Lieber MVV

Lieber MVV,

ich bin ja ein großer Fan von dir. Für was braucht man in München ein Auto, wenn man dich hat? Ich fahre praktisch so gut wie jeden Tag mit dir. Mehrmals sogar. S-Bahn, U-Bahn, Tram, ab und an auch mal mit einem Bus, dein Angebot nutze ich wirklich sehr breit.

Daher steht die Jahreskarte bei dir nicht zur Diskussion. Man zahlt ja nur zehn Monate, keine zwölf. So fallen auch Urlaubszeiten nicht ins Gewicht. Ich gönne mir sogar vier Ringe, obwohl ich die seit einiger Zeit gar nicht mehr brauche. Aber aus lauter Bequemlichkeit habe ich die Karte nie umschreiben lassen. Was mich jeden Monat ungefähr einen Zehner extra kostet.

Nun hat sich meine Jahreskarte mal wieder verlängert. Die schickst du mir ja immer automatisch zu. Aber weißt Du, was mich da jedes Mal ärgert? Die erhöhst jedes Jahr den Preis. Oder nein, warte, das ist es nicht mal.

Du erhöhst den Preis, ohne etwas zu sagen. Inflation? Gestiegene Personalkosten? Neue Fahrzeuge angeschafft? Du willst dir die Taschen voll machen? Alles kein Problem. Nur sag doch bitte irgendetwas dazu! Rein aus Höflichkeit. Sorge für etwas mehr Transparenz und Verständnis. Das kann doch nicht so schwer sein.

Vielen Dank,

Deine Nummer Neun

(PS: Für alle Mitleser – der MVV ist der Münchner Verkehrsverbund)

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Blogparade: My 100 greatest films of the 21st century

Puh, das war mal eine sehr fordernde Blogparade. Miss Booleana fragt nach den 100 besten Filmen des aktuellen Jahrhunderts. Und dann auch noch geranked! Nur weil die BBC damit angefangen hat. Eine ziemliche Mammutaufgabe, für der sie uns aber auch die nötige Zeit gegeben hat. Einsendeschluß ist der 30.09.2016, es zählt das Datum des Poststempels.

Wie nähert man sich so einem Projekt? Ich habe erst einmal abgeschrieben, will sagen, ich habe geschaut, welche Filme die anderen bisher so genannt hatten. Dann bin ich (dem Blog und meinem Listenwahn sei Dank) meine Kinofilme der letzten Jahre durch gegangen und habe schließlich auch noch geschaut, welche Filme in diesem Jahrhundert an der Kinokasse am Besten abgeschnitten haben. Und dann ging es los: Die Filme anstreichen, die in die engere Wahl kommen sollten. Die Liste zurück kürzen auf 100 Titel.

Und dann das ganze sortieren: Zunächste in drei Gruppen einteilen – A, B und C. Dann das gleiche nochmal für jede der drei Gruppen einzeln machen. Abschließend diese Subgruppen sortieren. Was für ein Nerd-Thema.

Heraus gekommen ist letztendlich die gleich folgende Liste. Erstaunlich, wie sich die Beurteilung mit etwas Abstand doch noch ändern kann. Mein Stichtag dazu war der 31.08.2016. Alles was ich danach gesehen habe, ist nicht mehr berücksichtigt. Zwei technische Anmerkunge noch: Das Erscheinungsjahr habe ich nicht bei Filmen genau recherchiert. Bei manchen habe ich die Jahre aus anderen Listen übernommen, bei anderen wiederum bin ich nach dem Jahr gegangen, in dem ich sie im Kino gesehen habe. Könnte also sein, dass die Angabe nicht 100% stimmt. Ein anderes Problem war der richtige Titel. Nehme ich den deutschen Titel oder den Originaltitel? Letzteres hätte dazu geführt, auch die Orinalnamen aus Frankreich oder Spanien zu nehmen – ich habe mich letztlich dafür entschieden, konsequent den Titel aus Deutschland zu nehmen.

Genug der Vorrede, hier ist die Liste:

# Film Jahr
100 Wo ist Fred? 2006
99 Colonia Dignidad 2015
98 End Of Watch 2012
97 Star Trek Into Darkness 2013
96 Stereo 2014
95 Jurassic World 2015
94 Haunter 2013
93 Lucy 2014
92 Rush 2013
91 The Hateful Eight 2016
90 Zero Dark Thirty 2012
89 Almost Famous 2000
88 Was Frauen wollen 2000
87 The Revenent 2016
86 Stirb Langsam 4.0 2007
85 Joyride – Spritztour 2001
84 12 Years A Slave 2013
83 The Pact 2012
82 Fluch der Karibik 2003
81 Oblivion 2013
80 The Purge: Anarchy 2014
79 13 Sins 2014
78 Jarhead – Willkommen im Dreck 2005
77 Trance 2013
76 Die Unfassbaren – Now You See Me 2013
75 Mad Max: Fury Road 2015
74 2012 2009
73 Das Parfum – Geschichte eines Mörders 2006
72 The Witch 2015
71 Fack ju Göhte! 2013
70 Keine halbe Sachen 2000
69 The Hurt Locker 2008
68 Nicht auflegen! 2003
67 (500) Days Of Summer 2009
66 Ziemlich beste Freunde 2011
65 High Fidelity 2000
64 Verblendung (US) 2011
63 Der Schuh des Manitu 2001
62 Donnie Darko 2001
61 Looper 2012
60 Das Urteil – Jeder ist käuflich 2003
59 [Rec] 2007
58 Slumdog Millionär 2008
57 The Conjuring 2013
56 Guardians Of The Galaxy 2014
55 The Girl With All The Gifts 2016
54 Willkommen bei den Sch’tis 2008
53 Ted 2012
52 Blau ist eine warme Farbe 2013
51 Oceans Eleven 2001
50 Victoria 2015
49 Star Trek Beyond 2016
48 The Dark Knight 2008
47 Lost in Translation 2003
46 Inception 2010
45 Sleep Tight 2012
44 Das finstere Tal 2014
43 Silver Linnings 2012
42 Inglourious Basterds 2009
41 Captain Phillips 2013
40 The Conjuring 2 2016
39 Spotlight 2015
38 Der Gott des Gemetzels 2011
37 The Social Network 2010
36 Prisoners 2013
35 Eden Lake 2008
34 We Need To Talk About Kevin 2011
33 Die purpurnen Flüsse 2001
32 The Beach 2000
31 Mulholland Drive 2001
30 Django Unchained 2012
29 Das Experiment 2001
28 Train To Busan 2016
27 Minority Report 2002
26 Whiplash 2014
25 Edge Of Tomorrow 2014
24 The Butterfly Effect 2004
23 Mission: Impossible – Phantom Protokoll 2011
22 Hard Candy 2005
21 The Others 2002
20 Der Marsianer 2015
19 Interstellar 2014
18 Argo 2012
17 Ex Machina 2015
16 Black Swan 2010
15 Star Wars: Das Erwachen der Macht 2015
14 Hangover 2009
13 The Wolf of Wall Street 2013
12 Die Simpsons – Der Film 2007
11 The Day After Tomorrow 2004
10 Memento 2000
9 About A Boy 2002
8 Children Of Men 2006
7 Raum 2015
6 Cast Away – Verschollen 2001
5 28 Days Later 2002
4 Little Miss Sunshine 2006
3 Gravity 2013
2 No Country For Old Men 2007
1 Planet der Affen – Prevolution 2011


Auf eine grafische Aufbereitung habe ich bewußt verzichtet. Noch ein paar Statistiken zum Abschluß: Es sind insgesamt 10 deutsche Filme dabei, 4 aus Frankreich, 2 aus Spanien und einer aus Korea. In 5 Filmen spielte Leonardo DiCaprio mit, in 4 Filmen Tom Cruise. Jeweils 4 Filme stammen von Danny Boyle und von Christopher Nolan.

Puh – geschafft!

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The Berlin light shine so bright

Wenn ich die letzten Male in Berlin war, war das eigentlich meistens beruflich. Freizeit hatte ich da nicht wirklich. Deshalb fand ich, es war mal wieder an der Zeit, dort ein paar freie Tage zu verbringen. Das ist nun der Bericht zu meinem langen Wochenende in Berlin – und am Ende gibt es das Bild einer Currywurst.Nach dem ich es im Vorfeld verpasst hatte, mir einen preiswerten Flug zu organisieren – das Lollapalooza fand am gleichen Wochenende statt, daher war das Kontigent wahrscheinlich schnell weg – musste ich auf die Bahn ausweichen. Kein Problem, ich fahre ja gerne mit dem Zug. Allerdings zogen sich die sechs Stunden dann doch ganz schön. Immerhin, ich konnte endlich mal wieder lesen und der ICE kam pünktlich in Berlin an. Am Südkreuz stieg ich um in die Ring-S-Bahn, die mich bis direkt vor mein Hotel fuhr. Von außen vielleicht nur ein grauer Kasten, aber es war ein großer Betrieb mit guten Zimmern, klimatisiert – was an diesem Wochenende nicht unwichtig war, eine schöne Dusche und gutem Frühstück. Kann man also empfehlen.Nur ein paar Tramstationen entfernt lag ein Burgerladen, den ich im Vorfeld empfohlen bekommen hatte: Lily Burger in Friedrichshain. Da ich nach der Zugfahrt Hunger hatte, machte ich mich schon recht früh auf den Weg dorthin. Schöne kleine Terrasse, hübsche Holzfassade, San Miguel wurde ausgeschenkt – was konnte also schief gehen? Nun ja, ich bestellte mir etwas blauäugig einen Double-Burger, damit fuhr ich in München beim Burger House immer ganz gut und ich hatte ja Hunger. Was dann für ein Fleischberg kam, damit hatte ich nicht gerechnet. Das war ein Hackbraten auf Brot! Burgerfeeling wollte da nicht aufkommen. Das Fleisch war allerdings gut, das Brötchen ok -  aufgrund meiner Fehlbestellung läuft der Doppelklops allerdings außer Wertung im Burger-Ranking.

Nach dem reichhaltigen Mahl machte ich dann noch etwas für München undenkbares: Ich holte mir im Späti nebendran noch Bier. Das gute Augustiner, wie daheim.

Am nächsten Tag, dem Samstag, stand dann der Hauptgrund meines Besuches an: Das Zweitligaspiel zwischen Union Berlin und dem KSC. Dank der frühen Anstoßzeit um 13 Uhr, musste ich bereits kurz nach dem Frühstück los, um mir den Weg nach Köpenick in das Stadion an der Alten Försterei zu suchen.Die Stimmung im Stadion war sehr gut, es gab gleich drei Stehplatztribühnen in der kleinen Arena, was wirklich seinen eigenen Charme verbreitete. Ich bin ja mittlerweile eher auf den Sitzplätzen zu finden, so auch hier, und war von dem Getränkestand im Block begeistert. Kurz zusammengefasst: Tolles Station, tolle Atmosphäre, beschissenes Spiel von Karlsruhe. Nach vielen Fehlern in der Defensive und einer planlosen Leistung in der Offensive verließ das Team den Rasen mit einer 0:4 Niederlage. Die KSC-Fans stellten in der Mitte der zweiten Hälfte den Support ein. Das Team kam noch dem Spiel zu den Fans an den Zaun, es gab eine kurze Aussprache und die Spieler wurden dann mit verhaltenem Applaus in die Kabine verabschiedet. Da war noch viel Luft nach oben.Ich verließ Köpenick so schnell es ging. Nach einer kurzen Erfrischung im Hotel fuhr ich weiter zum Potsdamer Platz, um dort die Deutsche Kinemathek zu besuchen. Hier fand mit der Things To Come eine Ausstellung über Science-Fiction Filme und Serien statt. Also genau das richtige für mich. Ausgestellt wurden Exponate zu Star Trek (Happy Birthday zum 50.!), Star Wars, Raumpatrouille Orion – aber auch von Filmen wie Alien, Robocop, Enemy Mine oder Mars Attacks. Dazu gab es viele Videoschnippsel und es war insgesamt ganz nett aufbereitet. Wenn man sich nicht alle Videos anschauen möchte, braucht man auch nicht mehr als eine Stunde einzuplanen.Weiter ging es zu Fuß zur Sehenswürdigkeit Nummer 1: Dem Brandeburger Tor. Eine Touristen-Hotspot, aber für mich ist es tatsächlich so etwas wie der Mittelpunkt Deutschlands. Ich war schon relativ häufig hier, aber wenn ich in Berlin bin, will ich es auch jedes Mal wieder sehen. Dieses Mal war es dank der im Hintergrund untergehenden Sonne besonders eindrucksvoll. Nach dem mir für den Abend eine Schulfreundin abgesagt hatte, entschiede ich micht stattdessen für Kino. Und wenn schon, dann richtig: Im Cinestar am Potsdamer Platz. The Shallows habe ich mir angesehen – im Originalton, wie ein Hipster. Der Film war gut, mehr dazu bei Fise Musi am Ende des Monats. Als ich das Kino verließ, beeindruckte mich das Sony-Center erneut, dieses Mal dank der vielen Farben. Also stellte ich mich zu den anderen Touristen und macht ein paar Fotos, bevor ich zurück ins Hotel fuhr und dabei auf die heimkehrenden Lollapalooza Besucher in der S-Bahn traf.Der nächste Tag, der nächste Termin. Mit einem Freund, der frisch nach Berlin gezogen war, war ich in seiner neuen Heimat in Neukölln zum Sonntagsfrühstück verabredet. Er schlug das Zimt & Mehl vor, ein kleiner Laden mit einem guten Frühstück. Uns zog es nach draußen, leider waren da alle Plätze vor dem Laden und auf der anderen Straßenseite schon besetzt und schienen auch nicht zeitig wieder frei zu werden, so dass wir dann doch mit den Innenplätzen vorlieb nehmen mussten.Danach war wieder klassisches Touristenprogramm angesagt, aber das tolle Wetter schrie grade zu nach dem Spree-Ufer. Ist halt auch schön da. Auch die vielen Bars am Ufer sahen einladend aus und so ein Spezi bei der Hitze kann halt echt Wunder bewirken.So konnte man dann schön an der Spree entlang spazieren bis zum Roten Rathaus und dem Alex mit dem Fernsehturm. Auch praktisch: Von dort fuhr die Tram direkt bis zu meinem Hotel zurück.Der Abend stand dann im Zeichen eines Konzertes. Matt Wilde, der Ex-Sänger von Young Rebel Set, spielte in Berlin und hatte Sönke Torpus als Verstärkung dabei. Das Konzert sollte im Kreuzberger Monarch statt finden, Freunde hatten mir in der Nähe ein Grillrestaurant empfohlen: Das Adana, welches ich auch besuchte und wo ich mich über den Grillteller her machte.

Aber zurück zum Monarch – nach dem ich erst einmal den Eingang gefunden hatte, war ich von der Location sehr angetan. Schön klein, gemütlich, rustikal, mehr Bar als Club, oben im 1. Stock, mit Blick auf die Straße und die U-Bahn-Station. Ich bin immer schlecht im schätzen, aber es waren vielleicht so 40-50 Zuschauer dort, durch die sich Matt Wilde und sein Side-Kick den Weg zur Bühne suchten.Die beiden waren sehr gesprächig auf der Bühne, sowohl untereinander, als auch zum Publikum. Man merkte ihnen den Spaß an dem Auftritt wirklich an. Matt erzählte meist ein wenig zu seinen Songs, wo er ihn geschrieben hatte und wie es dazu kam, auch wenn es mit zunehmender Spieldauer immer schwieriger wurde, ihn zu verstehen. Die Setlist bestand aus vielen alten Young Rebel Set Songs, die sie nun zu zweit auf der Bühne spielten. Schon ein Unterschied zu der großen Band früher, die ja immer zu secht oder siebt da vorne standen. Nach dem es mit Lions Mouth schon gut los ging, gehörten danach Down The Line, Cocaine Blues – ein Cover von Bob Dylan, Berlin Nights und natürlich If I Was zu den Highlights. Die Zugabe eröffnete zur Abwechslung Sönke Torpus, der einige von seinen eigenen Songs zum Besten gab. Danach kam Matt wieder dazu und spielte unter anderem noch Rosie und als krönenden Abschluß Measure Of A Man. Ein toller Abend, der ruhig noch lange hätte so weiter gehen können – oder sagen wir mal, bis einer von den beiden betrunken von seinem Hocker gefallen wäre.

Und damit waren die Berlin Nights and days vorbei. Auf dem Heimweg traf ich wieder auf die Lollapalooza Meute. Am nächsten Morgen fuhr ich mit der Tram durch Berlin zum Hauptbahnhof, der ja eigentlich eher eine Shopping Meile ist, und wartete auf meinen ICE zurück nach München. Die Fahrt gestaltete sich erneut recht zäh. Nur hatte ich dieses Mal meinen Hunger etwas unterschätzt und musste deshalb einen kurzen Abstecher ins Bordbistro machen, wo ich mir dann passenderweise – zwar nicht mehr in Berlin, aber immerhin – noch eine Currywurst gönnte. Die war gar nicht mal so schlecht, wie man erwarten konnte. Und dann geschah am Ende noch das Unglaubliche: Der ICE erreichte München fünf Minuten früher, als es der Fahrplan ankündigte.

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Musik & Du – 020 – Mittelfinger hoch!

Ja, Servus miteinander. Ich bin heute am späten Vorabend, nach einer sechsstündigen Bahnfahrt, aus Berlin zurück gekommen. Die Bahn hat versucht, die Fahrt so kurz wie nötig zu halten und traf bereits knapp fünf Minuten vor der Fahrplanzeit wieder in München ein. Vermutlich muss ich dafür jetzt noch etwas nachzahlen, ich warte also auf die Rechnung.

Über meine Tage in Berlin werdet ihr also demnächst einiges lesen – ich werde wohl alles in einen Eintrag packen, weswegen er etwas länger wird. Und etwas später kommt. Außerdem sitze ich zur Zeit noch an Miss Booleanas Blogparade zum Thema Die 100 besten Filme dieses Jahrhundert. Eine Mammutaufgabe, die mich wohl noch ein paar Tage beschäftigen wird.

Um die Zeit bis dahin zu überbrücken, nehme ich mal wieder an Fräulein Skywalkers Musikparade teil. In diesem Monat mit dem Thema:

Mittelfinger hoch!

Sie sucht dabei diesen einen Song zum Sauersein, zum Wutrausschreien und Rachepläneschmieden. Welche Musik dreht man lauter, wenn der Chef plötzlich ganz dringend irgendeinen Mist braucht, bei der Aufnahme deiner Lieblingsserie die letzten fünf Minuten fehlen, die geplante Feier-Tour kurzfristig ins Wasser fällt, youTube das Musikvideo nicht rausrücken will, oder eine hübsche Freundin auf einmal irgendeinen Idioten als ihren neuen Freund vorstellt? Tretet zur Seite, ihr Jack Johnsons und Coldplays dieser Welt, macht Platz für The Hives und A Get Together To Tear It Apart!

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Fantasy Filmfest 2016

In diesem Jahr stand bereits das 30. Fantasy Filmfest auf dem Programm und wenn man sieht, wie viele etablierte Medien in einem durchaus wohlwollenden Ton über dieses Filmfest schreiben, muss man fest stellen: Dieses Nischenprogramm hat seinen Markt gefunden. Und der nicht enden wollende Nachschub an frischen Filmen legitimiert diese Veranstaltung auch von der Produktionsseite. Und mittlerweile sind da auch sehr viele bekannte Namen dabei. Große Schauspieler, die sich hier mal in anderen Rollen versuchen. Bei mir waren es in diesem Jahr Namen wie: Johnny Depp, Daniel Radcliffe, Glenn Close oder Alexander Skarsgard.

Für mich war es das siebte Fantasy Filmfest. Der besondere Reiz an dem Festival ist ja: Man weiß vorher nicht genau, was man bekommt. Das meiste sind Independent Produktionen aus allen Teilen der Welt, da kann auch mal etwas dabei sein, was einfach nicht funktioniert. Dafür freut man sich um so mehr, wenn man eine Perle entdeckt hat. Das hier waren meine Fundsachen in diesem Jahr, geordnet in chronoligischer Reihnenfolge – von der Opening bis zur Closing Night.

Swiss Army Man (USA 2016, Trailer) – 4 von 10 Punkten

Inhalt: Hank (Paul Dano, bekannt aus Little Miss Sunshine, Looper oder 12 Years A Slave) sitzt gestrandet auf einer einsamen Insel fest. Kurz bevor er sich das Leben nehmen will, wird ein toter Körper (Daniel Radcliffe) an den Strand gespült. Dieser verfügt anscheinend über einige beeindruckende Kräfte und hilft Hank damit immer wieder aus der Patsche. Und je mehr der tote Körper von Hank Zuneigung erfährt, um so mehr Leben kehrt in ihn zurück.

Fazit: Der diesjährige Eröffnungsfilm ist vor allem: Wahnsinnig originell und ziemlich abgedreht. Wem das alleine schon reicht, sollte sich den Film anschauen, wenn er im Herbst auch im regulären Kino startet. Wer ihn gut finden möchte, dem wird er auch gefallen. Mich hat die fast märchenhaft Atmosphäre allerdings nicht berührt, mir hat die Emotionalität gefehlt. So war es mir relativ egal, ob das ungleiche Duo wieder den Weg zurück in die Zivilisation findet. Loser-Typ trifft auf kindhaften Charakter, der dessen Welt und Normen hinterfragt, hier zu sehen in der x-ten Variation. Und leider nimmt das Ende dann auch noch ein Stück von der Märchen-Atmosphäre. So war er halt etwas lustig und etwas fantastisch, aber in keine Richtung konsequent.

Yoga Hosers (USA 2016, Trailer) – 6 von 10 Punkten

Inhalt: Colleen (Lily-Rose Depp) und Colleen (Harley Quinn Smith) sind Teeanger und beste Freundinnen. Gemeinsam jobben sie im tiefsten Kanada im Laden von Colleens Eltern. Eines langweiligen Abends lassen sie sich von zwei Freunden im Laden besuchen, die sich als Satanisten heraus stellen. Doch damit nicht genug, der Laden steht auf einem ehemaligen Nazi-Gelände, das von noch seltsameren Nazi-Bratwürsten heim gesucht wird.

Fazit: Ja, Kevin Smiths Film ist skurril und will auch nichts anderes sein. Wer sich darauf einlässt, wird gut unterhalten, auch wenn sich die Kanada-Witze ein wenig wiederholen und die Brazis eher plump animiert sind. Aber man hat seinen Spaß, den beiden jungen Hauptdarstellerinnen nimmt man die Rollen als BFF ab und spätestens wenn der Ober-Bösewicht erscheint läuft das Ding. In der Zwischenzeit erfreut man sich an den prominenten Supporters wie Johnny Depp, Vanessa Paradis oder Justin Long als Yoga-Lehrer und übersieht großzügig die ein oder andere Länge.

The Girl With All The Gifts (GB/USA 2016, Trailer) – 8 von 10 Punkten

Inhalt: Nach dem Ausbruch einer todbringenden Seuche haben sich Überlebende in Militärbasen organisert. Während draußen willenlose Zombies lauern, testen drinnen Wissenschaftler (angeführt von Glenn Close) infizierte Kinder wie Melanie (Sennia Nanua), die ihren Fressimpuls noch halbwegs kontrollieren können. Als die Basis durch die Zombies gestürmt wird, befindet sich Melanie auf einmal mit einer Gruppe von Wissenschaftlern und Militärs auf der Flucht nach London, wo sie dem Geheimnis der Seuche auf die Spur kommen.

Fazit: Zombies sind im Kino einfach nicht tot zu kriegen. Wenn sie aber immer in so einer Qualität zurück kommen, ist das kein Problem. Der Film macht fast alles richtig: Die Einführung in die Welt ist schockierend, lange weiß man nicht, was es mit den armen Kindern auf sich hat. Die Beziehungen zwischen den Figuren funktionieren. Mehr als einmal hatte ich Angst um die Personen. Optisch ist der Film ganz großes Kino, alleine die Stürmung der Basis ist super umgesetzt, das verwüstete London nicht minder. Und das Ende ist konsequent. Lediglich das Mitteldrittel fällt dagegen etwas ab, weil es auffällig konservativ ist, und – ohne zu viel zu spoilern – manche Masken am Ende auch. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau, das ist eine klare Besuchs-Empfehlung, wenn der Film im Herbst wohl auch regulär ins Kino kommt.

Desierto (Mex/F 2015, Trailer) – 6 von 10 Punkten

Inhalt: Eine Gruppe Mexikaner überquert illegal die Grenze in die USA und wird dort von einem wortkargen Jäger und seinem Hund entdeckt und verfolgt.

Fazit: Die Handlung ist recht überschaubar und der Film entwickelt sich so, wie man es auch erwartet: Nur einer wird überleben. Optisch eingefangen wird diese Szenario von Jonás Cuarón, immerhin mitverantwortlich für das Drehbuch von Gravity. Hier bekommt man fast genau so epische Aufnahmen präsentiert, die Schüsse knallen ordentlich durch die Wüste und die Hauptdarsteller Gael Garcia Bernal und Jeffrey Dean Morgan quatschen nicht viel rum, sondern machen ihre Sache gut. Dass es dann doch nicht mehr Punkte geworden sind, liegt an der dünnen Story. Auf eine Backgroundgeschichte der Figurn wird fast völlig verzichtet und die Handlung scheint sich zeitweise im Kreis zu drehen. Und dieser Hund war so nervig, ich wäre am liebsten applaudierend aufgestanden, als… naja ich will nicht spoilern. Aber diese Jäger und Gejagte Filme funktionieren eigentlich immer ganz gut, wenn sie handwerklich gut gemacht sind, und das ist Desierto auf jeden Fall. Nur das minutenlange Schleichen um Felsen war vielleicht etwas zu detailiert erzählt.

War On Everyone – Dirty Cops (GB 2016, Trailer) – 6 von 10 Punkten

Inhalt: Die beiden Cops (gespielt von Alexander Skarsgard und Michael Pena) nehmen ihren Job nicht so richtig ernst. Sie saufen im Dienst, nehmen Drogen und fahren einen Pantomimen an, nur um zu hören, ob der dabei einen Ton von sich gibt. Sie sind richtige bad asses. Zu blöd, dass sie dabei trotzdem in einen Fall hinein schlittern.

Fazit: Wenn schon das stets euphorische Programmheft schreibt “eigentlich bräuchte der Film noch nicht einmal einen Plot”, dann hätte ich mir fast denken können, dass eben dieser nicht die Stärke des Films ist. Die liegt viel mehr bei den beiden Cops, die mit sehr viel Spaß gespielt werden, dem Style und dem Humor (und an Tessa Thompson, demnächst auch in Westworld zu sehen). Besonders der Abstecher nach Island sorgt für Lacher. Schade, der Film hätte so gut werden können, wenn man ihm auch noch eine Handlung spendiert hätte. Kommt im Herbst in die englischen Kinos, wenn er es nicht nach Deutschland schafft, wäre das allerdings kein Beinbruch.

Train To Busan (Südkorea 2016, Trailer) – 9 von 10 Punkten

Inhalt: Seok-woo (Gong Yoo) hat seiner Tochter Su-an (Kim Su-an) versprochen, an ihrem Geburtstag zu ihrer Mutter nach Busan zu fahren. Sollte mit dem Hochgeschwindigkeitszug ja recht schnell klappen. Dummerweise bricht genau an diesem Morgen eine Zombie-Apokalypse aus. Ein infiziertes Mädchen schafft es in letzter Sekunde in den Zug und stellt damit die Weichen für ein unglaubliches Chaos.

Fazit: Wow – das war einer der stärksten Actionfilme seit langem! Der Geschwindigkeitsrausch von Speed trifft auf die rasanten Zombieherden aus World War Z trifft auf den Aufbau eines klassischen Katastrophenfilms. Werden am Anfang die relevanten Personen noch schnell eingeführt, bricht dann wenig später das Chaos los und zieht einen immer tiefer in den Strudel. Zeit zum Durchschnaufen bleibt kaum. Die ruhigen Momente werden genutzt, um die – zugegeben – klassischen Charaktäre noch etwas zu vertiefen. Neben der Action ist der Film auch optisch gut umgesetzt und nicht nur auf den titelgebenden Zug beschränkt. Nicht umsonst hat der Film in seinem Heimatland mehr als 10 Millionen Koreaner in die Kinos gelockt. Hier wurde er im Original gezeigt mit englischen Untertiteln, was einem nach einigen Minuten gar nicht mehr weiter stört.

Das war es für dieses Jahr. Sechs Filme waren es, der klassische Gruselfilm hat mir dieses Mal gefehlt, dafür bleibt die Erkenntnis: Der schon oft tot geglaubte Zombiefilm hat mit gleich zwei sehr guten (und sehr unterschiedlichen) Streifen die Konkurrenz deutlich abgehängt. Ich habe lange überlegt, welcher der beiden mir nun besser gefallen hat, und mich dann für die Hochgeschwindigkeits-Action entschieden. Bei Swiss Army Man dagegen hatte man sich für den Eröffnungsfilm etwas besonderes überlegt, bewusst polarisierend, bei mir ist er dann leider durch gefallen. Der Rest war Genre-Kino, Hausmannskost, die zu so einem Festival dazu gehört.

Zum Schmökern: FFF 2015 – FFF 2014FFF 2013FFF 2012FFF 2011FFF 2010

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