Joe R. Lansdale: Ein feiner, dunkler Riss (2002)

Für Roman Nummer Drei in diesem Jahr habe ich auf einen mir bekannten Autor zurück gegriffen: Den amerikanischen Schriftsteller Joe R. Lansdale, von dem ich vor einigen Jahren bereits Die Wälder am Fluss und die Kurzgeschichtensammlung Straße der Toten um einen schießwütigen Priester im Wilden Westen gelesen habe. Nun stand sein Roman Ein feiner dunkler Riss aus dem Jahr 2002 an.

Klappentext: East Texas, 1958. Bis vor kurzem glaubte der dreizehnjährige Stanley noch an den Weihnachtsmann. Im Laufe eines einzigen heißen Sommers erfährt er jedoch mehr über die Welt jenseits seiner Superheldencomics und des elterlichen Autokinos, als ihm lieb ist. Stans Welt ist von Gewalt geprägt: Sein bester Freund wird zu Hause verprügelt, die Küchenhilfe lebt bei einem gewalttätigen Mann, und selbst Stans Vater wird handgreiflich, wenn es um die Familienehre geht – zum Beispiel gegen übereifrige Verehrer von Stans siebzehnjähriger Schwester. Das einzige Gegenprogramm liefern das Autokino von Stans Vater und die faszinierenden alten Geschichten um ein Spukhaus auf dem Hügel, einen kopflosen Geist am Bahndamm und zwei in ein und derselben Nacht ermordete Mädchen. Begleitet von seinem treuen Hund Nub und unterstützt von dem mürrischen schwarzen Filmvorführer und Ex-Polizisten Buster, beginnt Stan, Detektiv zu spielen – ohne zu ahnen, worauf er sich da eingelassen hat.

Fazit: Das Buch wiederholt relativ offensichtlich das Schema von Die Wälder am Fluss bzw. greift ihm eigentlich voraus, ist Ein feiner dunkler Riss doch deutlich früher erschienen. Ein kleiner Junge rutscht in einen Kriminalfall hinein, der ihm die Augen vor der Welt der Erwachsenen öffnen lässt. Rassentrennung, Geschlechterdiskriminierung, körperliche Gewalt, all das wird ihm jetzt erst richtig bewußt.

Die Epoche, die Lansdale beleuchtet, ist dieses Mal jedoch eine andere, aber auch das Texas der 1950er Jahre erweckt er zum Leben und erschafft eine stimmige Atmosphäre. Das er dabei bei den Figuren auf bekannte Klischees zurück greift und der Kriminalfall nicht ganz so klar heraus gearbeitet ist – geschenkt. Der flüssige Schreibstil, die sympathischen Figuren und das interessante Setting sorgen für einen guten Lesegenuss fernab der Hochkultur. Für Fans des Schriftstellers lohnt sich auch dieses Werk, für Neueinsteiger würde ich dagegen eher das noch etwas bessere Die Wälder am Fluss empfehlen.

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Konzertfrühling II: Mumford & Sons / Spanish Love Songs / Dave Hause

Und weiter ging es mit den vielen Konzerten. Die letzten anderhalb Wochen brachten noch einmal drei Stück – von ziemlich groß bis ziemlich klein.

Mumford & Sons (Olympiahalle)

Sehr euphorisch hatten wir uns die Tickets gekauft, als der Vorverkauf für Mumford & Sons los ging. Dann kam das neue Album raus und die Euphorie ließ deutlich nach – obwohl ich sie vor zwei Jahren auf dem Lollapalooza wirklich gut fand. Nun waren wir also in der Halle, schön bei unseren Sitzplätzen, weil die Stehplätze so schnell weg waren, und waren uns nicht so sicher, ob das eine Idee gewesen war. Wenigstens war die Sicht schon mal gut.

Und dann ging das Konzert los und schwankte zwischen fantastischen Stücken (Little Lion Man und I Will Wait sind nach wie vor großartig und die Halle flippt verlässlich dazu aus, aber auch zu vielen andere der alten Sachen) und einigen zähen Passagen – das waren dann die Lieder von den letzten beiden Alben. Traurig zu sehen, wie sie ihren eigenen Sound zu einem beliebigen Pop-Rock-Mix aufgegeben haben. Die Band selbst gab auf der Bühne alles, aber die Funke wollte bei den neueren Sachen nicht rüber springen, jedenfalls nicht bis zu unseren Plätzen.

Spanish Love Songs (Backstage)

Deutlich kleiner war es dagegen bei Spanish Love Songs, einer Punkrock-Band mit irreführendem Namen, die im kleinen der Backstage-Räume aufgetreten sind. Gleich drei Vorbands hatten sie mit dabei, was schlimmes befürchten ließ, aber dann doch einen stimmigen Rahmen bildeten. Die erste Band schenkten wir uns, aber The Hard Aches und Pkew Pkew Pkew waren richtig gut und hatten jeweils auch schon einige Fans dabei.

Das Publikum war durch die Vorbands schon aufgeheizt, da hatten Spanish Live Songs leichtes Spiel. Direkt von Anfang an ging es vor der Bühne recht sportlich zu und sollte sich so auch bis zum Ende halten. Ihr Album mit dem lyrischen Namen Schmaltz geht halt recht gut. Melodischer Punkrock, schon oft gehört, aber niemals genug. Die Karte für den Abend kostete 16€ und dafür bekam man gleich 3 gute Bands (weil wir uns die vierte vorab schenkten). Das ist doch mal ein Preis-Leistungs-Verhältnis!

Dave Hause & The Mermaids (Backstage)

Ein paar Tage später ging es gleich noch einmal ins Backstage, dieses Mal in die etwas größere Halle: Dave Hause war da mit seiner Begleitband (und seinem Vater, der für einige Songs mit auf die Bühne kam). Als ich ihn das letzte Mal gesehen hatte, war er als Support für Brian Fallon nur mit seinem Bruder unterwegs und spielte eher akustisch, dieses Mal also wieder mit voller Kapelle.

Und mit den Songs vom neuen Album, welches ich bis dato noch nicht kannte. Gefährliche Sache auf einem Konzert, so halb unvorbereitet zu kommen. Und so war es dann auch, immer nett, immer mit vollem Einsatz auf der Bühne, aber manchmal auch etwas gefällig. Die Stimmung in der Halle hatte ich bei ihm auch schon etwas besser gesehen. Ähnlich wie bei Mumford & Sons überzeugten die neuen Songs nicht völlig, bei den älteren Sachen war deutlich mehr Leben im Publikum. Mit den Höhepunkten dann in der Zugabe: We Could Be Kings und Dirty Fucker als Abschluß. Wäre davon etwas früher gekommen, wäre der Funke vielleicht noch etwas mehr über gesprungen.

Die lange Nacht der Musik 2019

Und damit noch nicht genug: Nach einigen Jahren war ich auch mal wieder auf der wie immer gut besuchten langen Nacht der Musik. Eine schöne Veranstaltung, welche die unterschiedlichsten Musikstile in den verschiedensten Locations zusammen bringt und man so einen sehr abwechslungsreichen Abend haben kann. Wir waren bei Chören im Müllerschen Volksbad, hörten traditionalle Volksmusik in einem Wirtshaus, Jazz in einer Bar und ein paar Rock-Coverbands. Die Mischung macht’s!

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Der Monatsrückblick April 2019

Es war einiges los im April. Der Frühling ist angekommen in Deutschland und entpuppte sich an manchen Tagen schon als kleiner Sommer. Hinderte mich nicht daran, mir meine jährliche Erkältung zu nehmen. Ich bin immer noch ganz verliebt in den neuen Fernseher und zähle die Tage bis zum Urlaub ab Mitte Mai. Vorher aber noch der Rückblick über den April.

*** Foto des Monats ***

Der Frühling hat Einzug gehalten und an Ostern gab es das perfekte Wetter für einen Spaziergang in der Gegend. Das Foto hier ist in der Nähe der Blutenburg entstanden.

*** Filme ***

Das Fantasy Filmfest war auf seinem Frühjahrsgastspiel in der Stadt und unterhielt ein Wochenende lang. Ich sah mir zwei Filme an, die Ausbeute war allerdings eher durchwachsen. Abseits vom Filmfest gab es noch eine eindrucksvolle Dokumentation zu sehen.

The Angel (Fantasy Filmfest Nights) – 7 von 10

Argentinien in den 70ern. Carlos “El Angel” (Lorenzo Ferro) ist 17 und klaut sich mit seinem Kumpel Ramón (Chino Darín) durch die Villen Buenos Aires. Nicht, um sich zu bereichern, sondern um seinen persönlichen Freiheitsdrang auszuleben. Als er dann mehr beiläufig seinen ersten Mord begeht, sollten noch viel weitere folgen. Er kennt keine Moral, seine Gleichgültigkeit erschreckt sogar Weggefährten. Ich muss zugeben, ich hatte zunächst einen anderen Film erwartet. Brutal, schonungslos, direkt. Das ist der Film nicht. Stattdessen ist er sehr stylisch, hat gute Musik, ist manchmal etwas skurril und bietet eine unerwartete Leichtigkeit – und spiegelt damit perfekt das Wesen von Carlos, dem Serienmörder mit dem Engelsgesicht, wieder.

Free Solo 8 von 10

Die Dokumentation zeigt, wie der Freikletterer Alex Honnold ohne Seil und technischen Hilfsmittel den 1000m hohen Granitfelsen El Capitan im Yosemite National Park bezwingt, incl. der Vorbereitungen auf diese wahnwitzige Mission. Der Film liefert beeindruckende Bilder der Mission und des Berges und sorgt teilweise für Kopfschütteln beim Zuschauer. Wie kann sich jemand auf dieses verrückte Wagnis einlassen? Und wie egoisitisch ist es, auch noch seine Freunde mit zu involvieren, dass sie ihn dabei filmen? Dass Honnold hier nicht als mutiger Held verherrlicht wird, ist der Dokumentation hoch anzurechnen, sie versucht, ihn kritisch zu hinterfragen und lässt auch seine Freunde zu Wort kommen, die mit ihm oder durch ihn leiden. Honnolds Sozialkompetenz wird öfter in Frage gestellt – das hilft, eine kritische Distanz zu wahren. Andererseits fehlt dadurch auch etwas die emotionale Bindung des Zuschauers an den Kletterer. Am Ende bleibt es eine gewaltige Dokumentation mit atemberaubenden Bildern.

Nightmare Cinema (Fantasy Filmfest Nights) – 5 von 10

Finger weg von Episodenfilmen! In diesem hier landet fünf Fremde nacheinander im schrägen Kino von Mickey Rourke und bekommen ihren ganz persönlichen Alptraum gezeigt. Der Film kämpft sich durch die verschiedensten Horror-Genres, ohne ihnen groß etwas Neues abgewinnen zu können. Am meisten überzeugt da noch das schwarz-weiß Stück um Elizabeth Reaser als sorgende Mutter. Ebenfalls okay ist noch Richard Chamberlain als Schönheitschirurg des Grauens. Sonst gibt es noch eine abgrundtief schlechte Episode um einen Prieser (Maurice Benard) und bessene Kinder und eine Episode um einen Jungen, der in einem Krankenhaus tote Menschen sehen kann. Die fünfte Episode, die eigentlich den Auftakt bildet, kann wenigstens noch mit einem Augenzwinkern über das Slasher-Genre leidlich unterhalten. Das war’s, mehr ist es nicht und das man sich nicht mal die Mühe macht, die Filmchen etwas mehr zu verbinden, gibt dem Ganzen dann den Rest.

Sonstso – In der heimischen Flimmerkiste gab es, von alt nach jung sortiert:

Ein Klassiker: Der dritte Mann (1949, 3Sat) konnte man gut gucken und bot schöne, alte Bilder aus Wien. Leider gelang in der Synchro der Wechsel zwischen den (im Original) englischen und deutschen Dialogen nicht so wirklich.

Und noch ein Klassiker: 2001 – Odysee im Weltraum (1968, Sky Cinema Nostalgie)! Episch, visionär, bildgewaltig – aber leider auch immer noch mega-langweilig.

Der zweite Kinofilm mit Captain Piccard (Patrick Stewart) und seiner Crew bleibt der Beste seiner Generation: Star Trek – Der erste Kontakt (1996, Syfy) bietet Action, Epik und Humor – hat aber auch einige Lücken in der Geschichte, die man der aktuellen Serie um die Ohren hauen würde.

Auch nicht so schlecht war Star Trek – Der Aufstand (1998, Syfy), in dem die Crew erst einmal den scheinbar außer Kontrolle geratenen Data (Brent Spiner) auf einem fremden Planeten wieder einfangen muss. Der Film hat eine klassische und große Star Trek Story im Kern und auch etwas Humor, wirkt aber immer nur wie eine aufgeblasene TV-Episode.

Brimstone (2016, Sky Cinema) war ein Rache-Western mit Dakota Fanning und Guy Pearce. ein Streifen, wie ein verfilmter Groschenroman. Man bekommt das, was der Film verspricht, mehr ist es nicht.

Ant-Man and the Wasp (2018, Sky Cinema) war eine nette Fortsetzung. Einer der unspektakulären, aber sympathischeren Marvel-Filme.

Als einer der besten Horrorfilme der letzten Zeit entpuppte sich Hereditary – Das Vermächtnis (2018, Sky Cinema), und das ohne billige Schockeffekte. Aber Toni Collette macht das Grauen, das über ihre Familie hinein bricht, für den Zuschauer unangenehm spürbar.

*** Serien ***

Nach dem ich mich in den letzten Monaten eher auf neue Staffeln von alten Serien konzentriert habe, sind dieses Mal auch ein paar brandneue Serien in meinem Korb gelandet. Machen sie ihre Sache besser als die altbekannten Kandidaten? Es gibt Zombies, es gibt Raumschiffe, es gibt 80er Jahre Punks und es gibt…

Die Conners (Staffel 1 / 11 Folgen – Disney Channel) – 7 von 10

Die Conners sind zurück! Nach dem man die alte Hauptfigur hat sterben lassen, steht nun Darlene (Sara Gilbert) als alleinerziehende Mutter im Mittelpunkt der Handlung. Zusammen mit ihrem Vater Dan (John Goodman), ihrer Schwester Becky (Lecy Goranson) und ihrer Tante Jacky (Laurie Metcalf) versucht sie, über den Verlust ihrer Mutter hinweg und über die Runden zu kommen. Nach einem etwas schleppenden Start steigert sich die Staffel, so dass man Roseanne eigentlich fast gar nicht vermisst. Das ist mehr als nur alter Retro-Charme.

Deadly Class (Staffel 1 / 10 Folgen – Syfy) – 7 von 10

Außenseiter Marcus (Benjamin Wadsworth) versucht sich in seiner kalten und abweisenden Welt zurechtzufinden. Er steckt voller Zorn, zumal er sich auf den Straßen San Franciscos alleine durchschlagen musste – zumindest, bis er von einer High School für Attentäter rekrutiert wird. Ein gnadenloser Lehrplan und gemeingefährliche Cliquen (u.a. Lana Condor, Liam James und Maria Gabriela de Faria) warten dort auf ihn. Die Comic-Verfilmung ist in den 1980er Jahren angesiedelt, tobt sich in den Subkulturen der Zeit aus und braucht etwas, um in die Gänge zu kommen. Dann macht es aber wirklich Spaß zu sehen, wie sich die jungen Außernseiter der Gesellschaft zusammen finden. Hier ist vor allem der erste Besuch von Marcus auf einer Punk-Party zu nennen. Die Serie hat auch das nötige Maß an Brutalität und Skurilität, um sich von der Masse abzusetzen, ohne dabei zu einem beliebigen Trash-Format zu verkommen. Kann man sich mal anschauen, auch wenn das Staffelfinale etwas verhauen war.

Die Enterprise (Staffel 2 / 6 Folgen – Netflix) – 6 von 10

Für die zweite Staffel der Zeichentrickserie wurden noch einmal eine handvoll Episoden nachgeschoben, die sich aber nicht weiter von der ersten Staffel unterscheiden. Die Macher kreieren phantasievolle Welten, die von Captain Kirk und seiner Crew gerettet werden müssen. Austauschbar, wobei die Abschlußepisode, mit dem Universum, in dem die Zeit rückwärts läuft, ein wirklich interessantes Konzept hatte. Spock erwähnt seine Halbschwester allerdings nie.

Kingdom (Staffel 1 / 6 Folgen – Netflix) – 8 von 10

Im mittelalterlichen Korea scheint der König an einer seltsamen Krankenheit erkrankt. Manche sagen sogar, er wäre tot. Kronprinz Chang (Ju Ji-Hoon) macht sich auf die Suche nach dem behandelten Arzt und stößt dabei auf ein von einer Seuche befallenen Ort und auf ein Kraut, dass angeblich Tote zum Leben erwecken kann. Die südkoreanische Produktion haucht den Zombie-Serien wieder neues Leben ein. Endlich gibt es mal wieder die rennenden Untoten zu sehen und nicht nur die Schleicher. Die Serie ist vom Anfang des Ausbruchs dabei und schmeißt den Zuschauer nicht einfach in eine apokalyptische Welt. Dadurch zieht auch die Spannungsschraube kontinuierlich an. Nach ersten ruhigeren Episoden wird der Action-Anteil immer weiter gesteigert. Das ganze ist eingebettet in eine wunderschön anzusehende Landschaft mit herrlicher Wäldern und prunkvollen Palästen. Die Story selbst ist zwar nicht besonders innovativ, dafür aber konsequent erzählt und auch kompatibel mit allen, die sonst nur amerikanische oder europäische Produktionen gewohnt sind.

Merz gegen Merz (Staffel 1 / 8 Folgen – ZDF) – 5 von 10

Anna (Annette Frier) und Erik Merz (Christoph Maria Herbst) wollen sich, nach vielen Jahren der Ehe, nun endgültig trennen. Ganz so einfach ist es aber nicht, ist Erik doch auch ein wichtiger Mitarbeiter in der Firma seines Schwiegervaters (Michael Wittenborn). Als bei ihm eine Demenz diagnostiziert wird, würde er Erik am liebsten die Firma ganz überlassen, sehr zum Missfallen von Anna. Die neue Serie von Ralf Husmann will vieles schaffen, wirkt am Ende aber zu konstruiert, mit platten Nebenfiguren, vorhersehbaren Handlungen und einer Bürowelt, die so nur einer schreiben kann, der nie in einem Büro gearbeitet hat. Sicher hat die Serie ihre Momente – das Abendessen mit den Schwaben zum Beispiel – und Frier und Herbst retten einiges, das reicht aber nicht.

Star Trek: Discovery (Staffel 2 / 14 Folgen – Netflix) – 7 von 10

Der Discovery fehlt ein Captain, dafür ist Pikes (Anson Mount) Enterprise grade beschädigt – warum also nicht mal kurz das andere Schiff befehligen? Pikes Wissenschaftsoffizier Spock (Ethan Peck) -  Burnhams (Sonequa Martin-Green) Halbbruder – ist verschwunden, grade jetzt wo verschiedene Signale, meist begleitet von einem roten Engel, im Universum immer wieder auftauchen und die Discovery ihnen folgt wie einer Spur aus Brotkrumen. Was verbirgt sich dahinter? Auch die Sektion 31 macht sich auf die Suche nach Mister Spock und dem roten Engel. Discovery ist die zur Zeit vielleicht optisch eindrucksvollste Serie auf dem Markt und fährt dabei besonders zum Staffelfinale noch einmal alles auf, was es gibt. Glücklicherweise spielen die Klingonen aus der ersten Staffel so gut wie keine Rolle mehr, die Sektion 31 hat in Gestalt von Leland (Alan van Sprang) die Rolle des Gegenspielers eingenommen, allerdings leider mit ähnlich fehlender Tiefe. Die meisten Folgen unterhalten gut, man darf die Geschichten nur nicht zu sehr hinterfragen. Wenn man etwas von dem Zuckerguß abkratzt, wird es oft doch etwas dünn und es offenbaren sich einige Logiklücken – dazu braucht es nicht einmal die mächtige Star Trek Hintergrundgeschichte. Leute sterben und kommen wieder, tauchen mal hier und dann wieder dort am anderen Ende des Universums auf und der arme Captain Pike kommt selten dazu, selbst etwas zu entscheiden, weil es ständig jemand besser weiß. Und wie man am Ende versucht, die Geschehnisse in das große Star Trek Universum einzubetten ist schlicht lächerlich. Das ist hochwertig produziert, aber lieblos geschrieben. Und wenn man sich am Ende wünscht, lieber eine Staffel mit Pike und Spock auf der Enterprise zu sehen anstelle einer dritten Staffel von Discovery, dann hat es die Crew nicht geschafft, nachhaltig Interesse an ihr zu wecken. Geguckt wird es aber trotzdem, es ist Star Trek, es ist nicht schlecht – die Erwartungshaltung ist aber eine andere.

Der Tatortreiniger (Staffel 6 / 3 Folgen – Netflix) – 7 von 10

Alles wie immer: Schotty (Bjarne Mädel) schrubbt die Tatorte sauber und findet dabei immer jemanden zum reden. Ganz ehrlich, will er nicht auch mal etwas früher Feierabend machen und sich nicht festquatschen? So trifft er dieses Mal auf eine Consultingfirma, eine Schwangere (Sandra Hüller) und einen erfolglosen Clown (Bastian Reiber). Das ist gut und solide, der Überraschungseffekt fehlt allerdings in dieser kurzen Staffel.

The Walking Dead (Staffel 9 / 16 Folgen – FOX Serie) – 6 von 10

Nach der von Fans und Kritiker ziemlich verissenen Vorgängerstaffel musste sich bei den Zombies etwas ändern – und das tat es auch. Die Spirale der Gewalt zwischen den Menschen wurde durchbrochen und die Überlebenden richten sich in ihren Gemeinschaften ein. Das tut der Serie gut, allerdings merkt man in der Ruhe erst, dass die übrig gebliebenen Charaktäre nicht so viel zu erzählen haben. In dieser Staffel werden gleich zwei größere Zeitsprünge gemacht und es passiert episches: Rick (Andrew Lincoln) steigt aus der Serie aus und man trifft auf die Flüsterer unter der Führung von Alpha (Samantha Morton). Diese beiden Eckpunkte sind gelungen: Der Abschied berührt und die neuen Gegner werden äußerst gruselig und geheimnisvoll eingeführt. Der neue Konflikt gipfelt dann in einem großen Finale, wo sich das Blutige wirkungsvoll abseits der Kamera abspielt. Leider ist die Staffel dazwischen weiterhin behäbig, soapig, legt Negan an die Kette (Jeffrey Dean Morgan) und lässt manche Figuren handeln, dass es jedem Teenie-Slasherfilm freuen würde. (Etwas euphorischer ist man dagegen bei goingtothemovies)

Der Ausblick auf den Mai: Gleich am 1. geht es auf Syfy mit der zweiten Staffel von Marvel’s Runaways weiter. In neuer Besetzung wird ab dem 14. in der dritten Staffel bei Lethal Weapon auf Sat 1 ermittelt. Gomorrha ist mit der mitterweile 4. Staffel auf Sky Atlantic zurück, zu sehen ab dem 23. Und ganz Neues gibt es auch: Auf Sky Atlantic kann man ab dem 14. die Mini-Serie Chernobyl sehen und ab dem 24. die Serienversion von Der Name der Rose. Aber da bin ich schon im Urlaub.

*** Wie geht’s dem KSC? ***

Bilanz: 4 Spiele, 10 Punkte, Platz 2.

Mit 9:1 Toren hat sich der KSC im April geschlagen, was souveräner klingt als es war. Das sogenannte Matchglück war oft auf Seiten der Karlsruher. Aber man will sich ja nicht beschweren und so wurde Platz 2 gefestigt und läßt sogar noch Platz für einen Ausrutscher in den letzten drei Partien der Saison. Mitarbeiter des Monats: Christoph Kobald. Der junge Defensivspieler konnte sich auch dank seines wichtigen Tores gegen Meppen in der Startelf fest spielen.

*** Spiel des Monats ***

Bundesliga: 31. Spieltag – Fernduell Bayern München – Borussia Dortmund

Was für ein verrückter Spieltag! Zunächst die epische Niederlage von Borussia Dortmund im Derby gegen Schalke, incl. eines umstrittenen Elfmeters und gleich zwei Platzverweisen für Dortmund in wenigen Minuten. Dann hat Bayern München in seinem Derby gegen den 1. FC Nürnberg die Chance, die Meisterschaft für sich vorzuentscheiden und kommt nicht über ein 1:1 hinaus. Dazu zwei Aufreger in der Nachspielzeit: Zunächst verschießt Nürnberg denkbar knapp einen Strafstoß, dann läuft Coman auf der anderen Seite alleine auf das gegnerische Tor zu und scheitert. Die Meisterschaft bleibt weiterhin offen.

*** Ausgefallener Post des Monats ***

Kurzfristig (das heißt eine Stunde vorher) bin ich in diesem Monat noch zum Folks-Festival im gleichnamigen neuen Münchner Club gekommen. Ein Abend mit gleich drei Münchner Bands. Den Anfang macht der Singer-Songwriter Lias. Nicht schlecht, zum Glück nicht die weinerlicher Variante von Singer-Songwriter sondern die bierselige. Wenn er noch etwas mehr zwischen den Songs erzählen kann, könnte das noch was werden. Danach kam das Duo Umme Block auf die Bühne, die durch einen sehr individuellen Sound punkten konnten. Ich weiß gar nicht, wie ich den am Besten beschreiben kann, deshalb vielleicht nur so viel: Sie könnten gut in Twin Peaks auftreten. Den Abschluß bildeten schließlich Ni Sala, eine ganz klassische Rockband. Öhne Schnörkel, ohne Kunststudium, sie machen einfach Spaß. Ich hatte sie schon einmal irgendwo als Vorband gesehen, den guten Eindruck konnten sie hier bestätigen. Kann man im Auge behalten. Insgesamt eine gute Mischung an diesem Abend, ohne Ausfall.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 3 (Beans On Toast, Press Club, Lea Porcelain) und das eben genannte Mini-Festival. Gekaufte Konzerttickets: 0.

Die Australierin Courtney Barnett meldet sich mit Everybody Here Hates You zurück. Nachdem ich mit ihrem letzten Album nicht so richtig warm geworden bin, gefällt mir das hier wieder deutlich besser.

Für den zweiten Tipp sollte man etwas Zeit mitbringen: The Pirate Ship Quintet aus Bristol machen Post-Rock in der diesem Genre gebührenden Ausführlichkeit. In Emitter, dem Titeltrack des gleichnamigen Albums, haben sie gekonnt ein Saxophon mit eingebaut, das in den 12 Minuten sein Unwesen treibt. Man muss sowas mögen, um Spaß daran zu haben. (Mit Dank an plattentests.de für den mal wieder guten Tipp)

Und das war’s für diesen Monat. Es war viel episches dabei, wie mir jetzt noch einmal beim Korrekturlesen aufgefallen ist. Scheint mein neues Lieblingswort zu werden. Nunja. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und tanzt schön in den Mai.

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