Der Monatsrückblick Juni 2019

Es ist Sommer in der Stadt! Naja zumindest zeitweise. Ich war viel unterwegs, nach dem Kanada-Urlaub musste ich fast direkt danach gleich wieder für ein paar Tage nach London, wo ich neben der Arbeit wenigstens auch noch ein paar freie Stunden hatte. Der Alltag kehrte erst danach langsam wieder ein.

*** Foto des Monats ***

Beruflich trieb es mich im Juni noch einmal nach London. Neben einem anstrengenden Workshop hatte ich aber noch die Zeit, um auf The Shard hoch zufahren, dem höchsten Gebäude Europas, und von dort aus den Ausblick auf London zu genießen.

Das Timing für London passte sogar so gut, dass ich genau am richtigen Abend dort war, als Hungy Heart UK eine Pre-Listening Session für das neue Album von Bruce Springsteen veranstaltete. Dieses, Western Stars, ist wirklich gelungen, noch besser war die anschließende Party im The Monarch in Camden Town.

*** Filme ***

Nach mehr als 6 Wochen war ich auch mal wieder im Kino… um es dann recht enttäuscht wieder zu verlassen. Außerdem dabei: Eine Dokumentation, die als einmaliges Event auf der großen Leinwand gezeigt wurde. Und beide Filme mit Bezügen zu Iggy Pop.

The Dead Don’t Die 4 von 10

Jim Jarmusch versammelt die sogenannten “Avengers des Indie-Kinos” und läßt sie Zombies jagen. Klingt auf dem Papier gut? Funktioniert im Film aber nicht. Wenn die Kleinstadtcops (Bill Murray, Adam Driver und Chloe Sevigny) sich auf einmal einer Zombie-Invasionen gegenüber stellen müssen, hilft auch die Unterstützung von Tilda Swinton als mysteriöse Leichenbestatterin nicht, um dem Film irgendeine Form von Action oder Dramatik zu geben. Offensichtlich sollte der Film lustig sein, aber auch das funktioniert nicht richtig, verzettelt der Humor sich zu oft auf einer Meta-Ebene. Die vielen prominenten Nebendarsteller (u.a. Danny Glover, Steve Buscemi, Selena Gomez und Iggy Pop) retten noch so einiges, machen daraus aber auch keinen guten Film mehr.

What We Left Behind 7 von 10

Showrunner Ira Steven Behr blickt in dieser Dokumentation, die es in Deutschland einmalig auf die Kinoleinwand schaffte, zurück auf die Produktion von Star Trek: Deep Space Nine, der seinerzeit etwas ungeliebte Ableger des Star Trek Universums. Dazu hat er so gut wie alle Schauspieler aus der Serie noch einmal versammelt, um sie über ihre Rollen sprechen zu lassen. Man merkt dabei, wie sehr es alle Beteiligten zugesetzt hat, dass sie damals mit sehr vielen kritischen Stimmen zu kämpfen hatten – zum Glück hat die Zeit der Serie und deren Beurteilung gut getan. In einem Writer’s Room diskutieren die Hauptschreiber der Serie, wie eine neue Staffel, nun mit einem Abstand von 20 Jahren, starten könnte. Außerdem hat man etliche Szenen aus der Serie für diese Dokumentation in HD aufbereitet, ein eindrucksvoller Unterschied. Allen Beteiligten merkt man ihre Leidenschaft und die Begeisterung für die Serie an. Allerdings hätte ein etwas kritischerer Blick auf die Serie der Dokumentation, die ja unabhängig produziert wurde, ganz gut getan. Was war los mit den ersten Staffeln? Was sollte diese unsinnige Entiwcklung von Bashir in den letzten Jahren? Welche Rolle spielte die Serie im gesamten Star Trek Universum? So ist die Dokumentation ein schöner Werbefilm für die Serie, der viele nostalgische Gefühle weckt, dem aber etwas der Tiefgang fehlt. Und Iggy Pop auch nur im Abspann erwähnt.

Sonstso – In der heimischen Flimmerkiste gab es, von alt nach jung sortiert:

Nach langem mal wieder habe ich Das Leben des Brians (1979, RTL II) gesehen. Auch wenn der mittlerweile etwas altbacken aussieht, kann man immer noch seinen Spaß mit dem Film haben.

Noch nie gesehen dagegen hatte ich bisher tatsächlich Mission: Impossible III (2006, Kabel eins). Wahrscheinlich nicht der beste Film der Reihe, aber er zeigt all das, was ein Tom Cruise halt so macht.

Star Trek Into Darkness (2013, Pro 7) war auch beim zweiten Schauen immer noch ein guter Science-Fiction Film, der nur etwas zu sehr auf Action setzte, aber mit Benedict Cumberbatch einen würdigen Gegenspieler hatte.

Feinde – Hostilles (2018, BluRay) war ein sehr spannender Western mit Christian Bale um das klassische Rache-Thema – und deren Vergebung.

Nach vielen Jahren des Wartens erschien nun doch noch Deadwood – The Movie (2019, Sky On Demand) und es war schön, Timothy Olyphant und Ian McShane noch einmal in ihren Paraderollen zu sehen. Ich weiß nicht, ob es daran lag, dass man den Film im Moment nur in der nicht so einfach zu verstehenden OV sehen konnte, jedenfalls kam er bei weitem nicht an die fantastische Serie heran.

*** Serien ***

Hype, Hype, Hype! Da waren einige, sehr gehypte Serien in diesem Monat dabei. Unter anderem habe ich nun doch endlich mal Stranger Things eine Chance gegeben. Waren die Serien den Hype, der um sie gemacht wurde, wert?

Black Mirror (Staffel 5 / 3 Folgen – Netflix) – 5 von 10

Die neue Staffel enttäuschte auf ganzer Linie. Zwar waren auch die letzten nicht mehr ganz auf dem Niveau des Beginn, aber die Serie war immer noch dafür gut, wenigstens ein Highlight pro Staffel zu liefern. Mittlerweile ist auch das nicht mehr selbstverständlich, Mastermind Charlie Brooker kann nicht einfach beliebig viele Dystopsien aus dem Ärmel schütteln. Die beste Folge ist noch die erste über das Verwischen von echter und virtueller Liebe, die beiden anderen Folgen sind trotz Starpower vor der Kamera (mit Andrew Scott und der guten Miley Cyrus) dann aber zu harmlos und liefern kaum neue Ideen.

Chernobyl (Staffel 1 / 5 Folgen – Sky Atlantic) – 9 von 10

Als sich in den 1980er Jahren in Tschernobyl das folgenschwere Reaktorunglück zuträgt, wird das von den Betreibern und den russischen Behörden lange Zeit etwas verharmlost und verheimlicht, bis sich das ganze Ausmaß der Katastrophe zeigt. Wissenschaftler Waleri Legassow (Jared Harris) bemüht sich redlich, die Katastrophe in den Griff zu bekommen, Unterstützung erhält er dabei von Boris Schtscherbina (Stellan Starsgard), der für die Regierung vor Ort ist. Bei solchen Serien ist es natürlich immer schwer einzuschätzen, was davon  tatsächlich passiert ist und wo die Drehbuchschreiber dramatisiert und vereinfacht haben. Die russische Regierung verhält sich so, wie man es von einer russischen Regierung im Zeitalter des kalten Krieges erwartet, der Wissenschaftler Legassow ist der einsame Mahner in der Wüste und die russischen Arbeiter die unbesungenen Helden. Trotz der erwartbaren Personenkonstellation überzeugt die Serie aber doch, der beklemmenden Atmosphäre und der teilweise fast dokumentarischen Bilder sei Dank. Auf effekthascherische Explosionen und Rettungen in letzter Sekunde wird verzichtet, was der Authenzität sehr zu gute kommt. Und wenn die Kamera den armen Männern auf das verseuchte Dach folgt, wo sie mit großer Kraftanstrengung das verstrahlte Graphit beseitigen müssen, während der Geigerzähler unablässig ausschlägt oder eine andere Gruppe den Auftrag erhält, sämtlich frei laufenden Tiere zu töten, weil sie völlig verstrahlt sind, dann ist das sehr viel wirkungsvoller. Den Abschluß bildet dann eine grandiose, unspektakuläre Gerichtsverhandlung und deren Folgen. Ein tragischer Stoff, faszinierend aufbereitet.

Eichwald, MdB (Staffel 2 / 6 Folgen – ZDF / ZDF Mediathek) – 6 von 10

Eichwald (Bernhard Schütz) ist wieder zurück und hat sich in seinem Wahlkreis knapp durchsetzen können. Den nächsten Jahren als Abgeordneter steht so erst einmal nichts im Wege! Nur dumm, dass ihm wegen eines Dopingskandals ein Untersuchungsausschuß droht. Seine Mitarbeiter (Rainer Reiners, Leon Ullrich und Lucie Heinze) sind ihm auch nicht immer eine große Hilfe. Das lange Warten auf die zweite Staffel hat sich gelohnt, die ersten paar Folgen waren klasse – ich persönlich wurde besonders von der Marktforschungsszene sehr angesprochen. Leider kann die zweite Staffelhälfte nicht mehr ganz mithalten, je mehr man sich von dem politischen Geschehen in Berlin inhaltlich und räumlich – und damit von seiner Kernkompetenz – entfernt.

Stranger Things (Staffel 1 / 8 Folgen – Netflix) – 8 von 10

In einer Kleinstadt in den 1980ern verschwindet ein kleiner Junge (Noah Schnapp) und setzt das halbe Dorf in Aufregung. Seine Mutter (Winona Ryder) ist der Verzweiflung nahe, sein Bruder, der Außenseiter Jonathan (Charlie Heaton), versucht sie zu beruhigen und seine Freunde (Finn Wolfhard, Gaten Matarazzo, Caleb McLaughlin) folgen jeder Spur, die sie finden können. Auch der örtliche Sheriff (David Harbour) steigert sich langsam in den Fall hinein. Was geht hier vor sich? Als die Freunde auf die seltsame Elfi (Millie Bobby Brown) treffen, öffnet sich für sie ein Weg in die Unterwelt. Was passiert, wenn man Stephen King und Steven Spielberg kreuzt? Vermutlich kommt genau diese Serie dabei heraus. Ein Mystery-Horror-Abenteuer für die ganze Familie, der von mehr als dem Nostalgie-Faktor lebt. Spannend erzählt, will man immer wissen, wie es weiter geht. Die Serie funktioniert, und das, obwohl ich bestimmt die Hälfe der Figuren nervig fand – angefangen von den kitschigen Kinderfiguren bis hin zur als Nervenbündel unterforderten Winona Ryder.

Z Nation (Staffel 5 / 13 Folgen – Syfy) – 6 von 10

In der finalen Staffel bekommt es die Gruppe um Murphy (Keith Allan) und Warren (Kellita Smith) mit den Talkern zu tun. Halb Mensch, halb Zombie, können sie ein normales Leben führen – wenn sie denn mit den mysteriösen Keksen versorgt werden. Nicht jeder will die Talker in der Mitte der Gesellschaft sehen, radikale Gruppen versuchen sie auszurotten. Wer bei den Talkern an die Whisperer aus The Walking Dead kennt, liegt vermutlich nicht ganz falsch, überraschend ist aber, dass ihre Situation bei Z Nation den größeren Tiefgang hat und – ganz old-school Sciene Fiction – eine Analogie darauf ist, wie man mit Fremden umgeht. Der Ansatz ist aller Ehren wert und sorgt dafür, dass die aktuelle Staffel erneut etwas besser ist als der promimente Gegenspieler. Der Spaß und die Leichtigkeit der frühen Staffeln ist allerdings etwas weg.

Ausblick: Für die Abonnenten von RTL Crime geht es gleich am 1. Juli mit der fünften Staffel von How To Get Away With Murder weiter. Netflix hat ab dem 4. die dritte Staffel von Stranger Things im Angebot. Und Suits hat auch in Deutschland endlich Staffel 7 erreicht – Netflix zeigt sie ab dem 12. Das war’s schon – mehr interessantes steht nicht auf meiner Einkaufsliste.

*** Ausgefallener Post des Monats ***

Es gibt ja immer so ein paar Band, die einen seit ewigen Zeiten begleiten – man war nie der größte Fan, aber sie waren eine dauerhafte Konstante. So ging es mir mit Garbage, die ich nun erstmals live gesehen habe und für die ich mich – passenderweise – extra durch ein Sommergewitter zur Münchner Muffathalle gekämpft hatte.

Es lohnte sich, die nicht mehr ganz taufrischen Rockstars machten ordentlich Dampf auf der Bühne, so dass das Konzert auch ohne Nostalgiefaktor sehr gut funktionierte. Was aktuelles zu promoten hatten sie grade nicht, und so spielten sie ein bunt gemischtes Best Of Set in der alle Songs auftauchten, die ich hören wollte. Sei es I Think I’m Paranoid (hatte ich mir damals als Single gekauft), Stupid Girl, When I Grow Up oder Push It, es war alles da. Natürlich auch ihr vielleicht bekanntester Hit: I’m Only Happy When It Rains – hier in einer Live-Version von 1996 – das war vor 23 Jahren! Sind die schon lange im Geschäft.

Nur das Verhalten von Sängerin Shirley Manson gegenüber der Bühnencrew kann und sollte man etwas kritisch hinter fragen.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 1 (Garbage). Gekaufte Konzerttickets: 0.

Ein neues Album von The National ist erschienen und es ist, wie meistens, richtig gut. Durchgängig gut, kaum Schwächen, mit ihrer besonderen, einzigartigen Note. Hört hier Rylan.

Nach dem überraschend großen Erfolgs des ersten Albums hat Liam Gallagher nun nach gelegt und ein zweites angekündigt. Die beiden Vorabsingles überzeugen mich noch nicht so richtig, seinem Brüderchen ist er damit im Moment aber trotzdem voraus. Hier ist The River.

*** Linktipps ***

Ein paar Lesetipps aus den Weiten des Internets:

Als das Fliegen noch ziemlich ungemütlich war: Die SZ über die Anfänge eines regulären Flugverkehrs in München vor genau 100 Jahren – immerhin konnte man drei Passagiere pro Tag bewältigen.

Wie eine Linie das Spiel revolutionierte: Ich bin zwar nicht der große Basketball-Fan, aber als ich nun in Toronto war, liefen grade die NBA-Finals und die Stadt drehte komplett durch deswegen, so dass man sich dem nicht entziehen konnte. SpOn beleuchtet in diesem Artikel, wie die Einführung der Dreipunkte-Linie vor einigen Jahrzehnten das Spiel verändert hat.

Russischer Herbst: Leo Tolstoi “Anna Karenina”: Miss Booleana hat sich durch den Klassiker der Weltgeschichte gekämpft und empfiehlt ihn wärmstens. Die Botschaft ist angekommen!

Airbnb verantwortungsbewusst nutzen: Kathi mit einem kritischen Blick auf die Plattform AirBnB.

Farben und Farbwerte umrechnen: Und noch ein Tipp für die Bastler – wer mal Farbwerte aus verschiedenen Systemen umrechnen muss, hier wird man fündig. Mir hat es jedenfalls sehr geholfen in diesem Monat.

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Und das war’s für diesen Monat, der Eintrag ist grade noch auf den letzten Drücker fertig geworden. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

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5 Responses to Der Monatsrückblick Juni 2019

  1. ide02 says:

    Wir schauen gerade Stranger Things 2. Heute Nacht musste ich davon träumen. Ist doch auch wieder etwas intensiv oder aber ich habe zu schwache Nerven. ;-) Bin schon auf Staffel 3 gespannt…

    • Nummer Neun says:

      Ich muss jetzt in den nächsten Tagen wirklich mal mit Staffel 2 beginnen…

      • ide02 says:

        Wir kamen da auch nicht in den Quark. Dauernd war noch eine andere Serie, die noch geschaut werden wollte. Aber jetzt sind wir auch dabei…
        Walking Dead steht auch immer noch aus. Ich weiß immer noch nicht, wer Bekanntschaft mit Lucille macht und sterben muss. Aber erstaunlich das in all der Zeit sich auch niemand vor mir versprochen hat und es dadurch verraten hat…

  2. Stepnwolf says:

    Chernobyl scheint ja ein Serienphänomen zu sein. Irgendwie empfiehlt das Jede(r). Komme ich wohl doch nicht drumrum, da mal reinzuschauen…

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