Der Monatsrückblick Februar 2018

Ich sag es ganz ehrlich: Ich hätte nichts dagegen, wenn der Winter langsam mal vorbei wäre. Keine Kälte mehr, kein Schnee, keine dicken Jacken, keine kleinen Steinchen, die in den Schuhsohlen fest stecken. Das wäre doch was!

Schön war auch das Eishockey Märchen der Deutschen Nationalmannschaft bei Olympia. Habe ich Viertel- und Halbfinale noch im Stream im Büro verfolgt, bin ich für das Finale am Sonntag dann tatsächlich um fünf Uhr aufgestanden. Da ich dieses Wochenende in der Heimat war, haben sich meine Eltern dann im Laufe des Spiels dazu gesellt. Auch insgesamt bot die zweite Woche in PyeongChang noch mal einige, schöne Momente.

*** Kino ***

Mein Kinojahr läuft noch nicht so ganz rund, aber wenigstens habe ich es einmal ins Kino geschafft.

Die Verlegerin 8 von 10

Bei der Washington Post schaut man neidisch zu den Kollegen der New Yorker Times, die durch die teilweise Veröffentlichung der Pentagon Papers für sehr viel Aufsehen gesorgt haben – bis die Regierung die weitere Verbreitung dieser Dokumente verbieten ließ. Als der Chefredakteur der Post, Ben Bradlee (Tom Hanks), über Umwege (und dank Bob Odenkirk, in einer tollen Nebenrolle) ebenfalls Zugriff auf die Papers erhält, müssen sich er und die Herausgeberin der Post (Meryl Streep) entscheiden, ob sie die Daten veröffentlich wollen, und ob ihnen die Pressefreiheit wichtiger ist als das nationale Interesse. Für Regiseuer Steven Spielberg war dieser Film im Zeiten von Fake News ein Herzensprojekt, für das er einige hochkarätige Schauspieler verpflichten konnte. Hanks habe ich lange nicht mehr so frisch gesehen und dass Streep, laut Donald Trump ja eine der meist überschätzten Schauspielerin Hollywoods, diese zentrale Rolle spielt, ist wohl auch etwas mehr als nur Zufall. Der Film ist recht straff inszeniert, sehr dialoglastig und – Spielberg-like – ab und an etwas an Pathos triefend. Das kann man aber verschmerzen, ist es doch ein wichtiges Thema, was hier mit leichter Hand inszeniert wurde.

*** Serien ***

Literweise Kunstblut ist in diesem Monat für den Serienrückblick drauf gegangen, es ist nichts für zarte Gemüter. Aber es kann ja auch nicht immer nur die anspruchsvolle Kunst sein.

Californication (Staffel 6 / 12 Folgen – Netflix) – 7 von 10

Die Geschichte von Hank Moody (David Duchovny) – dem feuchten Traum aller Autoren – geht weiter. Dieses Mal findet er sich zu Beginn der Staffel in einer Entzugsklinik wieder und trifft dort auf die Muse Faith (Maggie Grace). Außerdem möchte der Rockstar Atticus Fetch (Tim Minchin) mit ihm ein Broadway Musical aus seinem Roman machen. Währenddessen läßt Charly Runkel (Evan Handler) nichts unversucht, um an einen neuen Klienten zu kommen. Nach einem etwas müden und konstruierten Auftakt bekomme die Staffel doch noch die Kurve und zeigt hinten raus wieder das, was die Serie ausmacht: Das große Herz für Freunde und Familie. Und während Charlie von einer Peinlichkeit in die nächste stolpert, wurde Hank über die Jahre etwas ruhiger.

Punisher (Staffel 1 / 13 Folgen – Netflix) – 8 von 10

Ex-Soldat Frank Castle (Jon Bernthal, dem die Rolle auf den Leib geschrieben ist) ist gar nicht tot! Stattdessen arbeitet er zu Beginn auf einer Baustelle und will einfach seine Ruhe, bis die Umstände den wahren Castle wieder hervor kitzeln: Eigenbrötlerisch, rachsüchtig und brutal. Im Laufe der ersten Folgen wird dem ruhigen Castle der ewig moralisierende Bastler David (Ebon Moss-Bachrach) zur Seite gestellt – Hirn und Faust sozusagen. Beide haben auf unterschiedliche Art und Weise ihre Familien verloren. Auf Castles Spuren befindet sich die FBI Agentin Madani (Amber Rose Revah), die sich auf eine Affäre mit dem Kriegsveteran Russo (Ben Barnes) einläßt, der aber seine eigenen Ziele verfolgt. Die Serie schafft den schwierigen Spagat zwischen der harten Brutalität, die weit weg ist von irgendwelcher Comic-Action und teilweise nur schwer zu ertragen ist, und einer gelungenen Charakterzeichnung von Castle, der seiner eigenen Moralvorstellung folgt. Verlust und Traumabewältigung stehen im Fokus dieser Marvel-Serie, die neben der Gewaltdarstellung von ihren starken Figuren lebt. Und so auch den leichten Hänger in der Mitte der Staffel übersteht.

Santa Clarita Diet (Staffel 1 / 10 Folgen – Netflix) – 4 von 10

Sheila (Drew Barrymore) und Joel Hammond (Timothy Olyphant) sind verheiratet und leben in Santa Clarita. Mit ihrer Tochter Abby (Liv Hewson) haben sie ein komfortables Leben in der gediegenen Vorstadtsiedlung von Santa Monica. Das Leben der Familie nimmt eine dramatisch-komische Wendung, als Sheila sich in einen Zombie verwandelt und nach Menschenfleisch giert. Nach einem dramatisch schlechten Start, als sich die Comedy hauptsächlich auf zweitklassige Kotzwitzchen stützt, ist die zweite Hälfte der Staffel, als etwas mehr Routine in den neuen Alltag des Hammond’schen Haushalt einkehrt, nicht mehr ganz so übel. Um es gut zu finden, fehlt aber noch ein gutes Stück. Zum Beispiel witzige Pointen und gute Drehbücher. Olyphant war ein fantastisch guter, mürrischer Sheriff in Deadwood, als Sidekick in einer Comedy ist er falsch besetzt und seine übertriebene Synchronstimme macht es nicht besser. Und Barrymore knabbert zwar gerne genüßlich an Knochen, rettet die Serie dadurch aber auch nicht.

Slasher (Staffel 2 / 8 Folgen – 13th Street) – 8 von 10

Ein Gruppe von Freunden kehrt im tiefsten Winter zu ihrem einstigen Ferienlager in den kanadischen Wäldern zurück. Sie verbinden ein entsetzlichen Geheimnis mit diesem Ort, an dem sich mittlerweile einige Aussteiger eingerichtet haben. Während die Temperaturen fallen, taucht ein unbekannter Killer auf, der nach und nach brutal Rache nimmt. Auch die zweite Staffel, Guilty Party, verhebt sich nicht an irgendwelchen Ansprüchen, sondern liefert das, was man von einer Serie dieses Namens erwarten kann. Und während das Blut in Strömen fließt, wird das ganze mit einer schlichten Wer-ist-der-Mörder Geschichte kombiniert. Der Rückblick auf die Ereignisse aus der Vergangenheit lassen etwas How To Get Away With Murder Feeling aufkommen und man bekommt den wirkungsvollsten Auftritt einer Kettensäge seit Sharknado präsentiert.

Star Trek: Discovery (Staffel 1 / 15 Folgen – Netflix) – 6 von 10

Nach dem eine Befehlsverweigerung von Commander Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) die Zerstörung ihres Schiffs und einen Krieg mit den Klingonen ausgelöst hat, landet sie etwas später auf Wunsch von Captain Lorca (der starke Jason Isaacs) auf der USS Discovery. Der Chef-Ingenieur Stamets (Anthony Rapp) entwickelt einen experimentellen Antrieb: Mit Hilfe von Sporen ist es dem Schiff möglich, ohne Zeitverzug quasi an jede Stelle des Universums zu springen. Möglicherweise die Geheimwaffe im schwierigen Kampf gegen die Klingonen. Die lang erwartete neue Star Trek Serie macht einiges richtig: Die Figuren sind sympathisch (ja!) und haben ihre Eigenheiten, die Effekte sehen gut aus und es wirkt tatsächlich wie eine modernisierte Version von Star Trek. Überraschenderweise sind es dann tatsächlich eher die Einzelepisoden, die positiv überzeugen konnten, wie z.B. Magic to Make the Sanest Man Go Mad mit Harry Mudd (Rainn Wilson) in einer Zeitschleife, oder Si Vis Pacem, Para Bellum mit dem Außeneinsatz unter Leitung von Saru (Doug Jones). Dagegen verhebt sich die erste Staffel leider ziemlich an dem roten Faden, der die Neuauflage von Star Trek eigentlich hätte auszeichnen sollen. Der Hauptkonflikt mit den Klingonen bleibt blass und uninteressant, im Laufe der Staffel werden immer mehr Twists eingebaut, wo weniger in diesem Fall deutlich mehr gewesen wäre, und die Auflösung mancher Episoden – und vor allem das Staffelfinale – wirken einfach nur naiv. Und warum man das Ganze unbedingt einige Jahre vor der Ära von Kirk & Co spielen lassen musste, wird auch ein Rätsel bleiben, bietet das doch im Star Trek Kosmos viel zu viele Angriffspunkte. Das Fass hätte man nicht aufmachen müssen. Es gibt also noch genug Luft nach oben für die zweite Staffel, in der man mit dem Cliffhanger hoffentlich etwas anzufangen weiß.

Taboo (Staffel 1 / 8 Folgen – RTL II) – 7 von 10

James Delany (Tom Hardy, der die Serie mitproduziert hat) kehrt überraschend zurück ins London des Jahres 1814. Sein Vater hat ihm ein kleines Landstück in Nordamerika vererbt, was von großer, strategischer Bedeutung für die Britische Ostindien-Kompanie ist. Doch er will es ihnen partout nicht verkaufen, sondern selbst bewirtschaften. Woher kommt sein Hass gegenüber der Kompanie? Und welche seltsame Verbindung hat er zu seiner Halbschwester (Oona Chaplin)? Die Story ist gut und schwankt zwischen Historienfilm, Drama und persönlichem Rachefeldzug und bietet auch eine Prise Mystery. Hardy spielt die geheimnisvoll Hauptfigur toll und ist der Mittelpunkt der Serie, da können die anderen Schauspieler nicht ganz mithalten. Die Ausstattung passt und wirkt glaubhaft – technisch macht die Serie also einiges richtig, nur das Herz fehlt etwas, die Hauptfigur, mit der man mitfiebern möchte, die fehlt leider.

Der März bringt einige interessante Serienfortsetzung ins deutsche Pay-TV: Am 6. setzt Sky Atlantic Gomorrha mit Staffel 3 fort, Z Nation geht auf Syfy am 7. in die vierte Runde und Atlanta auf FOX am 8. in die zweite. Am gleichen Tag startet Sky 1 die vierte Staffel von The Goldbergs. Und am 23. kommt Santa Clarita Diet mit der zweiten Staffel zu Netflix – wer’s braucht. Bei den Neustarts scheint Bad Banks auf Arte ganz viel versprechend, wird jedenfalls von den Kritiken sehr gehypt im Moment. Los geht es gleich am 1. Und am 27. startet auf Amazon The Terror, eine neue Gruselserie aus dem ewigen Eis. Sah im Trailer sehr stark aus!

*** Wie geht’s dem KSC? ***

Bilanz: 5 Spiele, 11 Punkte, Platz 4.

Sportlich läuft es weiterhin gut. Dank der stabilen Defensive ist man nun tatsächlich im Kontakt mit dem Relegationsplatz. Wer hätte das vor ein paar Monaten noch erwartet? Etwas dramatischer war dagegen die Situation rund um das Trainingsgelände: Gleich zweimal wurde dort eingebrochen und die Anlage verwüstet. Offenbar von gelangweilten Jugendlichen – früher hätte man sie noch Halbstarke genannt.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 0 (The Menzingers hätten es sein sollen, habe ich krankheitsbedingt aber leider verpasst). Gekaufte Konzerttickets: 4 auf einen Streich (Brian Fallon, Will Varley, Shame und schließlich Frank Turner).

Warum ein Stream oder ein Download niemals eine CD oder gar eine Platte ersetzen kann, zeigt das Debutalbum von Camila Cabello. Mal ehrlich, wer will denn das Cover nur klein auf seinem Abspielgerät sehen? Na eben. Das Album ist dann ein simpel produziertes Pop-Album, die Latino-Rhythmen sind leider nie so stark wie in ihrem Vorzeige-Hit Havana.

Die DMA’s haben dagegen bereits ihr zweites Album für den April angekündigt und dafür dieses schöne Lied veröffentlicht: In The Air – aber ohne ein Phil Collins‘sches Drum-Solo.

*** Foodpic des Monats ***

Heute mal etwas Kost aus meinen Krankheitstagen. Die leckeren Sommerrollen und die tollen Wantans stammen aus dem kleinen vietnamesischen Restaurant aus meiner Ecke, wo man auch mal schnell in der Trainingshose rüber und sein Essen abholen kann. Support your local dealer!

*** Linktipps ***

Ein paar Lesetipps aus den Weiten des Internets:

One Week Ago I Moved To Dubai: Patty über ihren Start in Dubai.

Die 5 besten Entscheidungen in meinem Leben: Jasmin erzählt uns, auf welche Entscheidungen in ihrem Leben sie am stolzesten ist.

Planet Trek fm #15: Wer noch mehr über das Finale von Star Trek Discovery wissen möchte, in diesem Podcast wird vermutlich auch noch das letzte Detail geklärt.

Stumme Rache: Spiegel Online nutzt den Launch von Mute für eine allgemeine Bestandsaufnahme des Netflix-Systems: “Mute ist in seiner unkonzentrierten Fahrigkeit die Folge eines Geschäftsmodells, dessen Augenmerk nicht auf der präzisen Ausgestaltung einzelner Filme liegt, sondern nur auf deren massenhafter Bereitstellung.”

*** Foto des Monats ***

Nach dem Eishockey-Finale war noch verdammt viel Zeit übrig am Sonntag. Bei kaltem und windigem, aber sonnigem Wetter machten wir am Vormittag noch einen kleinen Spaziergang und bekamen danach als Stärkung von meiner Mutter mega-leckere hausgemachte Rouladen serviert. Oh du tolle Hausmannskost!

Und das war’s für diesen Monat. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

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7 Responses to Der Monatsrückblick Februar 2018

  1. Die Verlegerin steht bei uns auch auf der Liste. Freu ich mich schon drauf.
    Bei dem DMA’s Song kann ich leider nicht zustimmen. Der könnte ja tatsächlich auch von Phil Collins kommen. ;-)

  2. Nicole says:

    Das dir “The Punisher” ebenfalls so gut gefallen hat, freut mich zu hören. Ich fand die erste Staffel grandios und kann mich nur anschließen, dass die das Thema verdammt gut umgesetzt haben. War ja echt kein leichtes. IIn meinen Augen der besten Marvel Serien auf Netflix, wo ich mich auf mehr freue. Ansosnten bin ich ja schon gespannt auf Slasher und hoffe, dass es die zweite Staffel flott zu Netflix schafft. Die Serie liefert was sie verspricht. Taboo muss ich hingegen noch schauen, da bin ich noch nicht zu gekommen. Die Aussage zu den Netflix Filmen kann ich nur unterschreiben, da fand ich die meisten bisher auch nicht so gut. Lediglich When we first Met hat mir echt gut gefällt, der ist ganz süß und unterhaltsam, sowie The Christmas Prince, aber Weihnachtsfilme dürfen halt auch kitschig sein.

    • Nummer Neun says:

      Das wird wahrscheinlich noch etwas dauern, bis Slasher auf Netflix erscheint.

      Mit den Marvel-Serien habe ich es sonst ja nicht so. Bei der hier fande ich es ganz angenehm, dass da niemand irgendwelche übernatürlichen Fähigkeiten hatte und es alles recht realistisch gehalten war – von dem, was die Figuren an Gewalt einstecken konnten mal abgesehen :D

      • Nicole says:

        Dann werde ich mir die wohl erstmal sparen ,da Comedy ja eh nicht so mein Genre ist. Bei The Terror bin ich aber auch gespannt, aufgrund des Casts.

  3. Stepnwolf says:

    Soso, ein Frank Turner Ticket hast du also erworben? Welch Überraschung. ;)

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