KW 05/2026: Fantasy Filmfest White Nights, Chabos, Being the Ricardos, Bruce Springsteen and The Abandons
Happy Sunday!
In dieser Woche gibt es ein pickepackevolles Programm. Deshalb geht es ohne große Einleitung direkt los, gibt schließlich auch von mindestens zwei Highlights zu berichten. Die sind vielleicht nicht ganz so episch wie die beiden Halbfinals bei den Australian Open am Freitag, aber immerhin. Film ab!


Am vergangenen Wochenende fand mit den White Nights die Jahresauftaktveranstaltung des Fantasy Filmfests statt. Zwei Tage, an einem der beiden war ich für drei Filme am Stück im Kino, während es draußen noch einmal tüchtig angefangen hatte zu schneien. Gesehen habe ich das hier:
My Daughter is a Zombie (Regie: Pil Gam-sung, Südkorea) – 7 von 10
Das Virus ist besiegt und Korea ist wieder zombiefrei! Ganz Korea? Nein, denn die junge Soo-ah (Choi Yu-ri) ist zwar die letzte Untote des Landes, aber ihr Vater (Cho Jung-seok) glaubt fest daran, sie wieder in die Gesellschaft integrieren zu können. Ein Familienfilm mit Zombies, ein Zombiefilm mit Herz. Die Verwandlung der Tocher ließe sich natürlich auch prima mit der Pubertät und dem Herauswachsen aus dem Kindesalter gleichsetzen. Das Ganze ist in der ersten Hälfte noch ganz lustig und optisch interessant inszeniert, auch wenn ein Film mit diesem Thema auch gerne einen etwas deftigeren Humor hätte vertragen dürfen. In der zweiten Hälfte kippt die Story etwas mehr ins Familiendrama ab, was er aber auch nicht schlecht macht, weil einem bisher die Figuren schon sehr ans Herz gewachsen sind. Abgerundet wird das mit schön skurillen Nebenfiguren wie der Oma (Jo Jung-suk) und natürlich mit der Katze! So ganz entscheiden kann sich der Film jedoch nicht, was er eigentlich sein will, was ihm dann am Ende auch eine noch bessere Bewertung verbaut.
The Turkish Coffee Table (Regie: Can Evrenol, Türkei) – 9 von 10
Da zu diesem Film noch kein Trailer zur Verfügung steht, zunächst kurz etwas zum Inhalt: Ein heftiger Ehestreit wird für den frischgepackenen Vater Ibrahim (Alper Kul) zum größtmöglichen Alptraum. Und alles begann mit dem Kauf eines undenkbar hässlichen Couchtisches, bei dem er sich wenigstens einmal gegen seine Frau Zehra (Algi Eke) durchsetzen konnte. Mehr sollte man vorher gar nicht wissen, auch auf die Gefahr hin, dass der Turning Point der Story gewisse moralische Grenzen durchbricht und man darauf erst einmal klar kommen muss. Mit dem, was danach folgt, wird dieser Tabubruch aber eingefangen und angemessen verarbeitet. Denn plötzlich sind nur wir und Ibrahim es, die wissen, was da vorgefallen ist, während der Rest der Familie sich nur einen schönen Tag in ihrem modernen Appartement machen möchte. Das ist Suspense in Reinkultur, nur dass sie hier nicht in Gestalt einer körperlichen Gefahr lauert, sondern in Form einer dramatischen Bombe, die zu platzen droht. Und im Laufe des Films wird der Druck auf den Kessel immer höher, was man dem apathischen Ibrahim deutlich anmerkt. Das ist so packend geschrieben und inszeniert wie Der Vorname oder Der Gott des Gemetzels, nur deutlich düsterer. Der stellenweise vorhandene Humor hilft nur wenig, das Geschehen verdaulicher zu machen. Großes, kleines Kino! Und dass das Ende vielleicht nur eine Art Schleudersitz aus der Story ist, ist geschenkt – ich hätte selbst auch keine Idee gehabt, wie man aus dieser Geschichte halbwegs gut herauskommen könnte. Der Film ist ein Remake des spanischen The Coffee Table von 2022, den ich nun auch gerne einmal sehen würde.
Deathgasm: Goremageddon (Regie: Jason Lei Howden, Kanada/Neuseeland) – 4 von 10
Wir bringen die Band wieder zusammen! Dachte sich auch Brodie (Milo Cawthorne). Nur dumm, dass die Hälfte der Band mittlerweile unter der Erde weilt. Aber Moment, für was gibt es das Notenblatt mit dem Song, der Tote wieder zum Leben erwecken kann, aus dem ersten Teil? Und schon tauchen plötzlich wieder eine ganze Reihe von Dämonen im beschaulichen Ort auf und der blutige Spaß nimmt seinen Lauf. An die Qualität des ersten Teils (7/10) reicht dieser hier jedoch bei weitem nicht heran, da helfen auch literweise Kunstblut und Tonnen von Gedärmen nicht. Zwar zündet auch hier ab und an mal ein Witz, der Rest ist jedoch voller Geschmacklosigkeiten, die in einer Art Nummernrevue in dieser dünnen und dummen Story auftauchen. Die Hauptfiguren sind die Loser aus dem ersten Teil geblieben, nur zehn Jahre älter und fernab davon, irgendwie Sympathieträger zu sein. Aus dem Alter, in dem ein gewisser Anarchohumor sympathisch und rebellenhaft wirkt, sind sie heraus gewachsen. Und so war die spannendste Figur noch die des Antagonisten Jesse (Kieran Charnock), der mit seinem Heart-Chor der Heavy Metal-Welt neue Facetten aufzeigen möchte. Trotz aller offensichlichen Leidenschaft der Beteiligten: Diese Fortsetzung war leider nichts.

The Abandons (Staffel 1, 7 Folgen, USA, Netflix) – 6 von 10
Netflix lässt nicht locker bei dem Versuch, die nächste große Western-Serie zu produzieren. Nach dem missglückten American Primeval (5/10) im Vorjahr, schicken sie nun mit Gilian Anderson und Lena Headey zwei große Damen an den Start, die sich mit ihren Familien in den 1850ern in der Serie The Abandons bekriegen. Das vorweg: Die Serie von Kurt Sutter ist gelungener als der Versuch aus dem Vorjahr und setzt mehr auf Story und Drama als der letztjährige Gewaltexess, man hat ja schließlich auch ein paar etablierte Stars zu zeigen und muss sie fordern. Leider wandelt man dafür etwas auf zu ausgetretenen Pfaden. Die eine Familie hat etwas, was die andere Familie gerne hätte. Der Nachwuchs ist etwas zu emotional. Und eine Liebesgeschichte zwischen den beiden verfeindeten Familien ist nun wahrlich nicht die Spitze der Kreativität. Aber das alles funktioniert schon so halbwegs, diese Geschichten sind ja nicht umsonst schon oft genug erprobt worden. Dazu ist die Kulisse der Serie wirklich eine Augenweide, das kleine Dorf vor den mächtigen Bergen macht schon ordentlich was her. Unverständlich dagegen, warum die Serie ausgerechnet mit einer offensichtlichen CGI-Tiersequenz dramatisch eröffnet werden muss. Und leider endet diese Staffel mit einem Cliffhanger, der wohl nie aufgelöst werden wird, weil man einer zweiten Staffel bereits eine Absage erteilt hat. So reicht es dann doch nicht für eine bessere Bewertung.
Chabos (Staffel 1, 8 Folgen, Deutschland, ZDF Mediathek) – 9 von 10
Während man sich auf Social Media für Rückblicke auf das Jahr 2016 begeistert, geht Chabos noch einen Schritt weiter: Willkommen im Jahr 2006! Denn hier ging vermutlich alles los, weswegen Peppi (alt: Johannes Kienast, jung: Nico Marischka) neunzehn Jahre später nicht zum großen Jahrgangstreffen eingeladen wird. Damals musste er nämlich schnell Geld auftreiben, um eine Strafe zu bezahlen, weil er beschuldigt wurde, sich illegal „Saw II“ herunter geladen zu haben. Seine Kumpels (Jonathan Kriener, Arsseni Bultmann und Loran Alhasan) versuchen ihm zu helfen, dabei läuft jedoch nicht alles nach Plan. Die Serie blickt dabei zurück auf die Jugendkultur der 2000er Jahre und auf die schmerzhafte Zeit des Erwachsenwerdens, mit all seinen fälschlichen Vorstellungen, die man zu dieser Zeit über sein Wertesystem hatte. Es geht über Entscheidungen, die man damals getroffen hat, und die einen bis in die Gegenwart verfolgen. Und so wird nach und nach deutlich, welche Fehler Peppi in dieser Zeit gemacht hat und welche Auswirkungen diese auf ihn und auf seine Freunde hatten. Wenn die Geschichte langsam aufgelöst wird, gibt es immer wieder etwas zu entdecken und vieles entwickelt sich anders, als man es zunächst vermutet hätte. Erzählt wird die Serie dabei auf zwei Zeitschienen: Einerseits in der Gegenwart, andererseits aber auch in 2006, durch das Peppi als Erzähler rückblickend führt. Die Darstellenden sind dabei gut gewählt und ihre jungen und alten Verkörperungen passen gut und plausibel zusammen. Chabos schafft dabei den Spagat, einerseits lustig zu sein, andererseits aber auch nachdenklich zu stimmen und bei der Konfrontation Peppis mit seiner Vergangenheit mit ihm mitzuleiden. Untermalt wird die Serie mit einem knalligen 2000er Soundtrack und unterstützt wird sie von einer zeitgenössischen Ausstattung. Als Aufhänger die Zeit des sogenannten Sommermärchens zu nehmen, wirkt vielleicht etwas anbiedernd aufgesetzt und dieses „naja irgendwie ist aus allen ja trotzdem was geworden“ etwas zu optimistisch. Aber das sind Kleinigkeiten, die kaum an dem rundum gelungenen Gesamteindruck der Serie kratzen.

Being the Ricardos (Regie: Aaron Sorkin, USA, 2021, One) – 7 von 10
„I Love Lucy“ ist die große Hitserie in den USA der 1950er. Während der Produktion ihrer Erfolgssitcom werden Lucille Ball (Nicole Kidman) und Desi Arnaz (Javier Bardem) – sowohl in der Serie, als auch im echten Leben ein Paar – jedoch mit beunruhigenden Nachrichten konfrontiert, welche das Ende der Show bedeuten könnte. Der Film orientiert sich an den realen Begebenheiten rund um die frühe Sitcom, verdichtet sie aber auf nur eine Woche, in der wir die Entwicklung einer Folge von der ersten Lesung am Montag bis zum Dreh am Freitag verfolgen. Dass Sorkin Dialoge kann, hat er bereits mehrfach bewiesen (The Newsroom, The Social Network), und so funktionieren sie auch hier sehr gut. Dagegen funktionieren die pseudo-dokumentarischen Rückblicke auf die Produktion überhaupt nicht und auch die Zeitsprünge innerhalb der Handlung sind nicht immer ganz geglückt. So wird in längeren Sequenzen auf das Kennenlernen der Beiden und auf die Anfänge der Show eingegangen – gute Szenen zwar, die aber etwas den Flow der Haupthandlung stören. In dieser kann vor allem Kidman glänzen, die gekonnt zwischen der detailveressenen Schauspielerin und ihrer schlichteren Serienfigur wechselt. Der Film gibt Einblicke hinter die Kulissen einer großen Produktion dieser Zeit, was u.a. die Verknüpfung mit der Werbeindustrie und die gesellschaftlichen Konventionen angeht, die aus unserer heutigen Sicht deutlich konservativer und fast schon schizophren waren. Die Auflösung der Konflikte erscheint am Ende fast etwas zu simpel. Trotz allem aber ein unterhaltsamer Spielfilm.

Gesehene Spiele in dieser Saison: 20 von 20 Liga-Spielen = 100%. (Saison 2024/25: 85%)
Während ich in der vergangenen Woche noch schrieb „nach der desaströsen Serie zuvor ist der Turnaround damit wohl geschafft“, muss ich das nach dem Spiel bei Eintracht Braunschweig wieder zurück nehmen. Vor allem in der ersten Hälfte spielte der KSC wie ein Absteiger und kam nur nach einer Abseitsstellung ein einziges Mal gefährlich vor das gegnerische Tor. Hinten patzte dafür die Abwehr – mal wieder – und die Eintracht ging mit 1:0 in Führung. Ein zweites oder ein drittes Gegentor wäre nicht unrealistisch gewesen.
Der KSC wachte erst nach einem Dreierwechsel in der 62. Minute auf (warum so spät?) und kam in der Folge zu einigen, gefährlichen Torabschlüssen. Der 1:1 Ausgleich wäre zu dieser Zeit möglich gewesen, über die kompletten 90 Minuten aber unverdient.

Wenig zu berichten in dieser Woche. Die Fahrten am Bürotag haben gut funktioniert und auch rund um das Fantasy Filmfest gab es keine besonderen Vorkommnisse, trotz des aufkommenden Schnees.

- Statistik Januar 2026: Die Klickzahlen lassen sich zu Beginn des Jahres gut an. Der Januar generierte die meisten Seitenabrufe seit August 2025. Allerdings kam ca. 30% dieser Abrufe aus den USA und aus Singapur. Dieser Traffic sorgte für einige Tage für recht hohe Abrufzahlen, aber nur auf ausgewählten, sehr alten Beiträgen, die teilweise noch in schwarz/weiß geschrieben waren. Ohne erkennbaren Grund, unzusammenhängend, offenbar ohne Support von einer Suchmaschine. Sehr seltsam. Wieder ein Bot, der nicht erkannt wurde? Dann wäre es der langsamste Bot der Welt gewesen. Der Top-Artikel des Monats war zum siebten Mal in Reihe die Musik bei Ina’s Nacht, gefolgt von dem Beitrag zum Song Crimson and Clover. Direkt dahinter: Der Beitrag zur Blog Statistik 2025. Kommentare und Likes waren so zahlreich wie seit dem Januar 2025 nicht mehr. Die CTR betrug 1,0%.
- Gerd ist jetzt im Komiker-Himmel: Früheste Jugend-Erinnerungen verbinde ich mit dem Comedy-Duo Badesalz. Daher stimmten mich die Nachrichten in dieser Woche sehr traurig. Henni Nachtsheim über den Tod seines Freundes und Kollegen Gerd Knebel.

Neues von Bruce Springsteen aus den US und A. Der sah sich nämlich gezwungen, einen politischen Protestsong im Stile der großen Folk-Sänger der 1970er aufzunehmen und in kürzester Zeit zu veröffentlichen. Streets of Minneapolis erinnert vom Titel her an einen seinen größten Erfolge, textlich thematisiert er die aktuell angespannte, innenpolitische Lage im Land der Freiheit und der unbegrenzten Möglichkeiten.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche!