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Eine Zeitreise durch Europa

Heute startet die verschobene Fußball-Europameisterschaft 2020. Das besondere an dieser Veranstaltung: Sie wird über ganz Europa verteilt gespielt. Was ich in normalen Zeiten für eine fantastische Idee halte, ist natürlich in Pandemie-Zeiten durchaus diskutabel. Wobei andererseits die Distanzen bei den letzten Weltmeisterschaften in Brasilien und Rußland größer waren.

Einfacher und sicherer ist es, wenn man Europa vom eigenen Bildschirm aus entdecken kann. Bequem kann man so von einer Metropole zur nächsten springen. Und damit nicht genug, man kann sogar in der Zeit hin und herspringen. YouTube und vielen restaurierten und kolorierten Clips sei Dank. Der Wortvogel hat neulich bereits über die Technik dahinter geschrieben.

Das Ergebnis sind nun Videos, die technisch recht modern wirken. Sie ruckeln kaum, laufen stabil, bieten eine gute Auflösung und haben Farbe. Und siehe da: Auch die Vergangenheit war gar nicht schwarz/weiß, die Bilder fühlen sich realer an. Die Einschränkungen, welche die damalige Technik mit sich brachte, werden von modernen Computern kleiner gerecht, womit auch der Unterschied zwischen der Realität und dessen auf Film gebanntem Abbild kleiner wird.

Bevor die Videos starten noch ein kleiner Hinweis: Die Echtheit der Original-Videos kann ich natürlich nicht bestätigen. Auch die Meta-Infos wie Ort und Jahr habe ich nur den Beschreibungen entnehmen können.

Los geht es mit einer Straßenszene in Moskau aus dem Jahr 1896. Viele Menschen spazieren in dicken Mänteln und mit Hut oder Mütze durch das Bild, einige tragen ihre Einkäufe nach Hause. Einige schauen neugierig in die Kamera. Im Hintergrund fahren die Pferdekutschen über die Straßen. In der zweiten Hälfte des Videos ist die gleiche Szene noch einmal in schwarz/weiß zu sehen.

Es folgt etwas historisches: Die wahrscheinlich erste Schneeballschlacht, die auf Film festgehalten wurde. Ort: Eine Straße in Lyon. Zeit: 1897. Feuer frei! Ob der arme Fahrradfahrer seine Mütze wieder bekommen hat wurde nie aufgeklärt.

Ab nach Venedig! Die Stadt war 1899 offenbar ähnlich leer wie im Corona-Sommer 2020. Da kann man schon mal eine Gondelfahrt machen.

Wir verbringen nun einen Sonntagnachmittag im Jahre 1900 in Paris. Man hat sich fein gemacht, alle tragen Hut, manche Damen schützen sich mit einem Sonnenschirm. Mit dem Aufzug geht es den erst vor kurzem eröffneten Eiffelturm hinauf. Ein paar Jungs spielen mit ihren gebastelten, kleinen Segelbooten, dann geht es direkt auf die Seine. Und schließlich sehen wir den Verkehr vor Notre Dame.

Wenn man über die großen Metropolen Europas spricht, darf natürlich eine Stadt nicht fehlen: Wuppertal. In dieser Szene drehen wir 1902 eine Runde mit der Schwebebahn. Spoiler: Es fällt dabei kein Elefant aus der Schwebebahn. Zu Beginn sieht man einen schönen Vergleich zwischen den Originalbildern und der Überarbeitung.

Als nächstes umrunden wir auf den Tramgleisen das Zentrum von Wien. Es ist 1906 und immer noch sieht man nur Pferdekutschen und die Trambahnen auf den Straßen. Und dazu wieder jede Menge fein angezogene Spaziergänger.

Auch in Brüssel nehmen wir für einige Strecken die Tram. Andere Szenen zeigen Parks und Plätze im Jahr 1908.

Im Straßenverkehr von Berlin sind 1910 dagegen schon einige Autos und Busse zu entdecken, die sich zwischen den Pferdekutschen einreihen. Der Siegessäule nähern wir uns gegen [3:12].

Den Abschluß der kleinen Zeit- und Europareise bildet München. Das Videomaterial ist von 1933, schon damals spielte Bier anscheinend eine größere Rolle für die Stadt. Und die Autos haben die Hoheit über die Straßen übernommen. Den noch befahrbaren Marienplatz sieht man ab [1:04].

Und damit wieder zurück in die Gegenwart. Nach den vielen Corona-Wirren seit dem vergangenen Jahr, incl. der plötzlichen Grenzschließungen, aber auch dem Brexit, wächst ab heute Europa hoffentlich wieder etwas stärker zusammen. Geeint durch das emotionale Großereignis der Fußball Europameisterschaft der Männer. Möge es eine schöne Veranstaltung werden und der Auftakt für einen unbeschwerten Sommer.

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