Der Monatsrückblick April 2017

Den Monatsrückblick gibt es dieses Mal sozusagen in der Seoul-Edition. Zwar habe ich das meiste für diesen Beitrag schon vorher geschrieben, vollendet wurde er aber nun in der südkoreanischen Hauptstadt. Und der Hinweis: Ich kann mir in jedem Land der Welt einen Sonnenbrand holen.

*** Kino ***

Die wöchentlichen Kinobesuche bis zu meinem Urlaub hielten an. Und gelohnt hat es sich auch noch meistens. Die Kinobesuche des Monats in alphabetischer und gleichzeitig auch chronologischer Reihenfolge:

Die versunkene Stadt Z 5 von 10

Der britische Abenteurer Percy Fawcett (Charlie Hunnam) entdeckt bei seiner ersten Reise an den Amazonas Spuren einer entwickelten Zivilsation. Besessen von der Vorstellung, dort die geheimnisvolle Stadt Z zu entdecken, kehrt er in den nächsten Jahrzehnten immer wieder zurück in dieses Gebiet. Der Film macht einiges richtig. Die Szenen im Dschungel spitzen sich immer wieder dramatisch zu, das Thema ist sehr interessant, auch die Szenen zum einmischenden 1. Weltkrieg überzeugen und Percys Alterung über die Jahrzehnte macht optisch was her. Das der Film trotzdem nicht funktioniert, liegt daran, dass er mehr Drama als Abenteuerfilm ist. Und sich aber leider in unzähligen, angerissen Baustellen verheddert. Mag ja sein, dass der Film auf einer wahren Geschichte beruht, aber man kann nicht ein ganzes Leben in der kurzen Zeit erzählen. Da geht sehr viel Drive verloren.

Ghost in the Shell (3D) 8 von 10

Nachdem ich einige Reviews zu diesem Film gelesen habe, muss ich das anscheinend gleich am Anfang schreiben: Ich kenne weder den Comic, noch das Anime. Ich saß ohne jegliche Vorkenntnisse im Kino, als ich die 3D-Brille aufsetzte. Und fühlte mich sehr gut unterhalten. Besonders optisch macht diese Cyberpunk Welt einiges her – die grandiose Zukunftsvision der Stadt raubt einem den Atem. Die Story um den Major (Scarlett Johansson), deren menschliches Gehirn in einen künstlichen Körper eingepflanzt wurde, kann dagegen nicht ganz mithalten. Sie wurde von der Firma Hanka geschaffen und ist die erste, die einen komplett designten Körper hat. In einer Eliteeinheit versucht sie, einen cyberterroristischen Anschlag auf eine Konferenz der Hanka-Bosse aufzuklären. Gleichzeitig will sie mehr darüber hinaus finden, wo sie eigentlich her kommt. Die Story ist relativ nahe an einem Verschwörungsthriller, ist solide und macht daher nicht viel falsch. Kann dadurch aber auch nicht aus dem Schatten der beeindruckenden Optik treten. Aber wer sich für den Film interessiert: Schaut ihn euch im Kino an!

Verleugnung 8 von 10

Deborah Lipstadt (Rachel Weisz) ist Professorin für Geschichte und gerät immer wieder mit dem selbst ernannten Historiker und Holocaust-Leugner David Irving (Timothy Spall) aneinander. Dieser strengt in England eine Verleumdungsklage gegen sie an. Das Besondere am Rechtssystem der Engländer: Die Beweislast liegt bei Lipstadt. Sie muss mit Hilfe ihrer Anwälte (u.a. Tom Wilkinson und der aus Sherlock bekannte Andrew Scott) beweisen, dass es den Holocaust wirklich gegeben hat. Der Fall klingt bizarr, beruht aber auf wahren Begebenheiten und ist im Zeitalter der Fake News wohl aktueller denn je. Gibt es Fakten, die Wahrheiten sind und nicht gedeutet werden können? Und wenn jemand etwas leugnet – irrt er sich dann oder lügt er absichtlich? Packender Fall, spannend inszeniert und mit einer zeitlosen Thematik.

Und auf dem Hinflug konnte ich bei der Lufthansa endlich Inferno mit Tom Hanks nachholen (och, ja nicht schlecht) und die Neuauflage von The Magnificent Seven (naja) sehen.

*** Serien ***

Am Anfang eines Monats denke ich ja immer, dieses Mal kommt nicht so viel zusammen. Aber durch die kurzen Staffeln sammelt sich dann doch schnell einiges an. Aber ein großes Highlight war dieses Mal nicht mit dabei. Und nach dem ich dieses Jahr bereits drei Staffeln von The Big Bang Theory nach geholt habe, gab es diesen Monat mal eine kurze Pause. Statt dessen habe ich auf Netflix endlich die zweite und letzte Staffel einer Sitcom nach geholt, die vor vielen Jahren mal auf Pro7 lief, aber dann einfach abgesetzt wurde. Die Rede ist von…

Apartment 23 (Staffel 2 / 15 Folgen) – 6 von 10

Das Kleinstadtmädchen June (Dreama Walker) zieht nach New York und landet dort in der WG von Partygirl Chloe (Krysten Ritter). Auch deren bester Freund James Van Der Beek (James Van Der Beek) taucht öfter in der WG auf. Mir hatte die erste Staffel ja sehr gefallen und auch der Start in die zweite Staffel mit der gefaketen Reunion von Dawsons Creek war mehr als gelungen. Hauptkonfliktpotential bot immer der Gegensatz zwischen June und Chloe, was sich aber im Laufe der Serie immer mehr abnutzte. So blieb das Highlight dann meist der Auftritt von Van Der Beek, der hier mal richtig den selbstverliebten Star raushängen lassen durfte.

Charité (Staffel 1 / 6 Folgen) – 7 von 10

Mit 8,3 Mio. Zuschauer zum Auftakt (Mediathek nicht mitgerechnet), die wahrscheinlich meist gesehene Serie des Jahres. Das Budget lag angbelich bei 1,2 Mio. Euro pro Folge, da konnte Regisseur Sönke Wortmann aus dem Vollen schöpfen. An der Berliner Charité sind Ende des 19. Jahrhunderts die Dinge im Umbruch. Robert Koch (Justus von Dohnanyi) arbeitet an einem Heilmittel für Tuberkolose und an seinem Privatleben – durch eine Affäre mit Schauspielern Hewdig (aber wer kann es ihm bei Emilia Schüle verdenken). Der Waise Ida (Alicia von Rittberg) wird an der Charité von Emil Behring (Matthias Koeberlin) das Leben gerettet. Diese beginnt danach an der Charité als Hilfwärterin und entpuppt sich als Wissbegieriger als erwartet. Behring dagegen will die Diphterie heilen, steht sich dabei aber oft selbst im Wege. Viele Themen werden angeschnitten, Zeit- und Lokalkolorit gepflegt, alles auf einem Level, dass dem Zuschauer auch nicht überfordert. Das ist (erfolgreicher) Mainstream und dicht an der Grenze zur Beliebigkeit, aber Wortmann ist ein erfahrener Mann, der weiß, wie man das ganze kurzweilig erzählen kann.

Fresh Off The Boat (Staffel 2 / 24 Folgen) – 7 von 10

Die Huangs behaupten sich weiterhin tapfer im Orlando der 90er und liefern dem Zuschauer immer wieder Sachen zum Schmunzeln. Das tut nicht weh, ist nicht revolutionär und man haut sich auch nicht die Schenkel blutig vor Lachen, Spaß macht es aber trotzdem. Nicht mal die Kinder nerven, das ist ja sonst immer eine knifflige Geschichte bei Sitcoms. Und wenn Mutter Jessica (Constance Wu) loslegt, stiehlt sie allen anderen die Show.

Mr. Robot (Staffel 1 / 10 Folgen) – 7 von 10

Elliot (Rami Malek) arbeitet bei der IT Firma Allsafe Cybersecurity und ist ein Meister seines Fachs. In seiner Freizeit hackt er die Daten seiner Mitmenschen. Mit Morphin versucht er, seine Angstzustände in den Griff zu bekommen. Eines Tages wird er von dem geheimnisvollen Mr. Robot (Christian Slater) für dessen Untergrundorganisation fsociety recrutiert. Sie planen, sich bei E Corp einzuhacken und dort sämtliche Unterlagen über Kreditvergaben zu löschen, um damit das globale Finanzsystem ins Wanken zu bringen. Am Anfang habe ich etwas gebraucht, um in die Serie rein zu kommen. Die Finanzwelt und das Hacken, das sind schon zwei Brocken, in die man sich erst einmal reindenken muss, damit da irgendwie Spannung aufkommen kann. Dazu noch ein Giftmüll-Skandal – die Fülle an Themen ist anfangs schwer zu durchschauen. Richtig gepackt hat es mich dann erst im letzten Drittel, wenn die persönlichen Dramen rund um Elliot und Tyrell (Martin Wallström) spürbar an Intensität gewinnen. Aber die 80er-Attitüde “Mach kaputt, was dich kaputt macht” funktioniert von Beginn an.

The Walking Dead (Staffel 7 / 16 Folgen) – 6 von 10

Die neue Staffel startet fulminant mit der lange erwarteten Auflösung des Mega-Cliffhangers und enttäuschte nicht. In einer extralangen Folge sah man, wie Rick (Andrew Lincoln) systematisch von Negan (Jeffrey Dean Morgan) gebrochen wird. Dazu wird in dieser Folge auch mit Blut und Splatter nicht gegeizt und war danach tatsächlich mal wieder Tagesgespräch. Das man dieses Niveau nicht halten konnte, war klar, aber dass die Staffel dann so abrauscht, das war nicht zu erwarten. Der Storybogen bis zum Finale war konsequent so, wie es zu Beginn wohl jeder vorhergesagt hätte, und plätscherte daher einfach so dahin. Man konzentrierte sich oft auf kleinere Nebenfiguren, wo eigentlich nur die Geschichte rund um Eugene (Josh McDermitt) etwas unerwartet verlief und vielleicht grade deshalb noch mit die Beste war. Andere Figuren sind dagegen auserzählt und reagieren nur auf Stichworte, die man ihnen hinwirft – Daryl (Norman Reedus), knurr doch mal! Demnächst bitte wieder etwas mehr Zug zum Tor!

Wynonna Earp (Staffel 1 / 13 Folgen) – 6 von 10

Wynonna Earp (Melanie Scrofano), Urenkelin von Wyatt Earp, kehrt nach einigen Jahren in ihre Heimatstadt Purgatory zurück. Dort wird sie auch dringend gebraucht: Die Verbrecher, die Wyatt seinerzeit umgebracht hatte, tauchen als Dämonen wieder auf und nur Wynonna kann sie mit Hilfe des legendären Peacemakers wieder zurück ins Jenseits bringen. Hilfe erhält sie dabei von dem Geheimagenten Dolls (Shamier Anderson) und ihrer jüngeren Schwester Waverly (die häufig bauchfreie Dominique Provost-Chalkley). Und welche Rolle spielt dabei Doc Holiday? Die Dämonenjagd erfindet das Fernsehen nicht neu, kann man sich aber durchaus ansehen. Sympathische Hauptfiguren mit einer gewissen Selbstironie und schöne Panoramen – besonders, wenn der Schnee einsetzt – lassen die eher zweitklassigen Special-Effects vergessen. Prinzipiell geht ein Mix aus Western und Horror ja immer, nur ermüdet die Dämonenjagd der Woche auf Dauer ein wenig. Und auch innerhalb einer Folge plätschert es manchmal lange vor sich hin. Aber für einen Sonntag Nachmittag auf der Couch reicht es.

Was steht im Mai alles an? Da verblasst alles gegen den Start der lang erwarteten dritten Staffel von Twin Peaks am 25. auf Sky Atlantic. TNT Serie zeigt ab dem 8. ihre deutsche Eigenproduktion 4 Blocks. Und bereits am 5. bringt Tele 5 die letzte Dexter-Staffel das erste Mal ins Free-TV. Tut euch das nicht an! Sonst sehe ich noch nicht spannendes auf der Ankündigungsliste. Habe ich was übersehen?

*** Wie geht’s dem KSC? ***

Bilanz: 5 Spiele, 1 Punkt, 2:11 Tore, Platz 18.

Absteiger, und zwar zu Recht. Konsequenterweise wurde Slomka genau nach dem Punktgewinn entlassen. Enough said.

*** Musik ***

Besuchte Konzerte: 2 (Temples und Circa Waves). Gekaufte Konzerttickets: 2 (Me First And The Gimme Gimmes im Juni und Kasabian Ende Oktober).

Manche Bands wollen einfach nur spielen. So wie Can’t Swim aus New Jersey. Die erfinden die Musik nicht neu, machen Punkrock der Marke Menzingers, aber das mit viel Herzblut. Und letztlich ist es doch das, was zählt. We won’t sleep, hört rein.

Und da ich grade nichts zweites aktuelles habe, hier noch ein Lied, was thematisch nach Südkorea passt: Seoul Love (oder so ähnlich) von den doch etwas unterschätzten Beady Eye. Zündet vielleicht nicht beim ersten Hören, aber setzt sich schon im Ohr fest.

*** Foodpic des Monats ***

Ich könnte jetzt groß etwas anderes erzählen, aber das hier habe ich tatsächlich noch in München gegessen. Die Location war das LeDu in der Theresienstraße und ist wirklich zu empfehlen. Das hier war die bunte Mischung aus 10 verschiedenen, gedämpften Dumplings. Die waren eigentlich alle gut, man wusste nur nicht so genau, welcher was war. Aber vielleicht will man das auch gar nicht so genau wissen.

*** Foto des Monats ***

Ein erstes Foto aus Seoul. Heute bin ich bei der Besichtigung des Deoksugung Tempels in die Probe für eine große Zeremonie geraten, die morgen statt finden soll, incl. TV-Leinwänden und Presse-Bereichen. Im Hintergrund ist die Halle der Mittleren Harmonie zu sehen, in der 1907 der letzte koreanische Kaiser gekrönt wurde.

Und das war’s für diesen Monat. Herzlichen Dank für die Aufmerksamkeit.

This entry was posted in Der richtige Ton, Was mit Medien. Bookmark the permalink.

8 Responses to Der Monatsrückblick April 2017

  1. ide02 says:

    Du wirst sicherlich lachen: Es steht wieder die Überlegung im Raum sky noch eine Chance zu geben. Weil sie ab Juli die neue Staffel von Game of Thrones anbieten. Und vielleicht können wir dann doch mal auf den Genuss von Walking Dead 7 kommen…
    Hier ist auch Trauerzustand wegen KSC. :-( Aber vielleicht steigen sie ja nächstes Jahr schon wieder auf?! Positiv denken…

  2. Christine says:

    Bei Mr Robot mochte ich die erste Staffel sehr gern (vor allem fand ich’s cool – als ich sie mit meiner Schwester noch mal geschaut habe – wie sehr durchdacht sie von Anfang an ist und wie man eigentlich auch gleich auf gewisse Wendungen stoßen könnte…), aber die zweite hat mich dann leider maßlos enttäuscht…

    Bei The Walking Dead gibt’s auch immer mal solche und solche Staffeln. Da sind die Schwankungen groß.

    Oh ja! Der Königsee wird touristisch echt ausgeschlachtet. Man muss schon früh dran sein und am besten auch wandern. Dann geht es etwas…

    • Nummer Neun says:

      Das kann ich bei Mr. Robot verstehen, da sieht man die ersten Folgen mit Sicherheit noch einmal mit ganz anderen Augen. Ich kann halt nur sagen, ich habe lange gebraucht, um rein zu kommen, und glaube nicht, dass es nur an mir lag. Deshalb gab es nicht mehr Punkte…

      Ich war ja ehrlich gesagt schon (viel zu) lange nicht mehr am Königssee…

  3. donpozuelo says:

    Endlich mal jemand, der nicht nur über “Ghost in the Shell” flucht. Ich mochte ihn auch – und das obwohl ich das Original kenne.

  4. bknicole says:

    Dann spare ich mir wohl “Z – Die versunkene Stadt”. Schade, der Trailer wirkte echt super. Bei den Serien bin ich ja gespannt auf die siebte Staffel “The Walking Dead”. Die meinungen dazu sind ja gespalten. Ich muss ja gestehen, dass ich schon die letzte Staffel nur am Anfang gut fand, der Mittelteil war dann recht langweilig, das Finale dann aber wieder sehr spannend. Aber irgendwie fehlt mittlerweile der Pepp. Mr. Roboto und Wynona Earp habe ich hingegen noch auf den Watchlisten. Ich werde diesen Monat definitiv mal in “This Is Us” reinschauen, das wurde ja sehr gefeiert in den Usa. Und auf ne richtig gute Dramaserie habe ich echt mal wieder Lust.

    • Nummer Neun says:

      Stimmt, This is Us startet ja auch. Ist wahrscheinlich nicht so meins, aber ich bin sehr gespannt, ob es hier auch so erfolgreich wird wie in den USA.

      Mr. Robot ist gut, ich habe nur eine ewig lange Anlaufszeit dafür gebraucht. Wynona Earp ist nett für zwischendurch, allerdings fand ich die beiden Earp-Schwestern auch ganz nett. Ob für dich was vergleichbares dabei ist, weiß ich nicht ;)

Hinterlasse einen Kommentar zu ide02 Antwort abbrechen