KW 08/2026: Die Brüder Karamasow, Die nackte Kanone (2025), Ponies, Klein-Sibirien, Summer of Hate und Schwarzes Gold
Happy Sunday!
Vor wenigen Minuten gingen die Olympischen Winterspiele 2026 mit dem Traumfinale im Eishockey der Männer zwischen Kanada und den USA zu Ende. In einem engen Spiel setzt sich am Ende die USA in der Verlängerung mit 2:1 durch und krönt sich damit zum Olympiasieger, das dritte Mal insgesamt und das erste Mal überhaupt im Ausland. Die USA sind damit der amtierende Olympiasieger im Eishockey bei den Männern und bei den Frauen und außerdem sind sie die amtierenden Weltmeister bei den Männern und bei den Frauen. Für das deutsche Männerteam war im Viertelfinale Schluß. Ein normales Ergebnis, hätte das Team im Vorfeld nicht unnötige Erwartungen geweckt. Vom besten Team aller Zeiten war die Rede, ausblendend aber, dass auch die anderen ihre stärkstmöglichen Teams geschickt haben. Am Ende reichte es nur für Siege gegen Dänemark und Frankreich, die nicht viel Fantasie auf mehr wecken konnten.
Abseits vom Eishockey habe ich nicht besonders viel gesehen. Die Abfahrt der Männer, kurz mal etwas Snowboard und Eisschnelllauf, dazu noch kürzer etwas Curling. Das war’s. Dementsprechend kann ich wenig zu den Spielen insgesamt sagen. Was mir aber immer mal wieder begegnet ist: Eindrucksvolle Aufnahmen von Drohnen – so gut eingesetzt wie hier hat das schon Maßstäbe gesetzt – und eingestreute Mood-Bilder während der Eishockey Pausen. Bilder aus Mailand, Bilder aus den Zuschauendenbereichen der Eishalle, hinter der Theke, vor dem Stadion. Wie kleine Virtual Walks auf YouTube (hier durch München), ins Fernsehen geholt. Es waren nur kurze Sequenzen, aber doch genug um sich mittendrin zu fühlen.
Bevor wir zum medialen Wochenrückblick kommen, erst noch ein Hinweis auf das eindrucksvollen Statement von FC Bayern Trainer Vincent Kompany zu den rassistischen Vorfällen beim Champions League Spiel zwischen Benfica Lissabon und Real Madrid. Bei 11Freunde lässt sich seine komplette Aussage in der deutschen Übersetzung nachlesen: Es spielt keine Rolle, wie Viní Jr. jubelt.

Fjodor M. Dostojewski – Die Brüder Karamasow (Russland, 1880) – 7 von 10
Klappentext: Die drei Söhne von Fjodor Karamasow, einem alten Trinker und Tunichtgut, kehren als Erwachsene ins Elternhaus zurück und müssen sich mit ihrem nur schlecht versteckten Hass auf den Vater auseinandersetzen. Ein Bruder, Dimitri, buhlt um dieselbe Frau wie der Vater: die schöne Gruschenka. Der zweite Bruder, Iwan, ist ein antireligiöser Intellektueller. Der jüngste Bruder, Aljoscha, lebt im Kloster. Ein vierter – unehelicher Sohn – Smerdjakow, erschlägt schließlich den Vater und begeht daraufhin Selbstmord. An seiner Stelle wird Dmitri als Vatermörder angeklagt. Der Roman entfaltet eine Fülle tiefer Gedanken über die christliche Religion und die in ihr angesprochenen menschlichen Grundfragen nach Schuld und Sühne, Leid und Mitleid, Liebe und Versöhnung.

Review: Wer bin ich schon, dass ich über einen der größten Romane der Literaturgeschichte urteilen kann? Über einen Roman, den der Kritiker Marcel Reich-Ranicki als den besten Roman der Welt adelte und den Sigmund Freud als einen der gewaltigsten Romane der Weltliteratur bezeichnete? Andererseits ist mir Autor Dostojewski nicht ganz fremd. In der Vor-Blog-Zeit hatte ich Schuld und Sühne gelesen und war nach anfänglichen Hürden hin und weg von der Intensität und der genauen und zeitlosen Beschreibung der menschlichen Psyche. Vielleicht war es das beste Buch, was ich je gelesen habe. Von seinem Der Spieler (6/10) war ich dagegen etwa enttäuscht. Und nun platziert sich Die Brüder Karamasow, sein letzter großer Roman, irgendwo dazwischen.
Der Roman ist vor allem eines: Äußerst umfangreich, obwohl alles in einem relativ engen Zeitrahmen spielt. Man muss es einfach bewundern, wie Dostojewski es geschafft hat, die Story in dieser ausufernden Erzählung zusammen zu halten und dabei immer die Figuren im Blick zu behalten. Und das alles ohne elektronische Hilfsmittel. Und was man bei einem Roman diesen Alters auch immer hinzufügen sollte: Er lässt sich gut lesen und wirkt sprachlich sehr modern, zumindest in der Übersetzung von Hermann Röhl. Aufhänger der Geschichte ist der Mord an Familienvater Karamasow. Trotz der Ermittlungen ist der Kriminalfall jedoch nicht so zentral wie in Schuld & Sühne, er ist aber trotzdem der rote Faden dieses Buches, der Wendepunkt, auf den alles hinausläuft. Die Brüder Karamasow ist eher ein Gesellschaftsroman, ein Sittenbild Russlands des ausgehenden 19. Jahrhunderts, mit all seinen sozialen Ungleichheiten und den aufkommenden Gedanken der Moderne. Die titelgebenden Brüder könnten unterschiedlicher kaum sein und repräsentieren die verschiedenen Strömungen zwischen kirchlichen, sozialen und weltlichen Bedürfnissen. Es geht um Fragen von Schuld, Freiheit, Verantwortung und Glauben, verdichtet auf die wenigen Tage vor und nach dem Mord.
Es ist alles drin – und das war mir etwas zu viel. Auch wenn sich alles gut lesen lässt, schweift die Handlung teilweise doch sehr ab und wird später nicht mehr unbedingt aufgenommen. Besuche und Gespräche werden in epischer Breite wiedergegeben und minutiös genau beschrieben. Trotz der lebendigen Erzählweise musste ich diese Passagen oftmals einfach überstehen. Es werden Reden gehalten, vor allem in den Schlussplädoyers der Verhandlung, die mit ausufernd noch harmlos umschrieben sind. Das ist eine beeindruckende Struktur und genial durchdacht, aber für den Lesenden mehr als fordernd. Außerdem bin ich öfter über die Erzählstimme gestolpert, die immer wieder wertend eingreift, da die erzählende Person wohl nahe an der Handlung (weil es vermutlich ein Dorfbewohner ist?), aber selbst nicht richtig greifbar ist. Nicht ganz so schlimm wie in Krieg und Frieden (Band II), aber womöglich eine Eigenart der Zeit und Region.

Ponies (Staffel 1, 8 Folgen, USA, Sky Atlantic) – 7 von 10
Im Jahr 1977 werden zwei Sekretärinnen (Emilia Clarke und Haley Lu Richardson) der US-Botschaft in Moskau zu CIA-Agentinnen, nachdem ihre Ehemänner, die als Spione arbeiteten, unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen sind. Die Serie sollte man nicht zu ernst nehmen, das tut sie sich selbst nämlich auch nicht. Das hier ist kein neues Homeland und will es auch gar nicht sein. Es ist eine Zeitreise in die späten 1970er Jahre (mit dem entsprechenden Soundtrack), als die Welt noch sauber in West und Ost getrennt war, hinter jeder Ecke in Moskau ein Spion lauern könnte und Frauen in dieser Branche nicht erst genommen werden, was auch der Aufhänger für diese Serie ist. Bea (Clarke) und Twila (Richardson) haben zwar keine CIA-Ausbildung, aber erweisen sich als ausgesprochen hartnäckig, robust und einfallsreich. Die Serie steht und fällt mit der Perfomance der beiden Hauptdarstellerinnen und da die beiden liefern, funktioniert auch Ponies gut. Auch wenn es ihnen die Story manchmal zu leicht macht und die Geschichte nicht ganz so episch und dramatisch ist, wie sie vielleicht sein müsste, um gänzlich zu überzeugen. Das Ende der Staffel kommt etwas abrupt, aber eine Staffel 2 von Ponies ist bereits bestellt.
Schwarzes Gold (Staffel 1, 6 Folgen, Deutschland, ARD Mediathek) – 6 von 10
Die Lüneburger Heide um 1900. Ein Dorf, in dem Bauern Öl entdecken und skrupellose Geschäfte machen. Nach dem gewaltsamen Tod ihres Vaters stellt sich Johanna (Harriet Herbig-Matten) den aufkommenden Ölbaronen entgegen. Es ist eine lobenswerte Idee, wenn hierzulande hochwertige Serien produziert werden, die nicht im klassischen Krimi/Thriller Segment angesiedelt zu sein. Dieser historische Stoff, der nach manchen Vorab-Texten eine Art Western sein soll, erregt daher zumindest schon einmal Aufmerksamkeit und Interesse. Und optisch macht das durchaus etwas her und auch der Cast um Herbig-Matten, Aaron Hilmer und Tom Wlaschiha ist gut gewählt. Aber die Geschichte macht aus dem historischen Setting zu wenig. Es ist eine altbekannte Geschichte um Kapitalismus und die Nöte der einfachen Leute, um die Verpflechtungen zweier verfeindeter Familien. Das klingt alles so sehr nach der sicheren Nummer, dass es öde und vorhersehbar wird. Dazu kommt ein Soundtrack, der sich nicht richtig entscheiden kann zwischen halbwegs authentischen Stücken und moderner Untermalung, womit er schnell etwas störend werden kann.

Nach langem gab es mal wieder einen Filmabend bei mir, dieses Mal gleich mit einem Double-Feature.
Klein-Sibirien (Regie: Dome Karukoski, Finnland, 2025, Netflix) – 6 von 10
Der Glaube eines Pastors (Eero Ritala) wird erschüttert, als ein Meteorit in seiner finnischen Kleinstadt einschlägt und Chaos sowie kriminelle Absichten auslöst. Angekündigt als Komödie, entpuppt sich der Film eher als ein Mischling zwischen Krimi und Groteske in der finnischen Provinz. Das ist durchaus sympathisch, weil Location und Figuren ein gewisses Maß an Unverbrauchtheit haben, und erinnert entfernt etwas an Braunschlag. Um ähnlich gut zu sein, hätte der Film aber noch etwas skuriller und zwingender sein müssen, so ist er nicht mehr als ganz nett.
Die nackte Kanone (Regie: Akiva Schaffner, USA, 2025, Paramount+) – 6 von 10
Nach der ersten Ankündigung, dass Liam Neeson als Frank Drebin Jr. in einer Neuauflage der klassischen Filmreihe von Die nackte Kanone (8/10) spielen würde und nach den ersten Trailern, da war das Urteil schnell gefällt: Dieser Film kann ja nichts werden. Wenn man mit dieser Erwartungshaltung den Film startet, kann das Urteil überraschend kommen: So schlecht ist der Film gar nicht. Die Story um den Tech-Millionär Richard Cane (Danny Huston) ist für die Filmreihe geradezu klassisch und der Auftritt von Pamela Anderson eine Hommage an die früheren Filme. Die Witze bringen einen zum Schmunzeln – manche mehr, manche weniger. Insgesamt sind es also durchaus unterhaltsame und knappe 85 Minuten, auch wenn man sich wundert, dass der Film und die Gags langsamer sind als in den alten Filmen, die ein höheres Tempo vorgaben. Aber die Neuauflage ist ganz klar besser als der Abschluß der alten Triologie (4/10).

Gesehene Spiele in dieser Saison: 23 von 23 Liga-Spielen = 100%. (Saison 2024/25: 85%)
Gegen die KSV Holstein Kiel gab es einen ganz wichtigen 3:1 Heimsieg. Nach sehr viel Aufregung in der vergangenen Woche nach dem desaströsen letzten Spiel, war das ein erstaunlich guter Auftritt. Es gab fünf Wechsel in der Aufstellung, aber auch eine spürbar veränderte Einstellung. Vor allem defensiv war die lange vermisste Leidenschaft zu sehen, Rückkehrer Ambrosius tat mit seiner positiven Ausstrahlung der Defensive gut. Offensiv war das Umschaltspiel deutlich verbessert, und Ben Farhat (1 Tor, 1 Vorlage) und Wanitzek (2 Tore) zeigten sich stark im Abschluss. Spätestens mit dem 3:0 war bei Kiel der Wille gebrochen und es hätte noch höher ausgehen können. Der KSC gönnte sich aber einen verschossenen Elfmeter und Sekunden vor Schluß noch mal einen Patzer in der Defensive, so dass es doch „nur“ beim 3:1 blieb. Aber darauf kann man aufbauen.

Keine besonderen Vorkommnisse, trotz des plötzlichem Schneefalls und den mittlerweile gewohnten, nächtlichen Einschränkungen auf der S-Bahn Strecke.

Der heutige Musiktipp stammt aus Portugal, aber nicht von The Man, sondern von The Country. Summer of Hate heißt die Band, die vor kurzem mit Blood & Honey ihr neues Album veröffentlicht haben. Laut Selbstbeschreibung machen sie experimentellen Shoegaze, an der Grenze zu psychedelischen Pop Songs. Titelstück und Eröffnungstrack ihres Album werden dieser kryptischen Beschreibung durchaus gerecht, deshalb nehmt euch ein paar Minuten und hört gerne einmal rein.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche!