The Dirty Nil – Live

Am Mittwoch stand mal wieder ein Konzertabend im Münchner Strom an: Die Kanadier von The Dirty Nil riefen und füllten den Club, allerdings nur so halbvoll. Da ein ausverkauftes Strom recht anstrengend sein kann, war das für das Publikum nicht das schlechteste, die Band hätte sich vielleicht nur etwas mehr erhofft, besonders nach ihrem tollen zweiten Album.

Den Abend eröffneten die mir bis dato unbekannten White Trash – aber das machten sie gut, mit ihrem Punksound a la The Clash. Nur manchmal war ich mir nicht sicher, ob sie das wirklich ernst meinten oder doch eher etwas ironisch distanziert. Wie auch immer, die Unterhaltugnsqualitäten blieben unbestritten.

Schließlich dann The Dirty Nil. Und ja, sie spielten zum Glück so gut wie alles von Master Volume, aber auch noch viel von ihrem mir nicht ganz so geläufigen Debutalbum. Die Energie von der Platte konnten sie auch live erzeugen, stimmlich und technisch klang das gut, für Stimmung war gesorgt und der Weg zur Bar kurz. Es war ein tolles Konzert, ein gelungener Abend – auch wenn am Ende etwas das unbestimmte Gefühl blieb, dass sich die Band lieber auf den ganz großen Bühnen sehen würde. Vielleicht schaffen sie ja noch den ganz großen Durchbruch, einige Festival-Auftritte in diesem Sommer könnten dabei helfen.


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Kazuo Ishiguro – Alles, was wir geben mussten (2005)

Den ersten Roman für dieses Jahr habe ich geschafft. Der Dank gilt dabei an Miss Booleana, die mich auf Alles, was wir geben mussten (im Orginal: Never Let Me Go) aufmerksam gemacht hat, dem vielfach gelobten Roman des britisches Autors und Literaturnobelpreisträgers Kazuo Ishiguro. Das Time-Magazin zählt das Werk zu einem der besten englischsprachigen Romane der letzten 100 Jahre. Zu Recht?

Aus dem Klappentext: Ein großer Sportplatz, freundliche Klassenzimmer und getrennte Schlafsäle für Jungen und Mädchen – auf den ersten Blick scheint Hailsham ein ganz gewöhnliches englisches Internat zu sein. Aber die Lehrer, so engagiert und freundlich sie auch sind, heißen hier Aufseher, und sie lassen die Kinder früh spüren, dass sie für eine besondere Zukunft ausersehen sind. Dieses Gefühl hält Kathy, Ruth und Tommy durch alle Stürme der Pubertät und Verwirrungen der Liebe zusammen – bis es an der Zeit ist, ihrer wahren Bestimmung zu folgen

Fazit (Spoiler sind bei diesem Buch leider unvermeidlich): Ishiguro besitzt die seltene Kunst, schwierige Zusammenhänge leicht darzustellen. Er lässt die Geschichte von seiner Protagonistin Kathy erzählen. Kathy plaudert gerne, springt schnell hin und her, schweift ab und deutet zukünftige Ereignisse an. Mit ihr erleben wir ihre Jahre des Heranwachsens, zusammen mit ihren Freunden im Internat Hailsham. Dort wird getuschelt und hinterfragt, Pläne geschmiedet und sich in die scheinbar unbedeutensten Dinge hinein gesteigert. Es ist das Leben eines normalen Kindes und Jugendlichen. Ishiguro verwendet viel Zeit darauf, uns die Heranwachsenden in ihrer Normalität näher zu bringen. Und während man gespannt deren kleinen Abenteuern, Verschwörungen und Herausforderungen folgt, offenbart sich im Banalen ganz beiläufig das Grauen des Internates.

Die Kinder sind Klone und wachsen auf, um später ihre Organe spenden zu können. So werden sie erzogen, der Lauf ihres Lebens ist ihnen von Anfang an klar, auch wenn man in Hailsham nicht gerne darüber spricht. Sie kennen nichts anderes, sie stellen es nicht in Frage, es ist für sie das Normalste der Welt. Nach dem Internat werden sie als Betreuer für andere Spender tätig, bevor sie selbst für ihre erste Spende abgerufen werden. Das Kopfschütteln des Lesers über dieses unvermeidliche Schicksal steht dabei im Gegensatz zur Gleichgültigkeit der Romanfiguren demgegenüber. Für sie steht dieses Los nicht zur Debatte, so ist es und so wird es kommen. Unglaubwürdig? Ein anscheinend unverrückbares Klassensystem gab es immer wieder im Laufe der Menschheitsgeschichte.

Von anderen, großen Dystopien kennen wir stets die Aufrechten, diejenigen, die gegen das unterdrückende System kämpfen. Bei Alles, was wir geben mussten fehlen diese. Hier liest man, wie die handelnden Personen ihren Platz im System eingenommen haben und diesen akzeptieren. Hier offenbaren sich die Mitfühlenden erst ganz sachte gegen Ende der Erzählung. Es gibt keine Identifikationsfigur, die gegen die Gesellschaftsordnung rebelliert, viel mehr als rebellische Teenager treffen wir hier nicht. Aber das funktioniert, wie eine Nebelkerze verdeckt das die eigentliche Tragik, die sich dem Leser erst nach und nach erschließt, aber immer wie ein ungutes Gefühl im Hintergrund wabert.

Es ist eine beeindruckende Erzählung in einer traurigen Gesellschaftsordnung.

Ishiguros Roman wurde bereits unter dem gleichen Namen verfilmt und ist zur Zeit auf Netflix verfügbar. Den werde ich mir in den nächsten Tagen noch anschauen. Er ist hoffentlich ähnlich eindrucksvoll wie das Buch.

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Aus digital wird analog, aus analog wird digital

Wie seit einigen Jahren regelmäßig, habe ich mir nun auch jetzt wieder ein Fotobuch über das vergangene Jahr erstellt. Es war wie immer ein großer Spaß, noch einmal alle Fotos des Jahres durchzugehen und die besten auszuwählen, um mir so meine persönliche Jahreschronik zu basteln. Der Druck und die Lieferung erfolgt über Fotobuch.de innerhalbe weniger Tage.

Von den großen Urlauben bis zu den kleinen Schnappschüssen, es gibt so viel, was man aufheben möchte. Das Buch hat man später doch öfter in der Hand, als man sich die vielen Fotos digital noch einmal anschaut. Und ist auch schneller Freunden gezeigt, bevor man sie mit dutzenden Fotos des selben Sonnenuntergangs quält.

Außerdem habe ich mir für dieses Jahr noch ein anderes Projekt vorgenommen: Alte Fotos digitalisieren. Seit ich eine Digitalkamera habe, habe ich ein Archiv auf meinem Computer mit allen relevanten Bildern. Für die Jahre davon habe ich dagegen so gut wie nichts. Aus der frühsten Kindheit haben meine Eltern sehr viele Fotos – bei Bildern aus der Schulzeit oder dem Studium wird es dagegen dünn. Teilweise sehr dünn. Einen kleiner Stapel an alten Fotos hatte ich bereits hier in meiner Wohnung. Davon habe ich nun viele digitalisiert, im Schreibwarenladen um die Ecke, hat keine 5 € gekostet und ging super schnell.

Weitere Fotos werde ich mir dann auf meinen nächsten Heimatbesuchen organisieren müssen. In meinem alten Zimmer sind auf jeden Fall noch Fotoalben (also die klassischen, mit eingeklebten Bildern) aus dem Kindergarten und der Einschulung. Meine Eltern sollten noch mehr im Schrank haben.

Spanned wird es auch zu sehen, ob die Abi-CD mit den Bildern und Videos aus der Schulzeit noch funktioniert. Die selbstgebrannten CDs sollen ja keine ewig lange Haltbarkeitszeit haben. Die CD liegt noch zu Hause, in ein paar Wochen werde ich es wissen.

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