Der richtige Ton

Live: The Menzingers / Dave Hause / Liam Gallagher

Mit etwas Verzögerung ist für mich das Konzertjahr 2020 gestartet. Ein Überblick:

The Menzingers (Technikum)

Auf das Konzert hatte ich mich schon lange gefreut – schließlich lag ich bei dem letzten Auftritt der Menzingers in München vor einigen Jahren krank im Bett und konnte nicht hin. Nun aber bot sich erneut die Gelegenheit, sie live zu sehen und trotz zweier eher durchschnittlicher Alben zuletzt blickte ich recht positiv in den Abend. Dazu kam noch die Ankündigung, dass die sehr geschätzten Spanish Love Songs als Support mit dabei waren. Es waren also die besten Voraussetzungen.

Das es am Ende nicht ganz so fantastisch wurde wie erhofft, lag schließlich vor allem an der Tatsache, dass auf Konzertlänge dann doch sehr offensichtlich wurde, dass die Band – trotz mittlerweile vier Alben – nicht besonders abwechslungsreich klingt. Die tollen Songs wie I Don’t Wanna Be An Asshole Anymore, Rodent, After The Party oder mein Favorit In Remission waren auch live richtig große Songs. Da gehören die guten Singles Strangers Forever und America (You’re Freaking Me Out) des aktuellen Albums auch noch mit dazu, die anderen Songs des Abends (insgesamt standen stolze 21 auf der Setlist) waren auf Dauer dann aber leider doch etwas zu beliebig. In Zukunft dürften sie gerne noch einige Experimente wagen, das muss ihnen nicht schaden.

Dave Hause (St. Matthäuskirche)

Für dieses Konzert hatte sich Dave Hause eine besondere Location ausgesucht (bzw. natürlich seine Agentur – die ganze Deutschland-Tour war ja so gebucht): Die St. Matthäuskirche am Nußbaumpark. Das Ambiente schaffte eine besondere Stimmung: Wir Zuschauer saßen auf unseren Plätzen (auf den harten Kirchenbänken) und hörten aufmerksam zu. Und nach den Songs wurde andächtig applaudiert. Erst im letzten Drittel wurde es etwas lebhafter, sowohl auf der Bühne, als auch in den Zuschauerreihen, die vom Künstler zum Aufstehen animiert wurden.

Insgesamt spielte Dave Hause fast zwei Stunden lang, also wirklich sehr ordentlich. Highlights waren für mich We Could Be Kings, was schon recht früh gespielt wurde, sowie C’mon Kid und Time Will Tell. Aber leider merkte ich auch wieder: Auf Dauer trägt das für mich nicht, irgendwann empfand ich es als etwas langweilig. So ging es mir auch schon bei seinem letzten Konzert mit voller Band im Backstage. Das ist alles nett und unterhaltsam, aber am Ende dann vielleicht doch noch eine Spur zu harmlos.

Liam Gallagher (Tonhalle)

Abschluß und Höhepunkte der Konzert-Triologie bildete schließlich der Auftritt von Liam Gallagher, genau an meinem Geburtstag. Nach dem Abbruch des Konzertes in Hamburg eine Woche zuvor hatte ich etwas Sorge, ob der Ex-Oasis-Frontmann tatsächlich in München auftreten würde. Aber er war da, für seine Verhältnisse gut gelaunt und hatte jede Menge britische Fans im Publikum dabei.

Von höheren Ansprüchen hat Gallagher sich mittlerweile weitesgehend verabschiedet, sondern liefert nur noch das, was die Fans hören wollen. Und das heißt: Ein Großteil des Sets besteht aus alten Oasis-Songs, und bei seinen eigenen Liedern greift er mittlerweile auf erfahrene Songwriter zurück. Das Rezept funktioniert, sobald Fuckin‘ In The Bushes erklingt und Rock’n’Roll Star folgt ist das Publikum aus dem Häuschen. Alles ist in Bewegung, Bierbecher fliegen und die Fäuste werden beim Mitgröhlen in die Lüfte gestreckt. Wie früher.

Kaum erwähnenswert, dass natürlich die Oasis-Songs am meisten abgefeiert wurden. Mit Gas Panic und dem grandiosen Stand By Me waren sogar zwei Songs dabei, die ich bisher noch nie live gehört hatte. Aber auch die neuen Songs wurden gut abgenommen, allen voran Shockwave und Once. In den beiden Zugaben wurde dann schließlich nur noch Oasis gespielt. Roll With It, Supersonic, Champagne Supernova und Cigarrettes & Alcohol – das Fanherz wurde von vorne bis hinten bedient. Was für ein toller Abend!


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