Werkschau: Immer wieder S. Craig Zahler

Wenn man regelmäßig in bestimmten Film-Genres unterwegs ist, tauchen einige Namen immer und immer wieder auf. Völlig unbeabsichtigt hatte ich mir neulich ein Buch des US-Amerikaners S. Craig Zahler gekauft, um dann fest zu stellen, dass dieser auch als Regisseur tätig ist und bereits einige Beiträge beim Fantasy Filmfest untergebracht hat.

Zugegeben, Zahler operiert fernab des Mainstreams. Und wenn man sich seine bisherigen Werte so anschaut, scheint er es auch nicht darauf anzulegen, dort irgendwann zu landen. Was hat er denn im Einzelnen bisher so vorzuweisen? Ein kurzer Überblick über seine beiden mir bekannten Filme und das schon angesprochene Buch:

Bone Tomahawk (Film) – 6 von 10

Inhalt: Alles beginnt in dem kleinen Örtchen Bright Hope, in dem eines Nachts die schöne Krankenschwester Mrs. O‘Dwyer entführt wird. Angeführt von Sheriff Franklin Hunt (Kurt Russel), machen sich ihr verzweifelter Mann Arthur (Patrick Wilson) und eine Gruppe Freiwilliger (Richard Jenkins, Matthew Fox) in der schier aussichtslosen Hoffnung auf den Weg, sie unversehrt zu retten. Knochenbesetzte Pfeilspitzen und ein unmenschliches Heulen zeugen aber schon bald davon, dass ihre Jagd nicht unbemerkt geblieben ist.

Fazit: So gerne ich ja Western mag, so richtig bin ich mit diesem Horror-Western nicht warm geworden. Der Horror ist die ersten 90% des Films quasi nicht vorhanden, vorher ist es ein mehr oder weniger klassischer Western mit den typischen epischen Panoramabildern und kernigen und wortkargen Typen, die sich allerdings durch eine sehr zähe Handlung schleppen. Nur um dann gegen Ende die ganz große Splatter-Kiste aufzumachen. Dieser Kontrast hatte durchaus eine gewisse Langzeitwirkung, kann aber das gemächliche Tempo vorher nicht wettmachen.

Brawl in Cell Block 99 (Film) – 7 von 10

Inhalt: Der nach einem schiefgelaufenen Drogendeal im Knast gelandete Bradley (Vince Vaughn) wird von seinen ehemaligen Geschäftspartnern erpresst: Entweder lässt er sich in den berüchtigten Zellenblock 99 verlegen und tötet dort eine noch unbekannte Zielperson, oder seine hochschwangere Frau Lauren (Jennifer Carpenter) erwartet ein grausames Schicksal…

Fazit: Großes Staraufgebot bei diesem Film, neben den schon erwähnten gibt es auch noch ein Wiedersehen mit Don Johnson und Udo Kier. Die Story ist hier ausgesprochen lang (aber nicht langatmig) und es dauert, bis Bradley im titelgebenden Cell Block 99 angelangt ist. Der Weg dorthin ist jedoch recht gradlienig, manchmal geht es überraschend einfach weiter. Die Hauptfigur wirkt teilweise wie ein einfacher Mann, dem übel mitgespielt wurde, der dann aber die härtesten der Harten ohne mit der Wimper zu zucken fertig machen kann. Und schließlich überrascht der Film, trotz seines meistens sehr realistischem Look, mit einer hinein brechenden Brutalität, das auch beim hartgesottenen Filmfest Publikum ein Aufstöhnen zur Folge hatte. Vaughn zeigt einmal mehr, dass er nicht nur Komödien spielen kann und Johnson ist die coolste Sau des Films. Insgesamt ein Film, dem etwas weniger Handlung, aber dafür ein paar mehr Hürden gut getan hätte und der wegen der Gewaltausbrüche nicht so schnell vergessen gehen wird.

Wie Schatten über totem Land (Buch) – 5 von 10

Inhalt: Bei ihrem verzweifelten Versuch, zwei entführte Schwestern zu befreien, die man in die Prostitution gezwungen hat, stürmt eine Gruppe wild zusammengewürfelter Charaktere durch das Mexiko des Jahres 1899. Ihre Reise ist dabei nicht nur ein Ritt in die Hölle, sondern auch in die tiefsten Abgründe menschlicher Existenzen.

Fazit: Wieder eine klassische Westerngeschichte, statt einer Krankenschwester werden dieses Mal aber zwei richtige Schwestern entführt. Und die Handlung schreitet schneller voran als noch bei Bone Tomahawk. Es kommt zum Kampf Schurkentruppe gegen Schurkentruppe, an Brutalität wird auch hier nicht gespart. Und da sie von beiden Seiten kommt, ist es schwer, in diesem Kampf irgendwelche Sympathien zu entwickeln. So bleibt am Ende ein Buch, dass die Brutalität der Brutalität-willen liefert und sich in der Figurenzeichnung auf klassische Stereotypen beschränkt.

Und damit endet die kleine Werkschau. Wie man sieht, bin ich kein großer Fan von Zahler geworden. Horror und Gewaltsequenzen sind in seinen Werken meist nur Mittel zum Zweck und sind selten in eine emotionale Story eingepackt. Immerhin, inszenieren kann er in seinen Filmen, man sollte es ihm vielleicht mit einem fremden Drehbuch versuchen lassen.

PS: Und um auch das geklärt zu haben: Das S im Namen steht für Steven.

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