KW 06/2026: The Bone Temple, Stadt der Schatten, Send Help, I Love L.A. und Morgan Nagler
Happy Sunday!
Da denkt man vorher noch, ach in dieser Woche wird nicht so viel zusammen kommen, und dann waren es am Ende doch zwei Kinobesuche und zwei Serienstaffeln, die es zu besprechen gilt. Dazu noch ein Musiktipp, der eigentlich schon für die vorherige Woche geplant war, bis ein gewisser Bruce Springsteen noch schnell einen Song raus hauen musste. Klar, dass da eine junge Künstlerin erst einmal warten muss, beim Rolling Stone Magazin wird man mir da zu stimmen. Aber nun ist es soweit und sie bekommt als Entschädigung dafür sogar diese Einleitung. Also leiht am Ende dieses Artikels doch bitte Morgan Nagler noch kurz euer Ohr. Vielen Dank und Spaß!

I Love L.A. (Staffel 1, 8 Folgen, USA, Sky on Demand) – 7 von 10
Sonnenstadt L.A. Hier lebt Maia (Rachel Sennott) mit ihrem Freund Dylan (Josh Hutcherson) und versucht, Karriere als Talentmanagerin für Influencer zu machen. Einen unerwarteten Karriereschub könnte ihr ihre alte, beste Freundin Tallulah (Odessa A’zion) bescheren, die an der Schwelle zum Erfolg steht. Die neue Dramedy folgt einer jungen, attraktiven und erfolgsverwöhnten Freundesclique bei ihren Versuchen, im Leben beruflich und privat voranzukommen. Dabei muss ich leider sagen: So richtig sympathisch sind sie alle nicht. Abgehoben und anstrengend, selbstverliebt und selbstbewusst. Man lacht eher über sie als mit ihnen. Scheitern als Chance für Comedy. Zugegebenermaßen ändert sich das zwar leicht im Laufe der Staffel, aber die Grundtendenz bleibt. „Funny and cringe“ lässt sich in einigen Kritiken lesen und das trifft es eigentlich ziemlich gut. Ausnahme ist da der bodenständige Dylan, der über seine Freundin in diese Gruppe geraten ist, und dem man nur das Beste wünscht. Höhepunkt der Staffel waren die Party im Haus von Elijah Wood, sowie – ausgerechnet – der abschließende Ausflug nach New York. Eine zweite Staffel hätte durchaus Potential und würde ich mir weiter anschauen. Offenbar wurde sie auch bereits schon bestellt.
Stadt der Schatten (Staffel 1, 6 Folgen, Spanien, Netflix) – 8 von 10
Die beiden Ermittler Milo Malart (Isak Férriz) und Rebeca Garrido (Verónica Echegui in ihrer letzten Rolle) müssen das Auftauchen einer verbrannten Leiche an der Fassade eines von Gaudí entworfenens Hauses in Barcelona untersuchen. Schnell scheint sich der Fall zur Jagd nach einem Serienmörder auszuweiten, dessen Wurzeln in der Geschichte der Stadt liegen. Düstere und spannede Thrillerserie in der katalanischen Hauptstadt, die sich kritisch mit den Umwälzungen Barcelonas zu Beginn der 1990er beschäftigt. Das ist zugegebenermaßen sehr an der klassischen Rezeptur des Genres orientiert: Die beiden Ermittelnden, die keinen guten Stand in ihrer Abteilung haben und Ballast aus ihrer Vergangenheit mit sich schleppen. Der investigative Journalist (Manolo Solo), der aus Sensationsgier die Ermittlungen behindert. Und ein drastisch düsterer Fall, der immer persönlicher zu werden scheint. Aber die bewährten Zutaten funktionieren, die Geschichte ist spannend erzählt und kompakt gehalten. Das Privatleben der beiden Ermittelnden nimmt nicht zu viel Raum ein. Und der Fall an sich hat sogar etwas episches an sich und läuft auf ein großes Finale an der Sagrada Família zu. Mehr Barcelona geht nun wirklich nicht.

28 Years Later: The Bone Temple (Regie: Nia DaCosta, UK/USA) – 8 von 10
Um in der postapokalyptischen Welt zu überleben, sieht sich der junge Spike (Alfie Williams) gezwungen, sich dem gewalttätigen Kult von Jimmy Crystal (Jack O’Connell) anzuschließen. Gleichzeitig macht der als Einsiedler lebende Dr. Kelson (Ralph Fiennes) eine wichtige Entdeckung. Auch wenn es inhaltlich nur eine lose Fortsetzung ist, spielt dieser Film doch direkt im Anschluß an den im Vorjahr erschienenen 28 Years Later (8/10). Wie bei vielen guten Zombie-Reihen und -Serien spielen auch in diesem Franchise mit zunehmender Dauer die Zombies – bzw. in diesem Fall: die Infizierten – eine immer geringere Rolle, weil die eigentliche Gefahr ja meist von den überlebenden Menschen ausgeht. In diesem Fall von Crystal und seiner Gang, die mit ihrer rücksichtslosen und sadistischen Gewalt die letzten Reste der Zivilisation unsicher machen. Ehrlich gesagt fand ich diesen Part des Films etwas ermüdend und stellenweise in einen Gewalt-Porno abdriftend. Interessanter war dagegen Dr. Kelsen, der erneut von Fiennes sehr eindrucksvoll dargestellt wird. Insgesamt ist der Film ein gutes Abbild, wie die Bevölkerung mit existenziellen Krisen umgeht: Manche vertrauen der Forschung und Wissenschaft, manche dem Aberglauben und den Verschwörungen. Wenn im Film diese beiden Handlungsstränge aufeinander treffen, hebt das ihn noch einmal auf ein höheres Level und gipfelt in einer wahnsinnigen Performance und Inszenierung, in der man aus dem Staunen nicht heraus kommt. Musik, Bild, Kulisse und Schauspiel kommen hier auf den Punkt zusammen. Man schwankt zwischen Ehrfurcht und Lachen, weil es so abstrus ist, aber es funktioniert, weil dieser Höhepunkt durch die Vorgeschichte von Dr. Kelson perfekt vorbereitet wurde. Auch wenn es – um im obigen Bild zu bleiben – bedenklich ist, wie sich die Wissenschaft den Mächtigen unterordnet. Die letzten fünf Minuten bringen dann schließlich ein altes Gesicht zurück und bieten einen Teaser auf einen potentiellen nächsten Teil der Rehe.
Send Help (Regie: Sam Raimi, USA) – 8 von 10
Büroangestellte Linda (Rachel McAdams) hofft auf eine lukrative Beförderung, doch ihr neuer Chef Bradley (Dylan O’Brien) macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Trotzdem nimmt er sie mit auf einen internationalen Business-Trip. Als sie auf dem Weg dorthin jedoch mit ihrem Flugzeug abstürzen, retten sie sich als einzige Überlebende auf eine tropische Insel. Hier kann Linda auf einmel ihre ganzen Kompetenzen ausspielen. Der Film ist knallig, bunt und plakativ. Das fängt bei den beiden Hauptfiguren an, die wandelnde Klischees sind, und hört bei der wendungsreichen Story auf. Einen dramatischen, realistischen Ansatz braucht man gar nicht erst zu suchen, alles ist comichaft überhöht. Allerdings: Regisseur Raimi weiß das und spielt das gnadenlos aus. Dadurch schafft er es, sowohl ziemlich komisch zu sein, als auch sehr spannend und in Summe einfach richtig unterhaltend. Es wirkt wie eine konsequente Weiterentwicklung einer der Episoden von Triangle of Sadness (7/10). McAdams und O’Brien haben sichtbar Spaß an ihren Rollen und das zu Schaden gekommene CGI-Wildschwein ist auch mit vollem Körpereinsatz dabei. Wahrscheinlich ist der Film in einem halben Jahr trotzdem schon fast vergessen, aber für den Moment war das ein netter Spaß. Fast Food für das Kino.

Gesehene Spiele in dieser Saison: 21 von 21 Liga-Spielen = 100%. (Saison 2024/25: 85%)
In dieser Woche feierte Coach Eichner sein 6-jähriges Dienstjubiläum. Eine beeindruckende Marke in diesem schnelllebigen Business, mit der er seinen Namen noch etwas dicker in die KSC-Chronik geschrieben hat. So herausfordernd wie jetzt waren die Zeiten für ihn allerdings lange nicht mehr.
Auch im Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf war die Leistung äußerst diskussionswürdig. Ein expected Goals Wert von 0,4 ist erneut ein schlimmes Zeichen. Dass der Trainer lediglich einen Doppelwechsel im Laufe des Spiels durchführte, der zudem auch noch ziemlich verpuffte, rief auch einige Fragezeichen hervor. Trotzdem wurde es am Ende ein 1:1, dank eines Treffers durch Burnic – noch der beste an diesem Tag im Mittelfeld – der den Ausgleich erzielte. Schmeichelhaft. Gegen ein Team mit etwas mehr Selbstvertrauen hätte es vermutlich auch in dieser Woche nicht für einen Punkt gereicht.

Es gab in dieser Woche genug schlimme und erschütternde Nachricht für die Deutsche Bahn, deshalb wollen wir diese Rubrik dieses Mal nicht befüllen.

- Firefox: Stürzt er in der aktuellsten Version bei euch auch ständig ab? Zur Zeit bei mir ein Dauerproblem, besonders anfällig bei irgendwelchen Plug-Ins wie YouTube. Nervig. Aus diesen Gründen machen normale Menschen einfach keine Updates! Was läuft, das läuft!
- Ihr wollte gegen die KI kämpfen? Zu spät: Der Wortvogel mit seiner Einschätzung zur Entwicklung von KI und warum eine Diskussion darüber, ob man Buch-Cover, die mit KI erstellt sind, kennzeichnen sollte, am großen Thema vorbei geht.
- Zurück beim Steppenwolf: Der Blog vom Zwetschgenmann über Literatur, die ihn von der Jugend bis in die Gegenwart begleitet hat.
- Gottgleich über Duisburg: Die Telegeschichten von DWDL über den legendären Auftritt von Michael Jackson bei Wetten, dass…? 1995 in der Glitzermetrolpole Duisburg.

Die amerikanische Singer-/Songwriterin Morgan Nagler wird im März ihr erstes Soloalbum mit dem schönen Titel I’ve Got Nothing to Lose, and I’m Losing It veröffentlichen. Grassoline ist einer der Vorboten dazu, der Song hüpft zwischen Indie-Folk und Dream Pop munter hin und her.
Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche! Für mich wird es nur eine Drei-Tage-Arbeitswoche werden. Ich freue mich drauf, aber verpetzt mich bitte nicht bei Friedrich Merz. Vielen Dank.