KW 15/2026: Das Lied des Propheten, Planet der Affen, Toxic Town, Ghosts (US), The Fans Strike Back, Jurassic World: Die Wiedergeburt und Christian Eichner
Happy Sunday!
Eh klar. Wenn der mediale Wochenrückblick in der Vorwoche tendenziell etwas kürzer ausgefallen ist, dann schlägt er in dieser Woche mit voller Wucht zurück. Gleich zwei Neuner gibt es! Deshalb geht es ohne viel Geschreibsel sofort in die Vollen – aus Gründen der Aktualität aber in ungewohnter Reihenfolge. Viel Spaß!

Gesehene Spiele in dieser Saison: 28 von 29 Liga-Spielen = 97%. (Saison 2024/25: 85%)
Was sich in den letzten Monaten verhalten abzeichnete, wurde in dieser Woche nun öffentlich gemacht: Christian Eichner wird nach über sechs Jahren ab Ende dieser Saison nicht mehr Trainer des KSC sein. Damit wird das Aushängeschild des Vereins, derjenige, der den KSC in den letzten Jahren in der zweiten Liga wieder etablieren konnte, den Verein verlassen. Sportlich kann man das durchaus nachvollziehen. Die Leistungen haben in dieser Saison oft nicht gestimmt, es gab eine ganze Reihe an deutlichen Niederlagen, das gab es in den Vorjahren eigentlich nie. Das lag in diesem Jahr nicht immer nur an der Qualität, sondern man bekam den Eindruck, dass das Team sein Potential oftmals nicht abrufen konnte. Die Abwehr bekam Eichner in all den Jahren nie wirklich dicht, in dieser Saison kamen Probleme in der Offensive dazu: Lange Verletzungen der Leistungsträger Ben Farhat und Egloff, kein Glück mit den frisch ausgeliehenen Simic, Fukuda und Opitz – und so fand sich Schleusener immer wieder als erster Stürmer wieder, obwohl man ihn eigentlich schon in die unteren Ligen abgeben wollte. Eichner setzte immer gerne auf erfahrene Stammkräfte und baute die jungen Spieler drumherum. Das war nicht der Weg des Vereins, denn der will sich über Transfererlöse sanieren. Hier kriselte es immer wieder zwischen Eichner und der Geschäftsführung. Dazu nahmen sich in dieser Saison die erfahren Achse des Teams einige Formkrisen: Franke und Jung, selbst der ewige Wanitzek wirkte teilweise überspielt. Sportlich lässt sich die Trennung also halbwegs begründen, die Ära Eichner erschien in manchen Spielen auserzählt. Was dagegen jedoch noch schwerer wiegt: Der KSC verliert mit Christian Eichner eine seiner größten Identifikationsfiguren und Sympathieträger, das Gesicht des Vereins. Das zu ersetzen wird schwer. Sportvorstand Mario Eggimann, zwar ein verdienter Spieler, in der neuen Rolle aber öffentlich noch recht blass, muss nun einen bezahlbaren Nachfolger finden, der vom Start weg eine gewisse Aufbruchsstimmung erzeugen und das Team weiterentwickeln kann. Das bedeutet aus meiner Sicht: Es muss in Richtung oberes Tabellendrittel gehen, sonst war dieser Schritt unnötig und hinterlässt im gesamten Verein nur Scherben. Eggimann muss in Bezug auf Trainer und Kader im Sommer liefern – bisher bin ich skeptisch, ob er das packt. (Bild: Symbolfoto)

Das Heimspiel am Freitagabend gegen Arminia Bielefeld war der Beginn von Christian Eichners Abschiedstournee. Die erste Halbzeit war erneut ziemlich schwach, genau wegen solcher Auftritte ist ein neuer Impuls im Team nicht verkehrt. Bielefeld, der Abstiegskandidat, mit mehr Ballbesitz und Biss und führte schnell mit 1:0. Ein Konter, Ben Farhat mit starkem Abschluß, brachte den schmeichelhaften Ausgleich. In der zweiten Hälfte übernahm der KSC mehr die Kontrolle und ging durch einen Distanzsschuß von Kobald in Führung. Wanitzek und Fukuda erhöhten auf 4:1. Ein überraschend hoher Sieg! Dieser machte die 40 Punkte voll, womit der Klassenerhalt wohl nun endgültig sicher sein sollte.

Auf einmal war es an den Osterfeiertagen frühlingshaft, mit teilweise fast schon sommerlichen Temperaturen. Und so traf ich mich am Ostermontag äußerst spontan nach dem Besuch der Ausstellung (dazu weiter unten mehr) zur ersten Biergarten Session des Jahres. Auf dem Weg in den Hirschgarten bin ich dabei an dieser schönen Blütenpracht vorbei gekommen.


Paul Lynch – Das Lied des Propheten (Irland, 2023) – 9 von 10
Klappentext: An einem regennassen Abend in Dublin öffnet die Wissenschaftlerin und vierfache Mutter Eilish Stack ihre Haustür und steht zwei Beamten der neu gegründeten irischen Geheimpolizei gegenüber. Sie sind gekommen, um ihren Mann Larry, einen bekannten Gewerkschafter, zu verhören. Kurz nach dieser Begegnung verschwindet Larry, und sehr schnell beginnen die Dinge in Eilishs Welt aus dem Ruder zu laufen. Irland befindet sich in der Gewalt einer Regierung, die auf dem Weg in die Tyrannei ist. Eilish findet sich in der alptraumhaften Logik einer kollabierenden Gesellschaft wieder, angegriffen von unsichtbaren Kräften, die sich ihrer Kontrolle entziehen. Sie ist gezwungen, alles zu tun, um ihre Familie zu schützen und alle zusammenzuhalten. Wie soll sie ihren Kindern erklären, was passiert ist, wenn sie nach dem Vater fragen? Wie wird ihr eigener zunehmend dementer Vater auf die gravierenden Veränderungen seines Alltags reagieren? Und wie weit wird Eilish selbst gehen, um sich und ihre Familie zu retten?

Review: Wow – was für ein Roman! Eine Geschichte aus einem Alptraum, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Eilish und ihre Familie geraten immer tiefer in den Abgrund, werden schuldlos in den Schlund der Hölle hinein gezogen, ohne es in irgendeiner Form befeuert zu haben. Wenn der Staat keine Grenzen mehr zu kennen scheint und die Gegenbewegung mehr Krieg spielen möchte als zu helfen, was kann sie dagegen tun? Die Erzählung ist sehr nah dran an Eilish, durch ihre Augen sieht man, wie das Grauen langsam in den Alltag einsickert. Was sie lange vor sich selbst leugnet, wird immer mehr zur Gewissheit. Man wagt kaum weiterzulesen, welches Schicksal noch auf sie und ihre Familie einstürzen wird. Interessanterweise hat Autor Paul Lynch laut eigenen Aussagen mit dieser Geschichte nicht versucht, die Auswüchse von aktuellen Systemen mit totalitärem Anspruch in die Zukunft zu projezieren, sondern hat tatsächliche Ereignisse aus Ländern wie Syrien fiktiv bearbeitet und nach Irland verlegt um zu zeigen: Es passiert jetzt alles schon, das ist die Realität vieler Geflüchteter. Auch für den Lesenden ist das Buch eine Herausforderung. Lange Sätze ohne Absatz, Dialoge versteckt im Fließtext – entweder man schwimmt mit im Lesefluß, oder man geht unter. Das wäre schade, denn es lohnt sich. Es ist ein nachhallendes Leseerlebnis.

Ghosts (Staffel 3, 10 Folgen, USA, Sky on Demand) – 7 von 10
Während ich bei der zweiten Staffel (7/10) noch etwas überlegen musste, ob ich der Serie die höhere Punktzahl geben sollte, war das in dieser Staffel ein Selbstläufer: Ein klarer Kandidat für die sieben Punkte. Die Komprimierung auf nur 10 Episoden tat der Serie gut, es gab einen deutlich engeren Zusammenhalt zwischen den Folgen, die einige Weiterentwicklungen, vor allem für die Geister, mit sich brachten. Zentrales Thema ist die bevorstehende Hochzeit zwischen den beiden Geistern Captain Higgintoot (Brandon Scott Jones) und Nigel (John Hartmann), aber auch die anderen Geister bekommen einiges zu tun. Es ist überhaupt eine der Stärken der Serie, dass sie den breiten Cast auch sehr ausgeglichen nutzt. Das hält sie weiterhin nett und sympathisch – für mehr reicht es meiner Meinung nach aber weiterhin nicht.
Toxic Town (Staffel 1, 4 Folgen, UK, Netflix) – 8 von 10
In der Stadt Corby häufen sich die Fälle von Säuglingen mit körperlichen Beeinträchtigungen. Die Mütter (u.a. Jodie Whittaker und Aimee Lou Wood) wollen mit Hilfe des Anwalts Collins (Rory Kinnear) beweisen, dass die Fehlbildungen auf toxische Substanzen zurückzuführen sind. Altlasten, welche die Stadt nicht richtig entsorgt hatte. Die Serie beruht auf einem wahren Fall und ist mit einem großen, britischen Staraufgebot inszeniert. Neben den oben genannten gehören auch noch Brendan Coyle und Robert Carlyle zum Cast. Die zurückhaltende und spröde Inszenierung wird dabei dem tragischen und schwierigen Thema durchaus gerecht, die reale Dramaturgie muss man nicht zwingend noch weiter emotionalisieren. Wobei manches schon noch etwas mitreißender hätte erzählt werden dürfen. Auch die Stadtverwaltung hätte in ihren Figuren nicht ganz so holzschnittartig sein müssen. Aber sei es drum, der Stoff ist auch so schon berührend genug.

Jurassic World: Die Wiedergeburt (Regie: Gareth Edwards, USA, 2025, Sky Cinema) – 6 von 10
Man schätzt, dass Dinosaurier ungefähr 160-170 Millionen Jahre auf der Erde gelebt haben. Das Jurassic World Franchise schickt sich an, ähnlich lange durchzuhalten. Im siebten Film der Reihe werden neue Helden (u.a. Scarlett Johansson, Mahershala Ali, Jonathan Bailey und Ruper Friend) auf eine neue Insel geschickt, denn dort leben mutierte (!) Dinosaurier, deren Blut für Forschungszwecke dringend gebraucht wird. Während es der klassische Jurassic Park Film noch schaffte, eine kindliche Faszination für die Urzeittiere zu erwecken und eine spannende Story zu erzählen, ist das hier einfach nur noch ein Monsterfilm mit einer trashigen Story und einem dicken Budget. Erneut werde ich mich einem Film von Edwards nicht richtig warm, das setzt seit Monsters (6/10), Godzilla (keine Bewertung), Rogue One (6/10) und The Creator (7/10) nun so fort. Zugegeben, hier liegt es vor allem an der Story von David Koepp, der auch schon bessere Arbeiten abgeliefert hatte, und den vorhersehbaren Figuren. Inszeniert ist Die Wiedergeburt dagegen durchaus solide, denn kurzweilig und spannend ist das schon immer wieder.
Planet der Affen (Regie: Franklin J. Schaffner, USA, 1968, BluRay, Re-Watch) – 9 von 10
Nicht viele Filme habe ich öfter gesehen als diesen hier, aber nun war es mal wieder an der Zeit. Aber selbst wenn man die legendäre Auflösung schon kennt, funktioniert er auch knapp 60 Jahre nach der Erstausstrahlung immer noch sagenhaft gut. Astronaut Taylor (Charlton Heston) landet nach einem langen, künstlichen Tiefschlaf auf einem Planeten, der von Affen regiert wird und Menschen als Tiere ansieht. Nur die Wissenschaftlerin Dr. Cornelius (Roddy McDowall) scheint in ihm etwas mehr zu sehen. Alleine die Einführung auf diesen Planeten ist fantastisch und wenn das erste Mal ein Affe zu sehen ist, ist das immer noch ein echter Überraschungsmoment. Ikonische Bilder, verstörender Soundtrack, an dem Film ist wenig gealtert. Selbst die Masken von den Affen funktionieren immer noch gut, wenn sich die Darstellenden doch nicht so hölzern wie Menschen in Kostümen bewegen würden. Tatsächlich war ich überrascht, wie western-haft sich der Film anfühlt. Alleine schon durch die Kulisse, aber auch durch den (gezwungenermaßen) wortkargen und zynischen Protagonisten (Heston) als Fremder in einer mysteriösen Stadt. Und dass die Gesellschaft von einem orangenen Anführer geleitet wird (Dr. Zaius, gespielt von Maurice Evans), der Glaube und Wissenschaft nicht trennen mag, ist ja quasi hochaktuell. Der Film ist ein unkaputtbarer Klassiker des Sciene-Fiction Genres!

Es war eine ruhige Woche. Wie beim letzten Mal angekündigt, ließ ich den Bürotag ausfallen, um mich nicht mit der Stammstreckensperrung herumschlagen zu müssen. Und so ging die einzige Fahrt zur Station Hirschgarten, die ich von hier aus noch gut erreichen konnte. Ab Montag fährt die S-Bahn wieder regulär, dafür wird dann der Rest des öffentlichen Nahverkehrs am Dienstag bestreikt. Irgendwas ist immer.

- Eclipse: Eines meiner Lieblingsrestaurants in der Innenstadt ist das israelische Grillrestaurant Eclipse. Tolle Fleischspieße, leckerer Humus, angenehme Atomosphäre – durchgängig sehr empfehlenswert. Aber selbst wenn es das nicht wäre: So ein feiger, nächtlicher Angriff auf ein unpolitisches Restaurant ist in jedem Fall zu verurteilen (BR)!
- Dave Hause in Wien: Sori war bei einem der sagenumwobenden Wohnzimmerkonzerte eines meiner Lieblingskünstlers (in einer meiner Lieblingsstädte).
- The Fans Strike Back: Seit einigen Monaten gibt es eine Star Wars Ausstellung im Münchener Pineapple Park. Von Fans, für Fans. Gezeigt werden liebevolle Nachbauten und Figuren aus dem Franchise, dazu einiges an gesammelten Merchandising. Da ich nicht der größte Insider von Star Wars bin, wollte ich eigentlich gar nicht hin, aber eine Oster-Aktion hatte mich dann doch noch gecatcht. 22€ für einen Besuch von knapp einer Stunde halte ich allerdings für etwas viel, auch wenn man der Ausstellung die Liebe zum Thema wirklich anmerkt.

Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche! Der nächste Wochenrückblick wird dann wieder etwas dünner, versprochen!
2 Kommentare
bullion
„Jurassic World: Die Wiedergeburt“ habe ich ganz ähnlich wahrgenommen. Für mich bisher der schwächste Teil der Reihe. Dafür fand ich die anderen Gareth-Edwards-Filme gelungener.
Romy Matthias
Planet der Affen ist ein Klassiker schlecht hin + der Fortsetzungen aus den 70er Jahren. Schaue ich heute noch unheimlich gern. LG Romy