WM Splitter 2018 – Teil 2

Als der Himmel über Moskau seine Schleusen öffnete, war alles entschieden: Frankreich ist neuer Fußball-Weltmeister, zum zweiten Mal. Zwischen goldenem Konfetti und dicken Regentropen stemmen die französischen Spieler die bedeutendste und vielleicht auch schönste Trophäe  des Fußballs in den Moskauer Abendhimmel.

Frankreich ist der verdiente Weltmeister. Im Finalspiel gegen Kroatien war zwar auch etwas Glück dabei und dass der Gegner sich teilweise selbst schlug, aber der Weg ins Finale war souverän eindrucksvoll und effizient. Alle K.O.-Spiele in 90 Minuten gewonnen (während Kroatien jedes Mal in die Verlängerung oder das Elfmeterschießen musste) und dabei Gegner wie Argentinien, Uruguay und Belgien ausgeschaltet. 14 Tore erzielt, nur Belgien hatte mehr.

In diesem Jahr waren Standards so gefragt wie nie. Gut 40% der Tore sind so gefallen. Das machte das Spiel nicht grade attraktiver. Aber ist eine direkte Reaktion darauf, dass defensiv gut stehen mittlerweile die meisten Teams beherrschen. Auf der anderen Seite steht das frühe Ausscheiden von Deutschland und Spanien auch (hoffentlich) für das Ende des Ballbesitz-Fußballs à la FC Barcelona oder Bayern München. Den Ball von links nach rechts in die Mitte und wieder nach links zu spielen, in der Hoffnung irgendwo eine Lücke in der gegnerischen Abwehrkette aufzureißen, hilft nicht, wenn es zu träge gespielt wird. Statt dessen wird Pressing und Gegenpressing, den Gegner also bei seinem Ballbesitz frühzeitig unter Druck zu setzen, immer wichtiger. Mexiko und Südkorea haben es in ihren Spielen gegen Deutschland schön gezeigt. Es würde mich nicht wundern, wenn wir demnächst immer öfter einstudierte Konter und Tempogegenstöße sehen werden, mit fest gelegten Laufwegen der Angreifer. American Football läßt grüßen.

Zu so einer Weltmeisterschaft gehört für mich auch immer, so viele Spiele wie möglich zu sehen. Ganz egal, wie gut Deutschland abschneidet, geguckt wird, was geht. In diesem Jahr habe ich von den insgesamt 64 Spielen ganze 46 gesehen oder nebenbei gesehen. Das sind ungefähr 70%! Nach einem etwas schwachen Start wurden die Spiele nach und nach besser und offener. Wobei dann natürlich in der K.O.-Phase die Dramatik immer weiter anstieg. Das hier waren die unterhaltsamsten Spiele:

6. Gruppe D: Argentinien – Kroatien 0:3 – Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte ziehen die Kroaten in der zweiten Halbzeit mit einer starken Chancenverwertung die Südamerikaner ab. Damals noch hauptsächlich als Abgesang auf Argentinien verstanden, war es letztlich der Aufgalopp des Finalisten.

5. Finale Frankreich – Kroation 4:2 – So viele Tore sieht man selten in einem Finale. Eigentore, Videobeweis, strittige Freistöße und kapitale Torwartfehler – es war einiges geboten. Das war nicht immer hochklassig, aber stellenweise tragisch.

4. Viertelfinale Brasilien – Belgien 1:2 – Belgien geht durch ein Eigentor früh in Führung und kann diese sogar noch ausbauen. Danach drückt Brasilien, kommt immer öfter zum Abschluß und verzweifelt an Torwart Courtois. Brasilien noch das beste Team im Turnier, das komplett auf Ballbesitz setzt, Neymar zeigt, dass er nicht nur am Boden gut ist – aber es hilft nichts. Raus mit 26 zu 8 Torschüssen.

3. Achtelfinale Belgien – Japan 3:2 – Nach einer eher ruhigen erste Hälfte schießen die Japaner in fünf Minuten zwei Tore und machen die Falltür für den ewigen Geheimfavoriten weit auf. Doch diese drehen das Spiel und netzen in der Nachspielzeit durch einen Bilderbuchkonter zum Siegtreffer ein.

2. Gruppe B: Portugal – Spanien 3:3 – Ein früher Appetithappen auf diese WM, bevor in den Tagen danach eine gewisse Ernüchterung eintrat. Die beiden großen Teams liefern sich ein enges Match, auf der einen Seite Ronaldo mit drei Treffern, auf der anderen Seite Coach Hierro, wenige Tage nach seinem Amtsantritt. Zu dem Zeitpunkt konnte keiner ahnen, dass beide Teams nach dem Achtelfinale schon raus sein würden.

1. Achtelfinale Frankreich – Argentinien 4:3 – Das Spiel dieser WM! Es geht hin und her – zunächst dreht Argentinien das Spiel, bis Pavard den Hammer raus holt und Mbappé den Turbo zündet und sie das Spiel in 11 Minuten für Frankreich gewinnen.

Neben diesen Spielen gab es natürlich auch einzelne Szenen, die gerne im Kopf bleiben dürfen. Aus deutscher Sicher am meisten natürlich der Freistoß-Knaller von Kroos in der Nachspielzeit zum letztlich bedeutungslosen Siege gegen Schweden. Von der Bedeutung her vergleichbar mit dem ersten WM-Tor von Panama. Beim aussichtslosen Stand von 0:6 gegen England erzielte der eingewechselte Felipe Baloy den Ehrentreffer, die Fans im Stadion konnten ihr Glück kaum fassen. Und dann gab es natürlich noch diese Szene von Piqué:

Auch das darf natürlich nicht fehlen: Die Elf der WM 2018! Wenig überraschend dieses Mal ohne deutsche Beteiligung, auch die Spanier und Argentinier sucht man vergeblich.Auf der Bank: Pickford (England), Lovren (Kroatien), Granqvist (Schweden), Stones (England), de Bruyne (Belgien), Kanté (Frankreich), Perisic (Kroatien), Kane (England), Cavani (Uruguay), Ronaldo (Portugal)

Und schließlich noch das firmeninterne Tippspiel. Nach einem furchtbar schlechten Start und im nachhinein abstrusen Bonus-Tipps, konnte ich ab dem Viertelfinale noch mal deutlich zu legen und mich ins Mittelfeld vorkämpfen. Platz 7 von 15, immerhin. Die Podiumsplätze blieben aber in weiter Ferne.

Nächstes Wochenende geht es für mich übrigens nach Paris, ist aber wohl eine Woche zu spät für die Feierlichkeiten.

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3 Responses to WM Splitter 2018 – Teil 2

  1. Nicole says:

    Ich war ja echt genervt wie viele sich über den WM-Sieg von Frankreich aufgeregt habe. Ja sie hatten im Finale Glück, ja der Freistoß war nicht gerechtfertig und ja, denn Elfmeter konnte man geben, musste man aber nicht. Was dabei alle aber zu vergessen scheinen: die zwei Tore aus dem Spiel heraus waren klasse und auch Frankreichs Weg bis zum Finale grandios. Für mich stand ja seit dem Spiel gegen Argentinien fest (auch eines meiner Lieblingsspiele), dass sie Weltmeister werden, nur hatte ich da noch getippt, dass sie gegen England im Finale stehen würden. In der Vorrunde habe ich ja ehrlich gesagt meist nur die deutschen Spiele verfolgt, aber ab der K.O. Runde dann alle gesehen. Dadurch das ich meine Bachelorarbeit hinter mir habe, hatte ich jetzt etwas Freizeit und das kam zur WM natürlich gelegen. Spielerisch werden mir definitiv Pavard, Mbappè, Hazard, Modric, Kane und Pickford in Erinnerung bleiben, die echt tolle Leistungen abgeliefert haben.

    • Nicole says:

      Dann hoffe ich du klickst auch auf den, wo ich die Serie noch etwas genauer vorstelle :) . Habe da schon ne Idee im Kopf und möchte die nun in den kommenden Tagen umsetzen. Waaas noch weniger als jetzt bei Staffel 5? Da war ich jetzt schon enttäuscht, dass ich mit 20 Folgen vorlieb nehmen muss. Schade, dass sie das noch weiter runtergeschraubt haben. Bin aber mal gespannt wie dein Fazit zur finalen Staffel ausfällt.

      • Nummer Neun says:

        Oh na da klick ich auf jeden Fall! :) Bei FOX kommen dann glaube ich wieder zwei Folgen pro Woche und da stellt sich wieder die Frage: Jede Woche schauen oder die Folgen ansammeln?

        Na gut, ich hatte ja Spanien als Weltmeister getippt und lag damit ja ziemlich daneben :) Aber je länger die WM ging, desto mehr wurde Frankreich der Favorit.

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