Meine Musik-o-graphie

Als ich im jugendlichen Alter meinen ersten CD-Player bekam, ließ meine erste CD nicht lange auf sich warten. Es war Tourism von Roxette, die ich dann auch rauf und runter gehört habe. Und auch heute noch als ziemlich unpeinlich empfinde. In der gleichen Zeit waren auch noch Genesis recht angesagt.

Sie wurde aber nach einigen Monaten bereits abgelöst von Bryan Adams mit seinem Album Waking Up The Neighbours was ich nun wirklich bis zum Erbrechen gehört habe. Zwar war auch die Schmonzette (Everything I Do) I Do It For You drauf, ich fand aber mehr gefallen an seinen rockigeren Sachen. Noch heute steht das Album bei mir ganz vorne, ist es doch schließlich das erste in meinem alphabetisch sortierten CD-Regal. Es war auch die Zeit, wo ich bei Aerosmith und Bon Jovi etwas genauer hinhörte.

Es kam die Europameisterschaft 1996 in England und das ZDF untermalte seine Übertragungen mit dem Song einer mir damals unbekannten, aber aufstrebenden englischen Band namens Oasis. Don’t Look Back In Anger lief also jeden Tag im TV und ich kaufte mir (What’s The Story) Morning Glory mit dem Original Buy British Aufkleber, was ich auch heute noch als mein Lieblingsalbum bezeichnen würde. Das war im Grunde mein Einstieg in den Britpop und die Indie-Bereich und brachte mich zunächst zu Stereophonics, Pulp, Travis, The Verve, Embrace, Soundtrack Of Our Lives, Mando Diao und später dann Kasabian und die DMAs.

Dann gab es zu dieser Zeit natürlich auch die Abi-Parties und die Feiern in den holzvertäfelten Partykellern. Im nachhinein war das musikalisch natürlich grausam, was dort lief, die Highlights aber waren die Punkrock-Songs aus den USA, die auch heute noch zu einem guten Indie-Abend gehören. The Offspring, The Ataris und natürlich: Green Day.

Aber es gab auch die ruhigeren Momente. Sigur Rós führten mich Anfang der 2000er zu den eher sphärischen Klängen, die mich dann auch in Richtung Post-Rock mit Mogwai, Russian Circles oder Explosions In The Sky brachten. Wobei die Isländer dabei für mich in diesem Segment nach wie vor über allen anderen schweben.

Und dann wurde auf einmal eine neue Welle an Gitarrenband angespült. The Strokes brachten die Gitarren ins neue Jahrtausend, ihr Is This It? war ein Debutalbum für die Ewigkeit. Mit ihnen kamen The White Stripes, Black Rebel Motorcycle Club, The Libertines, Arctic Monkeys, Jet, The Vaccines und die Yeah Yeah Yeahs. Vorbei der Pomp des Britpops der 90er, der Sound kam nun direkt aus der Garage.

Fehlen jemanden bisher die Frauen-Stimmen? Nun, bis hierher tauchten Künstlerinnen oder Frauenstimmen in Bands tatsächlich kaum bis gar nicht in meinem CD Regal auf. Das änderte sich mit den ersten Takten, die ich von The Duke Spirit hörte. Dazu diese gewisse 60ths Attitüde – das hatte was. Und brachte mich dann weiter bis zu solchen Bands wie The Asteroids Galaxy Tour, Dum Dum Girls, Wolf Alice und schließlich auch zu den Hinds und den Regrettes.

Manchmal passiert es, dass man schon zu den ersten Klängen einer Band total verfällt. So ging es mir, als ich zum ersten Mal etwas von The Gaslight Anthem bei myspace gehört hatte. Alleine daran merkt man schon, dass dieses Erlebnis schon etwas her ist. Aber diese Mischung aus Bruce Springsteen und Punkrock zündete bei mir sofort, das Album The ’59 Sound war ein Brett von Anfang bis Ende. So gut waren sie danach nie mehr wieder. Aber sie brachten mit ihrem Sound auch The Menzingers und Spanish Love Songs auf meinen Radar.

Als dann The Gaslight Anthem das erste Mal in München auftraten, im altehrwürdigen 59:1, hatten sie einen Support namens Frank Turner mit dabei. Solo, nur mit seiner Gitarre, hatte er den Laden in kürzester Zeit im Griff und als dann schließlich auch die härtesten Kerle mit voller Inbrunst sein Cover von Dancing Queen mitgröhlten, hatte er sich sehr viele neue Freunde gemacht. Sein Album war am Tag danach bestellt und seit dem habe ich ihn mehr als 10mal live gesehen. Und dabei hat er mir auch noch andere Künstler näher gebracht, wie Dave Hause, Will Varley, John Allen oder Young Rebel Set.

Etwa zur gleichen Zeit fing ich auch an, mich für Shoegaze und Dreampop zu interessieren. Also der ziemliche Gegenentwurf für die Punkbarden. Aber so etwas wie The Pains of Being Pure At Heart gefiel mir, wenn bei Everything With You das Gitarrensolo einsetzt, bekomme ich immer noch eine leichte Gänsehaut. Dazu passen Veronica Falls, The Jezabels, Lea Porcelain und ungefähr auch The National.

Und das war die kleine Zeitreise durch meine persönliche Musikgeschichte. Mal schauen, was in der Zukunft das nächste große Ding wird – am Dienstag geht es erst einmal zu Helden aus der Vergangeheit. Eine Band, die ich sehr schätze, kommt nach München. Eine Band, die ich aber nicht so wirklich in eine der aufgemachten Schubladen stecken konnte. Ich freue mich aber trotzdem sehr auf And You Will Know Us By The Trail Of Dead.

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