WM Splitter 2018 – Teil 2

Als der Himmel über Moskau seine Schleusen öffnete, war alles entschieden: Frankreich ist neuer Fußball-Weltmeister, zum zweiten Mal. Zwischen goldenem Konfetti und dicken Regentropen stemmen die französischen Spieler die bedeutendste und vielleicht auch schönste Trophäe  des Fußballs in den Moskauer Abendhimmel.

Frankreich ist der verdiente Weltmeister. Im Finalspiel gegen Kroatien war zwar auch etwas Glück dabei und dass der Gegner sich teilweise selbst schlug, aber der Weg ins Finale war souverän eindrucksvoll und effizient. Alle K.O.-Spiele in 90 Minuten gewonnen (während Kroatien jedes Mal in die Verlängerung oder das Elfmeterschießen musste) und dabei Gegner wie Argentinien, Uruguay und Belgien ausgeschaltet. 14 Tore erzielt, nur Belgien hatte mehr.

In diesem Jahr waren Standards so gefragt wie nie. Gut 40% der Tore sind so gefallen. Das machte das Spiel nicht grade attraktiver. Aber ist eine direkte Reaktion darauf, dass defensiv gut stehen mittlerweile die meisten Teams beherrschen. Auf der anderen Seite steht das frühe Ausscheiden von Deutschland und Spanien auch (hoffentlich) für das Ende des Ballbesitz-Fußballs à la FC Barcelona oder Bayern München. Den Ball von links nach rechts in die Mitte und wieder nach links zu spielen, in der Hoffnung irgendwo eine Lücke in der gegnerischen Abwehrkette aufzureißen, hilft nicht, wenn es zu träge gespielt wird. Statt dessen wird Pressing und Gegenpressing, den Gegner also bei seinem Ballbesitz frühzeitig unter Druck zu setzen, immer wichtiger. Mexiko und Südkorea haben es in ihren Spielen gegen Deutschland schön gezeigt. Es würde mich nicht wundern, wenn wir demnächst immer öfter einstudierte Konter und Tempogegenstöße sehen werden, mit fest gelegten Laufwegen der Angreifer. American Football läßt grüßen.

Zu so einer Weltmeisterschaft gehört für mich auch immer, so viele Spiele wie möglich zu sehen. Ganz egal, wie gut Deutschland abschneidet, geguckt wird, was geht. In diesem Jahr habe ich von den insgesamt 64 Spielen ganze 46 gesehen oder nebenbei gesehen. Das sind ungefähr 70%! Nach einem etwas schwachen Start wurden die Spiele nach und nach besser und offener. Wobei dann natürlich in der K.O.-Phase die Dramatik immer weiter anstieg. Das hier waren die unterhaltsamsten Spiele:

6. Gruppe D: Argentinien – Kroatien 0:3 – Nach einer ausgeglichenen ersten Hälfte ziehen die Kroaten in der zweiten Halbzeit mit einer starken Chancenverwertung die Südamerikaner ab. Damals noch hauptsächlich als Abgesang auf Argentinien verstanden, war es letztlich der Aufgalopp des Finalisten.

5. Finale Frankreich – Kroation 4:2 – So viele Tore sieht man selten in einem Finale. Eigentore, Videobeweis, strittige Freistöße und kapitale Torwartfehler – es war einiges geboten. Das war nicht immer hochklassig, aber stellenweise tragisch.

4. Viertelfinale Brasilien – Belgien 1:2 – Belgien geht durch ein Eigentor früh in Führung und kann diese sogar noch ausbauen. Danach drückt Brasilien, kommt immer öfter zum Abschluß und verzweifelt an Torwart Courtois. Brasilien noch das beste Team im Turnier, das komplett auf Ballbesitz setzt, Neymar zeigt, dass er nicht nur am Boden gut ist – aber es hilft nichts. Raus mit 26 zu 8 Torschüssen.

3. Achtelfinale Belgien – Japan 3:2 – Nach einer eher ruhigen erste Hälfte schießen die Japaner in fünf Minuten zwei Tore und machen die Falltür für den ewigen Geheimfavoriten weit auf. Doch diese drehen das Spiel und netzen in der Nachspielzeit durch einen Bilderbuchkonter zum Siegtreffer ein.

2. Gruppe B: Portugal – Spanien 3:3 – Ein früher Appetithappen auf diese WM, bevor in den Tagen danach eine gewisse Ernüchterung eintrat. Die beiden großen Teams liefern sich ein enges Match, auf der einen Seite Ronaldo mit drei Treffern, auf der anderen Seite Coach Hierro, wenige Tage nach seinem Amtsantritt. Zu dem Zeitpunkt konnte keiner ahnen, dass beide Teams nach dem Achtelfinale schon raus sein würden.

1. Achtelfinale Frankreich – Argentinien 4:3 – Das Spiel dieser WM! Es geht hin und her – zunächst dreht Argentinien das Spiel, bis Pavard den Hammer raus holt und Mbappé den Turbo zündet und sie das Spiel in 11 Minuten für Frankreich gewinnen.

Neben diesen Spielen gab es natürlich auch einzelne Szenen, die gerne im Kopf bleiben dürfen. Aus deutscher Sicher am meisten natürlich der Freistoß-Knaller von Kroos in der Nachspielzeit zum letztlich bedeutungslosen Siege gegen Schweden. Von der Bedeutung her vergleichbar mit dem ersten WM-Tor von Panama. Beim aussichtslosen Stand von 0:6 gegen England erzielte der eingewechselte Felipe Baloy den Ehrentreffer, die Fans im Stadion konnten ihr Glück kaum fassen. Und dann gab es natürlich noch diese Szene von Piqué:

Auch das darf natürlich nicht fehlen: Die Elf der WM 2018! Wenig überraschend dieses Mal ohne deutsche Beteiligung, auch die Spanier und Argentinier sucht man vergeblich.Auf der Bank: Pickford (England), Lovren (Kroatien), Granqvist (Schweden), Stones (England), de Bruyne (Belgien), Kanté (Frankreich), Perisic (Kroatien), Kane (England), Cavani (Uruguay), Ronaldo (Portugal)

Und schließlich noch das firmeninterne Tippspiel. Nach einem furchtbar schlechten Start und im nachhinein abstrusen Bonus-Tipps, konnte ich ab dem Viertelfinale noch mal deutlich zu legen und mich ins Mittelfeld vorkämpfen. Platz 7 von 15, immerhin. Die Podiumsplätze blieben aber in weiter Ferne.

Nächstes Wochenende geht es für mich übrigens nach Paris, ist aber wohl eine Woche zu spät für die Feierlichkeiten.

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Der Monatsrückblick Juni 2018

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Die Gruppenphase der WM ist geschafft, das deutsche Team ist raus, ab jetzt kann man sich die WM ohne Druck geben! Und das sommerliche Wetter hält sich nun schon seit Wochen – von einigen aktuellen Unterbrechungen mal abgesehen – und dabei kommen Juli und August ja erst noch. Das sind doch mal Aussichten!

*** WM 2018: Die Gruppenphase ***

Die wichtigen Sachen zuerst: Die FIFA WM 2018.

Deutschland ist raus, ohne Applaus. Eine gute Halbzeit ist zu wenig, um die Vorrunde zu überstehen und so tritt das DFB-Team zsmmn die Heimreise an. Behäbig gespielt, Ballbesitz alleine reicht nicht, wenn sich der Gegner auf das Offensivspiel eingestellt hat. Und so reichte es am Ende nur zu einem herausgespielten Tor und zu Kroos‘ Knaller gegen Schweden, was am Ende dann nicht mehr war wie ein Knallfrosch. Bei allen großen Verdiensten zuvor, wenn ein Bundestrainer nicht die Vorrunde übersteht, muss er weg. Die Kaderzusammenstellung ist nicht aufgegangen, ein Spieler wie Sane hat am Ende gefehlt, eine Stammelf hat sich auch nicht gebildet. Wenn man in 3 Spielen insgesamt 20 Spieler einsetzen muss, läuft da etwas nicht rund. Der DFB wird Löw nicht raus schmeißen – ich gehe aber davon aus, dass er selbst die Konsequenzen ziehen wird. Horst Hrubesch übernimmt.

Dagegen haben sich aber 16 andere Teams für die K.O.-Phase qualifiziert: 10 aus Europa, 4 aus Südamerika und jeweils ein Team aus Mittelamerika und Asien. Afrika ist raus. Nach dem eher mauen Auftakt haben sich die Spiele in der Gruppenphase von Spieltag zu Spieltag gesteigert. Hoffentlich setzt sich der Trend nun im Achtelfinale fort. Mit Frankreich – Argentinien, Spanien – Russland, Brasilien – Mexiko und Kolumbien – England sind da durchaus ein paar gute Spiele dabei.

Ins Halbfinale würde ich im Moment diese 4 Teams tippen: Frankreich, Spanien, Brasilien und – Überraschung – Kolumbien. Aber Achtung: Ich wäre eine Tage letzter im firmeninternen Tippspiel.

*** Kino ***

Vor dem Start der Weltmeisterschaft konnte ich wenigstens mal wieder zwei Blockbuster von der Liste abhaken. Der Besuch hat sich bei beiden auch mehr oder weniger gelohnt.

Deadpool 2 8 von 10

Wade Wilson (Ryan Reynolds) hat sich gerade erst so richtig in seiner Existenz als vernarbter, aber kampfgeschulter Deadpool eingerichtet, der tagsüber Bösewichte zur Strecke bringt und abends brav zu seiner Freundin (Morena Baccarin) nach Hause kommt, als sein Leben auf den Kopf gestellt wird. Plötzlich findet er sich mehr oder weniger unfreiwillig in der Rolle eines Superhelden wieder, der den jungen Mutanten Russell (Julian Dennison) beschützen soll. Als ein gewisser Cable (Josh Brolin) in seine Zeit zurückreist und für Ärger sorgt, gründet Wade seine eigene Kämpfertruppe, um mit Domino (Zazie Beetz aus Atlanta) und weiteren Mitstreitern Schlimmeres zu verhindern. Im Prinzip sind alle Marvel-Filme doch mehr oder weniger gleich, auch wenn sie durchaus in verschiedenen Tonalitäten gespielt werden. Dieser hier ist zum Beispiel frecher und witziger als die anderen, kann aber seine Verwandtschaft nicht verleugnen. Was Deadpool 2 aber tatsächlicher auszeichnet – und ich hätte nicht gedacht, das mal noch bei einem Marvel-Film zu erleben – ist der interessante und charismatische Gegenspieler. Brolins Präsenz wirkt Wunder, seine Hintergrundstory macht aus ihm mehr als ein Abziehbildchen. Der Rest des Casts, allen voran Reynolds, ist gut aufgelegt und die Actionsequenz routiniert flott. Bleibt nur noch die Frage: Ist Glück wirklich eine Superkraft?

Solo: A Star Wars Story 7 von 10

Han Solo (Alden Ehrenreich) ist als Schmuggler in den unendlichen Weiten der Galaxis unterwegs und stürzt sich waghalsig von einem Abenteuer in das nächste. Dabei trifft er nicht nur auf seinen späteren Weggefährten und Co-Piloten Chewbacca (Joonas Suotamo), sondern gerät ebenfalls mit dem berüchtigten Zocker Lando Calrissian (Donald Glover) aneinander, von der mysteriösen Qi’Ra (Emilia Clarke) und dem Schurken Beckett (Woody Harrelson) ganz zu schweigen. Es ist ein Star Wars Film für alle, die kein Star Wars mögen. Es wird weder von einer diffusen Macht gefaselt, noch gibt es eine epische Story, bei der die ganze Galaxis auf dem Spiel steht. Es ist vielmehr die Geschichte eines kleinen Halunken, der seinen Platz in der Welt sucht und dabei auf seinen Mentor (Harrelson) trifft und sich letztlich mit ihm duellieren muss – so viel Star Wars muss dann doch sein. Ehrenreich ist nicht so schlimm wie befürchtet – Kompliment hier an die Synchro, die täuschend echt an der alten Harrison Ford Stimme dran ist. Und mit Glover und Harrelson als Sidekicks macht man ja selten etwas falsch. Sicher hat der Film seine Längen, macht aber trotzdem Spaß und hat deutlich interessantere Figuren zu bieten als der eher öde Rogue One.

*** Serien ***

BoJack Horseman (Staffel 3 / 12 Folgen – Netflix) – 6 von 10

BoJack, ein depressives Pferd und ehemaliger Sitcom-Star, rührt die Werbetrommel für seinen neuen Film Secretariat und wird dafür mit mehreren Nominierungen für die wichtigsten Filmpreise bedacht. Wird es auch für eine Oscar-Nominierung reichen? Todd dagegen bastelt weiter an neuen Geschäftsideen – und scheint zur Abwechslung dabei sogar mal erfolgreich zu sein. Nicht ganz so erfolgreich ist dagegen die dritte Staffel. Es gab einige Experimente (wie die stumme Unterwasserfolge), die nicht immer glückten, wieder einige Rückblicksepisoden – wo der Witz mit der penetrant wiederholten Jahreszahl mittlerweile etwas abgenutzt ist – und ein anderer Teil der Staffel plätscherte einfach so dahin, nur um dann doch wieder solche tragischen Perlen wie der gemeinsame Alkohol- und Drogenabsturz von BoJack und seiner Filmtochter Sarah Lynn einzustreuen oder der Ausbruch des gutmütigen Todds gegen BoJack. Insgesamt war es mir dieses Mal aber doch etwas zu wenig.

The Handmaid’s Tale – Der Report der Magd (Staffel 1 / 10 Folgen – Blu-Ray) – 9 von 10

In einer nahen, aber dystopischen Zukunft hat sich die Gesellschaft radikal verändert. Es haben sich neue, soziale Klassen gebildet, in denen die Frauen unterjocht werden. Die Magd Desfred (die aus Top of the Lake bekannte Elizabeth Moss) arbeitet im Haushalt von Commander Waterford (Joseph Fiennes). Dort kümmert sie sich nicht nur um die Einkäufe, sondern muss auch, als eine der wenigen verbliebenen, fruchtbaren Frauen, einmal im Monat ihrem Besitzer bei einer Zeremonie für sexuelle Dienste zur Verfügung stehen. Diese düstere Zukunftsvisionen steht seinen klassichen Vorbildern wie 1984 und Schöne, Neue Welt in nichts nach. Ihr starker Realitätsbezug lässt die Vision erschreckend nah wirken. In Rückblicken wird erzählt, wie es zu diesem Gesellschaftswandel kommen konnte. Starke Schauspieler und gut geschriebenes Drama machen daraus ein eindrückliches und nachhaltiges Serienhighlight. Auch die Optik stimmt, die sich nur in Facetten von unserer Welt unterscheidet, aber dafür mit den Kutten der Mägde eine ikonische Bildsprache gefunden hat.

Patrick Melrose (Staffel 1 / 5 Folgen – Sky 1) – 8 von 10

Patrick Melrose (Benedict Cumberbatch) ist ein britischer Playboy, der seine Vergangenheit, die vom Missbrauch durch den eigenen Vater (Hugo Weaving) geprägt ist, mit Drogen und Alkohol bekämpft. Als sein Vater schließlich 1982 stirbt, beschließt Patrick sein Leben zu ändern. Die fünf Folgen zeigen dabei verschiedene Stationen seines Lebens, von den 60ern bis zu den frühen 2000ern. Dabei führt es Melrose immer wieder zurück in das schicksalhafte Ferienhaus der Familie in Südfrankreich. Dank Cumberbatch ne sichere Nummer, eine Serie ohne Längen, die einerseits leicht und flockig daher kommt, aber andererseits auch großes Familiendrama ist. Die fünf Stunden Laufzeit sollte man sich nehmen.

Westworld (Staffel 2 / 10 Folgen – Sky Atlantic) – 7 von 10

Auch in der zweiten Staffel bleibt Westworld die derzeit optisch herausragendste Serie. Das hat durchweg Kinoqualität, wie der Aufstand der Hosts um Dolores (Evan Rachel Wood) und Maeve (Thandie Newton) im Freizeitpark Westworld eingefangen wird. Diese sind sich mittlerweile bewußt, dass sie nur programmierte Roboter sind und versuchen nun, sich ihre Unabhängigkeit zu erkämpfen. Nach dem Massaker an den Delos Mitarbeitern zum Ende der letzten Staffel, schickt die Firma nun einen Security Trupp (mit Gustaf Skarsgard) zur Unterstützung von Charlotte Hale (Tessa Thompson), um die Ordnung wieder herzustellen. Welche Rolle spielt dabei aber Bernard (Jeffrey Wright), der sich gleich zu Beginn zu einem Massengrab der Hosts bekennt? Und wer ist der mysteriöse Man in Black (Ed Harris) wirklich? Es bleibt rätselhaft in der zweiten Staffel, auch weil es dieses Mal schwerer fällt, die einzelnen Zeitebenen von einander zu trennen. Trotz allem werden wieder einige Geheimnise aufgedeckt, die manches in anderes Licht setzen. Auch verlassen wir dieses Mal die Westernwelt und bekommen einige andere Erlebniswelten des Parks präsentiert. Gleichzeitig bietet diese Staffel aber auch vor allem in der ersten Hälfte sehr viel mehr Action. Das ist alles gut bis sehr gut gemacht und viel anspruchsvoller erzählt als in vielen anderen der großen Serien, fesselt aber nicht mehr so wie die erste Staffel. Der Reiz des Neuen ist weg und mich beschlich oft das Gefühl, zwischendrin etwas verpasst zu haben. Schade, die Serie nutzt ihr Potential nicht voll aus.

Z Nation (Staffel 4 / 13 Folgen – Syfy) – 7 von 10

Warren (Kellita Smith) erwacht aus einem Koma und findet sich zwei Jahre später in ZONA wieder, einer friedlichen Insel inmitten des Zombie-Wahnsinns. Murphy (Keith Allan) scheint geheilt, während der Rest der Gruppe entweder tot ist oder ums Überleben kämpft – gegen einen unzerstörbaren Zombie-Virus. Warrens apokalyptischer Traum eines schwarzen Regenbogens schickt die Gruppe (mit u.a. Nat Zang und Russell Hodgkinson) auf eine rätselhafte Mission, um zu verhindern, dass die Apokalypse der Menschheit etwas noch Schlimmeres schickt. Auch die neue Staffel strotzt wieder vor Ideen (wie die Folge im Nachrichtenstudio oder die im Friseurladen) und verfolgt eine klare Linie. Dass dafür dann teilweise der Tiefgang fehlt und die Handlung nicht die ganze Staffel oder die ganzen Folgen tragen, ist dagegen die Kehrseite der Medaille. Aber es reicht, um auch in diesem Jahr wieder die Zombie-Konkurrenz von The Walking Dead zu schlagen.

Die gleiche Wertung für das Edelformat Westworld und die Trash-Produktion Z Nation? Ja, auch wenn ich bei beiden lange überlegt hatte – Z Nation stand auf der Kippe, Westworld hätte ich fast die 8 gegeben. Im Unterhaltungswert geben sie sich nicht viel, auch wenn das eine mehr von der Hochglanz-Inszenierung lebt, dafür das andere einfach die besseren und teilweise albernen Ideen liefert. Wie gerne man dran bleibt ist halt keine Frage des Budgets oder des Anspruchs.

Der Ausblick auf den Juli möchte ich mit dem wichtigsten beginnen: Am 31. startet auf FOX die 6. und letzte Staffel von Nashville. Nashville! Sonst steht auf meiner Liste tatsächlich nicht viel, aber den Serienstart von Die Pest am 19. auf Sky Atlantic habe ich mir noch vorgemerkt, genau wie die Veröffentlichung der 3. Staffel von The Fall auf Netflix am 15. Und wer auf Zombie-Filme steht und diesen noch nicht gesehen hat: Der famose Train To Busan aus Südkorea steht auf Netflix bereit. Und Sky Kunden müssen sich von RTL Crime verabschieden – der Sender fliegt von der Plattform, genau wie RTL Passion. Das war mit Sicherheit kein Wunsch der Zuschauer.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 1 (…and you will know us by the trail of dead). Gekaufte Konzerttickets: 0.

Die Muncie Girls melden sich zurück mit Picture of Health als Vorboten für das neue Album. Und der Song macht genau da weiter, wo das tolle Debutalbum aufgehört hatte.

Das zweite Video kommt aus Australien von Rolling Blackouts Coastel Fever. Langer Name, kurze Message: Hört mal rein in Talking Straight, es erwartet euch entspannte Sommer-Pop-Gitarrenmusik und lest ihr Interview bei Best Ditches.

*** Foodpic des Monats ***

Sommer, Sonne, Spaghetti-Eis. Verziert mit den Farben der italienischen Flagge, die Italiener haben ja Zeit in diesem Sommer.

*** Linktipps ***

Ein paar Lesetipps aus den Weiten des Internets:

B-Film Basterds 2018: Wem das Fantasy Filmfest schon zu trashig ist… der sollte einen großen Bogen um dieses Festival machen. Hat der Wortvogel natürlich nicht getan.

Thüringens Sehenswürdigkeiten & Ausflugsziele: Carolin nimmt euch mit auf eine Entdeckungsreise durch Thüringen.

7ème art: Die Star-Wars-Filme: Miss Booleana liefert euch einen Überblick über die ersten 7 Star Wars Filme.

Festival: Rock im Park 2018: Diana eskalierte mal wieder beim Festival in Nürnberg. Und auf dem Southside!

Unofficial Football World Champion: Der aktuelle Weltmeister heißt: Dänemark. Warum das so ist und warum auch Simbabwe schon mal 195 Tage Weltmeister war, darüber klärt Wikipedia auf.

*** Frage des Monats ***

Welche Wetter-App benutzt ihr unter Android? Bei meiner entwickelt es sich langsam zum Running Gag, dass sie für jeden Tag Regen vorher sagt und es dann tatsächlich erst regnet, wenn nur ein bewölkter Himmel prognostiziert wird.

Und das war’s für diesen Monat. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

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WM Splitter 2018 – Teil 1

Vorab der Hinweis: Im firmeninternen WM-Tippspiel liege ich zur Zeit auf dem vorletzten Platz. Der Letzte hatte vergessen, die ersten paar Spiele zu tippen. Nun, nach dem das gesagt ist – Mein erster Eindruck der Weltmeisterschaft aus Russland, jetzt wo alle Teams einmal gespielt haben:

1.) Der Unterhaltungsfaktor ist bisher noch relativ gering. Die knappen Resultate – lediglich bei drei Spielen hatte der Sieger zwei oder mehr Tore Vorsprung – mögen was anderes sagen, aber attraktiv waren bisher die wenigsten Spiele. Dafür ist bei den meisten Mannschaften mittlerweile die Defensivarbeit viel zu gut, stabil und diszipliniert hinten stehen können sie alle (außer vielleicht Saudi-Arabien) und mehr wollen die meisten schwächeren Teams bisher auch nicht (Panama war da eine lobenswerte Ausnahme). Heraus kommen dann Spiele, in denen oft nur eine Mannschaft Fußball spielen möchte, die andere aber, wie beim Handball, mit einer 10er Reihe am eigenen Strafraum wartet – hallo Island. Die einen wollen nicht, die anderen können nicht, weil sie schlicht keinen Platz haben.

2.) SpanienPortugal wurde daher mit dem 3:3 das mit Abstand unterhaltsamste Spiel des 1. Spieltags. Es ging hin und her, beide Teams wollten offensiv spielen und schon war das auch gut anzusehen. Und Ronaldo hat wieder gezeigt, warum er zur Zeit der beste Fußballspieler der Welt ist.

3.) Wenn nichts geht, geht ein Standard – und so ist dann auch eine Vielzahl der Tore gefallen. Entweder so, oder durch einen verrückten Distanzschuß, wie z.B. das 1:0 von England. Erspielt wurde wenig.

4.) Der War-Room… entschuldiung, VAR-Room schnitt bisher besser ab als in der Bundesliga. Was zeigt, dass man einfach und klar definieren muss, wann der Videoschiedsrichter – also das zusätzliche 5er Team – eingreifen darf. Und so kann ich mich eigentlich nur an einen Aufreger erinnern: Das 1:1 von Spanien gegen Portugal mit der diskussionswürdigen Balleroberung.

5.) Russland als Gastgeber ist unauffällig. Die modernen Stadien sehen ja von innen eh fast alle gleich aus. Wenn das Spiel erst mal los geht, ist es fast egal, wo die Stadien stehen. Ausnahme: Jekaterinburg mit dem Anbau der Tribünen außerhalb des Stadionrunds. Das ist fast so eindrucksvoll wie die massive Felswand damals in Braga bei der EM 2004.

6.) Deutschland erwischte einen Fehlstart, wobei man sagen muss, dass man gegen Mexiko auch mal verlieren kann. Und wenn man sich auskontern läßt und die Offensive nur so vor sich hin spielt, kann das passieren. Druckvoll wurde es erst, als Löw langsam die Defensive komplett auflöste. Samstag gegen Schweden muss man diese Delle nun ausbügeln. Vielleicht mit dieser Elf? Neuer – Kimmich, Hummels, Boateng, Hector – Kroos, Gündogan – Reus, Özil, Draxler – Gomez.

Nach dem ich die letzten Tage frei hatte, bin ich seit heute wieder im Büro. Daher werde ich die nächsten Nachmittags und Vorabend-Spiele nur am Rande verfolgen können. Wenn das Niveau so bleibt, ist das aber auch nicht weiter schlimm.

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Source Tags & Codes

Um es kurz zu machen – das Konzert ist ja mittlerweile auch schon fast wieder eine Woche her: Die Texaner von …And You Will Know Us By The Trail Of Dead waren in München. Als sie das letzte Mal in der Stadt waren, spielten sie noch nebenan in der Muffathalle, dieses Mal langte es nur noch für ein gut gefülltes Ampere.

Angekündigt war eine Art Jubiläumstour für ihr bahnbrechendes Album Source Tags & Codes von 2002 und sie haben es wirklich runter gespielt, was nach all den Jahren immer noch beeindruckend war. Dieser Mix zwischen Melodien und brachialer Lautstärke, zwischen langsam und schnell, der fesselte immer noch.

Nach dem Album spielten sie noch einige andere Songs. Hier war Will You Smile Again noch großartig, danach wurde es leider etwas beliebig, Hauptsache laut, was den Gesamteindruck des Konzerts ein wenig trübte. Aber was soll man meckern: Sie haben DAS Album noch einmal live gespielt, was will man also mehr?

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Meine Musik-o-graphie

Als ich im jugendlichen Alter meinen ersten CD-Player bekam, ließ meine erste CD nicht lange auf sich warten. Es war Tourism von Roxette, die ich dann auch rauf und runter gehört habe. Und auch heute noch als ziemlich unpeinlich empfinde. In der gleichen Zeit waren auch noch Genesis recht angesagt.

Sie wurde aber nach einigen Monaten bereits abgelöst von Bryan Adams mit seinem Album Waking Up The Neighbours was ich nun wirklich bis zum Erbrechen gehört habe. Zwar war auch die Schmonzette (Everything I Do) I Do It For You drauf, ich fand aber mehr gefallen an seinen rockigeren Sachen. Noch heute steht das Album bei mir ganz vorne, ist es doch schließlich das erste in meinem alphabetisch sortierten CD-Regal. Es war auch die Zeit, wo ich bei Aerosmith und Bon Jovi etwas genauer hinhörte.

Es kam die Europameisterschaft 1996 in England und das ZDF untermalte seine Übertragungen mit dem Song einer mir damals unbekannten, aber aufstrebenden englischen Band namens Oasis. Don’t Look Back In Anger lief also jeden Tag im TV und ich kaufte mir (What’s The Story) Morning Glory mit dem Original Buy British Aufkleber, was ich auch heute noch als mein Lieblingsalbum bezeichnen würde. Das war im Grunde mein Einstieg in den Britpop und die Indie-Bereich und brachte mich zunächst zu Stereophonics, Pulp, Travis, The Verve, Embrace, Soundtrack Of Our Lives, Mando Diao und später dann Kasabian und die DMAs.

Dann gab es zu dieser Zeit natürlich auch die Abi-Parties und die Feiern in den holzvertäfelten Partykellern. Im nachhinein war das musikalisch natürlich grausam, was dort lief, die Highlights aber waren die Punkrock-Songs aus den USA, die auch heute noch zu einem guten Indie-Abend gehören. The Offspring, The Ataris und natürlich: Green Day.

Aber es gab auch die ruhigeren Momente. Sigur Rós führten mich Anfang der 2000er zu den eher sphärischen Klängen, die mich dann auch in Richtung Post-Rock mit Mogwai, Russian Circles oder Explosions In The Sky brachten. Wobei die Isländer dabei für mich in diesem Segment nach wie vor über allen anderen schweben.

Und dann wurde auf einmal eine neue Welle an Gitarrenband angespült. The Strokes brachten die Gitarren ins neue Jahrtausend, ihr Is This It? war ein Debutalbum für die Ewigkeit. Mit ihnen kamen The White Stripes, Black Rebel Motorcycle Club, The Libertines, Arctic Monkeys, Jet, The Vaccines und die Yeah Yeah Yeahs. Vorbei der Pomp des Britpops der 90er, der Sound kam nun direkt aus der Garage.

Fehlen jemanden bisher die Frauen-Stimmen? Nun, bis hierher tauchten Künstlerinnen oder Frauenstimmen in Bands tatsächlich kaum bis gar nicht in meinem CD Regal auf. Das änderte sich mit den ersten Takten, die ich von The Duke Spirit hörte. Dazu diese gewisse 60ths Attitüde – das hatte was. Und brachte mich dann weiter bis zu solchen Bands wie The Asteroids Galaxy Tour, Dum Dum Girls, Wolf Alice und schließlich auch zu den Hinds und den Regrettes.

Manchmal passiert es, dass man schon zu den ersten Klängen einer Band total verfällt. So ging es mir, als ich zum ersten Mal etwas von The Gaslight Anthem bei myspace gehört hatte. Alleine daran merkt man schon, dass dieses Erlebnis schon etwas her ist. Aber diese Mischung aus Bruce Springsteen und Punkrock zündete bei mir sofort, das Album The ’59 Sound war ein Brett von Anfang bis Ende. So gut waren sie danach nie mehr wieder. Aber sie brachten mit ihrem Sound auch The Menzingers und Spanish Love Songs auf meinen Radar.

Als dann The Gaslight Anthem das erste Mal in München auftraten, im altehrwürdigen 59:1, hatten sie einen Support namens Frank Turner mit dabei. Solo, nur mit seiner Gitarre, hatte er den Laden in kürzester Zeit im Griff und als dann schließlich auch die härtesten Kerle mit voller Inbrunst sein Cover von Dancing Queen mitgröhlten, hatte er sich sehr viele neue Freunde gemacht. Sein Album war am Tag danach bestellt und seit dem habe ich ihn mehr als 10mal live gesehen. Und dabei hat er mir auch noch andere Künstler näher gebracht, wie Dave Hause, Will Varley, John Allen oder Young Rebel Set.

Etwa zur gleichen Zeit fing ich auch an, mich für Shoegaze und Dreampop zu interessieren. Also der ziemliche Gegenentwurf für die Punkbarden. Aber so etwas wie The Pains of Being Pure At Heart gefiel mir, wenn bei Everything With You das Gitarrensolo einsetzt, bekomme ich immer noch eine leichte Gänsehaut. Dazu passen Veronica Falls, The Jezabels, Lea Porcelain und ungefähr auch The National.

Und das war die kleine Zeitreise durch meine persönliche Musikgeschichte. Mal schauen, was in der Zukunft das nächste große Ding wird – am Dienstag geht es erst einmal zu Helden aus der Vergangeheit. Eine Band, die ich sehr schätze, kommt nach München. Eine Band, die ich aber nicht so wirklich in eine der aufgemachten Schubladen stecken konnte. Ich freue mich aber trotzdem sehr auf And You Will Know Us By The Trail Of Dead.

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