Süd-Finnland 2013 – Teil II

Sonntag, 5. Mai 2013 – St. Petersburg

Nach einem etwas seltsamen Frühstück an Bord der Princess Maria ging es gleich los: Ab durch die Grenze nach Rußland! Überraschend unkompliziert, an Bord schon das Formular ausgefüllt und schon hatte ich den 72-Stunden Stempel in meinem Reisepass. Hinter der Kontrolle wurden wir schon erwartet: Unser Guide von MariaRose Tours stand mit ihrem Fahrer bereit, um uns die Stadt zu zeigen. Der Ausflug war zwar etwas teurer, aber da wir nur den einen Tag hatten, war eine Privattour eine praktische Sache. Individuell genung, ohne uns selbst um alles kümmern zu müssen. Und die Eintrittskarten für die Hermitage und den Katharinenpalast waren im Preis schon drin und wir sollten später dann einfach immer durch gehen können, ohne an der Kasse in der Schlange stehen zu müssen.Nach dem wir im Wagen Platz genommen hatten, fuhren wir zunächst zur Isaakskathedrale, der größten Kirche der Stadt. Nur ein paar Fahrminuten weiter: Die Hermitage. Leider war der angrenzende Winterpalast zu der Zeit hinter einer Baufassade versteckt, aber auch so war der Platz recht eindrucksvoll. Es war auch ordentlich was los: Eine Bühne war aufgebaut und eine Laufstrecke abgegrenzt, man merkte, es war der zentrale Platz der Stadt.

Im Museum selbst wurden wir von unserem Guide in anderthalb Stunden durchgeführt, man hätte vermutlich auch den ganzen Tag hier verbringen können. So erzählte sie uns einiges zur Geschichte und zur Architektur und zeigte uns die wichtigsten Gemälde der Sammlung, um sie auch ein wenig kunsthistorisch einzuordnen. Ist nicht ganz mein Thema, aber mal ein Original Da Vinci gesehen zu haben ist schon was, was man erzählen kann.Danach ging es direkt weiter nach Puschkin, dort wo der Katharinenpalast steht. Um kurz nach eins waren wir dort. Aber das kam mir nun skurril vor: Obwohl es wohl eine der Top-Sehenswürdigkeiten überhaupt ist, wurden wir mit unseren Tickets durch einen Nebeneingang auf das Gelände gelassen und standen dann nur zu dritt (also wir beide und unser Guide) im menschenleeren Innenhof des Palastes. Während auf der anderen Seite Besucherströme in langen Schlangen auf den Einlass warteten.Unser Guide führte uns durch die Innenräume, alles super restauriert, sehr hell und geräumig, viel Gold und Prunk. Und auf einmal standen wir dann im (rekonstruierten) Bernsteinzimmer (unteres Bild). Man merkte es daran, dass der Raum sehr viel voller war als alle anderen. Sonst fand ich ihn etwas unscheinbar, um nicht sogar zu sagen: Die anderen Räumen mit deren Mix aus Glas und Gold waren wesentlich freundlicher und luftiger.Danach sind wir noch ein wenig durch den Park, bekamen in einem Restaurant ein kleines Menu als spätes Mittagessen serviert und das war es dann auch schon fast mit dem Besuch in Rußland. Die Zeit drängte, es fing an zu regnen und wir wurden wieder zurück nach St. Petersburg gefahren. Vorbei an der Blutkirche zurück zum Hafen. Wieder – erstaunlich schnell – durch die Grenzkontrollen und zurück aufs Schiff.

Tipp des Tages: Im Katharinenpalast darf man überall fotografieren. Nur im Bernsteinzimmer nicht. Unser Guide gab uns dafür den Tipp, in den Nachbarräumen zu fotografieren. Durch die offenen Türen durch. Da würde niemand was sagen. So war es dann auch. System ausgetrickst und wir hatten ein Foto vom Bernsteinzimmer. Auch wenn man es diesem nicht unbedingt ansieht.

Montag, 6. Mai 2013 – Helsinki

Auf das Frühstück an Bord verzichteten wir an diesem Morgen. Statt dessen machten mir auf dem Heimweg einen Zwischenstopp in einem der zahlreichen Robert’s Coffee Filialen für ein Muffin und ein Smoothie. An diesem Tag konnten wir es eh etwas ruhiger angehen lassen, besonders viel stand nicht auf dem Programm. So hatte ich Zeit, mir das entscheidende KSC-Siegtor von Calhanoglu gegen Darmstadt vom Vortag auf youTube rauszusuchen. Kurz vor Schluß erzielt sollte das fast schon der sichere Aufstieg sein, zwei Spieltage vor Schluß.Sportlich ging es weiter: Highlight des Tages war am Nachmittag der Besuch der Hartwall Areena im Norden der Stadt, wo an diesem Tag unser erstes WM-Spiel statt fand: Deutschland gegen die Slowakei. Ein enges Spiel, dass Deutschland letztlich knapp mit 2:3 verlor, obwohl man die letzten Minuten in Überzahl spielen konnte. Aber gereicht hat es nicht. Doppelt bitter, weil es im nachhinein das entscheidende Spiel um die Viertelfinal-Teilnahme war.Rund um die Halle waren einige Sponsorenstände und ein großes Fan-Zelt aufgebaut, im Stadion selbst gab es die hier üblichen Verpflegungsstände, von Hotdog über Pizza Hut bis zum überall präsenten Hesburger. Unsere Plätze in der Halle waren super, wir saßen im Oberrang in der zweiten Reihe und hatten die ganze Halle im Blick. Für ein Kartenpreis von 20€ für dieses Spiel konnte man da nicht meckern. Auch dem Puck konnte man live vor Ort wesentlich besser folgen als im Fernsehen. Neben uns saßen ein paar Deutsche, hinter uns eine Gruppe von lautstarken Slowaken, die sich im letzten Drittel dann im plötzlich vollen Slowakei-Block unten am Eis einfanden.

Nach dem Spiel fuhren wir gleich wieder zurück zu ihrer Wohnung, um dort das Abendspiel zu verfolgen: Gastgeber Finnland gegen die Franzosen.

Tipp des Tages: Die Deutschen werden in Finnland durchaus gerne gesehen, wenn man da mal die Zuschauer beim Eishockey zum Maßstab nimmt. Die meisten neutralen Fans waren mit Deutschland-Fahnen ausgestattet, dazu Saksa-Rufe überall. Wir kamen auf die Frage, woher diese eher untypische Übersetzung kam. Ich dachte da an das alte Volk der Sachsen als Namensgeber, Germany kommt ja auch von den Germanen. Aber woher kommt dann eigentlich deutsch? Vielleicht kann das mal ein Sprachwissenschaftler erläutern.

Dienstag, 7. Mai 2013 – Porvoo

Ausflugstag! Mit dem Bus fuhren wir von Helsinki aus circa eine Stunde bis in die kleine Stadt Porvoo, immerhin die zweitälteste des Landes. Es ist ein nettes Örtchen: Schöne Altstadt mit vielen kleinen bunten Häusern mit Holzfassade. Würden die Kinder von Bullerbü hier lang flitzen – es hätte mich nicht gewundert.Besonders beliebt als Fotomotiv sind dabei die roten Speicherhäuser am Stadtfluß. Wenn die sich im Wasser spiegeln ist das bestimmt ein prima Anblick – nur heute spiegelte sich da nichts, der Himmel war nicht ganz so blau wie in den vergangenen Tagen. Hübsch war es trotzdem.Ebenfalls einen Besuch wert ist der Dom, in dem 1809 die finnischen Adligen dem russischen Zaren ihre Treue schworen.Den Ausflug ließen wir im Cafe Cabriole ausklingen, mit Blick auf den Busbahnhof und auf die reichhaltige Kuchentheke.Tipp des Tages: Finnland ist kein ganz günstiges Reiseland. Unterkunft brauchte ich zum Glück ja nicht, aber beim Essen und Trinken merkte man es. Wie schön, dass es dort dafür einen Service gibt, der in Deutschland fast völlig unbekannt ist: Tablewater for free! Und in Cafes auch Tee und Kaffee. Sehr praktisch.

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