KW 13/2026: Der Astronaut, The Chair Company, Sprints, Fackel, Oderbruch und Triebe

Happy Sunday!

Tja, da war ich wohl bei einem für München historischen Ereignis mit dabei. Am vergangenen Sonntag war ich noch einmal bei der Stichwahl für das Amt des Oberbürgermeisters im Einsatz. Und das Ergebnis schlug einige Wellen. Nach 42 Jahren wird die SPD nicht mehr den Oberbürgermeister stellen, denn die Wählenden entschieden sich mehrheitlich für Dominik Krause, dem Spitzenkandidaten der Grünen.

Eine Revolution ist jedoch nicht zu erwarten. Was zu einem daran liegt, dass sich an den Verhältnissen zwischen den Parteien im Stadtrat nichts verschiebt, zum anderen war Krause bereits in der vergangenen Jahren der stellvertretende Bürgermeister der Stadt, so dass er letzlich „nur“ eine Stufe nach oben rutscht. Das Signal ist trotzdem stark: Ein junger, grüner Oberbürgermeister für die drittgrößte Stadt des gesamten Landes.

Und damit zu meinem medialen Wochenrückblick. Heute im Angebot: Zwei Konzerte, zwei Serienstaffeln, zwei Filme. Viel Spaß!

Seit einigen Monaten versuche ich mich immer mal wieder am Brötchen backen. Ohne fancy Rezept, alles ziemlich simpel. Und auch wenn Zeitaufwand und Ergebnis nicht in einem perfekten Verhältnis stehen – in der Zeit hätte ich zehnmal zum Bäcker gehen können – macht mir das doch ein wenig Spaß und ich freue mich darüber, wenn ich am Sonntagvormittag ein paar frische Brötchen auf dem Tisch habe. Der Rest wird weggetuppert und eingefroren. Denn jede Woche muss ich den ganzen Aufwand nun wirklich nicht betreiben.

The Chair Company (Staffel 1, 8 Folgen, USA, Sky on Demand) – 8 von 10

Im Moment seines größten, beruflichen Erfolgs passiert Ron (Tim Robinson) ein peinliches Missgeschick, für das er seinen Bürostuhl verantwortlich macht. Da ihm der Unfall keine Ruhe lässt, fängt er über den Hersteller an zu recherchieren und wähnt sich schließlich einer großen Verschwörung auf der Spur. Wie der biedere Angestellten Ron aus behüteten Verhältnissen in gefährliche Untiefen gerät und dabei einen Ventil für seine Wut sucht, ist ordentlich skurill erzählt und mit einigen schrägen Nebenfiguren ausgeschmückt, allen voran Joseph Tudisco als schmieriger Privatdetektiv. Wie hier eine Kleinigkeit für eine gekränkte Eitelkeit sorgt, könnte auch als satirische Überspitzung des überstrapazierten Begriffs der toxischen Männlichkeit fungieren. Die Serie erinnert an Beef (8/10), ist aber etwas alberner und überdrehter. Vor allem der Beginn ist grandios erzählt, im Laufe der Staffel schweift die Story vielleicht etwas zu weit ab. Der offene Cliffhanger am Ende braucht dringend eine zweite Staffel zur Auflösung. Glücklicherweise ist diese schon bestellt.

Oderbruch (Staffel 2, 6 Folgen, Deutschland, Das Erste) – 5 von 10

Vor zwei Jahren macht die deutsche Serie Oderbruch (7/10) mit seinem mutigen Genre-Mix von sich reden. Der düstere Thriller entwickelte sich zu einer gelungenen Genre-Produktion mit Horror-Elementen. Auch wenn ich wohl eher zu denen gehört habe, die den klassischen, düsteren Thriller zu Beginn besser fanden als der Twist zu den Vampiren, freute ich mich trotzdem auf die Fortsetzung. Musste nun aber früh feststellen: Ich kam überhaupt nicht mehr in die Handlung hinein. Der Thriller-Aspekt ist komplett weg, nun steht die Vampir-Community im Fokus, denn deren Fortbestand ist gefährdet. Die Vampir-Geschwister Maggie (Karoline Schuch) und Kai (Julius Gause) werden von Gejagten zu Jägern im Kampf gegen ihre eigene Daseinsform, um dem mörderischen Hunger nach Menschenblut ein Ende zu setzen. Emily Kusche ergänzt in dieser Staffel den Cast. Die titelgebende Oderbruch Region spielt kaum noch eine Rolle, der Fokus wandert in den Norden Spaniens. Das sieht optisch recht gut aus, war für mich inhaltlich aber etwas beliebig und nimmt sich ernster, als es für eine nun reine Fantasy-Geschichte sein müsste. Es gibt (natürlich) den alten Vampir-Orden unter der Leitung von Martin Feifel, der über die Körper der jungen Frauen verfügt. Ein Aufreger aus dem Baukasten, den jede Trash-Produktion auch so hätte spielen könnte. Die Hauptfiguren nuckeln ständig an ihren Blutkonserven, um auch dem letzten noch ins Hirn zu hämmern, dass es sich hier um Vampire handelt. Tiefgründiger wird es auch in den Dialogen selten. Man wird das Gefühl nicht los, als wäre der Erfolg der ersten Staffel so überraschend gekommen, dass die zweite etwas dahin geschludert worden ist. Damit scheint es aber noch nicht erledigt zu sein, die Story fährt gegen Ende klar in Richtung einer dritten Runde.

Der Astronaut – Project Hail Mary (Regie: Phil Lord & Chris Miller, USA) – 9 von 10

Der als einfacher Lehrer tätige Molekularbiologe Grace (Ryan Gosling) erwacht Lichtjahre von der Erde entfernt auf einem Raumschiff und muss dort eine Lösung finden, um die Auslöschung der Sonne und damit das Ende der Menschheit zu verhindern. Wie bei Der Marsianer (mein Film #3 in 2015) stammt die literarische Vorlage erneut von Andy Weir. Diese Verwandtschaft kann Der Astronaut nicht leugnen. Man könnte es sich leicht machen und einfach nur auf die verschiedenen anderen Filme hinweisen, an denen dieser hier erinnert: Neben Der Marsianer enthält er auch Spuren von Passengers, Arrival, Interstellar, Guardians of the Galaxy und – naja irgendwie auch E.T.. Das hindert ihn vielleicht daran, dass man ihn in ein paar Jahren als Referenz nennen wird, aber seien wir ehrlich: Diese Mischung ist trotzdem einfach verdammt unterhaltend. Die Bilder sind großarig, sowohl der Weltraum, als auch das Raumschiff. Gosling spielt mit viel Herz und Witz und ist vielleicht der beste unfreiwillige Astronaut seid man Bruce Willis als Ölbohrexperten ins All geschickt hat. Die Sci-Fi Aspekte scheinen eine seriöse Basis zu haben, die Story ist episch, Grace persönliches Schicksal tragisch und trotzdem entsteht eine Art Buddy-Comedy im Weltall. Sandra Hüller steht in Rückblicken als Chefin der Mission im Fokus und darf einmal ihre Karaoke-Skills zum Besten bringen. Es sind viele verschiedene Bausteine, die alle für sich funktionieren und sich zusätzlich auch noch gut ergänzen. Trotz einer Länge von über 150 Minuten hatte ich nie das Bedürfnis, mal schnell auf die Uhr zu schauen. Dicke Sehbempfehlung von mir!

Tatort: Fackel (Regie: Rick Ostermann, Deutschland, 2026, Das Erste) – 7 von 10

Der 1332. Film aus der Tatort Reihe brachte den dritten Fall des Frankfurter Ermittelnden-Duos Azadi (Melika Foroutan) und Kulina (Edin Hasanovic) mit sich. Die ersten beiden Folgen – Dunkelheit (8/10) und Licht (8/10) – gefielen mir jeweils gut. Und dieser? Fünf Jahre nach einem fatalen Hochhausbrand ergeben sich für die beiden Ermittelnden neue Erkenntnisse zu den damals erstellten Gutachten. Das ist erneut spannend erzählt und atmosphärisch gut und trist inszeniert. Vor allem Hasanovic darf sich hier erneut auszeichnen, währen die Figur der Foroutan wieder etwas schwerer greifbar bleibt. Am Ende ist es vielleicht dann etwas zu viel, was die persönlichen und beruflichen Verbindungen betrifft, weshalb die Auflösung letztlich der Grund für die schwächere Punktzahl im Vergleich zu den beiden ersten Fällen ist.

Eine Fahrt ins Büro. Eine Fahrt ins Kino. Zwei Fahrten zu Konzerten. Keine besonderen Vorkommnisse. Das wird sich aber vermutlich in den nächsten Tagen und Wochen ändern, wenn die volle Wucht der Einschränkungen die Stadt treffen wird.

Sprints (Irland) – München, Strom

Zum Glück ging am Sonntag die Auszählung der Wahl relativ schnell, so dass ich danach ganz entspannt zu den Sprints ins Strom fahren konnte. Deren zweites Album ist im vergangenen Jahr erschienen, dieses galt es nun zu betouren. Vor zwei Jahren schrieb ich über ihren Auftritt: „Aber auf Dauer müsste da noch etwas mehr Abwechslung rein. Für heute war es aber gut genug, um einen tollen Abend gehabt zu haben.“ Nun, mit der größeren Songauswahl war der Auftritt tatsächlich etwas abwechlungsreicher, aber immer noch genau so voller Energie. Beide Alben fanden ihren Platz, die Songs des Debuts (wie Heavy) gingen aber vielleicht einen Tick besser. Sängerin und Gitarristin Karla Chubb hing sich als Lead der Band voll rein und gönnte sich auch immer wieder einen Ausflug ins gut gefüllte Publikum. Das zeigte sich gut unterhalten und ging im Laufe des Sets immer besser mit. Man kann seinen Sonntagabend mit Sicherheit ruhiger, aber nicht unbedingt besser verbringen. Als Vorband für Sprints war übrigens die niederländische Band Marathon als Support mit dabei. Besser können zwei Bandnamen nicht zusammen passen!

Triebe (Deutschland) – München, Roody

Außerdem war ich in dieser Woche bei einem kostenlosen Konzert im Giesinger Roody, in dem Donnerstags immer wieder Münchener Musikanten auftreten dürfen. Dieses Mal spielte dort Triebe, die ich bereits im vergangenen Jahr bei den Sweaty Grungy Stoners hören konnte. Hier durften sie nun 45 Minuten ran und sich mit voller Wucht und vor passenden Visuals durch ihr Set lärmen. Post-Punk mit deutschen Texten, krachend und wütend und astrein gespielt. Es gibt keinen Live-Clip, aber All die Kinder von ihrer aktuellen EP für euch.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche!

Ein Kommentar

  • bullion

    Wie du richtig schreibst: Ein starkes Signal, das von München ausgeht. Schon alleine deshalb gut. Hat mich auf jeden Fall sehr gefreut.

    „Der Astronaut“ will ich auch noch sehen. Bin mir nur noch nicht sicher, ob ich zuvor das Buch lesen will.

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