Oliver Kyr – Ascheland (2016)

So, Ende Juli konnte ich Buch Nummer 6 für dieses Jahr beenden. Läuft nicht schlecht bisher. Und ich versuche weiter, so gut es geht durch die Genres zu springen. Nach Western, Europäische Lebensgeschichte, US-Klassiker, Tour-Tagebuch und so einer Art Märchen, war nun ein Endzeitroman an der Reihe. Aus Deutschland!

Inhalt: Deutschland, 2023, fünf Jahre nach dem Untergang der bekannten Welt: Zacharias Brandt wandert mit seiner dreibeinigen Hyäne Else durch das postapokalyptische Mitteldeutschland. Die wenigen Überlebenden sind weit verstreut und doch kennt man ihn überall. Er ist der Kindermacher, der vermutlich einzige Mann, der noch Nachkommen zeugen kann. Der ehemalige Zoowärter ist aber kein Freund der Menschen, die er für die Verwüstung der Welt verantwortlich macht. Doch wenn er etwas bekommen will, muss er auch etwas geben. Ist es ein Fluch oder ein Segen, dass er ihnen Hoffnung geben kann? Will er ihnen wirklich eine neue Generation schenken?

Fazit: Der Freiburger Autor Oliver Kyr hat eine verlassene Welt erschaffen, die genau vor unserer Haustür liegt. Es gibt den verlassenen Rummelplatz, die zerstörten Autobahnen und Unterschlupf wird in der Sparkassen Filliale gesucht. Das berührt einen nochmal anderes, als wenn Zombies irgendwo durch die USA ziehen. Zum Glück ist das aber nicht der einzige Pluspunkt des Buches. Die episodenhafte Handlung ist spannend geschrieben und führt so sehr gut in die Welt ein. Es gibt immer wieder Rückblicke darauf, wie sich diese Welt, kurz nach der nicht näher beschriebenen Katastrophe, gefunden hat.

Die Hauptfigur, der Kindermacher, ist – wie sollte es in diesem Genre anders sein – ein Menschenhasser, der nur seiner Hyäne vertraut und mit Menschen am liebsten nur den Kontakt hat, der nötig ist, um zu überleben. Das heißt für ihn: Geben und nehmen, wobei er der Hoffnung auf Nachwuchs gibt und dafür mit Lebensmittel versorgt wird. Das hätte auch schnell ein pubertärer Softporno werden können, durch die triste und freudlose Darstellung wird diese Gefahr aber weitläufig umgegangen.

Und so bleibt der Fokus auf dem einsamen Wanderer durch die zerstörte Welt, der den Menschen Hoffnung gibt, sich aber selbst zunehmends von der Zivilisation entfernt. Bis es dann doch zu einer schicksalhaften Begegnung kommt.

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Der Monatsrückblick Juli 2018

Na, alle schön am schwitzen? Nach der Schlußphase der Weltmeisterschaft kam die große Hitze über Deutschland. In der letzten Juli-Woche hatte ich wenigstens frei und nutzte nach dem Ausflug nach Paris die Zeit, um mich auch tagsüber mal mit Freunden zu treffen, bei denen es sonst etwas schwieriger ist – Stichwort: Junge Mütter. Wobei ich selten so enttäuscht war, wie beim letzten Besuch in der Eisdiele, als man mir sagte, das Spaghetti-Eis Gerät wäre zur Zeit kaputt. Was hatte ich mich darauf gefreut!

*** Foto des Monats ***

Das ein oder andere Bier am Abend machte diese Enttäuschung wieder weg. Es gibt schon einige schöne Orte in München, um im Freien ein kühles Getränk zu genießen. Das jährliche Friedensengelfest (eine Hammer-Homepage!) gehört dazu.

*** Kino ***

Dreimal war ich in diesem Monat im Kino. Beim ersten Film hatte ich den ersten WM-freien Abend dafür direkt genutzt, in den letzten Tagen habe ich das CineMaxx Sommer-Angebot genutzt, bei dem man 5 Filme für 28€ sehen kann. Die restlichen muss ich dann im nächsten Monat verbraten.

Die Farbe des Horizonts 8 von 10

Tami (Shaleine Woodley) will mit ihrem Verlobten Richard (Sam Claflin) von Tahiti ein Segelboot in Richtung Kalifornien überführen. Doch der Segeltörn entpuppt sich als Horror-Trip, als das Boot in einen starken Sturm gerät. Richard wird von Bord gefegt, Tami erwacht Stunden später alleine auf offener See. Sie klammert sich an die Überreste ihres Bootes, doch zwischen ihr und der rettenden Küste liegen 1.500 Meilen. Der Überlebenskampf ist spannend inszeniert: Der Sturm furchteinflößend, die ruhige See erschreckend einsam und Woodley leidet und verzweifelt in ihrer Rolle. Der Vergleich mit dem unglaublich starken All Is Lost mit Robert Redfort von vor ein paar Jahren drängt sich auf – an dessen Klasse kommt der Film jedoch nicht ran. Auch die Liebesgeschichte um Tami und Richard ist völlig uninteressant und vernachlässigbar. Der Aufbau mit den Sprüngen zwischen den beiden Zeitebenen und der aussichtslose Kampf auf hoher See lassen das aber verschmerzen.

The First Purge 7 von 10

Der neuste Film der Purge Reihe führt uns in die allererste Purge Nacht. Für ein soziologisches Experiment hat die neue Führung der USA, die Neuen Gründungsväter Amerikas, verfügt, dass eine Nacht lang auf Staten Island alle Verbrechen erlaubt sind. Teilnehmer werden dafür bezahlt, dass sie aktiv bei der Purge mitmachen und sich dabei beobachten lassen. Das Experiment kommt nicht bei allen Einwohnern von Staten Island gut an, besonders die organisierten Jugendgangs fürchten um die zusätzliche Aufmerksamkeit. Als die Purge-Nacht dann schließlich los geht, brechen nach und nach alle Dämme. Der Film steht vor der Herausforderung, das Kippen der realen Welt in eine dystopische Zukunft zu erklären – und schafft das nicht zufriedenstellend. Zwar nimmt man mal mehr, mal weniger Bezug auf die Gegenwart, richtig überzeugend ist das aber nicht. Letztlich ist das aber auch unerheblich für die Purge-Reihe, die auch hier wieder davon lebt, was passiert, wenn ein brutaler Überlebenskampf auf den Straßen herrscht, und das ganze mit etwas Sozialkritik anreichert. So auch bei The First Purge: Handgemachte Action, bizarre Masken, dazu ein Überwachungsstaat, der seiner Verantwortung nicht gerecht wird. Das ist wie immer gut gemacht, der Film liefert, was er liefern soll.

Papillon (2018) 6 von 10

Henri „Papillon“ Charrière (Charlie Hunnam) wird zu Unrecht beschuldigt, in Frankreich einen Mord begangen zu haben und wird in den 1930er Jahren zu lebenslanger Haft in einer Strafkolonie in Französisch-Guayana verurteilt. Auf dem Weg dorthin macht er die Bekanntschaft des ebenfalls zu einer langen Haftstrafe verurteilten Fälschers Louis Dega (Rami Malek). Nachdem Papillon Dega hilft, als dieser von anderen Häftlingen angegriffen wird, schließen die sich fremden Männer einen Pakt: Papillon beschützt Dega vor den Mithäftlingen, im Gegenzug unterstützt Dega ihn bei der geplanten Flucht mit seinem Geld. Mehrere Fluchtversuche scheitern und aus dem Pakt entwickelt sich im Laufe der Jahre eine Freundschaft, die wertvoller ist, als das eigene Leben. Das Buch von Charrière habe ich geliebt, die erste Verfilmung mit Steve McQueen und Dustin Hoffman ist legendär. Braucht es da ein Remake? Zumindest schadet es nicht. Hunnam und Malek spielen gut, die Unmenschlichkeit dieses Strafvollzugs wird deutlich. Aber etwas neues hat der Film nicht zu erzählen. Die Intensität des Originals fehlt, Papillons Freiheitsdrang wirkt immer aufgesetzt, seine Zeit in der Einzelhaft zu schnelll vergessen. Die Location wirkt trotzallem sehr clean, in der Ecke würde ich gerne mal Urlaub machen. Es bleibt ein nettes Remake, das niemand braucht.

*** Serien ***

Sechs beendete Serien-Staffeln im WM-Monat Juli? Nun, es sind dabei auch drei Serien mit einem halbstündigen Format dabei, dazu zwei klassische Crime-Shows, die man nicht zwingend im Block schauen muss, sondern für die  ich mir über die letzten Monate Zeit nehmen konnte. Und die auch wirklich gut waren! Man kann ja nicht immer nur das hochanspruchsvolle Drama schauen, der Krimi im klassischen Format erfüllt nach wie vor seine Funktion.

Bull (Staffel 2 / 22 Folgen – 13th Street) – 8 von 10

Die zweite Staffel rund um Dr. Jason Bull (Michael Weatherly) und sein Team hat seinen Ton endgültig gefunden und liefert Folge für Folge zuverlässig ab. Sympathisches Team, interessante Fälle, immer wieder eine andere Herangehensweise und Bull hat ein paar mehr Ecken und Kanten abbekommen. Der Aufhänger der Serie, das Geschäftsmodell Bull’s Firma TAC, spielt immer weniger eine Rolle, man muss daher die Existens einer Spiegel-Jury kaum noch schlucken, was durchaus positiv ist. Ähnlich wie bei Suits werden immer wieder außergerichtliche Einigungen erzielt, was dazu führt, dass nicht alle Kunden der Firma immer unschuldig sein müssen, und Bull und der Firmenanwalt Benny Colon (Freddy Rodriguez) nicht jeden Fall komplett gewinnen. Das Crime-Genre wird niemals sterben, vor allem nicht, wenn immer mal wieder solche Shows dazwischen sind, die es schaffen, frischen Wind hinein zu bringen.

The End of the F***ing World (Staffel 1 / 8 Folgen – Netflix) – 9 von 10

Die beiden Jugendlichen James (Alex Lawther) und Alyssa (Jessica Barden) schleppen einige psychische Probleme mit sich rum. Gemeinsam wollen sie aus ihrem kleinem Kaff abhauen und Alyssas Vater finden. Dazu schnappen sie sich das Auto von James Vater und brechen für eine Reise auf, die ganz anders verläuft, als sie es sich vorgestellt haben. Ausgesprochen kurzweilig sind die acht Folgen anzusehen, in denen der Roadtrip der beiden Außenseiter immer weiter aus dem Ruder läuft. Das ist lustig und ergreifend und man leidet mit den beiden auf ihrer Selbstfindungsreise mit. Die Nebencharaktäre sind britisch skurill und bleiben daher länger im Kopf. Alles in allem eine runde Sache, bei der der Genre-Mix stimmt.

False Flag (Staffel 1 / 8 Folgen – FOX) – 6 von 10

Fünf israelische Staatsbürger erfahren eines Morgens, dass sie unter Verdacht stehen, den iranischen Verteidigungsminister bei einem Besuch in Moskau entführt zu haben. Die Identitäten und Fotos der fünf Verdächtigen werden bereits weltweit verbreitet. Schockiert beteuern die fünf ihre Unschuld, doch selbst ihre eigenen Angehörigen beginnen, ihre Aussagen anzuzweifeln. Ihr Leben gerät außer Kontrolle, während ihr eigenes Land, von dem sie sich Unterstützung erhofft hatten, gegen sie ermittelt. Die israelische Serie war als das neue Homeland angekündigt, kann den Vergleich aber leider nicht bestehen. Klar ist die Ausgangssituation spannend, die Story verheddert sich dann aber in den zu vielen Figuren. Der Fokus auf einige, wenige wäre vielleicht spannender gewesen. Gut ansehen kann man es sich trotzdem, einige Twists überraschen, ohne aber den starken Sog des großen Vorbilds zu entwickeln.

Glow (Staffel 2 / 10 Folgen – Netflix) – 7 von 10

Die Mädels von GLOW (mit u.a. Betty Gilpin als All American Girl, Alison Brie als russische Widersacherin und Kate “Foundations” Nash als Bücherwurm), sind zurück im Wrestling-Ring und liefern für Regiesseur Sam (der herrlich gleichgültige Marc Maron) und Produzent Howard (Chris Lowell) ihre Show ab. Dabei kommt es immer wieder zum Gerangel zwischen den Kompetenzen, privaten Verstrickungen, dem Umgang mit der wachsenden Bekanntheit und dem TV-Geschäft. Die zweite Staffel ist etwas ernster als die erste und gibt den Figuren mehr privaten Background, was im Laufe der 10 Folgen immer besser funktioniert – bis es dann in der letzten Folge zum ultimativen Kampf im Ring kommt.

Lethal Weapon (Staffel 2 / 22 Folgen – Sat 1) – 7 von 10

Die Detectives Murtaugh (Damon Wayans) und Riggs (Clayne Crawford) lehren weiter den bösen Jungs in Los Angeles das Fürchten, genau wie ihrem Captain (Kevin Rahm). Riggs wird dabei immer wieder mit seiner eigenen Vergangenheit und der Beziehung zu seinem Vater (Rex Linn) konfrontiert. Auch die zweite Staffel erfindet das Genre nicht neu, macht aber zum größten Teil einfach Spaß. Die Action passt, die Frotzeleien zwischen den beiden Hauptfiguren sind lustig und wohl dosiert und der Fall der Woche funktioniert meist. Gegen Ende geht der Staffel etwas die Luft aus, je mehr die beiden Hauptfiguren getrennt unterwegs sind, fehlt der Serie etwas. Und bei Murtaugh muss man aufpassen, dass man ihm nicht sämtliche Sitcom-Stories für (über-) vorsorgliche Väter unter jubelt. Das Staffelfinale sollte den Ausstieg von Crawford nicht im Wege stehen.

Silicon Valley (Staffel 5 / 8 Folgen – Sky Atlantic) – 7 von 10

Das Team von Pied Piper heuert eine größere Gruppe von Codern an, um an ihrer Vision des Neuen Internets zu arbeiten. In den neuen Räumen muss Richard (Thomas Middleditch) aber dann erst einmal sehen, aus den Grüppchen in der Firma eine Einheit zu formen. Betram (Martin Starr) und Dinesh (Kumail Nanjiani) sind dabei keine große Hilfe. Währenddessen versucht Jian-Ying (Jimmy O. Yang) aus dem Verschwindern von Erlich (der ausgestiegene T.J. Miller) Kapitel zu schlagen. Ich hätte nicht erwartet, das zu sagen, aber Erlich fehlt der Serie als Gegengewicht zu den Programmieren. Diese müssen nun auf eigenen Füßen stehen, machen das aber in der Serie relativ gut. Die Sticheleien zwischen Betram und Dinseh sitzen, Jareds (Zach Woods) Unterwürfigkeit hält sich noch im Annehmbaren Rahmen. Aber im Kampf um die Finanzen und durch das Firmengeflecht bleibt der Witz manchmal auf der Strecke. Schön aber, dass die Rolle von hooli’s Geschäftsführer Gavil Belson (Matt Ross) weiter ausgebaut wurde, er rettet mit dem sich hinziehenden Launch seiner Signature Box 3 einige Episoden.

Nach dem WM-Pause läuft die Serien-Pipeline im August wieder an. Wer es empfängt, kann ab dem 2. die zweite Staffel von The Handmaid’s Tale bei Entertain TV sehen. Ab dem 7. führt Netflix Better Call Saul mit der vierten Staffel fort. Und nachdem sich bei Modern Family in Deutschland lange nichts tat, kommt nun am 9. die siebte Staffel zu Sky 1, am 24. geht es direkt mit der achten Staffel weiter. Und am 30. bringt Sky Atlantic mit Sharp Objects die neue Serie mit Amy Adams nach Deutschland.

*** Wie geht’s dem KSC? ***

Bilanz: 1 Spiel, 1 Punkt.

Wie in der letzten Saison bestritt auch dieses Mal wieder der KSC das Eröffnungsspiel der 3. Liga. Und wie im vergangenen Jahr sprang auch dieses Mal wieder nur ein Punkt dabei raus. Es fühlte sich aber anders an. Auswärts bei einem Absteiger den Punkt geholt, damit ist man im Plan, dank eines wunderschönes Freistoß-Tores von Marvn Wanitzek.

Gesehen habe ich das Spiel bei Telekom Sport im Stream, nach dem ich lange überlegt habe, ob es mir den zusätzlichen 10er pro Monat wert ist, um maximal 38 KSC-Spiele zu sehen (abzüglich der Spiele, an denen ich keine Zeit habe oder die in den dritten Programmen übertragen werden). So richtig zufrieden war ich mit der Übertragung noch nicht, der Stream hing einige Male (das bekommt Netflix definitiv besser hin) und der Kommentator war etwas arg euphorisch mit seinen Weltklasse-Lobeshymnen, dafür, dass es trotz allem nur die dritte Liga war.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: Einige auf dem Lollapalooza Paris. Gekaufte Konzerttickets: 4 (Kein Wunder, schließlich trudeln langsam die Konzertbestätigungen für den Herbst ein. In meinem Warenkorb gelandet sind: Rolling Blackouts Coastal Fever, Farewell Dear Ghost, Ash und die Middle Kids – zu denen ich nur kann, weil Liam Gallagher ganz rockstar-like seine Tour verschoben hat).

Wir sind Pabst! Oder so. Power-Rock aus Berlin in unpeinlichem Englisch. Shake The Disease ist ein kleiner Ohrwurm bei dem mehr hängen bleibt als nur die feuerroten Haare des Sängers.

Als zweites gibt es noch ein Stück vom Debutalbum der Australier von RVG. Mir gefiel schon ihr Auftritt als Support von Shame vor einigen Monaten, das Album steht dem in nichts nach. Etwas Shoegaze-Pop mit einer starken Stimme. Vincent Van Gogh ist dafür ein gutes Beispiel.

*** Foodpic des Monats ***

Da ich in diesem Monat komischerweise nur Burger fotografiert habe, gibt es dieses Mal… einen Burger! Von King Loui im Westend Münchens. Ich war das erste Mal dort und würde jederzeit wieder dorthin gehen.

*** Linktipps ***

Ein paar Lesetipps aus den Weiten des Internets:

City Guide: Vilnius: Ein paar Tipps und Bilder über Litauens schöne Hauptstadt.

Praktische Tipps für den Umzug: Ines hat den ganzen Quatsch schon hinter sich und gibt euch Tipps, was man bei Umzug alles beachten sollte.

Warum wir jetzt nicht mehr unpolitisch sein können: Kathi über den Verlust der Werte in unserer Wertegemeinschaft.

Tee zum Nicht-Geburtstag: Auf GoingToTheMovies hat man das erste Mal Alice im Wunderland gesehen, dem Fear And Loathing in Las Vegas von Disney.

Der Report der Magd: Miss Boolena vergleicht den Roman The Handmaid’s Tale mit der Ausnahme-Serie von Hulu und einer alten Verfilmung von Volker Schlöndorff.

*** Frage des Monats ***

Welche Sommer-Blockbuster sollte ich im August noch nach holen? Und welche neue Filme kommen noch raus? Und klar, der nächste Mission Impossible ist gesetzt.

Und das war’s für diesen Monat. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und viel Spaß beim weiter schwitzen.

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Lollapalooza 2018 – Paris

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Das Lollapalooza ist wahrscheinlich die größte, globale Festival-Marke, bekannt von Spielorten in Nord- und Südamerika. Seit einiger Zeit expandiert die Marke nach Europa, mit Halt in Berlin (wo ich vergangenes Jahr war), seit letztem Jahr in Paris und demnächst auch in Stockholm.

Aufgrund des tollen Line-Up’s – und weil ich seit 2006 nicht mehr in Paris war – wollte ich in diesem Jahr das Festival in der französischen Hauptstadt besuchen. Es hat etwas Überzeugungsarbeit gekostet, eine Begleitung zu finden, aber schließlich saßen wir am Samstag morgen im Flugzeug nach Paris (Air France, es gab ein leckeres Pain au Chocolat als Snack), ließen uns per Taxi zu unserem Hotel im Vorort Saint Cloud bringen und marschierten von dort zum Festivalgelände.

Der Samstag

Wie in Berlin im vergangenen Jahr war auch hier das Gelände riesig. Und bot einen tollen Blickfang: Der nachgebaute Eiffelturm war wahrscheinlich das Foto-Motiv des Festivals! Und sorgte bei den daheimgebliebenen gleich für Verwirrung – ohne Vergleichsmöglichkeit konnte man ihn leicht mit dem echten Verwechseln. Nicht zu verwechseln war aber auch die Schlange, an dessen Ende man sich Guthaben auf sein Festival-Bändchen laden musste, damit man an den ganzen Ständen bezahlen konnte. Das Anstehen in der prallen Sonne (überhaupt waren Schattenplätze ein Problem auf dem Festival) dauerte ewig, machte das Bezahlen hinterher aber deutlich einfacher und schneller.

Es wurde Zeit für Musik. Nothing But Thieves sollten für uns den Anfang machen. Aber aus technischen Gründen verzögerte sich ihr Auftritt auf der Alternative Stage, so dass wir gleich rüber zu den beiden Main Stages gegangen sind und dort auf den Auftritt von Black Rebel Motorcycle Club warteten, während auf der anderen Bühne noch jemand names Lil Pump spielte – was ihm am Ende eine nicht nett gemeinte Widmung bei Whatever happened to my Rock’n'Roll einbrachte. Der restliche Auftritt von BRMC war nett und routiniert, aber zündete auf der großen Festival-Bühne nicht ganz. Nach ihnen spielten Kaleo – schön, konnte man sich gut anhören und dabei etwas essen. Zu den Klängen von Bastille suchten wir uns dann vor der zweiten Main Stage rechtzeitig ein paar gute Plätze, um möglichst nah dran zu sein bei Kasabian. Klappte auch, der Mosh Pit war natürlich wieder direkt bei uns. Stimmung wie immer bei Kasabian toll, genug Engländer waren auch da, und so ging es rund bei Underdog, God Bless This Acid House und Fire.

Nach dem Tag in der Sonne und dem Rumhüpfen bei Kasabian musste etwas Entspannung her. Deshalb sind wir langsam rüber zur Alternative Stage und haben dort im Sitzen auf den Umbau gewartet, bis dann Portugal, The Man begannen. Die spielten relativ launig, mischten ein paar bekannte Sachen zu ihren eigenen Songs – schön chillig zur untergehenden Sonne. Bis zum Schluß konnten wir aber nicht bleiben, ihr Auftritt überschnitt sich mit Depeche Mode. Nicht, dass ich da der große Fan wäre, aber wenn man schon mal die Möglichkeit hat, sie zu sehen, warum sollte man das dann auch nicht tun? Also hörten wir uns zum Abschluß des Tages noch ihre großen Klassiker wie Personal Jesus, Enjoy The Silence und Just Can’t Get Enough an, bevor wir den ewig langen Heimweg zurück zum Hotel antraten.

Der Sonntag

Die Temperaturen hielten auch am zweiten Tag, Schatten gab es weiterhin kaum. Deshalb hörten wir uns zunächst French Montana auf einer der Main Stages an, weil wir dort ganz an der Seite noch ein Schattenplätzchen ergattern konnten. Musikalisch war das aber verzichtbar. Abkühlung war nötig und was gibt es da besseres als ein Slush Ice? Richtig, nichts – nur dumm, dass der Verkaufsstand dazu genau auf der anderen Seite des Festivals war. Und uns alle auf dem Weg dahin entgegen kamen, um Dua Lipa zu hören. Wir holten uns aber lieber das Eis und rasteten im Schatten vor der Alternative Stage, wo wenig später der Rag’n'Bone Man auftreten sollte. Tolle Stimme, aber langweilig, also weiter und zurück zu den Main Stages, wo mittlerweile die Stereophonics spielten. Da weiß man, was man bekommt!

Rechtzeitiger Wechsel der Bühnen, um für den nachfolgenden Act einen guten Platz zu bekommen: Noel Gallagher war mit seinen High Flying Birds hier und mischte seine aktuellen Sachen (incl. der fast schon legendären Scheren-Performance) mit den Oasis-Klassikern, die dann selbstredend die Highlights waren. Little By Little, Whatever, Don’t Look Back in Anger – auch nach so vielen Jahren immer wieder gut. Danach war Zeit für Burger – anstehen und essen zu den Tönen von Years & Years auf der Alternative Stage.

Bis zum Ende blieben wir dort allerdings nicht, zurück zu den Main Stages, wo wir uns einen Platz zwischen den beiden Bühnen suchten. Auf der einen spielte noch der Franzose Nekfeu – und überzog sein Set. 5 Minuten, 10 Minuten, vor der anderen Bühne war man sichtlich genervt, wartete man doch hier schließlich auf The Killers. Und denen langte es dann auch. Während Nekfeu noch spielte stürmten sie auf ihre Bühne und starteten mit Mr. Brightside und einer ordentlichen Konfetti-Kanone ihr Set. Rock’n'Roll! Ich bin nun wirklich kein ausgewiesener Killers-Fan, mehr als 3 Songs kann ich nicht benennen, aber das machte Spaß. Und Sänger Brandon Flowers kann seine Las Vegas Abstammung (und seine Ähnlichkeit zu Markus Lanz) nicht verleugnen. Humans und erneut Mr. Brightside, nun an der regulären Stelle des Sets, beendeten ihren Auftritt. Die nachfolgendene Gorillaz taten wir uns dann nach zwei Songs nicht mehr an.

Damit war das Festival für uns beendet. Nett war es, auch wenn mir die Berliner Ausgabe im letzten Jahr musikalisch und von der Location her etwas besser gefallen hatte. Aber dafür hatte Paris den Eiffelturm.

Noch ein paar Worte zum Hotel: Laut booking.com war es eines der nahegelegensten Hotels zum Spielort Hippodrome de Langchamp. Trotz allem waren es zu Fuß immer noch mehr als 3 Kilometer zu laufen, Busse fuhren die Strecke nur teilweise. Richtig ideal war es daher nicht, auch wenn das Hotel an sich nicht verkehrt war. Frühstück holte man sich in einer Art WG-Küche, die Zimmer waren okay, die Dusche sogar fantastisch. Zum Bahnhof waren es nur ein paar Minuten zu Fuß, von hier fuhren regelmäßig Züge nach Paris. Was wir an den beiden folgenden Tagen dann auch genutzt haben – mehr dazu dann in einer der nächsten Einträge.

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WM Splitter 2018 – Teil 2

Als der Himmel über Moskau seine Schleusen öffnete, war alles entschieden: Frankreich ist neuer Fußball-Weltmeister, zum zweiten Mal. Zwischen goldenem Konfetti und dicken Regentropen stemmen die französischen Spieler die bedeutendste und vielleicht auch schönste Trophäe  des Fußballs in den Moskauer Abendhimmel.

Frankreich ist der verdiente Weltmeister. Im Finalspiel gegen Kroatien war zwar auch etwas Glück dabei und dass der Gegner sich teilweise selbst schlug, aber der Weg ins Finale war souverän eindrucksvoll und effizient. Alle K.O.-Spiele in 90 Minuten gewonnen (während Kroatien jedes Mal in die Verlängerung oder das Elfmeterschießen musste) und dabei Gegner wie Argentinien, Uruguay und Belgien ausgeschaltet. 14 Tore erzielt, nur Belgien hatte mehr.

In diesem Jahr waren Standards so gefragt wie nie. Gut 40% der Tore sind so gefallen. Das machte das Spiel nicht grade attraktiver. Aber ist eine direkte Reaktion darauf, dass defensiv gut stehen mittlerweile die meisten Teams beherrschen. Auf der anderen Seite steht das frühe Ausscheiden von Deutschland und Spanien auch (hoffentlich) für das Ende des Ballbesitz-Fußballs à la FC Barcelona oder Bayern München. Den Ball von links nach rechts in die Mitte und wieder nach links zu spielen, in der Hoffnung irgendwo eine Lücke in der gegnerischen Abwehrkette aufzureißen, hilft nicht, wenn es zu träge gespielt wird. Statt dessen wird Pressing und Gegenpressing, den Gegner also bei seinem Ballbesitz frühzeitig unter Druck zu setzen, immer wichtiger. Mexiko und Südkorea haben es in ihren Spielen gegen Deutschland schön gezeigt. Es würde mich nicht wundern, wenn wir demnächst immer öfter einstudierte Konter und Tempogegenstöße sehen werden, mit fest gelegten Laufwegen der Angreifer. American Football läßt grüßen.

Zu so einer Weltmeisterschaft gehört für mich auch immer, so viele Spiele wie möglich zu sehen. Ganz egal, wie gut Deutschland abschneidet, geguckt wird, was geht. In diesem Jahr habe ich von den insgesamt 64 Spielen ganze 46 gesehen oder nebenbei gesehen. Das sind ungefähr 70%! Nach einem etwas schwachen Start wurden die Spiele nach und nach besser und offener. Wobei dann natürlich in der K.O.-Phase die Dramatik immer weiter anstieg. Das hier waren die unterhaltsamsten Spiele:

6. Gruppe D: Argentinien – Kroatien 0:3 – Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte ziehen die Kroaten in der zweiten Halbzeit mit einer starken Chancenverwertung die Südamerikaner ab. Damals noch hauptsächlich als Abgesang auf Argentinien verstanden, war es letztlich der Aufgalopp des Finalisten.

5. Finale Frankreich – Kroation 4:2 – So viele Tore sieht man selten in einem Finale. Eigentore, Videobeweis, strittige Freistöße und kapitale Torwartfehler – es war einiges geboten. Das war nicht immer hochklassig, aber stellenweise tragisch.

4. Viertelfinale Brasilien – Belgien 1:2 – Belgien geht durch ein Eigentor früh in Führung und kann diese sogar noch ausbauen. Danach drückt Brasilien, kommt immer öfter zum Abschluß und verzweifelt an Torwart Courtois. Brasilien noch das beste Team im Turnier, das komplett auf Ballbesitz setzt, Neymar zeigt, dass er nicht nur am Boden gut ist – aber es hilft nichts. Raus mit 26 zu 8 Torschüssen.

3. Achtelfinale Belgien – Japan 3:2 – Nach einer eher ruhigen erste Hälfte schießen die Japaner in fünf Minuten zwei Tore und machen die Falltür für den ewigen Geheimfavoriten weit auf. Doch diese drehen das Spiel und netzen in der Nachspielzeit durch einen Bilderbuchkonter zum Siegtreffer ein.

2. Gruppe B: Portugal – Spanien 3:3 – Ein früher Appetithappen auf diese WM, bevor in den Tagen danach eine gewisse Ernüchterung eintrat. Die beiden großen Teams liefern sich ein enges Match, auf der einen Seite Ronaldo mit drei Treffern, auf der anderen Seite Coach Hierro, wenige Tage nach seinem Amtsantritt. Zu dem Zeitpunkt konnte keiner ahnen, dass beide Teams nach dem Achtelfinale schon raus sein würden.

1. Achtelfinale Frankreich – Argentinien 4:3 – Das Spiel dieser WM! Es geht hin und her – zunächst dreht Argentinien das Spiel, bis Pavard den Hammer raus holt und Mbappé den Turbo zündet und sie das Spiel in 11 Minuten für Frankreich gewinnen.

Neben diesen Spielen gab es natürlich auch einzelne Szenen, die gerne im Kopf bleiben dürfen. Aus deutscher Sicher am meisten natürlich der Freistoß-Knaller von Kroos in der Nachspielzeit zum letztlich bedeutungslosen Siege gegen Schweden. Von der Bedeutung her vergleichbar mit dem ersten WM-Tor von Panama. Beim aussichtslosen Stand von 0:6 gegen England erzielte der eingewechselte Felipe Baloy den Ehrentreffer, die Fans im Stadion konnten ihr Glück kaum fassen. Und dann gab es natürlich noch diese Szene von Piqué:

Auch das darf natürlich nicht fehlen: Die Elf der WM 2018! Wenig überraschend dieses Mal ohne deutsche Beteiligung, auch die Spanier und Argentinier sucht man vergeblich.Auf der Bank: Pickford (England), Lovren (Kroatien), Granqvist (Schweden), Stones (England), de Bruyne (Belgien), Kanté (Frankreich), Perisic (Kroatien), Kane (England), Cavani (Uruguay), Ronaldo (Portugal)

Und schließlich noch das firmeninterne Tippspiel. Nach einem furchtbar schlechten Start und im nachhinein abstrusen Bonus-Tipps, konnte ich ab dem Viertelfinale noch mal deutlich zu legen und mich ins Mittelfeld vorkämpfen. Platz 7 von 15, immerhin. Die Podiumsplätze blieben aber in weiter Ferne.

Nächstes Wochenende geht es für mich übrigens nach Paris, ist aber wohl eine Woche zu spät für die Feierlichkeiten.

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Der Monatsrückblick Juni 2018

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Die Gruppenphase der WM ist geschafft, das deutsche Team ist raus, ab jetzt kann man sich die WM ohne Druck geben! Und das sommerliche Wetter hält sich nun schon seit Wochen – von einigen aktuellen Unterbrechungen mal abgesehen – und dabei kommen Juli und August ja erst noch. Das sind doch mal Aussichten!

*** WM 2018: Die Gruppenphase ***

Die wichtigen Sachen zuerst: Die FIFA WM 2018.

Deutschland ist raus, ohne Applaus. Eine gute Halbzeit ist zu wenig, um die Vorrunde zu überstehen und so tritt das DFB-Team zsmmn die Heimreise an. Behäbig gespielt, Ballbesitz alleine reicht nicht, wenn sich der Gegner auf das Offensivspiel eingestellt hat. Und so reichte es am Ende nur zu einem herausgespielten Tor und zu Kroos‘ Knaller gegen Schweden, was am Ende dann nicht mehr war wie ein Knallfrosch. Bei allen großen Verdiensten zuvor, wenn ein Bundestrainer nicht die Vorrunde übersteht, muss er weg. Die Kaderzusammenstellung ist nicht aufgegangen, ein Spieler wie Sane hat am Ende gefehlt, eine Stammelf hat sich auch nicht gebildet. Wenn man in 3 Spielen insgesamt 20 Spieler einsetzen muss, läuft da etwas nicht rund. Der DFB wird Löw nicht raus schmeißen – ich gehe aber davon aus, dass er selbst die Konsequenzen ziehen wird. Horst Hrubesch übernimmt.

Dagegen haben sich aber 16 andere Teams für die K.O.-Phase qualifiziert: 10 aus Europa, 4 aus Südamerika und jeweils ein Team aus Mittelamerika und Asien. Afrika ist raus. Nach dem eher mauen Auftakt haben sich die Spiele in der Gruppenphase von Spieltag zu Spieltag gesteigert. Hoffentlich setzt sich der Trend nun im Achtelfinale fort. Mit Frankreich – Argentinien, Spanien – Russland, Brasilien – Mexiko und Kolumbien – England sind da durchaus ein paar gute Spiele dabei.

Ins Halbfinale würde ich im Moment diese 4 Teams tippen: Frankreich, Spanien, Brasilien und – Überraschung – Kolumbien. Aber Achtung: Ich wäre eine Tage letzter im firmeninternen Tippspiel.

*** Kino ***

Vor dem Start der Weltmeisterschaft konnte ich wenigstens mal wieder zwei Blockbuster von der Liste abhaken. Der Besuch hat sich bei beiden auch mehr oder weniger gelohnt.

Deadpool 2 8 von 10

Wade Wilson (Ryan Reynolds) hat sich gerade erst so richtig in seiner Existenz als vernarbter, aber kampfgeschulter Deadpool eingerichtet, der tagsüber Bösewichte zur Strecke bringt und abends brav zu seiner Freundin (Morena Baccarin) nach Hause kommt, als sein Leben auf den Kopf gestellt wird. Plötzlich findet er sich mehr oder weniger unfreiwillig in der Rolle eines Superhelden wieder, der den jungen Mutanten Russell (Julian Dennison) beschützen soll. Als ein gewisser Cable (Josh Brolin) in seine Zeit zurückreist und für Ärger sorgt, gründet Wade seine eigene Kämpfertruppe, um mit Domino (Zazie Beetz aus Atlanta) und weiteren Mitstreitern Schlimmeres zu verhindern. Im Prinzip sind alle Marvel-Filme doch mehr oder weniger gleich, auch wenn sie durchaus in verschiedenen Tonalitäten gespielt werden. Dieser hier ist zum Beispiel frecher und witziger als die anderen, kann aber seine Verwandtschaft nicht verleugnen. Was Deadpool 2 aber tatsächlicher auszeichnet – und ich hätte nicht gedacht, das mal noch bei einem Marvel-Film zu erleben – ist der interessante und charismatische Gegenspieler. Brolins Präsenz wirkt Wunder, seine Hintergrundstory macht aus ihm mehr als ein Abziehbildchen. Der Rest des Casts, allen voran Reynolds, ist gut aufgelegt und die Actionsequenz routiniert flott. Bleibt nur noch die Frage: Ist Glück wirklich eine Superkraft?

Solo: A Star Wars Story 7 von 10

Han Solo (Alden Ehrenreich) ist als Schmuggler in den unendlichen Weiten der Galaxis unterwegs und stürzt sich waghalsig von einem Abenteuer in das nächste. Dabei trifft er nicht nur auf seinen späteren Weggefährten und Co-Piloten Chewbacca (Joonas Suotamo), sondern gerät ebenfalls mit dem berüchtigten Zocker Lando Calrissian (Donald Glover) aneinander, von der mysteriösen Qi’Ra (Emilia Clarke) und dem Schurken Beckett (Woody Harrelson) ganz zu schweigen. Es ist ein Star Wars Film für alle, die kein Star Wars mögen. Es wird weder von einer diffusen Macht gefaselt, noch gibt es eine epische Story, bei der die ganze Galaxis auf dem Spiel steht. Es ist vielmehr die Geschichte eines kleinen Halunken, der seinen Platz in der Welt sucht und dabei auf seinen Mentor (Harrelson) trifft und sich letztlich mit ihm duellieren muss – so viel Star Wars muss dann doch sein. Ehrenreich ist nicht so schlimm wie befürchtet – Kompliment hier an die Synchro, die täuschend echt an der alten Harrison Ford Stimme dran ist. Und mit Glover und Harrelson als Sidekicks macht man ja selten etwas falsch. Sicher hat der Film seine Längen, macht aber trotzdem Spaß und hat deutlich interessantere Figuren zu bieten als der eher öde Rogue One.

*** Serien ***

BoJack Horseman (Staffel 3 / 12 Folgen – Netflix) – 6 von 10

BoJack, ein depressives Pferd und ehemaliger Sitcom-Star, rührt die Werbetrommel für seinen neuen Film Secretariat und wird dafür mit mehreren Nominierungen für die wichtigsten Filmpreise bedacht. Wird es auch für eine Oscar-Nominierung reichen? Todd dagegen bastelt weiter an neuen Geschäftsideen – und scheint zur Abwechslung dabei sogar mal erfolgreich zu sein. Nicht ganz so erfolgreich ist dagegen die dritte Staffel. Es gab einige Experimente (wie die stumme Unterwasserfolge), die nicht immer glückten, wieder einige Rückblicksepisoden – wo der Witz mit der penetrant wiederholten Jahreszahl mittlerweile etwas abgenutzt ist – und ein anderer Teil der Staffel plätscherte einfach so dahin, nur um dann doch wieder solche tragischen Perlen wie der gemeinsame Alkohol- und Drogenabsturz von BoJack und seiner Filmtochter Sarah Lynn einzustreuen oder der Ausbruch des gutmütigen Todds gegen BoJack. Insgesamt war es mir dieses Mal aber doch etwas zu wenig.

The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd (Staffel 1 / 10 Folgen – Blu-Ray) – 9 von 10

In einer nahen, aber dystopischen Zukunft hat sich die Gesellschaft radikal verändert. Es haben sich neue, soziale Klassen gebildet, in denen die Frauen unterjocht werden. Die Magd Desfred (die aus Top of the Lake bekannte Elizabeth Moss) arbeitet im Haushalt von Commander Waterford (Joseph Fiennes). Dort kümmert sie sich nicht nur um die Einkäufe, sondern muss auch, als eine der wenigen verbliebenen, fruchtbaren Frauen, einmal im Monat ihrem Besitzer bei einer Zeremonie für sexuelle Dienste zur Verfügung stehen. Diese düstere Zukunftsvisionen steht seinen klassichen Vorbildern wie 1984 und Schöne, Neue Welt in nichts nach. Ihr starker Realitätsbezug lässt die Vision erschreckend nah wirken. In Rückblicken wird erzählt, wie es zu diesem Gesellschaftswandel kommen konnte. Starke Schauspieler und gut geschriebenes Drama machen daraus ein eindrückliches und nachhaltiges Serienhighlight. Auch die Optik stimmt, die sich nur in Facetten von unserer Welt unterscheidet, aber dafür mit den Kutten der Mägde eine ikonische Bildsprache gefunden hat.

Patrick Melrose (Staffel 1 / 5 Folgen – Sky 1) – 8 von 10

Patrick Melrose (Benedict Cumberbatch) ist ein britischer Playboy, der seine Vergangenheit, die vom Missbrauch durch den eigenen Vater (Hugo Weaving) geprägt ist, mit Drogen und Alkohol bekämpft. Als sein Vater schließlich 1982 stirbt, beschließt Patrick sein Leben zu ändern. Die fünf Folgen zeigen dabei verschiedene Stationen seines Lebens, von den 60ern bis zu den frühen 2000ern. Dabei führt es Melrose immer wieder zurück in das schicksalhafte Ferienhaus der Familie in Südfrankreich. Dank Cumberbatch ne sichere Nummer, eine Serie ohne Längen, die einerseits leicht und flockig daher kommt, aber andererseits auch großes Familiendrama ist. Die fünf Stunden Laufzeit sollte man sich nehmen.

Westworld (Staffel 2 / 10 Folgen – Sky Atlantic) – 7 von 10

Auch in der zweiten Staffel bleibt Westworld die derzeit optisch herausragendste Serie. Das hat durchweg Kinoqualität, wie der Aufstand der Hosts um Dolores (Evan Rachel Wood) und Maeve (Thandie Newton) im Freizeitpark Westworld eingefangen wird. Diese sind sich mittlerweile bewußt, dass sie nur programmierte Roboter sind und versuchen nun, sich ihre Unabhängigkeit zu erkämpfen. Nach dem Massaker an den Delos Mitarbeitern zum Ende der letzten Staffel, schickt die Firma nun einen Security Trupp (mit Gustaf Skarsgard) zur Unterstützung von Charlotte Hale (Tessa Thompson), um die Ordnung wieder herzustellen. Welche Rolle spielt dabei aber Bernard (Jeffrey Wright), der sich gleich zu Beginn zu einem Massengrab der Hosts bekennt? Und wer ist der mysteriöse Man in Black (Ed Harris) wirklich? Es bleibt rätselhaft in der zweiten Staffel, auch weil es dieses Mal schwerer fällt, die einzelnen Zeitebenen von einander zu trennen. Trotz allem werden wieder einige Geheimnise aufgedeckt, die manches in anderes Licht setzen. Auch verlassen wir dieses Mal die Westernwelt und bekommen einige andere Erlebniswelten des Parks präsentiert. Gleichzeitig bietet diese Staffel aber auch vor allem in der ersten Hälfte sehr viel mehr Action. Das ist alles gut bis sehr gut gemacht und viel anspruchsvoller erzählt als in vielen anderen der großen Serien, fesselt aber nicht mehr so wie die erste Staffel. Der Reiz des Neuen ist weg und mich beschlich oft das Gefühl, zwischendrin etwas verpasst zu haben. Schade, die Serie nutzt ihr Potential nicht voll aus.

Z Nation (Staffel 4 / 13 Folgen – Syfy) – 7 von 10

Warren (Kellita Smith) erwacht aus einem Koma und findet sich zwei Jahre später in ZONA wieder, einer friedlichen Insel inmitten des Zombie-Wahnsinns. Murphy (Keith Allan) scheint geheilt, während der Rest der Gruppe entweder tot ist oder ums Überleben kämpft – gegen einen unzerstörbaren Zombie-Virus. Warrens apokalyptischer Traum eines schwarzen Regenbogens schickt die Gruppe (mit u.a. Nat Zang und Russell Hodgkinson) auf eine rätselhafte Mission, um zu verhindern, dass die Apokalypse der Menschheit etwas noch Schlimmeres schickt. Auch die neue Staffel strotzt wieder vor Ideen (wie die Folge im Nachrichtenstudio oder die im Friseurladen) und verfolgt eine klare Linie. Dass dafür dann teilweise der Tiefgang fehlt und die Handlung nicht die ganze Staffel oder die ganzen Folgen tragen, ist dagegen die Kehrseite der Medaille. Aber es reicht, um auch in diesem Jahr wieder die Zombie-Konkurrenz von The Walking Dead zu schlagen.

Die gleiche Wertung für das Edelformat Westworld und die Trash-Produktion Z Nation? Ja, auch wenn ich bei beiden lange überlegt hatte – Z Nation stand auf der Kippe, Westworld hätte ich fast die 8 gegeben. Im Unterhaltungswert geben sie sich nicht viel, auch wenn das eine mehr von der Hochglanz-Inszenierung lebt, dafür das andere einfach die besseren und teilweise albernen Ideen liefert. Wie gerne man dran bleibt ist halt keine Frage des Budgets oder des Anspruchs.

Der Ausblick auf den Juli möchte ich mit dem wichtigsten beginnen: Am 31. startet auf FOX die 6. und letzte Staffel von Nashville. Nashville! Sonst steht auf meiner Liste tatsächlich nicht viel, aber den Serienstart von Die Pest am 19. auf Sky Atlantic habe ich mir noch vorgemerkt, genau wie die Veröffentlichung der 3. Staffel von The Fall auf Netflix am 15. Und wer auf Zombie-Filme steht und diesen noch nicht gesehen hat: Der famose Train To Busan aus Südkorea steht auf Netflix bereit. Und Sky Kunden müssen sich von RTL Crime verabschieden – der Sender fliegt von der Plattform, genau wie RTL Passion. Das war mit Sicherheit kein Wunsch der Zuschauer.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 1 (…and you will know us by the trail of dead). Gekaufte Konzerttickets: 0.

Die Muncie Girls melden sich zurück mit Picture of Health als Vorboten für das neue Album. Und der Song macht genau da weiter, wo das tolle Debutalbum aufgehört hatte.

Das zweite Video kommt aus Australien von Rolling Blackouts Coastel Fever. Langer Name, kurze Message: Hört mal rein in Talking Straight, es erwartet euch entspannte Sommer-Pop-Gitarrenmusik und lest ihr Interview bei Best Ditches.

*** Foodpic des Monats ***

Sommer, Sonne, Spaghetti-Eis. Verziert mit den Farben der italienischen Flagge, die Italiener haben ja Zeit in diesem Sommer.

*** Linktipps ***

Ein paar Lesetipps aus den Weiten des Internets:

B-Film Basterds 2018: Wem das Fantasy Filmfest schon zu trashig ist… der sollte einen großen Bogen um dieses Festival machen. Hat der Wortvogel natürlich nicht getan.

Thüringens Sehenswürdigkeiten & Ausflugsziele: Carolin nimmt euch mit auf eine Entdeckungsreise durch Thüringen.

7ème art: Die Star-Wars-Filme: Miss Booleana liefert euch einen Überblick über die ersten 7 Star Wars Filme.

Festival: Rock im Park 2018: Diana eskalierte mal wieder beim Festival in Nürnberg. Und auf dem Southside!

Unofficial Football World Champion: Der aktuelle Weltmeister heißt: Dänemark. Warum das so ist und warum auch Simbabwe schon mal 195 Tage Weltmeister war, darüber klärt Wikipedia auf.

*** Frage des Monats ***

Welche Wetter-App benutzt ihr unter Android? Bei meiner entwickelt es sich langsam zum Running Gag, dass sie für jeden Tag Regen vorher sagt und es dann tatsächlich erst regnet, wenn nur ein bewölkter Himmel prognostiziert wird.

Und das war’s für diesen Monat. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

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