WM Splitter 2018 – Teil 1

Vorab der Hinweis: Im firmeninternen WM-Tippspiel liege ich zur Zeit auf dem vorletzten Platz. Der Letzte hatte vergessen, die ersten paar Spiele zu tippen. Nun, nach dem das gesagt ist – Mein erster Eindruck der Weltmeisterschaft aus Russland, jetzt wo alle Teams einmal gespielt haben:

1.) Der Unterhaltungsfaktor ist bisher noch relativ gering. Die knappen Resultate – lediglich bei drei Spielen hatte der Sieger zwei oder mehr Tore Vorsprung – mögen was anderes sagen, aber attraktiv waren bisher die wenigsten Spiele. Dafür ist bei den meisten Mannschaften mittlerweile die Defensivarbeit viel zu gut, stabil und diszipliniert hinten stehen können sie alle (außer vielleicht Saudi-Arabien) und mehr wollen die meisten schwächeren Teams bisher auch nicht (Panama war da eine lobenswerte Ausnahme). Heraus kommen dann Spiele, in denen oft nur eine Mannschaft Fußball spielen möchte, die andere aber, wie beim Handball, mit einer 10er Reihe am eigenen Strafraum wartet – hallo Island. Die einen wollen nicht, die anderen können nicht, weil sie schlicht keinen Platz haben.

2.) SpanienPortugal wurde daher mit dem 3:3 das mit Abstand unterhaltsamste Spiel des 1. Spieltags. Es ging hin und her, beide Teams wollten offensiv spielen und schon war das auch gut anzusehen. Und Ronaldo hat wieder gezeigt, warum er zur Zeit der beste Fußballspieler der Welt ist.

3.) Wenn nichts geht, geht ein Standard – und so ist dann auch eine Vielzahl der Tore gefallen. Entweder so, oder durch einen verrückten Distanzschuß, wie z.B. das 1:0 von England. Erspielt wurde wenig.

4.) Der War-Room… entschuldiung, VAR-Room schnitt bisher besser ab als in der Bundesliga. Was zeigt, dass man einfach und klar definieren muss, wann der Videoschiedsrichter – also das zusätzliche 5er Team – eingreifen darf. Und so kann ich mich eigentlich nur an einen Aufreger erinnern: Das 1:1 von Spanien gegen Portugal mit der diskussionswürdigen Balleroberung.

5.) Russland als Gastgeber ist unauffällig. Die modernen Stadien sehen ja von innen eh fast alle gleich aus. Wenn das Spiel erst mal los geht, ist es fast egal, wo die Stadien stehen. Ausnahme: Jekaterinburg mit dem Anbau der Tribünen außerhalb des Stadionrunds. Das ist fast so eindrucksvoll wie die massive Felswand damals in Braga bei der EM 2004.

6.) Deutschland erwischte einen Fehlstart, wobei man sagen muss, dass man gegen Mexiko auch mal verlieren kann. Und wenn man sich auskontern läßt und die Offensive nur so vor sich hin spielt, kann das passieren. Druckvoll wurde es erst, als Löw langsam die Defensive komplett auflöste. Samstag gegen Schweden muss man diese Delle nun ausbügeln. Vielleicht mit dieser Elf? Neuer – Kimmich, Hummels, Boateng, Hector – Kroos, Gündogan – Reus, Özil, Draxler – Gomez.

Nach dem ich die letzten Tage frei hatte, bin ich seit heute wieder im Büro. Daher werde ich die nächsten Nachmittags und Vorabend-Spiele nur am Rande verfolgen können. Wenn das Niveau so bleibt, ist das aber auch nicht weiter schlimm.

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Source Tags & Codes

Um es kurz zu machen – das Konzert ist ja mittlerweile auch schon fast wieder eine Woche her: Die Texaner von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead waren in München. Als sie das letzte Mal in der Stadt waren, spielten sie noch nebenan in der Muffathalle, dieses Mal langte es nur noch für ein gut gefülltes Ampere.

Angekündigt war eine Art Jubiläumstour für ihr bahnbrechendes Album Source Tags & Codes von 2002 und sie haben es wirklich runter gespielt, was nach all den Jahren immer noch beeindruckend war. Dieser Mix zwischen Melodien und brachialer Lautstärke, zwischen langsam und schnell, der fesselte immer noch.

Nach dem Album spielten sie noch einige andere Songs. Hier war Will You Smile Again noch großartig, danach wurde es leider etwas beliebig, Hauptsache laut, was den Gesamteindruck des Konzerts ein wenig trübte. Aber was soll man meckern: Sie haben DAS Album noch einmal live gespielt, was will man also mehr?

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Meine Musik-o-graphie

Als ich im jugendlichen Alter meinen ersten CD-Player bekam, ließ meine erste CD nicht lange auf sich warten. Es war Tourism von Roxette, die ich dann auch rauf und runter gehört habe. Und auch heute noch als ziemlich unpeinlich empfinde. In der gleichen Zeit waren auch noch Genesis recht angesagt.

Sie wurde aber nach einigen Monaten bereits abgelöst von Bryan Adams mit seinem Album Waking Up The Neighbours was ich nun wirklich bis zum Erbrechen gehört habe. Zwar war auch die Schmonzette (Everything I Do) I Do It For You drauf, ich fand aber mehr gefallen an seinen rockigeren Sachen. Noch heute steht das Album bei mir ganz vorne, ist es doch schließlich das erste in meinem alphabetisch sortierten CD-Regal. Es war auch die Zeit, wo ich bei Aerosmith und Bon Jovi etwas genauer hinhörte.

Es kam die Europameisterschaft 1996 in England und das ZDF untermalte seine Übertragungen mit dem Song einer mir damals unbekannten, aber aufstrebenden englischen Band namens Oasis. Don’t Look Back In Anger lief also jeden Tag im TV und ich kaufte mir (What’s The Story) Morning Glory mit dem Original Buy British Aufkleber, was ich auch heute noch als mein Lieblingsalbum bezeichnen würde. Das war im Grunde mein Einstieg in den Britpop und die Indie-Bereich und brachte mich zunächst zu Stereophonics, Pulp, Travis, The Verve, Embrace, Soundtrack Of Our Lives, Mando Diao und später dann Kasabian und die DMAs.

Dann gab es zu dieser Zeit natürlich auch die Abi-Parties und die Feiern in den holzvertäfelten Partykellern. Im nachhinein war das musikalisch natürlich grausam, was dort lief, die Highlights aber waren die Punkrock-Songs aus den USA, die auch heute noch zu einem guten Indie-Abend gehören. The Offspring, The Ataris und natürlich: Green Day.

Aber es gab auch die ruhigeren Momente. Sigur Rós führten mich Anfang der 2000er zu den eher sphärischen Klängen, die mich dann auch in Richtung Post-Rock mit Mogwai, Russian Circles oder Explosions In The Sky brachten. Wobei die Isländer dabei für mich in diesem Segment nach wie vor über allen anderen schweben.

Und dann wurde auf einmal eine neue Welle an Gitarrenband angespült. The Strokes brachten die Gitarren ins neue Jahrtausend, ihr Is This It? war ein Debutalbum für die Ewigkeit. Mit ihnen kamen The White Stripes, Black Rebel Motorcycle Club, The Libertines, Arctic Monkeys, Jet, The Vaccines und die Yeah Yeah Yeahs. Vorbei der Pomp des Britpops der 90er, der Sound kam nun direkt aus der Garage.

Fehlen jemanden bisher die Frauen-Stimmen? Nun, bis hierher tauchten Künstlerinnen oder Frauenstimmen in Bands tatsächlich kaum bis gar nicht in meinem CD Regal auf. Das änderte sich mit den ersten Takten, die ich von The Duke Spirit hörte. Dazu diese gewisse 60ths Attitüde – das hatte was. Und brachte mich dann weiter bis zu solchen Bands wie The Asteroids Galaxy Tour, Dum Dum Girls, Wolf Alice und schließlich auch zu den Hinds und den Regrettes.

Manchmal passiert es, dass man schon zu den ersten Klängen einer Band total verfällt. So ging es mir, als ich zum ersten Mal etwas von The Gaslight Anthem bei myspace gehört hatte. Alleine daran merkt man schon, dass dieses Erlebnis schon etwas her ist. Aber diese Mischung aus Bruce Springsteen und Punkrock zündete bei mir sofort, das Album The ’59 Sound war ein Brett von Anfang bis Ende. So gut waren sie danach nie mehr wieder. Aber sie brachten mit ihrem Sound auch The Menzingers und Spanish Love Songs auf meinen Radar.

Als dann The Gaslight Anthem das erste Mal in München auftraten, im altehrwürdigen 59:1, hatten sie einen Support namens Frank Turner mit dabei. Solo, nur mit seiner Gitarre, hatte er den Laden in kürzester Zeit im Griff und als dann schließlich auch die härtesten Kerle mit voller Inbrunst sein Cover von Dancing Queen mitgröhlten, hatte er sich sehr viele neue Freunde gemacht. Sein Album war am Tag danach bestellt und seit dem habe ich ihn mehr als 10mal live gesehen. Und dabei hat er mir auch noch andere Künstler näher gebracht, wie Dave Hause, Will Varley, John Allen oder Young Rebel Set.

Etwa zur gleichen Zeit fing ich auch an, mich für Shoegaze und Dreampop zu interessieren. Also der ziemliche Gegenentwurf für die Punkbarden. Aber so etwas wie The Pains of Being Pure At Heart gefiel mir, wenn bei Everything With You das Gitarrensolo einsetzt, bekomme ich immer noch eine leichte Gänsehaut. Dazu passen Veronica Falls, The Jezabels, Lea Porcelain und ungefähr auch The National.

Und das war die kleine Zeitreise durch meine persönliche Musikgeschichte. Mal schauen, was in der Zukunft das nächste große Ding wird – am Dienstag geht es erst einmal zu Helden aus der Vergangeheit. Eine Band, die ich sehr schätze, kommt nach München. Eine Band, die ich aber nicht so wirklich in eine der aufgemachten Schubladen stecken konnte. Ich freue mich aber trotzdem sehr auf And You Will Know Us By The Trail Of Dead.

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Werkschau: Immer wieder S. Craig Zahler

Wenn man regelmäßig in bestimmten Film-Genres unterwegs ist, tauchen einige Namen immer und immer wieder auf. Völlig unbeabsichtigt hatte ich mir neulich ein Buch des US-Amerikaners S. Craig Zahler gekauft, um dann fest zu stellen, dass dieser auch als Regisseur tätig ist und bereits einige Beiträge beim Fantasy Filmfest untergebracht hat.

Zugegeben, Zahler operiert fernab des Mainstreams. Und wenn man sich seine bisherigen Werte so anschaut, scheint er es auch nicht darauf anzulegen, dort irgendwann zu landen. Was hat er denn im Einzelnen bisher so vorzuweisen? Ein kurzer Überblick über seine beiden mir bekannten Filme und das schon angesprochene Buch:

Bone Tomahawk (Film) – 6 von 10

Inhalt: Alles beginnt in dem kleinen Örtchen Bright Hope, in dem eines Nachts die schöne Krankenschwester Mrs. O‘Dwyer entführt wird. Angeführt von Sheriff Franklin Hunt (Kurt Russel), machen sich ihr verzweifelter Mann Arthur (Patrick Wilson) und eine Gruppe Freiwilliger (Richard Jenkins, Matthew Fox) in der schier aussichtslosen Hoffnung auf den Weg, sie unversehrt zu retten. Knochenbesetzte Pfeilspitzen und ein unmenschliches Heulen zeugen aber schon bald davon, dass ihre Jagd nicht unbemerkt geblieben ist.

Fazit: So gerne ich ja Western mag, so richtig bin ich mit diesem Horror-Western nicht warm geworden. Der Horror ist die ersten 90% des Films quasi nicht vorhanden, vorher ist es ein mehr oder weniger klassischer Western mit den typischen epischen Panoramabildern und kernigen und wortkargen Typen, die sich allerdings durch eine sehr zähe Handlung schleppen. Nur um dann gegen Ende die ganz große Splatter-Kiste aufzumachen. Dieser Kontrast hatte durchaus eine gewisse Langzeitwirkung, kann aber das gemächliche Tempo vorher nicht wettmachen.

Brawl in Cell Block 99 (Film) – 7 von 10

Inhalt: Der nach einem schiefgelaufenen Drogendeal im Knast gelandete Bradley (Vince Vaughn) wird von seinen ehemaligen Geschäftspartnern erpresst: Entweder lässt er sich in den berüchtigten Zellenblock 99 verlegen und tötet dort eine noch unbekannte Zielperson, oder seine hochschwangere Frau Lauren (Jennifer Carpenter) erwartet ein grausames Schicksal…

Fazit: Großes Staraufgebot bei diesem Film, neben den schon erwähnten gibt es auch noch ein Wiedersehen mit Don Johnson und Udo Kier. Die Story ist hier ausgesprochen lang (aber nicht langatmig) und es dauert, bis Bradley im titelgebenden Cell Block 99 angelangt ist. Der Weg dorthin ist jedoch recht gradlienig, manchmal geht es überraschend einfach weiter. Die Hauptfigur wirkt teilweise wie ein einfacher Mann, dem übel mitgespielt wurde, der dann aber die härtesten der Harten ohne mit der Wimper zu zucken fertig machen kann. Und schließlich überrascht der Film, trotz seines meistens sehr realistischem Look, mit einer hinein brechenden Brutalität, das auch beim hartgesottenen Filmfest Publikum ein Aufstöhnen zur Folge hatte. Vaughn zeigt einmal mehr, dass er nicht nur Komödien spielen kann und Johnson ist die coolste Sau des Films. Insgesamt ein Film, dem etwas weniger Handlung, aber dafür ein paar mehr Hürden gut getan hätte und der wegen der Gewaltausbrüche nicht so schnell vergessen gehen wird.

Wie Schatten über totem Land (Buch) – 5 von 10

Inhalt: Bei ihrem verzweifelten Versuch, zwei entführte Schwestern zu befreien, die man in die Prostitution gezwungen hat, stürmt eine Gruppe wild zusammengewürfelter Charaktere durch das Mexiko des Jahres 1899. Ihre Reise ist dabei nicht nur ein Ritt in die Hölle, sondern auch in die tiefsten Abgründe menschlicher Existenzen.

Fazit: Wieder eine klassische Westerngeschichte, statt einer Krankenschwester werden dieses Mal aber zwei richtige Schwestern entführt. Und die Handlung schreitet schneller voran als noch bei Bone Tomahawk. Es kommt zum Kampf Schurkentruppe gegen Schurkentruppe, an Brutalität wird auch hier nicht gespart. Und da sie von beiden Seiten kommt, ist es schwer, in diesem Kampf irgendwelche Sympathien zu entwickeln. So bleibt am Ende ein Buch, dass die Brutalität der Brutalität-willen liefert und sich in der Figurenzeichnung auf klassische Stereotypen beschränkt.

Und damit endet die kleine Werkschau. Wie man sieht, bin ich kein großer Fan von Zahler geworden. Horror und Gewaltsequenzen sind in seinen Werken meist nur Mittel zum Zweck und sind selten in eine emotionale Story eingepackt. Immerhin, inszenieren kann er in seinen Filmen, man sollte es ihm vielleicht mit einem fremden Drehbuch versuchen lassen.

PS: Und um auch das geklärt zu haben: Das S im Namen steht für Steven.

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Der Monatsrückblick Mai 2018

Das Jahr schreitet weiter voran. Alles Neue macht der Mai, sagt man. Hier geht es aber weiter wie zuvor.

*** Foto des Monats ***

Karlsruhe ist doch immer wieder schön. Besonders rund um das Schloß. So hübsch! Also wer noch nicht da war: Fahrt mal hin! Und besucht danach auch noch das historische Wildparkstadion.

*** Kino ***

Es bleibt dabei, mein Kinokonsum geht dieses Jahr deutlich zurück. Einmal habe ich es im Mai ins Kino geschafft und das war noch nicht mal einer der großen Blockbuster. Und nein, es war auch keine U2-Dokumentation.

A Beautiful Day 5 von 10

Kriegsveteran Joe (Joaquin Phoenix) übernimmt zwielichtige Auftragsarbeiten, die er brutal und routiniert durchführt, wohnt bei seiner Mutter und ist schwer traumatisiert. Für seinen neusten Auftrag soll er die entführte Nina (Ekaterina Samsonov) aus einem Bordell befreien. Und hochrangige Politiker sind natürlich auch irgendwie involviert. Ich muss zugeben, bereits eine Woche nach dem Kinobesuch, wußte ich kaum noch, um was es ging. Lag weniger an Phoenix, der eine Wucht war und eine ungeheuere Präsenz zeigte, als an der wenig originellen Handlung. Die gewollt anspruchsvolle Kamerarbeit mit vielen Nahaufnahmen von Gesichtern und Gegenständen nervte irgendwann. Ich hatte ihn auch tatsächlich etwas brutaler und kompromissloser erwartet – wenn das  Lieblingswerkzeug des Protagonisten schon ein Hammer ist! Und habe die ganze Zeit auf einen We Need To Talk About Kevin Moment gewartet, die Stille, wenn es mucksmäuschenstill im Kino wird, weil man von der emotionalen Wucht umgehauen wird – immerhin war auch hier Regiesseurin Lynne Ramsay am Werk. Der kam aber leider auch nicht. Das klingt jetzt alles negativer als es war – schlecht war der Film eigentlich nicht. Trotz des Themas plätscherte er aber einfach an einem vorbei.

Ob es nächsten Monat mal mehr Filme werden? Es fängt natürlich auch die WM an…

*** Serien ***

Hui wie schaffe ich nur immer diese ganzen Serien? Wieder so vieles zu Ende bekommen in diesem Monat. Und bis zum Anpfiff der WM Mitte Juni sollte da noch das ein oder andere folgen, wie The Handmaid’s Tale, an dem ich grade dran bin. Aber es liegt wohl in der Natur der Sache, dass nicht alles gut war. Aber tapfer halte ich durch, einmal angefangen, wird eine Staffel auch sauber zu Ende gebracht. Und es fiel mal wieder auf: Viel Geld hilft nicht immer, um Qualität abzuliefern.

Altered Carbon (Staffel 1 / 10 Folgen – Netflix) – 5 von 10

In einer dystopischen Welt im 24. Jahrhundert ist es möglich ist, sein Bewusstsein mitsamt Erinnerungen auf einem sogenannten kortikalen Stack zu speichern, und in andere Körper einzusetzen. Der ehemalige Elitesoldat Takeshi Kovacs (Joel Kinnaman / Will Yun Lee), der 250 Jahre nach seinem Tod in den Körper eines Polizisten transferiert wird, erhält den Auftrag, einen Mord aufzuklären – und zwar vom Mordopfer (James Purefoy) höchstselbst. Die Polizisten Ortega (Martha Higareda) behält ihn dabei im Auge. Ganz klar, die Serie lebt von ihren Schauwerten (und damit meine ich nicht nur Ortega). Was hier über den Bildschirm flimmert ist kinoreif, man sieht der Serie ihr großes Budget an. Auch die Idee ist durchaus spannend. Woran es hapert ist allerdings die Story. Der Kriminalfall ist von Anfang an völlig uninteressant und funktioniert nicht mal als Mittel zum Zweck, um in die Welt eingeführt zu werden. Die Hauptfigur Kovacs wirkt blutarm und bietet kaum Identifikationspotential. Etwas besser wird es erst gegen Ende, wenn in Rückblicken mehr auf seine frühere Inkarnation eingegangen wird. Hilft aber nicht, letztlich hätte Netflix das Geld auch geschickter anlegen können.

Atlanta (Staffel 2 / 11 Folgen – FOX Serie) – 9 von 10

Earn (Donald Glover) und sein Cousin Alfred AKA Paper Boi (Brian Tyree Henry) versuchen in der Musikszene Fuß zu fassen. Es ist Winter in Atlanta und Raubüberfälle und andere Verbrechen häufen sich, da jeder auf der Suche nach dem schnellen Geld ist. Das macht es nicht gerade einfacher für Earn, der als Manager die Rap-Karriere von Paper Boi weiter vorantreiben will. Dieser ist jedoch schwer damit beschäftigt auf der richtigen Seite des Gesetzes zu bleiben. Die zweite Staffel gefiel mir noch einmal etwas besser als die erste – so eine gelungene Kombination aus Drama und Comedy habe ich lange nicht gesehen. Jede Episode ist anders und ergeben in der Kombination ein großes Bild. So bekommen eigentlich alle Hauptfiguren ihre eigene Episode ab. Das Setting wirkt ausgesprochen authentisch, die Dialoge ungezwungen. Highlights gibt es einige, man denke nur an den Besuch des hippen Start-Up Unternehmens, das seltsame bayerische Volksfest (wo man die im Original deutschen Dialoge auf bayerisch sychronisiert hat), die Party in der Villa von Drake, der Auftritt auf der Pyama-Party oder die Sache mit dem Haarschnitt: Die Folgen sind voller Ideen. Und liefern sogar eine sehr spooky Michael Jackson-Gedächtnis-Performance ab.

Blood Drive (Staffel 1 / 13 Folgen – Syfy) – 7 von 10

USA in der Zukunft, im Jahre 1999. Resourcen sind knapp, die Sitten sind verroht. Hier findet der Blood Drive statt, ein Auto-Rennen quer durch das Land. Die Wagen laufen nicht mit Benzin, die Motoren werden mit Blut gefüttert. Der Cop Arthur (Alan Ritchson) schliddert ausversehen in diese Veranstaltung hinein und sieht sich nun gezwungen, zusammen mit der toughen Grace (Christina d’Argento) ein Team zu bilden. Die Grundlage der Serie klingt schön trashig und wer darauf anspringt, hat auch bei der Serie durchaus seinen Spaß. Besonders die ersten Folgen sind rasant umgesetzt und trumpfen mit einigen äußerst schrägen Ideen auf. Dass diese nicht die komplette Staffel tragen, merkt man spätestens ab der Mitte der ersten und einzigen Staffel. Hier verliert man das Rennen und die von Blut angetriebenen Autos immer mehr aus den Augen. Um so wichtiger und lustiger wird im Laufe der Zeit der medienkritische Aspekt der Serie, in der Slink (Colin Cunningham), der schräge Organisator des Rennens, immer mehr Druck von den anzugtragenden Bossen erhält, damit er eine gute Show abliefert.

BoJack Horseman (Staffel 2 / 12 Folgen – Netflix) – 8 von 10

Nach dem BoJacks Buch ihm wieder zu Ruhm verholfen hat, wird für ihn ein Traum wahr: Er darf sein Jugendidol Secratariat in dessen Biographie spielen. Die Dreharbeiten gestalten sich aber schwieriger, als gedacht. Als wegen ihm die Regieseurin ausgetauscht wird, flüchtet er zu seinen Jugenfreundin. Diane dagegen muss fest stellen, dass es doch nicht so einfach ist, in Krisengebieten Gutes zu tun. Während sich die erste Staffel noch um das Thema Depressionen drehte, stellt die zweite Staffel der Zeichentrickserie geplatzte Jugendträume in den Mittelpunkt – und auch das funktioniert wieder recht gut.

The Good Doctor (Staffel 1 / 18 Folgen – Sky 1) – 6 von 10

Krankenhausserien sind einfach nicht mein Ding. Medizinische Absonderlichkeiten, die sich in einem Krankenhaus sonstwo ballen und heldenhaft von einem zusammengewürfelten Haufen aus erfahrenen und jungen Ärzten behandelt werden – das war mir schon immer zu konstruiert und macht auch hier keine Ausnahme. Mit dieser Serie bin ich nur gestartet, weil Norman Bates Schauspieler Freddie Highmore hier die Hauptfigur spielt, ein autistischer junger Arzt, der zwischenmenschlich äußert unbeholfen ist, aber brilliante Diagnosen stellt und so von seinen Kollegen (ein meist sehr sympathische Truppe) nach anfänglicher Skepsis immer mehr geschätzt wird. Das macht er gut, kann aber auch nicht dagegen ankämpfen, dass hier die unerwarteten Krankheiten völlig erwartbar bleiben.

NCIS: New Orleans (Staffel 3 / 24 Folgen – Kabel 1 / 13th Street) – 7 von 10

Nach dem Abschied von Agent Brody ist beim NCIS in New Orleans eine Stelle unbesetzt. Und das FBI ermittelt gegen das Team: Agent Gregorio (Vanessa Ferlito) versucht, Ungereimtheiten bei den Ermittlungen aufzudecken. Gleichzeitig spitzt sich der Konflikt zwischen Special Agent Pride (Scott Bakula) und dem Bürgermeister Hamilton (Steven Weber) immer mehr zu. So langsam wird das Team aus New Orleans immer mehr zu meinem Lieblingsteam. LaSalle (Lucas Black) und Percy (Shalita Grant) sorgen für die vertraute Atmosphäre, Forensiker Lund (Rob Kerkovich) ist immer für eine witzige Nebengeschichte gut (ohne so nervig zu sein wie Abby in NCIS) und die Verankerung in New Orleans wirkt authentisch und trägt zum Heimatgefühl bei. Nur das Büro an sich ist zwar völlig unrealistisch, aber wer würde da nicht gerne arbeiten? Die Storys erfinden das Crime-Genre nicht neu, aber bleiben meist angenehm bodenständig. Es muss nicht immer die Hochglanz-Serie mit dem großen Staffelaufbau sein, auch 2018 haben abgeschlossene Crime-Storys ihre Berechtigung.

The Orville (Staffel 1 / 12 Folgen – Pro 7) – 7 von 10

Das Forschungsraumschiff Orville unter dem Kommando von Captain Mercer (Seth MacFarlane) steuert durch die Galaxis, immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen. Ihm zur Seite steht sein erster Offizier, Commander Grayson (Adrianna Palicki), die dummerweise auch noch seine Ex-Freundin ist, und eine bunt zusammen gewürfelte Crew. MacFarlanes Hommage an das Star Trek der 90er funktioniert überraschend gut und ist ein ziemlicher Gegensatz zu Star Trek Discovery. Hier gibt es keine großen, beeindruckenden Spezialeffekte, die Sets wirken erstaunlich leer und bieder und statt einer großen, epischen Story wird hier jede Woche eine andere Geschichte erzählt. Das wirkt fast etwas veraltet und aus der Zeit gefallen, ist aber total sympathisch. Der Humor funktioniert nicht immer (ich würde fast sagen: nicht oft), der lockere Umgangston untereinander läßt die Crew aber vertrauter wirken. Und die Stories, die sie haben, sind oft mehr klassisches Star Trek als bei Discovery – in der Hinsicht sind die Highlightfolgen: Planet der Männer, Mehrheitsprinzip und Gotteskult. Das hohe Niveau wird jedoch nicht immer erreicht und auch nicht alle Schauspieler sind überzeugend (wie z.B. MacFarlane selbst), das verbaut der Serie zusammen mit der sparsamen Optik eine noch etwas bessere Wertung.

Wynonna Earp (Staffel 2 / 12 Folgen – Netflix) – 7 von 10

Wynona (Melanie Scrofano) ist wieder zurück auf dem Bildschirm und macht den Dämonen in Purgatory den Garaus. Und ihr Peacemaker sitzt dabei genauso locker wie ihr Mundwerk. Unterstützung erhält sie nach wie vor von ihrer Schwester Waverly (Dominique Provost-Chalkley), die in der zweiten Staffel eine etwas größere Rolle spielt, und dem unsterblichen Doc Holiday (Tim Rozon). Die Balance zwischen Action und Witz stimmt, das ganze spielt in einer toll eingefangenen, verschneiten Landschaft im Niemandsland der USA. Die Serie bleibt dabei so nett, wie belanglos und lässt sich ganz gut weggucken.

Traditionell ist das Angebot im Sommer etwas dünner – und wenn dann auch noch die WM dagegen läuft, kommt erst recht nicht mehr viel. Was werfen die Anbieter trotzdem im Juni in den Ring? Am 8. Juni geht es auf Kabel 1 direkt mit der vierten Staffel von NCIS: New Orleans weiter. Kevin Can Wait kommt am 18. zu Nitro ins Free-TV, Modern Family geht am 28. endlich mit der 7. Staffel weiter und zwar beim RTL Streaming-Dienst NowUS und schließlich am 29. läßt Netflix die Girls von Glow zur zweiten Runde in den Ring. Das war’s, mehr habe ich nicht auf meiner Liste.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 1 (Shame). Gekaufte Konzerttickets: 0.

Zunächst mal eine kleine Wiederentdeckung: Reef. Brachten vor knapp 20 Jahren mit Getaway ein Album raus, was ich damals rauf und runter gehört habe. Der Rest der Menschheit wohl nicht, jedenfalls war danach erst einmal Schicht im Schacht bei ihnen, bis sie jetzt ein neues Album und eine Tour angekündigt haben. Das hier ist noch was altes: Set The Record Straight.

Als zweites ein Video von den Middle Kids, veröffentlicht Anfang 2017, aber mir erst jetzt begegnet. Schade eigentlich, Never Start gefällt mir wirklich gut. Das dazugehörige Album Lost Friends dagegen ist noch frisch und erst Anfang Mai erschienen.

*** Foodpic des Monats ***

Burger-Content geht halt immer – hier der fabelhafte Double-Burger vom Münchner Burger House.

*** Frage des Monats ***

Hat eigentlich noch jemand bemerkt, dass bei ihm/ihr im Blog die Seitenabrufe und Kommentare im Mai so runter gegangen sind? Oder war das nur bei mir so und an der Wahl meines Contents?

Und das war’s für diesen Monat. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

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