Aus dem Leben,  Rund um den Schreibtisch

Non-Working Class Hero

Seit Anfang Oktober bin ich nun wieder beschäftigt, ein neuer Job, ein neuer Arbeitgeber. Damit gehen für mich 11 Monate in der Arbeitslosigkeit zu Ende. Eine lange Zeit könnte man meinen? Ehrlich gesagt, die Zeit verging für mich sogar relativ schnell.

Die Arbeitssuche zog sich allerdings doch etwas länger hin, als ich am Anfang gedacht hatte. Ich war seit letztem November raus, dann kam Weihnachten und Neujahr, dann kam Corona. In dem recht spezialisiertem Bereich, in dem ich beruflich unterwegs war, war das Angebot daher bestenfalls überschaubar. So habe ich mich oft auch auf thematisch etwas weiter entfernte Jobs beworben, da hagelte es allerdings aber Absagen. Enttäuschend war auch, wie viele große (US-)Firmen es teilweise nicht mal mehr nötig hatten, wenigstens diese Absagen zu verschicken und einen stattdessen mit Schweigen bestraften. Heiß wurde es eigentlich nur hier: Ende letzten Jahres hatte ich mit einem Mitbewerber meines alten Arbeitsgebers länger gesprochen, daraus wurde am Ende dann doch nichts. Im April/Mai hatte ich mit einer anderen Firma gute Gespräche. Das hatte sich letztlich dann aber immer weiter hingezogen, da die Stelle wegen Corona-bedingten Einnahmeausfällen nicht frei gegeben wurde. Mit meinem neuen Arbeitgeber lief es dagegen jetzt sehr schnell durch, ziemlich genau ein Monat lag zwischen meiner Bewerbung, zwei Vorstellungsgesprächen und der Zusage, die mich in Salzburg erreichte.

Als ich dann meine Unterschrift unter den Vertrag setzte und wußte, in ungefähr sechs Wochen würde es losgehen, hatte ich den Eindruck, ich hätte nur die Hälfte von dem gemacht, was ich mir für meine freie Zeit eigentlich vorgenommen hatte. Nunja, im Zweifelsfall lässt es sich dieses Jahr ja immer auf Corona schieben. Aber immerhin: Ich war in Marrakesch, ich war in Hamburg und am Bodensee und neulich erst in Österreich und in Italien. Alles natürlich nicht so super exotisch und aufregend, aber es war jeweils eine gute Zeit. Dazu war ich in München oft tagsüber unterwegs und habe die Stadt noch einmal ganz neu für mich entdeckt. Ich habe mir Museen und Ausstellungen angeschaut, war mittags am Viktualienmarkt essen und habe es sehr genossen, tagsüber ins Kino zu gehen und wie toll Daytime-Drinking ist, steht ja wohl auch außer Frage. Ich war in Lockdown-Zeiten in der gespenstisch leeren Innenstadt spazieren und ich war oft in den beiden Parks, die ich von mir aus locker zu Fuß erreichen kann. Ich habe mich mit vielen Freunden getroffen und ich war wohl so oft wie noch nie an der Isar. Alles in allem war es eine wirklich angenehme Zeit, die ich nicht missen möchte. Und am Ende fiel mir dann auf, wie entspannt ich nun war und wie hektisch eigentlich zu Beginn der Zeit.

Dabei geholen, in der Zeit nicht komplett zu verlottern, hat mir ein halbwegs strukturierter Tagesablauf. Ich hatte meine so getaufte 9-10-Uhr Regel. Das hieß: bis spätestens um 9 Uhr aufstehen (was Dank der nebenan gelegenen Baustelle kein Problem war) und bis spätestens um 10 Uhr gefrühstückt haben. Dazu gönnte ich mir auch den ersten TV-Block, der aus Comedies oder Dokumentationen bestand. Den Vormittag habe ich dann für produktive Sachen genutzt, sei es Bewerbungen schreiben, Hausarbeiten erledigen oder Besorgungen machen. Mittags wurde dann gekocht (oder ab und an auch mal was To-Go geholt), bei Bedarf war danach dann die beste Zeit für ein kurzes Mittagsschläfchen. Wer sich das gönnen kann, ist ein glücklicher Mensch! Danach ging es weiter mit den übrig gebliebenen Aufgaben vom Vormittag. Wenn die durch waren, war die Zeit, sich dem Thema Blog zu widmen, nach neuer Musik zu stöbern oder auch für den Football Manager. Den Fernseher habe ich frühstens um 18 Uhr wieder angemacht. Das reichte für eine Serienfolge, bis dann um 19 Uhr die heute Nachrichten kamen, ein richtiger Fixpunkt in meinem Tagesablauf. Danach war die Abendgestaltung angesagt, mit Filmen, Serien und Musik hören. Klingt alles banal, aber eine gewisse Struktur hat mir wirklich geholfen, über den Tag zu kommen.

Diese Lebensphase habe ich in der vergangenen Woche dann so beendet, wie ich sie begonnen hatte: Mit Bier. Empfing mich an dem Tag, an dem ich mich bei der Agentur für Arbeit melden musste, ein Ex-Kollege nach dem Termin mit Dosenbier vor dem Amt – bevor wir danach in eine Kneipe gingen (also hierzulande eine Boazn) und ich etwas überrascht war, wie viele andere Gestalten sich dort tagsüber aufhielten – trafen wir uns nun zu dritt im Augustiner Keller und ließen den Abend ein wenig eskalieren. Um halb drei war ich zu Hause und hatte dann noch einen ganzen Tag, meinen letzten ungebunden, um mich davon wieder zu erholen.

Nun bin ich also seit knapp einer Woche wieder mit arbeiten beschäftigt. Das neue Büro habe ich dabei nur einen halben Tag gesehen – als ich meine Zugangskarte und meinen neuen Laptop bekommen habe und mich kurz mit meiner neuen Chefin persönlich getroffen habe. Seitdem sitze ich nun erst einmal im Home Office. Eine Erfahrung, welche die meisten anderen ja bereits im März gemacht haben – ich muss mich jetzt erst darauf einstellen und mich daran gewöhnen. Ans arbeiten in Jogginghose, selbstgekochtem Mittagessen beim arbeiten und an ständige Videokonferenzen. Aber auch das wird mir gelingen. Veränderungen bringen einen ja doch meistens weiter im Leben.

2 Kommentare

  • Nicole

    Das freut mich sehr, dass das mit der neuen Stelle dann geklappt hat und du mittlerweile auch anfangen konntest. Ich hoffe, dass du dich trotz Corona schon etwas einleben konnstet und auch deine Kollegen zumindest digital kennengelernt hast – ist halt gerade echt ne Ausnahmesituation, aber ich denke wenn man mit etwas Abstand zurückblick, hat man definitiv auch dadurch etwas gelernt und mitgenommen. Bin ja eh gespannt, wie Corona die Arbeitswelt verändern wird, denke mal dass Videokonferenzen aber auch Home Office bleiben werden und in Dokus fällt auf der Satz, dass durch Corona auch deutlich wurde, dass nicht jede Geschäftsreise zwingend notwendig ist. Dürfte also interessant zu sehen sein, welche Auswirkungen die Pandemie letztendlich hatte. Auch in Bezug auf Unis und Schulen und der digitalen Lehre. Ich stehe ja nächstes Jahr vor dem Berufseinstieg und der Jobsuche, da darfst du mir dann die Daumen drücken, weil ich natürlich wegen Corona da auch etwas Sorge habe, was die Anzahl der Stellen anbelangt. Aber mal abwarten, ändern kann man es ja leider nicht, man kann nur versuchen das Beste daraus zu machen.

    Dankeschön für deinen lieben Kommentar,
    Ah „Peninsula“ hatte ich ganz vergessen zu nennen, den wollte ich noch so anfügen, weil ich den Vorgänger noch nicht gesehen hatte und deshalb nichts ausführliches dazu schreiben konnte.

    Also ein Startdatum für Oktober habe ich bei dem Film leider nicht gefunden bzw. stand nirgends, dass der im Oktober läuft. Ist gerade eh immer etwas schwierig, was tatsächlich startet und was nicht.

    • Nummer Neun

      Vielen Dank!

      An das Home Office gewöhne ich mich so langsam und sehe da absolut die Vorteile davon! Videokonferenzen gehen damit einher, aber gut, so ist das halt – wenigstens klappt das mittlerweile von der technischen Seite her überraschend gut. Und das mit den Geschäftsreisen stimmt 100%! Das war zum Glück nie mein Thema, wenn ich mal irgendwohin musste war das immer eine willkomene Abwechslung, aber ja: Viele Reisen kann man sich echt sparen. Schön, dass sich diese Erkenntniss langsam durchsetzt.

      Ich wünsche dir auch viel Erfolg bei der Suche!

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