KW 11/2026: Marty Supreme, Ghosts (US), Hot Face, Starfleet Academy und die erste Kosmonautin
Happy Sunday!
Das war ja klar. Offenbar musste der Beitrag in dieser Woche etwas länger werden, wenn der Rückblick in der vergangenen Woche so kurz war. Aber geplant war das nicht. Mein Kindle hatte mich fehlgeleitet. Ich wollte schön in meinem Buch langsam in Richtung Finale lesen, als dort die Geschichte schon bei 90% der gelesenen Seiten zu Ende war. Da musste doch noch etwas kommen? Es kam aber nichts mehr. Nachwort, Anhang, Exkurs, Leseproben, fertig. So war ich damit schneller durch, als ich gedacht hatte. Und naja, bei einer der Serien bin ich mal wieder etwas ins Schreiben geraten.
Da diese Woche insgesamt ab Dienstag privat etwas ruhiger war, gibt es neben diesem Roman auch noch einen aktuellen Kinofilm und zwei Serienstaffeln. Von 5 bis 8 Punkte ist alles dabei. Und dazu noch etwas Musik aus London. Viel Spaß!

Am Freitag war nach dem Feierabend das Wetter noch so gut und für das Wochenende eher durchwachsen angekündigt, dass ich spontan nach Starnberg gefahren bin. Zwar nur für eine Stunde, aber immerhin. Reicht ja.


Brandon Q. Morris – Die erste Kosmonautin (Deutschland, 2024) – 6 von 10
Klappentext: Nie wieder ins All. Das hat sich Mandy Neumann, die letzte Kosmonautin der DDR, geschworen, nachdem sie kurz nach dem 80. Geburtstag ihrer Republik der Todesfalle entkommen ist, in die sich die Raumstation “Völkerfreundschaft” verwandelt hatte. Aber die Gefahr, auf die Volkspolizei-Leutnant Tobias Wagner in einem Sperrgebiet in der Lausitz gestoßen ist, hat sich ausgebreitet – und sie droht, nicht nur die DDR zu zerstören, sondern die ganze Welt. Wissenschaftler aus dem Osten wie dem Westen verzweifeln, denn es scheint keinerlei Abhilfe zu geben. Der einzige Ausweg besteht darin, die Entstehung der Anomalie gar nicht erst zuzulassen. Jemand muss dazu 1963 an Bord der russischen Wostok-6-Kapsel gehen. Im Jahre 2039 gibt es aber nur noch eine Person, die alle dafür nötigen Fähigkeiten besitzt – Mandy Neumann. Kann und darf sie die Aufgabe ablehnen, die Welt zu retten?

Review: Der Roman ist die direkte Fortsetzung zu Die letzte Kosmonautin (7/10) und offenbar auch der Abschluß um die beiden Hauptfiguren Mandy und Tobias. Die Zeitreise bietet noch einmal einen würdigen Twist und schließt die Gesamtgeschichte prinzipiell gut ab. Ich kann es mir leicht machen und mich einfach selbst von vor vier Jahren zitieren: „Das Buch überzeugt durch seinen flüssigen Schreibstil, einer wirklich tollen Grundidee und durch viele Details, wie diese Idee weitergespielt wird.“ Aber auch: „Die eigentlich Story verflacht dagegen allerdings etwas. Wagner findet […] immer etwas zu leicht neue Leute, die ihm helfen wollen“. Beides trifft auch auf diesen Roman zu. So fundiert der wissenschaftliche Unterbau vermutlich ist und so unterhaltsam, wie sich das Buch liest, ist es fast etwas schade, dass die Story nicht mithalten kann. Oft geht es zu glatt und die Probleme werden zu leicht gelöst, und die Verbündeteten, die sie sich suchen, sind immer etwas zu leicht überzeugt. Dazu kommt das Ende etwas zu plötzlich, was nicht nur an der Zählung meines Kindles lag. Immerhin lohnt sich der Exkurs im Anhang noch, hier kann Morris noch einmal zeigen, dass er tatsächlich aus der wissenschaftlichen Ecke kommt.

Ghosts (Staffel 2, 22 Folgen, USA, Sky on Demand) – 7 von 10
Nach aktuellen Schätzungen haben während der gesamten Erdgeschichte bisher rund 110 Milliarden Menschen gelebt. Der überwiegende Anteil dieser Menschen ist bereits gestorben. Einige von den Gestorbenen sind jedoch dazu verdammt, als Geister an ihrem Todesort auf der Erde zu verweilen. Sam (Rose McIver) hat die Gabe, diese Geister sehen zu können. Nach der netten ersten Staffel (7/10) macht die Serie genau in diesem Ton weiter: Sie ist nett und sympathisch und immer gut für einige Schmunzler. Der Cast ist groß genug und wird auch oft in seiner ganzen Breite genutzt, dass es nicht negativ auffällt, wenn die Figuren nur auf zwei oder drei Eigenschaften reduziert sind. Wenigstens gibt es einige Weiterentwicklungen bei den Geistern, auch wenn diese teilweise etwas soapig geraten sind. Sams Mann Jay (Utkarsh Ambudkar) spielt weiter tapfer dagegen an, dass er mit den Geistern nicht interagieren kann und deshalb oft wie ein unliebsames Anhängsel wirkt. Die Comedy ist immer dann am Besten, wenn sie sich mal traut, etwas mutiger zu sein oder wenn die Geister mehr durch die Augen ihrer gesellschaftlichen Epoche sprechen. Das dürfte gerne noch etwas öfter passieren, sonst langt es bald nicht mehr, einfach nur nett zu sein.
Star Trek: Starfleet Academy (Staffel 1, 10 Folgen, USA, Paramount+) – 5 von 10
Die neue Star Trek Serie begleitet die ersten neuen Sternenflotten-Kadetten seit 120 Jahren bei ihrer Ausbildung auf der Erde und dem Raumschiff USS Athena. Zeitlich angesiedelt nach Star Trek: Discovery und damit nach dem großen Brand, beginnt mit der Serie eine neue Ära der Sternenflotte. Ich muss ja zugeben, als ich im Vorfeld die niedrigen Bewertungen der Serie bei IMDb gesehen hatte, bin ich davon ausgegangen, der Internet-Mob hätte sich wieder an irgendwelchen Nebensächlichkeiten aufgehangen. Ein Klingone (Karim Diané), der in seiner Freizeit einen Rock trägt? Etwa so wie ein Schotte? Das kann bei einigen Bewertenden schon für Punktabzüge sorgen. Nun habe ich die erste Staffel gesehen und komme zu dem Fazit: Die schlechten Bewertungen haben ganz andere Gründe.
Das Konzept an sich geistert schon seit den 1990ern durch das Star Trek Universum. Bereits 1997 wurde ein PC Spiel mit dem Namen Starfleet Academy umgesetzt. Nun hat endlich die Serie das Licht der Welt erblickt, als eventuell finaler Punkt des sogenannten New Treks (mehr dazu). Ein frischer Ansatz, ein frischer Wind zum 60jährigen Jubiläum. Nur: Das Konzept funktioniert in diesem Universum nicht. Es ist weder das große, epische Star Trek, die Suche nach dem Unbekannten da draußen oder das Diskutieren über die relevanten gesellschaftlichen Fragen durch große Persönlichkeitenhier drinnen. Es ist aber auch keine Coming of Age Serie, die von der Identifikation mit den bodenständigen Figuren lebt – Hauptfigur Caleb (Sandro Rosta) ist das Gegeteil davon. Stattdessen sind es altkluge Teenager, die viel wollen und schon überraschend viel können, unterrichtet von Ausbildenden, die das zu routiniert machen, obwohl es nach Konzept der erste Jahrgang seit ewigen Zeiten sein soll. Den Stories fehlt einerseits die Größe, andererseit ist die Konkurrenz mit dem nebenan gelegenen Kriegscollege fast etwas lächerlich und nur eine schlechte Übersetzung aus klassischen High School Serien. Erwähnenswert ist noch die recht auffällige Verbindung zu Deep Space Nine, was sich nicht nur auf das Konzept mit der halbstationären Basis bezieht. Es gibt Jem’Hadar und Bajoraner, es gibt ein zweistöckiges Promenadendeck, was jedoch die meiste Zeit erschrecken leer ist. Die Schriftart des Serientitels ähnelt sehr der alten Serie. Konsequenterweise nimmt die beste Folge der Staffel direkten Bezug auf Deep Space Nine und liefert einen schönen Gastauftritt von Cirroc Lofton als Jake Sisko.
Technisch und optisch steht die Serie dagegen völlig außer Frage: Das sieht schon gut aus, durch die CGI-Bilder fast schon etwas zu sauber. Und die Crew hat Charme, zumindest die Ausbilder. Holly Hunter als alt-hippie-eske Ausbilderin der Sternenflotte passt gut und lockert den militärischen Stil, den man sonst auf dieser Position gewöhnt ist, sehr auf. Ihre erste Offizierin Gina Yashere, als Jem’Hadar eine echte Schleiferin in der Ausbildung, ist immer für einen Einzeiler gut. Komplettiert wird dieser Teil des Casts von Robert Picardo und Tig Norato in ihren bekannten Rollen. Auch Paul Giamatti als Gegenspieler dieser Staffel funktioniert gut. Wenn der Fokus etwas mehr auf diese Figuren gelegen hätte, dann wäre da durchaus etwas möglich gewesen. Aber so bleibt Lower Decks die wesentlich sympathischere Variante, um die Nachwuchs-Kräfte der Sternenflotte zu beleuchten.

Marty Supreme (Regie: Josh Safdie, USA) – 8 von 10
Der amerikanische Schuhverkäufer Marty Mauser (Timothée Chalamet) träumt in den 1950er Jahren von der Teilnahme an der kommenden Weltmeisterschaft im Tischtennis in Tokio. Dafür muss er aber zunächst das nötige Geld organisieren. Trotz seiner 150 Minuten Laufzeit gleicht der Film einer atemlosen Hatz durch die Story. Was hier erzählt wird, hätte auch für eine ganze Miniserie gereicht. Bei dem Versuch, das Geld zusammen zu bekommen, kämpft sich Mauser durch viele Nebenstorys, die kommen und gehen und auch abwechslungsreich gestaltet sind, aber nicht immer aufgelöst werden. Bei dem ganzen Tempo des Films fällt das jedoch oft nicht mal groß auf. Immerhin, neben Chalamet können auch die Schauspielenden in den Nebenrollen sehr glänzen, allen voran Gwyneth Paltrow als ruhmreiche Schauspielerin, Odessa A’zion (neulich erst in I Love L.A. (7/10) gesehen) als seine schwangere Jugendfreundin, Tyler Okonma als sein Kumpel und Abel Ferrara als zwielichtiger Typ auf der Suche nach seinem Hund. Was diese Figuren alle eint: Sie verfolgen ihre eigenen, egoistischen Motive und schrecken, so wie Mauser selbst, auch nicht vor Lug und Trug zurück. Das ist jedoch auch der Punkt, weswegen die klassische Underdog Story um Mauser nicht ganz funktioniert: Dafür ist die Figur zu egositisch und unsympathisch, zu atemlos und zu altklug, als dass man ihm einen Erfolg von Herzen gönnen würde. Und auch der Sportaspekt kommt zu kurz. Zwar gibt es einige starke Tischtennis-Szenen, aber so richtig etwas lernt man nicht über den Sport. Was Mauser sportlich so stark macht, wird nicht erklärt, was sein Gegner Endo (Koto Kawaguchi) besser macht, erklärungslos behauptet. Trotzdem ist der Film einfach sehr unterhaltsam, spannnend und witzig, die Ausstattung und das Zeitcholorit ist toll, die Figuren interessant und das hohe Tempo hatte ich ja bereits erwähnt. Untermalt ist das immer wieder mit einem Soundtrack aus den 1980er Jahren, der dem Film so eine gewisse Zeitlosigkeit beschert.
Sonst versuche ich es zu vermeiden, aber bei diesem Film komme ich nicht ganz ohne Spoiler aus: Wenn Mauser am Ende aufgeht, dass er nicht bedacht hat, dass er sich bei der Weltmeisterschaft nicht einkaufen kann und er deshalb seinen Triumph in einem völlig bedeutungslosen Match suchen muss, dann nordet es seine egoistischen Ambitionen von zuvor auf eine befriedigende Art ein. Er erkennt schließlich, dass er nicht der atemlose Typ sein muss, der durch sein Leben hetzt, sondern die Erfüllung auch woanders liegen kann. Und das ist vielleicht die Anti-These zu einem großen Sportfilm.

Gesehene Spiele in dieser Saison: 26 von 26 Liga-Spielen = 100%. (Saison 2024/25: 85%)
In den ersten zwei Minuten kam der KSC zu guten Torchancen und ab der 88. Minute. Dazwischen war das wieder nichts und so setzte es eine verdiente 0:3 Auswärtsniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern. Während man im Hinspiel sich nach einem 0:2 noch einmal aufbäumen könnte, passierte dieses Mal… nichts.
In der Tabelle ist das weiterhin Platz #8, keine große Veränderung zu den letzten Jahren. Aber die Anzahl der schwachen Auftritte und der klaren Niederlagen häufen sich. Diese Saison ist so gut wie durch, die noch nötigen 3-4 Punkte wird man schon irgendwo einsammeln können. Aber jetzt ist die Zeit, in der man hinter den Kulissen die Weichen für die neue Spielzeit stellen muss und ich hoffe, man zieht aus den letzten Monaten die richtigen Rückschlüsse.

Ich bin wenig außerhalb meiner Ecke unterwegs gewesen in dieser Woche. Einmal ins Kino und zurück und der Ausflug nach Starnberg, das war’s. Keine besonderen Vorkommnisse dabei, nur eine verspätete S-Bahn am Freitagnachmittag.

- Oscarverleihung 2026: Die Verleihung der Preise findet in wenigen Stunden statt, die meisten werden diesen Beitrag deshalb vermutlich erst danach lesen. Daher erspare ich mir und euch eine größere Prognose zu den Gewinnern. Da ich aber von den Nominierten als Bester Film in diesem Jahr tatsächlich sieben von zehn gesehen habe, hier zumindest eine Übersicht über meine Bewertungen:
- Ungewöhnliche Maßeinheiten: Wenn du nicht weißt, was man in Banane oder Piraten-Ninja misst, solltest du dir mal den Beitrag auf Coffee2Stay durchlesen.

Ein Tag, drei Takes in den legendären Abbey Road Studios – schon war das Album Automated Response der Londoner Band Hot Face im Kasten bzw. auf Band oder wie auch immer man in der Musikwelt dazu sagt. Dabei hat man es geschafft, die fertigen Stücke immer noch genügend roh klingen zu lassen, damit das Album auch als Punk durchgehen kann. Bühne frei für Bumble Been.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche!