Aus dem Leben,  Sportlich

Der Anfang und das Ende meiner Karriere als Fußballer

Zunächst waren die frischen Bundesliga-Spieler alle jünger als ich. Da ging man Anfang der Saison das kicker Bundesligaheft durch und wenn man auf die Geburtsdaten achtetet, nahmen im Laufe der Zeit der Anteil der Spieler mit jüngerem Geburtsjahrgang immer mehr zu. Mittlerweile bin ich in einem Alter, in dem sogar schon einige der Trainer jünger sind. Wo ist nur die Zeit geblieben? Und wo ist meine eigene Fußballer-Karriere geblieben?

Nun, sie war recht kurz. Ausgesprochen kurz sogar. Sie begann, als ich als Bub im Sportverein unseres kleinen Dorfes zum Probetrainig erschien. Da war ich vielleicht so sechs oder sieben? So genau weiß ich das nicht mehr. Aber auf und an dem Dorf-Sportplatz war ich eh häufig mit meinen Freunden unterwegs, etwas gekickt haben wir auch, also warum nicht? Es war irgendwann Mitte der 1980er, FC Bayern gegen Werder Bremen hieß öfter das große Duell in der Bundesliga und vom Karlsruher SC hatte ich damals in der hessischen Provinz noch nie etwas gehört.

Das erste Training verlief wahrscheinlich sehr unspektakulär, ich habe überhaupt keine Erinnerung mehr daran. Ich bin mir aber ziemlich sicher, es gab nur ein einziges Training, bevor danach das allererste Spiel anstand. Gegen wen es ging? Keine Ahnung. Wir gegen die, Dorf gegen Dorf.

Es war ein regnerischer Tag, alles grau in grau, der Platz nass und matschig. Als Neuling saß ich natürlich erst einmal auf der Ersatzbank und wartete. Genau wie die Zuschauer am Spielfeldrand. Meine Eltern waren da, die Großeltern waren gekommen, alle hatten sie eine Fotokamera dabei (mit dem Telefon auch Fotos machen zu können gehörte damals noch in das Reich von unvorstellbarer Sciene Fiction und wäre schon daran gescheitert, dass das Telefonkabel nicht lang genug gewesen wäre). Kurz: Alle waren bereit, um den historischen Moment zu erleben. Meine ersten Spielminuten. Der Beginn einer ganz großen Karriere. An diesem Tag hätte alles anfangen können. Später hätte man erzählt, dass das ja mein Wetter sei und ich schon immer bei Regen besonders gut gewesen wäre, später, wenn ich dann vermutlich über Eintracht Frankfurt hinaus in die große, weite Fußballwelt gezogen wäre, um dann Jahrzehnte später wieder nach Hause zu kommen, um dort einen Toto-Lotto-Laden aufzumachen, was solides für die Zeit nach der Karriere. Nun, ganz so kam es nicht. Ganz und gar nicht.

Im Laufe des Spiel kam irgendwann der Moment, weswegen die Familie gekommen war. Ich machte mich bereit, um eingewechselt zu werden. Erwähnte ich, dass es bereits die ganze Zeit regnete? Es war echt ein ekliges Wetter. Und damit nicht genug. Wie gesagt, es war ein richtiger Dorfverein. So viele Trikots in der Jugend gab es da nicht. Also musste ich das Trikot des ausgewechselten Spielers anziehen. Voller Regen, voller Schweiß. Und damit raus auf den Platz, den matschigen. Nasse Sachen an, nieseliger Regen von oben. Ich sprintete auf den Platz, bereit, um los zu legen und alles in Grund und Boden zu spielen? Nein, so wie ich auf den Rasen lief, so sprintete ich auch direkt wieder runter. Nein, nicht mit mir. Das war nichts für mich. Ich wollte nur flüchten, zurück ins Trockene und in die eigenen Klamotten. Das ganze ging so schnell, zu schnell um Fotos zu machen, so dass es keinerlei bildlichen Beweis für dieses Spiels gibt. Es war damit der Anfang und gleichzeitig auch das Ende meiner aktiven Karriere als Fußballer.

Später habe ich es im Verein noch einmal mit Tischtennis versucht, aber das hat mich auch nicht sonderlich lange begeistert. Aber immerhin, in der Oberstufe war ich in unserem Jahrgang dann später vermutlich der einzige mit einer zweistelligen Punktzahl sowohl in Informatik, als auch in Sport (und da war auch ein Fußball-Kurs mit dabei). Zwei Sachen, die sich zu dieser Zeit eigentlich noch ausgeschlossen haben.

Als meinen größten, sportlichen Erfolg zähle ich nun die Bundesjugendspiele. Dort war es mir irgendwann gelungen – nach vielen Jahren, in denen ich es stets nur auf eine Siegerurkunde geschafft habe – endlich einmal auch eine Ehrenurkunde zu ergattern. Was war ich da stolz drauf!

Unsportlich war ich also nie! Ich war einfach nur faul.

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