KW 12/2026: Das Lehrerzimmer, The Beast in Me, Lord of the Flies, Nils Keppel, Malasaña 32 und The Black Keys
Happy Sunday!
Könnt ihr euch noch an die Zeit erinnern, als das Schlimmste, was auf Social Media passieren konnte, eine öffentlich eingestellte Facebook Party war, die dann von Tausenden überrant wurde? Ach ja, die gute, alte Zeit. Aber das machen wir jetzt auch. Mit Stephen Hawking! Die Party steigt in Cambridge (genau: 52° 12′ 21″ N, 0° 7′ 4.7″ E) und es gibt Häppchen, eisgekühlten Champagner und eine festliche Dekoration mit Luftballons. Klingt das gut? Los geht’s um Mitternacht am 28. Juni 2009. Die Party ist allerdings exklusiv für Zeitreisende, bitte beachtet das (mehr dazu).
Und damit geht es direkt los mit dem medialen Wochenrückblick. Zwei Serien, zwei Filme, zweimal Musik – das sind die wesentlichen Bestandteile heute. Viel Spaß!

The Beast in Me (Staffel 1, 8 Folgen, USA, Netflix) – 8 von 10
Mit den Mini-Thriller-Serien auf Netflix habe ich im Moment einen Lauf: Nach Stadt der Schatten (8/10) und His & Hers (8/10) hat mich auch diese Serie überzeugen können. Während Autorin Aggie Wiggs (Claire Danes) noch um ihren Sohn trauert, untersucht sie die verdächtigen Aktivitäten ihres Nachbarn Nile Jarvis (Matthew Rhys) und das Verschwinden dessen Frau. Die Serie ist geschickt aufgebaut und wendungsreich erzählt. Diese handwerklich gute Arbeit verschleiert etwas, dass der Fall selbst etwas routiniert ist: Er spielt in der gesellschaftlichen Oberklasse aus Bauunternehmen und Künstler und Künstlerinnen, die egozentrisch sind, sich für Mäzene halten und ihre Geschäfte „selbst regeln“ wollen. Dazu die Figur von Claire Danes, die in diese Ermittlungen herein gerät – aber zum Glück keine Boulevardjournalisten ist, über die ich mich zuletzt bei Boglands (7/10) ausgelassen hatte – aber ein dunkles Geheimnis verbirgt. Aber ehrlich gesagt: Dieses hätte durchaus noch dunkler sein dürfen, nötige Spuren wurden dafür gelegt, um die Serie noch etwas mutiger zu machen. Neben den beiden für je einen Golden Globe nominierten Hauptdarstellenden hat auch Jonathan Banks eine größere Rolle. Insgesamt starke Thriller-Unterhaltung, der mit etwas Mut noch eindrucksvoller hätte werden können.
Lord of the Flies (Staffel 1, 4 Folgen, UK, Sky Atlantic) – 7 von 10
Der zu Grunde liegende Roman von William Golding aus dem Jahr 1954 steht bei mir bekanntlich schon seit einigen Jahren auf der Leseliste. Immerhin habe ich es nun wenigstens geschafft, mir die aktuellste Serienverfilmung der BBC anzusehen. Die Geschichte an sich ist ja recht bekannt: Eine Gruppe von Kindern und Jugendlichen stranden auf einer einsamen Insel und sie müssen sich dort selbst organsieren. Das klappt zunächst einigermaßen gut, bis schließlich alles aus dem Ruder läuft. Diese Geschichte wird erfreulich knapp in nur vier Episoden erzählt. Hinter der Kamera trug Jack Thorne die Verantwortung für das Projekt, der im vergangenen Jahr mit Adolescence (9/10) große Erfolge feiern konnte. Dort war der technische Aspekte – jede Folge wurde in einer einzigen Einstellung ohne Schnitt gedreht – ein wesentlicher Bestandteil der Faszination. Etwas vergleichbar Eindrucksvolles findet sich hier nicht wieder. Eher im Gegenteil: Mir war die Kamera oft zu sehr auf den Jugendlichen fokussiert, so dass der gesamte Hintergrund unscharf und verzerrt wurde. Im Laufe der Staffel wurden die Farbbearbeitungen immer extremer, dadurch wirkte die exotische Insel immer künstlicher. Mir fiel es dadurch zunehmend schwer, mich emotional in der Serie zu verlieren. Was schade ist, weil die schauspielenden Kinder durchaus einen guten Job machen. Die Geschichte selbst ist vielfach erprobt und für stark befunden worden und zeigt drastisch den menschlichen Drang zur Gewalt, sobald die zivilisatorischen Rahmenbedinungen wegfallen, am Beispiel von eigentlich unverdorbenen Kindern. Die Verfilmung wirkt recht zeitlos, da auf die Einführung von modernen Elementen im Prinzip verzichtet wurde. Auch wie die Kinder auf der Insel gelandet sind, ist erfreulicherweise kein Thema. Insgesamt fand ich die Serie schon gut, war aber bei weitem nicht so beeindruckt, wie ich es mir erhofft hatte.

Das Lehrerzimmer (Regie: İlker Çatak, Deutschland, 2023, Arte) – 8 von 10
Als einer ihrer Schüler des Diebstahls verdächtigt wird, beschließt Lehrerin Carla Nowak (Leonie Benesch), der Sache auf den Grund zu gehen. Dieses Drama wird dabei so spannend erzählt wie ein Thriller. Aus der Enge der Schule heraus entwickelt sich fast ein Kammerspiel zwischen Carla, der Schulleitung und den Schülern und Schülerinnen. Die Schule vertritt eine Null-Toleranz-Politik und verheddert sich damit in ihren eigenen, roten Linien und auch Carla stößt mit ihrem Verständnis und ihrer unverbindlichen Kommunikation schnell an ihre Grenzen. Alle meinen es gut, alle versuchen sich aus den Fallstricken frei zu strampeln, geraten dabei aber immer tiefer in die Misere, ohne einen Ausweg zu finden. Das ist von Benesch toll geschauspielert. Die Musik verstärkt den Thrill und die Architektur der Schule gibt dem ganzen einen fast surrealen Touch. Das Ende des Films kommt plötzlich und wirkt fast etwas enttäuschend, weil es keine Antworten darüber liefert, was nun wirklich war. Aber ähnlich wie in A House of Dynamite (9/10) verstärkt das eigentlich noch die Botschaft des Films, denn es geht um Verdächtigungen und Mußmaßungen und wie man mit ihnen umgeht. Tatsachen würden dabei nur stören.
Malasaña 32 – Haus des Bösen (Regie: Albert Pintó, Spanien, 2021, Sky Cinema, Re-Watch) – 6 von 10
Eine Familie zieht in ein neues Haus, um den Traum von der Großstadt zu leben. Ein Haus, in dem sich Träume in Albträume verwandeln. Den Film hatte ich bereits auf den Corona Fantasy Filmfest Nights 2020 gesehen (damals 7/10). Aber seit ich im vergangenen Jahr im titelgebenden Stadtviertel von Madrid (Bericht) war, wollte ich den Gruselfilm unbedingt noch einmal sehen. Und keine zehn Monate später war es nun soweit. Am Fernseher wird noch klarer als im Kino, dass der Film vor allem von seinen Effekten lebt. Die sind zwar nicht sonderlich neu oder innovativ, aber gut gemacht und gesetzt. Die Story dahinter schafft es nur halbwegs, das alles zusammen zu halten. Und von Madrid sieht man auch nichts.

Nils Keppel (Deutschland) – München, Strom

Neulich erst entdeckt und schon war ich auf dem Konzert von Nils Keppel. Im sehr gut besuchten Strom trat er am Freitagabend mit seiner Band auf. Und obwohl er gerade erst sein Debutalbum veröffentlich hat, bot er eine umfassende Setlist von 21 Songs, so dass man ordentlich etwas bekam für sein Geld (komplette Setlist). Los ging es mit der fantastischen Single Keine Zukunft – da das der Song ist, den ich am Besten von ihm kenne, war das mein frühes Highlight des Konzerts. Danach wurde es aber nicht schlechter, Keppel und Band machten eine gute Figur auf der Bühne und der Funke sprang spürbar zum Publikum über. Seine Musik wird gerne als NNDW bezeichnet – neue Neue deutsche Welle – holt aber auch die Indie-Kids und Post Punk Fans gut ab. Zwischendurch gab es mal eine Reihe von etwas ruhigeren Nummern, während es am Ende doch noch mal wilder wurde, incl. Moshpits und Wall of Deaths. So kann man seinen Freitagabend schon mal verbringen.
Da es noch nicht so viele professionelle Live-Mitschnitte von ihm gibt, teile ich Lichterloh von seinem Auftritt auf dem Reeperbahn Festival 2023 mit euch.

Gesehene Spiele in dieser Saison: 26 von 27 Liga-Spielen = 96%. (Saison 2024/25: 85%)
Am 27. Spieltag riss meine Serie und ich habe das erste KSC Spiel der Saison verpasst. Und wer war daran Schuld? Der gebürtige Pfälzer Nils Keppel, klar. Gespielt wurde trotzdem und der KSC konnte zu Hause ein frühes 0:1 gegen die SpVgg Greuther Fürth in der Nachspielzeit noch auf ein 3:1 drehen. Damit dürfte diese Saison endgültig in trockenen Tüchern sein. Und unglaublich, dass mein Ausflug nach Fürth schon wieder eine halbe Saison her ist!

Keine besonderen Vorkommnisse in dieser Woche. Mit den Streiks hatte ich keinerlei Berührungspunkte.

- Oscarverleihung 2026: Nachlese – hier meine Reaktionen:
- Verdiente Auszeichnungen: Bester Nebendarsteller (One Battle After Another), Bestes Casting (One Battle After Another), Bestes Szenenbild (Frankenstein), Bester internationaler Film (Sentimental Value).
- Kann man machen: Beste Regie (One Battle After Another), Bester Hauptdarsteller (Blood & Sinners), Bestes Originaldrehbuch (Blood & Sinners), Beste Kamera (Blood & Sinners), Bestes Kostüm (Frankenstein), Bestes Make-Up (Frankenstein), Beste Filmmusik (Blood & Sinners), Bester Schnitt (One Battle After Another).
- Halte ich für falsch: Bester Film (One Battle After Another), Bestes adaptiertes Drehbuch (One Battle After Another).
- Kann ich nicht beurteilen: Beste Hauptdarstellerin (Hammnet), Beste Nebendarstellerin (Weapons), Bester Filmsong (KPop Demon Hunters), Bester Ton (F1), Beste visuelle Effekte (Avatar: Fire and Ash), Beste Animations-, Kurz- und Dokumentarfilme.
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ausgelesen: Claire Dederer „Monsters: What Do We Do With Great Art By Bad People?“: Miss Booleana über ein Buch, das aktueller kaum sein könnte.

Als sehr arbeitswütig zeigen sich mittlerweile The Black Keys aus den US und A. Es vergeht kaum ein Jahr ohne ein neues Album des Blues-Rock Duos. Das diesjährige wird Peaches heißen und die erste Vorabsingle You Got To Lose liefert verlässliche Qualität.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche!