60 Jahre Star Trek: Mein persönliches Serien-Ranking
Star Trek ist eines der größten TV-Universen der Geschichte. Trotzdem ist das Franchise erstaunlich oft von einer gewissen Mittelmäßigkeit geprägt. Wie kann das sein, wie passt das zusammen?
Als im September 1966 die erste Episode von Star Trek über die amerikanischen Bildschirme flimmerte, hätte wohl niemand geglaubt, dass sich daraus eine der größten Marken der Fernsehgeschichte entwickeln sollte. Zwar wurde die Ursprungsserie nach nur drei Jahren abgesetzt, aber die Geschichten an Bord von Raumschiff Enterprise – so der deutsche Titel der Serie – faszinierten die Menschen nachhaltig. Irgendwas scheint über die einzelnen Stories hinaus zu fesseln. Vielleicht ist es die positive Zukunftsvision, in der die Menschheit als Teil einer Gemeinschaft friedlich das All erforscht? Eine Gesellschaft, in der alles im Überfluss vorhanden ist, und es daher keine Verteilungskämpfe mehr gibt und kein Geld, niemanden, der für seinen Lebensunterhalt arbeiten muss, und die Menschen daher mehr Zeit für Wissenschaft, Kunst und Kultur haben? Positive Zukunftsvisionen können nie schaden, gerade zu einer Zeit, in der die schlechten Nachrichten überhand nehmen und gleichzeitig fiktionale Zukunftsgeschichten eher dystopisch sind. Wie wohltuend ist da die utopische Star Trek Welt.
Star Trek tauchte ich den letzten 60 Jahren immer wieder in neuen Variationen auf den Bildschirmen und Kinoleinwänden auf. Dabei blieb das Franchise vor allem ein Fernseh-Universum. Ausflüge ins Kino waren selten und noch seltener von Erfolg gekrönt. Im TV dagegen wurden immer wieder neue Serien produziert, die das ursprüngliche Konzept aktualisierten oder variierten. Das gelang mal besser und mal schlechter.
Ich bin schon recht früh mit der Welt von Star Trek in Berührung gekommen und habe Raumschiff Enterprise – Das nächste Jahrhundert, wie die Serie hierzulande zunächst hieß, noch als Erstausstrahlung im ZDF gesehen, bevor es zu Sat.1 gewandert ist. Dort kam ich dann erstmals auch mit der klassischen Serie in Berührung. Star Trek VI – Das unentdeckte Land sah ich im Kino und seitdem hing auch das Filmplakat in meinem Jugendzimmer. Das hängt dort heute auch noch, wenn ich meine Eltern besuche, hat sich mein Zimmer dort kaum verändert. Zu der Zeit las ich auch die Romane und fieberte dem Start vom neuen Deep Space Nine entgegen, dass zeitnah direkt aus den USA kommen sollte. Ralph Sanders Das Star Trek Universum konnte ich fast auswendig. Als ich älter wurde, verlor ich das Franchise etwas aus den Augen – ohne Recorder und Streaming-Dienste wurde es zunehmend schwierig, die Serien wöchentlich zu verfolgen. Die Aufregung war bei mir jedoch trotzdem groß, als nach vielen Jahren mit Star Trek: Discovery eine neue Serie angekündigt wurde. Selbst beruflich hatte ich einige Zeit indirekt mit dem Franchise zu tun, liefen doch bei die klassischen Serien aus den 1990ern bei meinem damaligen Arbeitgeber rauf und runter. Zu dieser Zeit hatte ich sogar die Möglichkeit, eine quantitative Befragung zum Thema Star Trek in Deutschland zu beauftragen, die uns für die Presse- und Marketingarbeit sehr nutzen sollte.
Wenn ich ein Ranking der Serien erstelle, lässt sich die persönliche Relevanz im jeweiligen Lebensabschnitt und die qualitative Einschätzung der Serie nicht trennen. Vieles „von früher“ sieht man vermutlich etwas glorifiziert und den Umständen der Zeit geschuldet, während aktuelle Serien im größeren und hochwertigeren Konkurrenzumfeld heute deutlich kritischer beurteilt werden. Trotzdem habe ich es versucht.
Hier ist mein persönliches Ranking der Star Trek Serien von schlecht bis gut:
12. Star Trek: Prodigy (2021-2024, 2 Staffeln, 40 Folgen)
Ich kann es kurz machen: Ich war einfach nicht die Zielgruppe dieser computeranimierten Serie, die sich vor allem an Kinder richtete. Auch wenn sie viele Star Trek Vibes hatte und einige bekannte Figuren zurück brachte, fremdelte ich immer mit der Serie. Aber damit kann ich leben. Letzter Platz, aber ich bin der Serie nicht böse.
11. Star Trek: Starfleet Academy (seit 2026, 1 Staffel+, 10 Folgen+)
Weder Konzept noch Umsetzung haben mich überzeugen können. Eine Young Adult Serie im Star Trek Gewand, für wen sollte das sein? Der jüngste Spross des Franchises findet sich fast ganz am Ende der Liste wieder. Wer die Figur von Wesley Crusher schon nervig fand, sollte in dieser Serie gar nicht erst einschalten.
10. Star Trek: The Animated Series (1972-1973, 2 Staffeln, 22 Folgen)
So ganz konnte sich die erste Animations-Serie des Franchises nicht entscheiden, ob sie nun ein jugendliches oder ein erwachsenes Publikum ansprechen wollte. Dafür war sie vielleicht ihrer Zeit einfach etwas voraus. Trotzdem konnte auch sie einige wirklich gute Episoden hervor bringen.
9. Star Trek: Discovery (2017-2025, 5 Staffeln, 65 Folgen)
Das Reboot des Franchise und der Beginn des sogenannten New Treks konnte die in die Serie gesteckten Erwartungen nicht erfüllen. Man hatte sich viel frischen Wind vorgenommen und damit auch teilweise Wort gehalten, jedoch kam die Serie zu hektisch und zu bombastbeladen daher, ohne die Stories und Figuren wirklich rund zu bekommen. Probleme wurden in Raumschiff-Schlachten oder in hochemotionalen Reden gelöst und nicht rational ausdisktuiert. Auf der Brücke herrschte Panik und keine Abgeklärtheit. Das taugte nur bedingt als Vorbild.
8. Star Trek: Enterprise (2001-2005, 4 Staffeln, 98 Folgen)
Die Serie stellte das Ende des großen Zeit der 1990er Serien dar und schrieb erstmals die Chronologie des Franchises nicht fort, sondern sprang in der dargestellten Zeit zurück. Besonders kontrovers: Das radiopoppige Intro, mit dessen Song man auch Bier auf einem Segelschiff hätte bewerben können. Übersättigt nach den vielen Jahren durchgängiger Beschallung ging die Serie zumindest bei mir etwas unter und daher muss ich zugeben, dass ich einige Lücken bei dieser Serie habe.
7. Star Trek: Picard (2020-2023, 3 Staffeln, 30 Folgen)
Der späte Nachzügler zu The Next Generation lebte von seiner Nostalgie, die dann in der letzten Staffel in geradezu kitschiger Art und Weise gipfelte. Aber manchmal ist Kitsch ja ganz gut. Die beiden Staffeln davor waren dagegen jedoch teilweise harte Kost, die einige Geduld erforderte und die sehr am Denkmal Picard kratzte und ihm unnötigerweise eine zusätzliche Backstory bescherte.
6. Star Trek: Voyager (1995-2001, 7 Staffeln, 172 Folgen)
So weit hatte sich Star Trek noch nie von der Erde entfernt! Also rein geographisch. Die Voyager machte sich auf den langen Weg nach Hause und es war klar, dass jede Chance dafür erst einmal im Sande verlaufen würde, was einiges an Spannung kostete. Und so wurde nicht nur die Reise, sondern auch die Serie teilweise zäh. Aber die Serie kann sich rühmen, schon in den 1990ern einen weiblichen Captain in den Fokus gerückt zu haben, die selbst sehr ikonisch wurde. Sie und der ewige Ensign Kim.
5. Star Trek: The Original Series (1966-1969, 3 Staffeln, 79 Folgen)
Die klassische Serie findet sich ziemlich in der Mitte des Rankings wieder. Wegweisend und stilprägend in Ton und Optik, konnte nicht jede Episode seinen Anspruch erfüllen. Trotzdem findet sich die Story- und Utopie/Dystopie getriebene Science Fiction der 1960er/1970er hier wieder, noch fernab von großen Raumschlachten, die Star Wars erst gute zehn Jahre später etablieren sollte.
4. Star Trek: Strange New Worlds (seit 2022, 3 Staffeln+, 30 Folgen+)
Nach dem Pike und Spock bei Discovery auftauchten und sich dort schnell größerer Beliebtheit als deren eigentlich Crew erfreuten, wurde diese Serie in Auftrag gegeben und lieferte nach langem mal wieder klassische Star Trek Episoden, die ungewohnt leicht und humorvoll daher kamen. Sie verband gekonnt einen Story der Woche Ansatz mit einem roten Faden durch die ganze Staffel. Die beste Real-Serie des New Treks!
3. Star Trek: Lower Decks (2020-2024, 5 Staffeln, 50 Folgen)
Angetreten als erstes Comedy im Franchise eroberte die Animationsserie schnell viele Herzen der alten Trekkies, weil sie neben dem Humor auch eine liebevolle Hommage an das Star Trek der 1990er mit sich brachte. Hatte man sich erst einmal an das Tempo gewöhnt, war das ein großer Spaß – sowohl mit den Unterdecklern, als auch mit der Brücken-Crew. Das Crossover mit Strange New Worlds ist ein Highlight des ganzen Franchises! Eigentlich unverständlich, dass man diese Serie bei vermutlich geringen Produktionskosten schon nach fünf Staffeln einstellte, das hätte noch deutlich länger laufen können.
2. Star Trek: The Next Generation (1987-1994, 7 Staffeln, 178 Folgen)
Nach anfänglichen Schwierigkeiten wurde die Serie um Picard, Riker, Data & Co. zum elementaren Bestandteil des Franchises und zeigte erstmals, dass Star Trek nicht an Kirk und Spock gebunden sein musste. Waren erst einmal die furchtbaren Uniformen der ersten beiden Staffeln Geschichte, machte die ganze Serie einen Qualitätssprung. Wer wollte wegen Picard nicht auch schon einen Earl Grey, heiß trinken? Der Borg-Zweiteiler schrieb amerikanische Fernsehgeschichte. Bemerkenswert, wie die Klingonen, die Gegenspieler der Originalserie, langsam erklärt und in ein positives Licht gesetzt wurden. Und Q! Und gibt es ein besseres Serienfinale als diese abschließende Episode? Legendär!
1. Star Trek: Deep Space Nine (1993-1999, 7 Staffeln, 176 Folgen)
Es war die erste Serie, die das ursprüngliche Konzept radikal änderte: Feste Raumstation statt Raumschiff. Das wurde konsequent umgesetzt und mit einer umfangreichen Anzahl an Nebenfiguren bestückt . Und plötzlich standen nicht mehr die Menschen im Vordergrund, sondern es wurde so bunt wie bei Star Wars. Cardassianer, die Gründer, die Jem’Hadar – alle Feinde waren nicht einfach nur böse, sondern wurden in ihren Beweggründen erklärt. Und die eigentlichen Helden waren selbst nicht vor moralischen Fehltritten geschützt. Die Serie machte keinen Halt vor schweren Themen: Religiosität, Spiritualität, Terrorismus, Besatzung. Und mit dem durchgängigen Handlungsfaden nahm Deep Space Nine viel vom Fernsehen aus dem Streaming-Zeitalter vorweg.
Stand des Rankings: April 2026
Was haltet ihr von meinem Ranking – könnt ihr das so teilen? Was sind eure Lieblingsserien und Figuren aus der weiten Welt des Star Trek Universums? Lasst es mich in den Kommentaren wissen.
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60 Jahre Star Trek:
siehe auch: Vom großen Serien-Comeback zum neuen Wendepunkt // Mein persönliches Serien-Ranking
Ein Kommentar
Sabine
Let’s agree to disagree 😉 Nummer 1 ganz klar TNG, dann Voyager, dann Picard, Star Trek the Original Series, dann Discovery und am Ende für mich Deep Space Nine (die anderen hab ich bisher noch nicht geschaut)
Star Trek wird für immer eine der wichtigsten Serien in meinem Leben bleiben 😉 Ich war winzig klein, als ich in den 70ern sogar die Original Serie mit meinem Opa geschaut hab.