Shame Shame Shame – that’s the name

Kommen eigentlich nur noch junge Solokünstler und DJs nach? Leute, die im stillen Kämmerlein nerdig an ihrem Computer rumschrauben, um diesen ein paar fiepsende Töne zu entlocken? Nein, zum Glück nicht. Auch heute finden sich immer noch junge Menschen zusammen, um gemeinsam zu musizieren, um ihre Worte und Gefühle mit Hilfe von Musik und echten Instrumenten zum Ausdruck zu bringen.

In England wird zur Zeit Shame gehyped, eine Post-Punk (nicht zu verwechseln mit der Postbank) Band aus London rund um den 19jährigen Sänger Charlie Steen. Älter sind die anderen in den Band auch nicht, was vor allem auf der Bühne noch einmal auffiel. Ihr Erstling Songs Of Praise rotiert bei mir regelmäßig, auf ihren Auftritt freute ich mich schon seit Wochen. Der wurde erst verschoben und in eine andere Halle verlegt, ich bekam für den später Nachmittag noch einen wichtigen, externen Arbeitstermin in den Kalender geknallt und musste erst etwas bangen, ob ich es überhaupt schaffen würde. Aber nun waren sie und ich da und wurde nicht enttäuscht von ihrem energiegeladenen Konzert im Münchner Orangehouse.


Die Stimmung war von Anfang an euphorisch-aggresiv, vorne wurde gesprungen und mitgeschrien. Ich ließ die jungen Leute da vorne machen und ging ein paar Meter zurück, war ja auch viel näher zur Bar von hieraus. Der Sänger entledigte sich bereits nach einigen Songs seines Shirts, es war schweißtreibend auf und vor der Bühne. Shame bieten schon jetzt eine gelungene Bandbreite an Songs. Es ist nicht alles laut und krawallig wie Concrete, sondern auch die ruhigeren Stücke wie One Rizla tun ihnen gut.

Mit solchen Einschätzungen liege ich normalerweise falsch, aber ich versuche es trotzdem noch einmal: Auch in Deutschland wird man sie bei der nächsten Tour in größeren Hallen sehen.

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Griechenland 2018: Santorini

Nach gut drei Stunden Fahrt kam die Fähre von Paros in Santorini an. Mit dem Bus fuhr ich direkt weiter ins Zentrum von Fira und suchte mir dort vom Busbahnhof aus den kurzen Weg in mein Hotel.

Das Hotel

Meine Erwartungen an das Hotel waren hoch, es war schließlich bereits in der Vorsaison recht teuer – aber wenn man schon nach Santorini fährt dann richtig. Im Hotel Villa Renos wurde ich dann direkt auf mein Zimmer geführt, die Balkontür aufgemacht und ich war sprachlos wegen des Ausblicks auf die Caldera.

Auf dem Balkon konnte man es schon aushalten – besonders, wo das Wetter jeden Tag besser wurde. Morgens konnte man schauen, welches Kreuzfahrtschiff heute im Hafen lag, abends konnte man sich den berühmten Sonnenuntergang direkt von der Liege aus anschauen, mit einem kühlen Getränk aus der Minibar in der Hand.

Das Hotel bot aber nicht nur den grandiosen Ausblick, sondern auch ein tolles und abwechslungsreiches Frühstück, bei dem an jeden Tag ein anderes Menu serviert wurde. Ungewöhnlich, aber gut. Auch die Lage war gut, nur ein paar Stufen entfernt von der Fußgängerzone der Stadt – während viele andere Gästezimmer und Hotels mit ähnlichem Ausblick etwas umständlicher zu Fuß zu erreichen sind. Das Hotel lag auch direkt am bekannten Eselsweg, weswegen sich mehrmal am Tag eine Karawane mit Eseln und Glöckchen um den Hals am Hotel vorbei schlängelten.

Die Stadt Fira

Nur einige Meter weiter, ein paar Stufen vom Hotel aus den Weg hinunter, stand eine alte Kirche, die in den folgenden Tagen mein Lieblingsmotiv wurde. Sie war recht klein, der Putz blätterte an manchen Stellen ab und sie lag äußerst fotogen.

Wenn man die Treppen vom Hotel aus dagegen hoch ging, landete man direkt an einem Touristen Hotspot. Hier, vor dem Hotel Atlantis, machten die Tagestouristen ihre Fotos von der Bucht und dem Sonnenuntergang. Da war es von meinem Balkon aus doch sehr viel gemütlicher. Ich möchte nicht wissen, in wie viele Fotos ich in den Tagen hinein geplatz bin. An dieser Ecke war auch die P.K. Cocktail Bar, in der ich ab und an für einen Absacker war. Und von dessen Eingang aus eine Büste die Bucht überwachte.

Hier begann auch die große Fußgängerzone mit seinen Geschäften, Restaurants, Clubs und immer wieder mit dem Ausblick auf die eindrucksvolle Bucht und auf die Häuser der Stadt, die sich an die Steilküste schmiegten. Es war wie gemalt, überall die kleinen, weißen Häuser, es war kitschig, aber es war unglaublich schön. Hier lebt jeder vom Tourismus, es ist völlig egal, ob es Griechenland ist oder nicht, es ist ein Museumsdorf für die Welt. Die Straßen waren voller Asiaten und bei meinen ersten Gang durch die Stadt dachte ich, soeben wäre ein Bus mit jungen Influencerinnen angekommen. Es ist kein Wunder, dass Fotos von Santorini Instagram überschwemmen. Es ist einfach so hübsch.

Da das Wetter an den ersten Tagen noch etwas schlechter war, besuchte ich das Museum of Prehistoric Thera. Die Sammlung war recht klein, aber in Anbetracht des Alters gab es aber ein paar spannende Wandgemälde und Skulpturen zu besichtigen.

Man sollte ebenfalls auch mal zum Alten Hafen der Stadt herunter laufen. Ich folgte dafür einfach den Eselsweg von meinem Hotel aus und hatte unterwegs so einige Begegnungen mit den Tieren. Wenn nicht grade eine Kreuzfahrtschiff vor Anker liegt, geht es am Hafen recht gemütlich zu, jedenfalls jetzt in der Vorsaison. Die Seilbahn brachte mich wieder zurück in die Stadt.

Insgesamt verbrachte ich fünf Nächte in Fira. Die Tage waren recht leer gehalten, ich lief immer wieder durch die Stadt, und wenn mein Hauptziel des Tages war, Postkarten zu kaufen und zu schreiben, dann reichte das schon für einen erfüllten Tag. Es war wirklich sehr entspannend und es wurde nie langweilig.

Das Essen

Überraschend gut habe ich in Fira gegessen! Erwartet hatte ich Restaurants, die wissen, dass ihre Gäste im Urlaub sind und nur einmal kommen werden – aber so war es aber nicht. Sicherlich, man weiß, worauf man achten muss: Nicht unbedingt das Restaurant mit der besten Aussicht wählen, sondern eher die kleineren Läden mit einer überschaubaren Speisekarte in einer Nebenstraße. Und das hat dieses Mal ausgesprochen gut funktioniert – zu Münchner Preisen, ungefähr.

Bemerkenswert war dabei, von oben links im Uhrzeigersinn gesehen: Das Salt & Pepper mit Hühnchen in einer Zitronen-Sahne Sauce,  Nikolas mit einer Lammkeule und Nudeln und das Convinium mit dem Rindersteak mit Parmesan und Rucola. Nicht im Bild: Ein fantastisches, hausgemachtes Baklava im Elia.

Die Wanderung nach Oia

Wie auf Paros habe ich auch auf Santorini eine Wanderung unternommen. Es war wohl die klassische Wanderung von Fira nach Oia, dem zweiten größeren Ort auf der Insel, an der Nordspitze gelegen. Es war – natürlich – die Wanderroute 9, für die man ungefähr 3 Stunden braucht und die sich auch von einem Schreibtischarbeiter gut bewältigen lassen.

Der Weg führte die meiste Zeit an der Küstenlinie entlang, vorbei an Firostefani, oft auf befestigten Wegen. Irgendwann erklamm man dann auch den Bergrücken der Insel und man konnte sowohl auf der linken, als auch auf der rechten Seite das Mittelmeer sehen. Hier pfiff auch der Wind gehörig entlang. Ein Stück bereitete mir etwas Sorge, als aus dem befestigten Weg eine Schotterpiste wurde, es furchtbar zog und man sowohl einige Höhenmeter nach oben, als auch nach unten hatte. während es an einer Seite recht steil auch hinab ging. Hier hatte ich schon Respekt und fühlte mich etwas unsicher mit meinen alten Sneakern. Als ich diesen Abschnitt mühsam geschafft hatte, kamen kurz danach einige Kinder den Weg fröhlich runter gehopst. Die Jugend! Der Ausblick auf dem Wanderweg entschädigte allerdings für vieles und als dann irgendwann Oia in Reichweite kam, war das ein recht befriedigendes Gefühl.

Die Stadt Oia

Oia ist im Vergleich zu Fira die etwas jüngere Stadt und wurde nach einem schweren Erdbeben in den 50ern fast komplett neu aufgebaut. Und dafür hatte man sich Fira offenbar sehr genau angeschaut und weiter optimiert. Auch hier gibt es die Hänge mit den vielen weißen Häusern und den großen Terrassen, noch etwas besser in Richtung Sonnenuntergang ausgerichtet. Die großen Straßen für die Fußgänger waren breiter und hatten weniger Stufen, alles war noch etwas exklusiver und teurer. Und Aussichtspunkte gab es auch – mehr als genug. Außerdem bot Oia viele kleine Windmühlen, ein weiteres, sehr beliebtes Fotomotiv. Die Stadt war sehr schön, aber noch touristischer.

Nach der Wanderung und der Stadtbesichtigung war ich ziemlich platt. Der Bus brachte mich zurück nach Fira, wo ich mich am Abend mit letzter Kraft noch zum Essen schleppte und den nächsten Tag noch einmal zum gediegenen ausspannen nutzte.

Und damit ging mein Urlaub in Griechenland auch schon zu Ende. Ich war das erste Mal in diesem Land, aber hoffentlich nicht das letzte Mal. Besonders Santorini hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen, man merkt es der Länge dieses Eintrags an, aber auch die Sehenswürdigkeiten Athens kann ich nur loben. Es war ein recht entspannter Urlaub, in der ich sehr viel Zeit für mich hatte und mir wieder einmal bewußt, wie glücklich ich mich schätzen kann, solche Reisen zu unternehmen. Ich habe gut gegessen und viel gesehen, und dabei viele Kilometer zurück gelegt. Es war rundum gelungen.

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Griechenland 2018: I: Athen + II: Paros + III: Santorini

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Fantasy Filmfest Nights 2018

Es ist Sommer in der Stadt! Und während sich die Münchner in den Parks und an der Isar tummelten, verbrachte ich den Samstag im Zug und in Karlsruhe und den Sonntag im klimatisierten Cinemaxx. Das Fantasy Filmfest war in München mit den Nights am Start und ich gab mir drei Filme am Stück.

Der Überblick in chronologischer Reihenfolge – die Inhaltsangaben stammen aus dem Programmheft:

Hagazussa: A Heathen’s Curse (D/AUT 2017) – 3 von 10

Inhalt: Ein abgeschiedenes Alpendorf im 15. Jahrhundert: der ideale Nährboden für fromme Verblendung. Der Aberglaube richtet sich gegen die Einsiedlerin Albrun (Alexandra Cwen), die in ihrer Isolation mehr und mehr Paranoia und Halluzinationen verfällt. Keine Frage: Die junge Ziegenhirtin muss eine Hexe und mit bösen Mächten im Bunde sein! Zunächst ist Albrun die Zielscheibe der Dorfjugend. Doch die Übergriffe bleiben nicht bei Jungenstreichen.

Fazit: Das Positive zuerst: Die Bilder und die Atmosphäre sind wirklich grandios, auch die Ausstattung ist toll, auch wenn es mich etwas überrascht, dass es im 15. Jahrhundert spielen soll, ich hätte es etwas später verortet, aber da bin ich auch kein Experte. Und jetzt das Negative: Es passiert praktisch nicht. Dem Gras beim Wachsen zu zusehen ist spannender. Wer ein deutsches The Witch erwartet, liegt hier falsch. Der Hexenaspekt ist zwar teil der Story, es wird aber nicht weiter ausgeführt, wieso es diese Gerüchte gibt.. Die Unterteilung des Film nach Kapiteln macht nur für den ersten Teil Sinn, wenn wir Hauptfigur Albrun als Kind kennen lernen, bevor wir ihr danach als erwachsene, scheue Einsiedlerin folgen (gespielt mit vollem Körpereinsatz, wie man an der Stelle wohl sagt), die aber ohne Erklärung ein kleines Kind aufzieht. Letztlich wirkt das ganze wie eine Übungsaufgabe von und für Filmstudenten, die technisch vieles richtig macht, nur als Film aber einfach nicht funktioniert.

Brawl in Cell Block 99 (USA 2017) – 7 von 10

Inhalt: Der nach einem schiefgelaufenen Drogendeal im Knast gelandete Bradley (Vince Vaughn) wird von seinen ehemaligen Geschäftspartnern erpresst: Entweder lässt er sich in den berüchtigten Zellenblock 99 verlegen und tötet dort eine noch unbekannte Zielperson, oder seine hochschwangere Frau Lauren (Jennifer Carpenter) erwartet ein grausames Schicksal…

Fazit: Großes Staraufgebot bei diesem Film, neben den schon erwähnten gibt es auch noch ein Wiedersehen mit Don Johnson und Udo Kier. Regieseur S. Craig Zahler brachte vor einiger Zeit bereits Bone Tomahawak auf das Filmfest, den ich etwas zweischneidig fand. Ähnliches lässt sich nun auch zu diesem Film sagen. Die Story ist ausgesprochen lang und es dauert, bis Bradley im titelgebenden Cell Block 99 angelangt ist. Der Weg dorthin ist jedoch recht gradlienig, manchmal geht es überraschend einfach weiter. Die Hauptfigur wirkt teilweise wie ein einfacher Mann, dem übel mitgespielt wurde, der dann aber die härtesten der Harten ohne mit der Wimper zu zucken fertig machen kann. Und schließlich überrascht der Film, trotz seines meistens sehr realistischem Look, mit einer hinein brechenden Brutalität, das auch beim hartgesottenen Filmfest Publikum ein Aufstöhnen zur Folge hatte. Vaughn zeigt einmal mehr, dass er nicht nur Komödien spielen kann und Johnson ist die coolste Sau des Films. Insgesamt ein Film, dem etwas weniger Handlung, aber dafür ein paar mehr Hürden gut getan hätte und der wegen der Gewaltausbrüche nicht so schnell vergessen gehen wird.

The Strangers: Prey At Night (USA 2018) – 8 von 10

Inhalt: Die Eltern Cindy (Christina Hendricks) und Mike (Martin Henderson) schleppen ihre wenig begeisterten Teenager-Kinder Kinsey (Bailee Madison) und Luke (Lewis Pullman) auf einen Campingtrip. Außerhalb der Saison kommen sie spät in der Nacht auf dem völlig verlassenen Trailerpark-Gelände an, und soeben im Ferienheim eingerichtet, da klopft es an der Tür. „Ist Tamara da?“, fragt ein unheimliches Mädchen und verschwindet in der Dunkelheit – um im nächsten Moment schon wieder mit zwei maskierten Kumpel und einer Axt in der Hand auf der Matte zu stehen.

Fazit: Kleinen Film tut es ja immer gut, wenn sie sich auf eine einfache Sache konzentrieren und sich nicht versuchen, an irgendetwas zu verkünzeln. Und das schafft dieser Film hervorragend: Kleiner Cast, wenig innovative Story, dass dann aber dafür konsequent und kurzweilig umgesetzt. Die Jugendlichen schreien wie am Spieß, die Leute mit den Masken tauchen immer zur Unzeit auf, und alle können mehr einstecken, als normal ist. Die Action-Szenen werden soweit ausgereizt, wie nur geht und die Situation wird für die Familie immer aussichtsloser. Das war alles schon mal irgendwo da, hier wurden die Teile aber zielsicher wieder richtig zusammen gesetzt. Es ist nicht der erste Home Invasion Film und wird auch nicht der letzte sein, aber einer der guten. Der Film wird ab Juni auch im regulären Kino zu sehen sein.

Und das war es auch schon. Zum Glück steigerten sich die Filme im Laufe des Nachmittags und des Abends, sonst wäre es schwer geworden, durch zu halten. Mitte September – und damit noch kurz vor der Wiesn, wenn ich das richtig gerechnet habe – steht dann das große Fantasy Filmfest wieder auf dem Programm.

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Der Monatsrückblick April 2018

Mittlerweile ist der Griechenland-Urlaub schon einen Monat her – aber ich bin immer noch am sortieren der ganzen Fotos von Santorini. In Fira habe ich so ziemlich alles dreimal fotografiert: Zunächst bei schlechtem Wetter, dann bei guten Wetter und schließlich beim Sonnenuntergang. Da muss ich noch kräftig ausmisten. Davon abgesehen hat mich der Alltag schon lange wieder – was der Monatsrückblick schön beweist.

*** Foto des Monats ***

Der Frühling ist auch in München angekommen, wie man hier auf meinem sonntäglichen Rückweg vom Bäcker sehen kann.

*** Kino ***

Das reguläre Kino läuft weiter ein wenig an mir vorbei, dafür sind an diesem Wochenende die Fantasy Filmfest Nights in der Stadt, wo ich mir heute drei Filme am Stück ansehen werde. Dazu wird es dann aber einen eigenen Eintrag geben. Deshalb dieses Mal nur:

Ready Player One 6 von 10

Im Jahr 2045 sieht es auf der Welt eher trostlos aus, die Leute flüchten in die virtuelle Realität von OASIS, einer Online-Plattform, in der man alles sein und machen kann. Nach dem Tod dessen Gründers Halliday (Mark Rylance) machen sich viele User auf dem Weg, sein letztes Rätsel zu lösen und die drei Schlüssel zu finden, die die Kontrolle über OASIS versprechen. Die jungen Wade (Tye Sheridan) und Samantha (Olivia Cooke) müssen sich dabei gegen den großen Konzern IOI unter der Führung von Nolan (Ben Mendelsohn) zu Wehr setzen. Steven Spielbergs neuster Film ist sein größter seit langem. Auf Basis des Romans von Ernest Cline erschafft er eine komplette neue Welt, die sich stark auf die Gründerphase des Gaming beruft und dabei auch die aktuelle Gaming-Landschaft widerspiegelt. Der Film ist voller Anspielungen auf die Film- und Gamegeschichte – erkennen muss man sie für die Story allerdings nicht. Optisch ist der Film stark und wird nur übertroffen vom Soundtrack und den Soundeffekten. Die Story ist dagegen eher simpel gestrickt. Teenager-Nerd Wade muss sich in der virtuellen und in der echten Realität beweisen, die Jagd auf die Schlüssel erinnert an einen Indiana Jones Film oder an einen Jump’n'Run – Spiel – und serviert dabei gleich zweimal eine Lösung, die darin besteht, die Aufgabe anders zu spielen, als es offensichtlich ist. Als könnte man ein Fußball-Spiel dadurch gewinnen, wenn man die Ecke auf die Tribüne kickt. Und der Gegner ist natürlich ein konturloser, böser Konzern. Und schließlich konnte ich mal wieder nicht mitfiebern, wenn es “nur” um eine virtuelle Existenz geht. Da hilft auch kein Actionfeuerwerk mit tausenden von Leuten als Kanonenfutter. Schade, da wäre durchaus mehr drin gewesen.

*** Serien ***

Es gab vor einiger Zeit eine neue Crime-Serie, die Maßstäbe setzte. Die erste Staffel war perfekt, hatte einen fantastischen Cast und eine Atmosphäre, die eine ungeheuerliche Sogwirkung entfaltete. Die Erwartungen an die zweite Staffel waren dementsprchen hoch. Sollte es noch einmal funktionieren? Staffel 2 erzählte eine völlig andere Geschichte mit komplett neuen Schauspielern. True Detective ist daran gescheitert. Aber wie schlägt sich nun die zweite Staffel von American Crime Story? In den anderen Serien war es diesen Monat sehr blutig – und brachte mir David Duchovny gleich in seinen beiden Paraderollen.

Akte X (Staffel 11 / 10 Folgen – Pro 7) – 6 von 10

Die – wohl dieses Mal – endgültig letzte Staffel der einstigen Erfolgsserie bietet doch tatsächlich noch einmal zwei echte Highlight-Folgen. Das ist zum einen die Episode Der Mandela-Effekt, in der Mulder (David Duchovny) und Scully (Gillian Anderson) auf einen anderen Agenten treffen, der eine welt-umfassende Verschwörung entdeckt haben will – und ich mir lange nicht sicher war, ob die Macher die Episode tatsächlich ernst meinten. Ebenfalls bemerkenswert ist die Episode Rm9sbG93ZXJz, die auch Black Mirror gut zu Gesicht gestanden hätte, in der Mulder und Scully von der sie umgebenden Technik terrorisiert werden. Der Rest der Staffel ist dann leider meist plump konstruiert oder verrennt sich in die eigene Serien-Mythologie, der keiner mehr so richtig folgen mag. Auch Duchovny nehme ich die Rolle des nerdigen Außenseiters, der enthusiastisch die Wahrheit aufdecken möchte, nicht mehr ab und so fehlt oft der Antrieb der Folgen. Gut, dass es vorbei ist.

American Crime Story (Staffel 2 / 9 Folgen – Sky Atlantic) – 6 von 10

Der Modeschöpfer Gianni Versace (Édgar Ramírez) wird vor seinem Haus von Andrew Cunanan (Darren Criss) erschossen. Jede Hilfe kommt zu spät. Andrew kann flüchten und wird nun von der Polizei gesucht. Im Gegensatz zum Fall aus der ersten Staffel ist die Täterfrage bei dieser True Crime Geschichte schnell klar: Der Serienmörder Cunanan war es. Da die Tätersuche also wenig Spannung versprach, wand sich Serienschöpfer Ryan Murphy einem anderen Aspekt zu: Der Charakterisierung von Cunanan und wie er zu dem Serienmörder wurde, der er war. Dafür springt die Geschichte von Folge zu Folge tiefer in seine Vergangenheit, bis sie schließlich in seiner Kindheit ankommt. Mit dieser Herangehensweise unterläuft die Staffel sämtliche Erwartungen, die man an sie hatte und ist sehr viel mehr Drama als klassische Kriminalgeschichte. Criss spielt den Serienmörder richtig gut, auch die anderen Haupt- und Nebenfiguren machen ihre Sachen gut (u.a. gibt es noch Penélope Cruz als Donna Versace zu sehen und Ricky Martin als Versaces Lebensgefährte), es fehlt aber letztlich die Sympathiefigur oder zumindest den Kampf gegen das Verbrechen, gegen das Böse. So bleibt das Zurückspringen in der Erzählzeit nur ein schwacher Memento-Klon.

Ash Vs. Evil Dead (Staffel 2 / 10 Folgen – RTL Crime) – 8 von 10

Als Ash (Bruce Campbell) sich mal wieder mit Untoten auseinander setzen muss, führt es ihn zusammen mit Pablo (Ray Santiago) und Kelly (Dana Delorenzo) zurück in seinen Heimatort, wo er nicht grade den besten Ruf hat. Auch die Auseinandersetzung mit seinem Vater (Lee Majors) steht noch aus. Ashy Slashy liefert, was von ihm verlangt wird: Action, flotte Sprüche, verrückte Ideen, Monster und literweise Blut. Das erfreut das Herz – und die Laufzeit von nur einer halben Stunde kommt dem ganzen entgegen. Es geht Schlag auf Schlag, kaum eine Pause für Langweile. So muss Horror-Comedy-Trash sein. Und dabei sieht das ganze auch noch hochwertiger aus als vergleichbare Produktionen aus der Asylum Schmiede.

Californication (Staffel 7 / 12 Folgen – Netflix) – 6 von 10

Hank (David Duchovny) versucht sich wieder mit Karen (Natascha McElhone) zu versöhnen und nimmt dafür einen fest Job als Autor bei der TV-Serie Santa Monica Cop an. Erschwert wird sein Leben, als Levon (Oliver Cooper) auftaucht, der sich als sein Sohn ausgibt. Die dazugehörige Mutter ist Julia (Heather Graham), eine frühere Affäre von ihm. Langsam wächst Hank in die Vaterrolle hinein, was es aber nicht leichter mit Karen macht. Der letzten Staffel der Serie geht ein wenig die Puste aus. Levon wirkt teilweise wie ein erneuter Versuch, eine junge Variante von Hank zu etablieren – und dieses Gefühl wiederholt sich: Das hat man doch alles schon mal gesehen? Die Staffel taugt noch mal als letztes Abschiednehmen von Hank und seinen Freunden – dann ist es aber auch gut, dass es jetzt vorbei ist. Und nein, Madeline Zima tauchte leider nicht noch mal auf.

Hard Sun (Staffel 1 / 3 Folgen – ZDF) – 7 von 10

DCI Hicks (Jim Sturgess) und seine neue Kollegin DI Renko (Agyness Deyn) gelangen an einen USB-Stick mit ominösen Dateien, als sie im Fall eines ermordeten Computer-Hackers ermitteln. Fünf Jahre hat den Unterlagen zufolge die Menschheit noch, bis das Ereignis „Hard Sun“, die Erde unbewohnbar machen soll. Eine schreckliche Wahrheit, die der Geheimdienst aus Sorge vor Chaos und Anarchie der Bevölkerung vorenthalten will. Sie leakt trotzdem und lockt einige abgedrehte Serienmörder hervor. Das britische Thrillerdrama verspricht eine apokalyptischen Rahmenhandlung, die sich dann aber doch konventioneller entwickelt, als gedacht. Spannend und abgründig inszeniert ist das trotzdem, auch wenn die fast unvermeidlichen privaten Abgründe der Ermittler nicht immer fesseln können.

The Walking Dead (Staffel 8 / 16 Folgen – FOX Serie) – 5 von 10

Der Kampf zwischen den Saviors und ihrem Anführer Negan (Jeffrey Dean Morgan) und der Allianz aus Alexandra, Hiltop und dem Königreich spitzt sich weiter zu. Wer wird letztlich die Oberhand behalten? Und zu wem soll man nur halten? Alle Seiten glauben schließlich, sie wären die Guten. Und so plätschert auch diese Staffel wieder so dahin und verzettelt sich mit ihren vielen belanglosen Figuren. Die stärksten Moment hatte die Staffel immer dann, wenn sie sich auf den Konflikt zwischen Negan und Rick (Andrew Lincoln) konzentrierte, das konnten die beiden Schauspieler wenigstens tragen. Viele andere nicht. Vom Kampf gegen die Zombies ist hingegen nur noch aufs Stichwort etwas zu sehen, mittlerweile ähnelt die Serie eher einem Civilization in einer Zombiewelt. Die Vorgängerstaffel bot wenigstens noch einen atemberaubenden Auftakt – das fehlte dieses Mal, deshalb sinkt die Punktezahl weiter ab. Immerhin scheint der Grundkonflikt nach dieser Staffel nun endlich beendet und macht hoffentlich Platz für einen neuen, spannenderen Hanndlungsbogen. Auch wenn die Einleitung noch gewollter war als der Star Trek: Discovery Cliffhanger.

Was gibt es neues im Mai? Schon am 4. schmeißt Netflix die dänische Serie The Rain auf den Markt. Ab dem 8. ist die fünfte Staffel von Silicon Valley auf Sky Atlantic zu sehen. Am 9. startet Marvel’s Runaways auf Syfy. RTL Crime bringt ab dem 18. American Gods ins lineare Fernsehen. Ab dem 27. gibt es im ZDF die Nordic Crime Serie Midnight Sun zu sehen, von den gleichen Machern, die auch hinter Die Brücke steckten. Und am 29. startet schließlich mit Patrick Melrose eine neue Serie mit Benedict Cumberbatch auf Sky 1. Außerdem habe ich mir über eBay die erste Staffel von The Handmaid’s Tale gekauft und bin schon sehr darauf gespannt.

*** Wie geht’s dem KSC? ***

Bilanz: 4 Spiele, 5 Punkte, Platz 3. Dazu der Einzug ins badische Pokalfinale.

Die Niederlage Anfang des Monats gegen Magdeburg beendete die Hoffnung auf einen direkten Aufstiegplatz. Jetzt geht es nur noch um Platz 3 und damit den Einzug in die ungeliebe Relegation. Am Samstag gegen Tabellenführer SC Paderborn war ich nach knapp drei Jahren mal wieder im Wildpark.

Heraus kam ein 0:0, womit man im Prinzip auch leben kann. In der ersten Hälfte hatte der KSC einige klare Chancen, die zweite Hälfte war dann etwas schwächer. Knapp 17.000 Zuschauer waren da, Saisonrekord bei bestem Fußballwetter.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 3 (Lea Porcelain, Will Varley, Noel Gallagher’s High Flying Birds). Gekaufte Konzerttickets: 2 (Liam Gallagher im November und ja, davor noch einmal Frank Turner, dann aber in Wien). Gekaufte Festivaltickets: 1 (Das Lollapalooza in Paris hat mit einem tollen Line-Up gelockt).

Zunächst mal etwas ganz simplen Radiorock, den es heutzutage aber nicht mehr im Radio gibt: Varvara aus Finnland mit dem Song Identical. So unspektakulär wie nett.

Dann gibt es auch noch ein Lebenszeichen von Spector. Hat sich soundtechnisch jetzt nicht wahnsinnig viel verändert zu ihrem Debut von vor ein paar Jahren, aber muss ja auch nicht. Für den Moment ist der Indiesound mit den Synthies doch immer ganz gut, so wie auch hier bei Fine Not Fine. Gedreht nur mit einem iPhone, heißt es.

*** Foodpic des Monats ***

Heute mal ein Ausflug in die bayerische Küche vom ersten Abendessen im Jahr, dass ich hier im Freien zu mir genommen habe. Im netten Giesinger Bräustüberl gibt es nicht nur gutes Bier, sondern auch gutes Essen. Das hier war das Brauerschnitzel, gefüllt mit Kochschinken und Weißbier-Obatzda. Sehr lecker!

*** Linktipps ***

Ein paar Lesetipps aus den Weiten des Internets:

Interview: The Vaccines: Henning von BestDitches hatte die Vaccines wegen der Veröffentlichung ihres tollen viertel Abums zum Interview.

Eine gewagte, kreative und komplexe Mysteryserie: Nicole liefert euch noch einmal fünf gute Gründe, warum sich das Einschalten von Dark auf Netflix lohnt.

Videodrom: Das Ende vom Ende?: Der Wortvogel mit einem Abgesang auf die Vidoethek, die ihn in seinen jungen Jahren zum blutigen Film gebracht hat

*** Suchanfrage des Monats ***

schweden frauen schön” – Für diese wohl formulierte Anfrage verweise ich einfach auf Alicia Vikander.

Und das war’s für diesen Monat. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

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Live in der Kranhalle: Lea Porcelain & Will Varley

Die Kranhalle gehört zum Münchner Feierwerk und ist eine sehr schöne Konzert-Location. Das Gelände ist gut mit dem Bus zu erreichen, die Linie führt direkt von mir bis zur Tür. Die Halle hat eine sehr angenehme Größe und einen sehr guten Sound, die Bar liegt im Vorraum der Halle und ist einladend groß. Und es hier auch selten ein Problem, nach den Konzerten mit den Künstlern ins Gespräch zu kommen. In diesem Monat war ich gleich für zwei Konzerte hier.

Lea Porcelain (5. April)

Zunächst waren die Frankfurt von Lea Porcelain hier, die im vergangenen Jahr eines meiner Lieblings-Alben veröffentlich hatten. Ich war etwas skeptisch vorher, das muss ich zugeben, ob ihre düstere Musik auch live funktioniert, den Erfahrungen von einigen Post-Rock Konzerten sei Dank.

Aber die Sorgen verflüchtigten sich sehr schnell. Das war sehr gut und ausgesprochen stimmungsvoll. Die Band war aktiv und präsent auf der Bühne und versteckte sich nicht im Halbdunkeln hinter ihren Instrumenten, sondern animierte und ging in der Musik auf. Das Publikum nahm es dankbar an und gab sich der Musik hin. Es war rundherum eine gelungene Angelegenheit.

Unbedingt mal rein hören in diesen Live-Mitschnitt von Out Is In. Wer das mag, mag das ganze Album.

Will Varley (18. April)

Das zweite Konzert war dann vergangenen Mittwoch. Den Abend eröffnete mit Séan McGowan ein Engländer, der nach eigenen Worten Will solange bearbeitete, bis er ihn endlich auf der Tour begleiten durfte. Hatte sich gelohnt, er hatte Spaß an seinem Auftritt und unterhielt das Publikum ganz gut. Kurz danach betrat Will Varley dann schließlich selbst die Bühne, zunächst nur alleine mit seiner Gitarre.

Es wurde ein sehr netter Abend mit kleinen Geschichten rund um seine kleinen Songs. Stellenweise wurde er von einer Begleitband unterstützt, die meiste Zeit stand er aber alleine auf der Bühne. Reicht oft ja auch. Das klingt jetzt langweilig und unspektakulär, aber mehr brauchte es an diesem Abend nicht. Vorne ein netter Singer-Songwriter, unten ein entspanntes Publikum mit ein paar Bier, das ganze in der schönen Location – mehr brauchte es nicht, um einen schönen Abend zu haben.

Nach dem Konzert kaufte ich mir am Merch-Stand noch sein aktuelles Album Spirit of Minnie und ließ es mir dann natürlich auch gleich von Will Varley signieren. Diese unkomplizierte Atmosphäre, das mag ich wirklich an diesen kleinen Konzerten.

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