Der richtige Ton,  Was mit Medien

April 2021: Bleibt alles anders

Was bitte kann denn noch alles in einem Monat passieren? Man sollte meinen, nach mehr als einem Jahr Pandemie würde sich die Nachrichtenlage so langsam mal etwas beruhigen, aber nein.

Der Impfstoff von AstraZeneca wird verboten und wieder eingesetzt. CDU/CSU küren ihren Kanzlerkandidaten mit lautem Getöse in der Öffentlichkeit, die Grünen küren ihre Kandidatin still und leise im Hinterzimmer. Eine Rebellen-Allianz startet die Fußball Super-League, um sie schon drei Tage später wieder zu beerdigen. Die UEFA lässt sich als Retter des Fußballs feiern und setzt ihre lächerliche Champions League Reform still und heimlich durch. Schalke 04 steigt aus der Bundesliga ab und einige Fans verschaffen sich mit körperlicher Gewalt Luft. Hansi Flick verkündet eigenmächtig seinen Abschied vom FC Bayern, sein Kontrahent im Verein und dessen Familie erhalten daraufhin Hassschreiben. Eine Riege prominenter, deutscher Schauspieler begegnet den Corona-Maßnahmen und der Berichterstattung mit Ironie und Satire, um sich teilweise zwei Tage später selbst davon wieder zu distanzieren. Und dann war noch irgendwas mit pinken Handschuhen und das Netz drehte durch. Die Lust an der Empörung greift weiter um sich. Wenn sich keiner mehr traut, Fehler zu machen, wird bald niemand mehr irgendetwas machen. Die sozialen Medien haben ein enormes Problem mit dem Thema Fehlertoleranz.

Bei mir war der Monat wie jeder andere zuletzt auch. Die Tage sind gleich, aber sie verfliegen. Tagsüber Home Office, abends auf der Couch. Die Wohnung habe ich jedenfalls nach 20 Uhr nie verlassen. Das erklärt dann auch den umfangreichen Serienrückblick.

*** Foto des Monats ***

Kaum ein Filmtitel ist wohl so schlecht gealtert wie Der letzte Fußgänger von 1960. Mittlerweile ist das Land voller pandemie-müder Spaziergänger, die seit einem Jahr ihre Heimat zu Fuß erkunden. Spazieren ist für alle, denen wandern viel zu krass ist.

Am Ostersonntag war ich im Nymphenburger Schloßpark, meinem Lieblingspark in München. Das Wetter war schön, die Spaziergänger konnten sich im weitläufigen Park gut verteilen, es war ein netter, kleiner Ausflug.

In Verbindungen mit anderen Spaziergängen (einmal im Englischen Garten rauf bis in den deutlich ruhigeren Nordteil) hat das dazu geführt, dass meine Schrittzahl im April endlich mal wieder etwas höher ausfiel.

*** Serien ***

Sachen gibt’s. Eine gute Serien im werbefinanzierten Free-TV! Dazu die Nachspielzeit der aktuellsten Staffel von The Walking Dead und einige Neustarts aus UK. Und auch noch einen Probemonat von Joyn Plus. Der picke-packe volle Serienüberblick April 2021:

Beforeigners (Norwegen / Staffel 1 / 6 Folgen / Das Erste) – 7 von 10

Oslo. In den letzten Jahren sind tausende Menschen aus anderen Zeitepochen – von der Steinzeit, der Wikingerzeit bis hin zum viktorianischen England – plötzlich im Hafen aufgetaucht und leben nun gemeinsam in der Gegenwart. Als die Leiche einer Frau mit steinzeitähnlichen Tätowierungen gefunden wird, nimmt mit Kommisar Lars Haaland (Nicolai Cleve Broch) und der aus dem 11. Jahrhundert stammenden Alfhildr Enginnsdottir (die Finnin Krista Kosonen) die erste multitemporale Ermittlungseinheit die Arbeit auf. Gegensätzliche Ermittlerpaare sind ja nun wirklich nichts Neues, sondern gehören zur Standardausrüstung eines Krimis. So ein Paar wie hier hat man aber tatsächlich noch nicht gesehen. Das Setting funktioniert überraschend gut und ist natürlich eine sehr offensichtliche Übersetzung des großen Flüchtlingsthemas der letzte Jahre in ein Science-Fiction/ Mystery – Gewand. Wobei es auch eine Stärke ist, das Mysterium nicht weiter zu erklären, sondern es – ähnlich wie bei The Leftovers – einfach als gegeben zu akzeptieren. Die Serie ist tatsächlich auch immer wieder recht witzig, der Culture Clash funktioniert gut, wenn zum Beispiel (Achtung Spoiler!) ein gefürchteter Mörder aus dem 11. Jahrhundert sich in der Gegenwart als unscheinbarer Fahrradkurier betätigt. Leider macht man aus dem ganzen drumherum nicht besonders viel. Der große Kriminalfall der Staffel ist dann auch der Schwachpunkt der Serie, weil er nicht so richtig Interesse wecken kann, sondern einfach so dahinplätschert. An einer zweiten Staffel wird im Moment gedreht, hoffentlich macht sie etwas mehr aus ihren Möglichkeiten.

Evil – Dem Bösen auf der Spur (USA / Staffel 1 / 13 Folgen / Pro Sieben) – 8 von 10

Wenn eine Tür sich schließt, öffnet sich eine andere. Als die Gerichtspsychologin Dr. Bouchard (Katja Herbers) ihren Job verliert, bekommt sie ein neues Angebot von der Katholischen Kirche. Dort soll sie zusammen mit dem Priesteranwärter Acosta (Mike Colters) und dem Techniker Ben, der Großartige (Insiderwitz – Ben wird gespielt von Aasif Mandavi) verschiedene Fälle von Heimsuchungen und Besessenheit aufklären. Steckt da wirklich der Teufel dahinter oder gibt es eine andere Erklärung? Währenddessen entwickelt sich der Psychologe Dr. Townsend (Michael Emerson) zu ihrem diabolischen Konkurrenten. Ladies and gentlemen, oft wurde in den letzten beiden Jahrzehnten damit geworben, aber hier trifft es nun endlich auch mal zu: Wir haben den legitimen Nachfolger von Akte X.  Es ist eine spannende Mysteryserie mit einem durchgängigen, roten Faden, aber auch mit einem starken Fokus auf die Einzelfolgen. Da wir hier nur mit Dämonen konfrontiert werden, hat die Serie natürlich die Spannbreite vonAkte X, dafür verheddert sie sich in der ersten Staffel auch noch nicht in ihrem eigenen Mysterium. Die Figuren sind sympathisch, selbst die vier Töchter von Dr. Bouchard sind lustig und umschiffen damit ihr großes Nervpotential. Und das sich das Böse hinter einer biederen Maske verbirgt, scheint auch sehr passend. Aber neben all der Dämonen und Alpträumen war dann ausgerechnet eine Episode über Incels am schockierendsten. Insgesamt ein gelungener Serienauftakt, der gerne noch etwas freakiger werden darf – und ein besseres Staffelfinale verdient gehabt hätte.

Fleabag (UK / Staffel 1 / 6 Folgen / One) – 9 von 10

Fleabag (Phoebe Waller-Bridge) betreibt in London ein kleines, schlecht laufendes Café – alleine, weil ihre Partnerin vor kurzem starb. Neben der Trauer und der Verantwortung für das Café muss sie sich auch noch mit ihrer Schwester (Sian Clifford) auseinandersetzen, sowie mit der neuen Lebensgefährtin (die erschreckend fiese Olivia Colman) ihres Vaters (Bill Paterson) zurechtkommen. Während sogenannte Dramedys meist nicht zu mehr als zum mitschmunzeln taugen, war diese Serie tatsächlich wirklich lustig, ohne dabei albern zu wirken. Die Episoden bauen aufeinander auf, sind aber trotzdem angenehm abgeschlossen und abwechslungsreich. Die Figuren werden in ihrer britischen Skurilität mit dem nötigen Ernst behandelt. Und dann wird es gegen Ende auch noch richtig emotional, wenn sich einige vorher locker versteckte Hinweise zu einer bitteren Gesamterkenntnis verdichten. Schade, dass die Briten ihre Staffeln immer so kurz machen, aber andererseits ist dadurch auch so gut wie nichts unnötiges dabei. Klare Sehempfehlung von mir!

Katakomben (Deutschland / Staffel 1 / 6 Folgen / Joyn Plus) – 8 von 10

Als sich die Münchner Rich Kids bei einer illegalen Party in den Katakomben unter dem Hauptbahnhof vergnügen, einem Zufluchtsort vieler obdachloser Jugendlichen, bricht dort erst ein Feuer und dann eine Massenpanik aus. Die meisten können sich in Sicherheit bringen, jedoch geht Max (Nick Romeo Reimann) verloren. Seine Schwester Nellie (Lilly Charlotte Dreesen) macht sich mit ihrem besten Freund Janosch (Yasin Boynuince) auf die Suche nach ihm und stößt dabei auf die Obdachlose Tyler (Mercedes Müller). Bei dieser Serie sollte man immer wieder betonen, dass diese Katakomben keine Erfindung sind, sondern es sie tatsächlich so gibt, wie dieser SZ-Artikel von 2016 einer breiteren Öffentlichkeit zeigte. Daraus hat man eine recht kurzweilige Serie geschaffen, welche die Gegensätze zwischen arm und reich zwar sehr plakativ zeigen, dass aber gekonnt mit Einzelschicksalen auf allen Seiten verknüpft. Trotz eines verhältnismäßig großen Casts behält man ganz gut den Überblick, dass die Figuren dabei teilweise recht klischeehaft geraten sind und oft auch die erwartbare Entwicklung nehmen, hilft allerdings ungemein. Die Serie sieht optisch gut aus, ist schön flott erzählt und schafft es auch, authentisch klingende Dialoge der Heranwachsenden zu liefern, incl. eines wilden deutsch-englischen Sprachmixes, you know?

Pure (UK / Staffel 1 / 6 Folgen / ZDFneo) – 7 von 10

Die 24-jährige Marnie (Charly Clive) versucht sich von ihrer Zwangsstörung, die sie permanent an Sex denken lassen, abzulenken, da sich diese auf unangenehme Weise auf ihr Leben auswirkt. Dazu zieht sie nach London, wo sie auf eine Verbesserung hofft. Sie wohnt bei ihrer alten Schulfreundin Shereen (Kiran Sonia Sawar) und lernt u. a. Charlie (Joe Cole) kennen, der unter Pornosucht leidet, sowie die WG von Amber (Niamh Algar) und Joe (Anthony Welsh). Beworben wurde die Serie mit dem Claim „Es ist wie bei The Sixth Sense – nur dass ich keine toten Menschen sehe, sondern nackte“. Das verkauft die Serie natürlich gut und passt auch inhaltlich, qualitativ liegen da aber doch noch Welten dazwischen. Zwar ist Marnie wirklich sehr sympathisch und auch ihre Krankheit wird gut und ernsthaft dargestellt (mit ihren Visionen, die nicht voyeuristisch sondern eher alptraum visualisiert werden), aber so richtig will anfangs der Funke nicht überspringen. Der Humor setzt da zu oft auf Fremdschäm-Momente, die es bei mir traditionell eher schwer haben. Besser funktionieren für mich die Dramaaspekte, die bei einem Abendessen in großer Runde gradezu explodieren.

Sie weiß von dir (UK / Staffel 1 / 6 Folgen / Netflix) – 7 von 10

Louise Barnsley (Simona Brown) ist eine alleinerziehende Mutter mit einem ereignislosen Leben. Bis sie mit einer Pub-Bekanntschaft, die sich kurz darauf als ihr neuer Chef – dem Psychiater David Ferguson (Tom Bateman) – herausstellt, eine Affäre beginnt. Dessen Ehefrau Adele (Eve Hewson) freundet sich, vermeintlich zufällig, mit Louise an, worauf sich ein düsteres Psychospiel entwickelt. Was sich lange wie ein Beziehungsthriller anfühlt, bekommt in den letzten Folgen dann noch mal einen ganz neuen Twist. Wenn man den nicht mag, wird man mit der Miniserie insgesamt ein Problem haben. Für mich hat er soweit gepasst und die Serie noch mal etwas hochgestuft, da die entstandene Dreiecksbeziehung zuvor daran kranke, gleich zwei unsympathische Figuren gehabt zu haben – und dazu einen oft etwas deplatziert wirkenden Rückblick in die Vergangenheit von Adele mit ihrem Mitpatienten Rob (Robert Aramayo) aus der Heilanstalt. Daher ist es insgesamt eine kleine Thrillerserie, die man sich schon angucken kann, aber für den großen Wurf hat es nicht gereicht.

Stargate: Origins (USA / Staffel 1 / 10 Folgen / Syfy) – 5 von 10

Ägypten 1938. Nach 10 Jahren Forschung am Stargate muss Professor Langford (Connor Trinneer) das Projekt aus Geldgründen aufgeben. Eine Gruppe von Nazis taucht auf, die das Geheimnis des Sternentores offenbar kennen und es mit dem Professort durchschreiten. Dessen Tochter Catherine (Ellie Gall) macht sich auf die Suche nach ihm und folgt ihnen in eine fremde Welt. Wenn man diese Serie bespricht sollte man erwähnen, dass es der Versuch war, das Stargate Franchise mit Hilfe einer Webserie wiederzubeleben. Die einzelnen Folgen sind daher jeweils nur ca. 10 Minuten lang, so dass man die komplette Staffel an einem Abend bequem durchschauen kann. Der Vorteil ist: Die Taktung ist recht hoch. Der Nachteil: Die Serie war eigentlich nicht für den großen Bildschirm ausgelegt. Und so fallen die billigen Kulissen und die schwachen Effekte besonders auf. Auch die Nebenfiguren sind – besonders in der ersten Hälfte – teilweise eher als Witzfiguren angelegt, die einfach ihre sehr platten Dialoge runterrasseln. Immerhin, der fremde Wüstenplanet ist ganz gut gelungen und auch Hauptdarstellerin Gall macht ihre Sache nicht schlecht. Viel mehr darf man von diesem preiswerten Projekt wahrscheinlich auch nicht erwarten.

The Walking Dead (USA / Staffel 10 / 22 Folgen / FOX Serie) – 5 von 10

Nach dem blutigen Finale der letzten Staffel beruhigt sich der Konflikt, aus dem die Flüsterer als Sieger hervor gegangen sind, erst einmal. Unsere Gruppe, in der mittlerweile Daryl (Norman Reedus) und Michonne (Danai Gurira) die Führung haben, sortiert sich langsam neu und versucht, die Verteidigung zu stärken. Carol (Melissa McBride) ist damit nicht ganz einverstanden. Wenn man die Serie weiter als Civilization mit Zombies vergleicht, haben wir nun langsam das Mittelalter erreicht. Neu in dieser Staffel sind Psychosen und Wahnvorstellungen. Befindet sich ein Verräter unter ihnen? Sie sind also sehr mit sich selbst beschäftigt, bis jemand Negan (Jeffrey Dean Morgan) aus seinem Gefängnis flüchten lässt, damit sich das Blatt wieder wendet. Ich muss es einfach so sagen: Eigentlich schaue ich die Sendung nur noch wegen Negan, seine Folgen sind die Highlights der Staffel, die anderen Charaktäre sind mir in zunehmenden Maße egal. Und Negan darf in dieser Staffel endlich mal wieder so richtig ran. Der Rest plätschert weiter seicht vor sich hin. Update: Weil es wegen der Corona-Einschränkungen nicht für eine komplette Staffel gereicht hat, hat man an die zehnte Staffel einfach nochmal sechs Folgen dran geklatscht. Und die Wahrheit ist: Die sind so ziemlich mit das langweiligste der Seriengeschichte. Positiv kann man nur die Folge mit Aaron (Ross Marquand) und Gabriel (Seth Gilliam) und die Abschlußfolge mit – natürlich – Negan heraus heben, der Rest ist mehr als enttäuschend. Damit fällt die Wertung von 6 Punkten auf nur noch 5. Eine finale Staffel noch und dann ist diese Zombia-Apokalypse überstanden. Zeit wird’s.

What We Do In The Shadows (USA / Staffel 1 / 10 Folgen / Joyn Plus) – 7 von 10

Über eine Vampir-WG auf Staten Island wird eine Reality-Show gedreht. Die WG besteht aus drei klassischen Vampiren (Kayvan Novak, Matt Berry und Natasia Demetriou), einem Energie-Vampir (Mark Proksch), sowie dem Vertrauten Guillermo (Harvey Guillén). Als ein Vampir-Baron (Doug Jones) seinen Besucht ankündigt, steigt die Aufregung in der WG. Die Serie basiert auf der Idee des gleichnamigen Kinofilms von Taika Waititi, der hier auch in einigen Episoden selbst Regie geführt hat und sogar in seiner alten Rolle wieder auftaucht. Die Serie funktioniert allerdings unabhängig vom Film und bietet dementsprechend auch etwas andere Figuren. Sie braucht ein paar Folgen, bis sich alles eingespielt hat, aber spätestens mit dem Besuch des Barons und seinem Ausflug ins Party-Leben steigt die Qualität noch einmal an. Neben dieser Folge sind auch der Rat der Vampire (mit einem bemerkenswerten Cast) und die Vampir-Orgie ein Highlight der ersten Staffel. Die Machart wirkt teilweise etwas billig und auch die direkten Blicke der Figuren in die Kamera irritieren, bedienen aber natürlich dem Grundkonzept der Serie. Diese Meta-Ebene muss man mögen, sonst hat man vermutlich gar keinen Spaß mit der Serie. Ich hatte ihn zumindest mit der zweiten Hälfte der Staffel, aber die ersten paar Folgen verhindern eine bessere Bewertung.

Meine Shortlist für den Mai: Ab dem 6. ist man auf Sky Atlantic Intergalactic unterwegs – hoffentlich mal wieder eine gute Space Opera. Homelands sechste Staffel kann man ab dem 8. auf Joyn Primetime streamen. Am 13. bringt Syfy Wynonna Earp mit der vierten Staffel zu einem vorläufigen Ende. Netflix zeigt ab dem 14. die Miniserie Halston mit Ewan McGregor vor Ryan Murphy hinter der Kamera. Sky One zeigt ab dem 20. die zweite Staffel der Comedy The Unicorn. Ab dem 21. ermittelt Kate Winslet in Mare of Easttown auf Sky Atlantic. Nach einigen Jahren Pause meldet sich Master of None am 23. mit der dritten Staffel auf Netflix zurück. Ebenfalls auf Netflix gibt es ab dem 28. die dritte und gleichzeitig letzte Staffel von The Kominsky Method zu sehen.

*** Filme ***

Und weiter geht’s: Die Kinos sind immer noch geschlossen, mittlerweile seit mehr als einem halben Jahr. Ob die Kinos diese Krise überleben werden und in welcher Form, das bleibt weiter fraglich. Zumal sich ja auch die Lizenzgeber der Filme zunehmend umgewöhnen und die Geldflüsse vom Zuschauer zum Produktionsstudio anderweitig zu sich umleiten. Gibt es da noch einen lohnenswerten Weg zurück oder verschwindet das Kino vollendes in der Nische für ein paar Freaks?

Original Movie: Heute stirbt hier Kainer (Deutschland / Das Erste) – 8 von 10

Eine Art Western in der hessischen Provinz! Die Sonne brennt vom Himmel, der mysteröse Fremde Kainer (Martin Wuttke) erscheint in einem kleinen Ort und bringt die Dorfgemeinschaft durcheinander. In der Kneipe wird getrunken und gepöbelt und am Ende gibt es Rache, Duelle und eine große Schießerei. Und Justus von Dohnányi darf hier mal richtig fies spielen. Damit erinnert der Film stark an den fast schon legendären Tatort: Im Schmerz geboren, aber ohne dessen Klasse ganz zu erreichen. Gedreht wurde in meiner alten Heimat, zwar ohne, dass man charakteristische Ort erkannt hätte, aber immerhin. Britta Hammelstein hatte die weibliche Hauptrolle und damit ein Heimspiel. Aber auch abseits des Lokalcholorits konnte mich der Film überzeugen. Zwar mit leichten Längen in der Mitte, aber insgesamt unterhaltsam mit einer sehr eigenständigen Art, der ihn von klassischen ARD-Fernsehfilmen wohltuend abhebt.

Original Movie: Pelé (UK / Netflix) – 7 von 10

Der neue Dokumentarfilm von David Tryhorn und Ben Nicholas erzählt die Geschichte eines der besten Fußballer aller Zeiten und des vielleicht ersten, globalen Stars, den dieser Sport hervor gebracht hat: Pelé. Der Schwerpunkt liegt dabei auf die Zeit zwischen seiner ersten Weltmeisterschaft 1958 und seiner letzten 1970. Und im Gegensatz zur ähnlichen Dokumentation über Maradona von vor ein paar Jahren liegt der Schwerpunkt hier deutlich stärker auf seinen sportlichen Erfolgen. Eindrucksvoll sind dabei vor allem die restaurierten Bilder der WM 1970 aus Mexiko, so laut und bunt hat man den Fußball aus dieser Zeit selten gesehen. Die Unterschiede zu 1958 sind deutlich, wie sich sowohl die Bildqualität, aber vor allem auch das Spiel in diesen wenigen Jahren verändert hat. Über das Privatleben von Pelé erfährt man dagegen nicht so viel, das kritischste dabei ist noch seine Nicht-Kommentierung über das Brasilien in der Militärdiktatur in dieser Zeit, obwohl seine Worte durchaus ein großes Gewicht gehabt hätten. Abgesehen davon ist es aber eine nette Feel-Good Dokumentation, die vor allem Sportfans mal gesehen haben sollten.

Sonstso – In der heimischen Flimmerkiste gab es, von alt nach jung sortiert:

Quentin Tarantino’s Erstwerk Reservoir Dogs (USA / 1992 / Netflix) habe ich nun auch endlich mal gesehen – wirkt immer noch gut und zeigt schon viel von dem, was seine späteren Filme auch ausmachen.

Tremors 3 – Die neue Brut (USA / 2001 / Syfy) war trotz der neuen Monster und einiger guter Sprüche von Michael Gross leider etwas lahm. Als Bügel-Background hat es aber grade noch gereicht.

Zur Recherche für diesen Beitrag hatte ich mir mal wieder The Wolf of Wall Street (USA / 2013 / Netflix) angeschaut. Drei Stunden für einen Film ist schon echt viel, aber die Zeit verfliegt und Spaß macht er auch beim zweiten Ansehen. Film des Monats!

Long Shot – Unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich (USA / 2019 / Pro Sieben) war eine überraschend kurzweilige RomCom mit Charlize Theron und Seth Rogen.

Der Dokufilm Liam Gallagher: As It Was (UK / 2019 / arte) umspannt den Zeitraum vom Oasis-Split bis hin zu Gallaghers neusten Erfolgung als Solokünstler. Der Film gefiel mir gut und war auch deutlich kritischer als der nahe liegende Vergleichsfilm Supersonic.

*** Wie geht’s dem KSC? ***

Bilanz: 4 Spiele, 3 Punkte.

Corona-Alaram beim KSC! Nachdem bei den regulären Tests gleich 3 Spieler positiv getestet wurden, ging der gesamte Profikader erst einmal für zwei Wochen in Quarantäne. Danach wartete eine stressiges Programm auf das Team mit Ligaspielen alle drei Tage. Immerhin, nach der Zwangspause reichte es noch einmal für drei Unentschieden in drei Spielen. Mitarbeiter des Monats durch eine bärenstarke Leistung gegen den HSV: Jerome Gondorf.

Neben dem KSC erwischte es in den letzten Wochen auch noch einige andere Teams, die sich auf einmal in der Quarantäne wiederfanden. Besonders in der zweiten Liga konnte man sich in der Zwischenzeit fragen, wie wahrscheinlich es wohl wäre, dass die Saison überhaupt noch regulär zu Ende gespielt werden könnte. Jetzt scheint alles wieder einigermaßen zurück in die Spur zu finden und sämtliche Verantwortliche machen vermutlich drei Kreuze, wenn diese Corona-Saison vorbei ist.

*** Musik ***

Los geht es mit etwas Pop-Punk von Kali Masi. Die Single Trophy Deer ist eine tolle Wohlfühlnummer der Band aus Chicago, deren Album Laughs hält die Qualität leider nicht ganz.

Es gibt etwas neues von den Middle Kids aus Australien! Nach ihrem fantastischen Debutalbum von 2018 ist nun endlich Today We’re The Greatest erschienen. Wieder mit einigen schönen, ruhigeren Songs, die es zu entdecken gilt. Wobei R U 4 Me schon eine der flotteren Nummern ist.

*** Linktipps ***

Ein paar Lesetipps aus den Weiten des Internets:

Wie Algorithmen uns manipulieren: Spannender Artikel von Spektrum über die Macht der Algorithmen, wenn sie uns in den sozialen Medien die Inhalte vorselektieren.

Der Sinn des Lebens: Oder hat das Leben überhaupt einen tieferen Sinn? Mirli hat sich darüber Gedanken gemacht.

Women’s Prize for Fiction: Passend zu meinem diesjährigen Leseprojekt gibt es bei schiefgelesen einen Überblick über die Nominierten dieses britischen Buch-Preises.

Serien-Besprechung: „Star Trek: TNG“ Season 1: Miss Booleana mit einer kleinen – und spoilerfreien – Lobeshymne auf den Klassiker. Was passiert erst, wenn sie zu den richtig starken Staffeln kommt?

Bruce Campbell: Eine Gebrauchsanweisung: Die Seite 100 Years of Terror über den (jetzt nicht mehr) unbesungen Helden des B-Movies.

Farbenprächtige Geschichtsklittung: Der Wortvogel mit einem faszinierenden Bericht darüber, zu was künstliche Intelligenz mittlerweile bei der Restaurierung von alten Filmen in der Lage ist.

*** Restebloggen ***

  • Als schöne (?) Ostertradition hat sich bei mir in den letzten Jahren das Bearbeiten der Steuererklärung entwickelt. So gut wie selten sonst stehen der Arbeitsaufwand mit der Wiso-Software und die Rückerstattung vom Finanzamt im Einklang. Diesen Stundenlohn hätte ich gerne öfter.
  • Die besten Romane der 2010er Jahre: Da sich dieser Eintrag aus dem Februar 2020 immer noch recht großer Beliebtheit erfreut und mir viele Leser über die Suchmaschinen der Welt beschert, habe ich die Liste aktualisiert und aus 7 Empfehlungen jetzt immerhin 10 gemacht.
  • Oscarverleihung 2021: So wenig wie in diesem Jahr hat mich die Verleihung schon seit vielen Jahren nicht mehr interessiert. Daher gibt es von mir dieses Mal auch keinen Kommentar.
  • Seit kurzem schickt mir WordPress keine Mails mehr, wenn ein neuer Kommentar da ist. Hat jemand eine Ahnung, woran das liegen könnte? Antwort bitte in die Kommentare…

Und das war’s für diesen Monat. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und tanzt alleine und mit Abstand und Anstand in den Mai.

4 Kommentare

  • bullion

    Freut mich, dass dir „Behind Her Eyes“ insgesamt doch ganz gut gefallen hat, wenn auch nicht so gut wie mir.

    Ja, die Steuer (bei mir auch mit WISO) war dieses Jahr trotz Home-Office/Fahrten-Gerechne wirklich fix erledigt und das Ergebnis hat sich auch gelohnt. Schließe mich, was den Stundenlohn angeht, an… 😉

  • Doreen

    Wieder mal ein lesenswerter Beitrag und ein schönes Bild vom Schlosspark. Ich war noch nie in München, sollte es mich aber mal dorthin verschlagen, dann habe ich schon mal ein Ziel fürs Sightseeing.
    Ja, der April macht, was er will. Nicht nur wettertechnisch. Bei den pinken Handschuhen musste ich lachen. Ich habe die Sendung dazu sogar gesehen und fand den Shitstorm danach auch übertrieben. Zumal die beiden Gründer eigentlich Gutes im Sinne hatten.

    Deine Film- und Serienliste muss ich mir mal genauer anschauen. Auf den ersten Blick habe ich davon nämlich noch nichts gesehen. Da ich aktuell mit den vielen Angeboten auch etwas überfordert bin, gönne ich mir aktuell eine Serienwiederholung mit „Alias – Die Agentin“ bei Disney+. 🙂

    • Nummer Neun

      Das Angebot wird auch immer unübersichtlicher. Grade was so auf den Streaming-Diensten so kommt – schwierig sich da für etwas zu entscheiden. Aber ich würde tatsächlich mal „Fleabag“ empfehlen, dass müsste noch in der ARD-Mediathek liegen. Die Folgen sind nur 30 Minuten und die Staffel ist nicht lang.

      München hat viele schöne Ecken und auch sehr unterschiedliche Parks. Auch der Olympiapark ist ja sehr sehenswert!

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