Kanada 2019: I Vancouver

Mit knapp zweistündiger Verspätung hob die Lufthansa Maschine endlich in München ab, Kanada konnte kommen. Drei Wochen am Stück frei, da muss ich lange zurück denken, wann ich dass das letzte Mal hatte. Und dazu auch noch alleine unterwegs für die ganze Zeit – wird das alles so klappen, wie ich es mir vorgestellt habe? Transport und Unterkünfte waren schon organisiert, ein straffes Programm hatte ich mir auferlegt, mit gleich sechs Städten auf der Karte. Aber was ich dann vor Ort machen würde, stand noch ein Stück weit in den Sternen, dazu hatte die Vorbereitungszeit in den letzten Wochen etwas gefehlt. Aber erst einmal eins nach dem anderen. Und los gehen sollte es mit Vancouver.

Die Fahrt vom Flughafen zum Hotel erwies sich als unproblematischer als befürchtet. Mit dem SkyTrain musste ich vom Airport bis zur Endstation Waterfront fahren und dort mit dem SeaBus über die Bucht rüber nach North Vancouver zum Lonsdale Quay, wo direkt mein Hotel, das Lonsdale Quay Hotel, lag. Das Hotel war okay, etwas hellhörig, aber die Lage wirklich gut, wenn man denn nichts gegen die Fahrt mit dem SeaBus nach Vancouver Downtown hatte. Das Hotel-Frühstück konnte man sich allerdings sparen, da war es einfacher, sich im Markt im Erdgeschoss eine Kleinigkeit zu holen uns sich dann direkt ans Wasser zu setzen, mit Blick auf die Skyline Vancouvers.

In Vancouver selbst, vom Seabus aus ankommend – und ich bin die Strecke jeden Tag gefahren – führte der erste Weg immer zum Hafengelände zwischen Waterfront Station und Canada Place. Hier laufen die Kreuzfahrtschiffe ein, hier kommen alle Nahverkehrsverbindungen zusammen, zentraler geht es kaum. Rund um den Canada Place und bin hin zum Stanley Park wachsen die schicken Wolkenkratzer in den Himmel, hier kann man am Ufer entlang flanieren, an den vielen, vielen Segelbooten vorbei und den Wasserflugzeugen beim Starten zu sehen. Bei wem da keine Urlaubsstimmung aufkommt, dem ist nicht mehr zu helfen. Hier findet sich auch das eindrucksvolle FlyOver Canada, eine täuschend echte Leinwandsimulation über die veschiedenen Landschaften des Landes. Es war ein kurzes, aber faszinierendes Vergnügen.

Verlässt man Waterfront Station in die andere Richtung, erreicht man Gastown, das historische Zentrum der Stadt. Hier gibt es viele kleine Cafes und Restaurants und die etwas unsinnige Steam Clock, welche die Touristen anlockt. Vom Portside Park aus hat man einen schönen Blick auf Downtown. Chinatown schließt sich direkt an – aber Vorsicht, wenn man in den beiden Stadtteilen einmal falsch abbiegt, merkt man, dass hier doch nicht alles so sauber und wohlhabend ist wie es die Gegend am Wasser versprechen mag.

Überquert man die Halbinsel auf die gegenüberliegende Seite, kommt man zunächst am Lookout Vancouver vorbei, von dessen Spitze aus man einen tollen Blick über das Zentrum der Stadt hat. Geht man noch ein ganzes Stück weiter, werden die Häuser wieder höher und exklusiver und man steht am Sunset Beach Park an der English Bay, wo man das vielleicht beliebteste öffentliche Kunstwerk der Stadt besichtigen kann: Eine Reihe übergroßer, lachender Figuren.

Einen Ausflug für sich stellt der riesige Stanley Park – einer der größten städtischen Parkanlagen der Welt – dar. Alleine mit dem Ablaufen des knapp 9km langen Seawalls ist man schon etwas beschäftigt, Abstecher ins innere der Halbinsel lohnen sich aber auch, den Beaver Lake fand ich zum Beispiel ausgesprochen hübsch und farbenfroh.

Mein Hotel selbst war ja in North Vancouver, eine eigenständige Gemeinde, die – besonders zum Wasser hin – sich hübsch macht und wo exklusive Appartmenthäuser und schicke Restaurants den alten Hafenanlagen den Rang ablaufen. Der Quay Market hat einige nette Essensstände zu bieten und lockt mit der Aussicht auf Vancouver. Die Promenade lud zum Schlendern ein, die auffällige Polygon Gallery konnte mich von außen aber mehr begeistern als von innen. Sehr gut essen konnte man in der Lonsdale Avenue, in der sich kleinere Restaurants aneinanderreihen. Besonders das Burgoo und The District Brasserie (mit ihrem fantastischen Koblauchbrot) kann ich hier wärmstens empfehlen. In Vancouver selbst habe ich gar nicht so viel gegessen, hier ist mir nur TAPshack in Erinnerung geblieben, dank der guten Lage am Hafen und der überraschend guten Pizza.

Ein kleiner und unkomplizierter Ausflug war die Fahrt nach Grouse Mountain, dafür kann man entweder den öffentlichen Bus ab North Vancouver nehmen (der Fahrer nahm mich netterweise auch so mit, obwohl ich kein passendes Kleingeld hatte) oder den kostenlosen Shuttlebus ab Canada Place. Nach der Auffahrt mit der Gondel erwartet einem eine sommerliche Berglandschaft mit gutem Ausblick auf die Region Vancouver, in der dank Grizzly-Gehege, Vogel-Show und Slumberjack-Show auch einiges an Abwechslung geboten wird. Nur essen braucht man da oben nicht, ich habe es getestet.

Das war also Vancouver. Eine multi-kulturelle Stadt, welche die glitzernden Fassaden deutlich in den Vordergrund rückt. Es ist eine moderne Weltstadt, umgeben von einer fantastischen Natur zwischen Wasser und Bergen.

Damit war die erste Station der Reise erledigt, viele weitere sollten noch kommen. Der Weg dorthin war aber beschwerlich: Es ging zunächst mit dem Zug weiter, mit VIA Rail Canada den Great Western Way bestreiten, zunächst bis in den Nationalpark nach Jasper.

I Vancouver / II Jasper / III Saskatoon / IV Ottawa / V Montreal / VI Niagara Falls

 

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5 Responses to Kanada 2019: I Vancouver

  1. Ines says:

    Uh, Kanada ohne Mietwagen? Das klingt abenteuerlich! Und wenn ich die Vancouver-Fotos so sehe, könnte ich auch schon wieder hin…

    • Nummer Neun says:

      Oh ja – das habe ich bereits gemerkt, dass ist es auch. Von A nach B kommt man schon irgendwie, aber wenn man dann irgendwo mal einen Ausflug machen möchte, wird es etwas schwerer…

  2. Stepnwolf says:

    Hach. Vancouver steht auch auf der Liste der noch zu besuchenden Städte. Kanada ist ja generell eine Reise wert…

  3. Nicole says:

    Hach nach Kanada, vor allem Vancouver möchte ich auch mal, schon alleine wegen der wunderschönen Natur, die das Land zu bieten hat. Ansonsten aber ehrlich gesagt auch, weil in Vancouver so viele meiner Lieblingsserien gedreht werden – da kommt der Serienjunkie wieder hervor. Vancouver wird ja mittlerweile schon das kleine Hollywood genannt, weil dort so viel gedreht wird.

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