KW 02/2026: Stranger Things, Deathgasm, Reykjavík 112 und Sentimental Value
Tach, Post. Oder auch nicht.
Ich erwartete in dieser Woche ein Päckchen. Es war eigentlich von vornherein klar, dass es genau an dem Tag kommen würde, an dem ich im Büro und nicht im Home Office wäre. Und so war es dann auch. Das Päckchen erreichte mich nicht. Aber seid wann wird in diesem Fall keine Bescheinigung mehr im Briefkasten hinterlassen? Dass es in der Filiale in der Nähe gelandet ist, das wusste ich nur, weil ich es online in der Sendungsverfolgung sehen konnte. Zusammen mit dem Hinweis, dass mir die zur Abholung benötigte Bescheinigung erst in 1-2 Werktagen per Brief zugestellt werden solte.
Was macht das denn für einen Sinn? Der Paketzustellende war doch nun mal schon direkt da und muss geklingelt haben. Warum kann er dann nicht gleich den Abholschein da lassen? Warum wird davon ausgegangen, dass ich den Versand tracke? Wenigstens konnte ich das Päckchen mit der Trackingnummer und meinen Ausweis trotzdem am nächsten Tag abholen. Weswegen der Brief nun eigentlich wertlos ist. Der übrigens, zwei Werktage später, immer noch nicht eingetroffen ist. Ich sehe in der Sache einfach keinen Gewinner.
Ob es bei den zwei Serienstaffeln und bei den zwei Filmen in dieser Woche Gewinner gibt, erfahrt ihr nun im heutigen medialen Wochenrückblick. Viel Spaß!

Alle sieben Jahre (oder wenn gerade eine aktuelle Pandemie wütet) tanzt in München die Zunft der Schäffler. In tradtioneller Kleidung und zu traditioneller Musik wird der Schäfflertanz von Anfang des Jahres bis zur Faschingszeit aufgeführt. Die Truppe besucht in dieser Zeit mehrere öffentliche Orte pro Tag, für die Tänzer ist es ein richtiger Marathon.
2026 ist wieder so ein Jahr, in dem sie auftreten. An diesem Freitag waren sie auch in meinem Stadtviertel und zeigten bei ungemütlichen Temperaturen dem angenehm großen Publikum ihre Aufführung.


Reykjavík 112 (Staffel 1, 6 Folgen, Island, Arte) – 6 von 10
Je kälter und ungemütlicher es draußen wird, um so mehr steht mir der Sinn nach Skandinavien-Krimis. Dieser Vertreter stammt aus Island (mit einem bunten Sammelsurium an weiteren Geldgebern dahinter) und konfrontiert dort die Polizei mit einer düsteren Mordserie. Der zum Unmut seiner Kollegen (Þorsteinn Bachmann und Elma Lísa Gunnarsdóttir) frisch aufgestiegene Huldar (Kolbeinn Arnbjörnsson) bekommt die Leitung des Falls übertragen. Seine einzige Zeugin ist die kleine Tochter (Valdís Brynja Finnsdóttir) des ersten Mordopfers, die bei der Kinderpsychologin Freyja (Vivian Ólafsdóttir) untergebracht wird. Der Krimi-Plot ist gut aufgebaut, dreht dezent am Spannungsrad und liefert immer wieder einige verdächtige Personen. Was der Serie jedoch nicht gut tut, das sind die Nebenstränge der Geschichte, namentlich die vor Klischees strotzende Story um die Boulevard-Journalistin Rakel (Anna Gunndís Guðmundsdóttir), sowie der Ausflug zu den Jugendlichen aus der Drogen-Szene. Das hätte man beides wesentlich besser lösen können, ohne auf Ideen zurück zu greifen, die man schon hundertmal gesehen hat. Aus Island als Handlungsort hat man viel zu wenig gemacht. Und wenn dann auch noch eine Auflösung dazu kommt, die etwas zu ausgedacht wirkt, dann war das am Ende leider nur eine bestenfalls durchschnittliche Krimiserie.
Stranger Things (Staffel 5, 8 Folgen, USA, Netflix) – 7 von 10
Stranger Things ist eine der Serien, die Netflix groß gemacht haben. Das ganz große Kino aus Staffel 4 (9/10) ist mittlerweile jedoch auch schon wieder über drei Jahre her und der Hype hat seitdem spürbar abgenommen. Trotzdem war allgemein die Vorfreude und die Erwartungen an die finale Staffel riesengroß. Diese Blase konnte doch nur platzen, oder?
Nach der langen Pause hatte ich zunächst einmal Probleme, wieder in die Handlung hineinzufinden. Der Start der Staffel bietet jedoch einen Moment, um sich zunächst einmal wieder zu orientieren. In Hawkins ist so eine Art Normalität eingekehrt. Klar, das ist nur von kurzer Dauer, denn Vecna (Jamie Campbell Bower) und die Demogorgon schlafen nicht, sondern haben es wieder auf die Kinder der Stadt abgesehen. In der Vergangenheit war es so, dass ich mehr Interesse an dem Flair und der Stimmung der Serie und an den Figuren hatte als an der Mythologie der Serie. Dazu kam die stets hochwertige Inszenierung und das flotte Erzähltempo, das kaum Zeit zum durchschnaufen lässt, aber trotzdem nicht zu hektisch wird. In der Vorgängerstaffel war das alles formvollendet umgesetzt, hier wird es von der epischen Last erdrückt, die das Finale zu tragen hat. Diese Staffel bietet weniger 1980er Wohlfühl-Spirit, sondern orientiert sich in seinen übergroßen CGI-Welten eher an dem Action/Superheldenkino der 2020er, was allerdings eine qualitativ eher zweifelhafte Referenz ist. Der mittlerweile riesige Cast wird nicht mehr so ausgewogen eingesetzt wie zuvor, sondern konzentriert sich wieder mehr auf die Kinder und Jugendlichen. Die Erwachsenen (relevant sind hier fast nur noch David Harbour und Winona Ryder) werden zur Seite gedrängt und glänzen meist nur noch durch Zaghaftigkeit, Übervorsichtigkeit und Ignoranz. Linda Hamilton stößt neu zum Cast und spielt eine ähnliche Rolle wie in Resident Alien, aber ist letztlich verzichtbar. Die Kinder dagegen sind die Schlauen mit den großen Plänen, die sich oft auf Sätze wie „Vertrau mir“ oder „Ich weiß es einfach“ stützen, oder die zu übermäßig großen Experten in z.B. theoretischer Physik geworden sind, so wie Dustin (Gaten Matarazzo). Überhaupt – die Kinder. Die Schauspielenden aus unserer Gang aus Staffel 1 sind mittlerweile neun Jahre älter geworden, die Kids in Hawkins dagegen nur um vier Jahre gealtert (Staffel 1 spielte im November 1983, Staffel 5 nun zu einem großen Teil im November 1987). Es wird daher immer schwerer, ihnen die Rollen von jugendlichen Außenseitern abzunehmen. Dazu kommt – und hier zitiere ich mich aus Staffel 4 – das nicht aus allen der jungen Darstellenden aus dem Ursprungscast ein hoffnungsvolles Schauspieltalent geworden ist (Finn Wolfhard und Noah Schnapp finde ich schon sehr hölzern – und wie es Millie Bobby Brown zu 71 Mio. Followern auf Instagram gebracht hat, ist mir auch ein Rätsel). Schade, dass dann wirklich eine Gute wie Sadie Sink nicht so viel zu tun hat in dieser Staffel. Immerhin konnte mit Nell Fisher wieder eine gute, junge Schauspielerin auf sich aufmerksam machen.
Insgesamt ein wuchtiges und episches Finale, welcher der lange Produktionsprozess etwas zum Verhängnis geworden ist und den großen öffentlichen Erwartungen nicht ganz stand halten kann. Inhaltlich mag ich gar nicht so viel dazu sagen, weil ich mir sehr sicher bin, dass viele andere sehr viel tiefer in der Story drin stecken und vermutlich von einigen Ungereimtheiten zu berichten haben. Für die Serie ist es ein würdiger Abschluß, welcher auch den meisten Figuren einen runden Abschied gönnt und sich trotzdem noch ein Hauch von Mystery bewahrt. Stranger Things hätte keine Folge länger sein müssen.

(Jahr und Monat in der Darstellung geben an, wann ich die jeweilige Staffel gesehen habe. Wie man sieht, bin ich erst etwas später eingestiegen)

Sentimental Value (Regie: Joachim Trier, Norwegen) – 8 von 10
Zwei Schwestern (Renate Reinsve und Inga Ibsdotter Lilleaas) sind nach dem Tod ihrer Mutter gezwungen, sich mit ihrem Vater (Stellan Skarsgård) auseinander zu setzen, einem einst erfolgreichen Filmregisseur, der nun sein Comeback plant. Das ruhig erzählte Familiendrama funktioniert gut, weil es immer erstaunlich bodenständig bleibt und nie die ganz große Eskalation sucht. Die drei Hauptdarstellenden haben untereinander eine gute Chemie, die nicht viele Worte benötigt. Dazu kommt das alte Familienhaus, das schon im Intro sehr gut eingeführt wird und bis zum Ende der Anker des Films bleibt, zu dem man immer wieder zurückkehrt. Und das Ende sitzt wirklich, darauf hat die Story sehr gut hingearbeitet. Der Film spielt im Schauspielenden-Milieu, was ihm einerseits zu gute kommt, denn hier kennt sich Autor und Regisseur Trier aus, und kann die Figuren deshalb gut beschreiben. Andererseits ist es schade, setzt der Film doch hier auf sehr klassische Motive, wie die Schauspielerin (Reinsve), die nicht weiß, wer sie selbst sein möchte, und die von ihrem Vater nicht gesehen wurde und deshalb nun auf der Bühne steht, oder der Regisseur (Skarsgård), der seinen Figuren alle möglichen Gefühlswelten zuschreiben kann und jede kleinste Geste ins Detail geplant hat, aber selbst die Gefühle seiner Mitmenschen nicht richtig einschätzen kann. Leider gönnt der Film seinen Figuren jedoch keine Spur von Selbstironie über ihre eigenen Probleme, kein Kommentar dazu, wie klischeemäßig diese doch sind. Leicht ist hier selten etwas. Der Film rettet sich bei mir trotzdem noch auf knappe 8 Punkte.

Deathgasm (Regie: Jason Lei Howden, Neuseeland, 2015, Joyn) – 7 von 10
Zwei Teenager (Milo Cawthorne und James Blake) beschwören unwissentlich einen uralten bösen Dämon, indem sie mit ihrer Heavy Metal Band einen Song von alten Notenblättern nachspielen. Der Low Budget Film macht seine Sache gut und punktet da, wo er es sollte: Es gibt ordentlich Blut und Splatter zu sehen. Das Timing passt sowohl für den Horror als auch für den Comedy Part des Films und der landet alleine dadurch schon im grünen Bereich. Dazu ist er mit 86 Minuten erfreulich knapp gehalten. Sehr viel mehr hätte die Story auch gar nicht verdient, denn sie verläuft recht überraschungsfrei. Und so akzeptiert man auch die aufkommende Romanze zwischen Außenseiter Brodie (Cawthorne) und der Schulschönheit Medina (Kimberley Crossman). Da hält sich die Story streng an die Klischee und spendiert auch den Heavy Metal Hauptfiguren nicht mehr Grautöne als nötig. Aber der Film hat es eh nicht auf die zarten Zwischentöne abgesehen, es ist kein Sentimental Values. Blut, Kettensägen, laute Musik – das ist die Welt von Deathgasm.

Eine Fahrt ins Büro und zurück. Zwei Fahrten in die Stadt und zurück. Keine besonderen Vorkommnisse.
Und das war es auch schon wieder. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit und habt einen guten Start in die neue Woche!
Ein Kommentar
bullion
Ich bin ja sehr gespannt auf das „Stranger Things“-Finale. Habe am Freitagabend mit der ganzen Familie noch einmal die allererste Episode geschaut und muss sagen, dass die schon brillant ist. Mein Plan ist nun, die Serie komplett noch einmal zu schauen. Sind dann vmtl. erst im Sommer durch, aber gut Ding will Weile haben. 😉