhalle plötzlich wieder aufwacht. Offenbar überlebte er nur, weil Ahmanet es so wollte, er solle nämlich später geopfert werden. Damit nicht genug, auch eine Geheimorganisation rund um Dr. Jekyll (Russell Crowe) ist an ihm interessiert. Das war also der Auftakt des neuen Dark Universe Franchises. Der Film ist dabei weder ein Gruselfilm, wie es das Original aus den 30er Jahren war, noch eine Actionkomödie wie Brandon Frasers’ Mumie. Stattdessen ist es ein Abenteuerfilm mit Mystery-Einflüssen geworden, der sich bemüht, alles richtig zu machen und ihm deshalb vielleicht etwas die Ecken und Kanten fehlen. Tom Cruise überzeugt wie immer, die Actionszenen sind klasse – aber trotzdem hat der Film seine Längen und mit der Jekyll/Hide-Figur als geplantes Verbindungsglied des Franchises auch einen nervigen Schwachpunkt. Und wenn sich ein Film, der sich Die Mumie nennt stellenweise anfühlt wie ein Zombie-Film, hat man auch das Thema etwas verfehlt. Ein solider Abenteuerfilm bleibt es aber trotzdem.

Die Vorstellungen des Münchner Filmfestes fanden dagegen auch in diesem Jahr wieder ohne mich statt. In diesem unübersichtlichen Programm etwas interessanten zu finden, außer problembeladenen Autorenfilm in fremden Sprachen, ist eine Kunst, die ich nicht beherrsche. Da warte ich doch lieber auf das Fantasy Filmfest im September.

*** Serien ***

In der schönen, neuen Serienwelt haben Procedurals – also Serien mit einer abgeschlossen Handlung pro Episode – mittlerweile einen etwas verpönten Ruf. Zu unrecht, sind sie es doch, die eher die breite Masse ansprechen und nicht nur den Seriennerd. Ihr Problem ist viel mehr, dass dort in den letzten Jahren relativ wenig nach gekommen ist, was nicht sofort als more of the same gebrandmarkt wurde. In diesem Monat bin ich mit zwei neuen Procedurals aus dem Crime-Bereich fertig geworden – und beide kann man sich durchaus anschauen.

Better Call Saul (Staffel 3 / 10 Folgen) – 8 von 10

Über Jimmy McGill (Bob Odenkirk) braut sich einiges zusammen, nach dem er im Finale der zweiten Staffel seinem Bruder (Michael McKean) seines Gesetzesverstoß gebeichtet hatte. Die Anwaltskommision muss entscheiden, ob er weiter tätig sein darf oder nicht, womit auch die Bürogemeinschaft mit Kim (Rhea Seehorn) auf dem Spiel steht. Währenddessen verfolgt Mike (Jonathan Banks) eine Spur, die ihn schließlich ins Los Pollos Hermanos führt, der Hähnchenbraterei von Gus Frings (Giancarlo Esposito). Auch die dritte Staffel des Breakind Bad Prequels überzeugt und hinterlässt ihre Spuren bei allen der Hauptfiguren, wobei im Mittelpunkt nach wie vor der Bruderzwist der beiden McGills steht. Jimmy wird wieder etwas mehr zu Saul Goodman.

Bull (Staffel 1 / 23 Folgen) – 7 von 10

Dr. Jason Bull (Ex NCIS-Fanliebling Michael Weatherly) ist Inhaber einer Rechtsberatung. Er ist selbst nicht Anwalt, hilft aber seinen Klienten und deren Anwälten bei der Verteidigung vor Gericht, in dem er die Verteidigungsstrategie auf die Geschworenen anpasst, damit diese den Klienten frei sprechen. Das klingt zunächst einmal etwas konstruiert und abgefahren, orientiert sich aber an dem tatsächlichen Modell von Phil McGraw. Wenn man die Ausgangslage erst einmal akzeptiert hat, hat man auch mit der Serie Spaß. Rund um Weatherly gibt es ein sympathisches Team und abwechslungsreiche Fälle. Und so hat es die Serie tatsächlich geschafft, in einem etwas ausgelutschten Genre ein wenig frischen Wind hinein zu bringen. Mehr will sie auch gar nicht. Und im Quervergleich muss man sagen, dass Weatherly damit rechtzeitig den Absprung vom Dauerläufer NCIS geschafft hat.

Hindafing (Staffel 1 / 6 Folgen) – 7 von 10

Alfons Zischl (Maximilian Brückner) ist Bürgermeister der kleinen Gemeinde Hindafing und versucht aus den Fußstapfen seines Vaters zu treten. Gar nicht so einfach, hat er doch mit beruflichen und privaten Problemen zu kämpfen. In dem kleinen Ort kennt jeder jeden, aber man kann es nicht jedem recht machen. Sein neues Vorzeigeprojekt, das Donau Village, droht zu scheitern und dann will ihm die Landesregierung auch noch ein Flüchtlingsheim aufs Auge drücken. Viel zu tun! Die Serie wurde als bayerisches Fargo angekündigt, ist aber eher eine Variante von Braunschlag aus Österreich, ohne aber dessen Skurilität und Dramatik zu erreichen. Unterhaltsam ist das trotzdem, was vor allem am ewig leidenden Brückner liegt.

Lethal Weapon (Staffel 1 / 18 Folgen) – 7 von 10

Roger Murtaugh (Damon Wayans) vom L.A. P.D. bekommt den ehemaligen US-Seal Martin Riggs (Clayne Crawford) neu zur Seite gestellt. Dieser hat grade erst bei einem Unfall seine Familie verloren und ist seitdem stark depressiv. Die beiden treten in die großen Fußstapfen von Mel Gibson und Danny Glover, die die Figuren in vier tollen Kinofilmen verkörpert haben. Daran kommt die Serie nicht heran, trotzdem macht das Remake Spaß. Die Chemie zwischen den beiden stimmt, die Fälle sind spannend und nicht zu episch und es gibt ordentlich Action. Und man macht nicht den Fehler, jeden Witz aus den Filmen nach zu machen. Wenn man jetzt noch die Nebenfiguren etwas stärker ausbaut – besonders Scorsese (Jonathan Fernandez) bitte – und dafür nicht immer wiederholt, wie schlecht es Riggs geht, ist da auch noch etwas mehr drin.

Sherlock (Staffel 4 / 3 Folgen) – 6 von 10

Hat Sherlock nach der mauen Vorgängerstaffel wieder die Kurve bekommen? Nicht durchgängig, die Qualität der drei Fälle war sehr schwankend. Die sechs Thatchers zum Auftakt überzeugt gar nicht und ist eine selbstverliebte Schnitzeljagd der Autoren, auf die sie Sherlock (Benedict Cumberbatch) schicken. Im besten Fall der Staffel, Der lügende Detektiv, bekommen es Sherlock und Watson (Martin Freeman) mit dem mächtigen Mr. Smith (Toby Jones) zu tun, der ein sehr dunkles Geheimnis hat. Zur Aufklärung verfolgt Sherlock einen äußerst gewagten Plan. Das letzte Problem als Abschluß steckt die beiden Helden zusammen mit Mycroft (Mark Gatiss) in einen gefährlichen Parcours, der so auch auf dem Fantasy Filmfest hätte laufen können. Nur würde der dort mit Antihelden spannender besetzt sein als hier mit den hoch-intelligenten Holmes-Brüdern. Dafür bot die Aufklärung am Ende reichlich Drama. Insgesamt schnupperte Staffel 4 damit wieder stellenweise an den einstigen Höhen der Serie, stutz sich aber immer wieder selbst auf Normalmaß.

Suits (Staffel 6 / 16 Folgen) – 7 von 10

Deal or no deal? So viel wie hier ausgehandelt wird abseits des Gerichtssaals, lässt einen keinen guten Eindruck des amerikanischen Rechtssystems haben. In dieser Staffel wurde es besonders schlimm, besonders in Zusammenhang mit Mikes (Patrick J. Adams) Aufenthalt im Gefängnis. Währenddessen versuchen Jessica (Gina Torres), Harvey (Gabriel Macht) und Louis (Rick Hoffmann) bei ihrer Kanzlei zu retten, was noch zu retten ist. Die Serie hält weiterhin ein gutes Niveau, was vor allem an den tollen Hauptfiguren liegt. Sonst muss man leider kritisieren, dass die Knast-Story nicht so ganz überzeugt und die dramatischen Wendungen dieses Mal fast Soap-Niveau haben. Und wegen “The Donna” hätte ich fast noch einen weiteren Punkt abgezogen. So gab es nur einen Knaller Mitte der Staffel, der wirklich unter die Haut ging.

Z Nation (Staffel 3 / 15 Folgen) – 6 von 10

Nach der ehen mauen The Walking Dead Staffel hat nun Z Nation die Aufgabe, die Ehre des Zombiegenres zu retten. Und das gelingt in der dritten Staffel leider nicht so gut wie bei den Vorgängern. Auch hier machte man nun den Fehler, die Gruppe zu sprengen und einzelnen Figuren ganze Episoden zu geben. Nur können das hier die Schauspieler nicht so richtig tragen. Murphy (Keith Allan) schwingt sich zum Herrscher über eine Siedlung auf und verspricht seinen Anhängern einen Impfstoff gegen das Zombie-Virus. Allerdings müssen diese eine hohen Preis dafür zahlen. Währenddessen versuchen Doc (Russel Hodgkinson) und Addy (Anastasia Baranova) Murphy Tocher zu finden, die ebenfalls immun zu sein scheint. Das ganze zieht sich in dieser Staffel ungewohnt lang und nicht alle Ideen der Autoren zünden. Am besten ist die Serie immer noch dann, wenn sie sich selbst nicht zu ernst nimmt, wie bei der Wahl des Präsidenten, als einer der Kandidaten verspricht, eine Mauer gegen die Zombies zu errichten – erbaut von den Zombies selbst, oder wenn die Ideen richtig krank werden, wie bei den drei Grazien, die den Doc bezirzen wollten. Und dann dieser fantastische Back to the Future – Moment… Mehr von solchen Ideen bitte, Drama können andere besser.

Ein neues Highlight steht im Juli an: Die finale Staffel von Bates Motel läuft ab dem 18. auf Universal Channel, hoffentlich ein würdiger Abschluß. Davon abgesehen bringt VOX bereits am 5. die 3. Staffel von How To Get Away With Murder ins Free-TV. Wer Sat 1 Emotions empfängt, kann sich ab dem 7. die mittlerweile 6. Staffel von Homeland ansehen. Bei den Neustarts zeigt 13th Street ab dem 12. das selbstproduzierte Culpa und RTL Crime ab dem 25. den Ableger The Blacklist: Redemption. Und auf Netflix startet bestimmt irgendetwas mit Superhelden.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 1 (Me First And The Gimme Gimmes). Gekaufte Konzerttickets: 2 (Portugal, The Man und das Doppelkonzert von den großartigen The Regrettes und von SWMRS – beides im September).

In diesem Monat bin ich über einige neue Sachen gestolpert, so dass die Auswahl recht schwer fiel. Gesetzt ist aber natürlich die erste Solo-Single von Liam Gallagher. Dieser schneint stimmlich wieder voll auf der Höhe zu sein, wie seine Auftritte bei One Love Manchester und in Glastonbury bewiesen. Und auch Wall Of Glass ist erfreulich gut gelungen und klingt etwas moderner als die Sachen von Beady Eye, ich hatte ja leichte Zweifel.

Zur Abkühlung bei den sommerlichen Temperaturen in diesem Monat gibt es nun noch etwas Musik aus Island. Sólstafir haben mit Berdreyminn ein neues Album veröffentlicht, was seinem Vorgänger in wenig nach steht. Der Eröffnungstrack Silfur-Refur zeigt schon deutlich, wo es lang geht. Die Mischung zwischen laut und leise stimmt, die Band selbst spricht offenbar von Viking Metal, einer Musikrichtung, von der ich noch nie gehört habe, aber mir sehr gut vorstellen kann, wie sie klingt.

*** Foodpic des Monats ***

Heute mal: Libanesisch. Eine Best-Of Platte als Mittagsmenu, mit Humus, Tambule und gefüllten Teigtaschen. So gegessen im Cardamom.

*** Foto des Monats ***

Meine erste Scorecard beim Minigolf seit – ungelogen – Jahrzehnten. 54 Schläge auf einer 18er Bahn, das ist natürlich noch ausbaufähig.

*** Frage des Monats ***

Buchempfehlungen bitte? Irgendetwas aus dem Bereich Drama wäre ganz nett, zur Abwechslung mal kein Thriller oder Abenteuerroman.

Und das war’s für diesen Monat. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

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Ein Wochenende in Berlin – Summer Edition

Ich war mal wieder in Berlin. Aus irgendwelchen Gründen ballt sich das nun seit fast zwei Jahren. Dieses Mal war es aber kein beruflicher Anlass, sondern eine Freundin aus Buenos Aires war auf einer Rundreise durch Europa, und diese führte sie nach Berlin. Und da es nicht so viele Gelegenheiten gibt, wo wir uns sehen können, flog ich am Donnerstag nach der Arbeit für ein Wochenende nach Berlin.

Da sie das erste Mal in Berlin war, entschieden wir uns für eine Rundfahrt mit einem Hop-On/Hop-Off Bus. Zwei Tage, zwei Touren. Und so saßen wir lange auf dem Oberdeck des Busses, der Fahrtwind wehte uns um die Nase, der Sonnenbrand danach sollte mir noch gut eine Woche erhalten bleiben. Die Erklärungen im Bus waren ganz launig, das muss ich zugeben, und wir stiegen auch oft aus, um uns die Sachen aus der Nähe anzuschauen. Vieles kannte ich davon zwar schon, aber Berlin kann man sich ja öfter anschauen. Hier ein paar unvollständige Schnappschüsse.

Zum Essen waren wir an einem Abend im – so muss man es als Tourist wahrscheinlich sagen – Szenebezirk Prenzlauer Berg und besuchten dort Grindhouse Burger. Der Laden ist wirklich zu empehlen, vielen Dank an Ines für den Tipp! Danach waren wir noch für einen Absacker auf der sehr schönen Terrasse von Tauro. Kann man sich auch mal merken. Am nächsten Abend waren wir schließlich sehr gut Pasta essen, überraschenderweise am Wittenbergplatz, wo ich eher solide Touristenkost erwartet hätte. Aber die Carbonara im Nuovo Antica Roma waren die Besten, die ich seit langem gegessen hatte.

Den Sonntag verbrachte ich dann alleine in Berlin – ihr Flug weiter nach Amsterdam ging bereits um sechs Uhr morgens! Was für eine unchristliche Zeit. Ich drehte mich dann lieber noch einmal im Bett rum und fuhr später zur Museumsinsel, um mir die berühmte Ägyptische Sammlung im Neuen Museum anzuschauen. Die Nofretete gilt ja unter Stadtführern als schönste Frau Berlins. Aber darf leider (heutzutage) nicht mehr fotografiert werden. Wikipedia hilft deshalb mit einem Bild aus.

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Von Rüdiger Stehn from Kiel, Deutschland – 07 Berlin-Klassenfahrt 1979: Nofrete-Büste, Ägyptisches Museum, CC BY-SA 2.0, Link

Zur Abkühlung gönnte ich mir danach eine schöne Berliner Weiße in einer der Bars am Spreeufer. Und das war es dann auch schon wieder mit Berlin. Zurück ins Hotel, meinen Koffer abholen, und weiter zum Flughafen Tegel. Berlin, das nächste Mal sehen wir uns zum Lollapalooza wieder!

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Eschbach: Der Jesus-Deal (2014)

Vor etlichen Jahren habe ich den Roman Das Jesus-Video von Andreas Eschbach gradezu verschlungen. Eine spannende Abenteuer-Mystery-Was-wäre-wenn Geschichte, ein echter Schmöker. Daraus ist ein leidlicher Pro 7 – Zweiteiler entstanden, danach geriet der Roman etwas in Vergessenheit. 2014, und damit 16 Jahre später, hat Andreas Eschbach die Fortsetzung dieser spannenden Geschichte veröffentlicht. Kann sie mit dem ersten Band mithalten?

Michael Barron ist 14 Jahre alt, als sein Vater – ein schwerreicher und strenggläubiger Christ – beginnt, ihn auf eine unglaubliche Mission vorzubereiten. Er will Michael zusammen mit einer kleinen Reisegruppe in die Vergangenheit schicken, um dort Videoaufnahmen von Jesus anzufertigen. Zur gleichen Zeit kämpf John Kaun – Jahre, nach dem er das Jesus-Video in die Finger bekam – nun als geläuteter Familienvater um das Leben seiner Tochter.

Geschichten um Zeitreisen können einem gerne einen Knoten ins Hirn winden. So auch diese hier. Hier wird die Idee vertreten, dass man die Zeit nicht abändern kann. Wenn man also heute weiß, was morgen passiert, wird es auch passieren, man kann es nicht ändern. Der Weg dahin ist damit eine Mischung aus Schicksal und selbsterfüllender Prophezeihung.

Eschbachs Fortsetzung ist ebenfalls wieder sehr spannend, entwickelt sich aber anders, als man nach dem ersten Teil vermutet hätte. Es dauert lange, bis die Hauptfiguren aus Band 1 wieder auftauchen. Stattdessen erfährt der Leser zuerst sehr viel darüber, wie denn die Zeitreise vorbereitet wurde und welche Absichten dahinter steckten, damit John Kaun und Stephen Foxx im ersten Band das titelgebende Jesus-Video finden können. Im weiteren Verlauf verknüpft Eschbach das private Schicksal der kleinen Tochter von Kaun mit der epischen Bedrohung der Apokalypse. Das überraschende: Beide Stories funktionieren.

Sprachlich ist das Buch sehr gut geschrieben – leicht zu lesen mit einer lebendigen Spache, ohne dass der Leser den Überblick über die vielen Orte und Personen verliert. Es strotzt vor Ideenreichtum, die Recherchearbeit des Autors lässt sich nur erahnen. Allerdings fühlt sich manches äußerst konstruiert an und die Pläne erinnern an die Superschurken aus 70er-Jahre James Bond Filmen. Auch den Titel des Buches darf man hinterfragen. Wann gab es denn bitte einen Deal?

Das soll aber das Lesevergnügen nicht schmälern. Der Jesus-Deal ist eine gelungene Fortsetzung, die sich anders entwickelt als erwartet, aber fast genau so spanned ist wie der erste Band. Eine Leseempfehlung für alle, die bereits den Vorgänger kennen.

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Südkorea 2017: III Busan

Von Cheonan aus brachte der Zug mich pünktlich und sicher nach Busan, Südkoreas zweitgrößter Stadt und direkt am Meer gelegen. Mit einem Taxi legte ich die letzte Strecke vom Bahnhof zu meinem Hotel im Stadtteil Haeundae zurück und als ich mein Zimmer betrat, war die Freude groß: Meerblick!

Der Strand war also direkt vor der Tür, genau wie eine größere Straße, in der sich unzählige Restaurants und 24/7 Märkte tummelten. Die waren mir aber erst einmal egal, es ging direkt an den breiten Strand. Liegestühle und Sonnenschirme fanden sich zu dieser Jahreszeit noch nicht, es war auch noch etwas frisch, so dass man mit einer dünnen Jacke nicht verkehrt lag. Für einen kleinen Strandspaziergang vor der eindrucksvollen Hochhauskulisse war das aber ideal. Haeundae ist Südkoreas Copacabana.

Am Westende des Strandes lag eine kleine Halbinsel mit Leuchtturm, an dessen Ufer eine kleine Meerjungfrau zu sehen ist. Von der anderen Ecke der Halbinsel hatte man einen sehr schönen Blick auf die riesige Gwangan-Brücke, welche die ganze Bucht überspannte. Ebenfalls hier fand sich The Bay 101, ein Yacht-Club mit einigen Restaurants. Der Höhepunkt war aber der Blick auf die Bucht und auf die Wolkenkratzer gegenüber. Wenn dort die Lichter angingen, dann haut der Ausblick einen um. Beim Warten auf die Dämmerung holte ich mir hier eine Portion Fish & Chips – keine Offenbarung, aber man machte damit nichts falsch.

Am nächsten Tag wollte ich mir das Stadtzentrum von Busan ansehen und fuhr mit der Metro zurück zur Main Station. Fast eine Stunde brauchte ich für diese Strecke – an diese Dimensionen musste man sich erst gewöhnen. Ich wollte zum Busan Tower im Yongdusan-Park. Der Tower war nicht zu verfehlen, allerdings auch nicht zu besichtigen. Umbaumaßnahmen. So viel dazu. Also ging ich zurück ins Shoppingviertel. Erst im modernen Teil (wo ich mir ein paar Sneaker gönnte), danach irrte ich ein wenig im traditionellen Teil umher. Die Suche nach der nächsten U-Bahn sollte dann noch einmal ein wenig dauern.

Da ich die Tageskarte für die Metro nun schon hatte, wollte ich sie auch richtig ausnutzen und fuhr mit ihr bis in den Nordteil der Stadt, um den Beomeosa Tempel zu sehen. Raus aus der hektischen Großstadt, lag der Tempel dort völlig im Grünen, eine Oase der Ruhe. Die letzten Reste des Laternenfestes wurden grade beseitigt, einige traditionelle Laternen hingen allerdings noch.

Von dort fuhr ich mit dem Taxi (jaja) zurück zur Metro und mit der zurück ins Hotel. Mittlerweile war es Abend, ich brauchte etwas zu essen. Direkt neben dem Hotel lag ein Restaurant mit dem viel versprechenden Namen Thursday Party Burger & Pasta, das wäre doch ein dankbares Motiv für Instagram! Der Burger war tatsächlich gut, klare Empfehlung also. Danach ging ich noch etwas trinken in der nahe gelegenen Muse on Lp Bar – gute, westliche Rock-Musik, schöne Bierauswahl, aber leider schlecht besucht an dem Abend.Der nächste Tag war dann mein erster und einziger Regentag im gesamten Urlaub. Viel machte ich daher nicht, holte mir mittags nur ein paar Dumblings auf dem Haeundae-Markt und fuhr am Nachmittag in ein riesiges Kaufhaus der allgegenwärtigen Lotte-Gruppe. Nebendran war das Vorzeigekino der Busaner Filmfestspiele – es fand an dem Nachmittag aber keine englischsprachige Vorführung statt, die mir zu sagte.

Der letzte Tag bot dann noch einmal ein besonderes Highlight meiner Reise. Ich fuhr mit dem öffentlichen Bus – Moment, das war es noch nicht – vor die Tore von Busan und besuchte dort den Tempel Haedong Yongungsan. Während man bei vielen anderen Tempeln einige Treppenstufen hinauf steigen musste, um sie zu besichtigen, war es hier andersrum: Über eine lange Treppe musste man nach unten – der Tempel lag nämlich direkt am Meer. Eine fantastische Location. Die Meeresbrandung auf der einen Seite, der Tempel auf der anderen. Allerdings muss man auch zugeben, dass dieser hier von allen Tempeln, die ich gesehen hatte, der touristischste war, mit vielen Souvenirshops und Essensständen vor dem Eingang. Eindrucksvoll was das trotzdem.

Zurück in der Stadt spazierte ich am Abend noch ein wenig am Strand entlang und verabschiedete mich innerlich von diesem tollen Land. Gerne wäre ich noch etwas länger geblieben, es war wirklich ein toller Urlaub.

Und damit endete meine Reise nach Südkorea. Den Abreisetag hatte ich mir selbst etwas stressig gestaltet: Mit dem Taxi fuhr ich in aller Frühe vom Hotel zum Hauptbahnhof in Busan und nahm von dort den direkten Schnellzug zum Flughafen in Seoul-Incheon. Der Zug reicht dicke, um den Rückflug nach München am frühen Nachmittag zu erreichen und ein letztes Bibimbap am Flughafen zu essen. In München landete ich schließlich um kurz nach 20 Uhr Ortszeit und war um viertel vor zehn endlich wieder in meiner Wohnung. Knapp 22 Stunden, nach dem ich mein Hotel in Busan verlassen hatte.

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Die Kosten: Insgesamt war ich zwei Wochen in Südkorea. Für den Hin- und Rückflug von München nach Seoul mit der Lufthansa bezahlte ich 880€. Vor Ort bin ich mit der Bahn gefahren, das geht durch die relativ kurzen Distanzen recht schnell und kostet auch kein Vermögen. Zusammen mit den Hotelkosten – und ich habe weder in günstigen Hostels noch in teuren Luxusherbergen gewohnt – belaufen sich die Gesamtkosten für alles zusammen auf ziemlich genau 2.000€. Taschengeld vor Ort geht noch mal extra, wobei das Essen etwas günstiger war als in Deutschland, aber natürlich nich an südostasiatische Preise heranreicht.

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I: SeoulII: DMZ & CheonanIII: BusanOuttakes

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Me First and the Gimme Gimmes

Wie oft kann man einen Witz wiederholen, bevor er langweilig wird? Wenn es nach den Me First and the Gimme Gimmes geht, dann wohl so einige Male. Sie sind eine US-Coverband, die bekannte Songs in der Geschmacksrichtung Punkrock spielen. Die Mitglieder sind hauptberuflich in solchen Bands wie Bad Religion, Foo Fighters oder Lagwagon unterwegs. Hier touren sie hobbymäßig durch wesentlich kleinere Hallen – und haben sichtlich ihren Spaß.

Die Fans ebenso, die Stimmung im Backstage war richtig gut – in der Mitte wurde immer ausgelassener gepogt, an den Seiten lauthals mitgesungen. Die Band hatte an diesem Abend die großen Hits dabei, die Hits der anderen. Highlights waren ihre Versionen von Jolene (Dolly Parton), All My Loving (Beatles), I Will Survive (Gloria Gaynor), Mandy (Barry Manilow), Country Roads (John Denver), Heroes (David Bowie, auf deutsch), Uptown Girl (Billy Joel) und natürlich I Believe I Can Fly (R. Kelly). Mag man sich vielleicht bei teilweise faden youTube Clips nicht vorstellen, aber live ist das großes Kino! Immer kurz vor der Hermes House Band, aber immer die Kurve bekommend. Anderthalb Stunden Punkrock Songs, da wächst die Setlist schnell an.


(Alles keine Live-Videos aus München, egal. Mittlerweile kann er den Text von Uptown Girl auch auswendig). Wer sie mal auf einem Festival sehen kann, unbedingt hingehen!

Als Vorband war übrigens The Prosecution mit dabei, eine mir bis dazu unbekannte deutsche Ska-Punkband. Die machten und hatten auch Spaß, ein paar Bläser auf der Bühne sind ja nie verkehrt. Im Herbst auf eigener Tour.

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