Hamburg, Kopenhagen, Lund

Wenn es hier grade etwas ruhiger ist, dann liegt das daran, dass draußen grade unheimlich viel los ist (und ich bei einem anderen Eintrag einfach nicht weiter komme). So war ich Anfang Oktober für fünf Tage im Norden unterwegs. Der Anlass war ein runder Doppel-Geburstag in Hamburg, den ich mit ein paar Tagen in Kopenhagen verlängert habe. Aber der Reihe nach.

Hamburg

Ob man die Strecke München – Hamburg mit dem Zug fährt, muss man sich schon gut überlegen. Sind immerhin etwas mehr als 6 Stunden Fahrtzeit. Aber der Preis war gut, Flugmeilen habe ich dieses Jahr schon mehr als genug verbraucht, also fiel die Wahl auf die Deutsche Bahn. Lief dann auch soweit ganz gut durch – wenn nicht mein reservierter Wagen ausgefallen wäre. Und im übrigen Zug keine Reservierungen angezeigt worden wären. Wie durch ein Wunder erwischte ich einen Ersatz-Platz, der auf der ganzen Strecke nicht reserviert war. Als mir das der Schaffner bestätigte, wurde es dann schließlich doch noch eine entspannte Fahrt.

Der Geburtstag am Abend war dann eine gelungene Feier in einer schönen Bar in der Nähe des Schanzenviertels, mit einigen Gesichtern bei den Gästen, die ich schon längere Zeit nicht mehr gesehen hatte, und mit guter Pizza. Am nächsten Morgen, dem Tag der Deutschen Einheit, hatte ich noch ein wenig Zeit für klassisches Hamburger Sightseeing. Bei gutem Wetter fuhr ich an die Binnenalster und ans Rathaus. Nicht, dass ich das nicht schon mal gesehen hätte, aber es ist doch immer wieder hübsch hier.

Gegen Mittag fuhr ich mit dem Zug weiter nach Kopenhagen. Was ich vorher nicht wußte: Ein Teil dieser Fahrt wurde mit der Fähre bewältigt. Dafür fuhr der Zug auf das Schiff und alle mußten raus und rauf aufs Oberdeck. Spannende Sache für 45 Minuten, bis der Zug seine Reise auf traditionelle Art fortsetzen konnte.

Kopenhagen

Die dänische Hauptstadt hatte mir von Anfang an gefallen. Ein schön kompaktes Zentrum mit vielen kleinen, bunten Häusern, verwinkelten Straßen und mit viel Wasser. Wäre nur der Himmel nicht an dem Tag, den ich mir primär für Sightseeing und Fotos machen heraus gesucht hatte, grau in grau gewesen. Das führte dann dazu, dass ich am Schluß an meinem letzten Vormittag in der Stadt noch einmal vieles abgelaufen bin, nur um es auch noch mal bei Sonnenschein gesehen zu haben.

Highlight der Stadt ist dabei der kleinen Binnnenhafen Nyhavn, in der die kleinen Boote vor den bunten Häusern parken und sich die Touristen durch die Straßen schieben. Aber völlig zu Recht, das ist wirklich sehr hübsch. Kitschig und vermutlich ist selten ein Einheimischer hier, aber hübsch. Die gleichen Touristen finden sich später alle vor der Kleinen Meerjungfrau wieder ein, die recht unscheinbar an der Küste auf einem Felsen thront. Etwas unspektakulär, aber aus irgendwelchen Gründen sehr bekannt. Schön ist dagegen der Amalienborg Slotsplads mit dem Wachwechsel jeden Tag um 12 Uhr und die dahinter befindliche Marmorkirken mit seiner eindrucksvollen Kuppel. Besuchen sollte man auch den Rundetaarn, von dessen Spitze aus man einen schönen Blick über Kopenhagen hat.

Ein eigenes Kapitel für sich ist das Essen. Was kann man in Kopenhagen gut essen! Große Auswahl, viele kleine Läden. In meinem Hotel (mit dem Mercur Hotel, nicht zu weit weg vom Hauptbahnhof, macht man nichts falsch) hatte man mir das Vesterbro Viertel empfohlen und lag damit ziemlich richtig. Etwas alternativer als die Restaurants in der unmittelbaren Innenstadt, war ich hier zum einen sehr gut italienisch Essen (Fleisch und Rucola/Tomate/Parmesan Salat im Public), zum anderen hatte ich hier ein wirklich gutes koreanisches Bibimbap (im trubeligen Ssam). Außerdem gab es natürlich den obligatorischen Burger, dafür ließ ich mir Cock’s & Cows empfehlen, die mehrere Läden in der Stadt haben.

Lund

Trotz der begrenzten Zeit in Kopenhagen stand auch ein Ausflug an: Ich wollte nach Lund in Schweden, um dort eine alte Schulfreundin zu treffen, die mittlerweile mit ihrer Familie dort lebte. Und ich hatte sie schon seit vielen Jahren nicht mehr gesehen – und wie oft ist man schon in dieser Ecke? Also fuhr ich mit dem Zug die 45 Minuten über die Öresundbrücke (bekannt aus der Krimi-Serie Die Brücke, siehe auch unten der Blick vom Rundetaarn) über die Grenze (Vorsicht: Passkontrolle) und traf mich dort bei bestem Wetter mit ihr.

Viele Fotos aus Lund habe ich allerdings nicht und gesehen habe ich vermutlich auch nur ein wenig. Wir waren mehr mit quatschen und spazieren beschäftigt. Wir waren in einem Park in der Nähe vom Bahnhof, am Dom mit seiner astronomischen Uhr, habe einige Straßen gesehen, die aus Bullerbü stammen könnten, und einige Gebäude der Universität gesehen, die so auch in England hätten stehen können. Nach dem Essen haben wir das gute Wetter genutzt, um mit dem Bus noch zum Strand zu fahren und dort ein wenig zu spazieren. Und das war es dann auch schon wieder mit dem Ausflug nach Schweden.

Die Rückfahrt nach Kopenhagen zog sich dann etwas. Stau auf der Bahnstrecke, so dass der Zug länger auf der Öresundbrücke warten musste als geplant. Man kann auf Schienen halt so schlecht überholen. Und so wurde etwas rumrangiert, eine Station (der Flughafen!) wegen Zeitknappheit ausgelassen, zu spät in Kopenhagen war der Zug aber trotzdem.

Für den Rückflug nach München – die Zugfahrt hätte mir entschieden zu lange gedauert – musste ich mich am letzten Tag etwas sputen. Mittags war die Abflugzeit, vormittags bin ich, wie oben schon gesagt, nochmal im Schnelldruchlauf einige Sehenswürdigkeiten Kopenhagens abgegangen. Der eigentlich guten Zuganbindung zum Flughafen traute ich nicht mehr so ganz, so nahm ich mir ein Taxi. Das ging sich ganz gut aus, recht stressfrei gelangte ich ans Gate. Die Lufthansa brachte mich schließlich wieder sicher nach Hause.

Und damit endete mein fünftägiger Kurzurlaub auch schon wieder. Kopenhagen war ausgesprochen schön und Hamburg ist ja sowieso immer eine Reise wert.

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Der Monatsrückblick September 2019

Der September ist durch und es war noch mal ein Monat, in dem ich voll gearbeitet habe. So ein Abschied mit Vorlauf kann sehr nervtötend werden, wenn die Übergabe nicht richtig vorwärts gehen will und man keine langfristigen Projekte mehr anschiebt, hangelt man sich mit den Standards durch den Arbeitsalltag, während die anderen um einen herum mehr als zwei Monate in die Zukunft schauen können.

Privat hat das Fantasy Filmfest viel Platz eingenommen, dazu kam der ein oder andere ausufernde Abend im Strom. Und schließlich begann mit der Wiesn auch noch Münchens fünfte Jahreszeit, was die Stadt jedes Mal wieder verändert – nicht unbedingt zum Guten.

*** Foto des Monats ***

Auf dem abendlichen Weg zum Fantasy Filmfest erwischte ich einmal diesen Sonnenuntergang, von der Hackerbrücke aus gesehen. In München ein bekannter Spot, allabendlich sitzen dort viele Leute auf der Brücke und genießen diesen Ausblick auf die Sonne und die Bahngleise.

*** Filme ***

Wie immer stand im September das Fantasy Filmfest auf dem Programm, was natürlich einen großen Teil des Kino-Budgets gefressen hat. Einmal war ich aber trotzdem noch:

Downton Abbey 7 von 10

Achja, da sieht man dieses Schloß und hört die Musik und schon geht das Wohlfühlkino los. Das ist alles so nett wie unaufgeregt. Wer die Serie gesehen hat, der wird viele der Storylines wieder erkennen. Hier wird nichts neues versucht – zwar besucht dieses Mal nicht irgendwer Downton Abbey sondern gleich die Königsfamilie, sonst ist auf der Kinoleinwand aber nichts größer als auf dem Bildschirm. Der Serien-Cast ist ebenfalls so gut wie komplett mit am Start. Von daher: Nichts neues auf Downton Abbey, das macht es heimelig und die beiden Stunden vergehen angenehm schnell.

Sonstso – In der heimischen Flimmerkiste gab es, von alt nach jung sortiert:

The Dark Knight (2008, Pro 7) hat auch beim zweiten Sehen nichts von seiner Faszination eingebüßt. Vielleicht der beste Superhelden-Film, den ich je gesehen habe und Heath Ledger spielt Christian Bale locker an die Wand.

Wir (2019, BluRay) entpuppte sich trotz der starken Idee als Home-Invasion-Horror der Standard-Sorte, da konnte auch der Twist am Ende nichts mehr dran drehen.

Tatort: Falscher Hase (2019, Das Erste) war nicht mal ein durchschnittler Vertreter seiner Zunft aus Frankfurt und musste sich schon sehr strecken, um wenigstens den skurillen Titel zu erklären.

Der Tatort: Die harte Kern (2019, Das Erste) war ebenfalls ein eher schwächerer, jedenfalls für die Weimarer Verhältnisse mit Nora Tschirner und Christian Ulmen. Da haben die Witze schon mal besser gepasst und die Story sich nicht so schlimm konstruiert angefühlt.

*** Serien ***

Eine Seltenheit gibt es in diesem Monat: Gleich zwei Titel aus dem Free-TV haben Einzug in die Liste gehalten. Der Rest ist von Netflix. In diesem Monat sollte eigentlich auch die siebte Staffel von Suits dabei sein – bis ich merkte, dass sie noch nicht komplett bei Netflix verfügbar ist.

Brooklyn Nine-Nine (Staffel 2 / 23 Folgen – Netflix) – 8 von 10

Das 99. Revier des NYPD unter der Leitung von Captain Holt (Andre Braughter) ist wieder zurück. Detective Diaz (Stephanie Beatriz) bekommt die Leitung einer Spezialeinheit, Detective Peralta (Andy Samberg) dagegen muss die Beziehungen zu seiner Kollegin Santiago (Melissa Fumero) und Kumpel Boyle (Joe Lo Truglio) ausloten. Auch Staffel zwei lässt sich wieder sehr gut wegschauen mit seinen kurzen, unterhaltsamen Geschichten. Man mag die Figuren (okay, vielleicht außer Gina (Chelsea Peretti)), auch wenn sie teilweise sehr auf Stereotypen reduziert sind. Trotzdem funktioniert es und wenn man sieht, wie gut sie alle zusammen arbeiten und sich trotz ihrer Unterschiede mögen, dann ist es genau das, wie ein Büro funktionieren sollte.

Fresh Off The Boat (Staffel 5 / 22 Folgen – Pro 7) – 5 von 10

Die Huangs sind wieder da. Mittlerweile schreiben wir das Jahr 1999 und Jessica (Constanze Wu) muss ihr geflopptes Buch verkraften. Eddie (Hudson Yang) wird langsam reifer, genau wie seine beiden Brüder, und Louis (Randall Park) trägt weiterhin die schönsten Poloshirts Floridas. Der Witz ist leider etwas raus und Über-Mutter Jessica schießt auch immer öfter unnötig über das Ziel hinaus. Es bleibt zwar weiterhin sympathisches Wohlfühl-Fernsehen, wird aber zusehends beliebiger.

Green Frontier (Staffel 1 / 8 Folgen – Netflix) – 6 von 10

Der Dschungel Kolumbiens, an der Grenze zu Brasilien. Der junge Detective Helena (Juana del Rio) wird von Bogota hier her geschickt, um in einer Reihe von mysteriösen Morden zu ermitteln, sehr zum Missfallen der örtlichen Polizei. Sie erkennt schnell, dass der Dschungel mehr Intrigen birgt als die Morde selbst. Sie stößt auf einen mysteriösen indigenen Stamm, der ein außergewöhnliches Geheimnis birgt. Eindrucksvolle Dschungelbilder treffen auf eine Crime Story, die sich im Laufe der Staffel immer mehr in Richtung Mystery zu wendet, bei der die geheimnisvolle Ushe (Angela Cano) das zentrale Element zu sein scheint. Ein wenig verzettelt sich die Serie darin, so viele Aspekte wie möglich mit einzubauen und als dann schließlich auch noch Nazis ihren Auftritt hatten, war mir das etwas zu viel. Schade um die im Grunde gute Idee und dem für uns Europäer exotischen Schauplatz.

The Orville (Staffel 2 / 14 Folgen – Pro 7) – 7 von 10

Die Orville unter dem Kommando von Captain Mercer (Seth MacFarlane) fliegt wieder durchs All und muss in jeder Folge neue Abenteuer bestehen. Weiterhin steht die Beziehung zu seiner Ex-Frau und erstem Offizier Commander Grayson (Adrianne Palicki) im Mittelpunkt, aber auch alle anderen der Brückenbesatzung bekommen ihre Lead-Episoden, allen voran der Moclaner Lt. Bortus (Peter Macon). Das alles sieht mit seinen Abenteuern der Woche, den sparsamen Spezialeffekten, dem kargen Brückendesign und den dialog-fokussierten Drehbüchern mittlerweile so aus der Zeit gefallen aus, das es schon wieder sympathisch ist und die 1990er Zeit des Star Trek Franchises aufleben läßt. Von dort geben sich auch einige Gaststars vor und hinter der Kamera die Ehre. Aber reicht das? Geht man nur nach der ersten Hälfte der Staffel muss man leider sagen, dass das zu wenig ist. Hier hatte man sich offenbar eher an den durchschnittlichen TNG-Episoden orientiert. Die zweite Hälfte legt dann aber nochmal einen drauf und liefert einige wirklich starke Folgen, die auch der aktuellen Discovery Crew sehr gut tun würden.

Ausblick auf den Oktober: Ab dem 6. kommen die Zombies von The Walking Dead auf FOX um die Ecke geschlichen und mal wieder stellt sich die Frage, ob man auch in der mittlerweile zehnten Staffel noch mit dabei sein möchte. Am 8. geht es mit der sechzehnten Staffel von NCIS auf Sat.1 weiter. Am 9. startet die Eigenproduktion Prost Mortem auf 13th Street. Am 25. kommt die zweite Staffel von The Kominsky Method auf Netflix. Und noch wichtiger: Die sechste und anscheinend letzte Staffel von BoJack Horseman startet auf der Plattform am gleichen Tag. Zu Ende geht der Monat mit der dritten Staffel von Slasher auf 13th Street. Und wer es noch nicht gesehen hat: The Handmaid’s Tale hat am 28. seine Free-TV Premiere auf Tele 5.

*** Wie geht’s dem KSC? ***

Bilanz: 4 Spiele, 5 Punkte.

Die erste Krise der Saison scheint überwunden: Nach drei Niederlagen am Stück gelang gegen Sandhausen das Comeback mit einem 1:0 Sieg und danach zwei Unentschieden gegen Nürnberg und gegen Heidenheim. Beides Spiele, in denen auch durchaus ein Sieg möglich gewesen wäre

Beim Unentschieden in Nürnberg war ich das erste Mal in dieser Saison vor Ort. Bei herrlichem Spätsommerwetter  saß ich (der feine Herr) im Gästeblock, hatte die typischen Drei im Weggla, und sah über weite Strecken eine gute Partie des KSCs. Ein dummer Elfmeter brachte die Hausherren in Führung, Stiefler nutzte kurz vor der Halbzeit und direkt vor den Auswärtsfans einen tollen Pass von Grozurek, um den Ausgleich zu erzielen. In der zweiten Hälfte parierte Uphoff mit einer Glanzparade einen Nürnberger Angriff, danach war der KSC am Drücker und drängte auf den Siegtreffer. Er fiel nicht, so blieb es beim Unentschieden, mit dem wohl beide Teams leben konnten.

Nach acht Spieltagen liegt der KSC damit nun auf einem guten Mittelfeldplatz, damit kann man sehr gut leben. Mitarbeiter des Monats: Manuel Stiefler.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 1 (Press Club). Gekaufte Konzerttickets: 2 (The Amazons im Oktober und The Menzingers Ende Januar).

Ezra Furman war mir bisher kein Begriff, bis Plattentests.de sein neues Album als Punk-Platte bezeichnete und ich am Wochenende kurz mal reinhörte. Gekauft war Twelve Nudes dann schnell, genau so schnell wie das Album selbst, das grade mal 27 Minuten dauert. 11 Songs werden in dieser Zeit gespielt, und so wie Calm Down zum Autakt geht auch der Rest recht gut durch.

Als zweites gibt es noch ein Lebenszeichen von The Menzingers, die kurz vor der Veröffentlichung ihres neuen Albums stehen. Unter anderem wird America (You’re Freaking Me Out) dort zu hören sein. Der Song hat ein simples Video dazu bekommen, in dem man einen Außerirdischen durch die USA reisen lässt. Etwas Humor und eine Gummimaske, schon hat man mich.

*** Krieg und Frieden ***

In diesem Monat konnte ich keine relevanten Sprünge bei dieser Mammutaufgabe machen. Die ersten 200 Seiten habe ich nun geschafft, damit bin ich grade mal 80 Seiten weiter gekommen. Immerhin, der erste Teil des ersten Buches (von denen es fünf gibt) ist geschafft und ich bin nun von der adeligen Gesellschaft zum Heer gewechselt.

Nächsten Monat sollte es deutlicher nach vorne gehen, es stehen so einige Reisen an!

*** Suchanfrage des Monats ***

Aus irgendwelchen Gründen war im vergangenen Monat mein Überblick über Musikvideos mit Johnny Depp äußerst populär. Google brachte einige Leser extra dafür hierher. Ob die Wiesn etwas damit zu tun hat?

*** Linktipps ***

Ein paar Lesetipps aus den Weiten des Internets:

Mit dem Brandenbulli durch die Niederlausitz: Inka von Blickgewinkelt mit einem ausführlichen Essay zu ihrer Tour.

Wer vom Reisen schreibt, der hat viel Verantwortung: Heldenwetter schreibt über die Fallen in der Berichterstattung von Reisebloggern.

Abseitige Filme für Netflix-Verwöhnte: Ein Interview mit Frederike Dellert über die Filmauswahl beim Fantasy Filmfest, erschienen bei GMX.

Wieso wir Stranger Things Staffel 3 lieben: Die neuste Folge des Serien-Podcasts BingeHype von Nicole, Tami und Conny.

Die wundersame Geschichte von GOBLIN 2: Der Wortvogel auf den Spuren einer deutschen Crowdfunding-Kampagne für einen Genre-Film aus Baden Baden.

Und das war’s für diesen Monat. Der nächste Monat wird stressig werden: Die letzten Tage im Büro stehen an, ich habe vorher noch mal ein paar Tage frei und besuche außerdem noch ein letztes Mal unser Londoner Büro. Die Beschäftigung wird mir aber hoffentlich gut tun. Bis dahin: Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

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Fantasy Filmfest 2019

Ein persönliches Jubiläum stand in diesem Jahr für mich an! Es war mein zehntes Fantasy Filmfest. Zehn Jahre die Jagd nach dem ultimativen Horrorfilm, dem seltsamen Geheimtipp und nach abstrurer Asia-Action. Was liefen hier schon für tolle Filme, was habe ich hier schon für Kröten gesehen? Sehr zu meinem Missfallen ist das Filmfest wieder zurück in das schlimme Cinema gezogen, so dass ich zuerst sogar überlegt hatte, es in diesem Jahr ganz sausen zu lassen. Aber dann kamen die Filmankündigungen… und nun war ich doch wieder dort. Haben sich die Qualen, sich wieder das enge, stickige Kino anzutun, gelohnt?

Sieben Filme waren es in diesem Jahr, damit habe ich etwas weniger gesehen als in den letzten beiden Jahren. Die Filme kamen aus den USA, aus England, aus China, Japan und Indien – und mit Irland und Italien waren auch zwei kleinere, europäische Länder dabei. Vom der Gründung Roms über das mittelalterlichen China bis zur einer post-apokalyptischen Welt wurden viele Epochen abgedeckt, ich habe Komödien und Historienfilme gesehen, viel Drama und Action, und im besten Falle kamen die letzten beiden Genres schonungslos zusammen.

Das hier waren meine Filme, geordnet in chronologischer Reihenfolge:

Shadow (China / HK, 2018) – 3 von 10 Punkten

Pressetext: Zhang Yimou, der Macher des Martial-Arts Meisterwerks Hero, verzaubert erneut mit einem spektakulär produzierten epischen Abenteuer voller kunstvoll arrangierter Bilder.

Fazit: Kunstvoll arrangiert ist das alles tatsächlich. Die Kulissen sehen fantastisch aus, die Kampfszenen sind eindrucksvoll gefilmt. Wenn sie nur nicht so spärlich eingesetzt wären! Statt dessen verfolgt man endlose Diskussionen um den Machtkampf zwischen verschiedenen Königshäusern im mittelalterlichen China. Eine farblose Welt. Die befestigte Stadt, um die es letztlich geht, sieht man so gut wie nie. Das Konzept des Doppelgängers – der titelgebende Shadow im Original – ist nett, aber selten mehr als ein Randaspekt. Und wenn dann endlich mal gekämpft wird, wird es teilweise tatsächlich albern, was vom Ton überhaupt nicht zu den endlos ausgerollten Diskussionsrunden passen wollte. Tristes Wetter beherrscht den Film – und so ist er letztlich auch selbst geworden.

Light Of My Life (USA, 2019) – 5 von 10 Punkten

Pressetext: In einer Welt, die fast ausschließlich von Männern bevölkert ist, versucht ein liebevoller Vater seine Tochter an der Schwelle zur Pubertät großzuziehen und mit allen Mitteln zu beschützen. Ein leise erzähltes Endzeitdrama von Casey Affleck.

Fazit: Der Film ist nicht nur leise, sondern auch langsam. Sehr langsam. Man verliert im Kinosaal sämtliches Zeitgefühl. Was ganz gut passt, weil auch der Film kaum Angaben macht, wann er spielt. Und wie es zu diesem Endzeit-Szenario gekommen ist. Die Ähnlichkeiten zu The Walking Dead sind da: Man schlägt sich durch den Wald, immer auf der Suche nach einer neuen Unterkunft. Alle Fremden sich immer böse und grundsätzlich zu misstrauen. Und wie es zu dieser Welt kommen konnte, bleibt im Unklaren. Das alles ist grundsätzlich auch egal, letztlich geht es daraum, wie Affleck seine Tochter (Anna Pniowsky) vor den bösen Männern in der maskulinen Welt beschützt. Endzeit oder nicht. Bemerkenswert ist dabei, wie er versucht, seine Tochter mit Bildung und Geschichten zu erziehen, und sie nicht zur Einzelkämpferin ausbildet. Das ist alles nett gemeint und hübsch anzuschauen, wenn das nur nicht so langsam erzählt wäre und die Story sich nicht höhepunktlos bis an ihr Ende schleppen würde.

Little Joe (GB, 2019) – 5 von 10 Punkten

Pressetext: Als Wissenschaftlerin Alice ihrem Sohn die experimentell neugezüchtete Pflanze „Little Joe“ heimlich mit nach Hause bringt, löst sie ungewollt eine Katastrophe aus. Jessica Hausners wundervoll komponierte und verstörende Sciencefiction-Vision brachte Emily Beecham in Cannes den Preis als Beste Schauspielerin ein.

Fazit: Ein Film für Kunststudenten. Jedes Bild durchkomponiert und ein Traum an Ausstattung. Alle anderen werden damit wenig anfangen können. Zwar deutet sich der Horror für die Beteiligten immer mal wieder an – verströmt die Pflanze nun mysteriöse Sporen, um damit Menschen zu übernehmen – diese Angstgefühl kommt allerdings selten beim Zuschauer an. Die Spirale des Grauens wird nie weiter angezogen und bleibt damit immer auf einer sehr läppischen Ebene. Das ist schade, weil man mit Beecham und mit Ben Whishaw schon ganz gute Schauspieler hat. Aber so plätschert die Handlung nur so dahin und ist nie mehr als ein Versprechen auf einen spannenden Film, das aber an keiner Stelle eingelöst wird.

Hotel Mumbai (USA / Australien / Indien, 2018) – 9 von 10 Punkten

Pressetext: Der preisgekrönte, auf Tatsachen beruhende Thriller geht tief unter die Haut. Toll besetzt mit Nazanin Boniadi, Armie Hammer, Jason Isaacs und Dev Patel!

Fazit: Grandioses Action-Drama, dass die Anschläge von Mumbai von 2008 thematisert. Das ist zwei Stunden geballte Spannung, perfekt inszeniert und mit genug persönlichen Dramen, das man im Kinosaal körperlich mitleidet. Die Nachrichtenschnippsel, die im Film eingestreut sind, holen einen immer wieder aus der Fiktion heraus und erinnern an den realen Hintergrund, da kann diese Geschichte noch so emotionalisiert und dramatisiert sein. Die Brutalität der Angriffe, die Verzweiflung, das alles wird spürbar und ist mehr als erschütternd. So eine starke Verbindung zwischen Action und Drama habe ich lange nicht mehr gesehen.

Extra Ordinary (Irland, 2019) – 7 von 10 Punkten

Pressetext: Eine liebreizende Fahrlehrerin in der irischen Provinz fühlt sich von ihren übernatürlichen Fähigkeiten gebeutelt. Mit klugem Witz und Comedy-Star Will Forte ist der Festivalliebling so herausragend wie es sein Titel verspricht.

Fazit: Eine nette, harmlose, größtenteils altbackene Komödie. Maeve Higgins überzeugt als nette, von ihren Fähigkeiten genervte Hauptfigur, die sich nur auf einen neuen Fall einlässt, weil sie – aus Gründen, die im Film nicht wirklich spürbar sind – gefallen an ihrem Kunden findet. Dazu gibt es noch Will Forte als skurillen Gegenspieler, fertig. Das alles hat seine lustigen Momente und ist irgendwie auch symapthisch, hätte aber durchaus noch schärfer sein können.

First Love (Japan, 2019) – 7 von 10 Punkten

Pressetext: Der 103. (!) Film von Regielegende Takashi Miike ist zugleich einer seiner unterhaltsamsten: Eine völlig abgefahrene Actionkomödie mit jeder Menge schwarzem Humor, krassen Gewaltspitzen und einem Hauch Romantik.

Fazit: Ein solider, japanischer Gangsterfilm, mit einer guten Mischung aus Unterwelt, Brutatität, Humor und schrägen Typen. Der Film erfindet das Genre nicht neu, ist aber sehr unterhaltsam, wenn er erst einmal so richtig ins Rollen gekommen ist. Die Chemie zwischen Masataka Kubota und Sakurako Konishi als den beiden Hauptfiguren funktioniert, die meisten Lacher erntete aber Babyface Shota Sometani, der unfreiwillig eine Spur der Verwüstung hinter sich her zog. Wer einen Einstieg in die Welt des japanischen Kinos sucht, der macht mit diesem Film wenig falsch.

Romulus & Remus: The First King (Italien, 2019) – 4 von 10 Punkten

Pressetext: Romulus und Remus, die legendären Brüder, begannen ihre Karriere als einfache Schäfer in einer Zeit, in der die Natur so grausam war wie die Menschen, die sie bevölkerten. Die triumphale Rückkehr des italienischen Sandalenfilms!

Fazit: Mal das positive zuerst: Der Film sieht wirklich gut aus. Die Actionszenen sind gut choregrafiert, die Landschaft bildgewaltig eingefangen, die Darsteller authentisch dreckig und wild. Für einen guten Film reicht das allerdings nicht. Die Szenen wirken zu sehr aneinander geklatscht, als hätte man sich vorher die wichtigsten Stellen der Geschichte zur Gründung Roms heraus gesucht und vergessen, die Punkte zu verbinden. Teilweise wurde es zu pathetisch, während die Schauspieler dagegen zu blaß blieben. So sieht eine Terra X Folge aus, wenn man das Budget erhöht und sich etwas Splatter gönnt.

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Und damit lag der Durchschnitt meiner Filme bei ernüchternden 5,7 Punkten. Das ist nicht besonders viel. Und wäre Hotel Mumbai nicht so ein Ausreißer gewesen, sähe es noch düsterer aus. Auffallend in diesem Jahr war der hohe Anteil an Filmen, die nicht mal mehr solide bis durchschnittlich waren. Falsche Filmauswahl von mir? Hätte ich mich doch mehr auf unambitionierte Gruselfilme fokussieren sollen? Das hätte mir vielleicht die Fehlschläge erspart von Filmen, die an ihren eigenen Ambitionen gescheitert sind. Wenn man sieht, was aus den Filmen hätte werden sollen, aber man sich lieber verkünstelt oder es nicht schafft, die Story rund zu machen. Aber nach all den Jahren war es mal an der Zeit, nicht noch den nächsten Low-Budget-Film mit ein paar Jugendlichen in einer Waldhütte, auf einem Boot oder wo auch immer sich anzuschauen. Nun, hinterher ist man immer schlauer. Das soll die Begeisterung für das Festival an sich aber nicht schmälern, im nächsten Jahr bin ich bestimmt wieder dabei.

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FFF2018 – FFF2017FFF2016FFF 2015 – FFF 2014

FFF 2013FFF 2012FFF 2011FFF 2010

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