Live im Strom: Ash & Hinds

Eine stressige Woche liegt hinter mir, die Vorweihnachtszeit läßt grüßen. Nicht nur im Büro ist noch viel los, auch abends. Seit letztem Samstag war ich nur an genau einem Abend zu Hause. Lag natürlich auch daran, dass ich noch mal auf zwei Konzerten war, den letzten beiden des Jahres: Ash und Hinds. Beides im Münchner Strom. Und wieder einmal zeigte es sich, dass ich ganz schlecht dabei bin, vorab einzuschätzen, wie viele Leute kommen werden. Ich hätte nie gedacht, dass Ash auch 2018 noch mehr Zuschauer ziehen als Hinds.

Beide Bands hatten einen ganz guten Support dabei, wobei mir die Indoor Pets bei Ash noch ein wenig besser gefallen hatten. Dagegen wirkte das Sports Team bei Hinds wie ein bunt zusammen gewürfelter Haufen von Musikern – wobei mein Favorit bei ihnen der Typ in Jacke und Wollmütze war, der mit völlig unbeweglicher Miene immer mal wieder ein paar Knöpfe drückte. Sie hatten aber auch das Pech, dass sie früher anfangen mussten, als es eigentlich auf der Karte stand, und so fingen sie in einem undankbar halbleeren Saal an.

Bei Ash muss man sich nicht viel vormachen: Die ziehen ihren Stil seit 1994 durch, ohne dabei groß etwas verändert zu haben. Man weiß, was man bekommt. Das ist großartig, wenn man die Songs mag (Oh Yeah, Jesus Says, Shining Light!), aber auch etwas ermüdend, wenn man die Songs nicht so kennt, weil dann doch vieles gleich klingt. Der Stimmung im Saal tat das keinen Abbruch, das Publikum drehte regelmäßig durch und als am Ende des Sets Girl From Mars und Burn Baby Burn gespielt wurde, gab es kein Halten mehr. Dagegen war ihre Zugabe danach leider verzichtbar. Aber egal, insgesamt lieferten sie ab und es war ein guter Spaß.

Spaß ist es auch bei Hinds ein gutes Stichwort. Es gibt wohl kaum eine andere aktuelle Band, die so viel Spaß auf der Bühne hat. Berührungsängste zeigten die vier Spanierinnen überhaupt nicht – sie standen bei der Vorband mit im Publikum und waren auch nach ihrem Auftritt noch lange greifbar, ließen sich selfie-sieren und unterschrieben alles, was man ihnen vorlegte. Dazwischen lag ein energiegeladenes Konzert mit den Songs ihren beiden Alben und mit einem The Clash Cover von Spanish Bombs.

Leider haben es nur drei der Viererband auf das Foto geschafft – es war leider das einzig wirklich brauchbare Bild, was ich gemacht habe. Sonst war aber auch einfach zu viel Bewegung drin, auf der Bühne und davor. Tester, Rookie und natürlich Bamboo waren auch live klasse. Insgesamt war es abwechlungsreicher als bei den männlichen Kollegen von Ash ein paar Tage zuvor. New For You beendete dann die Zugabe.

(Das letzte Video ist etwas wackelig und von einem Konzert in Warschau, der Ton von youTuber IronChefWong ist aber gut)

Zum Abschluß gab es bei beiden Bands schließlich noch prominente Verabschiedungsmusik. Ash grüßten zu The Time Of My Life von der Bühne, während bei den Hinds noch einmal zu Always Look On The Bright Side Of Life geschunkelt wurde. So macht man das wohl mittlerweile. Dann gingen die Lichter wieder an und es war vorbei.

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Der Monatsrückblick November 2018

Spät, aber nicht zu spät, bin ich in diesem Monat mit dem Rückblick. Dabei war es an den letzten Tage sogar recht ruhig, die Ruhe vor dem Sturm, bevor der Weihnachtswahnsinn über uns alle hineinbricht.

*** Foto des Monats ***

Mal etwas Kunst, ihr Banausen! Zum Jahrestag des Friedensvertrags zum Ende des ersten Weltkrieges hat der Künstler Walter Kuhn den Münchner Königsplatz in ein Meer von mehreren tausend großen, roten Mohnblumen verwandelt, zum Gedenken an die Opfer des Krieges. Der Anblick muss tagsüber noch eindrucksvoller gewesen sein, ich habe es leider nur zu einem kurzen Abstecher nach der Arbeit geschafft. (mehr zu dieser Aktion)

*** Kino ***

Das war mal ein Kino-Monat! Nicht nur, dass ich ständig in den Lichtspielhäusern war (davon in vier verschiedenen in München, sowie eines im Hamburg), sondern die Ausbeute war auch erstaunlich gut. Mit dabei: Wieder zwei deutschsprachige Produktionen.

25 km/h 8 von 10

Auf der Beerdigung ihres Vaters treffen die Brüder Christian (Lars Eidinger) und Georg (Bjarne Mädel) das erste Mal seit vielen Jahren wieder aufeinander. Nach anfänglichem Streit und einer alkoholreichen Versöhnung beschließen die Beiden, einen Traum zu verwirklichen, den sie in ihrer Jugend hatten: Mit ihren Mofas vom örtlichen Brunnen aus bis zum Timmendorfer Strand zu fahren, incl. einiger Aufgaben, die sie unterwegs erledigen müssen. Und so entwickelt sich ein Roadtrip, der sie immer mehr zueinander bringt. Roadmovies sind ein tolles Film-Genre, schaffen sie es doch lustige und nachdenkliche Aspekte zu vereinen, ein Freiheits-Gefühl zu transportieren und tolle Bilder zu liefern. Dieser Film ist in dieser Hinsicht gradezu klassisch. Zwei Protagonisten, die aus ihrer etablierten Welt aufbrechen und sich am Ende selbst finden. Mädel und Eidinger geben ein tolles Brüderpaar ab, viele Episoden der Reise bleiben im Kopf, bekannte Darsteller wie Franka Potente, Wotan Wilke Möhring, Jella Haase, Alexandra Maria Lara und Sandra Hüller runden als Nebenfiguren den Film ab. 25 km/h erfindet das Genre nicht neu, aber gibt es gut wieder. Und ist rasanter, als es der Titel verspricht.

Aufbruch zum Mond 8 von 10

Der Ingenieur Neil Armstrong (Ryan Gosling) arbeitet Anfang der 60er Jahre als Testpilot für Jets und Raketenflugzeuge und hat mit seiner Frau Janet (Claire Foy) und den beiden Kindern eine Familie hinter sich, die ihm den Rücken stärkt. Sein ganzes Leben ändert sich jedoch, als seine Tochter an einem Gehirntumor stirbt und die Familie nach einer Veränderung sucht. Diese bietet sich, als die NASA für ein Mondprogramm auf der Suche nach Piloten mit Ingenieurswissen ist. Sein erster Schritt in Richtung Mond. Der neue Film von Damien Chazelle hält sich wenig mit technischen Details auf, sondern konzentriert sich auf Armstrong und die anderen Astronauten. Sie werden wie Puzzleteile auf die Missionen gesetzt – manche gehen gut aus, manche nicht. So geht ein wenig von der Faszination des größten Abenteuers der Menschheit verloren, bringt uns dafür aber die Typen näher, die sich auf so ein Wagnis einlassen. So wie der abenteuerliche Armstrong, der es aber nicht schafft, sich richtig von seinen Kindern zu verabschieden. Sitzt er erst mal in der engen Kapsel, wird es aber auch für den Zuschauer beklemmend. Alles wackelt, alles dröhnt, und man wird in die Ruhe des Alls geschossen. Die Mondlandung selbst ist schließlich toll inszeniert und entschädigt für das fehlender Abenteuer davor. DER Satz der Raumfahrtgeschichte wird erfreulich unpathetische weggenuschelt, während das Hissen der Flagge komplett fehlt. Es geht nun mal eben um Armstrong und danach erst um die Mission.

Bohemian Rhapsody 8 von 10

Ein Film für die große Leinwand! Der Aufstieg von Queen mit ihrem Leadsänger Freddie Mercury (grandios verkörpert von Rami Malek) bis zu ihrem legendären Live Aid Gig im Wembley Stadion 1985 wurde in den gut zwei Stunden kompakt zusammen gefasst und mit reichlich Musik hinterlegt. Dabei wird besonders in der ersten Hälfte in der Zeit immer wieder vorgespult, was dramaturgisch allerdings nicht besonders viel hergibt. Hier noch der erste Gig von Mercury mit Roger Taylor (Ben Hardy), Briany May (Gwilym Lee) und John Deacon (Joseph Mazzello), schon wird alles größer, hier Welttournee, da neues Album. Auch die Songs schreiben sich wie von selbst. Etwas auf dem Klavier rumklimpern, Bohemian Rhapsody. Da ‘ne neue Bass-Line, schon hat man Another One Bites The Dust. Etwas rumstampfen auf der Bühne, zack: We will rock you, Welthit. Wirkt die erste Hälfte also noch wie ein Werbevideo, konzentriert sich die interessantere zweite Hälfte deutlich mehr auf Mercury und seine ausschweifende Persönlichkeit, ohne aber die Jugendfreigabe zu gefährden. So konfliktscheu insgesamt die Geschichte ist, um so grandioser sind die Live-Auftritte. Alle Nummer-Eins Songs von Queen tauchen auf, Höhepunkt ist der abschließende Wembley Auftritt, der einem in den zwanzig Minuten vergessen läßt, dass wir hier nur Schauspieler sehen. Das ist dann wirklich großes Gänsehaut-Kino, das einer der größten Bands der Welt huldigt.

Juliet, Naked 7 von 10

Annie (Rose Byrne) und Duncan (Chris O’Dowd) leben in einem verschlafenen, englischen Küstenstädtchen. Duncans ganzer Leidenschaft gilt seiner Homepage, auf der er sich dem Rockstar Tucker Crowe (Ethan Hawke) widmet, der sich vor rund 20 Jahren aus der Öffentlichkeit verabschiedet hat. Duncan erhält eine Demoversion von Crowes größtem Album, die aber von ihm und von Annie unterschiedlich beurteilt wird. Als Annie darüber einen bösen Verriß schreibt, meldet sich ausgerechnet Crowe bei ihr und gibt ihr dabei Recht. Musik, Fan-Leidenschaft, Vergangenheitsbewältigung, klare Anzeichen für eine Nick Hornby Verfilmung. Ein netter, kleiner Film mit sympathischen Hauptfiguren, mit etwas Witz und leichter Melanchonik. Er macht vieles richtig, um richtig gut zu sein fehlt aber noch ein Tick – wie etwas mehr Überraschung oder ein befriedigerendes Ende. Das Buch dazu habe ich nicht gelesen, wie der Film im Vergleich zur Vorlage abschneidet, kann ich daher nicht beurteilen. Ganz im Gegenstaz zum nächsten Film:

Der Trafikant 6 von 10

Wenn man ein Buch mochte, tun sich Verfilmungen ja meistens schwer. Man hat eigene Bilder im Kopf, eine große Erwartungshaltung – und dann ist ein Film einfach kein Buch, sondern hat andere Spielregeln. Und in gewisser Weise scheitert daran auch die Verfilmung von Robert Seethalers Roman. Dabei hält sich die Verfilmung eng an den Roman. Der 17jährige Franz Huchel (Simon Morzé) wird von seiner Mutter nach Wien in den 1930er Jahren geschickt, um dort beim Trafikanten Trsnjek (Johannes Krisch) zu lernen. Einer seiner Kunden ist Sigmund Freud (der wunderbare Bruno Ganz), der Franz rät, keine Angst vor der Liebe zu haben. Woraufhin er sich in die Böhmin Anezka (Emma Drogunova) verliebt. Und während Franz also versucht, in der Großstadt erwachsen zu werden, legt der Nationalsozialismus seine Hände immer enger um Österreich. Wie im Buch funktioniert die Story auf der Leinwand ebenfalls gut, dieser Schwenk von Selbstfindung zu einem politischen Stück. Das Zeitalter wird aber auf der Leinwand nie so richtig lebendig, da hat Babylon Berlin tatsächlich Maßstäbe gesetzt. Alles wirkt etwas zu glatt, in der Hauptfigur mit dem perfekten Haarschnitt und den sauberen Klamotten sieht man nie den Landjungen, der in die große Stadt geworfen wird. Und Wien selbst wirkt nie mehr als eine saubere Kulisse mit dörflichem Charme. Schade, da hätte man mehr draus machen können.

Sonstso

Außerdem habe ich diesen Monat einige Horror-Klassiker mal nach geholt. Angefangen beim klassischen Frankenstein (1931), den man immer noch ganz gut gucken kann. Ich hätte aber nicht erwartet, dass er im Schwarzwald spielt und Frankenstein Herbert mit Vornamen heißt. The Hills Have Eyes (1977) ist dagegen nicht so gut gealtert, ich fand ihn richtig übel schlecht. Stephen Kings Misery (1990) habe ich ebenfalls zum ersten Mal gesehen. Er hatte so seine Momente, war aber manchmal auch sehr bieder gemacht. Zum Fürchten war Unlocked (2017), allerdings wohl eher unfreiwillig. Es war eine Ansammlung von bekannten Gesichtern, die Story war aber zum Weglaufen schlecht. In der Hinsicht hatte ich mir auch von Borg/McEnroe mehr erhofft, auch wenn man ihn trotzdem gut gucken konnte. Außerdem gab es noch Die Unfassbaren 2 (2016). Wenn man mal von Woody Harrelson mit Perrücke absieht, war auch der zweite Teil sehr unterhaltsam, wenn man sich auf die Magier einläßt.

*** Serien ***

Nach den beiden deutschsprachigen Kinofilmen geht es nun auch noch weiter mit gleich drei deutschen Seiten. Davon eine, die seit Jahren als Geheimtipp umherschwirrt. Und dann gibt es da auch noch einen der erfolgreichsten US-Neustarts in diesem Jahr im deutschen Fernsehen: Young Sheldon.

Das Boot (Staffel 1 / 8 Folgen – Sky 1 / Sky on Demand) – 7 von 10

Frankreich, 1942: Im von Nazi-Deutschland besetzten U-Boot-Hafen La Rochelle bereitet sich die U-612 unter dem Kapitän Hoffmann (Rick Okon) auf ihre Jungfernfahrt vor. Unterdessen kommt Übersetzerin Simone Strasser (Vicky Krieps) in der Hafenstadt an und schliddert in den Widerstand rund um Carla Monroe (Lizzy Kaplan) hinein. Wer ein Remake eines der wohl bekanntesten und besten deutschen Filme erwartet hatte, dürfte etwas enttäuscht sein: Das ist es nämlich nicht. Stattdessen wird hier eine eigenständige Geschichte erzählt. Regieseur Andreas Prochaska (der auch die grandiose Verfilmung von Das finstere Tal inszeniert hatte) liefert kinoreife Bilder ab. Wird die U-612 erst einmal vom Stapel gelassen, sind Angst und Beklemmung der Besatzung jederzeit zu spüren, da verzeiht man auch mal den ein oder anderen schlechten Bart der Matrosen. Die Crew bekommt einen Geheimauftrag, der zusätzlich für Zündstoff unter der Besatzung sorgt. Angenehm episodenhaft werden ihre Abenteuer erzählt, allerdings holt einem die parallel statt findende Untergrund-Geschichte immer wieder raus. Die ist zwar auch nicht schlecht, erzählt aber auch nur eine erwartbare Geschichte an der Land und stört den Erzählfluss immer wieder. Hier hat man etwas Potential verschenkt.

Happy! (Staffel 1 / 8 Folgen – Netflix) – 8 von 10

Nick Sax (Christopher Meloni) ist ein alkoholkranker und zynischer Ex-Polizist. Als er bei einem privaten Auftrag verletzt wird und im Rettungswagen Medikamente bekommt, sieht und hört er ein kleines, blaues, geflügeltes Einhorn namens Happy. Dieses ist der imaginäre Freund der kleinen Hailey, die gekidnappt wurde und Hilfe braucht. Die Hilfe ihres Vaters – Sax. Mich hatte die Serie bereits bei seiner Eingangssequenz, wer mit diesem Humor nicht klar kommt, braucht wahrscheinlich gar nicht erst weiter zu schauen. Sax ist die moralisch zwielichtige Version von John McClane, und Meloni geht voll in der Rolle auf. Die Chemie zu Happy passt und macht aus der Serie eine verrückte Art von Buddy-Movie. Ritchie Coster und Patrick Fischler geben den Gegenspielern die richtige Dosis von Wahnsinn und als dann auch noch das Filmteam einer Reality TV Show auftaucht, wird es noch eine Spur skuriler. Das muss man mögen, die Mischung zwischen dreckiger und blutiger Action und absurdem Humor, dann hat man mit der Serie seinen Spaß.

The Kominsky Method (Staffel 1 / 8 Folgen – Netflix) – 8 von 10

Schauspieler Sandy Kominsky (Michael Douglas) war vor langer Zeit einmal kurz zu allgemeiner Bekanntheit gekommen. Als seine Karriere im Rampenlicht ebenso schnell wieder zu Ende war, machte er sich als Schauspiellehrer einen Namen. Sein langjähriger Agent Norman (Alan Arkin) muss schon seit Jahrzehnten Kominskys Launen ertragen. Chuck Lorres neuste Serie serviert keine billigen Schenkelklopfer (außer vielleicht die Prostata-Geschichte, die sich durch die Staffel zieht und Danny DeVito eine Gastrolle als Urologe beschert), sondern funktioniert vor allem durch das sympathische Zusammenspiel von Douglas und Arkin, denen man die langjährige Freundschaft ihrer Figuren ab nimmt (woran z.B. Jerks gescheitert ist). Tragisch wird es, als ein schwerer Schicksalsschlag bei Norman in Kominskys lockeres Genießerleben tritt. Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Alter funktioniert als Thema halt doch immer wieder. Eine nette und kurzweilige Serie.

Navy CIS: New Orleans (Staffel 4 / 24 Folgen – kabel eins) – 7 von 10

Die Zweigstelle der Bundesbehörde ist wieder zurück. Immer wieder gibt es Ärger, wie Special Agent Pride (Scott Bakula) und sein Team die Sachen fernab des Hauptsitzes so regeln. Für den Zuschauer sind die Kriminalfälle dank des sympathischen Teams meist gut anzuschauen, auch wenn der mittlerweile zum Agent aufgestiegene Sebastian (Rob Kerkovich) nicht mehr ganz so nerdig sein darf wie noch zu Beginn. Aber das Team funktionierte mit LaSalle (Lucas Black), Percy (Shalita Grant) und der mittlerweile etablierten Gregorio (Vanessa Ferlito). Nicht ganz so rund läuft es immer dann, wenn die Story das ganz große Ding drehen will und Superschurken mit over-the-top Plänen präsentiert, bei denen selbst James Bond ratlos wäre. So gesehen im abschließenden Dreiteiler, der eine schwindelig machende Verschwörungsstory erzählt, dann aber wenigstens noch mit einem nicht erwarteten Cliffhanger abschließt.

Die Protokollantin (Staffel 1 / 5 Folgen – ZDF) – 5 von 10

Als Freya Becker (Iris Berben), Protkollantin bei der Berliner Polizei, mit einem neuen Fall und dem verschwundenen Mädchen Sandra konfrontiert wird und kurz darauf auch noch der mutmaßliche Mörder ihrer eigenen Tochter Marie aus dem Gefängnis entlassen wird, beschließt sie, der Wahrheit auf den Grund zu gehen und gemeinsam mit Damir Mitkovic (Johannes Krisch) auf ihre Art für Gerechtigkeit zu sorgen. Der neue Kommisar Silowski (Peter Kurth) ermittelt derweil im Fall Sandra. Der Serie liegt eine spannende Idee und ein interessanter Twist in der ersten Folge zu Grunde, der aus einem ZDF- Fließbandkrimi etwas mehr hätte machen können. Toller Cast mit Berben, Kurth und Moritz Bleibtreu, aber die Serie will trotzdem einfach nicht richtig in die Gänge kommen. Das kann an der Inszenierung liegen, die sich kaum von anderen, biederen Krimis unterscheidet, an den schwachen, klischeebeladenen Nebenfiguren oder an der langsamen Dramturgie – oder einfach an allen dreien. Da wäre mehr drin gewesen.

Der Tatortreiniger (Staffel 1 / 4 Folgen – Sky on Demand) – 8 von 10

Schottys (Bjarne Mädel) Arbeit beginnt da, wo sich andere vor Entsetzen übergeben. Er bereinigt die Spuren von Gewaltverbrechen, nach dem die Polizei ihre Arbeit erledigt hat. Aber immer, wenn er einfach nur gerne seine Arbeit machen würde, trifft er auf die seltsamsten Hinterbliebenen (z.B. Katharina Marie Schubert, Bernd Moss, Christine Schorn und Michael Wittenborn), und es entstehen skurille Wortgefechte. Das funktioniert in dem beschränkten Setting überraschend gut, was hauptsächlich am Aufeinandertreffen der verschiedenen Lebenswelten und an den tollen Dialogen liegt. Hier der einfache Schotty, dort ein intellektueller Autor oder da das alte Adel. Die vier Folgen waren dabei auch so unterschiedlich, dass das Konzept noch nicht langweilig wurde – ich bin gespannt, wie die Idee in den vielen Folgestaffeln aufgeht.

Young Sheldon (Staffel 1 / 22 Folgen – Pro Sieben) – 6 von 10

Der neunjährige Sheldon Cooper (Iain Armitage) lebt mit seiner Familie in Texas. Aufgrund seiner Leistungen wird er bereits auf die Highschool geschickt. Dort besucht er die 9. Klasse. Mit seiner seltsamen Art macht Sheldon seiner Familie oft das Leben schwer. Das Spinoff von Big Bang Theory schlägt einen gänzlich anderen Ton an. Wir begleiten den jungen Sheldon beim Älter werden. Keine Publikums-Lacher, keine Bühne als Set. Nicht albern, sondern realistischer. Wer die Serie Wunderbare Jahre noch kennt: Das ist der treffendere Vergleich. Und da kommt Young Sheldon nicht hin. Die Hauptfigur macht es dank seiner Hyper-Intelligenz und seinen Spleens dem Zuschauer schwierig, sich zu identifizieren und den meisten der anderen Hauptfiguren fehlt das Charisma, von der Mutter Mary (Zoe Perry, die Tochter von Laurie Metcalf, die in der Stammserie Sheldons Mutter spielt) mal abgesehen. Da ist man schon dankbar um jeden blöden Spruch seiner Schwester Missy (Raegan Revord). Zum Glück übernimmt im Laufe der Staffel seine Meemaw (Annie Potts) eine immer wichtigree Rolle. Es war mutig von Comedy-Produzent Chuck Lorre, die Serie komplett anders anzulegen als die Geldmaschine Big Bang Theory, so ganz funktioniert es allerdings noch nicht.

Auch in der Adventszeit starten noch mal einige interessante Serien. Jim Carrey ist ab dem 3. mit seiner neuen Serie Kidding bei Sky Atlantic zu sehen, wo ab dem 14. auch Camping mit Jennifer Garner und David Tennant folgt. Am 7. startet mit Dogs of Berlin die zweite deutsche Eigenproduktion von Netflix, die bisher aber nur einen eher müden Trailer abgeworfen hat. Dafür wischt ab dem 18. wieder Der Tatortreiniger im NDR. Es ist die siebte Staffel, ich hänge also ordentlich hinterher. Und Netflix hat direkt ab dem 1. auch endlich die vierte Z Nation Staffel im Angebot – die lohnt sich.

*** Wie geht’s dem KSC? ***

Bilanz: 3 Spiele, 9 Punkte, Platz 3.

Nachdem auf dem starken September ein schwacher Oktober folgte, stand nun im November wieder die volle Punktausbeute zu Buche und damit die Rückkehr auf die für den Aufstieg relevanten Plätze. Die für Alois Schwartz ungewohnten vielen Gegentore (5) wurden punktgenau gekontert, so dass alle 3 Siege mit je einem Tor Unterschied eingefahren wurden, ohne auch nur 1 Minute in Rückstand gewesen zu sein. Mitarbeiter des Monat war Marvin Pourie, der vier Treffer erzielte.

Für Schlagzeilen sorgte auch die Verabschiedung des Wildparkstadions, wo nun die Umbaumaßnahmen begonnen haben. Das letzte Bild vom alten Stadionrund sorgte dabei noch einmal für Gänsehaut, als es nämlich durchgängig von Bengalofeuern beleuchtet wurde. Was den DFB auf den Plan rief, der schließlich zu Recht vom KSC darauf aufmerksam gemacht wurde, dass diese Aktion nicht mehr während der offiziellen Ligaveranstaltung statt fand.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 3 (The Sheepdogs, Middle Kids, Frank Turner). Gekaufte Konzerttickets: 1 (Charles Esten im Januar – als Nashville Ersatz).

Zu den beiden Anspieltipps in diesem Monat gehören nicht Mumford & Sons. Das neue Album Delta erscheint mir nach den ersten beidne Durchläufen doch etwas zu fade. Spannender sind da Tess Parks & Anton Newcombe. Die kombinieren düstere Shoegaze Gitarren mit einer weiblichen Stimme – eine Kombi, die dieses Jahr bei mir schon öfter gezündet hat. Please Never Die heißt dieses gute Stück.

Rockiger wird es bei den Kanadiern von The Dirty Nil, die sich mit ihrem zweiten Album zurück melden. Den Garagensound des Debuts hat man etwas zurück gefahren, das hier ist deutlich sauberer produziert. Schon fast ein klassischer 90er Alternative Sound. Hier ist Bathed In Light.

*** Linktipps ***

Ein paar Lesetipps aus den Weiten des Internets:

Pannen auf Reisen: Grenzerfahrungen: Inka erzählt auf blickgewinkelt von den dramatischsten Episoden, die ihr auf Reisen schon passiert sind.

Reykjavik City Guide: Talkasia mit den besten Tipps für die isländische Hauptstadt und ich muss zugeben, das klingt gar nicht so hinterwäldlerisch, wie ich dachte!

Kannst du “ungeteilte Aufmerksamkeit”?: Lina über die unhöfliche Sucht des Seitenblicks aufs Smartphones.

Am Set von “Hilfe, meine Familie spinnt!”: Erinnert sich noch jemand an diese Serie? Die deutsche Kopie von Eine schrecklich nette Familie von Anfang der 90er? Wart ihr da überhaupt schon geboren. Jedenfalls, der Wortvogel sitzt am Lagerfeuer und erinnert sich an seinen Setbesuch.

Der Blogadventskalender 2018: Der Stepnwolf plant da was für die Adventszeit. Was es ist, habe ich noch nicht ganz verstanden, aber er erklärt es hier.

*** Foodpic des Monats ***

Wer Schnitzel mag und ordentlich Hunger mitbringt, sollte in München mal bei Andys Krablergarten, fast direkt am Sendliger Tor, Halt machen. Man kann zwischen verschiedenen Schnitzeln und Beilagen wählen und besonders donnerstags ein großes Schnäppchen schießen. Wir gönnen es uns alle paar Monate mal in der Mittagspause – danach kann man allerdings nicht mehr ernsthaft ans Arbeiten denken. Hier ein Blick auf ein Pfefferrahmschnitzel mit gemischtem Salat. Das Bild wird der Größe des Schnitzels aber nicht ganz gerecht.

Und das war’s für diesen Monat. Nun steht der Dezember vor der Tür und damit die Vorweihnachts- und Jahresendzeit. Mein Kalender platzt jetzt schon aus allen Nähten. Aber da müssen wir wohl jetzt alle durch. Auf eine schöne Adventszeit!

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Live: The Middle Kids / Frank Turner

Herbstzeit ist ja auch gleich Konzertzeit. Wenn es draußen kalt und dunkel wird, geht man in die Hallen, wo es warm und dunkel ist. In den letzten beiden Wochen standen bei mir noch einmal zwei dieser Termine an.

Zunächst waren die Australier von The Middle Kids in der Kranhalle. Hingehen konnte ich nur, weil Liam Gallagher sein Konzert, was am gleichen Abend hätte statt finden sollen, bereits vor einigen Monaten abgesagt hatte. Aber in München ist man ja froh, wenn man nicht zum Zenith raus muss und ich persönlich nehme dagegen einen Besuch auf dem Feierwerksgelände gerne an.

Viele folgten aber nicht dem Ruf, die Halle war nur mäßig gefüllt. Nicht mal die Garderobe hatte man aufgemacht, aber wenigstens lief es an der Bar gut. Die Vorband Oh Pep! war nett und die Middle Kids selbst dann auch super. Kein eskalierendes Konzert, aber eines, wo man gerne zu hört und seinen Spaß hat und musikalisch auch durchaus recht abwechslungsreich. Frontfrau Hannah Joy wurde bei den meisten Songs von der Band begleitet, hatte aber auch eine sehr schöne Solonummer am Piano. Sie hätten wirklich mehr Zuschauer verdient gehabt.

Das zweite Konzert war dann das von Frank Turner, gleichzeitig auch das zweite Konzert für mich auf seiner aktuellen Tour nach dem Auftritt in Wien. Und insgesamt? Ach, das zähle ich schon gar nicht mehr. Die Tonhalle war ausverkauft, was im Hinblick auf die Garderobensituation schlimmes erwarten ließ. Dafür ist die Halle mittlerweile berüchtigt. Früh da sein hieß es also, so konnte man auch schön weit vorne stehen und sich die beiden Vorbands XYLaroo und Pup anhören. Dann kamen endlich Frank Turner und die Sleeping Souls auf die Bühne.

Zwar gab es einige Änderungen an der Setlist zu Wien, die neuen Sachen vom aktuellen Album blieben aber weiterhin eher am Anfang. Gut so, die Stimmung war bei den alten Songs eh besser. Get Better war das erste Highlight, gut ab ging es aber auch bei Plain Sailing Weather, Try This At Home und The Road, und Glory Hallelujah wurde auch mal wieder gespielt. Ruhiger, aber schön, war es bei The Way I Tend To Be und Glorious You, und bei I Knew Prufrock Before It Got Famous und bei Photosythesis wurde aus voller Kehle mitgegröhlt. Ein ganz großer Spaß, die Stimmung in der Halle war nochmal besser als in Wien. Es wird einfach nicht langweilig mit seinen Konzerten. And most of all, i will not grow up!

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